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Kampf dem latenten Rassenhass in Online-Medien.

18. August 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Ein schöner Kommentar und Aufruf der Publizistin Mely Kiyak zum Thema Rassismus in Leserforen von Online-Medien findet sich auf der Website des Deutschlandradio Kultur. In Ihrem Text “Verachtung am Morgen” beschreibt sie das, was mich schon vor zwei Jahren hier im Weblog schwer anstinken ließ – der mehr oder weniger latente, gut gepflegte und kaum reglementierte Rassismus in Online-Foren von vielen Tageszeitungen, vornehmlich hyperpotenten Lokalblättern mit überforderten Online-Redaktionen.

Geändert hat sich seitdem wenig. Zwar haben einige Lokalblätter inzwischen leidlich erkannt, dass allzu reißerische Artikel teilweise erschreckende verbale Ausfälle in der Leserschaft erzeugen und sich das nicht einfach so unter den Tisch kehren lässt. Gegen tatsächlich veröffentlichte Ausfälligkeiten in Leserforen wird jedoch landläufig extrem selten und erstaunlich zäh reagiert. Das ach so hochgehaltene Gut der Meinungsfreiheit, das vielen Lokalzeitungen zwar nicht fremd, aber “auslegungsfähig” im Rahmen ihrer eigenen Arbeit ist, ist da gern die Pauschalentschuldigung, gern auch in schlampig formatierten Serien-Mails.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Journalisten lassen sich herab, auf rassistische Äußerungen, pauschale Verleumdungen, unterschwellige Volksverhetzungen etc. auf ihrer Website einfach nicht zu reagieren und sie als gangbare Art der Meinungsäußerung gelten zu lassen. Als ob Rassismus nicht schon von Hause aus eine verwerfliche und völlig indiskutable Haltung wäre! Der ganze Scheiß steht aber, im Gegensatz zu den wöchentlich abgedruckten Leserbriefen, nicht nur ein Tag in der Zeitung, sondern wochen-, monate-, jahrelang im Web. Unkommentiert von den Leuten, die eigentlich die Zeitung bzw. das Online-Medium schreiben.

Und das sind sich die Leute, die solchen Rassenhass bewusst befeuern, vollkommen bewusst. Der Informationsraum solcher schlechtmoderierten Online-Medien verkommt so zu Orten mit mehreren Publikationsebenen: Oben der mehr oder weniger gute, “offizielle” Zeitungsinhalt – unten die so genannten Lesermeinungen inklusive Diffamierungen, Beleidigungen, Verhetzungen. Eine hier ständig proletende Schar von Kommentatoren erzeugt so auf Dauer ein hochbrisantes Milieu. Das Attentat von Anders B. in Norwegen hat sehr deutlich gezeigt, was latent geschürter und geduldeter Rassenhass bei gestörten Menschen so befeuern kann, dass sie in kaum vorstellbaren und nicht ansatzweise nachvollziehbaren Tragödien enden. Nicht eine bestimmte Haltung gefährdet die andere, sondern die geschürte Angst davor. Das lernen wir, gerade in Deutschland, nun wirklich jeder in der Schule in einer solchen epischen Breite, dass man es eigentlich kaum überhören kann.

Es wäre an der Zeit, liebe Online-Medien, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Eure Auflagenzahlen sinken auch ohne rassistische Leserkommentare, so könnte man es wenigstens noch schnell nochmal mit gesellschaftlicher Verantwortung probieren, bevor das Papier alle ist.

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Warum am Flughafen eben nicht selektiert werden darf.

28. Dezember 2010 | 6 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Im “Thilo-Sarrazin-Jahr” vergeht ja inzwischen kaum noch ein Tag, an dem ich schon morgens bei der Nachrichtenerstlektüre auf dem iPhone eine ziemlich miese Laune bekomme, die dafür sorgt, dass der erste Morgenkaffee eher zum Blutdrucksenken beiträgt als umgekehrt. Mir geht dieses ewige “Darüber-müssen-wir-mal-reden-dürfen” des Prekariates (und der Meinungsführer der intellektuelleren Bevölkerungsschichten, die die Debatten des Prekariates aus purem Eigennutz ordentlich befeuern) ziemlich auf den Zeiger, denn hier wird nur das mehr oder weniger hübsch verpackt, was wir in klarer Sprache so nennen sollten, wie es ist: Geschürte Ängste vor dem Blick über den eigenen Kleinsthorizont, purer Ausländerhass, vorurteilsbedingte Diskriminierung von Minderheiten. Um das Erarbeiten von Lösungsansätzen für nachhaltige Migrationspolitik geht es dabei kaum, denn schon im Buch des selbsternannten Erlösers Sarrazin sucht man was vergeblich? Genau, Lösungen. Als ob es einem nachweislich begnadet ungeschickten Politiker Thilo Sarrazin und anderen Populisten tatsächlich jemals um gesellschaftliche Lösungen im Konsens gehen würde.

Wenn ein “Flughafenverband”, der also nichts anderes wie eine Interessensvereinigung von wirtschaftlich denkenden, teilweise börsennotierten Flughäfen darstellt, eine Selektion von potentiellen Gefährdern fordert, um diese dann besonders gründlich zu filzen, dann hat das vielleicht auf den ersten Blick etwas mit Sicherheit zu tun. Bei jeder weiteren Betrachtung wird jedoch sehr schnell klar, dass man sich hier auf eine Scheindebatte einlässt. Schon der zweite Blick lässt die Frage aufwerfen, welcher Sicherheitsanspruch denn noch mehr Sicherheit bringen soll, wenn heutzutage ausnahmslos alle Passagiere gleich stark gefilzt werden und es nachweislich extrem wenige Sicherheitsverstöße gibt – dafür aber genügend Unmut gegenüber teilweise fragliche Sicherheitskonzepte.

Die Argumentation, dass man “potentielle Gefährder” bei einer Selektion noch besser filzen könne, kann man daher kaum gelten lassen, eine “noch intensivere” Kontrolle hieße, dass noch stärker in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen eingegriffen werden müsse, wie es heute ohnehin schon der Fall ist und das ist auch heute schon gang und gäbe – aber eben im konkreten Verdachtsfall, der vor Ort von echten Sicherheitsbeamten zumindest noch argumentiert werden kann. Viel übler ist bei so einer Argumentation jedoch der Unterton, der entsteht bzw. schon entstanden ist: Der “Araber”, der “Türke”, generell der “Moslem”, auf den müssen wir genauer hinschauen. “Falscher” Nachname? “Terroristennase?” Na dann ab in den “Spezialtunnel”. Und wenn das Flugzeug dann mal etwas länger zum Abdocken braucht, weil wieder genügend Hakennasen dabei sind, die durch den Tunnel müssen, dann wissen die restlichen Passagiere ja auch gleich, bei wem sie sich zu bedanken haben.

Glaubst du nicht? Dann schaue bei der nächsten Sicherheitskontrolle mal, wie du andere Mitreisende anschaust, die bereits heute stärker kontrolliert werden. Der arabisch aussehende Mitbürger mit möglicherweise deutschem Pass, der dank seines Bartes aber dann doch noch zusätzlich seine Schuhe ausziehen und durch den Röntgenapparat schieben soll. Die Frau im Schleier, die gesondert in den Nebenraum geführt wird, obwohl der Metalldetektor nicht anschlägt. Stimmt nicht? Na dann werde ich vermutlich einfach nicht korrekt gesehen haben, während viele andere dabei einfach nur weggeschaut haben.

So ist das schon heute. Vor dem Hass kommt der Unmut, davor die Angst und davor der geschürte Unmut. Funktioniert im Kleinen hervorragend und geht im Extremfall in vielen fein differenzierten Abstufungen bis zur “Endlösung”. Man muss es nur laufen lassen. Wenn nur noch der Name den Ausschlag für eine “Sonderbehandlung” gibt oder gar ein nicht für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer Algorithmus, der x-beliebige Daten aus aller Welt zusammenaddiert und daraus zufälligerweise eine gerade Zahl zieht, die das Lämpchen aufleuchten lässt, dann ist das in einer Gesellschaft, die Diskriminierungen dieser Art zu Recht verabscheut, völlig inakzeptabel.

Der im übrigen gar nicht dezente Hinweis auf Israel hinkt übrigens gleich an mehreren Stellen. Tatsächlich gibt es an israelischen Flughäfen die “Tunnellösung” für unterschiedlich intensive Sicherheitskontrollen, allerdings obliegt die Entscheidungsgewalt darüber, wer durch welchen Tunnel muss, in den meisten Fällen den Sicherheitsmitarbeitern vor Ort, die vorab in den Warteschlangen die zu checkenden Passagiere ansprechen und anhand des Gesprächsverlaufs entscheiden, wer wie intensiv kontrolliert werden muss. Dies ist ein extrem personalintensiver Vorgang, der allerdings auch gar nicht anders geführt werden kann, wenn man wirklich aus menschlichen Regungen herauslesen möchte, ob jemand möglicherweise etwas Übles im Schilde führt oder nicht. Dass israelische Sicherheitskontrollen besonders billig seien, wäre mir zumindest neu. Dass sie allerdings effektiv und verhältnismäßig kurz und schmerzlos sind, man dabei sogar noch freundlich und gesittet ist und für all dies noch nicht mal irgendwelche Nacktscanner benötigt werden, bezweifelt kaum jemand.

So am Rande: Irgendwie ja ein toller Zufall, dass sich bundesdeutsche Flughäfen plötzlich so öffentlichkeitswirksam um die Sicherheit und den Komfort der Passagiere kümmert, obwohl sie vor einigen Tagen quasi reihenweise von noch nicht mal sehr schweren Schneefällen teilweise kläglich kapitulieren mussten. Ein Schelm, wer hinter dieser PR-Kampagne Böses wittert. Die Welt des Kapitals ist bisweilen recht einfach strukturiert, gern auch mal auf Kosten von gesellschaftlichen Grundrechten.

Wenn das alles denn mal so lustig wäre. Wer schamlos PR auf Kosten von Minderheiten macht, um von anderen, hausgemachten Problemen abzulenken. der hat Verachtung verdient. Nicht mehr und nicht weniger.

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Scheiße trifft Latrine.

5. November 2010 | 6 Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Falls jemand aus Pforzheim und Umgebung noch einen Grund sucht, endlich einmal das eventuell noch vorhandene Abonnement der Pforzheimer Zeitung zu kündigen – hier ist es: Unser vollkompetentes Bumsblatt hat nämlich niemand anderen als Thilo Sarrazin zu einer “Lesung” seines Buches eingeladen. Und weil es genügend “Ja-Aber”-Demokraten in unserer Stadt gibt, die in ihrer Ja-Aber-Zeitung das geeignete Fachmagazin gefunden haben, gibt es gleich zwei Lesungsvorstellungen am gleichen Tag, mit der vollmundigen Ankündigung, dass auch gleich noch ins Internet gestreamt und getwittert werden soll.

Scheiße trifft Latrine.

Scheiße kann man aus dem Weg gehen und das Abo mit der Latrine kann man kündigen. Denn mit Ihrem Geld wird offensichtlich auch gern mal ein gar nicht mehr so verkappter Rassist eingeladen und vermutlich im besten Hotel der Stadt einquartiert. Und damit der Bioreaktor auch schön in Fahrt kommt, erlaubt man sich einen Text als Aufmacher, der haarscharf an Volksverhetzung vorbeischrammt. Zitat:

Es ist schon ungewöhnlich, was sich am Montag im PZ-Forum tut. Dass ein Gast an einem Tag gleich zweimal auftritt, das hat Seltenheitswert. Thilo Sarrazin, ehemaliger Finanzsenator in Berlin, ehemaliger Bundesbanker, SPD-Mitglied und umstrittener Buchautor, macht’s möglich. Binnen kürzester Zeit waren seine Veranstaltungen um 16 und um 19 Uhr ausverkauft, das Interesse riesig.

Kein Wunder in einer Stadt, in der mehr als 21 000 Ausländer leben, die damit knapp ein Fünftel der Bevölkerung stellen. Die meisten stammen aus der Türkei – und damit aus einem Kulturkreis, den Sarrazin skeptisch beäugt. Im Enzkreis kommen weitere 13 479 Migranten hinzu.

In ihrem Todeskampf werden die Lokalzeitungen diejenigen, die alle guten Sitten und Rechte dieses Landes abwerfen. Sei es beim Leistungsschutzrecht oder eben beim politischen Nahkampf.

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Blinder Rassismus auf Websites von Tageszeitungen.

8. November 2009 | 16 Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Wir Leute, die wir uns für gewöhnlich als “Digitale Native” sehen, also Menschen, die ein ausgeprägtes Kommunikationsbedürfnis an den Tag legen, verstehen uns gern als sehr aufgeklärte und abgeklärte Menschen in der Gesellschaft, die sehr wenig mit so Dingen wie Rassismus anfangen können. Und das hat auch Programm, denn für die meisten von uns ist es überhaupt kein Thema, Bekannte, Freunde und Geschäftskollegen in aller Welt zu haben, mit allen sprachlichen, nationalen und religiösen Hintergründen. Für die meisten von uns ist das kein Problem, sondern ein Grundeigenschaft unseres Online-Daseins und des normalen Lebens, die wir nicht zuletzt durch das Internet gelernt haben.

Sind es am Anfang einer Technologie noch eher hochgebildete Menschen, die sich der Technologie annehmen, steigt der Anteil der “normalen” Menschen im Laufe der Zeit mit der Zahl der Anwender, die einen normalen oder schon eher unterbemittelten Intellekt mitbringen. Zu dem Mainstream gehören dann unter anderem auch das Klientel der Menschen, die andere Menschen schon deshalb nicht leiden können, weil sie einen Höcker in der Nase haben.

Grundtenor ist, dass Rassisten und Nationalisten kaum einen Fuß in ein Medium oder Forum bekommen, in denen Digital Natives diskutieren – sie kommen schlicht und einfach nicht an mit ihren platten Thesen. Schnell sind solche Diskutanten erkannt und abgekanzelt und selbst diejenigen, mit denen man als Migrant die heftigsten Diskussionen hat, kennen bei einer Sache überhaupt keinen Spaß, nämlich bei rassistischem Gedankengut. Mit Protektionismus hat das überhaupt nichts zu tun, das ist eine Grundhaltung.

Worauf wir Digital Natives möglicherweise gar nicht gedacht haben, ist der Umstand, dass der Mainstream Foren bevölkert, für die wir uns viel zu erwachsen fühlen. Während es nämlich für Rassisten bis dato eher schwierig war, Online-Foren zu finden, die zum einen von Digital Natives verschmäht werden, zum anderen aber genügend Reichweite bieten, so hat sich das geändert. Und die Anbieter sind ausgerechnet auch noch die, die eh schon ein Problem mit dem Internet haben: Die Zeitungen und hier insbesondere Regionalzeitungen.

Beispiel 1: Die Pforzheimer Zeitung, weil es so naheliegt und weil ich schon vor über einem Jahr die Missstände anmerkte. Hier ist es so, dass das Redaktionssystem es ermöglicht, dass jeder redaktionelle Artikel im Grundzustand die Möglichkeit bietet, von Lesern kommentiert zu werden. Der erste Kommentar startet dann im separaten Online-Forum einen Thread aus, in dem dann wiederum andere Leser diskutieren können.

Das lässt sich natürlich erst einmal gut als Argument für Meinungsfreiheit verkaufen. Und das lässt sich dann natürlich auch sehr gut monetär vermarkten, denn Online-Foren erzeugen, wenn sie “flutschen”, Klickraten, dass einem Hören und Sehen vergeht und die mit ziemlicher Sicherheit einen großen Teil der Zugriffszahlen so mancher Regionalzeitung ausmachen.

Der Teufel liegt jedoch im Detail und hier ganz und gar in tumorösen Strukturen: Stetig befeuert werden solche Online-Foren nämlich durch das, was die Zeitung schreibt und das muss heutzutage blutig und heftig sein. Das bekommt man für gewöhnlich als Zeitung weitgehend frei ins Haus, nämlich in Form der Presseverteilers der hiesigen Polizei, des Amtsgerichts und von anderen Behörden. Wer die heute bekommt, weiß weitgehend schon, wie der Lokalteil der Regionalzeitung von morgen aussehen wird und was vorab als Aufmacher auf der Homepage landet.

Pressemitteilungen über Straftaten, die in irgendeiner Form einen Integrations- oder Migrationshintergrund haben, sind hierbei ein gefundenes Fressen für Rassisten, die das dann sogleich ausschlachten und Pseudo-Diskussionen auslösen, die eine gewisse Grundstimmung erzeugen sollen. Ich verzichte auf Zitate und verweise auf drei originale und aktuelle Threads im Online-Forum der Pforzheimer Zeitung:

Es gehört zu den bewährten Maschen von Sektierern, diffuse Grundstimmungen über vermeintliche Ungerechtigkeiten zu erzeugen. Das macht man mit Stilmittel, in denen man Dinge behauptet, die oftmals nachweislich nicht stimmen, jedoch nur mit einer gewissen Arbeit zu widerlegen sind und irgendwann auch von Nicht-Meinungsführern ungefragt als Tatsache hingenommen werden. Das, was keine vernünftig denkende Redaktion in ihrer Tageszeitung im Leserbriefteil als Meinungsäußerung hinnehmen würde, passiert tagtäglich in Online-Foren von Tageszeitungen und wird nur sehr halbherzig moderiert, offensichtlich weitgehend nur dann, wenn jemand einen Artikel meldet.

Dass die Sektiererei irgendwann gut funktioniert, wenn man als Forenmoderator nicht von Anfang an die Zügel in der Hand hält, zeigt sich, wenn es um eher harmlose Themen geht und die dann immer häufiger in stereotypische Diskussionen abdriften. Auch hier ein Beispiel:

Mit ziemlicher Sicherheit ist mehr oder weniger latent auftretender Rassismus kein Problem, das nur in Pforzheim auftritt. Es ist aber zumindest ein Problem, das in weniger gut gepflegten oder vermeintlich besonders der Meinungsfreiheit verschriebenen Online-Foren deutlicher in Erscheinung tritt, als in vergleichbaren Online-Foren anderer Zeitungen – und das auch anderswo so passiert, hier in meinem Beispiel Nummer 2 bei der Nordsee-Zeitung aus Bremerhaven:

Andere Zeitungen (deren Namen ich hier nicht nenne) haben nach eigener Aussage das Thema Online-Forum nach einiger Zeit des Experimentierens unter anderem wegen ähnlicher Erfahrungen aufgegeben. Das Aufkommen an zu moderierenden Artikeln beschäftigte mitunter einen Mitarbeiter fast einen halben Tag, in einem Fall führten verhetzerische Leserkommentare in einem schlecht moderierten Online-Forum zu einem Verfahren wegen dem Tatbestand der Volksverhetzung, in das die betreffende Zeitung aufgrund einer Mitstörerhaftung verwickelt wurde.

Es kommt allerdings noch ein Problem hinzu, das für unsere Medienlandschaft zu einem immer größeren Problem wird: Über alles Unangenehme dieses Planeten schreibt eine Zeitung, nur über sich selbst nicht. Und das führt dann zur Entwicklung solcher höchst infektiösen Milieus, über die man sich zweifellos ärgern kann, aber die Allgemeinheit nur äußerst schwer erreicht. Lösung: Graswurzeljournalismus.

Deshalb gilt: Hier müssen wir aufpassen und dringend darüber reden. Einige Zeitungen sind sich offensichtlich ihrer publizistischen Verantwortung im Internet haarsträubend wenig bewusst und hosten in ihrem direkten Verantwortungsgebiet eine brandgefährliche Stimmung, die sie in Kauf zu nehmen scheinen. Wir dürfen keinesfalls einfach so zuschauen, wie Regionalzeitungen, die sich immer, trotz der prekären Krise im Zeitungsgeschäft, noch als regionale Medienmacht sehen, durch publizistische Verantwortungslosigkeit, Schlamperei und mutmaßlich auch durch reine Profitgier jegliche gute Erziehung über Bord werfen.

Das heißt für uns alle: Schauen, was die Tageszeitung online so treibt und öffentlich anprangern! Dazu haben wir Blogger Weblogs, Trackbacks, Twitter und Facebook.

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