Wie Twitter Donald Trump 14 Millionen Follower schenkte.

Wie über 14 Millionen weitere Twitter-Nutzer folgte ich bis zum Abschied Barack Obamas als US-Präsident auch dem offiziellen Twitter-Account @POTUS („President of the United States“). Die US-Behörden hatten sich zum Präsidentenwechsel dabei eine nette Geschichte ausgedacht. Anstatt einfach den Account weiter an den nächsten US-Präsidenten zu geben, wurde kurzerhand der bisherige @POTUS-Account zu @POTUS44 umbenannt und somit archiviert. Nach den üblichen Twitter-Regeln behält ein Twitter-Account alle seine Follower, auch wenn der Nickname des Accounts wechselt.

Dass @POTUS44 der frühere @POTUS-Account war, lässt sich z.B. über die Website mytwitterbirthday.com recherchieren, die für den Account das „Geburtsdatum“ des 21. Juni 2013 ausgibt:

Wie gesagt, über 14 Millionen Follower.

Für den neuen US-Präsidenten wurde eigens ein neuer dienstlicher Account eingerichtet, der dann den bisherigen Nickname „POTUS“ übernommen hat. Auch ersichtlich hier: Der „Geburtstag“ dieses Twitter-Accounts, der 19. Januar 2017.

Also alles gut. Wobei … nicht so ganz. Den offenkundig zum Wohle des neuen US-Präsidenten dehnt Twitter wieder einmal die Regeln. Denn der bisherige Follower von @POTUS und nun Neu-Follower von @POTUS44 darf nun staunend zur Kenntnis nehmen, dass er nun automatisch beiden Accounts folgt, nämlich @POTUS44 und dem neuen @POTUS-Account. Also sozusagen ein Zwangs-Following des neuen US-Präsidenten, obwohl man das gar nicht selbst initiiert hat. Schon ganz nett, wenn man als neuer US-Präsident mit einem neuen Twitter-Account gleich mal mit 14 Millionen von Twitter auf dem Silbertablett überreichten Follower anfangen kann und ihnen von Tag 1 an präsidentialen Müll unterjubeln kann, den sie gar nicht bestellt haben.

Eine Ferkelei von Twitter, die man in so Ländern wie China oder Russland nicht hätte besser machen können, zumal Twitter bisher auf Wünsche von Account-Duplikaten nicht eingegangen ist.

Einzig ironischer Nebeneffekt: Der neue @POTUS-Account verliert derzeit stetig Follower und hat aktuell fast 300.000 Follower weniger, als @POTUS44. Ich bin mal gespannt, wie lange sich dies das Trump-Team anschaut und irgendwann die „Bitte“ an Twitter herangetragen wird, für den @POTUS44-Account keine neuen Follower zuzulassen. Auch das wäre dann ein neues Level an politischem Opportunismus von Twitter, aber das ist vermutlich einfach nur eine Frage der Zeit. Die YESSIR-Mentalität von Twitter gegenüber totalitären Regimen in aller Welt ist inzwischen schon fast legendär.

Retweet in XXL.

Der sonntagvormittägliche Blick in den SPIEGEL der kommenden Woche ist ein gut abgehangenes Ritual, dankenswerter möglich durch die elektronische Version, die schon am Sonntagmorgen ab 8 Uhr herunterzuladen ist. Das wird sich ab nächstes Jahr übrigens soweit ändern, als dass der SPIEGEL nicht mehr montags, sondern schon samstags erscheint.

Anyway… letzten Sonntag war ich dann recht erstaunt, als mich auf der Seite 129 der SPIEGEL-Ausgabe 32/2014 niemand geringeres als ich selbst aus der Medienseite herausblickte, dem Facebook-Ausfall am 1. August und ein knarziges Zitat darüber sei Dank (Klick for Big):

Besim-Zitat im SPIEGEL 32/2014

Und auch wenn der SPIEGEL eine Millionenauflage hat – so ein „XXL-Retweet“ bringt außer 15 Minuten Ruhm nichts. Letzte Woche ist kein Follower hinzugekommen, zudem gehört der zitierte Tweet mit einem (echten) Retweet und zwei Favorites zum Gros der eher wenig aufgefallenen Tweets. Aber immerhin auch 2014 im SPIEGEL Spuren hinterlassen. 🙂

Obama 2012 – Emotionen im Wahlkampf.

Wer auf der Website der Obama-2012-Campagne ganz nach unten scrollt, findet am Ende jeder Seite eine Widmung:

Die Widmung ist zwar mit einem Link unterlegt, die auf eine eigene Seite der Obama-Kampagnenwebsite führt und auf der offensichtlich wird, dass dieser Alex Okrent offensichtlich verstorben ist und in Absprache mit der Familie von Okrent Spenden für die Obama-Kampagne gesammelt werden sollen, anstatt dass mit diesem Geld Blumen und/oder ähnliche Beleidsbezeugungen gekauft würden. Nähere Informationen zu Alex Okrent finden sich hier (leider) nicht, sondern finden sich an anderen Stellen, zum Beispiel auf der Online-Nachrichtenplattform Huffington Post (übrigens die Nachrichtenplattform, die 2008 mit der Obama-Kampagne stark kooperierte) und auf der Website der Zeitung USA Today.

Alex Okrent war Mitarbeiter diverser Obama-Kampagnen. Im Jahre 2004 zu Obamas Senatskandidatur, 2008 und 2012 bei seiner ersten US-Präsidentschaftskandidatur. Der 29 Jahre alte Okrent starb am 13. Juli 2012 im Krankenhaus, nachdem er im Headquarter der Obama-Kampagne in Chicago kollabierte und nicht mehr wiederbelebt werden konnte.

Nun gehören Tode zum Leben dazu und die Frage ist immer, wie man damit umgeht. Es einfach zu verschweigen, ist verhältnismäßig einfach, allerdings nicht sehr angemessen, gerade nicht in Wahlkämpfen, die immer von vielen Menschen gemacht werden und jeder einzelne hierbei wichtig ist. Zwar war Okrent als Medienmanager ein eher kleines Rädchen in der großen Maschinerie, aber das zählt in so einer Situation nicht.

Der Weg der Kampagnenleitung war daher ein sehr direkter, nämlich zunächst eine offizielle Pressemitteilung über die offiziellen Kanäle und Presseverteiler. Diese Nachrichten führten an einer ganz anderen Stelle ebenfalls zu einer Kondolenz, nämlich ausgerechnet bei Obamas Gegenkandidaten Mitt Romney, über dessen Twitter-Stream kurz darauf ein Tweet geschrieben wurde:

Die Reaktion auf diesen Tweet folgte sogleich, immerhin auf dem Twitter-Stream von Obamas Kampagnenleiter David Axelrod:

Schöne Geste. Ist zwar alles Wahlkampf, aber man kann, wie man sieht, auch in einem sehr harten Wahlkampf einen kurzen Moment Zeit finden und sehr menschliche Gesten sehr öffentlich austauschen.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort „Obama 2012“.

Obama 2012 – Ein paar externe Links.

Den Obama-2012- bzw. den US-Präsidentschaftswahlkampf im Internet beobachte nicht nur ich, sondern auch andere Leute. Auf drei interessante Links möchte ich an dieser Stelle verweisen, die andere Aspekte im Online-Campaigning sehr detailiert beleuchten:

Eigene Links gefunden? Her damit und reinschreiben als Kommentar zu diesem Artikel!


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort „Obama 2012“.

Obama 2012 – Eine echte Twitter-Erfolgsstory.

Auch wenn die Obama-2012-Kampagne auf vielen Social-Media-Kanälen geführt wird – die Hauptkanäle sind seit Anfang an der Obama-Kampagnen 2008 und 2012 das Wahlkampfblog und die regelrechte Armee von Twitter-Kanälen. Fangen wir zuerst einmal an mit den nackten Zahlen der wichtigsten Twitter-Kanäle von Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney (Zahlen vom 21. Oktober 2012, 22 Uhr):

Twitter-Accounts um Barack Obama:

  • Barack Obama (@BarackObama): 21.166.565 Follower, 671.476 Gefolgte, 7.113 Tweets
  • Michelle Obama (@MichelleObama): 1.914.954 Follower, 8 Gefolgte, 652 Tweets
  • Joe Biden (@JoeBiden): 273.397 Follower, 15 Gefolgte, 831 Tweets

Twitter-Accounts um das Team Obama mit einigen ausgewählten Bundesstaaten-Wahlkampfteams:

  • Team Obama 2012 (@Obama2012): 212.005 Follower, 60 Gefolgte, 3.991 Tweets
  • Truth Team (@TruthTeam2012): 90.412 Follower, 69 Gefolgte, 2.578 Tweets
  • Latinos for Obama (@LatinosforObama): 23.988 Follower, 154 Gefolgte, 1.030 Tweets
  • Students for Obama (@Students4Obama): 19.639 Follower, 94 Gefolgte, 433 Tweets
  • Obama for America Florida (@OFA_FL): 32.663 Follower, 31.572 Gefolgte, 9.152 Tweets
  • Obama for America New York (@OFA_NY): 22.029 Follower, 24.180 Gefolgte, 4.225 Tweets
  • Obama for America California (@OFA_CA): 16.261 Follower, 15.649 Gefolgte, 7.808 Tweets
  • Obama for America Illinois (@OFA_Illinois): 11.002 Follower, 8.708 Gefolgte, 5.400 Tweets
  • Obama for America Texas (@OFA_TX): 10.208 Follower, 1.850 Gefolgte, 2.933 Tweets
  • Obama for America Alaska (@OFA_AK): 5.637 Follower, 2.008 Gefolgte, 2.877 Tweets

Twitter-Accounts um Mitt Romney:

  • Mitt Romney (@MittRomney): 1.503.491 Follower, 274 Gefolgte, 1.276 Tweets
  • Ann Romney (@AnnDRomney): 143.406 Follower, 411 Gefolgte, 61 Tweets
  • Paul Ryan (@PaulRyanVP): 465.392 Follower, 208 Gefolgte, 185 Tweets
  • Team Romney (@TeamRomney): 83.941 Follower, 1.042 Gefolgte, 2.047 Tweets

Zahlentechnisch kann man da schon mal einige interessante Vergleiche ableiten, die die gewaltigen Dimensionen allein der Twitter-Kanäle unterstreichen:

  • Die Kampagne von Barack Obama verteilt sich auf insgesamt 58 Twitter-Accounts (7 zentrale Accounts und 51 Accounts der bundesstaatlichen Kampagnenableger), die von Mitt Romney auf genau 4 Accounts.
  • Barack Obama hat auf Twitter schlappe 14 mal mehr Follower, als sein Herausforderer Mitt Romney.
  • Michelle Obama, die Präsidentengattin, hat praktisch so viele Follower, wie Mitt Romney und sein Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan zusammen.
  • Detail am Rande: Der Twitter-Account von Paul Ryan sticht im Verhältnis zu allen anderen Twitter-Accounts deutlich heraus. Mit gerade einmal 185 Tweets hat er, der bis vor einigen Monaten noch weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit war, über 465.000 Follower, während der amtierende Vizepräsident Joe Biden auf rund 270.000 Follower kommt.
  • Die (meisten) Twitter-Accounts aus dem Umfeld von Barack Obama verfolgen die Strategie, Followern auch weitgehend selbst zu folgen, um auf diese Weise eine Wählerbindung zu erreichen.

In Sachen Quantität habe ich ebenfalls ein paar Zahlen zusammengetragen, die einen interessanten Blick auf die Twitter-Intensität im jetzigen heißen Stadium des Wahlkampfes geben. Die Basiszahlen für die folgenden Zahlenänderungen stammen von Donnerstagabend, ebenfalls 22 Uhr. Es liegen also rund 72 Stunden dazwischen (Vollständige Tabelle bei Google Docs.)

  • Der Twitter-Account von Barack Obama hat im Gegensatz zu dem von Mitt Romney vier mal mehr Follower gewonnen.
  • Im Twitter-Kanal von Barack Obama werden pro Tag durchschnittlich 33 Tweets veröffentlicht, im Kanal von Mitt Romney etwa 5.
  • Das Team um Barack Obama verwendet als hauptsächlichen Twitter-Kanal den direkten Kanal von Barack Obama, während das Team um Mitt Romney den Team-Kanal, erreicht aber auch bei diesem Team-Kanal mit durchschnittlich 11 Tweets pro Tag nicht ansatzweise die Tweet-Anzahl von Barack Obama.
  • Die bundesstaatlichen Unterorganisationen von Obama 2012 haben eine unerwartet hohe Tweet-Schlagzahl und selbst das Tweet-Aufkommen von kleinen Organisationseinheiten wie OFA Alaska („Obama for America Alaska“) senden pro Tag im Durchschnitt 16 Tweets.

Twitter als schneller Informationskanal.

Mit einer Follower-Zahl von über 21 Millionen Follower ist Barack Obama zwar nicht Rekordhalter – das schafft die Musikerin Lady Gaga mit etwas über 30 Millionen Follower – aber immerhin ist er der Rekordhalter als Politiker und hat 2008 bei seinem ersten Wahlkampf zur US-Präsidentschaftskandidatur einen großen Beitrag dazu beigetragen, Twitter zu dem zu machen, was es heute ist. Twitter und die US-Präsidentschaft von Barack Obama haben, das kann man so sagen, ein gemeinsames Kapitel.

Und tatsächlich hat Twitter sehr viel von dem, worauf es in der Kommunikation im Rahmen eines Wahlkampfes ankommt. Authentische Meinungen müssen schnell verbreitet werden, ein Rückkanal muss vorhanden sein (wenn auch nicht zwangsläufig bequem), Links und multimediale Inhalte sollten verteilt werden können und all das muss mit gebotener Kürze funktionieren. All das kann Twitter – ist Twitter. Das zentrale Motto von Twitter ist Programm: Was machst du gerade?

In einem Wahlkampf wird dieses Motto selbstverständlich argumentativ weiter aufgebohrt, um auf diese Weise Meinungen zu verteilen, aber auch Links auf Themen zu verbreiten, gegnerische Positionen zu kontern, Wahlkampfveranstaltungen live zu begleiten und in Twitter in Echtzeit zu „übertragen“. Dabei ist es in den meisten Fällen tatsächlich unerheblich, ob Barack Obama tatsächlich selbst twittert oder nicht. Dieses Dilemma, das beim letzten Wahlkampf tatsächlich immer wieder ein Diskussionsthema war und später von Obama aufgelöst wurde (er twitterte nach eigenen Aussagen bis dato nicht), wird heutzutage elegant dadurch gelöst, in dem im Begrüßungstext seines Twitter-Accounts darauf verwiesen wird, dass hier weitgehend sein Team twittert und Obamas tatsächlich eigene Tweets am Textende mit „-bo“ gekennzeichnet sind. Freilich sind das in der heißen Wahlkampfzeit nur die allerwenigsten Tweets, die dann auch auf nur sehr wenige Themen wie z.B. Kondolenzen beschränkt sind.

Zentralisiertes Posten versus Distributiertes Posten.

Die Twitter-Strategien der beiden Wahlkampfteams können kaum unterschiedlicher sein und zeigen sehr deutlich, wo die Teams den Stellenwert des Online-Campaigning sehen.

Das Team um Mitt Romney fährt eine absolute Minimalstrategie in Sachen Twitter und unterhält tatsächlich nur vier eigene Twitter-Accounts. Das mag auf den ersten Blick sehr übersichtlich wirken, ist jedoch am Ende einfallslos und vor allem realitätsfremd. Für die meisten US-Amerikaner ist die Wahlkampfzentrale weit entfernt und auch wenn Entfernungen von vielen Tausend Kilometern im Internet nichts zählen, ist eine zentralisierte Kommunikationsstrategie etwas, was Distanzen erzeugt.

Das Team um Barack Obama hat dies schon 2008 erkannt, was vor allem damit zusammenhing, dass die Demokratische Partei, der Barack Obama angehört, im Laufe der Jahre landläufig ihre Parteistrukturen aufgegeben hat bzw. aus Kostengründen aufgeben musste. Dieses Problem hat zwar auch die Republikanische Partei, allerdings hat es damals Barack Obama bzw. haben die Verantwortlichen der Demokratischen Partei zuerst erkannt, dass eine vernünftige Kommunikationsstrategie im Internet, die die bundesstaatlichen Wahlkampf-Unterorganisationen aktiv in die Kommunikation einbindet bzw. ihnen eigene Kommunikationskanäle zur Verfügung stellt, einiges von diesem Verlust wettmachen kann.

Und das gelingt gleich auf mehrfacher Weise: Jede bundesstaatliche Unterorganisation hat tatsächlich eigene Inhalte auf Twitter und veröffentlicht neben einigen wenigen zentral verteilten Inhalten vor allem regional relevante Nachrichten wie z.B. Veranstaltungseinladungen im Bundesstaat und regional stark relevante Themen. Die Unterorganisationen übernehmen in ihren Twitter-Kanälen vor allem auch den Dialog zu Wählern und Interessierten und machen damit letztendlich nichts anderes, wie auch im realen Wahlkampf. Dort hat es der Wähler selten mit der obersten Wahlkampfführung zu tun, sondern mit Teams vor Ort im „Nahkampf“.

Und das macht selbst die kleinen bundesstaatlichen Organisationseinheiten der Obama-Kampagne höchst wirkungsvoll. Zum einen wird hier die „patriotische Ader“ der Wähler versorgt und zum anderen wird hier die „Sprache des Bundesstaates“ gesprochen. Und das führt dann dazu, dass selbst so kleine Obama-Unterorganisationen wie die für den Bundesstaat Alaska, die auf Twitter gerade einmal etwas über 5.600 Follower hat, mehr als doppelt so viele Tweets veröffentlicht, wie die offiziellen Twitter-Accounts von Mitt Romney und Paul Ryan zusammen. Und wenn der obersten Wahlkampfleitung Tweets von den Unterorganisationen gefällt oder sie einzelne Tweets für wichtig halten, werden diese einfach über den zentralen Twitter-Account von Barack Obama retweetet. Ein Knopfdruck genügt, um so vielleicht eine kleine Nachricht von einem Wahlkampfteam auf kleinen Siedlung einer Aleuten-Insel in Alaska auf einen Schlag an 21 Millionen Twitter-Follower im gesamten Land und rund um den Globus zu senden. Innerhalb von Sekunden.

Im Gegensatz zur Romney Online-Kampagnenstrategie versucht das Team Obama erst gar nicht, dem Wähler vorzugaukeln, dass auf einigen wenigen Twitter-Kanälen die Protagonisten sprechen (bzw. möglicherweise vorgegaukelt wird, dass diese dort sprechen), sondern verteilt die Kampagne auch im Internet und über Twitter sehr breit und mit viel eingeräumten Freiheiten auf die bestehenden Unterorganisationen und sorgt neben dem Teamgefühl auch für eine sehr gute und authentische „Greifbarkeit“ der Obama-Kampagne im Internet.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort „Obama 2012“.

Eine Erklärung und ein Plädoyer gegen Fake-Accounts.

Wie nähere ich mich jetzt diesem Thema nur an? Am besten so, wie immer: Ab durch die Mitte.

Meine letzten drei Monate waren relativ „turbulent“ und ironischerweise haben die zwei zentralen Dinge dieser Turbulenzen mit meinem Herzen zu tun. Die eine Turbulenz war die Geschichte mit dem ICD und die andere Turbulenz der Versuch einer Freundschaft, bei der ich letztlich gepflegt und nach allen Regeln der dadaistischen Antikunst ziemlich unschön gegen die Wand gelaufen bin. Kommt in den besten Häusern vor, allerdings sind zwei solcher Turbulenzen in einer Doppelpackung gerade noch so am Rande dessen, was erträglich ist. Selbst bei mir, der eigentlich recht fest mit beiden Beinen im Leben steht. Und was sich hier noch halbwegs witzig anhört, war es nicht wirklich, weder die eine Turbulenz, noch die andere.

Die regelmäßigen Leser meines Twitter-Streams und meiner Facebook-Freunde sind es gewohnt, dass ich über beide Kanäle relativ offen schreibe und selten eine Hand vor den Mund nehme. Es gibt zwar ein paar Themen, die ich auszuklammern versuche (Religionsthemen zum Beispiel), ansonsten kenne ich jedoch als jemand, der sich gern in Gefilden der Ironie, des Sarkasmus und des Zynismus bewegt, kaum geschmackliche Grenzen. Und ja, ab und zu kommen so auch Tweets bzw. Facebook-Meldungen zustande, die aus dem Affekt kommen, quasi direkt aus dem Handgelenk geschossen. Und die in so einem Fall auch nicht durch meinen normalerweise recht guten Kontrollfilter ausgefiltert werden. Absichtlich. Sie kommen zwar (glücklicherweise) sehr selten vor, aber sie kommen vor. Das gehört zu dem, was nun einmal „Besim“ ist.

Ein solch scharf geschossener Tweet, der dann eben auch in meiner Facebook-Timeline landete und den man sicherlich auch ohne den damit verbundenen Hintergrund als geschmacklos bezeichnen könnte, kam am Mittwoch.

Ich erwähne diesen Tweet deshalb, weil er einige Leute verstört hat. Sich verstören zu lassen, ist jedem sein gutes Recht, das ich akzeptiere. Von meinem Kontrollfilter, der den Inhalt des Tweets nicht ausfilterte, sicherlich nicht gut bedacht war der Umstand, dass der besagte Tweet und die Zeit des Verfassens relativ deutliche Rückschlüsse auf den Grund des drastischen Inhalts zuließen. Hätte ich bedenken können, habe ich aber nicht, das Ding kam in den Raum, hat einige Leute, die 1 und 1 zusammengezählt haben, verstört und das Ding ist in diesem Moment dann auch in den Brunnen gefallen.

Dafür entschuldige ich mich nicht, weil es ja auch genau genommen kein Versehen war, sondern absichtlich. Auch eine Rechtfertigung in der Richtung, dass das Schreiben eines Tweets für mich immer noch der bessere Weg ist, eine Frustsituation zu bewältigen, als in der Öffentlichkeit herumzuschreien oder Material zu zerlegen, ist keine Entschuldigung. Wenn ich etwas in die Welt setze, dann ist es da und ich ertrage auch das Echo zu unappetitlicheren Äußerungen.

Meine Haltung dazu ist immer die, dass ich niemanden zwinge, Äußerungen von mir zu lesen und im Zweifelsfall sehr herzlich dazu einlade, meinen Twitter-Stream abzubestellen oder mich in Facebook auszublenden. Damit habe ich absolut keine Probleme. Schwieriger wird es dann schon, wenn Familie oder Kunden solche Meldungen lesen, aber hierzu habe ich die Haltung, dass ich eben einen recht authentischen Ton pflege und großen Wert darauf lege, zwischen Alltagsunterhaltung und förmlichen Gesprächen zu trennen. Das wissen auch die allermeisten Menschen, mit denen ich Kontakt halte.

Gestern hatte ich mit einer Bekannten eine sehr spannende Diskussion, wie man sich solche Rechtfertigungsthemen vom Halse hält bzw. aus persönlichen oder beruflichen Gründen nur inkognito Meldungen mit so einer Brisanzqualität in die Welt setzen kann. Das führt unweigerlich zu dem Thema, ob man einen Fake-Account mit Phantasienamen nutzt, der (hoffentlich) keine Rückschlüsse auf die Person ermöglicht. Das hatte ich in der Vergangenheit auch schon mehrfach überlegt und hatte dann auch sogar mal für eine Weile ein Weblog auf WordPress.com, das den Luxus hatte, dass es niemand las. Und da ist dann auch für mich das zentrale Problem: Mag ich schreiben nur um des Schreibens Willen oder soll das Schreiben auch ankommen, mitunter dann auch in der Kategorie „H-Bombe“?

Ich bevorzuge letzteres. Meine inzwischen fünfzehnjährige Online-Karriere hat zu recht gut funktionierenden, internen Kontrollfiltern geführt, die dafür sorgen, dass meine Äußerungen gern mal direkt sein können, aber seltenst wirklich persönlich verletzend. Das, was gelegentlich an wirklich Bedenklichem herausrutscht, ist im Promillebereich und das kann ich nicht verhindern, ohne mich wirklich komplett ändern zu müssen. Und das werde ich nicht tun, für niemanden. Und weil ich auch mit dem Echo für lautere und dann eben auch verletzende Äußerungen leben muss und das auch kann, gibt es für mich keine Motivation, unter einer Fake-Identität im Internet zu wandeln. Allen Respekt vor Menschen, die das nicht können und inkognito im Internet wandeln wollen oder müssen – aber ich brauche es nicht und mich engt es so ein, dass ich dann eher nichts mehr sagen bzw. schreiben wollte.

Damit will ich keinesfalls einen Ausstieg aus Weblog, Twitter oder Facebook ankündigen oder androhen, sondern um Verständnis darum bitten, dass es auch mal ziemlich deutlich zur Sache gehen kann. Wenn sich jemand dabei angesprochen fühlt oder verletzt wird, dann darf er mir das sagen, gern auch in der inhaltlichen Qualität, wie ich es geschrieben habe.

Frau Steinbach, Twitter und das mit dem Links und Rechts.

Twitter und Facebook tut nicht allen Menschen gut. Auf meinem Social-Media-Radar befinden sich ja durchaus einige Politiker und ich wüsste wirklich keinen, der einen Twitter-Account so pflegt, dass dieser mich in irgendeiner Form begeistern würde. Vielleicht mit Ausnahme von Barack Obamas Kanälen, aber vermutlich auch nur, weil sie Barack Obama kaum selbst pflegt, sondern sie von Leuten pflegt, die zum einen Spreu vom Weizen trennen und wissen, dass auch im Zeichen der Häppchennachrichten verbale Ausdünstungen weiterhin am besten zu Hause gemacht werden sollten, und nicht im Web 2.0.

Das Grundproblem ist, dass Twitter ein denkbar schlechtes Werkzeug für Dialoge ist, sondern am ehesten als Verlautbarungsorgan funktioniert. Versucht man sich an Dialogen, fehlt ohne vernünftiges Twitter-Werkzeug meist der Kontext und dann stehen plötzlich Wörter und Sätze im Raum, die für sich allein kaum noch dazu taugen, in der Öffentlichkeit selbst im kleinsten Kreis herausposaunt zu werden. Könnte man vielleicht mal einigen Politikern sagen, wenn sie schon so untalentiert sind, selbst darauf zu kommen. Muss man aber nicht, sie machen das alles ja freiwillig.

Die Frau Steinbach, CDU-Politikern, Mitglied des Deutschen Bundestages, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und – Achtung, immer wieder hoher Unterhaltungfaktor! – Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Sachen Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, hat sich gestern bei Ihrem Spezialthema aufs Verbalglatteis führen lassen. Mal wieder.

Wir zitieren doch einfach mal ein paar Sachen, bei denen es um das übliche geht: Geschichtsverdrehung, Relativierungen von Tatsachen und der ewige Kampf des Konservatismus gegen alles Linke links dem eigenen, kleinen Linksfinger. Ein Minenfeld, das sehr schnell hochgeht, selbst wenn man im Irrglauben lebt, dass Twitter-Replies ja nur Replies sind:

Hanebüchen und eine krasse Unverschämtheit, so zu relativieren, aber eine bewährte Taktik der Rechtsausleger. Wenn Rechts unangenehm wird, ist eben Links daran schuld.

Mein gestern Abend absackender Limoncello war dann eine sehr gute Grundlage für einen Dialog aus meiner Feder, denn ohne wirklich gut gemixten Alkohol ist sowas ja kaum zu ertragen, ohne sich zwanghaft den Finger in den Rachen zu stecken.

Es gehört zum beliebten Klischee, den Linken in Deutschland im Zweifelsfall vorzuwerfen, dass sie ja eigentlich die DDR letztendlich am Laufen gehalten hätten. Und tatsächlich muss dann Franz-Josef Strauß, der seine „Freundschaft“ zu Erich Honecker immer sehr publikumswirksam verkaufen konnte, ein richtig Linker gewesen sein.

Und das immer wieder von Steinbach genutzte Rückzugsgebiet kam dann auch nochmal vor, der gute, alte Stalin und, die ewige Argumentationsmaschine des konservativen Vordenkers, Kuba:

Und natürlich ganz am Ende, der Disclaimer, heute Vormittag. Über alles kann man doch reden, das ach so hohe Gut der Meinungsfreiheit (das selbstverständlich zu einem sehr großen Maße auch den Dummschwatz schützt). Hauptsache die Menschenrechte bleiben gewahrt! Da kann man gerne mal Links und Rechts miteinander tauschen und sich, widewitt, auch mal die Geschichte so zurechtdengeln, wie man es gerade braucht.

Relativieren. Agitieren. Provozieren. Polemisieren. Alles Stichworte, die mitunter die „Öffentlichkeitsarbeit“ von Erika Steinbach beschreiben, so wie in den vielen Tweets von gestern und heute. Deutschland, eine deiner Bundestagsabgeordneten, da ganz rechts, wo es schon anfängt, zu stinken.

Ein paar weitere Stimmen aus der Blogosphäre gibt es auch. Zum Glück:

Flaggenmeteorologie.

In der Pforzheimer Südstadt lebt man normalerweise auf dem Berg. Berg wäre übertrieben aber immerhin doch 70 Meter höher, als gegenüber der Innenstadt. Wenn man deshalb aus dem Badezimmerfenster schaut, hat man einen recht netten Anblick über die Stadt in Richtung Norden. Und immer den Sparkassenturm im Blickfeld.

Der Sparkassenturm hat dabei gerade morgens, wenn man einen initialen Eindruck über die Wetterlage bekommen möchte, eine ganz eigene Bedeutung bei mir. Weht der Wind aus Ost, ist im Sommer meist warm, im Winter meist kalt. Genau umgekehrt, wenn der Wind aus West weht. Die auf dem Turm wehende rote Flagge dient nämlich als Wetterindikator. Hängt sie schlaff am Mast, ist ruhige Wetterlage, da kein Wind. Im Sommer, wenn ich dann mal dazu Lust habe und Ostwind vorherrscht, kann man abends auch schön auf den Balkon sitzen, bewaffnet mit dem iPad und dem Ankunftsplan für den Flughafen Stuttgart und die anfliegenden Flugzeuge beobachten. Den allabendlichen Flug der Air France aus Paris zum Beispiel. Einfach der Ankunftszeit 8 Minuten abziehen und schon hat man die Zeit, an der der Flieger quasi vor unserem Balkon den vorletzten Schwenk zum Endanflug absolviert. Und damit man wirklich jederzeit schauen kann, wie der Wind steht, wird die Sparkassenflagge nachts sogar beleuchtet.

Das mit der Sparkassenflagge ist nett, aber mitnichten ein Geschäft, dem man keine besondere Aufmerksamkeit widmet. Das merkt man dann, wenn man nach einer stürmigen Nacht die sehr seltene Gelegenheit hat, eine möglicherweise zerrissene Flagge am Mast wehen zu sehen. Das habe ich in den vier Jahren, wo ich hier oben wohne, genau ein einziges Mal gesehen, sonntagmorgens um 9 Uhr. Und um zehn hing auch schon wieder eine akkurate Flagge. Es kümmert sich also jemand um den edlen Laken.

Und obwohl es bei uns schon gelegentlich mal ganz ordentlich stürmen kann, gibt es, wie schon geschrieben, seltenst eine zerrissene Sparkassenflagge auf dem Sparkassenturm zu sehen. Weil – und jetzt kommt der ultimative Indikator – vor Stürmen die Flagge eingeholt wird. Sprich: Ist die Sparkassenflagge auf dem Sparkassenturm nicht gehisst, dann ist etwas unterwegs und höchste Aufmerksamkeit gefragt. So zum Beispiel am letzten Donnerstag. Da wurde irgendwann gegen 15 Uhr die Flagge eingeholt, was mich zu einem Tweet reizte:

Getwittert und auch gleich weiter geretweetet worden. Meine Followerschaft ist groß und zudem habe ich einen Ortsnamen als Hashtag verwendet, der gern von Twitter-Bots ausgewertet wird. Und ich habe den Twitter-Namen der Sparkasse Pforzheim Calw in meinem Tweet gehabt.

Für ein in Twitter richtig kommunizierendes Unternehmen ist so etwas ein klassischer Ballrückzieher, mit dem man den Ball zwingend im Tor versenken muss. Und das geschah nach wenigen Minuten auch:

Und der Clou hinter der Geschichte ist der zweite Tweet der Sparkasse (also der obere) – ein Unwetterwarnservice der Sparkassen-Versicherung, der lokale Unwetterwarnungen per SMS aufs Handy schicken kann. Den kannte ich nämlich noch gar nicht, obwohl wir seit vielen Jahren bei der Sparkassen-Versicherung eine Gebäudeversicherung haben.

Liveberichterstattung aus der letzten Reihe.

Die aktuellen Entwicklungen in Libyen sind eigentlich ein dankbares Geschäft für jeden Nachrichtensender. Selten kündigt sich ein Regimewechsel so gut eingeleitet an und praktisch jeder Fernsehsender, der über mindestens einen Korrespondenten verfügt, hätte es sich sehr bequem machen können, in dem er einfach in Libyen irgendwo herumsitzt, auf die spannenden Tage wartet und sich dann einfach live ins Fernsehen schaltet.

Wenn die Nachrichten auf dem Silbertablett daherkommen, muss man sie eigentlich nehmen und senden. Das gilt, wie ich schon mal vor einigen Wochen schrieb, nicht für deutsches Fernsehen. Während Al Jazeera schon ab Sonntagnachmittag sein geplantes Programm kurzfristig abänderte und sich auf eine „Libyen-Nacht“ vorbereitete und sich CNN zumindest am späten Abend auch noch etwas lustlos dazugesellte, passierte auf deutschen Kanälen – nichts. ARD und ZDF beschränkten sich auf Berichte in den Spätnachrichtensendungen, für die so genannten Nachrichtensender N24 der ProSiebenSat1-Gruppe und n-tv der RTL-Gruppe gibt es inzwischen keine Nachrichten mehr, die man in die Lücken der immer gleichen Dokus von Hitlers Bomben, Flugzeugträgern, Schwertransporten, Notaufnahmen etc. bringen könnte.

Wir haben gestern wieder einmal gesehen, wie das deutsche Fernsehen kapituliert hat vor aktuellen Nachrichten. Egal, ob das schwer finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen oder die Riege der Privatsender.

Al Jazeera hingehen hat seine Berichterstattung aus London koordiniert und es auf brillante Weise geschafft, die ganze Nacht hindurch eine sagenhafte Berichterstattung mit ständigen Liveschaltungen zu Korrespondenten vor Ort in Bengasi und Tripolis auf die Beine zu stellen, inklusive den regelmäßigen Einblendungen der mehr als skurrilen Audiobotschaften Muammar Gaddafis und einer Simultanübersetzung. Und das alles per Satellit und Webstream, der nicht ein einziges Mal wackelte, obwohl der Stream bei so einer Nachrichtenlage vermutlich extrem stark frequentiert sein dürfte.

Al Jazeera ist, das kann man wohl nun bedenkenlos sagen, das neue CNN. Sicherlich, das Nachrichtengeschäft ist ein hochsubventioniertes Geschäft und wir wissen auch, dass zu den größten Finanziers von Al Jazeera der Emir von Katar gehört. Es gibt jedoch relativ wenig Raum für Befürchtungen, dass die derzeitige Berichterstattung von Al Jazeera nicht objektiv sein könnte. Sie machen schlicht einen verdammt guten Job da draußen in der Peripherie.

Zumindest so gut, dass es für das ZDF für eine Art Twitter-Nachrichtenberichterstattung reichte, die die gesamte Jämmerlichkeit deutscher Nachrichtenkultur eklatant vor Augen führte. Denn wenn nachts keiner da ist, der Nachrichten recherchieren könnte, beginnt jeder gefühlte dritte Tweet eben mit „Laut Al Jazeera“. Und dann erlaubt man sich auch noch grobe journalistische Schnitzer, die man so eigentlich von lauwarm geschriebenen Lokalblättern kennt. Ein Beispiel.

Mit dem Zweiten …

Kurz nach Mitternacht berichtete Al Jazeera, dass zwei Flugzeuge aus Südafrika am Flughafen in Tripolis stünden. Der Moderator legte aus dem Off allerdings großen Wert auf die Feststellung, dass dies ein noch unbestätigtes Gerücht sei und man sich um eine Bestätigung des Gerüchtes kümmere. Das wurde dann einige Minuten, zwei Liveschaltungen und gar ein Livetelefonat mit einem Korrespondenten in Südafrika später so korrigiert, dass dieses Gerücht schon seit Tagen kursiere, es aber nicht von der südafrikanischen Regierung bestätigt wird. Faktisch sind die besagten zwei Flugzeuge aus Südafrika eine nicht bestätigte Nachricht.

Was macht das ZDF um kurz nach Mitternacht, noch vor der Bestätigung vom südafrikanischen Korrespondenten, daraus? Eine fröhliche Twitter-Märchenstunde, so gesendet an die immerhin 55.000 Follower:

Da ich auch Al Jazeera schaute, habe ich gleich einen Einwand getippt, der aber, wie zu erwarten war, ohne Reaktion blieb:

Der Twitter-Benutzer „kabukai“, von dem „ZDFonline“ das Zitat entnommen hat, ist seines Zeichens nach „Redakteur bei @ZDFonline heute.de“, „schreibt hier privat @ ein news-notizblogger in diesem, unserem Internet“ und hat hoffentlich einen echten Vornamen, denn auf seinem Twitterstream ist davon nichts zu sehen. Ebenso ist weder bei der Äußerung von „ZDFonline“, noch von „kabukai“ wirklich erkennbar, wie es denn zu dieser Nachricht gekommen ist: Sitzen die im Sendezentrum an den Tickern und haben mit Al Jazeera telefoniert oder schauen die nachts vom heimischen Sofa aus Al Jazeera und tippseln etwas die Nachrichten anderer Leute in den Twitter-Stream des größten deutschen Fernsehsenders?

Mit einem Tweet gleich vier journalistische Grundsätze zu verletzen, muss man auch erst einmal schaffen, liebes ZDF. Das habt ihr mir, als ich einmal in euren Diensten stand, einst so beigebracht:

  • Wir sorgen für Transparenz bei der Beschaffung von Nachrichten und bestätigenden Informationen.
  • Wir übernehmen nicht einfach unreflektiert Nachrichten, die andere Sender berichten.
  • Wir kennzeichnen unbestätigte Nachrichten als eben solche.
  • Wir korrigieren die Nachrichtenlage, wenn wir sie vorher fehlerhaft berichtet haben.

Alles nicht nachprüfbar und nachvollziehbar und eigentlich ein katastrophaler Tiefschlag gegen die eigentlich vorhandene Nachrichtenkompetenz des ZDF.

Online-Kundenservice bei Opel.

Vor allem aus beruflichen Gründen verfolge ich die Marke Opel seit nun einem Jahr intensiv auf seinen Social-Media-Kanälen. Und da gibt es durchaus nicht wenig, denn zu jeder Entwicklung der großen Fahrzeugfamilien führt Opel Deutschland ein Weblog, zusätzlich zu den vielen anderen Kanälen auf YouTube, flickr, Facebook und Konsorten. Eine Übersicht dazu gibt es übrigens auf einer eigenen Website namens Opel Connect und das kann sich wirklich sehen lassen. Was Opel da hinstellt und regelmäßig mit Inhalten bestückt, dürfte allein in Sachen Quantität für drei weitere Autohersteller reichen.

Wenn man eine Marke intensiver verfolgt, hat man da Kanäle, die man standardmäßig auf dem Radar hat, beispielsweise die RSS-Feeds. Und man hat kleine „Nischen“, die einem einfach ans Herz wachsen. Dazu gehört der Twitter-Stream des Opel Service Teams Deutschland, der aktuell von zwei Opel-Mitarbeitern am Laufen gehalten wird. Warum ausgerechnet dieser Twitter-Stream? Nun, weil es an einem Arbeitstag jeden Morgen in etwa so beginnt:

Im Laufe des Tages werden dann allerlei Fragen in Sachen Opel-Service beantwortet… darf mein Auto E10 tanken, wo finde ich die nächste Opel-Werkstatt und so weiter und so fort. Und wenn Feierabend ist, dann geht das so:

Ich finde diese Art von „hemdsärmeliger“ Kommunikation abseits der gelackten PR für die Neuwagen richtig gut und vor allem passend. Da fühle ich mich als Auto-Noobie fast so gut aufgehoben wie am Tresen der Ersatzteileabteilung eines kleinen Autohauses, hintendran ein Kundenbetreuer, der quasi alle Teile persönlich kennt, der Öllappen liegt noch auf dem Tisch und keiner hat ein Problem damit, dass der Kunde das Ersatzteil nicht beim Namen nennen kann, sondern die Symptome beschreibt, aus denen dann der Kundenbetreuer sofort das notwendige Ersatzteil herleiten kann. Ja, ich gebe zu, sehr blümchenhafte Vorstellung. Aber solche Illusionen sind genau das, wofür andere Firmen richtig viel Geld ausgeben, damit sie entstehen.

Ich fand das als einer der inzwischen eintausend Follower richtig nett und schrieb das den Machern dieses Twitter-Streams. Woraufhin die Feierabendwünsche am nächsten Tag folgendermaßen ausfielen:

Es ist in Sachen Social Media ja so einfach, mich glücklich zu machen. 🙂