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Frau Steinbach, Twitter und das mit dem Links und Rechts.

2. Februar 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Twitter und Facebook tut nicht allen Menschen gut. Auf meinem Social-Media-Radar befinden sich ja durchaus einige Politiker und ich wüsste wirklich keinen, der einen Twitter-Account so pflegt, dass dieser mich in irgendeiner Form begeistern würde. Vielleicht mit Ausnahme von Barack Obamas Kanälen, aber vermutlich auch nur, weil sie Barack Obama kaum selbst pflegt, sondern sie von Leuten pflegt, die zum einen Spreu vom Weizen trennen und wissen, dass auch im Zeichen der Häppchennachrichten verbale Ausdünstungen weiterhin am besten zu Hause gemacht werden sollten, und nicht im Web 2.0.

Das Grundproblem ist, dass Twitter ein denkbar schlechtes Werkzeug für Dialoge ist, sondern am ehesten als Verlautbarungsorgan funktioniert. Versucht man sich an Dialogen, fehlt ohne vernünftiges Twitter-Werkzeug meist der Kontext und dann stehen plötzlich Wörter und Sätze im Raum, die für sich allein kaum noch dazu taugen, in der Öffentlichkeit selbst im kleinsten Kreis herausposaunt zu werden. Könnte man vielleicht mal einigen Politikern sagen, wenn sie schon so untalentiert sind, selbst darauf zu kommen. Muss man aber nicht, sie machen das alles ja freiwillig.

Die Frau Steinbach, CDU-Politikern, Mitglied des Deutschen Bundestages, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und – Achtung, immer wieder hoher Unterhaltungfaktor! – Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Sachen Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, hat sich gestern bei Ihrem Spezialthema aufs Verbalglatteis führen lassen. Mal wieder.

Wir zitieren doch einfach mal ein paar Sachen, bei denen es um das übliche geht: Geschichtsverdrehung, Relativierungen von Tatsachen und der ewige Kampf des Konservatismus gegen alles Linke links dem eigenen, kleinen Linksfinger. Ein Minenfeld, das sehr schnell hochgeht, selbst wenn man im Irrglauben lebt, dass Twitter-Replies ja nur Replies sind:

Hanebüchen und eine krasse Unverschämtheit, so zu relativieren, aber eine bewährte Taktik der Rechtsausleger. Wenn Rechts unangenehm wird, ist eben Links daran schuld.

Mein gestern Abend absackender Limoncello war dann eine sehr gute Grundlage für einen Dialog aus meiner Feder, denn ohne wirklich gut gemixten Alkohol ist sowas ja kaum zu ertragen, ohne sich zwanghaft den Finger in den Rachen zu stecken.

Es gehört zum beliebten Klischee, den Linken in Deutschland im Zweifelsfall vorzuwerfen, dass sie ja eigentlich die DDR letztendlich am Laufen gehalten hätten. Und tatsächlich muss dann Franz-Josef Strauß, der seine “Freundschaft” zu Erich Honecker immer sehr publikumswirksam verkaufen konnte, ein richtig Linker gewesen sein.

Und das immer wieder von Steinbach genutzte Rückzugsgebiet kam dann auch nochmal vor, der gute, alte Stalin und, die ewige Argumentationsmaschine des konservativen Vordenkers, Kuba:

Und natürlich ganz am Ende, der Disclaimer, heute Vormittag. Über alles kann man doch reden, das ach so hohe Gut der Meinungsfreiheit (das selbstverständlich zu einem sehr großen Maße auch den Dummschwatz schützt). Hauptsache die Menschenrechte bleiben gewahrt! Da kann man gerne mal Links und Rechts miteinander tauschen und sich, widewitt, auch mal die Geschichte so zurechtdengeln, wie man es gerade braucht.

Relativieren. Agitieren. Provozieren. Polemisieren. Alles Stichworte, die mitunter die “Öffentlichkeitsarbeit” von Erika Steinbach beschreiben, so wie in den vielen Tweets von gestern und heute. Deutschland, eine deiner Bundestagsabgeordneten, da ganz rechts, wo es schon anfängt, zu stinken.

Ein paar weitere Stimmen aus der Blogosphäre gibt es auch. Zum Glück:

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Flaggenmeteorologie.

21. Dezember 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

In der Pforzheimer Südstadt lebt man normalerweise auf dem Berg. Berg wäre übertrieben aber immerhin doch 70 Meter höher, als gegenüber der Innenstadt. Wenn man deshalb aus dem Badezimmerfenster schaut, hat man einen recht netten Anblick über die Stadt in Richtung Norden. Und immer den Sparkassenturm im Blickfeld.

Der Sparkassenturm hat dabei gerade morgens, wenn man einen initialen Eindruck über die Wetterlage bekommen möchte, eine ganz eigene Bedeutung bei mir. Weht der Wind aus Ost, ist im Sommer meist warm, im Winter meist kalt. Genau umgekehrt, wenn der Wind aus West weht. Die auf dem Turm wehende rote Flagge dient nämlich als Wetterindikator. Hängt sie schlaff am Mast, ist ruhige Wetterlage, da kein Wind. Im Sommer, wenn ich dann mal dazu Lust habe und Ostwind vorherrscht, kann man abends auch schön auf den Balkon sitzen, bewaffnet mit dem iPad und dem Ankunftsplan für den Flughafen Stuttgart und die anfliegenden Flugzeuge beobachten. Den allabendlichen Flug der Air France aus Paris zum Beispiel. Einfach der Ankunftszeit 8 Minuten abziehen und schon hat man die Zeit, an der der Flieger quasi vor unserem Balkon den vorletzten Schwenk zum Endanflug absolviert. Und damit man wirklich jederzeit schauen kann, wie der Wind steht, wird die Sparkassenflagge nachts sogar beleuchtet.

Das mit der Sparkassenflagge ist nett, aber mitnichten ein Geschäft, dem man keine besondere Aufmerksamkeit widmet. Das merkt man dann, wenn man nach einer stürmigen Nacht die sehr seltene Gelegenheit hat, eine möglicherweise zerrissene Flagge am Mast wehen zu sehen. Das habe ich in den vier Jahren, wo ich hier oben wohne, genau ein einziges Mal gesehen, sonntagmorgens um 9 Uhr. Und um zehn hing auch schon wieder eine akkurate Flagge. Es kümmert sich also jemand um den edlen Laken.

Und obwohl es bei uns schon gelegentlich mal ganz ordentlich stürmen kann, gibt es, wie schon geschrieben, seltenst eine zerrissene Sparkassenflagge auf dem Sparkassenturm zu sehen. Weil – und jetzt kommt der ultimative Indikator – vor Stürmen die Flagge eingeholt wird. Sprich: Ist die Sparkassenflagge auf dem Sparkassenturm nicht gehisst, dann ist etwas unterwegs und höchste Aufmerksam gefragt. So zum Beispiel am letzten Donnerstag. Da wurde irgendwann gegen 15 Uhr die Flagge eingeholt, was mich zu einem Tweet reizte:

Getwittert und auch gleich weiter geretweetet worden. Meine Followerschaft ist groß und zudem habe ich einen Ortsnamen als Hashtag verwendet, der gern von Twitter-Bots ausgewertet wird. Und ich habe den Twitter-Namen der Sparkasse Pforzheim Calw in meinem Tweet gehabt.

Für ein in Twitter richtig kommunizierendes Unternehmen ist so etwas ein klassischer Ballrückzieher, mit dem man den Ball zwingend im Tor versenken muss. Und das geschah nach wenigen Minuten auch:

Und der Clou hinter der Geschichte ist der zweite Tweet der Sparkasse (also der obere) – ein Unwetterwarnservice der Sparkassen-Versicherung, der lokale Unwetterwarnungen per SMS aufs Handy schicken kann. Den kannte ich nämlich noch gar nicht, obwohl wir seit vielen Jahren bei der Sparkassen-Versicherung eine Gebäudeversicherung haben.

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Liveberichterstattung aus der letzten Reihe.

22. August 2011 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Die aktuellen Entwicklungen in Libyen sind eigentlich ein dankbares Geschäft für jeden Nachrichtensender. Selten kündigt sich ein Regimewechsel so gut eingeleitet an und praktisch jeder Fernsehsender, der über mindestens einen Korrespondenten verfügt, hätte es sich sehr bequem machen können, in dem er einfach in Libyen irgendwo herumsitzt, auf die spannenden Tage wartet und sich dann einfach live ins Fernsehen schaltet.

Wenn die Nachrichten auf dem Silbertablett daherkommen, muss man sie eigentlich nehmen und senden. Das gilt, wie ich schon mal vor einigen Wochen schrieb, nicht für deutsches Fernsehen. Während Al Jazeera schon ab Sonntagnachmittag sein geplantes Programm kurzfristig abänderte und sich auf eine “Libyen-Nacht” vorbereitete und sich CNN zumindest am späten Abend auch noch etwas lustlos dazugesellte, passierte auf deutschen Kanälen – nichts. ARD und ZDF beschränkten sich auf Berichte in den Spätnachrichtensendungen, für die so genannten Nachrichtensender N24 der ProSiebenSat1-Gruppe und n-tv der RTL-Gruppe gibt es inzwischen keine Nachrichten mehr, die man in die Lücken der immer gleichen Dokus von Hitlers Bomben, Flugzeugträgern, Schwertransporten, Notaufnahmen etc. bringen könnte.

Wir haben gestern wieder einmal gesehen, wie das deutsche Fernsehen kapituliert hat vor aktuellen Nachrichten. Egal, ob das schwer finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen oder die Riege der Privatsender.

Al Jazeera hingehen hat seine Berichterstattung aus London koordiniert und es auf brillante Weise geschafft, die ganze Nacht hindurch eine sagenhafte Berichterstattung mit ständigen Liveschaltungen zu Korrespondenten vor Ort in Bengasi und Tripolis auf die Beine zu stellen, inklusive den regelmäßigen Einblendungen der mehr als skurrilen Audiobotschaften Muammar Gaddafis und einer Simultanübersetzung. Und das alles per Satellit und Webstream, der nicht ein einziges Mal wackelte, obwohl der Stream bei so einer Nachrichtenlage vermutlich extrem stark frequentiert sein dürfte.

Al Jazeera ist, das kann man wohl nun bedenkenlos sagen, das neue CNN. Sicherlich, das Nachrichtengeschäft ist ein hochsubventioniertes Geschäft und wir wissen auch, dass zu den größten Finanziers von Al Jazeera der Emir von Katar gehört. Es gibt jedoch relativ wenig Raum für Befürchtungen, dass die derzeitige Berichterstattung von Al Jazeera nicht objektiv sein könnte. Sie machen schlicht einen verdammt guten Job da draußen in der Peripherie.

Zumindest so gut, dass es für das ZDF für eine Art Twitter-Nachrichtenberichterstattung reichte, die die gesamte Jämmerlichkeit deutscher Nachrichtenkultur eklatant vor Augen führte. Denn wenn nachts keiner da ist, der Nachrichten recherchieren könnte, beginnt jeder gefühlte dritte Tweet eben mit “Laut Al Jazeera”. Und dann erlaubt man sich auch noch grobe journalistische Schnitzer, die man so eigentlich von lauwarm geschriebenen Lokalblättern kennt. Ein Beispiel.

Mit dem Zweiten …

Kurz nach Mitternacht berichtete Al Jazeera, dass zwei Flugzeuge aus Südafrika am Flughafen in Tripolis stünden. Der Moderator legte aus dem Off allerdings großen Wert auf die Feststellung, dass dies ein noch unbestätigtes Gerücht sei und man sich um eine Bestätigung des Gerüchtes kümmere. Das wurde dann einige Minuten, zwei Liveschaltungen und gar ein Livetelefonat mit einem Korrespondenten in Südafrika später so korrigiert, dass dieses Gerücht schon seit Tagen kursiere, es aber nicht von der südafrikanischen Regierung bestätigt wird. Faktisch sind die besagten zwei Flugzeuge aus Südafrika eine nicht bestätigte Nachricht.

Was macht das ZDF um kurz nach Mitternacht, noch vor der Bestätigung vom südafrikanischen Korrespondenten, daraus? Eine fröhliche Twitter-Märchenstunde, so gesendet an die immerhin 55.000 Follower:

Da ich auch Al Jazeera schaute, habe ich gleich einen Einwand getippt, der aber, wie zu erwarten war, ohne Reaktion blieb:

Der Twitter-Benutzer “kabukai”, von dem “ZDFonline” das Zitat entnommen hat, ist seines Zeichens nach “Redakteur bei @ZDFonline heute.de”, “schreibt hier privat @ ein news-notizblogger in diesem, unserem Internet” und hat hoffentlich einen echten Vornamen, denn auf seinem Twitterstream ist davon nichts zu sehen. Ebenso ist weder bei der Äußerung von “ZDFonline”, noch von “kabukai” wirklich erkennbar, wie es denn zu dieser Nachricht gekommen ist: Sitzen die im Sendezentrum an den Tickern und haben mit Al Jazeera telefoniert oder schauen die nachts vom heimischen Sofa aus Al Jazeera und tippseln etwas die Nachrichten anderer Leute in den Twitter-Stream des größten deutschen Fernsehsenders?

Mit einem Tweet gleich vier journalistische Grundsätze zu verletzen, muss man auch erst einmal schaffen, liebes ZDF. Das habt ihr mir, als ich einmal in euren Diensten stand, einst so beigebracht:

  • Wir sorgen für Transparenz bei der Beschaffung von Nachrichten und bestätigenden Informationen.
  • Wir übernehmen nicht einfach unreflektiert Nachrichten, die andere Sender berichten.
  • Wir kennzeichnen unbestätigte Nachrichten als eben solche.
  • Wir korrigieren die Nachrichtenlage, wenn wir sie vorher fehlerhaft berichtet haben.

Alles nicht nachprüfbar und nachvollziehbar und eigentlich ein katastrophaler Tiefschlag gegen die eigentlich vorhandene Nachrichtenkompetenz des ZDF.

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Online-Kundenservice bei Opel.

4. August 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Vor allem aus beruflichen Gründen verfolge ich die Marke Opel seit nun einem Jahr intensiv auf seinen Social-Media-Kanälen. Und da gibt es durchaus nicht wenig, denn zu jeder Entwicklung der großen Fahrzeugfamilien führt Opel Deutschland ein Weblog, zusätzlich zu den vielen anderen Kanälen auf YouTube, flickr, Facebook und Konsorten. Eine Übersicht dazu gibt es übrigens auf einer eigenen Website namens Opel Connect und das kann sich wirklich sehen lassen. Was Opel da hinstellt und regelmäßig mit Inhalten bestückt, dürfte allein in Sachen Quantität für drei weitere Autohersteller reichen.

Wenn man eine Marke intensiver verfolgt, hat man da Kanäle, die man standardmäßig auf dem Radar hat, beispielsweise die RSS-Feeds. Und man hat kleine “Nischen”, die einem einfach ans Herz wachsen. Dazu gehört der Twitter-Stream des Opel Service Teams Deutschland, der aktuell von zwei Opel-Mitarbeitern am Laufen gehalten wird. Warum ausgerechnet dieser Twitter-Stream? Nun, weil es an einem Arbeitstag jeden Morgen in etwa so beginnt:

Im Laufe des Tages werden dann allerlei Fragen in Sachen Opel-Service beantwortet… darf mein Auto E10 tanken, wo finde ich die nächste Opel-Werkstatt und so weiter und so fort. Und wenn Feierabend ist, dann geht das so:

Ich finde diese Art von “hemdsärmeliger” Kommunikation abseits der gelackten PR für die Neuwagen richtig gut und vor allem passend. Da fühle ich mich als Auto-Noobie fast so gut aufgehoben wie am Tresen der Ersatzteileabteilung eines kleinen Autohauses, hintendran ein Kundenbetreuer, der quasi alle Teile persönlich kennt, der Öllappen liegt noch auf dem Tisch und keiner hat ein Problem damit, dass der Kunde das Ersatzteil nicht beim Namen nennen kann, sondern die Symptome beschreibt, aus denen dann der Kundenbetreuer sofort das notwendige Ersatzteil herleiten kann. Ja, ich gebe zu, sehr blümchenhafte Vorstellung. Aber solche Illusionen sind genau das, wofür andere Firmen richtig viel Geld ausgeben, damit sie entstehen.

Ich fand das als einer der inzwischen eintausend Follower richtig nett und schrieb das den Machern dieses Twitter-Streams. Woraufhin die Feierabendwünsche am nächsten Tag folgendermaßen ausfielen:

Es ist in Sachen Social Media ja so einfach, mich glücklich zu machen. :-)

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Twitter und das zukünftige Geschäftsmodell.

10. Juli 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Glaubt man einem Beitrag des englischsprachigen Weblogs SocialBeat, dann hört das Zeitalter des unbeschwerten Twitterns im August auf. Angeblich testet Twitter ein “Feature”, bei dem Twitter-Nutzern in ihren Timelines so genannte “promoted Tweets” eingeblendet werden. Sprich: Werbung. So richtig überraschen tut diese Feststellung niemanden wirklich, weder den Autoren des Blog-Artikels, noch mich, noch viele andere Twitter-Nutzer.

Ich glaube, dass Twitter sich langsam aber sicher überlebt. Und das nicht deshalb, weil die Idee dumm wäre, sondern weil Twitter es jahrelang erfolgreich geschafft hat, sich nicht vernünftig zu entwickeln. Beispiele? Aber gern doch:

  • Eigene Timelines lassen sich auch heute noch nicht sinnvoll auf Serverseite filtern. Entweder man bekommt den gesamten Strom aller der Nutzer, denen man folgt, oder eben gar nichts.
  • Die Listenfunktion von Twitter ist eine Funktion, die überhaupt nicht dazu taugt, Information zu kanalisieren, sondern lediglich eine (halbwegs funktionale) Sache ist, anderen Leuten Themenkreise zu definieren (Liste “Fernsehen” etc.).
  • Was Twitter ebenfalls nie geschafft hat, ist das Filtern von Applikationen. Was nervt es doch, wenn andere Nutzer ihre Beiträge in allen möglichen Social Networks in Twitter featuren und es für andere Leser keine Möglichkeit gibt, diese Kommentare beispielsweise dadurch sperren zu können, in dem die Quelle, also das entsprechende Twitter-Gateway des Dienstes, für sich sperren zu können.
  • Viel dramatischer ist meiner Meinung nach jedoch das, was früher oder später dann passiert, wenn man vielen Nutzern folgt, die untereinander viel via Replies twittern. Denn Replies bekommen alle die mit, die sowohl dem Absender, als auch dem Empfänger einer Reply ebenfalls folgen. Und das nervt sehr schnell und sehr massiv.
  • Fast schon marginal ist das Thema, dass man eine Direct Message nur Leuten schicken kann, die einem selbst folgen. Diese Funktion, die eigentlich hervorragend dazu dienen könnte, den halbprivaten Quatsch abzufangen, den sich viele Nutzer tagtäglich zutwittern, wird also durch diese künstliche Beschneidung so degradiert, dass viele Nutzer sie gar nicht kennen.

Tatsächlich ist viel von Twitter inzwischen in Facebook aufgegangen. Dass Twitter zu Facebook noch nicht gänzlich alle Nutzer verloren hat, mag daran liegen, dass Facebook sich scheinbar grundsätzlich dämlich anstellt, wenn es darum geht, Information auch Leuten zur Verfügung zu stellen, die nicht bei Facebook angemeldet sind, denn das ist (noch) das große Plus von Twitter. Ich muss mit niemandem Freund sein, um ihn bei Twitter lesen zu können und (noch) muss ich mich noch nicht mal bei Twitter anmelden, um den Inhalt der meisten Twitter-Nutzer mitlesen zu können. Und das, was Twitter mit Direct Messages einst einführte, das fangen heutzutage so Dienste wie WhatsApp ab und zukünftig auf der iPhone/iPad-Plattform der zukünftige hauseigene Apple-Dienst. Und für das, was am Ende in Sachen Social-Network-Bedarf übrigbleibt, gibt es ja dann noch Goole+.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Unglücklicherweise fürchte ich, dass die Monetarisierungsversuche von Twitter versanden werden und Twitter – immerhin erstaunlich spät – irgendwann in den nächsten Monaten aufgekauft und endgelagert wird. Die Web-2.0-Blase hat in einigen Details (Groupon, Facebook) gewaltige Größen angenommen und selbst wenn diese Blase nicht platzt sondern langsam und halbwegs kontrolliert Luft verlieren wird – für gänzlich neue Finanzierungsrunden für Dienste, die seit Jahren nach der richtigen Finanzierung suchen, wird es eng werden. Und wie man die “promoted Tweets” den Nutzern erklären will, die seit Jahren twittern, viel twittern, auf vielen Diensten schreiben und von Twitter erstaunlich wenig abhängig sind, das wird ein spannendes Thema.

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