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Die unsinnige Abgrenzung zwischen Print- und E-Abos.

19. Februar 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Seit dem Jahr 2001 bin ich Abonnent des SPIEGEL. Und zwar noch in der ursprünglichen Fassung, nämlich auf Papier, herkömmlich geliefert per Postboten, montagmorgens in den analogen Briefkasten. Das kostet mich derzeit schlappe 189,80 Euro pro Jahr, einmal pro Jahr im Voraus per Kreditkarte bezahlt. Sparen tut der SPIEGEL Verlag durch dieses Abonnement mindestens 3,94 %, denn dies ist die Ersparnis, die der Abonnent durch den Kauf des Heftes im Abo (3,65 Euro pro Heft) gegenüber dem Kauf im Kiosk (3,80 Euro pro Heft) macht. Ersparnis des Abonnenten pro Jahr: 7,80 Euro.

Als Onliner, der seine tägliche Portion Nachrichten ausschließlich online konsumiert, ist das SPIEGEL-Abonnement an sich reiner Fetisch, den ich aber durchaus zelebriere. Der SPIEGEL ist gern mal Lektüre am Mittagstisch oder beim Dösen auf der Couch. Das Heft wird von mir und meinen Eltern gelesen und jedes Heft hat nach Ende seiner Gültigkeitswoche meist noch eine hoffnungsfrohe Rentenzeit bei meiner Schwester oder Cousins vor sich. Es ist also nicht so, dass die Mission des Papieres nicht von mir weitergetragen würde.

Das Online-Abonnement des SPIEGEL kostet pro Jahr ebenfalls 189,80 Euro und das ist, wenn man es genau nimmt, dreist. Dieser Preis ist nämlich reine Abgrenzung, denn im Gegensatz zum Papier-SPIEGEL entfällt der Kostenpunkt Druck gänzlich und der Kostenpunkt Distribution kommt durch die Online-Distribution deutlich kleiner daher. Man verdient an dem Stück Elektroerzeugnis also durchaus eine ganze Menge und an sich lohnt sich das Online-Abonnement eigentlich deshalb nur für diejenigen, die den SPIEGEL entweder im Ausland lesen oder schon Samstags ab 22 Uhr das Magazin brauchen, denn in beiden Fällen ist die Print-Variante teurer. Letztendlich alles im Rahmen des Nachvollziehbaren.

Nicht nachvollziehbar ist die Abonnementform des Online-Abonnement für Print-Abonnenten. Denn wer den Papier-SPIEGEL abonniert hat, muss für ein Online-Abonnement noch etwas dazulegen, nämlich 13 Euro pro Halbjahr, damit also 50 Cent pro Ausgabe, was das Abo dann eigentlich sogar deutlich teurer machen würde, als wenn man sich das Heft wieder im Kiosk kauft und ein paar Wochen wartet, bis jede Ausgabe des SPIEGEL komplett online verfügbar ist.

Sprich: Die Print-Abonnenten, die ja nach wie vor die Zugpferde der Auflagezahlen sind und die engste Bindung zum Blatt darstellen, sind diejenigen, die dafür bestraft werden, wenn sie sich zusätzlich für das Online-Abonnement interessieren. Sind wir Print-Abonnenten so gefährlich, dass man sie von den Online-Abonnements fernhalten muss? Oder müsste man ihnen eigentlich nicht eher dankbar dafür sein, dass sie mit ihrem Fetisch, Papier in der Hand haben zu wollen, immerhin noch den Leuten an der Druckmaschine die Brötchen sichert?

Das geht nicht in meinen Kopf. Bei Provinzblättchen, deren Kundschaft tatsächlich irgendwann einmal weitgehend wegstirbt und die nachfolgende Generation schon jetzt mit Bratwurstjournalismus eher wenig anfangen kann, verstehe ich das ja noch und schüttle schon gar nicht mehr meinen Kopf, aber beim SPIEGEL wundert mich das bis heute.

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Die Sommerloch-Rhetorik der Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

9. Januar 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist an sich eine bemerkenswerte Politikerin. Schon einmal Bundesjustizministerin einer schwarz-gelben Bundesregierung, ein honoriger Rücktritt im Jahre 1996 aufgrund des Großen Lauschangriffes, den die Regierung Kohl gegen die Haltung von Leutheusser-Schnarrenberger durchgedrückt hat und dann nach zwölf Jahren wieder Bundesjustizministerin.

Die nochmalige Nominierung als Bundesjustizministerin kann man bewerten, wie man möchte: Hat sie ihren Job damals so gut gemacht, dass die FDP über ihren Schatten gesprungen ist und die ungeschriebene Regel außer Kraft gesetzt hat, dass ein Politiker, der die Partei in einer Regierung einmal öffentlichkeitswirksam im Stich gelassen hat, normalerweise in die Verbannung geschickt wird? Oder hat sich, in einer verhältnismäßig kleinen Partei wie der FDP nicht ganz ungewöhnlich, einfach kein anderer gefunden, der den Job in der zweiten Regierungsreihe machen wollte? Wie auch immer.

Was für den Menschen die Atemluft ist, ist für den Politiker der zweiten Reihe ein “weiches Thema”. Weiche Themen in der Politik sind Themen, die zwar wichtig aussehen, von denen irgendwie jeder betroffen sein könnte, die keine staatliche Subventionierung benötigen und an deren Tatsachen ein einzelner Politiker der zweiten Reihe in Wirklichkeit nichts ändern will und letztendlich auch nicht kann. Das Geschimpfe auf die Bänker-Boni ist so ein Thema. Oder Forderungen nach Reformierung des Islam. Oder staatenübergreifende Regulierung des Internets. Oder eben der Hinweis auf die “Gigantomanie von Google”, wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger jetzt in die Notizblöcke von SPIEGEL-Redakteuren hineindichtete.

Auch wenn derzeit Winter ist – wir sind im journalistischen Periodenkalender derzeit in einem Sommerloch und da gelten die 10 Sommerloch-Gesetze. Der Januar ist aus journalistischer Sicht sowieso immer Sauren-Gurken-Zeit und da muss man eben auch mal Nachrichten selbst zimmern, wie beispielsweise meine Lieblingszeitung mit dem Thema, dass im neuen Adressbuch meiner Heimatstadt wieder eine Person namens “N. N.” auftaucht – ganz so, als ob es in keiner Stadtverwaltung dieses Planeten jemals zum Jahresende Positionen gibt, die zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt sind. Banalitäten, die dann sogar mir zu peinlich sind, um sie zu bloggen.

Oder man bittet eben Politiker zum Gespräch, gerne eben Politiker der zweiten Reihe. Auftritt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, aus dem SPIEGEL ONLINE vorab zitiert:

Der Suchmaschinenkonzern entwickle sich zu einem "Riesenmonopol, ähnlich wie Microsoft". Dienste wie Google Street View, für den komplette Straßenansichten abfotografiert werden, oder Google Earth, der Grundstücke in hoher Auflösung aus der Vogelperspektive zeigt, seien "rechtlich unbedingt prüfenswert".

Leutheusser-Schnarrenberger wörtlich im SPIEGEL-Gespräch: "Mich stört dieses Vorpreschen, diese Gigantomanie, die auch bei der Google-Buchsuche durchscheint." Für das Angebot scannt Google derzeit Millionen Bücher weltweit. Es sei nicht ihre erste Reaktion, "etwas zu verbieten, zu verhindern". Es gehe ihr aber darum, mehr Transparenz herzustellen und dafür zu sorgen, dass die Nutzer darüber aufgeklärt werden, was mit ihren Daten geschieht. "Da sehe ich eine Bringschuld bei den Unternehmen, da ist vieles noch sehr verbesserungswürdig", so Leutheusser-Schnarrenberger. Wenn das nicht bald geschehe, "sind wir womöglich als Gesetzgeber gefordert".

— aus “Bundesjustizministerin wirft Google Gigantomanie vor” in SPIEGEL ONLINE

Dumm, wenn man als Politiker poltert und proletet, dabei aber nicht weiß, was eigentlich derzeit Stand der Dinge ist. Aber schön, wenn man mit Ängsten der Unwissenden punkten und sich als Retter aufspielen kann. Aus der Sicht macht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen recht guten Job, auch wenn das Rasseln mit staatlicher Reglementierung gegenüber der Wirtschaft ja eher nicht so ganz FDP-Linie ist. Der Job ist damit aber ungefährdet und das ist wichtig. Einen zweiten Rücktritt darf man schließlich kaum riskieren, man wird ja auch nicht jünger und die Pensionsansprüche sollte man schließlich auch irgendwann mal sichern.

Aber das interessiert in einer Woche, wenn die nächste Woche anbricht und der nächste SPIEGEL auf den Politikertischen liegt, dann auch wieder niemanden mehr. Leider. Man sollte Interviews mit Regierungsmitgliedern eigentlich immer aus dem SPIEGEL ausschneiden und in ein Prangerbuch einkleben.

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Ein neuer Platzhirsch: Hoogle.

21. Oktober 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MüllWelt

Wenn man zumindest SPIEGEL Online in seiner Newsticker-Übersicht in der Netzwelt-Rubrik glauben soll:

SPIEGEL Online: "Hoogle"

Sie meinten natürlich Google. Und wie es sich für SPIEGEL Online gehört, muss man schnell sein, denn sie haben den Fehler ruckzuck behoben. Um so wertvoller sind solche Screenshots. :-)

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Die SPIEGEL-Bilanz zu Ursula von der Leyen.

6. September 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

In einem eher launischen Artikel bilanziert der SPIEGEL die Große Koalition und kommt zum völlig überraschenden Ergebnis, dass man eine Neuauflage der Großen Koalition nicht unbedingt mehr möchte. Bemerkenswert finde ich aber folgenden Satz, hübsch vor allem die letztgenannte Ministerin:

“Natürlich finden sich gute Besetzungen in Merkels Kabinett: Peer Steinbrück als Finanzminister, Frank-Walter Steinmeier als Außenminister, Wolfgang Schäuble als Innenminister, Ursula von der Leyen als Ursula von der Leyen.”
– DER SPIEGEL 36/2009 vom 31.08.2009

Haarscharf erfasst. Übrigens kommt Ursula von der Leyen am 22. September auch nach Pforzheim, leider aber schon um 12.30 Uhr. So wird der Besuch im Pforzheimer Mehrgenerationenhaus dann leider wieder nur eine weitgehend reine Seniorenveranstaltung mit der üblichen Dialektik. Wer Zeit und eine Videokamera hat, kann sich das ja mal antun, da springt sicherlich wieder was zum Thema Zensursula heraus.

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Port mortem: rottenneighbor.com.

6. Juli 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MüllWelt

Nur für den Abschlussbericht: rottenneighbor.com, die Denunziantenplattform, bei der wir ahnungslose Menschen in der Blogosphäre noch darüber amüsiert lächelten, dass deren Netzwerkstörungen vielleicht ja Zensurmaßnahmen sein könnten (da gab es Zensursula ja noch nicht), ist nun wohl endgültig hinüber. Seit einigen Tagen prangt beim Ansurfen der Website folgender Hinweis, Rechtschreibfehler inklusive: “We’re sorry, we are currently down for maintanence.”

Schade drum. rottenneighbor.com hätte sicherlich mit nur wenig Phantasie auch dieses Jahr als Sommerloch-Retter für gelangweilte Journalisten dienen können, wenn gar nichts mehr geht.

Wo wir beim Thema sind: Henryk M. Broder hat mal wieder ein publizistisches Highlight ins Internet gerotzt, diesmal endlich auch auf dem Niveau, wie man es eigentlich zu erwarten hat. Auch hier bin ich mir gar nicht so sicher, ob er die Passagen, die er möglicherweise ironisch meint, auch wirklich ironisch meint. Immerhin scheint er gesund zu sein. Gut, dass wir das jetzt wissen.

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Damit wir es nicht vergessen.

16. März 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in PolitikWelt

Aus dem SPIEGEL dieser Woche (12/2009) im Artikel “Surfen mit Stoppschild” auf Seite 163:

“Tatsächlich melden im Windschatten der Von-der-Leyen-Initiative unterschiedlichste Gruppen Begehrlichkeiten an. Das Innenministerium in Hessen lud Internet-Anbieter bereits zum Gespräch über die Sperrung illegaler Glücksspielseiten, die Kommission für Jugendmedienschutz bestellte sie zuletzt zweimal ein, um über die Blockade “jugendschutzrelevanter” Seiten zu sprechen. Und die Musikindustrie wirbt zum besseren Schutz ihrer Urheberrechte statt für Sperren sogar für Platzverweise: Im Justizministerium plädierte die Branche unlängst für die französische Lösung. Dort werden die Nutzer bei illegalen Download-Versuchen zunächst verwarnt, beim nächsten Versuch wird ihre Internet-Verbindung für einen Monat lahmgelegt.”

Und:

“Hilfe erhält sie [Ursula von der Leyen] vom Innenminister. ‘Kinderpornografie ist abscheulich’, sagt Schäuble. ‘Wir sollten mit vereinten Kräften dagegen vorgehen, anstatt mit juristischen Spitzfindigkeiten den Eindruck zu erwecken, unsere Verfassung schütze Kinderpornografie. Das ist doch absurd.’

Wir müssen weiterhin aufmerksam bleiben, das Geschwür wuchert unaufhaltsam weiter.

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SPIEGEL ONLINE für Content-Jäger.

16. März 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Für Leute, die nichts zu Schreiben haben, aber Content machen müssen, hat SPIEGEL ONLINE nun die ultimative Lösung und bietet einen ganzen Stall von Widgets an, die man sich wirklich überall hin kleben kann. Die Widgets für Blogs werden über Netvibes ausgestattet, was schon mal nicht ganz so verkehrt ist.

Die zu klärende Frage ist jedoch eine andere: Wer will sich freiwillig einen Newsstream von SPIEGEL ONLINE ins Blog hängen und damit punkten? Irgendwie am Thema vorbei, wenn die unumstritten größte Nachrichten-Website im deutschsprachigen Raum per Blog-Widgets auf sich aufmerksam machen will. Mit Ausnahme von SPAM, das ist notwendig.

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Der SPIEGEL beackert Social Networks.

28. Februar 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Eigentlich schön zu sehen, dass die Redaktion des gedruckten SPIEGEL sich so langsam durch alle gängigen Web-2.0-Technologien durchgearbeitet hat: Letztes Jahr waren es noch die Blogger, die halbdebil sich vor allem nur selbst onanierend feiern, nun sind es die kleinen, engen, siebzehn- bis zwanzigjährigen Mädchen, die saufend von Party zu Party springen und als virtuelle Trophäen Fotos von “tätowierten Schambeinen, blanken Hinterteilen, gebleckten Zungen, delirös verdrehten Augen” in Social Networks hinterlassen.

Bei solchen Sätzen in ersten Absätzen von SPIEGEL-Artikeln über aktuelle Internet-Entwicklungen hält mich normalerweise nicht mehr sonderlich viel davon ab, einfach weiterzublättern. Es kommt nur selten etwas gutes dabei heraus, wenn Journalisten so anfangen. Allerdings, und da sei dem SPIEGEL diesmal fast schon wieder Respekt gezollt: Das Titelbild mit dem Titel “Fremde Freunde – Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen” weckt zwar wieder dunkelste Inquisitionserinnerungen wach, der Artikel selbst ist allerdings in fast schon vernünftigem Ton gehalten – abgesehen von der Einleitung und dem üblichen Bebildere, bei dem man praktischerweise offensichtlich eben auf gemeinfreie Bilder in eben diesen Social Networks zurückgreifen konnte.

Erzählt werden so Geschichten einer siebenundzwanzigjährigen Maja, die nach Düsseldorf gezogen ist, niemanden kannte und über soziale Netzwerke einen völlig neuen Bekanntenkreis bilden konnte. Ein Sebastian aus Frankfurt/Main holt sich über couchsurfing.com bis dato unbekannte Menschen gar in die heimische Wohnung und lässt sie dort kostenlos übernachten. Im Artikel spart man sich doch tatsächlich noch gehässige Kommentare auf diese Menschen, dabei könnte man ja mit unbekannten Menschen, die von einer Website, die den Begriff eines Schlafmöbels beinhaltet, ganz andere Dinge machen, als sie einfach nur treffen:

“In der Online-Welt machen die jungen Netzwerker, was sie auch im Leben draußen vornehmlich tun: herumhängen. Sie klicken durch die Profilseiten der Freunde, sie lesen, was es Neues gibt, hinterlassen neckische Kommentare und laden Handyfotos vom Popkonzert hoch.”

Huch, so harmlos? Nicht ganz, denn im Artikel spricht man das (durchaus nicht unsensible) Problem an, dass die geringen Medienbrüche zwischen SMS, Online-Community und sozialen Netzwerken ein erheblich stärkeres Konfliktpotential in ganz anderen Eskalationsgrößen haben können. War die heimische Wohnung bei Streitigkeiten ein Rückzugsort, so gibt es diese bei solch vernetztem Mobbing nicht mehr.

Im beginnenden Herbst des Artikels geht man sogar auf den professionellen Part sozialer Netzwerke ein, nämlich die Möglichkeiten von Business-Netzwerken. Unvermeidlich hier ein Xing-Nutzer, der offensichtlich den Wert eines jeder seiner Xing-Kontakte durch seine Geschäftsbücher beziffern könnte. Und da bleibt dann auch der kurze Weg zu Politik 2.0 nicht aus und führt aus, dass es erst online möglich wurde, innerhalb kürzester Zeit starke Vernetzungseffekte für politische Themen zu bilden und man befürchtet, dass “für das Superwahljahr 2009 ein Online-Wahlkamf neuer Güte drohe” – als ob es schon mal einen Online-Wahlkampf mit Güte in Deutschland gegeben hätte.

Weiter geht es im Artikel mit Micro-Blogging-Formaten und da so mit Twitter, als ob Twitter das einzige Micro-Blogging-Format wäre. Während bei den Terroranschlägen in Mumbai die Micro-Blogger sehr schnell am Werk waren, war es im aktuellen Gaza-Konflikt schon sehr spärlich. Offenbar darum:

“Arme Gegenden mit dürftiger Stromversorgung haben offenbar andere Sorgen – das schicke Medium gedeiht eher in technisch besser versorgten Metropolen. Aber auch dort ist es, wie der Fall Mumbai zeigte, nicht eben zuverlässig: Da war die Rede von Angriffen auf ein Marriott-Hotel, die es nie gab; manches entstammte nur dem Hörensagen, wurde falsch abgeschrieben oder einfach nur aufgebauscht. Im Netzgezwitscher mischen sich falsche Mitteilungen unentwirrbar mit wahren, und die Selbstorganisation kann jederzeit umschlagen in entfesselten Unverstand.”

So am Rande: Kleiner handwerklicher Fehler, denn das ist schon richtig, was der SPIEGEL hier schreibt, allerdings sagt ja auch niemand, dass Twitter-Streams einen wie auch immer gearteten Ersatz für Nachrichtensendungen darstellen sollen, auch wenn Journalisten bei aktuellen Ereignissen inzwischen gar nicht so ungern von diesen neuen Medienströmen zitieren.

Wie man Falschinformationen und im späteren Leben eher unerwünschte Inhalte wieder aus dem Netz bekommt, ist dann das Thema gegen Ende des Artikels. Dass das kaum wirklich geht, ist ein logischer Rückschluss, immerhin hat man sich aber kundig darüber gemacht, dass es gar Dienste gibt, die gegen Bezahlung fingierte und positive Falschinformationen von Menschen einstellen, um deren Image wieder im Internet aufzupolieren. Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, so dass ich dann doch sogar noch etwas gelernt habe.

Und natürlich: Man möge doch bitte seine Inhalte in sozialen Netzwerken nicht ganz so offen zur Schau stellen, um sich davor zu schützen, dass andere Menschen diese Informationen verwursten, so wie im Fall der Co-Pilotin der Lufthansa-Maschine, die bei schweren Turbulenzen am Hamburger Flughafen beinahe verunglückt wäre und über die sich die BILD-Zeitung (wer sonst?) in ihrem StudiVZ-Profil kundig gemacht hat, um dann über Aspekte ihres Lebens zu schreiben.

Wahnsinn, was ist denn in den SPIEGEL gefahren? So sanft, so freundlich, so fundiert. Liegt es daran, dass man eben nicht dauerhaft auf die neuen Medien schimpfen kann, die man inzwischen auch selbst nutzt? Oder haben sich da endlich einmal ein paar fachlich versierte Journalisten hingesetzt und das Objekt der Begierde endlich tatsächlich einmal von verschiedenen Seiten aus beleuchtet? Es fällt jedenfalls auf. Hat lange gedauert.

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SPIEGEL-Online ist im Urlaub.

2. Januar 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Zumindest teilweise, wie mir scheint. Nicht, weil SPIEGEL Online gerade übermäßig langweilig wäre, sondern weil ich gestern einen (harmlosen) Leserbrief auf einen Artikel geschrieben und ich nun als Souvenir von zwei Redakteuren eine Abwesenheitsnachricht erhalten habe, zusätzlich zur obligatorischen Hinweisnachricht, dass mein Leserbrief angekommen sei und man so viele bekommen würde, dass man nicht jede einzelne beantworten könne. Na denn.

Die benutzen Lotus Notes… die armen Hunde. ;-)

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Frohe Weihnachten und so!

24. Dezember 2008 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Heute ist blog-technisch vermutlich einer der schwächsten Tage im Jahr, jedenfalls bloggt heute niemand, außer Oli in enz.info. Vermutlich sitzen auch kaum Leute im Büro und starren in die Landschaft hinaus, denn es hat heute noch niemand (!) angerufen. Und ich habe auch nicht eine einzige E-Mail im dienstlichen Postfach (mal abgesehen vom Spam). Keine Anrufe, keine klingelnden Paketboten, keine E-Mails – es könnte einem Angst und Bange werden, wenn nicht gerade Weihnachten ist. :-)

Der Tag hat schon unrühmlich begonnen, als ich heute Morgen um 0:20 Uhr im Bowlen in PlayStation Home wunderbar in einem Spiel gegen drei nette Franzosen in Führung lag, bis sich der PlayStation-Home-Client aufgehängt hat und das Problem nur durch einen Konsolen-Reset behoben werden konnte. “This is living“, nicht?

Der Heise-Verlag hat heute auch die Spendierhosen an und spendet zwei Science-Fiction-Kurzgeschichten mit den Titel “Glas” und “Das ferne Dröhnen der Motoren“. Vielleicht ganz nett für Anfänger der Materie, ich finde die Geschichten eher mager.

Ansonsten staune ich seit einigen Tagen auch über den im Internet immer besser anlaufenden Wahlkampf von Barack O’Gümbel und vor allem darüber, wie er sich gut in den elektronischen Medien gibt. Da es hierfür nach wie vor keine Vergleiche mit anderen, deutschen Politikern gibt, ist das eine Pionierleistung, die sogar wohlwollend von der Politikredaktion von SPIEGEL Online honoriert wird, ganz nach dem schwäbischen Paradigma: “Net g’schimpft isch g’nug g’lobt.”

Was noch? Ach ja, Fernsehen. Die ARD ballert zu Weihnachten eine Reihe von Fernsehadaptionen berühmter Märchen ins Programm, die Daniel Haas (“Verstehen Sie Haas?”) nur noch mit extrem viel Sarkasmus erträgt. Möglicherweise kann ich ihm da nur zustimmen, denn schon die Produktionsbilder lassen Dunkles erahnen.

Die Redaktion der Hannoverschen Allgemeinen hat nun seit um 12 Uhr die Gewissheit, dass 281 Euro für gemeinnützige Zwecke aus privater Tasche abzudrücken sind. Der Grund ist, dass seit 3. Dezember 281 neue Twitter-Follower der hauseigenen Twitter-Streams nach einer Aufrufaktion hinzugekommen sind und nun rund 430 Follower den Stream mitlesen. Jetzt müssen sie nur noch auch vernünftige Inhalte in den Stream packen, dann halten sie bis Mitte nächstes Jahres auch mindestens die Hälfte der jetzigen Follower noch. ;-)

Ach ja, Stichwort Twitter. Hat SPIEGEL Online noch vor einigen Monaten die Twitter-Aktivitäten von SPD-Generalsekretär in Grund und Boden verteufelt, sieht man sich heute offenbar Twitter-Leitmedium, denn plötzlich ist das alles ja richtig toll! Und weil schon die RSS-Feeds von SPIEGEL Online eine Katastrophe sind (weil nur die Überschrift gefeedet wird und nicht der Content), hat man das kurzerhand auch in Twitter abgebildet, da man sich hier wenigstens damit herausreden kann, dass man kaum eine SPIEGEL-Online-Nachricht in 140 Zeichen packen kann. Darüber ließe sich streiten. Man kann aber auch offiziell ein Facebook-Freund von ihnen werden. Und wie es sich für schwachsinnige Aktionen für Lemminge gehört, haben sie auch schon über 3.000 Facebook-Freunde..

Nun denn, lassen wir das. Spielverderber sind die Günstlinge von morgen. Was mich wieder daran erinnert, mich weiter mit meinen noch zu schreibenden Aphorismen zu befassen, anstatt auf die heute Abend zu erhaltenen Geschenke zu warten, die weitgehend die obligatorischen Socken und Pullover in Schwarz enthalten. In diesem Sinne.. ;-)

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