Rivva.de ist wieder da.

So plötzlich, wie es verschwand, so plötzlich ist es auch wieder da: Der News-Aggregator Rivva.de erschien heute morgen plötzlich wieder in meinem Newsreader. Wohl vor allem auch deshalb, weil ich den Feed noch nicht gelöscht hatte. Und nun erfahren wir auch, dass es wohl finanzielle Probleme waren, die für das abrupte Ende im Februar gesorgt hatten. Tja, hätte man damals ja mal sagen und darüber sprechen können. Andere dachten ja schon, dass bei Frank Westphal, dem Betreiber von Rivva.de vielleicht die Polenzia eingelaufen ist, weil vielleicht irgendein durchgeknallter Archivar von Druckmaschinen auf den Schutz seiner Leistungen gepocht hätte …

Nun denn, willkommen zurück, nun powered durch die Bayerischen Motorenwerke. „Wenn’s schee macht“, hätte Else Kling gesagt.

Sind keine Nachrichten gute Nachrichten?

Es gibt ja in der Web-2.0-Welt durchaus die Verfechter der These, dass Blogging der Journalismus von morgen sei. Diese These beschäftigt mich innerlich mehr oder weniger schon seit Jahren und während ich ganz zu Anfang diese These komplett verneinte, zwischendurch dann schon mal das Gefühl hatte, dass an der These etwas sein könnte, hat sich meine Meinung in den letzten Monaten wieder gewandelt. Nicht, weil das Bloggen selbst nicht journalistischen Ansprüchen genügen würde (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil die meisten Blogger eben keine Journalisten sind.

Das beste Beispiel heute ist Rivva.de, das wunderbare Werkzeug von Frank Westphal, das einen Überblick über Schlagzeilen in der Blog- und Online-Welt liefert, in dem es dem Kommentierungs- und Verlinkungsgrad bewertet. Von der Idee her eine tolle Sache, allerdings in der Praxis ein Werkzeug, das schonungslos aufzeigt, dass in den Leitmedien der Blogosphäre Quantität vor Qualität steht. Ein gefühltes Drittel der Blogs, die in Rivva.de als Reaktionen auf einen Artikel erscheinen, erscheinen dort nur aus einem Grund: Weil die Autoren der betreffenden Blogs nichts anderes machen, als Reaktionen auf in Rivva.de erscheinende Artikel zu geben. Damit machen sie natürlich in erster Linie auf ihr Blog aufmerksam, ranken dafür aber die betreffenden Artikel in Rivva.de hoch. Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? Nun, wenn eben diese ganzen Trittbrettfahrer im Weihnachtsurlaub sind, läuft Rivva.de quasi leer. Und das tut es nämlich gerade.

Gibt es deshalb jetzt gar keine Nachrichten? Ein Blick auf die gängigen Nachrichten-Websites, die unter anderem über ein Ultimatum Israels gegen die Hamas schreiben, über Truppenverschiebungen pakistanischer Militärs an der pakistanisch-indischen Grenze, über den Vorschlag vom  Banken zum Verschieben von Risikopapieren an den Staat und über die Reaktionen zur Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an die britische Bevölkerung, spricht dabei eine andere Sprache.

Die viel besungene Schwarmintelligenz hat sicherlich seinen eigene Charme, dessen Wirkung in vielen Spezialfällen noch gar nicht wirklich erforscht sein dürfte. Wenn jedoch die Schwarmintelligenz das Problem hat, dass ein paar schlafende Schwarmteilnehmer dem gesamten Schwarm eine trügerische Ruhe unfreiwillig vorgaukeln können, dann haben wir ein Problem.

Der Quatsch, zu allem etwas sagen zu müssen.

So schön Rivva nun auch wirklich ist – es zeigt ein eklatantes Problem: Autoren einiger, weniger Blogs müssen zu jedem umfallenden Sack Reis eine Meinung haben. Meist beschränkt sich die Meinung auf das Zitieren einer anderen Nachrichtenquelle, was pauschal erst mal nicht unbedingt falsch ist, allerdings wird das ein leidiges Thema, wenn die Autoren bestimmter Blogs offensichtlich Rivva abonniert haben und die Schlagzeilen dazu nutzen, um ebenfalls auf die verschlagzeilten Artikel zu verlinken, irgendeinen sinnvollen oder merkwürdigen Senf dazuzugeben und hoch die Luzie.

Ob so ein wilder Themenmix außerhalb von Rivva funktioniert, sei dahingestellt. Ich denke, diese Art der Publicity erkauft sich ein Blog-Autor teuer, denn viele Besucher, die auf eher substanzlose Inhalte fallen, sind auch schnell wieder viele, verschwindende Besucher, wenn man nicht gerade zertifizierter Klatschreporter oder BILD-Chefredakteur ist.

Was bei dem ganzen unfundierten Geheische auf eine Rivva-Positionierung vollkommen auf der Strecke bleibt, ist die Vernetzung in der Blogosphäre. Wenn sich Leitmedien untereinander vernetzen, ist das nicht schön, sondern bedenklich, denn auf diese Weise fallen die vielen kleinen Blogs, die dann vielleicht tatsächlich etwas zu sagen hätten, weitgehend aus dem Raster und bleiben nur in ihrem Dunstkreis gelesen, selbst wenn sie auch mal etwas wirklich fundiertes schreiben. Sprich: Viel lautes Geblubber polarisiert und überstrahlt, ohne dass es wirklich Substanz hätte. Gewagte und sicherlich ausbaufähige These.

Bemerkenswert am Rande: Während ich diesen Artikel schreibe, hat Robert Basic ähnliche Argumente ebenfalls gerade in einem eigenen Blog-Artikel aufgezeichnet und fragt, warum ein Volksnetz wichtig wäre. Seine zusammengetragenen Zahlen über den schwindenden Verlinkungsgrad in der Blogosphäre sind mehr als bedenklich.