ZDF-Mitarbeiter, Protest bitte!

Und weil immer noch ein steter Durchlauf an Zugriffen vom ZDF-Netzwerk (hierzu gibt es noch ein Addendum am Ende dieses Artikels) auf mein Blog vorherrscht, hier ein kleiner Aufruf an ZDF-Mitarbeiter, sozusagen vom engagierten Zuschauer. Ich darf das.

Hey, ZDF-Mitarbeiter!

Bekommt euren Hintern hoch! CARTA hat heute ein kleines Interview mit der Gruppe „Freiheit für das Zweite“ geführt, in dem herauszulesen ist, dass sich der Mut von Mitarbeitern, einen sichtbaren Protest gegen den schleichenden Programmabbau und der immer noch extrem stark parteilich durchgefärbten Personalpolitik in den höheren Stockwerken des Verwaltungsbaus anzuzetteln, in bescheidenen Grenzen hält. Das ist von mir als Außenstehender nicht zu bewerten.

Was jedoch von mir als Zuschauer durchaus zu bewerten ist: Ich zahle Rundfunkgebühren und ich zahle sie, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, ohne größeres Murren. Ich zahle Rundfunkgebühren für ein umfassendes Programmangebot und ich zahle auch dafür, Meinungsvielfalt zu bekommen, die möglicherweise nicht jedem Verantwortlichen gefällt. Ich zahle aber nicht dafür, dass Meinungsvielfalt produziert und am Ende nicht abgesegnet und gesendet wird, weil es Partei X oder Y nicht so ganz gefällt.

Das ZDF ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und keine Parteiveranstaltung. Ihr seid nicht der Bundes- oder einer Landesregierung unterstellt und bezieht auch von diesen Gruppierungen kein Geld. Ihr bekommt das Geld von der Gesellschaft und nur dieser Gesellschaft seid ihr verpflichtet. Und ich hätte es sehr gern, wenn sich eine Anstalt des öffentlichen Rechts und deren Mitarbeiter dieser Verpflichtung (!) bewusst sind und sie diese auch selbstbewusst vertreten. Und das zählt doppelt, wenn es eine Anstalt ist, für die Meinungsfreiheit zum allerwichtigsten Gut überhaupt gehört.

Eure Kollegen vom österreichischen ORF machen es vor und mucken auf. Sichtbar im Internet. Das ist gut und wichtig und das funktioniert genauso gut auch in Deutschland und beim ZDF. Und zwar unabhängig davon, ob es Festangestellte sind, „Feste Freie“ oder freie Mitarbeiter. Denn wenn es hart auf hart kommt und sich Medien und Politik darauf einschießen, das ZDF zu privatisieren (das böse, böse P-Wort darf ich ja als Nicht-ZDF-Mitarbeiter problemlos sagen), dann verlieren alle: Mitarbeiter, Produktionen, Programm, Gesellschaft. Niemand kann dies wollen und niemand darf dies wollen.

Damit Protest funktioniert, sind Protestierer gefordert. Protestierer stehen immer in der Gefahr, für ihren Protest bestraft zu werden. Protest ist aber wichtig, um Änderung herbeizuführen. Und wenn es viele Protestierer gibt, die kreativ und sachlich ihren Protest darlegen, dann droht keine Gefahr, sondern es gibt Akzeptanz. Es gibt auch eine Welt jenseits des Boulevards und der Bild-Zeitung und es gibt Menschen in diesem Land, die den Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des ZDF schätzen. Und sich einem Protest auch anschließen und Solidarität bekunden, wenn es notwendig ist.

Es darf nicht sein, dass eine sehr kleine Führungsriege im ZDF, der ich ausdrücklich keine Parteilichkeit unterstellen mag, deren Jobs jedoch mit realistisch beurteilbarer Sicherheit von Parteien-Goodwill abgesichert sind, die mediale Zukunft auf dem Verhandlungstisch mit privaten Medienunternehmen verschachert, nur damit es keinen Krawall gibt. Das geht so nicht und es darf nicht sein.

Dialogfähigkeit ist das, was ich von einer modernen Anstalt des öffentlichen Rechts erwarte und erst recht von einer Unternehmung wie dem ZDF, in dem überproportional viele Menschen zusammenkommen, die wissen, wie Medien und Meinung funktionieren. Gelegentlich muss man auch für seine eigene Meinung einstehen und auch kämpfen.

Diese Zeit ist nun gekommen. Es gibt Dinge zu sagen, die jetzt gesagt werden müssen. Wie stellen wir uns Fernsehen in Zukunft vor? Wie stellen wir uns Fernsehen im Internet vor? Wie stellen wir uns Journalismus im Internet und im Fernsehen vor? Fragen, die private Unternehmen nur beantworten, wenn sie sich ordentlich vermarkten lassen, jederzeit auf Kosten der Meinungsfreiheit, wenn es unbequem wird. Die öffentlich-rechtlichen Medien dürfen und müssen sich solchen Diktaten widersetzen.

Ein Addendum wg. einer berechtigten Rückfrage: In der Einleitung schreibe ich, dass ich die Zugriffe vom ZDF-Netzwerk sehe. Das ist erklärungsbedürftig. Natürlich sehe ich diese Zugriffe nur in der Form, dass sie über einen Proxyserver laufen, die zum IP-Adressnetzwerk des ZDF gehören. Dieses Netzwerk beschränkt sich auf öffentliche IP-Adressen von 91.197.28.0 bis 91.197.31.255 (alles recherchierbar beim RIPE). Alles, was aus dem ZDF-Netzwerk nach außen muss, bekommt irgendwann von einem Proxyserver eine öffentliche IP-Adresse aus dem obigen Netzbereich und lässt keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Rechner innerhalb des ZDF-Netzwerkes zu. Um es vereinfacht zu sagen: Ich sehe nicht, wer genau aus dem ZDF-Netzwerk diesen Artikel gelesen hat und kann demzufolge auch solche nicht vorhandenen Informationen auch nicht speichern.