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Obama 2012 – Grassroots-Volunteering per Telefon.

15. Januar 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in Allgemein, PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Zum Partybuilder als zentrales Werkzeug zur Mobilisierung und Verwaltung von Mitstreitern habe ich schon im letzten Artikel meines kleinen Obama-2012-Dossiers etwas geschrieben. Es war also an der Zeit, das Thema Grassroots-Volunteering auch selbst auszuprobieren, also an der nach dem Schneeballsystem organisierten Art und Weise der Rekrutierung von Mitstreitern teilzunehmen. Und das geht bestechend einfach.

Volunteering im Liveexperiment

Ich habe mich dazu einfach einmal eingeloggt in die Obama-2012-Website und bin in das Volunteering-Tools gewechselt. Single-Sign-On, der Einstieg ist also so arm an Hürden, wie nur möglich. Und man ist dann auch mittendrin, denn passend zur Uhrzeit wird dort angezeigt, in welchen US-Bundesstaaten ein Anruf gerade am sinnvollsten ist und mit einem Klick auf einen Bundesstaat ist man auch sofort mittendrin im Anruf-Tool. Für deutsche Datenschutzverhältnisse ein absoluter Horror, in den USA aber zumindest in der politischen Arbeit ein unverzichtbares und sogar akzeptiertes Mittel zur Information:

Links erscheint die Rufnummer und der Name der anzurufenden Person (Rufnummer und Nachname von mir geschwärzt) und rechts ist ein Textvorschlag als Leitfaden (die volle Ansicht der Seite gibt es ganz unten im Artikel als Anhang). Das ist so perplex einfach, dass ich tatsächlich zum Hörer gegriffen habe und die Telefonnummer des beschriebenen Anthony in Conneticut gewählt habe, rein aus Neugier. Vermutlich ist es aber genau diese extrem niedrige Einstiegshürde, die dafür sorgt, einfach in die Kampagne einzusteigen, ohne es sich beim Ausfüllen von ellenlangen Mitgliedsformularen vielleicht noch einmal anders zu überlegen.

Anthony, 64 Jahre alt, angenehme und kultiviert klingende Stimme, war dann auch tatsächlich zu Hause. Glücklicherweise jemand, der den Demokraten freundlich zugeneigt ist. Ich habe mit dann tatsächlich in den ersten Sätzen an die Textvorlage gehalten und das mit meinem unüberhörbar europäischen Englisch, aber der Anrufer war dabei und ließ sich geduldig auf meinen Monolog zum Beschäftigungspakt, den Obama gerade forcierte und in der Obama-Kampagne “gefahren” wird, ein.

Auf die Zielfrage hin, ob Anthony interessiert wäre, von einem lokalen Kampagnenleiter zwecks einer Mitarbeit in den nächsten Tagen angerufen zu werden (ganz unten in der Textwüste), antwortete er mit einem Ja und damit war auch genau das erreicht, was mit diesem Volunteering-Call bezweckt war – abgrasen einer riesigen Telefonliste nach dem Schneeballprinzip und mit einem standardisierten Text Interessenten herauskämmen, die dann vom heißen Kern der Kampagnenleitung nochmals direkt angegangen werden.

Anthony hat natürlich gemerkt, dass ich als Anrufer nun nicht unbedingt sehr us-amerikanisch klinge und fragte vorsichtig nach, woher ich komme. Auf die Antwort, dass ich in Deutschland wohne und ich im Team von Obama 2012 mitarbeite (was ja so gar nicht mal gelogen ist), war er nun überhaupt nicht vorbereitet:

“Are you kidding? You’re calling from Germany? What the hell is driving you to fight for Barack Obama out of Germany? Let me think: Is it not dark night in Germany at this time? How old are you?”

Sehr spannend. Immerhin war er so perplex darüber, dass ihn ausgerechnet jemand aus Deutschland anrief und ihn fragte, ob er nicht für Obama 2012 mitarbeiten möchte, dass er daraufhin abschließend erwiderte, dass er sehr gespannt auf den Rückruf ist und sich eine Mitarbeit sehr gut vorstellen könne. “God bless you in Germany.” Ich werde es mir bei dieser Gelegenheit merken.

Die Einfachheit des Anrufes und die Qualität der Datensammlung

Die bestechende Effizienz des Anruf-Tools ist der genau definierte Rahmen, in dem sich Anrufer und Anzurufende bewegen. Der Text ist vorgegeben, ebenso die Auswahlmöglichkeiten und auch “Havarietexte”, also Texte, die dann gesprochen werden sollen, wenn der Anruf abzugleiten droht. Zudem hat der Anrufer vorgegebene Möglichkeiten zur Anrufbewertung, so dass er, selbst wenn er nicht geübt ist, sehr schnell und effizient so einen “Cold Call” ausführen kann.

Es ist aber nicht nur die Art der Dialogführung, sondern die Idee dahinter, die den Charme der Mitstreitersuche ausmacht. Es sitzen (nicht nur) professionell bezahlte Kräfte in Callcentern im System, sondern so Leute wie du und ich, die sich in irgendeiner Form mit der Idee, der Partei oder des Protagonisten identifizieren können. Leuten “von unten” hat man grundsätzlich weniger entgegenzusetzen, als wenn die Kontaktaufnahme “von oben” erfolgt.

Das bestechenste Argument ist aber dann tatsächlich das, was am Ende dabei herauskommt, nämlich die Datenbasis und Datenqualität. Darüber weiß man natürlich als Anrufer herzlich wenig und wird auch kaum etwas dazu erfahren, dennoch kann man getrost davon ausgehen, dass mit keinem anderen Ansatz eine so schnelle “Anrufwelle” erzeugt werden kann, wie mit dieser Graswurzelmethode. Und durch die Möglichkeiten des Feedbacks lässt sich eine Qualität der Datenbasis halten, die mit anderen Methoden unerreichbar ist.

Kompletter Screenshot einer Anrufseite im Anruf-Tool des Partybuilders:

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Obama 2012 – Augenzwinkernde Reaktion auf Wahlkampfattacken.

31. Dezember 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Die Republikanische Partei hat noch gar nicht ihren Kandidaten gekürt und hat aktuell ziemliche Probleme damit, überhaupt messbare Kandidatenströmungen zu haben, da gehen schon die ersten Attacken los. Der Vater von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, Matt Romney, wurde von seinem Sohn schon mal mit einem der drögeren Wahlkampfschlager aus dem letzten Wahlkampf vorgeschickt, nämlich der an sich längst geklärten Frage, ob Barack Obama überhaupt in den USA geboren sei oder nicht.

Dass er das ist und dennoch die Frage im Wahlkampf thematisiert wird, hat das Obama-2012-Team von vorne herein einkalkuliert und den “Obama-Geburtsschein-Becher” kreiert, auf den mit einem Augenzwinkern in einem Google+-Posting verwiesen wird. Brillant!

Wenn das in der Wahlkampfqualität weitergehen würde, wäre es ein Kinderspiel, solche Angriffe aus dem gegnerischen Team zu pulverisieren, bevor sie überhaupt eine nachrichtenverwertbare Schlagkraft gewinnen würden. Aber natürlich wird es so nicht bleiben. Das hier war eher ein kleiner Jahresabschluss und ein kleines Sparring für das Obama-2012-Team.

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Obama 2012 – Wahlkampf-Organisation und der Partybuilder.

10. Dezember 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

US-Wahlkämpfe funktionieren in der Basis vor allem per Telefon und in lokalen Meetings von Unterstützerteams. Im Gegensatz zu anderen Ländern existieren in den USA zwar eine ganze Reihe von verschiedenen Parteien, allerdings überstrahlen die Republikaner und die Demokraten alle anderen Parteien überstark.

Da das Politiksystem in den USA extrem auf Personen ausgerichtet ist und weniger auf Parteien, sind Parteistrukturen wie wir sie kennen, in den USA nahezu unbekannt. Während in Deutschland ein Parteipolitiker mehr oder weniger stark auf funktionierende Parteistrukturen in Land und Kommune im Wahlkampf zurückgreifen kann, muss dies in den USA jeder Politiker weitgehend selbst organisiert bekommen, bis hin zum Präsidentschaftskandidaten. Diese Organisation verursacht deshalb den meisten Aufwand und verschlingt auch einen gehörigen Anteil des gesamten Wahlkampfetats.

Eine Organisationspyramide mit viel Ehrenamt

Eine Organisation ohne “Apparat” funktioniert nicht. Allerdings kostet ein Apparat viel Geld. Also muss ein funktionierender und bezahlbarer Mittelweg gefunden werden, der so ausschaut, dass die Spitze der Organisationspyramide so effizient wie möglich besetzt ist und sie, je weiter man nach unten geht, immer mehr Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilt, die möglichst aus dem Ehrenamt heraus mitarbeitet. Das senkt die Kosten einer solchen Organisation auf das Minimum, auch wenn man hier immer noch getrost von einem Multimillionen-US-Dollar-Apparat sprechen kann. Aber der Apparat soll ja auch nur ein paar Monate laufen.

Die Kampagnenzentrale von Obama 2012 ist die Speerspitze, also der absolute Kopf der Organisationspyramide. Die ist, wie auch schon beim letzten Mal, in Obamas Heimatstadt Chicago beheimatet und von hier aus wird die gesamte Kampagne gesteuert. Wahlkampfleitung, Organisation, argumentative Kampagnensteuerung, Werbemittel, Kommunikationszentrale sind alles so Dinge, die in der Intensität, wie sie ein Wahlkampf bedingt, nur dann funktionieren, wenn sie an einer Stelle konzentriert sind.

Die nächste Gliederungsebene sind dann die Unterstützergruppen und die regionalen Teams, in der Regel auf der Basis der 50 US-Bundesstaaten und einigen weiteren Regionalgruppen für “Overseas” und den größeren US-Militärablegern. Diese Gliederungsebene haben eigene Verantwortliche mit deutlich kleineren Kernteams, die wiederum die Aufgabe haben, die Teams vor Ort bzw. innerhalb der Gruppe mit Rat und Tat zu unterstützen. In Sachen Kampagne und Werbematerial werden diese Gruppen aus Gründen der Effizienz und auch wegen dem einheitlichen Erscheinungsbild sehr stark von der Obama-Kampagnenzentrale unterstützt.

Je besser sowas läuft, desto geschmierter läuft der Apparat. Und je geschmierter der Apparat läuft, desto motivierter sind die Menschen bis ganz unten in der Pyramide. Das ist im Vorfeld eines Wahlkampfes das wichtigste Ziel, um die Motivation in der heißen Wahlkampfzeit genau dann in erfolgreiche Aktionen umsetzen zu können, wie es erforderlich ist.

Partybuilder als Organisationswerkzeug

Geld ist jedoch nicht alles beim Thema Organisation, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Viel wichtiger ist es, tragfähige Organisationsstrukturen aufzubauen. Das kann man nur zu einem Teil mit bezahlten Kräften tun und muss von Anfang an ehrenamtliche Mitstreiter in der Bevölkerung rekrutieren. Beim Obama-Wahlkampf 2008 griff die Kampagnenleitung hierbei auf ein Werkzeug namens Partybuilder zurück. Partybuilder ist das Kernstück, das die betreuende Agentur Blue State Digital entwickelt hat und betreut. Obwohl man von Partybuilder herzlich wenig sieht, ist diese Software und die gesammelten Daten das A und O aller Obama-Kampagnen (und auch die Cash-Cow von Blue State Digital) und damit das Heiligtum.

Vom Prinzip her ist Partybuilder eine riesige Kontaktedatenbank und dürfte inzwischen einen Bestand von mehreren Millionen Kontaktadressen aufweisen. Hier finden sich alle Menschen, die sich als Unterstützer im Rahmen von Wahlkämpfen und auch während der Amtszeit von Barack Obama haben registrieren lassen. Das ist soweit noch der unspektakuläre Teil des Partybuilder, denn zusätzlich enthalten sind auch Kontaktdaten von vielen anderen US-Bürgern. Ob es alle sind, darüber streitet man, zumindest sind es jedoch sehr, sehr viele. Die im Vergleich zu deutschen Standards erheblich laxeren Datenschutzstandards in den USA ermöglichen die Nutzung solche Datenbanken inklusive Anschrift, Telefonnummer, Alter etc., zumindest für die politische Arbeit.

Nun ist der Partybuilder auch nur die Basis dafür, mit dieser Datenbank auch etwas sinnvolles anzustellen. Alle diese Personen einmal anzurufen und zu bitten, Barack Obama zu wählen, ist selbst für ein sehr großes Kampagnenteam nicht zu bewerkstelligen, wir reden in Sachen USA immerhin von einer Bevölkerungszahl von über 310 Millionen. Also muss man diese Mobilisierung strukturiert angehen und das möglichst mit dem Prinzip einer Lawine. Ein Unterstützer ruft eine Reihe von Menschen an und akquiriert so viele weitere Unterstützer wie möglich, wie wiederum selbst eine Reihe von Menschen anruft. Und so weiter. Und hier setzt Partybuilder an und liefert zum einen die Kontaktdaten und sorgt dafür, dass der gesammelte Feedback über die Kontaktaufnahmen zentral gesammelt und sofort verarbeitet werden kann.

Gleichzeitig ist Partybuilder auch die Basis für soziale Vernetzungen in den Online-Bereichen von Obama 2012. Die Bildung von Interessensgruppen innerhalb des “myBO”-Bereiches, das Organisieren von Events, das Befreunden mit anderen Mitstreitern, das Schreiben von eigenen Weblogs und so weiter und so fort, das wird letztendlich mit der Kontaktedatenbank von Partybuilder ermöglicht.

Dass Partybuilder sicherlich als Basis dient für tiefgehende demografische Analysen und Datamining von verschiedensten Kommunikationskanälen, das darf mit gutem Gewissen vorausgesetzt werden. Wenn man anschaut, dass Barack Obama in Twitter aktuell (10. Dezember 2011) 1,14 Millionen Follower und seine Facebook-Seite 24,23 Millionen Fans um sich scharrt, dann wäre es sträflichst, wenn dieser Schatz an Daten nicht in irgendeiner Form mit anderen Personendatenbanken in Beziehung gebracht würde. Schließlich ist ein Wähler gut – aber je genauer man weiß, dass dieser Wähler den Demokraten nahesteht, Barack Obama gut findet, ihn vielleicht beim letzten Mal sogar gewählt hat und dieser Wähler vielleicht sogar als Unterstützer im Wahlkampf tätig sein würde, dann ist das noch besser.

Denn in Wahlkämpfen gibt es immer zwei Seiten einer Kampagne: Die pflegen, die überzeugt sind und vor allem die erreichen, die noch überzeugt werden müssen.

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Obama 2012 – Waiting for Godot.

4. November 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

So laut, wie die Obama-2012-Kampagne vor einigen Wochen angesprungen war, so auffällig leise ist sie wieder geworden. Man hört, selbst wenn man ein angemeldeter Campagnero ist, derzeit schlicht nichts. Kein Mailing, auf dem Kampagnen-Weblog ein eher leises Artikelgrundrauschen mit Zitaten aus dem Twitter-Stream und der Vorstellung von neuen Mitgliedern der Kampagnenführung. Kurzum: Belanglos. Man könnte glauben, dass da der Dampf heraus sei.

Diese Zeit ist natürlich nur augenscheinlich ruhig, denn im Hintergrund wird die Planungsmaschinerie wohl genau zu diesem Zeitpunkt so kräftig laufen, wie während der gesamten restlichen Kampagne nicht. Und dabei wird es weniger um das Thema Online gehen, sondern um die “echten” Wahlkampfstrukturen.

Der Vorteil des Amtsbonus.

Selbst wenn man ein völlig unbegabter Politiker wäre und gar nichts zustande bringen würde (was man Barack Obama sicherlich nicht vorhalten kann), dann bleibt vor der nächsten Wahl immer noch der Amtsbonus, mit dem sich pfründen lässt. Der Amtsbonus ermöglicht es einem amtierenden Politiker, sich in der politischen Arbeit in Szene zu setzen und subtilen Wahlkampf zu betreiben, ohne dass es tatsächlich etwas kostet. Und wenn sich der Politiker geschickt dabei anstellt, können selbst die größten Kritik diese Aktivitäten zwar als billige Wahlkampfrhetorik abstempeln, diese Einschläge kann der Politiker jedoch ganz locker an sich abprallen lassen.

Es stellt sich bei einem amtierenden Politiker also nicht die Frage, ob er zu seiner Wiederwahl einen Amtsbonus hat oder nicht, sondern eher, wie hoch dieser Amtsbonus ist und was er daraus macht.

Wer steigt zuerst in den Ring?

In wirklich jedem Wahlkampf ist die Frage, wer zuerst in den Ring steigt, die Frage aller Fragen. Für gewöhnlich gilt das “silent agreement”, dass die Herausforderer möglichst früh ihre Ambitionen erklären (und damit in die Vorphase des Wahlkampfes einsteigen) und der Amtsinhaber – da er ja den Amtsbonus trägt – möglichst lange wartet und die Ankündigung seiner Kandidatur möglichst lässig in einem Nebensatz einer Rede fallen lässt.

Soweit zur Theorie, denn natürlich ist das alles auch eine Frage darüber, wer als erster das Heft in die Hand nimmt und danach auch in der Hand behält. Im Falle von Obama 2012 war tatsächlich Obama derjenige, der als erster erklärt hat, dass er wieder in den Ring steigen wird. Das ist zwar so absehbar wie der Umstand, dass auch morgen wieder die Sonne aufgehen wird, aber es ist vor allem ein deutliches Statement gewesen, dass gegen die Konkurrenz ging.

Die Republikaner haben nämlich bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2012 den Vor-/Nachteil, dass sie ihren Kandidaten erst einmal küren müssen. Während wir Europäer es eigentlich gewohnt sind, dass bei solchen internen Vorwahlkämpfen zumindest halbwegs kundige Menschen kandidieren, ist das in den USA eher so eine Art von “Mr.-und-Ms.-Universe-Wahlen”. Neben einigen Platzhirschen, die bereits in der US-Politik mehr oder weniger agieren, gesellen sich eine Reihe von Menschen dazu, die teilweise krude Weltbilder an den Tag legen, außer Showeinlagen nicht viel mehr beherrschen und eher an zweitklassische Schauspieler erinnern. Und darüber hinaus auch noch so hochalberne Geschichten, dass eine nationale Agrarmesse im Bundesstaat Iowa der Ort einer viel beachteten Vor-Vor-Vorwahl ist, in deren Rahmen ein nicht wirklich objektives Stimmungsbild schon für die ersten Verlierer in der Kandidatenriege sorgt. Und dann gibt es noch so querlaufende Politiker vom Kaliber Sarah Palin, die so beschränkt sind in ihren mentalen Fähigkeiten, dass es einem politischen Menschen fröstelnd die Fußnägel aufrollt.

Unsicherheit, Albernheit, fehlende Vertrauenswürdigkeit. Das sind die (selbstverständlich niemals direkt ausgesprochenen) Schlagworte, die den Amtsinhaber bei so einem Spektakel dann dazu bringen, als erster öffentlich zu vermitteln: “Schaut her, ich bin euer Präsident, ich mache den Job nochmal, als bin ich die Messlatte für den ganzen Kindergarten da.”

Messen am “Chef”.

Und auch wenn Barack Obama den obigen Satz niemals so aussprechen würde – so steht er im Raum. Und zwar in jedem, in dem ein Mensch, der auf die Idee kommt, zur US-Präsidentschaftswahl 2012 zu kandidieren, steht und irgnedeine Rede hält. Das sorgt neben den üblichen Ausschlusskriterien wie abgeschmolzenem Wahlkampfetat, fehlender Sympathie und Mangel an politischem Profil (in genau dieser Reihenfolge) für einen zusätzlichen Druck im gegnerischen Lager.

Mit der frühestmöglichen Bekundung auf Kandidatur bei der nächsten Präsidentschaftswahl spielt Obama den Amtsbonus demnach schon ganz am Anfang aus. Ein durchaus nicht ganz ungefährliches Spiel, was aber dadurch kalkulierbar ist, dass ein absoluter Traumkandidat bei den Republikanern auch heute noch nicht in Sicht ist. Man muss in den internationalen Nachrichten schon ganz gehörig tief suchen, um überhaupt einige Kandidaten nachrichtentechnisch verfolgt zu bekommen.

Abwarten und Tee trinken.

Innen agieren, nach außen Ruhe ausstrahlen. Das dürfte derzeit das Motto von Obama 2012 sein. Es besteht überhaupt kein Grund, in sichtbare Wahlkampfrhetorik einzusteigen, weil es aktuell niemanden gibt, gegen den man sinnvoll Wahlkampf führen könnte, ohne wirklich grundlos Geld zu verblasen.

Es fällt daher mehr als deutlich auf, dass derzeit in der gesamten Obama-2012-Kommunikation aktuelle politische Entwicklungen großflächig ausgeklammert und umgangen werden. Beispielsweise die Occupy-Bewegung. Eigentlich stünden viele Ansätze dieser Occupy-Bewegung durchaus in der politischen Grundausrichtung der Demokraten und es wäre für die Wahlkampfstrategen und die Spindoctors vermutlich einer der einfachsten Handgriffe, hier den Turn der Bewegung in die Kampagne einzubauen. Aber man tut es nicht. Nichts. No actual politics. Zumindest keine wirklich handgreiflichen. Alles, was an “Wall Street Reforms” zu lesen ist, sind Dinge, die Barack Obama machen würde, wenn er denn nächstes Jahr gewählt würde. Ich bemerke: Wäre das echte Wahlkampfrhetorik, würde er jetzt reagieren und nicht erst Thesen aufstellen, was er bei einer erfolgreichen Wiederwahl ändern würde, denn die würden, rein rechnerisch, erst ab Januar 2013 umgesetzt werden können, wenn die nächste Legislaturperiode beginnt.

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Obama 2012 – Fundraising-Rushes.

29. September 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Den Begriff “Fundraising-Rushes” gibt es so nicht, ich nenne es aber mal so, weil ich einfach eine Begrifflichkeit für das Phänomen, das die Obama-Kampagne signifikant prägt, brauche. “Fundraising-Rush” bringt es am deutlichsten zu Tage, was da in Sachen Fundraising passiert.

Schon bei Obama 2008 war einer der Kernpunkte der, dass das Fundraising – also das Spendensammeln – sich in einem zentralen Punkt gegenüber der “klassischen” Spendensammlerei unterscheiden sollte: Dem Grassroots Fundraising. Also der Idee, dass es nicht einige wenige Großspender gibt, denen man möglicherweise in irgendeiner Form politisch dankbar sein müsste, sondern dass möglichst sehr viele Klein- und Kleinstspenden aus der Bevölkerung generiert werden sollten – eine Graswurzelkampagne in Sachen Spenden. Dazu muss man einleitend nochmal nachreichen, dass die Finanzierung von US-präsidialen Wahlkämpfen vornehmlich eine Geschichte ist, die der jeweilige Kandidat selbstständig regeln muss. Eine Parteienfinanzierung wie in Deutschland gibt es so nicht und politische Parteien finanzieren Kandidaten auch nur in einem verhältnismäßig geringen Maße bis überhaupt nicht. Das würden die meisten Parteien in den USA auch gar nicht stemmen können, denn neben den Republikanern und Demokraten gibt es tatsächlich noch eine ganze Reihe von weiteren Parteien, die in der politischen Öffentlichkeit der USA schlicht und einfach nicht existieren.

Ein US-Präsidentschaftskandidat muss sich also nicht nur als Person gut verkaufen und nebenbei ein sinnvoll klingendes, politisches Programm mitbringen, sondern er muss seinen Wahlkampf auch einfach mal selbst finanziert bekommen. Barack Obama hat 2008 schlappe 600 Millionen US-Dollar Spendeneinnahmen für seinen Wahlkampf generiert und das dürfte vier Jahre später eher die untere Messlatte sein, die es zu reißen gilt.

Graswurzelgeld

Spendensammeln ist, um es salopp und direkt zu sagen, ein echtes Drecksgeschäft, egal für was man sammelt. Politische Spenden stehen in der Welt der Spenden nochmal ganz unten. Aber warum eigentlich? Darüber habe ich mir schon seit längerem den Kopf zerbrochen und eine einfache Antwort gefunden: Spenden ist generell unsexy und politische Spenden nochmal ein großes Paket mehr. Denn: Wenn ich klassisch spende, wird mir in großen Worten und Bildern vor der Spende gezeigt, was alles mit meiner Spende passieren könnte, aber so bald ich mein Geld den Tisch herüberwachsen lasse, wird es still. Über Geld redet man nicht. Vor allem dann, wenn es meines war und nun bei jemand anderem ist. Bei politische Spendenarbeit kommt zu den üblichen Befürchtungen, dass das Geld nicht da ankommen könnte, wo es eigentlich gebraucht wird, noch hinzu, dass man es eigentlich nicht mit Bedürftigen zu tun hat, sondern mit Meinungsbildung. Meinungen zu kaufen, ist verbunden mit ziemlicher Verruchtheit, auch wenn selbstverständlich klar ist, dass Meinungsdistribution in unserer modernen Welt umso teurer sind, je schneller und offensiver sie verbreitet werden sollen. Klassische Werbung lebt von diesem Paradigma, dass Meinung Geld kostet.

Also, dachten sich die Macher von Obama 2008, packen wir das Thema Fundraising von der anderen Seite an und machen das Spenden “erlebbar”. Die gesamte Kampagne wird in unzählige einzelne Kampagnen mit eigenen Finanzierungstöpfen aufgeteilt und die gilt es projektweise zu füllen. Sinnigerweise hat man das irgendwann mit stilisierten Säulenthermometern symbolisiert, in denen die virtuelle Flüssigkeit nach und nach immer weiter steigt, je mehr das Projekt finanziert ist. Jeder, der sich an so einer Projektfinanzierung beteiligt, hat zwar mit seiner Spende nicht wirklich sichtbar die Flüssigkeit nach oben gedrückt, aber er hatte das Gefühl, unmittelbar an der Finanzierung eines sehr genau umschriebenen Projektes beteiligt zu sein. Der Wähler bekommt den stark wirkenden Eindruck, dass er nicht einfach nur der Wähler ist, auf den die Argumente einprasseln, sondern er kann seine Überzeugung direkt in politischer Mitarbeit zeigen und sei es nur die (weitgehend nur für ihn sichtbare) Mitfinanzierung des Wahlkampfes durch eine Geldspende. Und: Er sieht, wo sein Geld landet, zumindest bekommt er eine gut gemachte Illusion geboten.

Dass dies funktionierte und darüber hinaus auch viele Befürworter zu weiteren Spenden und/oder direkter Wahlkampfmitarbeit aufmunterte, bleibt unbestritten. Selbst Thomas Gottschalk, ein “Wahlamerikaner”, gab unumwunden einmal zu Protokoll, dass er während dem Besuch der Obama-Kampagnenwebsite am Ende tatsächlich die Kreditkarte zückte und einen Geldbetrag spendete und er eigentlich gar nicht so richtig erklären konnte, warum eigentlich.

Das ist der Weg des modernen Fundraisings:

  • Der potentielle Spender möchte direkt angesprochen werden, er möchte genau sehen, wofür er Geld locker machen soll. Nicht einfach nur “für den Wahlkampf”, sondern eben tatsächlich beispielsweise für eine Mailingaktion mit einem bestimmten Brief an bestimmte Personengruppen.
  • Die Kommunikation ist immer so ausgerichtet, dass es immer “pressiert” und zwar ganz gewaltig. Jede Kampagne hat eine (angebliche) Finanzierungs-Deadline und wenn bis zu diesem Zeitpunkt der Topf nicht voll ist, fällt die Kampagne aus (was vermutlich auch eine “Notlüge” ist).
  • Die Kommunikation erfolgt zentral per E-Mail an die Befürworter, die sich auf der Obama-2012-Kampagnenwebsite registriert haben. Das Pensum an E-Mails für eine Kampagne steigt dabei “dramatisch” bis zur Deadline an, sowohl kommunikativ (“Es ist sehr wichtig, dass Sie jetzt reagieren!”), als auch personell. Zu Beginn der Kampagne schreiben weitgehend namenlose Mitarbeiter der Kampagne, am Ende Barack Obama selbst mit einem eindringlich wirkenden Appell.
  • Der potentielle Spender möchte das Geld, das er überweist, “sehen”. Das kann man, wenn man es richtig macht, auch umdrehen und ihm in Aussicht stellen, dass man es sofort auf der Website sieht, wenn er 10 US-Dollar lockermacht und sei es nur mit einem Summenzähler, der tatsächlich um 10 US-Dollar nach oben wechselt, wenn er die 10 US-Dollar überwiesen hat. Die Spende ist auf diese Weise tatsächlich mit einer Art “Belohnung” verbunden. Für Cash gibt es Aufmerksamkeit, auch wenn die sehr beschränkt ist. Für ihn und seinen Freundeskreis reicht es allemal.
  • Der Spender möchte im Nachgang informiert werden, wie es mit der Kampagne weitergeht und ist so auch am ehesten Bereit, später vielleicht eine weitere Kampagne mitzufinanzieren.

Graswurzelgeld versus “richtigen” Spenden

Klar ist, dass Grassroots Funding kaum einen kompletten Wahlkampfetat vollständig finanzieren kann, dazu geht es schlicht um viel zu viel Geld und dem Umstand, dass man im heißen Wahlkampf einfach sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit braucht und sich dann nicht ewig mit Grassroots Fundraising beschäftigen kann.

Grassroots Funding ist jedoch eine Geschichte, die man sehr anschaulich zur Motivation von Befürwortern und Wählern nutzen kann. “Schaut, wenn wir alle anpacken, dann geht was!” Und: “Schaut, liebe Wähler (und Mitbewerber), wir stemmen hier was!” Das sind sehr starke Signale, die sich so bis ganz nach unten bewegen, bis hin zum einzelnen Kleinstspender, der mit seiner Spende in seinem direkten Umfeld wirbt.

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