Berlin, geht doch.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr ja nicht auf die Republica nach Berlin. Das vor allem deshalb, weil ich das mit dem rechtzeitigen Ticketing verpasst habe und ich das vollständig teure Ticket nicht bezahlen wollte. Vor ein paar Wochen twitterte mich aber meine Hausbank, die Comdirect Bank an und fragte, ob ich denn nicht auf die Republica wolle, man würde mir gern ein Ticket schenken. Na gut …

Berlin im Mai ist ja so ein Ding bei mir seit letztem Jahr. Ich bin ja jetzt wirklich niemand, der sich von einem wie auch immer gelagerten Aberglauben leiten lässt und „Prüfungen“ muss man manchmal eben angehen, ohne groß darüber nachzudenken. Und ich habe mir natürlich auch einen kleinen Schnupfen zugelegt, aber das sitze ich nun wirklich mit einer Pobacke aus.

Eine Berichterstattung über die Republica erspare ich mir, eigentlich ist mir das alles viel zu voll diesmal und es schreiben auch andere genügend darüber. Die meisten Panels kann man sich auch online anschaue, was muss ich da jetzt auch groß darüber quaken? Wichtig war mir gestern ein Gespräch mit Mitarbeitern der Comdirect Bank an ihrem Stand, zum einen um mich für das Ticket zu bedanken und zum anderem um sie auch für ihre inzwischen recht gut laufende Social-Media-Strategie zu beglückwünschen. Ich bin gern bei dieser Direktbank und natürlich habe ich auch meinen ultimativen Wunsch angebracht, dass sie irgendwann auch mal ein Unternehmensblog starten. Gutes Corporate Citizenship gebietet eine umfassende Unternehmenskommunikation und umgekehrt und die Comdirect Bank kann das sicherlich. Ich bin gespannt.

Premiere: Berlin per Fernbus.

Zwar gibt es im Rahmen der Republica auch dieses Jahr wieder Veranstaltungstickets der Deutschen Bahn, aber die Bahn hat es, zumindest dieses Jahr, bei mir leider vergurkt. Denn obwohl ich ein Ticket ohne Zugbindung haben wollte und auf zwei Züge reservieren wollte, in denen schon Oliver Gassner fuhr und wir das für eine gemeinsame Fahrt nutzen wollten, ging das nicht, wenn ich nicht nochmal 30 Euro zusätzlich drauflegen würde – wohlgemerkt: Plus Reservierung. Pardon: Knapp 140 Euro waren mir dann für diese Dreistigkeit zu viel, wenn es ursprünglich ja 99 Euro kosten sollte. So funktioniert Fairness nicht.

Also wurde es jetzt Zeit, mal mit dem Fernbus nach Berlin zu fahren. Als Kind bin ich ja ganz gern mit dem Fernbus gefahren und letztendlich schaffte es Meinfernbus.de dann einfach mit dem Fahrpreis: Hin und zurück für schlappe 60 Euro. Und zumindest schon mal die Hinfahrt war einfach normal. Gestartet wurde um 8:55 Uhr in Karlsruhe mit 10 Minuten Verspätung und geendet um 17:23 Uhr in Berlin mit schlappen drei Minuten Verspätung.

Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Der Doppeldecker war überraschend bequem und die Busfahrt angenehm. Sicherlich ist eine Bahnfahrt kürzer und der Sitzabstand dort mit 92 Zentimetern (im Bus 70 Zentimeter) größer, allerdings stehen in meinem Fall eben 80 Euro Preisunterschied im Raum. Und wer im Fernbus einen Platz am Tisch ergattert, kann sogar komfortabel arbeiten und die Beine ausstrecken (sollte aber zuschauen, wenigstens nicht ganz so penetranten Fußgeruch zu haben …).

Erfahrung des Tages – MyTaxi.

Der heutige Dienstag lief nicht ganz so gut an. Ich hatte nämlich etwas verpennt und der Kopf war etwas dick und mir viel um kurz vor halb neun ein, dass ich ja eigentlich um neun Uhr einen Frühstückstermin mit Anne und Andreas hatte. Da fiel schon mal die Anfahrt per U-Bahn in Richtung Potsdamer Platz aus, denn das war nicht zu schaffen. Ein Taxi war die Notlösung. Also, MyTaxi auf das Smartphone installiert, nach fünf Minuten angemeldet gewesen und ein Taxi bestellt und nach weiteren Minuten war das Taxi auch da. Und natürlich, wie sollte es in Berlin auch anders sein, war es ein türkischer Taxifahrer, der den Auftrag annahm:

MyTaxi Screenshot

Und diese Taxifahrt wurde eine Fahrt mit Bestimmung. Da Mehmet aus meiner Online-Bestellung ja auch schon meinen Namen wusste, begann nach der Fahrtbestätigung ein Gespräch, das schnell mit seiner Frage umschwenkte, warum ich denn nicht Türkisch sprechen würde. Ich könne es nicht so gut, sagte ich. Das sei doch kein Grund, denn vermutlich könne ich nur so schlecht Türkisch wie er Deutsch und das sei ja auch kein Problem. Das ist richtig …

So wurde die Fahrt eine echte Gewissensangelegenheit. Wo die Eltern denn aus der Türkei kämen. Ob wir Geschwister hätten, was arbeitete ich, was mache ich so in Berlin. Ich eierte mich mit meinem Türkisch so durch und musste immer wieder Deutsch einbauen, aber letztendlich machte er es ja nicht anders. Das gibt mir alles ziemlich zu denken. Und das alles „nur“ durch eine online bestellte Taxifahrt! Ich habe Mehmet dann noch schnell die Adresse meines Blogs aufgeschrieben und ein Foto gemacht:

Mehmet, der Taxifahrer aus Berlin

Wann kommt man schon dazu, mit einem Taxifahrer sich so tiefsinnig unterhalten zu können und ein Foto zu machen?

Google Now und Googles Vermutung, warum ich in Berlin bin.

Auf den Screenshot von Google Now muss man gar nicht sonderlich tief eingehen. Google speichert ja seit Jahren all meine Suchanfragen und stellt daraus genügend Beziehungen her und so hat Google es wohl so verstanden, dass ich, wenn ich heute und wohl auch zukünftig nach Berlin komme, vermutlich das dringende Bedürfnis habe, in die Charité zu fahren, weshalb Google Now schon mal die Routenplanung zurechtlegt:

Google Know Karte Routenplanung

Echte Preisfrage: Wie bekomme ich das Google Now wieder ausgeschwatzt? Es nervt nämlich schon etwas.

Braucht es einen Blogger-Verband?

Kurzum: Ja, den braucht es. Und zwar deshalb, weil Blogger am ehesten das vertreten, was wir als Möglichkeit zur Äußerung der freien Meinung verstehen und weil wir dringend dafür sorgen müssen, Bloggen auch „greifbar“ zu machen für Leute, die gar kein Interesse daran haben, Blogs als eigene Kommunikationsform anzusehen. Es geht nicht um das „wollen, um zu dürfen“, sondern um das „müssen, um zu bleiben“.

Kann Egomanie ein Hinderungsgrund für eine Interessensvertretung sein?

Auch hier kurz eingeleitet: Kann, muss aber nicht. Egomanie taucht da auf, wo Menschen ohne viel Hintergrund Angst davor haben, dass andere Menschen das bemerken könnten. Jede Interessensvertretung lebt davon, dass es Menschen gibt, die mehr oder weniger Input hineinstecken und in diametraler Menge davon profitieren – man steckt entweder mehr hinein und bekommt weniger heraus oder man steckt weniger hinein und bekommt mehr heraus. Niemals gibt es einen Gleichstand. Und genau deswegen will man eine Interessensvertretung.

Häufig wird die Idee eines Blogger-Verbandes mit der Idee einer Gewerkschaft oder einer Konstruktion wie eines Verbandes wie dem Deutschen Journalistenverband o.ä. verglichen. Sicherlich, da gibt es ein paar Ähnlichkeiten von der Idee her, allerdings einen sehr großen Unterschied: Es geht bei einem Blogger-Verband bei den allermeisten potentiellen Interessenten nicht um Geld, weil für die meisten Blogger schlicht keines zu erwirtschaften ist. So lange Bloggen nicht auch breitenwirksam Einkommen von vierstelligen Größen ermöglicht, ist das Thema Monetarisierung ein eher homöopathisches für die meisten Blogger.

Das Geld kann es also nicht sein, also muss es der Idealismus tun. Der Idealismus, gemeinsam für eine Sache zu kämpfen, sei es eine Technologie, eine Dienstleistung, eine Vorgehensweise oder schlicht ein Lifestyle. Das Bloggen ist von allem etwas und die größte Kunst wird es sein, auch für die kleinen Blogger eine adäquate Interessensvertretung darzustellen, die vielleicht nur ein Hobbyblog schreiben, möglicherweise frei von jeglichem Monetarisierungsversuch und auch frei von jedem Sinn und Zweck. Aber nur so ein Ansatz würde einen Blogger-Verband davor bewahren, ein Eliteverein zu werden. Denn genau das darf es nicht werden, will man den Urbegrifflichkeiten des Web 2.0 nicht untreu werden. Auch virtuelle Gemeindeblättchen haben ihren Raum in den Weiten des Webs.

Sicherlich kann ich es mir jederzeit erlauben, gewisse Personen in der so genannten Blogosphäre besonders gut und auch besonders nicht gut zu leiden. Das darf aber nicht der Grund sein, einer Interessensvertretung nicht beitreten zu können, denn im Idealfall muss eine Interessensvertretung Meinungen vertreten und nicht die Namen von bestimmten Personen.

Und die „Digitale Gesellschaft„?

Eine Totgeburt, leider. Weil das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Eigentlich will man einen Lobbyverband, weil das augenscheinlich mal jemandem gesagt wurde, dass man so etwas braucht. Eigentlich will man auch einen Verein, weil wieder andere gesagt haben, dass so etwas Sinn machen könnte. Andere wollen eine Interessensvertretung, weil das vielleicht auch irgendjemand mal erwähnt hat. Und eigentlich… ja, eigentlich. Eigentlich ist genau „eigentlich“ das Problem dabei.

Eine Interessensvertretung funktioniert so, dass es Menschen geben muss, die eine bestimmte Sache gut oder schlecht finden und sich dafür einsetzen möchten. Die Interessensvertretung übernimmt dafür eine Art Trichterfunktion, um das Meinungsbild der Personen, die an der Interessensvertretung partizipieren möchten, meinungsgerecht aufzubereiten und an die richtigen Stellen zu leiten. Das Wort „Partizipation“ ist dabei ein sehr wichtiges, denn man kann zwar auf Meinung eines Souveräns verzichten, wenn man abgebrüht genug ist, aber man braucht zwingend die „User-Basis“ des Souveräns, um überhaupt erst einmal so etwas wie eine Interessensvertretung darzustellen. Eine Interessensvertretung entsteht per se nicht dadurch, dass sich Schwergewichte zusammentun und ihre Kompetenz daraus ableiten, dass sie die lautesten sein wollen.

Demzufolge ist der Start der „Digitalen Gesellschaft“ eine Nullnummer. Einen Verband gründen ohne inhaltliche Diskussion und die Frage nach einem Eintritt als stimmberechtigtes Mitglied dadurch zu beantworten, dass das erst einmal nicht vorgesehen ist, weil man zuerst die Strukturen aufbauen möchte, ist völlig inakzeptabel und zerstört Porzellan, dass noch gar nicht richtig geformt ist. Und noch viel schlimmer ist eine andere Gesetzmäßigkeit: Wer einen Verband nach Gutsherrenart aufbauen will, hat quasi keine Chance mehr, argumentativ einzulenken. Selbst wenn die jetzige Führung sich besinnen würde und vereinsmäßige Strukturen haben wollte – es nimmt ihnen keiner mehr ab. Death on arrival. Ich kann mich nicht in einer Interessensvertretung wiederfinden, die von den Machern eigentlich mal so konzipiert war, dass man mich eigentlich gar nicht wollte. So einen Opportunismus kann man sich nicht leisten, wenn man eben keinen millionenschweren Etat hat, das von einer PR-Agentur wieder geraderichten zu lassen und man kein Interesse daran hat, Vertrauen in der Gesellschaft zu bewahren.

Sprich: Nächster Versuch, bitte. Nicht im Vorfeld einer re-publica, nicht von einer Truppe, die Lobbyarbeit vor partizipativer Meinungsbildung ansiedelt und bitte von Leuten, die sich nicht ganz so wichtig nehmen, wie notwendig.

re:publica 2010, Tag 3.

Der dritte und letzte Tag der re:publica 2010 war bei mir nicht ganz so besuchsproduktiv, wie die Tage davor. Das lag zum einen am leckeren Mittagessen und zum anderen auch daran, dass ab Mittag die Vorträge nur noch in der Kalkscheune stattfanden und der Laden schwer überlaufen war.

„Revolution im Kopf“ von Götz W. Werner

Götz Werner ist Chef der Drogeriemarktkette „dm“ und in seiner Freizeit Chefprediger der Bewegung für das bedingungslose Grundeinkommen. Und den Job kann der begnadete Menschenfänger extrem gut. Dank Flugausfälle eine Stunde später am Mikrofon zog er alle wichtigen Pro-Argumente für das bedingungslose Grundeinkommen aus dem Register – ohne Präsentationsfolien und auch ohne Vortragsvorlage.

Und zugegeben, seine Thesen klingen schwer widerstehlich gut, wenn man nicht einige Gegenargumente wegdiskutieren könnte. Da die „Revolution im Kopf“, wie er es so schön bezeichnete, keine Geschichte ist, die man eben mal so macht, kamen dementsprechend auch relativ wenig sinnvolle Fragen zustande, die man ihm hätte stellen können. Ich hätte zwar einige gehabt, aber ich habe ehrlich gesagt keine große Lust gehabt, ausgerechnet an meinem Geburtstag in Berlin auf der re:publica die große politische Diskussion anzuzetteln. Aber dennoch: Götz Werner ist sicherlich ein Mensch, der reden kann.

„This object cannot be liked“ von Miriam Meckel

Was Miriam Meckel, immerhin Professor Doktor, da eigentlich in ihrem unglaublich schnellen Vortrag sagen wollte, ist mir nicht so ganz klar geworden. Ich vermute, irgendetwas mit soziologischen Zusammenhängen und Netzwerken in virtuellen Räumen. Oder so. Selten habe ich mich in einem Vortrag quasi von der ersten Minute an so dumm gefühlt, wie in diesem Vortrag. Ich bin ja nicht unbedingt vollkommen auf die Nase gefallen, aber ich habe, wenn überhaupt, nur ein Viertel von dem verstanden, was sie sagte und ich habe mich angestrengt, war nicht angetrunken, hatte keine ablenkende Damenbegleitung dabei und auch kein Notebook. Vielleicht war allein schon diese Erkenntnis keine so schlechte Erfahrung.

„Medien hacken – Im Herz der Bestie“ von Victor Dornberger und Helmut Grokenfeld

In diesem amüsanten Vortrag gab es zunächst eine Erklärung über das so genannte Mediahacking, also der Vorgehensweise, klassische Medien auf falsche Nachrichtenfährten zu lenken. Wer jetzt glaubt, das kann man heutzutage nur mit Twitter & Co. machen, täuscht sich, denn in einigen Beispielen wurde erklärt, dass schon selbst so Dinge wie fingierte Pressemitteilungen, ein falscher (und eingeweihter) Ansprechpartner, eine unwiderstehlich gute Story und eine schlampige Gegenrecherche dazu führen kann, dass eine falsche Nachricht in Umlauf gerät.

Das Gegenteil sind dann so Sachen wie der Skandal im ehemaligen Magazin „polylux“, in dem ein fingierter Darsteller angab, mit der Droge Speed abnehmen zu wollen und ihm das wohl auch soweit gelingt und gut bekommt. Interessanterweise funktionierte dieser Hack aber nur, weil die Redaktion in einschlägigen Foren Interviewpartner suchte, die zum Thema Speed und Stressabbau etwas sagen konnte. Bevor solcher Mist gesendet wird, gehört es also immer mindestens zwei Augen, meist aber noch viel mehr, die diesen Mist nicht richtig kontrolliert haben, bevor er über den Sender läuft.

Ein Fazit zur re:publica?

Hat Spaß gemacht! Viele Bekannte und neue Leute getroffen, viele gute und interessante Vorträge, die gottlob nicht alle mit Bloggen, Twitter oder Facebook zu tun haben, sondern auch mal andere Themen, modernes Leben und auch einfach mal ganz andere Dinge beleuchten. Ob man jetzt beruflich etwas mitnehmen kann, sei dahingestellt. Sicherlich ist es gerade auf einer so ungezwungenen Konferenz wie der re:publica extrem einfach, Kontakte zu finden, die auch tatsächlich etwas draufhaben und nicht einfach nur „Consultant“ sind.

re:publica 2010, Tag 2.

Mein zweiter Tag bei der re:publica 2010 in Berlin war erwartungsgemäß dem Themenspecial Netzneutralität gewidmet. Eigentlich wollte ich mir nur ein, zwei Vorträge anschauen, bin dann aber doch den ganzen Tag an diesem Thema hängengeblieben, auch weil die meisten Vorträge richtig gut und informativ waren.

„Netzneutralität – Eine Einführung“ von Simon Schlauri

Der schweizerische Jurist hat einen schönen Überblick über die gar nicht so einfache Thematik aus Sicht eben eines Juristen gegeben und sehr schön herausgearbeitet, wo der Schuh auf beiden Seiten, nämlich auf Anwender- und auf Provider-Seite drückt. Dass Schlauri das Thema aus wissenschaftlicher Sicht heraus betrachtet, kommt der Sachlichkeit seines Vortrages sehr entgegen. Eine gelungene Einführung, leider nicht sehr gut besucht.

„Free Press and SaveTheInternet.com“ von Marvin Ammori

Beim Vortrag von Marvin Ammori sah es dann schon besser aus, was vermutlich auch an der Bekanntheit der Aktivitäten liegt, in denen Ammori mitarbeitet. SaveTheInternet.com ist nämlich vermutlich die Organisation, die das Thema Netzneutralität als erste überhaupt thematisiert hat. Sehr schön hat Ammori die Anfänge erklärt, als ein findiger Netzwerktechniker, der aufgrund einer längeren Krankheit ans Haus gebunden war, nebenbei entdeckte, dass er große Schwierigkeiten dabei hatte, Musikstücke seiner eigenen Combo in eine Peer-to-Peer-Tauschbörse hochzuladen. Er analysierte die Problematik und fand dabei heraus, dass sein Provider Comcast offensichtlich die Bandbreite zu Tauschbörsen künstlich drosselte.

SaveTheInternet.com erzeugte daraufhin innerhalb kürzester Zeit und mit einem minimalen Personalaufwand von gerade mal fünf Personen und einem riesigen Netzwerk dahinter eine gewaltige Publicity-Lawine, die sich dem Thema annahm und unter anderem dafür sorgte, dass Barack Obama dieses Thema auf seine Agenda nahm und später die US-amerikanische FCC Comcast auf Netzneutralität einschwor und ihr die künstlichen Bremsen von bestimmten Diensten untersagte. Dass diese Entscheidung kürzlich revidiert wurde, thematisierte Ammori, übrigens auch ein Jurist, auch und stellte so sehr schön dar, dass das Thema Netzneutralität keineswegs ein abgeschlossenes Thema ist und dieser Diskurs gerade erst richtig begonnen hat.

„Netzneutralität in Deutschland“ als Podiumsdiskussion mit Constanze Kurz, Falk Lüke, Cara Schwarz-Schilling, Thorsten Schilling

Die darauf folgende Podiumsdiskussion versuchte, das Thema Netzneutralität auf deutsche Verhältnisse herunterzudividieren, war aber leider nicht wirklich gut besetzt. Cara Schwarz-Schilling war als Vertreterin der Bundesnetzagentur zwar mit allerlei Worthülsen ausgestattet, von denen sie in ihren anfänglichen Monologen auch ausgiebigen Gebrauch gemacht hat, eine wirkliche Streitkultur wollte aber nicht aufkommen. Constanze Kurz vom CCC war verhältnismäßig wenig grausam zu ihr und lediglich Falk Lüke unternahm einige zaghafte Versuche eines Diskurses, der jedoch nicht weiter kam als zur Feststellung, dass wir alle Netzneutralität haben wollen, alle hohe Bandbreiten möchten, selbstverständlich auch guten Wettbewerb, einfache Wechselmöglichkeiten, aber alle großzügig die Frage umschiffen, wer denn eigentlich den Netzaufbau bezahlen will. Ich bin zwar auch ein Verfechter der Netzneutralität, aber die Frage, wer den Spaß nachhaltig finanzieren soll, müssen wir uns stellen.

Die zweite halbe Stunde war dann eine offene Podiumsdiskussion mit dem Publikum, die jedoch einiges an teilweise erschreckend unfundierten Äußerungen in die Diskussion einbrachten. Da stand dann doch tatsächlich ein Mensch auf, der froh sei, dass er Internet beim Deutschen Forschungsnetz habe, denn ADSL sei für ihn nichts anderes ein „Distributionskanal von Pro-Sieben-Sat-1“. Er fordere symmetrisches Internet für alle. Sorry, kannst du doch haben, kostet halt einfach mehr und du brauchst zu Hause eine separate Doppelader in die Wohnung, was in vielen Haushalten schon zu einem Problem wird.

Auch Jörg Tauss meldete sich zu Wort und stellte eine Frage, an die ich mich gar nicht mehr so recht erinnern kann – lediglich daran, dass er den Angriff auf die Netzneutralität mit politischer Zensur und Zensursula in einem Topf wirft. Nein, lieber Jörg, so leicht ist das nicht und wir sollten keinesfalls den Fehler machen, all das auch wirklich als ein Thema anzufassen. Die unsäglichen Versuche, eine Zensurinfrastruktur im Namen des Kampfes gegen die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet ist ein gänzlich anderes Ding als der Versuch einiger Groß-Provider, Geld von Content-Anbietern abzudrücken.

„The politics of Deep Packet Inspection“ von Andreas Bogk, Ralf Bendrath

In diesem zweigeteilten Vortrag wurde es dann heftig technisch, indem das Deep-Packet-Inspection-Verfahren ausführlich erläutert wurde, also die Technologie, im Datenstrom einzelne Datenpakete zu analysieren und mit Filterregeln entsprechend zu verarbeiten. Relativ klar ist, dass DPI die einzig sinnvolle Technologie ist, „richtig“ zu filtern und DPI ist demnach auch die Technologie, mit der beispielsweise die „Große Firewall“ Chinas funktioniert. Bestimmte Stichworte werden im Datenstrom durch DPI erkannt und der entsprechende Kommunikationsstrom gefiltert.

Für Anfänger, Politiker und Juristen mag dieser Vortrag sicherlich an die Grenzen des Verarbeitbaren gegangen sein, allerdings ist es gut und richtig, zumindest mal gesehen zu haben, wie Filtering auf Paketebene funktioniert und das geht nun mal nur mit Header-Analyse und Betrachtung des Schichtenmodells.

In der rechtlichen Analyse kam Bendrath allerdings an einer Stelle schwer ins Schleudern, in dem er nämlich behauptete, Internetprovider hätten ein Vetorecht, wenn es um behördliche Filtermaßnahmen ginge. Der ebenfalls im Raum sitzende Jan Mönikes platzte schier bei dieser Aussage, allerdings völlig zu Recht. Internet-Provider haben keineswegs ein Vetorecht, wenn eine Behörde vor der Türe steht und eine richterliche Abhörmaßnahme einfordert. Da kommen die Hände an die Hosennaht und es ist zu salutieren.

„Who wants to restrict the Internet and how?“ von Monica Horten

Monica Horten brachte als britische Wissenschaftlerin und Kennerin der EU-Versuche zur Regulierung des Internets in Sachen Filter und Online-Sperren einen Überblick darüber, welche Schweinereien die EU so auf Lager hat und derzeit diskutiert. Kurzer, hochkonzentrierter Vortrag, allerdings sehr stark gepackt und selbst für Leute, die bei der heftigen Materie der EU-Arbeit einigermaßen im Bilde sind, schwer greifbar. Horten gab sich jedoch sehr viel Mühe.

„Net neutrality and threats to fundamental rights in Europe“ von Jérémie Zimmermann

Jérémie Zimmermann ist so etwas wie der klassische Netzaktivist, der in Frankreich in der Bürgerrechtsorganisation „Le Quadrature du Net“ mitarbeitet und einen sehr schönen Überblick über die verstörende Welt der französischen Denkweisen über das Internet gemalt hat. HADOPI war ein großes Thema, also der Three-Strike-Ansatz, mit dem Internet-Benutzer, die Copyright-Verletzungen behördlich verwarnt werden und schließlich im Ernstfall sogar mit einem Trennen ihres Internet-Anschlusses bestraft werden können. Zimmermann stellte in seinem amüsanten und engagierten Vortrag einiges deutlich dar und zeigte auch, wie hübsch sich in Frankreich knallhart Lobbyisten bei der Gesetzgebung durchgesetzt hat und verwandtschaftliche Verhältnisse von Politikern und Industriegrößen dazu schamlos ausgenutzt werden.

Ich hätte vor wenigen Monaten noch gesagt: „Boah, gut, dass wir nicht in Frankreich leben.“ Aber ich habe inzwischen bekanntlicherweise jegliche Illusion verloren, dass uns das in Deutschland so nicht auch passieren könnte. In unserer Bundesregierung haben wir dazu genügend Damen und Herren, die neben Hotels sicherlich auch noch andere Firmen sponsern, wenn sie entsprechend Zaster auf die richtigen Konten „spenden“.

Einen kurzen Besuch hat Zimmermann dann auch noch zum Thema ACTA gemacht, über das Thema werde ich demnächst dann auch nochmal ausführlicher bloggen (müssen).

„Net Neutrality and Free Speech“ von Tim Wu

Tim Wu gehört wiederum zur SaveTheInternet.com-Bewegung und ist nicht irgendjemand, sondern der Kopf, also quasi „Mr. Net Neutrality“. Zugegebenermaßen, von Tim Wu habe ich mir vorgestellt, dass er den Laden rockt, vermutlich dachten das die re:publica-Macher auch, die diesen Vortrag nicht mehr in der Kalkscheune durchführten, sondern auf der Hauptbühne des Friedrichstadtpalastes. Der war jedoch nur zu einem Viertel gefüllt und das ist positiv geschätzt.

Tim Wu hatte dann auch noch einen sehr abstrakten Vortrag dabei, der Netzneutralität sehr umfassend und mit Analogien zu den frühen Zensurverpflichtungen im amerikanischen Film erklären wollte. Tatsächlich mussten früher Spielfilme von einer Arbeitsgruppe der Motion Picture Association abgenommen werden, die unter anderem darauf achtete, dass es keine Geschlechtsakte zwischen weißen und farbigen Menschen gab.

Leider endete der Vortrag dann auch noch so plötzlich, wie er an die eigentliche Thematik gegangen ist, so dass dieser Vortrag leider nicht sonderlich angekommen ist und der Person Tim Wu keinesfalls auch nur ansatzweise gerecht wurde. Sehr schade.

„Internet Censorship worldwide“ von Lucie Morillon

Lucie Morillon brachte als charmante Sprecherin mit süßem, französischen Akzent einen leider höchst unangenehmen Überblick darauf, wie es weltweit mit der Verfolgung von Bloggern und Online-Aktivisten aussieht. Als Vertreterin von „Reporter ohne Grenzen“ waren diese Zahlen zweifellos fundiert und deprimierend.

„Do censorship and repression kill content on the web?“ von Sami Ben Gharbia

Der Tunesier Sami Ben Gharbia stellte in seinem vollgepackten 30-Minuten-Vortrag einen ganzen Strauß vor, was man machen kann, wenn man als Blogger zu politisch Verfolgten gehört und wie man damit umgehen kann und sollte. Viele Dinge gehen dabei in die Richtung, dass man sich eben einen neuen Provider sucht oder bei staatlicher Zensur andere Plattformen zum Betrieb eines Blogs nimmt. Andere Ansätze sind dann aber schon wieder „klassische“ Guerilla-Taktiken, beispielsweise die äußerst interessante Idee, in Google Earth oder Maps einfach Locations anzulegen, die auf die Regierungsstätten der betreffenden Länder zeigen und dann mit regierungskritischen Artikeln verlinkt sind, zum Beispiel einem YouTube-Video.

Ein sachlich gut fundierter und recherchierter Vortrag, leider auch nicht wirklich gut besetzt, obwohl gerade das eine wichtige Kompetenz für politische Arbeit im Internet ist. Unsere Meinungsfreiheit mag in Deutschland und Europa relativ gut geschützt sein, aber wer wüsste schon, wie man reagieren kann, wenn er/sie von einem politischen Aktivisten aus dem Ausland angesprochen würde, der politisch verfolgt wird?

Tag 2?

War gut, sehr gut sogar. Ich habe beim Themenstrang Netzneutralität von 10 bis 18 Uhr durchgehalten, weil viele der Vorträge gigantisch gut waren. Leider leidet das Thema Netzneutralität darunter, dass viele Menschen – auch viele re:publica-Besucher – keine so rechte Ahnung davon haben, was eine aufgeweichte Netzneutralität für Schäden anrichten kann, vor allem deshalb, weil man im Zweifelsfall nur sehr schwer merkt, ob überhaupt eine fehlende Netzneutralität Schuld dafür ist, dass Dinge im Internet nicht erreichbar sind.

Ich hoffe, dass in dieses Thema noch genügend Sensibilisierung hineinkommt, denn dass gerade die Deutsche Telekom mit entsprechenden Äußerungen ihres CEO in der Vergangenheit immer wieder mal die Stimmung getestet hat, muss aufhorchen lassen.

re:publica 2010, Tag 1.

Tag 1 war spannend – immerhin ist das meine erste re:publica und wenn man bedenkt, dass ich ebenfalls noch nie ein Barcamp o.ä. besucht habe, war ich schon recht gespannt darauf, was passiert, wenn mehr als 30 Web-2.0-Leute auf einem Haufen sitzen und Tacheles miteinander sprechen.

Einführungsvortrag „Die digitale Faszination“ von Peter Glaser

Peter Glaser ist schlicht der philosophierende Barde der deutschsprachigen Blogosphäre. So wie der heftig im Wienerischen akzentuierende Mensch da vor dem Pult sitzt, glaubt man ihm zunächst nicht, dass er es in kürzester Zeit schafft, großartige Bilder vor den geistigen Augen seiner Zuhörerschaft zu malen. Warum finden wir Online so faszinierend? Unmöglich, im Schnelldurchlauf von den ersten Menschen, die das Feuer gebändigt haben, zu den Menschen zu kommen, die im Internet mindestens genauso kompetent kommunizieren, wie in der Realität? Das kann nur Glaser. Sein phantastischer Vortrag findet sich in seinem Blog „Glaserei“ der Stuttgarter Zeitung.

„Google Buzz for the rest of us“ von Thomas Steiner

Oliver Gassner, Martin Koser und ich kamen dann gleich zur Sache und sind zum von Google gesponserten Vortrag zu Google Buzz gewankt. Der Vortrag litt leider durchweg vom quasi nicht vorhandenen Internet – zum einen funktionierte WLAN nicht wirklich und zum anderen war der Vortrag im Quatsch Comedy Club im Untergeschoss des Friedrichstadtpalastes, so dass auch der gute, alte Mobilfunk der ganzen Geschichte einen Strich durch die Rechnung machte.

Thomas Steiner mühte sich redlich, Informationen zu geben, wie man sich in Google Buzz registrieren kann und den Dienst nutzt, durfte aber schon auf eher einfache Fragen, wie beispielsweise Googles Planung für einen Enterprise-Dienst von Buzz aussehen wird, nicht antworten. Der Mehrwert der Veranstaltung hielt sich daher in leider recht engen Grenzen. Das hätte man besser hinbekommen, sowohl technisch, als auch inhaltlich.

„The German paradox – Privacy, publicness ans penises“ von Jeff Jarvis

Jeff Jarvis am Anfang eines Vortrags als leicht arroganten Menschen zu bezeichnen, kann anflugweise passieren. Das ändert sich allerdings, wenn man seinen Vorträgen zuhört und das war auch in seinem heutigen Vortrag so. Zunächst hielt er sich fast schon schmerzhaft lange damit auf, wie skurril wir Deutschen teilweise auf unsere Privatsphäre schauen, die dann aber abrupt da endet, wo der FKK anfängt, die wiederum die Amerikaner als zutiefst verstörend empfinden.

Spannend und berührend wird es allerdings spätestens dann, wenn Jeff Jarvis beginnt, über seinen überstandenen Prostatakrebs zu reden. Denn über diese Krankheit hat er damals gebloggt und damit sein Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Aufgrund dessen, dass er dies getan hat, hat er bis dato eine Reihe von berührenden Kommentaren erhalten, die entweder von Betroffenen sind, die ihm danken, darüber geschrieben zu haben, aber auch von Menschen, die erst durch so einen Artikel wirklich je auf die Idee gekommen sind, zu einer Krebsvorsorgeuntersuchung zu gehen.

Worauf er hinaus will und auch kam: Privacy ist gut, Öffentlichkeit ist es aber auch. Und das Ziel muss sein, weitgehend jede Art von Öffentlichkeit zu schützen, denn Einschränkung der Öffentlichkeit bedeutet Kontrolle. In vielen Beispielen nimmt er da unter anderem auch Bezug darauf, dass das Web 2.0 nun eine Möglichkeit ist, dass eine riesige Menschenmenge eine Öffentlichkeit darstellen kann und dass genau dies eine der Prophezeihungen des Cluetrain-Manifestes der 1990er Jahre ist.

Recht hat er, allerdings bin ich da vorsichtig und dass sind gottlob auch viele der Menschen, mit denen ich nach dem Vortrag gesprochen habe. Vielleicht auch eine deutsche Krankheit, aber einer aus dem Publikum hat Jeff Jarvis ein Beispiel dafür genannt, warum die entwaffnende Öffentlichkeit im Falle des Prostatakrebses vielleicht nicht gut war, denn mit dieser Information wird er bei allen Versicherungsunternehmen schlagartig uninteressant. Jarvis‘ Gegenantwort darauf, dass dies letztendlich bei genügend Öffentlichkeit eben auch die Öffentlichkeit beeinflussen könnte, ist sicherlich diskutabel. Dennoch einer der hochwertigsten Vorträge, zweifellos.

„What’s next – Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren“ von Peter Kruse

Ein weiteres Highlight, zumindest am Tag 1. Peter Kruse ist Hirnforscher und hat in einer Stunde glatt über 90 Folien am Bildschirm vorbeigezogen, in denen er die Welten der „Digital Residents“ und der „Digital Visitors“ beschrieben hat. Kurzgefasst sind die Residents die Leute, die in Web 2.0 denken und handeln und die Visitors die Web-1.0-Folks. Was unsereiner eigentlich schon weiß, nämlich dass beide Denkweisen miteinander sehr viele Gegensätze pflegen, hat Kruse einmal dargestellt, nämlich mit höchst interessanten Auswertungen in interessanten Diagrammen.

Was am Anfang noch sehr undurchsichtig war, entwickelte sich im Laufe des Vortrages zu einfachen Thesen, was daran liegt, dass Kruse die Forschungsergebnisse radikal herunterdividiert auf einzelne Begrifflichkeiten herunterdividiert hat und die dann auch sehr anschaulich wurden. Man kann sich darin tatsächlich ein Stückweit wiederfinden.

Der Vortrag war allerdings haarscharf am Rande des Verständlichen. Peter Kruse knallte seinen Text frei herunter und zog einige Folien im Sekundentakt vorbei, so dass man sich das kaum mal in Ruhe anschauen konnte. Schade drum, denn so ein Vortrag gehört nicht in die primäre Verdauungsphase nach der Mittagspause positioniert.

„Augmented Reality – Hype or not?“ von Marc Rene Gardeya

Marc Rene Gardeya ist CEO des Stuttgarter Unternehmens Hoppala und auch beteiligt am Layar-Projekt, dass für das iPhone (auch für Android?) die gleichnamige Anwendung anbietet, mit der auf Live-Kamerabilder per GPS- und Kompass-Peilung dreidimensionale Objekte live abgebildet werden können, also eine Art virtuelle Welt auf ein „echtes“ Bild in Echtzeit projiziert wird. Layar gehört da zu der Anwendung, die sicherlich am weitesten ist und viele Layer zum Anschauen anbietet.

Wenn ich bei vielen Layern und Augmented-Reality-Clients so meine eigene Ansichten habe und nicht wirklich so recht davon zu überzeugen bin, so fand ich eine Anwendung wiederum supergut, nämlich die Einblendung der (virtuellen) Berliner Mauer, wenn man sich in Berlin an der ehemaligen Grenze befindet. Das gibt Raum für viele Anwendungen in dem Bereich, wo man eben alte, nicht mehr vorhandene Gebäude oder auch neue, geplante, irgendwie visuell und vor allem in Echtzeit darstellen muss.

Dass die gängigen Smartphones mit Augmented Reality freilich nur noch äußerst kurzen Surfspaß bieten, sei mal dahingestellt.

„Saving the planet vs. privacy – How to design „green“ tech properly“ von Frank Rieger

Ein enttäuschender Vortrag von Frank Rieger vom Chaos Computer Club, der in etwa so zusammengefasst werden kann: Die Erde hat begrenzte Ressourcen, die irgendwann einmal zuneige gehen werden, aber schon vorher vermutlich nicht mehr zu bezahlen sind. In diesem Zusammenhang wird man sich Gedanken darüber machen müssen, wie man Privacy in Systemarchitekturen schützt, die zentralisiert Inhalte im Internet bereithalten. Ach was. In Zeiten von Facebook, wo man das schon weit vor dem endgültigen Verbrauch aller Ressourcen tun sollte, ist das keine wirkliche Neuerung.

Ein weiterer Aspekt war die Frage, wie man Wind- und Sonnenenergie bzw. den dadurch gewonnenen Strom sinnvoll verwaltet, nämlich durch Smart-Grids. Und das war dann fälschlicherweise nur dadurch skizziert, dass Strom eben zu bestimmten Zeiten billiger oder teurer ist. Dass zu Smart-Grids aber auch die Idee von dezentraler Stromerzeugung gehört, beispielsweise kleinen Kraftwerken auf Basis von mit Erdgas befeuerten Generatoren, oder auch die dezentrale Stromspeicherung, beispielsweise mit am Netz angeschlossenen Akkus von Elektroautos, das fehlte hier dann leider völlig.

Nonsens-Vortag, den man mit etwas Lektüre des Heise-Newstickers auch selbst zusammengezimmert bekommt.

Party?

Sorry, bin ich der falsche Ansprechpartner, ich gehöre eher nicht zur Partyfraktion, die mit der Gefahr lebt, sich ggf. selbst zu feiern. Ist jetzt eine böse Kutsche, aber ich kann generell mit Kongress- oder Messepartys rein gar nichts anfangen. Müssen andere ran. 🙂

Net is in the air.

Auf der gestrigen Autofahrt nach Berlin zur re:publica 2010 hat mein Mitfahrer Oliver Gassner, der mich während der re:publica anderen Menschen nur als „sein Fahrer“ vorstellen wird, gleich hinter Vaihingen/Enz für einen Lacher gesorgt, der leicht hätte dazu führen können, dass ich vor Lachen das Lenkrad verrissen hätte.

Er packte quasi gleich nach dem Anschnallen sein Netbook mitsamt UMTS-Stick aus, um eine Flugbestätigung zu suchen, fuhr den Apparat hoch und rief frohlockend die Frage in den Raum:

„Hey, hast du WLAN im Auto?“

Offensichtlich fuhren wir gerade an einem Haus vorbei, in dem das WLAN-Netzwerk ziemlich massiv weit hinausstrahlte. Die Idee mit einem WLAN im Auto fanden wir dann aber die restlichen 600 Kilometer zumindest so doof nicht, als dass wir immer wieder das Thema aufkochten – neben der spannenden Frage, was er während der re:publica mit seinen alten Visitenkarten anstellen wird. 😉

re:publica 2010.

Den durchgeknallten 374 Typen, die meinem Twitter-Stream followen, wird schon vor einigen Tagen aufgefallen sein, dass mein Profilbild nun auch die vier lustig-bunten “Böppel” hat, die schon seit einigen vorherigen Tagen bei anderen Twitterern erschienen sind. Die Auflösung dazu findet sich rechts, die Böppel gehören zur re:publica, einer Social-Media-Konferenz, die im April nun zum vierten Mal in Berlin stattfindet und die Böppel macht sich der darauf, der mit seiner Teilnahme besonders herumprollen will.

Bisher habe ich mich erfolgreich um jedes Barcamp herumdrücken können, was beweist, dass man mehr als zehn Twitter-Follower, zehn Facebook-Kontakte oder zehn Blog-Leser haben kann, ohne auf solche Veranstaltungen herumzutanzen. Damit will ich keinesfalls Barcamps diskreditieren, irgendwie fehlte mir dazu Zeit und Muße.

Nun, also, re:publica 2010 als Premiere. 70 Euro für das Blogger-Ticket sind für eine dreitägige Konferenz günstig angelegtes Geld und meine edlen Freunde in Berlin rücken zusammen, um meiner armseligen Existenz und einigen meiner Habseligkeiten ein vorübergehendes Dach über dem Kopf.

Und weil Premieren unvergesslich sein sollen, habe ich auch gleich mal ein eigenes Thema vorgeschlagen, das sich mit Politik 2.0 beschäftigt. Vielleicht wird es ja etwas und es kommt mit aufs Programm. Wobei ich zugeben muss, dass ich erst nach der Einreichung gelesen habe, dass letztes Jahr 1.800 Leute dabei waren und die re:publica also eine richtig große Konferenz ist. Könnte noch heiter werden, aber wenn man sich keine nicht nur kinderleicht erreichbaren Ziele setzt, macht es nur halb so Spaß. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Bis dato: Anmelden! Blogger-Tickets gibt es nicht mehr so viele und Blogger sind immer noch die Königsklasse des Web 2.0. Sorry, ihr 374 Durchgeknallten, ich liebe euch trotzdem. 🙂