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Was ist eigentlich … Google Buzz?

11. Februar 2010 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Meine erste Reaktion auf die Ankündigung von Google Buzz war: “Das hat jetzt kommen müssen.” Gut, die meisten Leser meines Blogs sind es gewohnt, dass ich eher launisch auf Hypes reagiere, aber Google Buzz ist so eine typische Sache, wie sie immer Microsoft macht – einem Hype hoffnungslos hinterherlaufen und dann ein Wettbewerbsprodukt auflegen, das von Anfang an nichts ganzes und nichts halbes ist. Was aber ist Google Buzz? Am ehesten vergleichbar ist das Ding, das gestern mit eher mäßigem Tamtam vorgestellt wurde, mit FriendFeed.

FriendFeed ist einer der älteren Web-2.0-Dienste und hat es nie so richtig aus dem Windschatten von Twitter und Facebook geschafft, obwohl es eigentlich gar nicht dumm ist. Ursprünglich war FriendFeed dazu gedacht, seinen Freundeskreis über die eigenen Aktivitäten in der Web-2.0-Sphäre auf Empfang zu halten. Dazu kann man in FriendFeed zu vielen Diensten Verbindungen einrichten und sich so bequem die Aktivitäten bei den verbundenen Diensten zum FriendFeed-Account pushen lassen. Und selbst wenn ein Dienst keine Schnittstelle zu FriendFeed bietet, gibt es immer noch die hübsche Möglichkeit, einfach den RSS-Feed (falls wenigstens das vorhanden ist) einzubinden. Facebook ist ideell gesehen eine Fortführung der FriendFeed-Idee, wenn auch erheblich unübersichtlicher und vor allem alberner. (Ja, ich komme über den App-Wahnsinn von Facebook einfach nicht hinweg.)

Doch zurück zu Google Buzz. Vom Prinzip her ist Google Buzz ein leicht aufgebohrtes Twitter. “Aufgebohrt” deshalb, weil es von Anfang an eine Unterstützung für die Geo-Position des Autors mitbringt, Kommentierungen von Nachrichten unterstützt, multimediale Inhalte in Nachrichten integrieren lässt, sich mit einigen anderen Diensten verbinden kann und vor allem in Google Mail integriert ist. Also im Prinzip ist Google Buzz von Anfang an das, was Twitter erst nach Jahren (und mit Zuhilfenahme anderer Dienste) war und Facebook weitgehend schon heute ist, exklusive dem App-Wahn von letzterem. Ach ja, und Google Buzz lässt sich schön über mobile Webbrowser auf Smartphones bedienen.

Das war’s dann eigentlich auch schon. Google Buzz ist tatsächlich nicht viel mehr als Twitter und eine spaßfreie Industrie-Ausgabe von Facebook, eingebettet in Google Mail und auch eher verankert im Paradigma eines E-Mail-Clients. Das kann man nützlich finden, wohl kaum schön, auch nicht wirklich innovativ, aber es ist eben Google. Und wenn Google das macht, dann skaliert es, hat von Anfang an wenigstens nachvollziehbare Datenschutzregeln, eine eigene Smartphone-Plattform, eine bereits etablierte User-Basis. Und: Google ist schon hochprofitabel.

Google Buzz ist nicht schön, könnte aber funktionieren und das vor allem deshalb, weil Twitter und Facebook es bis heute nicht wirklich geschafft haben, ihre Marktführerschaft sinnvoll zu monetarisieren und ihren Usern teilweise mit erstaunlicher Hartnäckigkeit und Chuzpe auf den Senkel gehen. Schön ist allerdings was anderes und Google hat sich mit dem spartanischen Aussehen von Google Buzz sicherlich keinen Gefallen getan. Social Networking muss anders daherkommen, als eine Suchmaschine. Und beim Namen hätte man auch etwas kreativer sein können.

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Retweeten für Anfänger und Fortgeschrittene.

28. Januar 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in NetworkingWelt

Eine Twitter-Meldung zu “retweeten” ist so eine Sache. Wir wollen da gar nicht erst darüber diskutieren, ob das Retweeten sinnvoll ist oder nicht, sondern einfach mal darüber, wie man eigentlich korrekt retweetet. Denn irgendwie scheint es da teilweise ziemlich krasse Missverständnisse darüber zu geben.

Grundsätzlich: Retweeten ist das, was bei E-Mail das “Weiterleiten” ist. “Weiterleiten” bedeutet in diesem Kontext, dass man eine Nachricht weitergibt. Und zwar gern mit einem Kommentar, die Nachricht aber selbst bleibt unverfälscht. Zugegeben, das nicht verfälschen ist bei einer Beschränkung auf 140 Zeichen nicht ganz einfach, sondern weitgehend unmöglich.

Das “alte” Retweeten

Die Idee des Retweets war, wie so viele Dinge bei Twitter, eine Sache, die erst später, weit nach dem Start von Twitter nachträglich eingebaut wurde. So weit, so gut. Was ebenfalls twitter-typisch ist, ist der Umstand, dass man anfänglich experimentiert hat, und zwar mit der Syntax der Retweet-Kennung. Hatte man sich am Ende auf die Buchstabenfolge “RT” geeinigt, gab es zwischendrin auch mal Ideen für die Nutzung eines Symboles, das in einigen Schriftarten vorkommt und am ehesten damit zu vergleiche ist, was landläufig Recycling symbolisiert – quader- oder dreiecksförmig als Endlosschleife angeordnete Pfeile. Das man dieses Zeichen kaum sinnvoll auf einer Tastatur eingeben kann, ist bei einem Retweet im Gegensatz zu einem Reply oder einer Direct Message eher unwichtig, da ein Retweet ja von einem Twitter-Client oder dem Twitter-Backend erzeugt wird.

Nun, wie auch immer, am Ende sah es dann so aus:

@besim schreibt: Hallo, dies ist ein Text.

@blafurzbasel retweetet: RT @besim Hallo, dies ist ein Text.

Bei einem relativ kurzen Tweet ist das relativ einfach zu bewerkstelligen. “Relativ kurz” deshalb, weil der Vorspann eines Retweets ja auch schon Zeichen kostet. Im Falle des obigen Beispieles gehen durch den Vorspann “RT @besim” plus einem nachfolgenden Leerschritt immerhin 10 von 140 möglichen Zeichen verloren.

Aber noch andere Fehler kann man beim “alten” Retweet noch machen, nämlich den Retweet verfälschen. Okay, ich verstehe, dass man als jemand, der eine Twitter-Meldung retweeten möchte, noch einen zusätzlichen, eigenen Hinweis zur rezutweetenden Nachricht hinzufügen möchte. Dafür gibt es allerdings keine festgelegte Syntax, sondern am ehesten eine “Good-Practice”-Empfehlung, nämlich den eigenen Inhalt davorzusetzen, so dass dies dann so aussehen würde:

Coole Sache! RT @besim Hallo, dies ist ein Text.

Nicht wirklich übersichtlich. Das Problem verschärft sich allerdings noch gewaltig und kann richtige Missverständnisse auslösen, wenn man einen Retweet falsch einsetzt. Zum Beispiel dann, wenn jemand einen Link retweeten möchte, den ursprünglichen Text des Erstautors abändert, das alles aber als Retweet markiert:

@besim schreibt: Geiler Link, unbedingt anschauen! http://foo.bar/geil

@blafurzbasel retweetet: RT @besim http://foo.bar/geil – Link für Geile

Der (fiktive) User @blafurzbasel wollte hier vielleicht einfach nur den Link, den ich empfohlen habe, an seine Freunde senden und hat das als Retweet markiert, allerdings hinten den Text abgeändert, was er ja, da das alles normaler Text ist, auch technisch problemlos machen kann. Er kann so nebenbei auch den Sinn komplett entstellen und ich habe dann am Ende nicht einen “geilen Link” gesendet, sondern einen “Link für Geile”, obwohl ich das niemals selbst geschrieben habe.

In diesem Beispiel mag das noch herzlich belanglos sein, aber man denke an dieser Stelle weiter. Sehr einfach kann man hier anderen Leuten Dinge in den Mund legen, die sie so nie gesagt haben.

Das “neue” Retweeten

Twitter hat irgendwann erkannt, dass die bisherige Retweet-Lösung nicht wirklich intelligent ist, eben aus dem Grund, dass ein Retweet immer zusätzliche Zeichen benötigt, der dann im Retweet-Tweet fehlt und dass eben “alte” Retweets vortrefflich vom Retweet-sendenden Nutzer manipuliert werden können. Lösung: Retweet fest ins Backend einbauen, was dann vor einigen Monaten auch implementiert wurde, wenn auch anfänglich recht halbherzig.

Das “neue” Retweeten sieht dann beispielsweise im Twitter-Client TweetDeck so aus:

Der zu zitierende Text eines Retweets kann vom “Retweeter” nicht geändert werden, zudem wird beim “neuen” Retweet der gesamte Vorrat von 140 Zeichen zur Verfügung gestellt. Die Information über den eigentlichen Nutzer, der den zitierten Text geschrieben hat, wird komplett im Backend gespeichert.

Und nun?

Ganz einfach: Nur noch das “neue” Retweeten nutzen. Erspart einem selbst das Zeichenzählen, sieht hübscher aus und der so weitergeleitete Tweet entspricht dem Original. Das “neue” Retweeten funktioniert in der Zwischenzeit auch von der eingedeutschten Twitter-Website und von den meisten aktuellen Twitter-Clients aus. Falls der eigene das nicht kann, entweder aktualisieren oder einen neuen suchen, denn allein das “neue” Retweeten ist den Aufwand wert.

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Der Mann, der nicht twitterte.

16. November 2009 | 8 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Na da hat US-Präsident Barack Obama offensichtlich in ein Wespennest gestochen, als er vor chinesischen Studenten in Shanghai auf die Frage, ob diese twittern sollten, antwortete, dass er noch nie Twitter benutzt habe. Und das dann ausgerechnet zu Diskussionen über das Verified-Account-Siegel führt, das Twitter den prominenten Besitzern von eigenen Twitter-Accounts anbietet und dass auch der Twitter-Account von Barack Obama schmückt.

Um es mal sehr deutlich zu sagen: Wer tatsächlich glaubte, Barack Obama habe jemals selbst mit seinen eigenen zehn Fingern getwittert oder gebloggt, muss schon ein sehr hoffnungsfrohes Bild von Politik in der Enterprise-Klasse haben. Schon in den unteren Wahlkampf- und Politikklassen ist eine Handvoll Zeit, die man braucht, um Äußerungen innerhalb einer bestehenden Kommunikationsstrategie einzupassen, eine Sache, die man einfach nicht hat und die man innerhalb eines Teams zwangsläufig delegieren muss. Die Alternative wäre das, was wir an den Politikern “von gestern” bemängeln: Gar nichts schreiben.

Es ist bei Äußerungen von Politikern immer so eine Sache, wie man Meinung verkauft. In erster Linie ist es erst einmal der Kandidat, der für die Thesen steht, die unter seinem Namen “verkauft” werden. Liest man also eine Pressemitteilung, einen Artikel auf seiner Homepage oder in seinem offiziellen Twitter-Stream, dann ist es erst einmal der Kandidat, der da verkündet. Damit kann man es schon mal bewenden lassen, denn selbst wenn eine Äußerung im offiziellen Twitter-Stream von Barack Obama nicht von ihm selbst geschrieben wurde, gehe ich davon aus, dass Barack Obama das vertritt, was er da schreiben lässt.

Twitter lässt sich als ein sehr persönliches Sprachrohr nutzen und das tun viele Menschen auch, in dem sie selbst die Buchstaben eintippen – aber von müssen steht da nichts.

Im übrigen hätte man nur die Online-Kampagne von Obama näher betrachten müssen, um schon sehr lange zu wissen, dass sie Obama nicht selbst erfunden und gefahren hat. Das Unternehmen hinter der Strategie nennt sich Blue State Digital, macht das auch nicht zum ersten und letzten Mal und wenn man sich das offizielle Kampagnenblog anschaut, so haben da schon immer viele Menschen aus dem Team Obama mitgeschrieben, aber eben alle eine Sache gemeinsam vertreten. Das ist moderner Wahlkampf.

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U2 twittert.

14. Juli 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Sollte man zumindest meinen und wenn man sich das so anschaut, versuchen sie sich gerade daran. Denn mehr als eine Menge Twitpic-Fotos von roten Teppichen, Sicherheitsleuten und voranlaufenden, schwarz gekleideten Menschen sieht man nicht. Wobei…

The Edge of U2

Das da ist The Edge. Da er auf dem Foto nicht lacht, ist der Twitter-Account damit schon praktisch eindeutig identifiziert. ;-)

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Zum pissenden Hund.

14. Juli 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SonstigeWelt

Keine Frage, es ist nicht sonderlich hübsch, wenn ein Hund (auch noch in der Größe einer Ratte) auf einer Terrasse eines Cafes in der Nordstadt nicht angeleint hinter seinem Herrchen herdackelt und dann nichts besseres zu tun hat, als an der Treppe zu den Innenräumen sein Bläschen zu entleeren. Das ist umso unangenehmer, wenn dieser Unfall vom Herrchen offensichtlich erkannt wird und die beiden dann nichts besseres zu tun haben, also sich fluchtartig wieder zu verdrücken.

Man kann aber als Barrista auch sehr übertrieben darauf reagieren, in dem man laut fluchend zunächst einmal zwei Tische und fünf Stühle vor der Treppe als Barriere aufstellt (“damit keiner die Pisse ins Cafe trägt”) und dann drei Eimer Wasser mit Seife dafür aufwendet, die wenigen Zentiliter Urin der Töle zu verdünnen. Und zu allem Unglück ist dem Barrista dann beim Herunterbeugen zu seinem roten Eimerchen dann auch noch seine moderne Hornbrille in die Pisse gefallen.

Danach sind wir gegangen. Es wurde Zeit.

Andererseits hat es auch etwas gebracht, denn die Pforzheimer Twittersphäre hat seit ungefähr 5 Uhr morgens mit @paparazzzo ein neues Mitglied. Welcome, Björn!

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Neulich, da drüben im Web 2.0.

25. Juni 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Ich mag so Dialoge in der Web-2.0-Welt. Das erinnert mich alles an meine Sturm- und Drangzeit im IRC. Hier mal der Ausschnitt in Twitter:

@besim: Zwei Stunden erfreuliche Telefonate geführt. Jetzt kann ich endlich mal aufs Klo und mich anziehen!

@moritzhomann: Krass. Ich zieh mich immer im Bad an…

@besim: Wie? Du ziehst dich an?

@moritzhomann: Habs mal nicht gemacht, da haben die Kollegen so komisch geguckt…seitdem mach ichs.

@besim: Ach was, so eine Borat-Badehose muss einfach reichen. Bei meinem Bäuchlein ist das halt ein Problem, die Träger rutschen ab.

Und hier der Thread in Facebook, in das ich (ja, ich weiß, eine Krankheit) meine Twitter-Beiträge syndiziere:

Besim Karadeniz: Zwei Stunden erfreuliche Telefonate geführt. Jetzt kann ich endlich mal aufs Klo und mich anziehen!

Lars Barteit: Nackt telefonieren? Interessant…

Katrin Schreiber: Hinzu kommt, dass es erfreuliche Telefonate waren und 2 Stunden gedauert hat.

Markus Hagge: Hmmm. Eindeutig Doppeldeutig *gg*

Besim Karadeniz: Die Doppeldeutigkeit fällt auf, korrekt. Ich kann aber versichern, dass es sich nicht um diese Form von Telefongesprächen, wie hier angenommen wird, handelte, sondern um rein geschäftliche. Das glaubt mir zwar doch keiner, allerdings war es tatsächlich so.

Markus Hagge: Ich glaub Dir das, geht mir doch manchmal ähnlich mit den geschäftlichen Telefonaten. Da bin ich dann ganz glücklich, das sich Bild-Telefon nie so richtig durchgesetzt hat *gg*

Ihr Nicht-Twitterer und Nicht-Facebookler, die ihr möglicherweise über sowas nicht lachen könnt – ihr versteht das nicht. ;-)

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Wer unverschlüsselt twittert, ist selbst schuld.

2. Mai 2009 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in SicherheitsWelt

Ich könnte mich auf den Boden werfen und stundenlang lachen, bis der Parkettboden auseinanderfällt, wenn ich die Geschichte auf netzpolitik.org lese, dass offenbar ein Verantwortlicher des Twitter-Streams “cdu_news” auf dem PolitCamp 09 getwittert hat, jemand offensichtlich im WLAN-Netzwerk herumgesnifft hat, durch den Tweet die Credentials von “cdu_news” mitbekam und eine Fake-Nachricht twitterte.

Tja, dumm gelaufen. Traue niemals einem fremden Netzwerk. Und wenn du es schon benutzen willst, dann nutze entweder ein VPN für deine Netzkommunikation oder nutze für deine einzelnen Dienste möglichst verschlüsselte Zugangswege. Das geht bei E-Mail beispielsweise mit SSL-Zugangswegen (das können sogar die Discounthoster wie 1&1) und bei vielen webbasierten Diensten über HTTPS-Websites. Xing leitet Website-Anfragen standardmäßig auf HTTPS-Zugänge und Twitter geht auch per HTTPS. Und das sogar meistens performant, was höchstwahrscheinlich an dem bedauerlichen Umstand liegt, dass kaum jemand den HTTPS-gesicherten Zugang nutzt.

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Twitter versucht zu argumentieren, Geld zu verdienen.

26. März 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Im Grunde genommen ist die Idee von Twitter eine bombensichere Angelegenheit. Man braucht eine Horde von Servern, ein paar halbwegs talentierte Besucher und eine bedingte Anzahl von Support-Kräften. Denn richtig viel Mist kann man bei 160 Zeichen nicht machen und zum Beispiel schon mal keine anstößigen Bilder hochladen. Selbst das Spammer-Thema könnte man weitgehend durch die Community in Griff bekommen, in dem man ein Spam-Flag implementiert und diese mit einer gewissen Programmlogik auswertet.

Ob so ein Unternehmen nun hunderte von Millionen US-Dollar wert ist (man munkelt von 250 Millionen US-Dollar), darf mit bestem Gewissen bezweifelt werden – ich halte Twitter für gnadenlos überbewertet und ein klassisches Unternehmen der Web-2.0-Blase. Die ist zwar deutlich kleiner, als die Dot-Com-Blase vor zehn Jahren, aber Blase ist nun mal Blase: Wenn Ideen aus viel warmer Luft bestehen und diese Luft mit viel Geld befeuert wird, wird die Luft nur viel heißer und explosiver, wenn die Kreativität hinter der warmen Luft prellt.

Und bei Twitter, so ehrlich muss man sein, passiert nicht wirklich viel. Neue Features in homöopathischen Dosen, keine Gruppenfunktionen, mangelhafteste Sicherheitsmechanismen, regelmäßig schlechte Performance. Das Ding lebt in erster Linie von seinem Label und sowas ist in der Internet-Szene von nicht sehr fundiertem Wert.

Auf die nun aktuellen Diskussionen von Twitter-Mitbegründer Biz Stone, zukünftig Abo-Gebühren für Pro-Accounts zu verlangen, kann ich deshalb eigentlich nur mit einem herzhaften Grinsen antworten. Twitter ist nichts anderes wie andere hosted services, wie beispielsweise blogger.com. Gut, um schnell mal einen Kommunikationskanal einzurichten und das unter einem bekannten Label zu positionieren. Allerdings weitgehend nur finanzierbar durch Werbung. In einem Blog mag das noch gehen, aber wie will man in Twitter werben, ohne dies nicht direkt in die Twitter-Streams zu implementieren?

Dazu kommt, dass es mit laconi.ca schon ein Framework für das Microblogging gibt, das man sich, ähnlich wie eine WordPress-Installation, relativ bequem auf den eigenen Server installieren kann, den man für eine Handvoll Euro im Monat kaufen kann. Twitter-Pro-Accounts würden also unmittelbar mit den Discount-Webhostern konkurrieren. Und zu allem Unglück ist das laconi.ca-Framework vom Funktionsumfang auch noch meilenweit besser, als Twitter je war.

Allein darauf zu bauen, dass das Twitter-Label nun mal einfach das stärkste Label für Microblogging ist und ein Stream unter twitter.com hipp ist, ist schon ohne Probleme und fehlende Kreativität eine problematische Ansicht. Wenn man dann aber auch noch einen Dienst darunter liegen hat, der permanent schwächelt, chronisch hustet und offenbar kein funktionierendes Immunsystem hat, dann sollte man sich vielleicht nicht ganz so aus dem Fenster lehnen und erst mal massiv seine Hausaufgaben machen, bevor man übers Geld redet.

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Wie twittert man als Politiker?

5. März 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in NetworkingWelt

Weil ich diese Frage nun zum dritten Mal gestellt bekomme und ich in der Zwischenzeit keine Sorgen habe, dass die unqualifizierte Konkurrenz (damit meine ich jetzt gar nicht pauschal die konservative Ecke, sondern eher die Gattung von Politiker, die sich mit der direkten Zwiesprache zum Bürger nicht so ganz wohlfühlen) jetzt mit so einer Anleitung eines Sozis von heute auf morgen ihre jahrelang verschluderte Online-Kompetenz aufgemotzt bekommen: Hier ein Guide, wie man einfach und schnell Twitter gestartet und eingesetzt bekommt:

  1. Anmelden und Einschalten!
    Genau, das ist damit gemeint. Web 2.0 lebt zuallererst davon, dass man mitmacht. Und Mitmachen bedeutet auch durchaus “Learning by doing”, es ist also im Zweifelsfall keine wochenlang dauernde Kommunikationsanalyse erforderlich, sondern man probiert es einfach einmal aus. Eine Anmeldung auf der Homepage von Twitter ist selbst für Ungeübte ein Kinderspiel. Berücksichtigen sollte man beim Twitter-Namen, dass der Name des Politikers darin auftaucht. Nur mal so am Rande erwähnt.
  2. Anpassen!
    Zu einem vernünftigen Twitter-Auftritt gehört zuallererst ein repräsentatives Foto, eine kurze, prägnante Beschreibung zur Person und ein Link zur offiziellen Homepage. In Twitter lässt sich auch der Hintergrund austauschen, entweder gegen eine andere, angebotene Grafik oder gegen eine gänzlich eigene, die einfach hochgeladen werden kann. Hier jedoch darauf achten, dass diese Grafik nicht albern ist und wenn möglich als Kachel bearbeitet ist, da die Hintergrundgrafik kachelartig wiederholt wird.
  3. Andere Twitter-Streams abonnieren!
    Es gehört zum guten Ton, andere Twitter-Streams zu abonnieren (zu “followen”). Das sollten zum einen weitgehend die Follower sein, die den eigenen Twitter-Stream ebenfalls followen, zum anderen aber auch ruhig andere, interessante Twitter-Benutzer. Es besteht übrigens auch kein Grund, den politischen Gegner nicht offiziell zu followen. Lesen kostet an dieser Stelle nichts.
  4. Motto: “Was tust du gerade?”
    Twitter gehört zur Kategorie der so genannten Micro-Blogging-Anwendungen – diese leben nicht von großem Sermon, sondern von kurzen, knackigen Statements, denn eine Twitter-Botschaft darf nur maximal 140 Zeichen lang sein. Die zentrale Botschaft, die auch überhalb der Twitter-Eingabebox steht, lautet dabei: “What are you doing?” Schreibe, was du gerade tust, wohin du gerade gehst, mit dem du dich gerade triffst, welche Gedanken dich gerade bewegen. Micro Blogging ist durch seine Größenbeschränkung erheblich flexibler und bietet sich dadurch erheblich besser für ein “Mitnehmen” an.
  5. Persönliche Ansprachen erkennen und beantworten!
    Zu beachten sind vor allem direkte Ansprachen, entweder in Twitter-Nachrichten, die den eigenen Twitter-Benutzernamen enthalten (z.B. “@besim”) oder als “Direct-Message” direkt an dich gesendet werden. Solche Twitter-Nachrichten sollten beantwortet werden, wobei auch hier die Kürze das Credo ist.
  6. Den eigenen Twitter-Stream in die Homepage einbinden!
    Der eigene Twitter-Stream ist nicht nur auf Twitter oder Twitter-Anwendungen beschränkt, sondern kann auch in die eigene Homepage integriert werden.
  7. Überlege dir eine Mobil-Strategie!
    Gerade beim Thema “Mitnehmen” spielt Twitter seinen Charme aus, denn 140 Zeichen sind überall schnell geschrieben. Für praktisch alle Smartphones und mobile Betriebssysteme, egal ob Windows Mobile, iPhone, Blackberry, gibt es eigene Twitter-Anwendungen, mit denen auch unterwegs – eine Internet-Anbindung vorausgesetzt – sehr schnell und effektiv Twitter-Botschaften abgesendet werden können
  8. Nutze Twitter auch quer!
    Ein Twitter-Stream lebt vom Menschen, der ihn bestückt – aber nicht unbedingt nur direkt über Twitter. Wer beispielsweise einen Weblog betreibt, kann mit Plug-In-Erweiterungen einen Verweis auf einen Weblog-Artikel mit Angabe der Überschrift automatisch twittern. Wichtig dabei ist, dass solche externen Nachrichtenquellen nicht die Überhand nehmen sollten und höchstens in homöopathischen Dosen eingesetzt werden sollten; 25 % des Nachrichtenaufkommens sollten die absolute Obergrenze sein.
  9. Trommle für deinen Twitter-Stream!
    Micro-Blogging-Dienste sind zwar eine Art Mikrokosmos, sollten aber auch aktiv in den bisherigen Kommunikationswegen beworben werden. Gerade Twitter hat eine relativ hohe mediale Präsenz, da bei aktuellen Ereignissen selbst herkömmliche Medien auf Informationen, die über Twitter-Streams veröffentlicht werden, zurückgreifen.
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Stefan Münz twittert.

27. Februar 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in NetworkingWelt

Der Vollständigkeit halber: Stefan Münz, der deutschsprachige Gott der HTML-Tags und Stylesheets-Definitionen und schon immer jemand gewesen, der nicht nur technisch, sondern auch philosophisch höchst interessant über das Web nachdenken kann, twittert nun seit neuestem auch: http://twitter.com/Webkompetenz

Er hat heute morgen um 9 Uhr angefangen, ich bin gerade Follower-Nummer zwei. Mal schauen, ob wir die Followerzahl heute noch in den dreistelligen Zahlenraum bekommen. :-)

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