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Die politische Nullnummer von Xing.

5. August 2009 | 5 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Gut, ich bin kein Fan der Piratenpartei, weil ich kein Fan von Parteien bin, die sich nur um bestimmte Aspekte einer bestimmten Klientel kümmern und den Rest außen vor lassen. Ich kann deshalb nur wenig mit den Grünen anfangen, aber auch wenig mit der FDP, wenig mit der Linkspartei und auch eben wenig mit der Piratenpartei.

Die wahre Kunst im politischen Geschäft besteht meiner Meinung (!) nach nicht darin, den Generationenkonflikt dadurch aufzulösen, in dem sich jede Generation eigene eigene Partei sucht und über die Medien miteinander kommuniziert, sondern darin, diesen Konflikt innerhalb einer Partei zu diskutieren. Das ist zwar mitunter von Anfang an ein sehr mühsames Geschäft, allerdings bringt es allendhalber nichts, wenn man sich von Ortsvereins- bis Bundesvorstandsebene immer einer Meinung ist und dann einen Kampf gegen politische Windmühlen führen muss, die ganz andere Kaliber an Meinungsmacher haben. Ich halte es bei der Zensursula-Debatte nämlich für ein zentrales Problem, dass die “Gegenseite” der Schäuble-von-der-Leyen-Guttenberg-Fraktion zwar gut organisiert, aber auch scharf umgrenzt ist – so umgrenzte Gruppierungen lassen sich in einer normalen politischen Debatte einfacher ausgrenzen, als Aktivisten, die in einer größeren Volkspartei gut vernetzt sind.

(Das mag man jetzt aus meinem Rachen als SPD-Werbung missverstehen, damit kann ich leben. Die geneigten Leser dieses Blogs und auch mein Freundeskreis wissen, dass ich nach wie vor sauer über die Art und Weise bin, wie sich die SPD in der Zensursula-Debatte verhalten hat.)

Nichtsdestotrotz haben kleinere “Special-Interest-Parteien” auch ihre Berechtigung, demzufolge auch die Piratenpartei. Und man muss auch so fair sein und der Piratenpartei die Berechtigung als Partei zugestehen, die sie als Partei nun mal hat. Und wir wollen und dürfen auch nicht vergessen, dass die Piratenpartei aufgrund des Parteiwechsels von Jörg Tauss nun eben im Bundestag vertreten ist. Ja, auch Xing sollte das verinnerlichen, wie Benedikt Schmidt das bemängelt. Immerhin kam Xing ursprünglich mal mit dem Ansatz daher, komplett überparteilich und unpolitisch sein zu wollen.

Ganz persönliche Meinung: Es wäre schöner gewesen, wenn sich Xing auch daran gehalten hätte und nicht sowas unsägliches und retortenhaftes fabriziert hätte, was in meinen Augen nur eine reine Showveranstaltung ist: http://wahl.xing.com/

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Zensursula gibt nicht auf.

2. August 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ein Interview des Hamburger Abendblattes – das Zielblatt und dessen Verlag (Axel Springer) für das Interview lässt schon recht eindrücklich einsortieren, dass es mal wieder um ein “Bauchthema” geht – mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen lässt aufhorchen. Dort ist nämlich Ursula von der Leyen schon einen Schritt weiter und antwortet bei der Fragestellung, ob Grundregeln unserer Gesellschaft online wie offline gelten sollten, sehr anschaulich:

abendblatt.de: Sie argumentieren, Grundregeln unserer Gesellschaft müssten online wie offline gelten. Warum sperren Sie dann nicht auch Internetseiten, die Nazipropaganda verbreiten oder Gewalt gegen Frauen verherrlichen?

Von der Leyen: Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Der Straftatbestand Kinderpornografie ist klar abgrenzbar.20Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.

Hat tatsächlich jemand geglaubt, dass die Diskussion um Online-Sperren nun beendet wären? Denn genau jetzt wird es richtig losgehen und ich bin weitgehend überzeugt davon, dass das Thema “Schmutz im Internet” ein hervorragendes Wahlkampfthema für die CDU hergeben wird und Ursula von der Leyen mangels anderer “Erfolgsgeschichten” aus dem Familienministerium im Zweifel nicht auf die äußerst bewährte Mischung aus Demagogie, Agitation, Lügen, Diffamierungen ganzer Personengruppen und anderer, “unterentwickelten” Nationen verzichten wird und das ganz große Karussell drehen wird. Und sie wird sich dabei nicht schade genug sein, ein paar Augenblicke später wieder mit Kindern in Kindergärten publikumswirksam Kinderlieder zu trällern.

Dass Zensursula ein vortreffliches Wahlkampfthema abgeben könnte, unterstreicht auch ein weiterer Umstand: Die Konkurrenz in Form der SPD kann nicht darauf einschlagen, weil sie es mitgetragen hat. Na klar, sicherlich wird die SPD dann sagen, dass ja sie es war, die das Sperrgesetz in zeitliche Grenzen und auf Kinderpornografie beschränkt hat, aber der nächste Level der CDU-Wahlkampfargumentation wird sein, dass man “Kante zeigen muss”, vor allem gegenüber dem “richtigen” Schmutz, also im Zweifelsfall Mobbing (immer ein gutes Thema, da hat man auch sofort das Unterschichtenfernsehen dran), islamistische Websites, Bombenbauanleitungen, suchtmachende Dinge wie Glücksspiele und – immer für einen Wahlkampfschlager gut – der Kampf gegen Rechts.

Der einzige Rettungsanker wird der sein, dass Zensursula voraussichtlich nur ein “weiches” Wahlkampfthema sein dürfte. Es gibt für eine breite Kommunikation in die Gesellschaft zu wenig Konsistenz her, ist relativ schnell verbraten und lohnt deshalb nur als kleine Zwischenmahlzeit oder als Anhänger zu einem anderen großen Thema. Würde also eine islamistische Gruppierung irgendwo in der Republik ein Bömblein hochgehen lassen, wäre die Ausweitung von Zensursula auf eben solch islamistische Websites ein hübsches Anhängerthema, mit der man auch Familienministerin Ursel hübsch in die Diskussion einbauen kann.

Diese Art von Wahlkampfplanung ekelt? Tja, das ist Wahlkampf. Und da die CDU schon angekündigt hat, dass ihr Wahlkampf “kurz und hart” sein wird und erst am 1. September beginnt, dürfen wir uns auf sehr beschauliche vier Wochen freuen, die vermutlich gewaltige Akzente im weiteren Abbau der Meinungsfreiheit setzen wird. Das “Team Deutschland” wird schon dafür sorgen.

[via netzpolitik.org]

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Wir machen dann mal Online-Wahlkampf, nicht?

23. Juni 2009 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Das wird sich wohl die Wahlkampftruppe um die OB-Kandidatin Christel Augenstein gedacht haben, als sie nun heute mit dem Bloggen angefangen haben, mit zwei rückdatierten Artikeln aus den Wochenenderlebnissen einer Oberbürgermeisterin (“Mein erlebnisreicher Sonntag”) und vom “Jahrmarktschießen mit Familie” – das hinten dreingrinsende Wahlkampfteam war wohl zufällig auch auf der Mess’. Mangels eigenem Blog veröffentlicht unter “Aktuelles”.

Alles heute. Fünf Tage vor dem zweiten und entscheidenden Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl Pforzheims. Ich muss zugeben, ich habe geweint vor Lachen. Und ich fühle mich auch ein kleinwenig beleidigt, denn immerhin bloggen wir mit unserem OB-Kandidaten Gert Hager schon seit sechs Monaten, rechneten quasi jeden Tag damit, dass die Gegentruppe nun endlich mal in ihr Online-Campaigning einsteigt – und nichts passierte. Betonung auf “nichts”: Es gab bis vor kurzem noch Tage im heißen Wahlkampf, da war der älteste Artikel auf ihrer Website zehn Tage alt und der Terminkalender leer.

In Sachen Online-Campaigning gibt es zwei Fehler: Es entweder stümperhaft zu betreiben und dann noch kurz vor der Wahl in Aktionismus auszubrechen und krampfhaft zu versuchen, verlorenen Boden wiedergutzumachen. Fehler Nummer 1 existierte schon von Anfang an und Fehler Nummer 2 kommt offensichtlich nun. Garniert wird das mit den schon bisher aufgefallenen Lächerlichkeiten wie dem kläglichen Versuch, authentisch zu schreiben, mit einer halbwegs korrekten Rechtschreibung und mit einer wenigstens nachvollziehbaren Kommasetzung. Wenn man schon das Ich-Paradigma verwendet, sollte man dem schreibenden Knecht, der sich da dann abends die “erlebnisreichen” Geschichtchen ausdenkt, erklären, dass seine Rechtschreibfehler automatisch die der Person sind, für die er schreibt.

Das für mich ärgerliche: Sie hätten nur bei uns abgucken müssen. Wir haben zuerst angefangen und haben von Anfang an alles online begleitet, was es zu verwerten gab. In der Zwischenzeit ist es so viel, dass eine Auswahl getroffen werden muss, aber: 200 Artikel bis heute und 25.000 Besucher im Monatsdurchschnitt. Bei einer Stadt mit rund 100.000 Einwohnern. Das ist Online-Campaigning.

Und da kommt die armselige Truppe der Gegenkandidatur fünf Tage vor der Wahl angewackelt und beginnt mit dem Pseudobloggen…

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Wahlkampfverlängerung.

8. Juni 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in PolitikWelt

Offenbar waren wir so gut, dass wir nochmal ran dürfen. Die OB-Wahl in Pforzheim hat sich am Sonntag deutlich zum Positiven für den von mir unterstützten Kandidaten Gert Hager gewendet, immerhin fuhr er 43,8 Prozent der Stimmen ein, während die Amtsinhaberin 40,4 Prozent holte. Da für einen Sieg im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit notwendig ist, hat damit erst mal keiner gewonnen und es kommt auf einen zweiten Wahlgang in drei Wochen an. Hier gewinnt derjenige mit einer relativen Mehrheit – wer die meisten Stimmen hat, wird OB. Das heißt für uns als unterstützendes Team für Gert Hager, dass wir demnach Verlängerung haben. Mit diesem Vertrauensbonus kann man da sicherlich etwas anders herangehen, wobei wir von Übermut weit entfernt sind. Hochmut kommt vor dem Fall, deshalb machen wir jetzt einfach weiter.

In Sachen Online-Campaigning: Die letzten drei Tage vor der Wahl und der Wahlsonntag selbst waren der absolute Wahnsinn in Sachen Zugriffszahlen. Das hat meine lange gehegte Vermutung, dass sich Wähler erst in den letzten Tagen und Stunden entscheiden und dann im Zweifelsfall auch die Websites der Kandidaten zum Vergleich nehmen, voll bestätigt. Und das Hübsche dabei ist, dass ein monatelanger Vorsprung an Content hier Gold wert ist. Wir haben rund achtmal mehr Artikel, als die Amtsinhaberin und ungefähr zehnmal mehr an Fotos. “Content kills” und ab einer gewissen Masse springt dieser Reaktor von selbst an und zündet. Und wenn man seine Hausaufgaben gut gemacht hat, läuft dieser Reaktor bis zum Wahltag unaufhaltsam und uneinholbar. Da macht dann auch eine Verlängerung nicht viel aus, die Online-Wahlkampfbegleitung geht einfach nahtlos weiter. Der Coup übrigens, dass Gert Hager auf meine Empfehlung hin einen eigenen Wahlaufruf an Besucher richtet, ist schamlos von Barack Obama geklaut. ;-)

Das allein wäre es nicht gewesen, aber es kam etwas, was so wertvoll ist, dass man davon in größeren Zahlen zutiefst gerührt ist: Feedback von Wählerinnen und Wählern. Zustimmung zur Kampagne, Glückwünsche, Lob, Anregungen, Nachfragen, Hinweise auf Rechtschreibfehler (!), Angebote zur Mitarbeit. Und das zum größten Teil von Menschen, deren Namen selbst im näheren Dunstkreis des Wahlkampfteams neu sind, die also demnach komplett über Online zur Kandidatensphäre gefunden haben. Am Anfang hatte ich noch die Befürchtung, dass ich mich mit meiner Bitte an den Kandidaten, Feedback möglichst rasch zu beantworten, lächerlich mache. In der Zwischenzeit gehört das zu einem festen Arbeitsposten von ihm, den er sich nicht nehmen lässt. Und ich glaube fest, dass das einen modernen Politiker auszeichnet.

Wer als Leser oder auch als Schreiber dieses Medium nutzt und entwaffnend einsetzt, Augen und Ohren aufmacht und das Kampagnen-Weblog als Kommunikationsplattform sieht, nicht einfach nur als Bewegtbildausgabe des Wahlkampfprospektes, der kommt der Magie sehr, sehr nahe und findet sich plötzlich sehr schnell in der Erkenntnis, dass das Wahlkampf-Weblog weniger Arbeit macht, als es Faszination zurückliefert.

Was bin ich froh, dass ich mit Gert Hager einen OB-Kandidaten erwischt habe, der dieses Experiment Online-Campaigning von Anfang an mitgemacht hat. Der anfängliche Dialog im Dezember, als alles noch eine geheime Kommandosache war, ging in etwa so:

Gert: “Funktioniert das mit dem Weblog denn auch?”

Besim: “Technisch ja. Ob es uns da hinführt, wohin wir hinwollen, kann ich dir nicht sagen, aber wenn wir es nicht probieren, werden wir es nie erfahren.”

Gert: “Gut, hört sich plausibel an, dann machen wir es.”

Auf in die nächsten drei Wochen Verlängerung und dann gibt es einen Abschlussbericht. :-)

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Wahlkampfendspurt(e).

27. Mai 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Wir sind mittendrin – T minus 11 Tage bis zum Wahlsonntag und dann haken wir Europawahl, Kommunalwahl in Baden-Württemberg und Oberbürgermeisterwahl in Pforzheim ab. Tendenzen? Keine Ahnung. Und das ist eigentlich sehr schade.

Gerade bei Kommunal- und OB-Wahlen wäre es an sich sehr hübsch, wüsste man etwas Repräsentatives um die Tendenzen und Stimmungen in der Stadt. Dass man dafür nicht unbedingt ein national agierendes Meinungsforschungsinstitut nehmen (bzw. bezahlen) kann, ist klar, aber eigentlich müsste man da auch etwas in einer deutlich kleineren Nummer stemmen können. Eigentlich wäre das ja eine Hausaufgabe für eine Lokalzeitung, aber lassen wir das leidige Thema.

Irgendwie ist hier irgendwo Potential drin, Potential für krasses Politik 2.0. Ich muss darüber noch einige Zeit brüten und schlafen, aber da schwelt Potential. Es geistert vor meinem inneren Auge, ist erst noch ansatzweise greifbar, aber doch irgendwie “da”. Das einzige, was mir da klar ist: Für bedrucktes Papier ist kein Platz mehr. Und daran haben noch nicht mal wir Web-Zwei-Nuller Schuld, das verhageln sich die Printleute komplett selbst. Da muss man sich nur den Heidelberger Appell antun, um zu sehen, dass man offenbar im kollektiven Geheule immer noch mehr Potential sieht, als in der kreativen Frage, wie es denn nun wirklich weitergehen soll.

Das erste Mal, dass ich es bedaure, dass meine Eltern nicht, wie es sich für eine türkischstämmige Familie gehören würde, eine Horde Gebrüder produziert hat, die ich jetzt exquisit mit Arbeitsaufträgen und Gedankenexperimenten versorgen könnte. Diese Konzept der familiären Zusammenarbeit/Fronarbeit haben uns die Chinesen einfach voraus. ;-)

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Einfallslosigkeiten beim Wahlkampf-Claim.

11. Mai 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ich bin nun wirklich keiner, der kleineren Wahlkampfscharmützeln ständig aus dem Weg gehen muss – ganz im Gegenteil: Wahlkämpfe beinhalten das Wort “Kampf” und wenn man hierbei streng bei verbalen Kämpfen bleibt, kann klug und fair geführter, verbaler Wahlkampf für alle Beteiligten und auch für den Wähler sehr spannend sein. Politik lebt vom Wort und von Argumenten und wenn man das noch mit einer Prise Witz würzen kann, kann auch der eher ungeliebte Teil des Wahlkampfes, das richtige Wording, noch richtig Spaß machen.

Unsere SPD-Liste für die Gemeinderatswahl in Pforzheim läuft unter dem Motto “Kluge Köpfe für Pforzheim”. Das hat sich schon vor einigen Monaten unser Kreisvorsitzende ausgedacht und das wurde auch – weil es ein wirklich guter Claim ist – sehr schnell von den Entscheidungsgremien der Parteiführung angenommen und frühzeitig in die Wahlkampfstrategie gegeben.

Umso erstaunter war ich, als ich heute morgen das erste Mal eine Zeitungsanzeige der CDU Pforzheim gesehen habe und nun tatsächlich einmal das Presswerk der Konkurrenz sehen konnte, über das sich die Genossen schon seit einigen Tagen lustig machen. Denn dort grinsen doch tatsächlich die CDU-Kollegen mit dem Slogan “Helle Köpfe für Pforzheim” aus der Zeitung, obwohl der eigentliche CDU-Slogan superbrillant unter dem Slogan “Team40” läuft. (Dass man die offenbar besonderen Teamfähigkeiten der CDU immer wieder besonders herausstreichen muss, hat mich ja schon vor einer Weile bei der Analyse des Claiming der Bundes-CDU amüsiert.)

Nichts gegen Ironie im Nahkampf! Ich hätte noch Verständnis gehabt und der Konkurrenz die Schadenfreude gegönnt, wenn sie unseren Claim irgendwie zugespitzt hätten und das noch halbwegs sinnvoll klingt, also beispielsweise “Noch klügere Köpfe für Pforzheim” oder sowas ähnliches. Aber einfach unseren Claim zu nehmen, ein praktisch gleichwertiges Synonym für “klug” zu nehmen und bei der Umsetzung jegliche Ironie vermissen zu lassen, das ist nicht mehr sonderlich originell, das ist schlicht plump geklaut.

Und wenn man das dann noch im Rahmen dessen sieht, dass die CDU Pforzheim auf ihrer Kampagnenseite ihr Wahlprogramm hübsch in verschiedene Themen eingeteilt hat, dabei jedoch ein Drittel der Themen noch in Bearbeitung sind und fehlen, dann muss ich konstatieren, dass die Kollegen da gewisse Mängel an Kreativität und Fleiß an den Tag legen und das offensichtlich noch nicht mal mehr gut verstecken. So macht das wirklich keinen Spaß, Freunde.

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“Ich” oder “Wir” im Wahlkampf?

1. März 2009 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Eine sehr beliebte Frage im Umfeld von Politik 2.0 ist die Frage, wie man eigentlich als Wahlkampfteam online auftritt. Dazu gebe ich eine Analogie aus dem klassischen Wahlkampf als Argument zur Diskussion: Ein Infostand in der Fußgängerzone einer x-beliebigen Stadt. Dort steht der zu wählende Kandidat, nennen wir ihn einfach mal Jakob Maria Mierscheid, und, sagen wir, zehn Menschen aus seinem Wahlkampfteam, die Gespräche mit Passanten suchen, Material verteilen. Stehen da nun elf Jakob Mierscheids, um mal die klassische Vorgehensweise in der politischen Kommunikation zu beschreiben, oder ein Jakob Maria Mierscheid und zehn weitere Individuen mit eigenem Namen, eigenen Ansichten, eigenen Verbindungen zum Kandidaten, aber alle mit der Gemeinsamkeit, dass sie sich mit dem Kandidaten identifizieren?

Ich halte diese große Portion Authentizität (wenn man nicht gerade ein bezahltes Team für sich laufen lässt) für ein großes Kapital und hohes Gut in einem jeden Wahlkampf und aus diesem Grund steht es außer Frage, dass man dieses Humankapital praktisch zwingend auch im Online-Wahlkampf einsetzen muss – weil es schon da ist. Nichts ist wertvoller als die “Front Runner”, die Menschen, die an der Wahlkampffront stehen.

Wie das funktioniert, machte der Online-Campaigning-Altmeister Barack Obama vor. Und es war deshalb so gut, weil es kaum auffiel, denn es schrieb beispielsweise “David Plouffe, BarackObama.com”. Und genauso kann man es auch im Online-Wahlkampf halten, da ist es dann eben “Thomas Gottschalk, Team Jakob Maria Mierscheid 2009″ oder ähnlich und genau damit werden in der Kampagne E-Mails absenderadressiert oder das Wahlkampf-Weblog bestückt.

Wenn man nicht gerade jeden Tag einen neuen Namen einführt und die Leute des Wahlkampfteams auch einmal im Bild hat, leidet darunter keinesfalls die Glaubwürdigkeit. Genau das Gegenteil wird der Fall sein.

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Start des Internet-Wahlkampfes.

2. Januar 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Ich habe vorgestern ja kaum noch die Klappe halten können, aber nun können wir ja getrost das Superwahljahr einläuten. Mit der Homepage des Oberbürgermeisterkandidaten Gert Hager beginne ich mal, immerhin wird sich hier in meiner Heimatstadt beworben.

Wie der geneigte Kenner sieht, wird ein WordPress eingesetzt. Das deshalb, weil es schnell gehen sollte und die Konzeption und Wahlkampfführung ein Blog vorsieht. Näheres kann man dann leider schon wieder nicht öffentlich herauslassen, aber lassen wir es einfach mal so, wie es jetzt steht: Ein Blog, ein (noch nicht gefüllter) Terminkalender und nun nach und nach folgende Texte. Interessant wird es nun, das Blog-Paradigma in den Wahlkampf zu pflanzen, aber ich habe inzwischen deutlich weniger Bauchschmerzen, als noch vor ein paar Wochen, als das alles nur eine Wolke war. Jetzt ist es da, ich passe noch hinter den Kulissen das CSS feiner an, feile noch etwas an den Plugin-Einstellungen und arbeite die Kampagne fertig aus.

Und es kann mir jeder sagen, was er will: Web 2.0 ist für “ganz unten” im politischen Bau, der Kommunalarbeit, einfach der Werkzeugkasten der Zukunft. Hier ist die Idee des Web 2.0 in seiner Herzkammer.

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Nach der Wahl – ist was genau?

5. November 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Nun ist Barack Obama als der nächste US-Präsident gewählt. Herzliche Glückwünsche, ehrlich! Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter ihm und seinem Team und nach rund zwei Jahren Wahlkampf (wenn man die Vorwahlkämpfe mit einbezieht) kann man wirklich sagen, dass das eine Menge Arbeit war.

Muss man jetzt dann pathetisch sein und Barack Obama schon in die Ahnengalerie stellen? Nein, muss man nicht. Ein solches Amt besteht aus zwei fundamental unterschiedlichen Teilen, dem Wahlkampf und der Amtsperiode. Wahlkampf ist Werbung, Marketing und Verkaufen, Amtsperiode ist dann die Produktion und Abwicklung. Das Erstere ist bunt, mächtig und illustrativ, das Letztere dann mitunter trocken, unangenehm und ernüchternd. Es wird die wahre Kunst sein, dass dann dem Volk zu verkaufen.

Sprich: Nun hat er erst einmal sein Amt, geerntet mit zugegeben sehr aufopferungsvoller und disziplinierter Arbeit und dafür gebührt ihm zweifellos hoher Respekt. Ab Januar 2009 muss er sich dann aber erst einmal beweisen und das wird bei den grauenvollen Trümmerfeld, dass George W. Bush auf praktisch allen Schlachtfeldern hinterlässt, eine entsetzlich komplexe Arbeit. Und nach den ersten 100 Tagen, nach dem ersten Jahr, da reden wir dann nochmal. Das maximale, was ich an Vorschusslorbeeren geben kann: Ich kann mir gut vorstellen, dass er das packt.

Ich weiß, ich sehe das sehr trocken – vielleicht auch etwas zu trocken. Aber das ist nun einmal Wahlkampf. Am ehesten erträglich für ehemalige Fernsehleute, abgebrühte Systemadministratoren und Projektmanager. ;-)

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Barack versus Sarah.

1. November 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Es geht also wieder los, das Gezittere und die schale, latente Angst im Hinterkopf, wer denn nun am nächsten Dienstag als nächster US-Präsident gewählt wird. Während sich der Planet Erde außerhalb der USA weitgehend darüber einig ist, dass Barack Obama derjenige ist, der am ehesten die Zügel anpacken sollte, ist das in den USA wieder einmal eine Zitterpartie. Und dabei geht es nur auf den ersten Blick um Barack Obama und John McCain, denn mit 72 Jahren und einer erschreckend umfangreichen Krankenakte ist die Gefahr, dass McCain während der Präsidentschaft abtritt, verhältnismäßig hoch. Und dann wäre Sarah Palin am Steuer.

Eine Frau, bei der jeder ausgesprochene Satz Abgründe über ihren Intellekt darlegt, die ihren ersten Reisepass erst weit in ihrer fünften Lebensdekade beantragt hat, deren Haltung zum so genannten Intelligent Design derart krass abstrus sind, die nachweislich korrupt ist und die schlicht und einfach nur deshalb die Menschen anspricht, weil sie für ihr Alter im aufgebrezelten Zustand verhältnismäßig gut aussieht und der lebende Beweis dafür ist, dass man auch mit bescheidenem Intelligenzquotienten verhältnismäßig weit hoch kann, wenn man die richtigen Zapfen krault. Und darüber hinaus entsetzlich humorlos ist, was das größte Warnzeichen ist, wenn man mit einem Politiker zu tun hat.

So eine Person an einem Tisch, an dem davor schon acht Jahre lang zuvor ein George W. Bush, dem ewig ungeliebten Sohn einer mächtigen Familie, dessen Mission es war, es ausgerechnet durch die US-Präsidentschaft allen zeigen zu wollen, die Welt unsicher gemacht hat, kann nur haarsträubend sein. Ein US-Präsident John McCain/Sarah Palin wäre der Beweis dafür, dass es der Mehrheit der US-Bevölkerung schlicht scheißegal ist, wen sie da als Bodenpersonal in das Weiße Haus installiert.

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