Twitter und das zukünftige Geschäftsmodell.

Glaubt man einem Beitrag des englischsprachigen Weblogs SocialBeat, dann hört das Zeitalter des unbeschwerten Twitterns im August auf. Angeblich testet Twitter ein „Feature“, bei dem Twitter-Nutzern in ihren Timelines so genannte „promoted Tweets“ eingeblendet werden. Sprich: Werbung. So richtig überraschen tut diese Feststellung niemanden wirklich, weder den Autoren des Blog-Artikels, noch mich, noch viele andere Twitter-Nutzer.

Ich glaube, dass Twitter sich langsam aber sicher überlebt. Und das nicht deshalb, weil die Idee dumm wäre, sondern weil Twitter es jahrelang erfolgreich geschafft hat, sich nicht vernünftig zu entwickeln. Beispiele? Aber gern doch:

  • Eigene Timelines lassen sich auch heute noch nicht sinnvoll auf Serverseite filtern. Entweder man bekommt den gesamten Strom aller der Nutzer, denen man folgt, oder eben gar nichts.
  • Die Listenfunktion von Twitter ist eine Funktion, die überhaupt nicht dazu taugt, Information zu kanalisieren, sondern lediglich eine (halbwegs funktionale) Sache ist, anderen Leuten Themenkreise zu definieren (Liste „Fernsehen“ etc.).
  • Was Twitter ebenfalls nie geschafft hat, ist das Filtern von Applikationen. Was nervt es doch, wenn andere Nutzer ihre Beiträge in allen möglichen Social Networks in Twitter featuren und es für andere Leser keine Möglichkeit gibt, diese Kommentare beispielsweise dadurch sperren zu können, in dem die Quelle, also das entsprechende Twitter-Gateway des Dienstes, für sich sperren zu können.
  • Viel dramatischer ist meiner Meinung nach jedoch das, was früher oder später dann passiert, wenn man vielen Nutzern folgt, die untereinander viel via Replies twittern. Denn Replies bekommen alle die mit, die sowohl dem Absender, als auch dem Empfänger einer Reply ebenfalls folgen. Und das nervt sehr schnell und sehr massiv.
  • Fast schon marginal ist das Thema, dass man eine Direct Message nur Leuten schicken kann, die einem selbst folgen. Diese Funktion, die eigentlich hervorragend dazu dienen könnte, den halbprivaten Quatsch abzufangen, den sich viele Nutzer tagtäglich zutwittern, wird also durch diese künstliche Beschneidung so degradiert, dass viele Nutzer sie gar nicht kennen.

Tatsächlich ist viel von Twitter inzwischen in Facebook aufgegangen. Dass Twitter zu Facebook noch nicht gänzlich alle Nutzer verloren hat, mag daran liegen, dass Facebook sich scheinbar grundsätzlich dämlich anstellt, wenn es darum geht, Information auch Leuten zur Verfügung zu stellen, die nicht bei Facebook angemeldet sind, denn das ist (noch) das große Plus von Twitter. Ich muss mit niemandem Freund sein, um ihn bei Twitter lesen zu können und (noch) muss ich mich noch nicht mal bei Twitter anmelden, um den Inhalt der meisten Twitter-Nutzer mitlesen zu können. Und das, was Twitter mit Direct Messages einst einführte, das fangen heutzutage so Dienste wie WhatsApp ab und zukünftig auf der iPhone/iPad-Plattform der zukünftige hauseigene Apple-Dienst. Und für das, was am Ende in Sachen Social-Network-Bedarf übrigbleibt, gibt es ja dann noch Goole+.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Unglücklicherweise fürchte ich, dass die Monetarisierungsversuche von Twitter versanden werden und Twitter – immerhin erstaunlich spät – irgendwann in den nächsten Monaten aufgekauft und endgelagert wird. Die Web-2.0-Blase hat in einigen Details (Groupon, Facebook) gewaltige Größen angenommen und selbst wenn diese Blase nicht platzt sondern langsam und halbwegs kontrolliert Luft verlieren wird – für gänzlich neue Finanzierungsrunden für Dienste, die seit Jahren nach der richtigen Finanzierung suchen, wird es eng werden. Und wie man die „promoted Tweets“ den Nutzern erklären will, die seit Jahren twittern, viel twittern, auf vielen Diensten schreiben und von Twitter erstaunlich wenig abhängig sind, das wird ein spannendes Thema.

Geld verprassen in Empire Avenue.

Der ein oder andere Durchgeknallte, der mir auf Twitter und Facebook folgt – und ich leite an dieser Stelle schon mal vorsorglich ein, dass ich selbst an twitter-intensiven Tagen bei weitem nicht das an Zwitscher-Output erreich, wie einige andere Zeitgenossen – wird in den letzten Tagen mitbekommen habe, dass ich in Empire Avenue eingefallen bin, einem Social-Media-Web-2.0-Dingsbums, das eine ganz harte und direkte Tour fährt: Bewerten von Freunden und Followern mit virtuellem Zaster.

Was ist Empire Avenue?

Empire Avenue ist eine Art Wertpapierbörse, allerdings nicht für Unternehmen im herkömmlichen Sinne, sondern für Social-Media-Entitäten und solche, die sich dafür halten. Das können so Menschen sein wie du und ich, die mehr oder weniger regelmäßig über Twitter, Facebook, YouTube, flickr ihre Ergüsse ins Netz kippen, aber auch Unternehmen, die ebensolches tun. Wer gelesen wird (und ergo Reaktionen auslöst) wird als Autorität gegenüber Anderen empfunden, die weniger gelesen werden. So mal zum Grundprinzip.

Die Idee basiert auf zwei Säulen: Die „Influencer“ und die „Investors“. Beide Säulen kann im Prinzip jeder Benutzer ausüben, „Influencer“ ist man, wenn man mit Aktivitäten auf den angeschlossenen Social-Media-Diensten Twitter, Facebook, flickr, YouTube und in den hauseigenen Foren Aktivitäten erzeugt. Sprich: Twittert etc. „Investor“ ist man, wenn man in Empire Avenue in den Kurs anderer Leute und Firmen investiert.

Beeinflusst wird der Kurs jeden Benutzers durch eine Mischung von beidem. Kauft jemand mit der hausinternen Währung „Eaves“ meine Shares, steigt logischerweise mein Kurs, verkauft sie jemand, fällt er. Ich selbst beeinflusse meinen Kurs mit meinem Social-Media-Aktivitäten und natürlich auch mit meinem Handeln auf Empire Avenue als „Investor“, da ich auf diese Weise ja mein dortiges Vermögen, meinen „Wealth“ beeinflusse.

Ganz zuletzt kann man mit seinen „Eaves“ dann natürlich auch noch so richtig sinnlose Dinge anstellen, beispielsweise das Kaufen eines (selbstverständlich nur) virtuellen Hauses, Bootes oder Flugzeuges. Es bleibt also am Ende tatsächlich so, wie es immer ist: Von nichts kommt nichts.

Die richtige Strategie zum Kohlemachen?

Einfach auf die Kurse seiner bekannten Freunde zu setzen, ist weitgehend eine „sichere Bank“, allerdings herzlich unprickelnd und mitunter ein Verlustgeschäft. Das vor allem wegen der etwas langweiligen Logik – es passiert halt relativ wenig, wenn erst mal ein bestimmter Kurs erreicht ist. Die Tendenz bei den meisten etablierten Empire-Avenue-Benutzern ist daher entweder stagnierend oder leicht fallend. Hat man erst einmal dieses Phänomen entdeckt, tut man sich allerdings relativ schwer, mal eben die Shares seiner Freunde und Bekannten wieder verscherbeln zu müssen … der schnöde Mammon trifft Freundschaft. 😉

Um richtig Kohle zu scheffeln, bleibt daher das Setzen auf IPOs, also das Beobachten der Neuankömmlinge und eine möglichst schnelle Investition in die Kandidaten, die mit einem wichtig ausschauenden Namen daherkommen oder gleich von Anfang an alle möglichen Dienste in ihrem Empire-Avenue-Account registrieren. Hier ist die Chance auf kurzfristigen Kursanstieg am größten, eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung und mehr ist da in wenigen Stunden und Tagen durchaus drin. Der Zeitpunkt ist dabei wirklich ausschlaggebend, denn kommt ein Neuling hinein, kaufen sich die Profis teilweise innerhalb der ersten Sekunden und Minuten ein. Das registriert Empire Avenue natürlich und setzt dem Kauf solcher „Fast Movern“ mitunter eine höhere Kommission vor – zahlt man normalerweise 5 % Kommission der virtuellen Währung, ist es bei Fast Movern dann 15 % oder gar 30 %. Das sind Abschläge die man mit einem hoffentlich danach stattfindenden Kursgewinn erst einmal wieder erwirtschaften muss (und oft nicht gelingt).

Und dann gelten natürlich die üblichen Strategien aus der klassischen Wertpapieranlage: Diversifizieren in möglichst viele „Branchen“, eine Mischung zwischen „sicheren Banken“ und „aufstrebenden Verrückten“ schaffen und bei all diesem Einkauf immer schön darauf achten, den Überblick im eigenen Portfolio nicht zu verlieren, die Kurse im Auge zu behalten und die Papiere der Kandidaten dann entsorgen, wenn deren Kurs stagniert oder gar abfällt.

Funktioniert Empire Avenue denn?

Sagen wir mal so: Redlich. Es ist für eine Maschine natürlich relativ schwer, Autorität im Sinne von „wird gelesen“ sinnvoll messen zu können. Die Erfahrung zeigt, dass es sehr viele Publikationen gibt, die stark gelesen werden, aber selten Reaktionen der Leser auslösen. Hier mit festen Algorithmen zu kommen, ist eine echte Wissenschaft für sich und da sind schon alle großen Suchmaschinen mit Mannjahrhunderten am Werk. Dazu kommt, dass die Logik von Empire Avenue viel zu statisch daherkommt und auch gar nicht anders kann. Beispielsweise lassen sich ja auch Weblogs in das eigene Profil in Empire Avenue einbinden, aber das ist ein rein statischer Vorgang. Die Zahl der Leser, die Zahl der Kommentare, eventuelle Facebook-Likes und so weiter und so fort, das bleibt Empire Avenue verborgen. Rein nur die Zahl der veröffentlichten Blog-Artikel auszuwerten, das ist ein bisschen wenig.

Dazu kommt, dass die Basis an Benutzern in Empire Avenue verschwindend gering gegenüber anderen Social-Media-Plattformen sind. Es also relativ wenig Autoritäten gibt, an die man sich halten könnte. Ich komme bei meinen rund 1.000 Kontakten, die ich mal so Pi-mal-Daumen in allen mir gängigen Social-Media-Diensten am Start habe, in Empire gerade mal auf 30.

Mit echter Börse hat das alles allenfalls ansatzweise etwas zu tun. Bei meiner Investitionsstrategie, einfach mal in Neulinge kräftig zu investieren und zu schauen, was dann passiert, wäre ich im echten Leben vermutlich nach zwei Tagen pleite oder hätte zumindest einen dringenden Anruf meiner Hausbank in der Leitung.

Die Idee von Empire Avenue ist demnach recht cool und gewitzt, aber mehr als augenzwinkernd darf man sich das alles auch schon nicht mehr anschauen. Die Logik prellt schon aus architektonischen Gründen schwer und hat wenig mit der Wertpapierrealität draußen zu tun. Wer allerdings echte Wertpapiererfahrung mitbringt, hat seinen Heidenspaß dabei, endlich mal mit einer virtuellen Währung eine Anlagestrategie zu verfolgen, die man sich im echten Leben nicht leisten kann. 😉

Mitmachen?

Hier geht es lang, das ist mein Invitation-Link: http://empireavenue.com/?t=hi4muums

Und wer dann eingeloggt ist, sucht nach „BESIM“. 😉

Werbeform „Twitter-Stream“.

Wenn ich nicht ganz genau hingeschaut hätte, wäre es mir gar nicht aufgefallen. Hier wirbt tatsächlich jemand für seinen Twitter-Stream via Google AdWords. Das Ding ist hierbei ein Flash-Applet, das via Google AdWords verteilt wird und das bei der Anzeige dann den aktuellen Inhalt des Twitter-Streams nachlädt und die letzten Tweets dann rotieren lässt (hier nur der Screenshot):

Gar nicht so dumm. Es hängt natürlich sehr von der Zielgruppe ab, ob verstanden wird, dass man hier einen Twitter-Stream abonnieren kann. Aber das ist bei Google AdWords nun wirklich kein Problem, denn die entsprechende Zielgruppe lässt sich per Keyword ja genau definieren. Und so stieß ich auf diese Anzeige dann auch bei TwitPic.

The Good Guy and the Bad Guy.

Die Revolutionen im Mittleren Osten und in Nordafrika haben ja entwaffnend freundliche, zumindest wenig stressige Namen: „Jasmin-Revolution(en)“, „Tag(e) des Zornes“, „Tag der Würde“. Und dann auch noch so friedlich anmutende Aktionen wie Platzbesetzungen, teilweise waffenfreie Demonstrationen, in Libyen eine fast schon freundlich anmutende, weil mutig aussehende „Turnschuharmee“ und so weiter. Und wir finden das alles sehr, sehr spannend, weil sich hier augenscheinlich Völker gegenüber ihren Despoten aufbegehren und ihren Kampf mit ach so demokratischen Werkzeugen wie Twitter und Facebook organisieren

Wie wollen wir das eigentlich nennen? Graswurzelkampf? Bürgerkrieg 2.0? Social Revolution? Micro War?

Es tut mir ja fast schon leid, wenn ich da einigen vor Kraft strotzenden Bloggern und Microbloggern gehörig in die Parade fahre und die Frage stelle: Was legitimiert Krieg eigentlich? Das Wehren gegen Ungerechtigkeiten? Die Mittel? Wir machen uns vor Rührung fast in die Hosen, wenn wir uns vorstellen, dass sich bis dato geknechtete Menschen mit Facebook & Co. organisieren, um für Freiheit zu kämpfen. Wie wollen wir aber zur irgendwann aufkommenden Frage stehen, wie wir damit umgehen wollen, wenn über Social Networking tatsächlich „guter, alter“ blutiger Bürgerkrieg organisiert wird? Wenn in einer Facebook-Gruppe Frontverläufe geplant werden oder über Twitter Armeen befehligt werden? Finden wir das dann immer noch revolutionär und rührend?

Sehr spannend finde ich da ein Phänomen, das mir heute aufgefallen ist. Auf NHK World, dem internationalen Programm des japanischen Senders NHK, verfolgte ich eine Pressekonferenz irgendeines völlig überforderten Tepco-Managers, der irgendwelche Kommentare zum neuerlichen Nachbeben abgab. Belangloses Zeug, das NHK live in die Welt transportiert hat und vor Ort vermutlich von anderen Journalisten in Tickermeldungen und Zeitungsartikel geklopft wird – oder aber von fleißigen Menschen an ganz anderen Orten dieser Welt direkt von der Live-Schaltung aus NHK World in Twitter, Facebook & Co. eingespeist wird. Sprich: Der Graswurzeljournalismus ist hier problemlos erheblich schneller mit dem Verklopfen einer Nachricht, als vor Ort sitzende Journalisten, die vielleicht gerade mit einem maroden Handynetz kämpfen.

Wenn wir das jetzt auf so genannte Revolutionen herunterbrechen, die nichts anderes als Bürgerkriege sind, dann stellt sich hier die Frage, ob man einfach mal so eben auf einer Seite sein kann, nur weil sich die eine Seite attraktiver (nicht unbedingt besser) organisiert. Krieg ist in erster Linie sehr stark einseitige, überzeichnete und gewalttätige Propaganda, nichts anderes passiert in den vielen arabischen Krisengebieten. Revolutionen werden nicht dadurch hübscher, in dem sie teilweise transparenter und vielleicht authentischer wirkend in den Mitteln und Werkzeugen dargestellt und organisiert werden, die wir für unsere tägliche, seichte Unterhaltung nutzen.

Größerer Trouble bei Facebook(?)

Mein Microgeblogge nimmt normalerweise den Weg von Twitter, das ist hauptsächlich nutze, zu Facebook. Hierzu habe ich in Facebook vor langer Zeit schon eine Facebook-Twitter-App installiert, die entsprechend die Verbindung zu Twitter schafft. Das funktionierte alles auch so weit ganz gut, unter allen Facebook-Nachrichten, die via Twitter hereingespült werden, erschien bis dato auch artig, dass sie von Twitter kamen.

Zumindest bis vor wenigen Minuten. Denn da hieß es plötzlich, dass die Tweets von einer Facebook-App namens „LoudSocial Applications“ kommen. Das ist tatsächlich eine andere Facebook-App, die ich jedoch gar nicht autorisiert habe, geschweige denn überhaupt mal gesehen. Eine anscheinend fremde Facebook-App übernimmt unautorisiert meine Twitter-Nachrichten über die Autorisierung, die ich einst mal eingerichtet habe. Na das ist ja wunderbar.

Es wird aber noch lustiger, wenn man auf die Facebook-Seite der offiziellen Facebook-for-iPhone-App geht, der iPhone-App für Facebook. Denn da funktioniert seit einigen Stunden auch einiges nicht mehr korrekt, Nutzer der iPhone-App können nicht mehr in ihre Timeline schreiben. Auch ganz lustig, wobei es vermutlich haarsträubend ist, wenn man daran denkt, was da wohl gerade alles bei Facebook/Twitter schiefläuft.

Erste Maßnahme, wenn ihr ebenfalls Twitter nutzt und automatisch Tweets zu Facebook schieben lasst: Überprüft mit einem Test-Tweet und einem Blick auf eure eigene Timeline, ob eure Tweets über die Twitter-App oder auch über „LoudSocial Applications“ importiert werden. Wenn letzteres passiert, solltet ihr diese App umgehend sicherheitshalber sperren.

Update vom 19. Juli: Irgendwann im Laufe der Nacht zum 17. Juli funktionierte es dann wieder, nachdem Facebook offensichtlich die App „LoudSocial Applications“ deaktiviert hat. Betroffen waren nicht nur diverse Twitter-Apps und die App, die als Verbindungsstück zur Facebook-iPhone-App dient, sondern auch eine Reihe von Spiele-Apps, die allesamt vorübergehend nicht mehr zu anderen Social Networks mehr Inhalte senden konnten. Warum auch immer. Gerüchteweise kam dann noch auf, dass der Entwickler der ominösen „LoudSocial“-App angeblich ein Facebook-Mitarbeiter sei, aber bestätigen lässt sich das alles nicht.

Es bleibt lediglich ein weiterer, schaler Beigeschmack über die Frage, wie eine fremde Applikation plötzlich Berechtigungen anderer Apps übernehmen kann. Unerfreulich.

Polit-Proleten der Kristina Schröder auf Twitter.

Dr. Kristina Schröder geb. Köhler als eine besonders begabte Politikerin festzustellen, fällt mir, der nun wirklich über eine ausgiebig gute Fähigkeit zum Phantasieren verfügt, ausgesprochen schwer. Spitzenpolitiker bringen im Normalfall, wenn sie Karriere machen wollen, eine Aura mit, leuchtende Augen, ein festtackerbares Lächeln oder wenigstens eine vernünftige Körperhaltung, wenn sie am Tisch sitzen und daran interessiert sind, ihre Meinung in die Blöcke der Journalisten hineindiktiert zu bekommen. Sieht man Frau Schröder an einer Bank mit anderen Politikern, hat man das betroffene Gefühl, dass da eine Referentin sitzt, eine Pressesprecherin des CDU-Kreisverbandes oder irgendjemand aus dem hiesigen CDU-Gemeinderat, nicht die Bundesfamilienministerin.

Ansichtssachen. Wir lernen ständig in den letzten Tagen, dass es offensichtlich gar nicht mehr notwendig ist, besonders talentiert zu sein, um sich für ein Spitzenamt zu bewerben. Talent könnte ja immerhin dazu führen, dass der besonders geförderte Jungpolitiker möglicherweise eigene Gedanken entwickelt und das geht ja nun wirklich gar nicht. Wo kämen wir denn da hin?

Wenn ich ehrlich bin, ist der Name mir nur deshalb ein Begriff, weil Frau Schröder nun Bundesfamilienministerin ist und weil Frau Schröder twittert. Und der letztgenannte Umstand ist mir auch nur deshalb bekannt, weil sie es eben tut und das leider nicht besonders originell, sondern mit, nennen wir es mal so, wie es ist, dem „Westerwelle-Fön“. Warme Luft. Und ihren Twitter-Nickname hat sie auch noch nicht geändert, obwohl eine Änderung ohne Verlust ihrer Follower passieren würde, aber das ist eine Randnotiz zum jetzt folgenden Treppenwitz.

Da hat sich doch Frau Schröder gedacht, als ihre Chefin stolz verkündete, dass wir alle die Gürtel enger schnallen müssen, „weil wir ja über die Verhältnisse gelebt haben“, Mensch, twitter ich doch schnell mal etwas dazu, immerhin habe ich ja ein Ressort. Und das geht dann im Bezug auf das Elterngeld, das von der Idee her zum Ressort des Bundesfamilienministeriums gehört und das einschneidende Kürzungen im Rahmen des aktuellen Sparpaketes der Bundesregierung erfahren soll, so:

In der Tat ist die „Elterngeldstreichung“, die eigentlich keine ist, sondern eine ziemlich unsozial definierte Kürzung, einschneidend. Und eigentlich müsste es heißen: „Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger besonders hart.“ Das fehlende Wort wäre sogar noch innerhalb der 140-Zeichen-Grenze von Twitter. Denn die Kürzung betrifft vor allem diejenigen, die wenig verdienen, da die Bemessungsgrundlage für das Elterngeld abgesenkt wird. Das heißt: Wer wenig vorher verdient hat, erhält auch weniger Elterngeld. Wer sehr viel verdient, den stört das nicht, da die Höchstgrenze von 1.800 Euro dabei nicht angetastet wird.

Zumindest passt dieses Herumpfuschen am Elterngeld nun besser zu einem der übelsten Vorurteile der Konservativen, denen am Elterngeld schon immer störte, dass damit ja nicht nur reiche Eltern ein adäquates Ausfallgeld für das Kindermachen bekommen, sondern auch einkommenschwache Bevölkerungsgruppen. So wird das jetzt dann eben so, dass sich das Kindermachen für Arme hoffentlich nicht mehr ganz so lohnt, nicht?

Aber Frau Schröder fehlt das staatstragende, womit sie sich in eine Reihe mit anderen Spitzenpolitikern aus der derzeitigen Bundesregierung aufstellt. Weil man offenkundig harte Kost irgendwie auch gut verdaulich unters Volk bringen muss und Frau Schröder offensichtlich immer noch nicht so ganz den Unterschied zwischen BILD-Zeitung und Twitter erkannt hat, gibt es vier Minuten später auch gleich ein Beispiel auf niederem Stammtischniveau mit inkludierter Suggestivfrage:

<sarkasmus staerke=“derb, rau“>
Genau! Diese Scheiß-Hartz-IV-Empfänger, diese Schmarotzer! Kindermachen und sich das auch noch vom Staat bezahlen lassen! Netto! Ja, Frau Schröder, immer drauf! Diese spätrömische Dekadenz! Schaffen soll das Pack und die Balgen, die eh nix werden, gefälligst selbst durchbringen!
</sarkasmus>

Das Integrative, das Versöhnende, die dialogorientiere Arbeitsweise, die eine Ministerin auszeichnen sollte, die gibt es bei Frau Schröder – vermutlich (weil ich ja nicht wirklich Frau Schröder auf meinem Politradar habe) – nur in den klassischen Medien. Da man in Twitter aber einfach Müll reingrunzen muss, kommt dann wohl obiges dabei heraus. Und weil uns ja nur Frau Schröder aus diesem Dilemma mit dem unkontrolliert kindgebärenden Prekariat helfen kann, kommt zwei Minuten später eine klare Ansage:

Tjaha, Frau Schröder, immer im Kampf gegen Ungerechtigkeiten, nicht? Übrigens die Frau Schröder, die noch als Frau Köhler erheblich lauter gegen so Sachen wie den Mindestlohn für Dienstleistungsverhältnisse kämpfte und der nun wirklich einer der funktionsfähigsten Werkzeuge ist, Arbeitnehmern, die auf die Arbeit angewiesen sind, Löhne zu sichern, von denen sie dann leben können und eben nicht auf zusätzliche Leistungen des Staates angewiesen sind.

Aber ist ja klar, 140 Zeichen maximal in einer Twitter-Nachricht, da muss man natürlich schon das eine oder andere weglassen.

Dass Frau Schröder den größten Unterschied zwischen einer Zeitung und Twitter nicht kennt, nämlich den Unterschied, dass dem Leser einer aktuellen Zeitung der abgesonderte Mist eines Politikers, der in der gestrigen Ausgabe erschien, nicht interessiert, in Twitter aber dummerweise alle Nachrichten erhalten bleiben, beweist ausgerechnet die Twitter-Nachricht, die unmittelbar die letzte Nachricht ist, bevor sie die obigen drei Nachrichten abgesendet hat, zwei Tage vorher:

Deutschland, dein Regierungspersonal. Du hast es dir verdient.

Wer braucht eigentlich noch … ICQ?

Der Instant Messenger ICQ, ich kann mich noch relativ gut daran erinnern, war mal Kult. Weniger der offizielle ICQ-Client, der schon immer eine Usability-Katastrophe war und mit Werbebanner überhäuft war, sondern die Möglichkeit des Echtzeitquatschens für Nichttechniker. Bis dato, also bevor ICQ ab 1997 die Elektrokommunikation revolutionierte, mailte man oder drückte sich im IRC herum – wenn man wusste, wie man dahin kam. ICQ hatte einen Client, den installierte man, registrierte sich, bekam eine ICQ-Kennung und die gab man herum.

Nach gut zwei Jahren verkauften die vier israelischen ICQ-Erfinder ihr Unternehmen namens Mirabilis 1998 an niemand geringeres als AOL. AOL selbst hatte mit seinen internen AOL-Chats die Chat-Hoheit im Privatmarkt, aber eben nur intern. ICQ störte sich an solchen Dingen nicht und obwohl AOL mit seinem eiligst aufgebauten AOL Instant Messaging (AIM) versuchte, ICQ Paroli zu bieten, tat man das, was man mit aufstrebenden Konkurrenten macht, so lange sie noch klein sind: Man kauft sie auf.

Dem Erfolg von ICQ tat das freilich kein Abbruch. Eine halbe Milliarde ICQ-Kennungen soll es geben, wovon vermutlich nicht wenige schlicht inaktiv sein dürften. Instant Messaging ist in der „Online-Karriere“ der meisten Internet-Nutzer ein vorübergehendes Kapitel. Für ICQ und AOL war es vermutlich ebenso, denn AOL hat so ziemlich alle Trends verpasst, die man mit einer so wertvollen User-Basis hätte machen können. Die Online-Konkurrenten Yahoo und Microsoft bauten für ihre bestehenden Communitys ebenfalls mit verhältnismäßig wenig Aufwand Instant Messenger und ein paar Jungs aus Estland bastelten 2002 mit Skype eine Software, die das Telefonieren im Internet revolutionierte und die Instant Messaging quasi noch als Abfallprodukt beherrschte.

ICQ blieb der Instant Messenger der Kinder und der Unverbesserlichen. Unglaublich groß, laut, spam-überlaufen und mitunter sehr nervend. Im Business-Umfeld, in dem man eh schon genug damit zu tun hatte, Instant Messaging als Kommunikationsform zu etablieren, war die Nutzung so empfehlenswert, wie das Mitnehmen der Bild-Zeitung als Frühstückslektüre in den Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft. Zwar konnte man sich als Profi damit behelfen, alternative Clients einzusetzen, deren Nutzung von ICQ/AOL zwar untersagt war, aber dennoch funktionierte.

Und dann kam das Web 2.0. Twitter, Facebook, studiVZ und Konsorten schafften völlig neue Community-Welten, die den schnellen Aufbau von sozialen Netzwerken innerhalb kürzester Zeit ermöglichten. Während in Social Networks wie Facebook eben auch einfach eine Chat-Funktion integriert wurde, betraten Micro-Blogging-Dienste wie Twitter einen ganz neuen Pfad, nämlich das Grenzgebiet zwischen Echtzeitkommunikation, Mailen und Chatten. Man kann Twitter als Nachrichtenfeed nutzen, aber auch zum Chatten oder zur Direktkommunikation mit einem Kommunikationspartner. Während ich beim Chatten ständig „auf Sendung“ sein muss, lässt Twitter hier Freiräume und ermöglicht es, eine an sich stringent geführte Kommunikation zu strecken. Das geht sicherlich auf Kosten der Verbindlichkeit einer „echten“ Direktkommunikation, flexibler ist es aber allemal.

Nun ist ICQ als einer der wichtigeren Werte von AOL versilbert worden, was vermutlich kaum noch zu vermeiden war. Während AOL in seinen besten Zeiten in den USA über 25 Millionen Kunden hat, bewegt man sich heute hart an der 5-Millionen-Grenze, Tendenz weiter fallend. Andere Märkte außerhalb der USA gab man lieber gleich ganz auf, beispielsweise auch AOL Deutschland. Dass ICQ nun einem russischen Investor gehört, macht die Zukunft sicherlich nicht rosiger.

Twittere niemals deine Telefonnummer!

LeVar Burton, besser bekannt als der schick bebrillte Schauspieler der Figur „Geordi LaForge“ aus der Fernsehserie Star Trek – The Next Generation hatte vor einer Woche vermutlich ziemlich unruhige Stunden. Denn am 31. März setzte er über seinen Twitter-Stream eine Nachricht mit einer ominösen US-Telefonnummer ab. Ich habe mich noch gewundert und mir meinen Teil gedacht und offensichtlich war der Gedanken, den ich da hatte, gar nicht so falsch. Jedenfalls twitterte LeVar einige Stunden so eine Art S.O.S.:

Gut, könnte man vermutlich aushalten, wenn LeVar Burton nicht ganz so prominent im Twitter-Space wäre, wie er ist:

Bei 1,6 Millionen Follower reichen schon 0,1 Promille davon als Anrufer, um den Tag als gelaufen zu bezeichnen. 😉

Die Nachricht schlug dann kurz darauf auch im MTV Movies Blog auf:

A minor Twit-pocalypse broke out yesterday when LeVar Burton accidentally posted his phone number to his account. It sounds like he had to get his number changed thanks to all of the incoming calls, but luckily for him, his old „Star Trek: The Next Generation“ co-stars Wil Wheaton and Brent Spiner were around to lend moral support.
MTV Movies Blog

Was ist eigentlich … Google Buzz?

Meine erste Reaktion auf die Ankündigung von Google Buzz war: „Das hat jetzt kommen müssen.“ Gut, die meisten Leser meines Blogs sind es gewohnt, dass ich eher launisch auf Hypes reagiere, aber Google Buzz ist so eine typische Sache, wie sie immer Microsoft macht – einem Hype hoffnungslos hinterherlaufen und dann ein Wettbewerbsprodukt auflegen, das von Anfang an nichts ganzes und nichts halbes ist. Was aber ist Google Buzz? Am ehesten vergleichbar ist das Ding, das gestern mit eher mäßigem Tamtam vorgestellt wurde, mit FriendFeed.

FriendFeed ist einer der älteren Web-2.0-Dienste und hat es nie so richtig aus dem Windschatten von Twitter und Facebook geschafft, obwohl es eigentlich gar nicht dumm ist. Ursprünglich war FriendFeed dazu gedacht, seinen Freundeskreis über die eigenen Aktivitäten in der Web-2.0-Sphäre auf Empfang zu halten. Dazu kann man in FriendFeed zu vielen Diensten Verbindungen einrichten und sich so bequem die Aktivitäten bei den verbundenen Diensten zum FriendFeed-Account pushen lassen. Und selbst wenn ein Dienst keine Schnittstelle zu FriendFeed bietet, gibt es immer noch die hübsche Möglichkeit, einfach den RSS-Feed (falls wenigstens das vorhanden ist) einzubinden. Facebook ist ideell gesehen eine Fortführung der FriendFeed-Idee, wenn auch erheblich unübersichtlicher und vor allem alberner. (Ja, ich komme über den App-Wahnsinn von Facebook einfach nicht hinweg.)

Doch zurück zu Google Buzz. Vom Prinzip her ist Google Buzz ein leicht aufgebohrtes Twitter. „Aufgebohrt“ deshalb, weil es von Anfang an eine Unterstützung für die Geo-Position des Autors mitbringt, Kommentierungen von Nachrichten unterstützt, multimediale Inhalte in Nachrichten integrieren lässt, sich mit einigen anderen Diensten verbinden kann und vor allem in Google Mail integriert ist. Also im Prinzip ist Google Buzz von Anfang an das, was Twitter erst nach Jahren (und mit Zuhilfenahme anderer Dienste) war und Facebook weitgehend schon heute ist, exklusive dem App-Wahn von letzterem. Ach ja, und Google Buzz lässt sich schön über mobile Webbrowser auf Smartphones bedienen.

Das war’s dann eigentlich auch schon. Google Buzz ist tatsächlich nicht viel mehr als Twitter und eine spaßfreie Industrie-Ausgabe von Facebook, eingebettet in Google Mail und auch eher verankert im Paradigma eines E-Mail-Clients. Das kann man nützlich finden, wohl kaum schön, auch nicht wirklich innovativ, aber es ist eben Google. Und wenn Google das macht, dann skaliert es, hat von Anfang an wenigstens nachvollziehbare Datenschutzregeln, eine eigene Smartphone-Plattform, eine bereits etablierte User-Basis. Und: Google ist schon hochprofitabel.

Google Buzz ist nicht schön, könnte aber funktionieren und das vor allem deshalb, weil Twitter und Facebook es bis heute nicht wirklich geschafft haben, ihre Marktführerschaft sinnvoll zu monetarisieren und ihren Usern teilweise mit erstaunlicher Hartnäckigkeit und Chuzpe auf den Senkel gehen. Schön ist allerdings was anderes und Google hat sich mit dem spartanischen Aussehen von Google Buzz sicherlich keinen Gefallen getan. Social Networking muss anders daherkommen, als eine Suchmaschine. Und beim Namen hätte man auch etwas kreativer sein können.

Retweeten für Anfänger und Fortgeschrittene.

Eine Twitter-Meldung zu “retweeten” ist so eine Sache. Wir wollen da gar nicht erst darüber diskutieren, ob das Retweeten sinnvoll ist oder nicht, sondern einfach mal darüber, wie man eigentlich korrekt retweetet. Denn irgendwie scheint es da teilweise ziemlich krasse Missverständnisse darüber zu geben.

Grundsätzlich: Retweeten ist das, was bei E-Mail das „Weiterleiten“ ist. „Weiterleiten“ bedeutet in diesem Kontext, dass man eine Nachricht weitergibt. Und zwar gern mit einem Kommentar, die Nachricht aber selbst bleibt unverfälscht. Zugegeben, das nicht verfälschen ist bei einer Beschränkung auf 140 Zeichen nicht ganz einfach, sondern weitgehend unmöglich.

Das „alte“ Retweeten

Die Idee des Retweets war, wie so viele Dinge bei Twitter, eine Sache, die erst später, weit nach dem Start von Twitter nachträglich eingebaut wurde. So weit, so gut. Was ebenfalls twitter-typisch ist, ist der Umstand, dass man anfänglich experimentiert hat, und zwar mit der Syntax der Retweet-Kennung. Hatte man sich am Ende auf die Buchstabenfolge “RT” geeinigt, gab es zwischendrin auch mal Ideen für die Nutzung eines Symboles, das in einigen Schriftarten vorkommt und am ehesten damit zu vergleiche ist, was landläufig Recycling symbolisiert – quader- oder dreiecksförmig als Endlosschleife angeordnete Pfeile. Das man dieses Zeichen kaum sinnvoll auf einer Tastatur eingeben kann, ist bei einem Retweet im Gegensatz zu einem Reply oder einer Direct Message eher unwichtig, da ein Retweet ja von einem Twitter-Client oder dem Twitter-Backend erzeugt wird.

Nun, wie auch immer, am Ende sah es dann so aus:

@besim schreibt: Hallo, dies ist ein Text.

@blafurzbasel retweetet: RT @besim Hallo, dies ist ein Text.

Bei einem relativ kurzen Tweet ist das relativ einfach zu bewerkstelligen. “Relativ kurz” deshalb, weil der Vorspann eines Retweets ja auch schon Zeichen kostet. Im Falle des obigen Beispieles gehen durch den Vorspann “RT @besim” plus einem nachfolgenden Leerschritt immerhin 10 von 140 möglichen Zeichen verloren.

Aber noch andere Fehler kann man beim “alten” Retweet noch machen, nämlich den Retweet verfälschen. Okay, ich verstehe, dass man als jemand, der eine Twitter-Meldung retweeten möchte, noch einen zusätzlichen, eigenen Hinweis zur rezutweetenden Nachricht hinzufügen möchte. Dafür gibt es allerdings keine festgelegte Syntax, sondern am ehesten eine “Good-Practice”-Empfehlung, nämlich den eigenen Inhalt davorzusetzen, so dass dies dann so aussehen würde:

Coole Sache! RT @besim Hallo, dies ist ein Text.

Nicht wirklich übersichtlich. Das Problem verschärft sich allerdings noch gewaltig und kann richtige Missverständnisse auslösen, wenn man einen Retweet falsch einsetzt. Zum Beispiel dann, wenn jemand einen Link retweeten möchte, den ursprünglichen Text des Erstautors abändert, das alles aber als Retweet markiert:

@besim schreibt: Geiler Link, unbedingt anschauen! http://foo.bar/geil

@blafurzbasel retweetet: RT @besim http://foo.bar/geil – Link für Geile

Der (fiktive) User @blafurzbasel wollte hier vielleicht einfach nur den Link, den ich empfohlen habe, an seine Freunde senden und hat das als Retweet markiert, allerdings hinten den Text abgeändert, was er ja, da das alles normaler Text ist, auch technisch problemlos machen kann. Er kann so nebenbei auch den Sinn komplett entstellen und ich habe dann am Ende nicht einen “geilen Link” gesendet, sondern einen “Link für Geile”, obwohl ich das niemals selbst geschrieben habe.

In diesem Beispiel mag das noch herzlich belanglos sein, aber man denke an dieser Stelle weiter. Sehr einfach kann man hier anderen Leuten Dinge in den Mund legen, die sie so nie gesagt haben.

Das “neue” Retweeten

Twitter hat irgendwann erkannt, dass die bisherige Retweet-Lösung nicht wirklich intelligent ist, eben aus dem Grund, dass ein Retweet immer zusätzliche Zeichen benötigt, der dann im Retweet-Tweet fehlt und dass eben “alte” Retweets vortrefflich vom Retweet-sendenden Nutzer manipuliert werden können. Lösung: Retweet fest ins Backend einbauen, was dann vor einigen Monaten auch implementiert wurde, wenn auch anfänglich recht halbherzig.

Das „neue“ Retweeten sieht dann beispielsweise im Twitter-Client TweetDeck so aus:

Der zu zitierende Text eines Retweets kann vom „Retweeter“ nicht geändert werden, zudem wird beim „neuen“ Retweet der gesamte Vorrat von 140 Zeichen zur Verfügung gestellt. Die Information über den eigentlichen Nutzer, der den zitierten Text geschrieben hat, wird komplett im Backend gespeichert.

Und nun?

Ganz einfach: Nur noch das „neue“ Retweeten nutzen. Erspart einem selbst das Zeichenzählen, sieht hübscher aus und der so weitergeleitete Tweet entspricht dem Original. Das „neue“ Retweeten funktioniert in der Zwischenzeit auch von der eingedeutschten Twitter-Website und von den meisten aktuellen Twitter-Clients aus. Falls der eigene das nicht kann, entweder aktualisieren oder einen neuen suchen, denn allein das „neue“ Retweeten ist den Aufwand wert.