Obama 2012 – Mission erledigt.

Ich glaube, einfacher und treffender kann man es kaum sagen, wie es am Mittwoch nach der US-Präsidentschaftswahl auf Twitter getan wurde:

Solche Momente gehören zu den Sternstunden eines jeden Politikers und Wahlkampfteams. Und dass die Last des Wahlkampfes nun abgefallen ist, hat man sowohl Barack Obama bei seiner Rede am Wahlabend angesehen, also auch seinem Konkurrenten Mitt Romney. Eine tiefergehende politische Analyse erspare ich mir an dieser Stelle. Das machen andere Leute besser und auch schlechter, als ich. Bemitleidenswert sind da lediglich die Leute, die sich die Nacht mit ARD & ZDF angetan haben, denn eine so unglaublich schlechte und alberne Berichterstattung war im deutschen Fernsehen bisher selten.

Die letzten Wochen und Tage.

Im einem Wahlkampf ist erwartungsgemäß die Zeit kurz vor der Wahl die intensivste und mitunter auch die übelste. Die Wahlkampfteams rotieren, es kommen unzählige Meldungen und Beobachtungen herein, es müssen in sehr kurzer Zeit Entscheidungen und schnelle Strategien getroffen werden und in die laufende Kampagne eingespeist werden. Den Kandidaten geht es kaum besser, denn sie sind nicht einfach nur unterwegs, sondern sie sind in diesen heißen Wochen quasi nicht zu Hause.

Im Falle des US-Präsidentschaftswahlkampfes war es absehbar, dass er in den letzten Wochen besonders schmutzig werden würde. Dass es beiden Kandidaten an vielen Stellen schwerfiel, die richtigen Argumente zu finden und man sich im Zweifelsfall dann darauf einschießt, den anderen Kandidaten in möglichst schlechtem Licht stehenzulassen, gehört zum Handwerkszeug von Wahlkämpfen und das ist sicherlich keine Erfindung der Neuzeit. Wahlkämpfe sind Showveranstaltungen und Prügeleien mit Worten. Man kann als Politiker darüber schimpfen und es kritisieren – wenn man der Gegenkandidat ist, bleibt kaum eine andere Wahl, als zu kontern.

Tatsächlich war auch bei diesem Wahlkampf im Jahre 2012 absehbar, dass er gegen Ende des Wahlkampfes vornehmlich im Fernsehen in Werbespots geführt wurde. Das hat damit zu tun, dass die USA das Fernsehland schlechthin darstellen und Werbefernsehen eine sehr hohe Reichweite hat. Dazu kommt, dass Werbefernsehen ein recht effizientes und preisgünstiges Werbemedium darstellt. Dass es in diesem Wahlkampf wieder zu Rekorden in Sachen Quantität von Werbespots und in teilweise unterirdischer inhaltlicher Qualität, darüber diskutieren wir an dieser Stelle lieber mal nicht. Werbefernsehen ist ein sehr länderspezifisches Phänomen und was hier in Deutschland gutes Werbefernsehen ist, ist in anderen Ländern mitunter nicht lauffähig – und umgekehrt. US-Werbefernsehen ist mitunter derartig öde, dass es uns Europäern dabei die Füße einschlafen lässt. Bis auf einige, wenige Ausnahmen, die wir dann mitunter in YouTube sehen. Der Rest ist wirklich unanschaubar.

Der Endspurt eines Wahlkampfes ist gekennzeichnet von zwei Motivationen: Die eigene Wählerschaft zur Wahl motivieren und die letzten Unentschlossenen überzeugen. Der letztere Punkt wird dabei gern überschätzt, denn tatsächlich entwickeln die meisten Wähler schon Wochen vorher eine Tendenz für einen Kandidaten bzw. eine Partei, die dann im Laufe der letzten Tage hin zur Wahl gefestigt wird (hierzu ist das Ann-Arbor-Modell eine sehr interessante Lektüre).

Die Online-Kampagne kann beide Motivationen unterstützen: Zum einen ist die Wählermotivierung mit den bestehenden Partybuilder-Werkzeugen von Obama 2012 eine Sache, die sowieso schon seit Anfang an des Wahlkampfes zentral eingesetzt wird. Der Rest der Online-Kampagne wird dann, ich sage es mal plastisch, in den immer stärker aufkommenden Wind gedreht und ab einer gewissen Windgeschwindigkeit fährt die Flotte dann eben durch.

Steuern lässt sich in den letzten Tagen kaum noch etwas – wohl aber können genau jetzt die Früchte geerntet werden, die im Laufe der letzten Monate gesät wurden. Eine komplette Übersicht über das Programm, eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Programm des Gegners und die Berichterstattung der letzten Wochen und Monate geben dem möglicherweise noch unentschlossenen Wähler das richtige Argumentationsmaterial mit – direkt, jederzeit und ohne verfälschende Meinungsbilder von Medien.

Der Rückbau nach der Wahl.

Zu einer guten Online-Strategie gehört auch das Danach und zwar unmittelbar nach der Wahl. In der Regel enden die meisten temporären Verträge mit bezahlten Wahlkampfmannschaften aus Kostengründen ziemlich zügig nach der Wahl, so dass nach der Wahl nur wenig Leute die Zeit haben, sich eine neue Strategie auszudenken. Also muss man diese Arbeit schon während dem Wahlkampf einplanen und das ist ein zwiespältiges Geschäft, weil eigentlich nur etwas für Wahlkampfleute mit harten Nerven.

Unüblich ist diese Arbeit in der traditionellen Wahlkampfarbeit nicht. Beispielsweise müssen Zeitungsanzeigen mit dem Dank an die Wähler auch schon einige Tage vorher geplant, erstellt und an die Anzeigenabteilung des jeweiligen Verlages übergeben werden, damit sie pünktlich erscheinen können.

Im Falle von Obama 2012 war der Rückbau relativ einfach und wirkungsvoll, denn auf der Website wurden einfach alle interaktiven Elemente weitgehend entfernt, während die Artikel des Wahlkampf-Blogs alle (soweit ich das sehen kann) online geblieben sind. Die Links auf die Frontalkampagnen wie das Truth Team sind verschwunden und nur noch in der Fußleiste zu finden. Man hat den Eindruck, dass man jetzt einmal tief durchatmet und zur Wahlkampfnachlese übergeht. Dankesschreiben, Dankesvideo (siehe unten), „warum das alles passiert ist“ – eher seichte Unterhaltung aus dem Abklingbecken.

Ebenso bei Mitt Romney, bei dem der Rückbau aber weniger auffällt, weil seine Kampagnen-Website, plump gesagt, auch nicht ansatzweise je so aufgebaut wurde, wie die von Barack Obama. Mit Ausnahme eines groben Fehlers:

Bizarres am Rande: Die Mitt-Romney-Gewinnerseite.

Auch das Team Romney hatte offensichtlich eine Version der Kampagnen-Website für den Fall geplant, dass Mitt Romney die Wahl gewinnt. Und fatalerweise hat man den Fehler begangen, dass diese Website für einen kurzen Zeitraum von etwa fünf Minuten online gegangen ist. Man hat zwar schnell reagiert, aber fünf Minuten sind lange genug für Leute, die das sehen, schnell reagieren und Screenshots machen.

Und deshalb gibt es von dieser Website einzigartige Screenshots, die einen – aus der Sicht des Verlierers – sehr bizarre Einblicke liefern: „Romney’s Transition Site“ im Blog Political Wire

Da hat wirklich jemand eigentlich großartige Arbeit abgeliefert, nur dummerweise hat Mitt Romney die Wahl verloren und jemand hat für einen kurzen Moment nicht aufgepasst …

Die Bedeutung des Online-Campaignings in der Nachbetrachtung.

Um es in einfachen Worten zu sagen: Online-Campaigning ist wichtiger denn je, allerdings immer noch nicht so wichtig, als dass man mit einer Web-Kampagne problemlos jede Wahl gewinnt. Online-Campaigning ist allerdings, wie wir eben beim Partybuilder gesehen haben, auch keine Angelegenheit, die nur auf die öffentliche Kampagnen-Website oder die Facebook-Fanseite beschränkt ist. Hat man die notwendigen Geldmittel und ein eingespieltes bzw. einspielbares Wahlkampfteam, dann lassen sich hier sicherlich sehr anschauliche Online-Werkzeuge programmieren, mit denen eine Wähleransprache noch genauer kanalisiert werden kann (sofern der strenge, bundesdeutsche Datenschutz einem da kein Strich durch die Rechnung macht und man sich nicht hacken lässt).

Ein paar Lehren lassen sich jedoch ohne weiteres auf jeden Online-Wahlkampf ziehen:

  • Eine fließende Kampagnen-Website lebt von drei Säulen: Programmatik, Kandiatenvorstellung, Berichterstattung. Alle drei Säulen sind miteinander verwoben, aber alle drei Säulen sind zwingend notwendig.
  • Eine Kampagnen-Website ist, ebenso wie der Wahlkampf selbst, keine One-Man-Show. Gibt es nur einen Maintainer, wird dieser in der Regel nicht mit Namen auftreten und dann schreiben die Inhalte „irgendjemand“ und schon ist der Kommunikationsweg von der Website zum Leser weitgehend unpersönlich. Die persönliche Ansprache von echten Menschen ist ein wichtiger Schlüssel im Internet.
  • Je näher die laufende Berichterstattung am Kandidaten ist, desto eher wird seine Kampagnen-Website zu einem regelmäßig besuchten Medium. Nicht der Prospekt und der Flyer sind die zentralen Werkzeuge mehr, sondern die Kampagnen-Website ist es. Die ist den ganzen Wahlkampf über da, jederzeit zu erreichen, immer viel aktueller (wenn denn gepflegt) und ohne Papier und Druckfarbe billiger in der Verteilung. Also folgt: Zwar immer noch Papier bedrucken, aber die Kampagnen-Website deutlicher, viel deutlicher auf dem Schild führen. In jeder Zeitungsanzeige, in jedem Werbespot, in jedem Flyer, auf jedem Plakat, bei jedem Gespräch: Der URL der Kampagnen-Website muss so geläufig sein, wie der Name des Kandidaten und in der persönlichen Kommunikation muss zum Abschluss immer der Hinweis erfolgen, dass man, wenn man nähere Informationen sucht, einfach die Kampagnen-Website anschauen muss. Und wenn die einladend ist und informiert, dann kommt der Interessent und potentielle Wähler wieder.
  • Experimentieren, authentisch sein, Dinge ausprobieren, optimistisch blicken, freundlich schreiben, Aufmerksamkeit bekunden, auf Meinung reagieren und Kommentare annehmen. Man kann so viel in einer lebendigen Online-Kommunikation machen, wenn man sich für einen Moment auf das Medium einstellt und darauf hört, was man dort liest. Das Web ist ein Zug, den man am besten dann versteht, wenn man in ihn einsteigt und sich dort mit den Passagieren unterhält. Steht man nur am Bahnhof, ist man für die Passagiere eines vorbeifahrenden Zuges nur eine Sammlung von Zinnsoldaten.

Der Rausschmeißer.

Für ein Wahlkampfteam ist das Wahlkampfende eine harte Erfahrung. Du machst wochen- und monatelang Kampagne, bist von morgens bis abends in Gedanken im Wahlkampfmodus und auf den Kandidaten fixiert. Dann kommt die Wahl, dann kommen das Bangen beim Warten auf das Ergebnis und dann wird gefeiert oder die Wunden geleckt. Und dann kommt – nichts. Von Hundert auf Null in praktisch null Sekunden. Eine schwer beschreibliche Erfahrung, die man gemacht haben muss, um zu verstehen, was die Psychologie dahinter ist.

Das habe ich in einigen Wahlkämpfen ebenso erlebt und erlebe das in einem sehr kleinen Maße auch gerade in Sachen Barack Obama. Die letzten Wochen war ich ja ständig in irgendeiner Form bei der Obama-2012-Kampagne als ganz weit entfernter Beobachter und tatsächlich haben mich viele Aktivitäten und Minikampagnen mitreißen lassen, zumindest mal die Dinge so zu verstehen, wie sie vor Ort wohl auch wirken.

Eines sei an dieser Stelle deshalb erwähnt: Der Dank von Barack Obama an sein Wahlkampfteam. Dieses Stückchen Video sollte wohl den Eindruck machen, es sei spontan aufgezeichnet worden, ist es aber sicher nicht, da es aus mehreren Perspektiven aufgenommen wurde und Barack Obama auch sehr sorgsam vor zwei seiner Kampagnenplakate positioniert wurde. Dennoch sind seine Emotionen sehr sicher nicht gespielt und ein schöner Abschluss:

Das war es auch weitgehend mit meinem Obama-2012-Dossier. Die bisherigen Artikel bleiben natürlich alle online und ich werde mir in Zukunft immer wieder einmal ein paar Aspekte aus dem Online-Campaigning des US-Präsidenten Barack Obama herausnehmen und darüber schreiben.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort „Obama 2012“.

Auf der PS3: The Journey.

Neben den „richtigen“ und großen Videospielen gibt es im PlayStation Store auch immer wieder Kleinode. Spiele aus kleinen Entwicklerschmieden, mit alternativen Spielkonzepten, „anderen“ Steuerungsmöglichkeiten und oft so gar nicht den üblichen Zielen, wie alles kurz und klein zu ballern oder als erster im Ziel zu sein. Zu solchen Spielen gehören zum Beispiel Flower und flOw, beide von den Santa Monica Studios.

Aus demselben Entwicklungsstudio kommt nun The Journey, ein ebenso alternatives Spiel, das es nur im PlayStation Store gibt und leider etwas happige 12,99 Euro kostet. Dafür ist die Geschichte schnell erzählt: Der Spieler steuert eine orientalisch wirkende Figur, startend in einer öden Wüstenregion. Das Ziel ist ein ferner Berg, in dessen Richtung gesteuert werden muss. Unterwegs gibt es diverse Hilfsmittelchen und Figuren, vor allem aber surreale Landschaften und kathedralartige Räume. Alles in allem so eine Art „Herr der Ringe“ im Schnelldurchlauf, allerdings sehr stimmungsvoll, ohne Hektik und Ruckartigkeit und versehen mit einem phantastischen Soundtrack. Mit zwei, drei Bier intus wird der Durchlauf vermutlich ein wohlig-lauschiger Trip. 😉

Der Clou ist, dass einige Strecken im Spiel im Zweispielermodus per Netzwerk absolviert werden, ohne dass man jedoch sonderlich viel mit der zufällig dazugeschalteten Figur etwas kommunizieren kann. Man kann eigentlich nur den jeweiligen Weg mehr oder weniger gemeinsam gehen und allein dieser Ansatz ist schon wahrlich phantastisch anmutend, denn es ist diametral der Gegensatz zu praktisch allen Netzwerkspielen, die krampfhaft versuchen, Netzwerkspieler auch zu vernetzen und interagieren zu lassen. Am Ende der Reise gibt es lediglich eine Liste der Spieler, denen man auf der Reise begegnet ist bzw. die einen begleitet haben. Oder umgekehrt. Anonym und doch unglaublich berührend, ich kann es gar nicht in andere Worte fassen, weil es einfach wunderschön ist.

Der „DENIC-Imagefilm“ und die fehlenden Fakten.

Keine Frage: Der so genannte „DENIC-Imagefilm“ ist ein eher grässliches Stück Public Relations und erfüllt eher den Tatbestand des Erweckens von massivem Fremdschämens. Einen komplexen Sachverhalt aus der Sicht zweier ahnungsloser (und extrem schlecht nachsynchronisierten) Protagonisten zu erklären, die ausgerechnet auf dem heimischen Sofa nichts besseres zu tun haben, als sich über den Fernseher darüber kundig zu machen, wie die DE-Domain funktioniert:

Fachlich freilich ist der Erklärung nicht viel streitig zu machen, was nun auch wirklich extrem verwundern würde, wenn das Gegenteil der Fall wäre. Allerdings prellt es an einer Stelle geschichtlich gehörig. Sabine Dolderer, Vorstand der eingetragenen DENIC-Genossenschaft, sagt nämlich ab Minute 3:35 folgendes:

„Die DE-Domains wurden anfangs in den USA verwaltet. 1996, das waren damals 20.000 Domains, haben 37 Internet-Service-Provider angefangen, sich zu überlegen, wie sie das ganze auf eine breitere Basis stellen könnten. Das war die Geburtsstunde der DENIC e.G, wie wir sie heute kennen.“

Das hört sich hübsch an, es fehlt jedoch einiges: Tatsächlich wird die DE-Top-Level-Domain im November 1986 eingetragen und die ersten zwei Jahre auch in den USA im damaligen CSNET, einer der Vorläufer des späteren Internet, betrieben. Aber schon 1988 wechselte der Betrieb des primären Nameservers und die Domainverwaltung nach Deutschland, nämlich an die Universität Dortmund und die dortige Informatik-Betriebsgruppe. Von dort wechselte der Betrieb 1994 an die Universität Karlsruhe. Die dort nun beheimatete technische Verwaltung wechselte tatsächlich erst im Jahre 1999 zur DENIC e.G.

Die DENIC e.G. wiederum wurde zwar 1997 gegründet und versteht ihre Geburtsstunde in der besagten Versammlung von 37 Internet-Service-Providern, die sich im Dezember 1996 über eine Genossenschaft als zukünftige Betriebsstelle einigten, allerdings gibt es die ersten grundlegenden Bemühungen ebenfalls schon erheblich früher. Denn schon im Dezember 1991 fand in München ein Treffen von 150 Vertretern aus Industrie und Wissenschaft statt, in dem unter anderem über die Zukunft des Betriebes der DE-Top-Level-Domain diskutiert wurde. Daraus entwickelte sich eine Deutsche Interessensgemeinschaft Internet (DIGI), die sich auch um eine dauerhafte Lösung zum Betrieb der DE-Zone kümmern sollte.

Um die Jahre 1992 bis 1996 wird in Sachen DE-Domain mutmaßlich auch deshalb nicht gern geredet, weil es sich, um es einmal gelinde zu sagen, um recht turbulente Jahre (im Text weiter unten) handelte. Ein gar nicht so kleiner Teil der damals lautesten Unternehmen im Business gibt es heute auch schon nicht mehr, was sicherlich in vielen Fällen auch kein allzugroßer Verlust für die besonneneren Akteure im Internet-Business war.

Die Daltons von Vodafone.

Werbung von Telekommunikationsanbietern gehört für gewöhnlich in die Kategorie Gehirnwäsche, ähnlich wie Waschmittel. Wo will man auch tatsächlich ein Profil schaffen, wo man doch gerade darauf Wert legen muss, dass man genau die technischen Normen verwendet, wie die Konkurrenz, damit das Telefonieren auch tatsächlich funktioniert? Also muss man Geschichten erzählen. Früher gab man sich verbal noch Mühen, die Telekom probiert sich gern an Web-Trends und der Rest macht es dann einfach hanebüchen. Laute Musik, seltsame Bildergeschichten. Und Vodafone jetzt mit Maskottchen (Achtung, das Filmchen ist extrem laut):

http://www.youtube.com/watch?v=nGiSAA04t60

Die vier in den billig wirkenden, roten Jogginganzügen, das sollen vermutlich die vier Daltons von Vodafone darstellen. Und auch wenn man über die Daltons bei Lucky Luke sogar lachen kann – die Wikipedia schreibt im Artikel zu Lucky Luke ernüchterndes zu den vier Herren Dalton:

„Die an Orgelpfeifen erinnernden Brüder Joe, William, Jack und Averell Dalton stellen Lukes größte Gegenspieler dar. Sie rauben meist Banken und Postkutschen aus und terrorisieren die Bürger.“

Übereinstimmungen der echten Daltons mit den Vodafone-Verschnitten sind vermutlich rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Wirtschafts- und Tourismusförderung 2.0.

Wenn ich mir die Wirtschafts- und Tourismusförderung anschaue – ich schließe da ausdrücklich auch meine Heimatstadt Pforzheim ein – dann kitzelt es im Nacken. Und das nicht, weil es besonders prickelnd wäre, sondern weil es mitunter grauenhaft ist, mit welch erstaunlicher Emotionslosigkeit auswärtigen Menschen eine Stadt oder Region schmackhaft gemacht werden soll. Es gab Momente in der Vergangenheit, da habe ich mich für so manche „Förderaktion“ Pforzheims geschämt, weil sie kaum mehr vermittelte, als dass einige Menschen in ihren entsprechenden Referaten im Rathaus offensichtlich sehr bequeme Stühle hatten.

Die Bürger der US-amerikanischen Stadt Grand Rapids sind da einen anderen Weg gegangen und machen Guerilla-Marketing 2.0. Auslöser war ein Artikel im amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek, in dem Grand Rapids als „sterbende Stadt“ porträtiert wurde. 5.000 Darsteller, eine professionelle Videoproduktion, ein alter Musikklassiker, 40.000 US-Dollar, ein Drehtag am vergangenen Sonntag und fertig ist eine Art „städtischer Libdub“, immerhin über 9 Minuten lang und das als meisterhaft produziertes One-Shot-Video:

Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Außer dass dieses Machwerk unbedingt in HD angeschaut und explizit auf den Text des Klassikers gehört werden sollte, die Nackenhaare stellen sich völlig automatisch auf. Phantastisch!

Kermit, sein Bruder und sein Schauspieler.

CNN International ist dem phänomenalen Werk mit den zwei „singenden“ Kermits, die gemeinsam „Under Pressure“ von Queen und David Bowie interpretieren, nachgegangen und hat zumindest einen Teil der Geschichte aufgeklärt – der Schauspieler ist ein Schauspieler und „derzeit nicht obdachlos“. Immerhin ist das Schild und auch der Standort, an dem das Video produziert wurde, echt, der Schauspieler ist es jedoch nicht:

http://www.youtube.com/watch?v=_R8Id6LSOdA

Gut, sei verziehen. Das Video ist dennoch ein Meisterwerk der Muppet-Philosophie und immerhin wird aktiv dafür geworben, einigen gemeinnützigen Organisationen, die sich um Obdachlose kümmern, Geld zu spenden. Unterhaltung ist das Machwerk allemal.

Kermit und sein Bruder beim Singen.

Echte Streetperformance ist ein Geschenk. Was für eine grandiose Show, unbedingt bis zum Ende anschauen und wenn möglich in Vollbild in HD:

Dass es sich hierbei um einen Obdachlosen handelt, sei nur am Rande erwähnt. Wer so eine Performance an den Tag legt, weiß zumindest, worauf es im Leben ankommt. Ich hätte gern sofort wieder neue Folgen der Muppet Show und ich hätte gern diesen Mann, wie er noch ganz andere Musikstücke performt. Gleich. Sofort.

Stairway to Heaven.

So, Folks, dieses Video hier ist für die ganz Harten unter uns. Also die, die Fleisch roh essen, Eier aus Stahl haben – und gern mal auf Fernsehtürme klettern. Empfehlung: Video trotz der miesen Auflösung auf Fullscreen stellen und das Ding genießen:

http://www.youtube.com/watch?v=n8oD5J7jUnI

Und jetzt stellen wir uns vor: Wir wachen morgens auf und befinden und urplötzlich und unerklärbar mitten auf diesem Fernsehturm… have fun and good luck. 😉

Update am 08.10.2010: Offensichtlich haben es sich die Jungs nochmal überlegt und bekämpfen wieder die Veröffentlichung des Videos, zumal auch die Blog-Einträge nun alle verschwunden sind. Da hat wohl jemand einen auf den Deckel bekommen. Nur bringen wird es niemandem etwas, da es den Film in zig Inkarnationen schon in YouTube gibt. Da dies kaum noch zu verhindern ist, habe ich jetzt einfach mal eine andere Inkarnation verlinkt. Falls das Filmchen hier nicht mehr zu sehen, ist, bitte mir kurz Bescheid geben, suche ich eben eine andere Inkarnation… Katz und Maus geht immer.

Update 2 am 18.09.2010: Respekt nochmal vor den Machern, die haben nämlich beschlossen, dass sie die Veröffentlichung des Videos nicht mehr bekämpfen, weil es nach einer Veröffentlichung in YouTube praktisch zwecklos ist, zudem wurde das Video bereits im US-Fernsehen ausgestrahlt. Deshalb gibt es das Video hier wieder verlinkt.

Update 18.09.2010: Leider gibt es das Video nicht mehr auf YouTube und das hat einen delikaten Grund. Der Hauptdarsteller des Filmchens hat inzwischen das Problem, dass er von Kollegen darauf angesprochen wird und er Sorge hat, dass er von Auftraggebern darauf angesprochen werden könnte. Der angenehm offene Blog-Beitrag von TheOnLineEngineer.org zu dieser Situation ist an der Stelle etwas schmalsilbig, aber offensichtlich geht es darum, dass der Kletterer nicht durchgehend abgesichert ist, wie es hierzulande üblich ist. Nun ja, okay – das Ding ist online, hat zehntausende Abrufe hinter sich und ist damit an sich schon unters Volk gebracht. Die Devise „Augen zu und durch“ wäre die vermutlich bessere, aber das liegt nicht in meiner Entscheidungsgewalt.