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Kulturkampf 2.0.

1. Mai 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Ich beobachte ja nun schon seit einer ganzen Weile die Schritte der hiesigen Parteien im Internet. Das fing, so viel darf man zugeben, mit den frühen Internet-Aktivitäten von Barack Obama an, als noch jeder fest davon überzeugt war, dass der schwarze Senator aus Illinois nicht einen Hauch von Chance haben könnte, jemals US-Präsident zu werden. Das, war er mal eben so als “Impact” ausgelöst hat, ist nichts anderes gewesen als ein moderner Kulturkampf, der so ziemlich alle elementaren Fronten hatte, die es nur gibt: Jung gegen Alt, Moderne gegen Vergangenheit, Konservatismus gegen demokratischen Sozialismus, mündiger Wähler gegen klassischen Wähler, zentral organisierte und dezentral strukturierte Wahlkampfführung gegen herkömmliche Wahlkampfführung, aufstrebende Politiker gegen alteingesessenes Politestablishment. Letztendlich auch Demokraten gegen Republikaner, was am Ende auch das anvisierte und erreichte Ziel war.

Nun kann man sagen, was man will – die USA sind weit entfernt und viele Aspekte, die in den USA für die Parteienlandschaft und für Wahlen gelten, gelten hier in Deutschland nicht. Beispielsweise ist die Organisationsstruktur der Demokratischen Partei der USA derartig darniederliegend gewesen, dass die dezentrale Strukturierung über das Internet nicht nur ein großer Erfolg war, sondern eine unumgängliche Entwicklung, wenn man nicht vollens auf eine kaum noch funktionierende Partei bauen wollte. So weit sind wir in Deutschland nicht. Ebenso weit sind wir nicht bei den rechtlichen Möglichkeiten, potentielle Wähler nach einer Registrierung sofort auf ihre Vorlieben auszuhorchen und deren Daten aus anderen, verfügbaren Datenbanken zu sammeln und zu migrieren.

Das ist aber auch nicht der Punkt, den ich hochspannend finde, denn so tief greifen muss man offenbar nicht. Der moderne Kulturkampf spielt sich nämlich schon viel tiefer und lapidarer ab: Jede Partei redet davon, dass sie gern mit dem Wähler in Diskussion treten will, besonders gern vor Wahlen. Was aber passiert, wenn es tatsächlich so weit ist? Wie kommt eine Partei und eine politische Bewegung plötzlich damit klar, wenn sie nicht nur weitgehend one-way kommuniziert, sondern plötzlich die Diskussion auch einen echten Rückkanal bekommt und dieser genutzt wird?

Und genau hier spielen sich in meinen Augen inzwischen atemberaubende Entwicklungen ab. Weniger positive – so ehrlich muss man sein, dass noch keine deutsche Partei wirklich den goldenen Mittelweg gefunden hat, perfekt im Internet zu diskutieren – sondern eher negative. Das Paradebeispiel hierbei ist die CDU und ihr Auftreten in StudiVZ, denn hier prallen Welten aufeinander.

Es ist inzwischen kein Geheimnis, dass die Macher von StudiVZ und MeinVZ durchaus in Zusammenarbeit mit Parteien ihre Pforten gegenüber der Politik geöffnet haben. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein, allerdings finde ich, dass eine gute Diskussionsplattform nicht nur davon lebt, dass über Politik geredet wird, sondern dass sie auch Raum für offizielle Darstellungen bieten sollte.

Das Problem der CDU: Ihre politischen Ansichten kollidieren offenbar immer wieder diametral mit den Ansichten der meist jungen Klientel und führt zu harschen Reaktionen auf politische Traktate und klassischen Wahlkampfargumentationen und dann schaukelt sich das alles auch noch ordentlich auf, wenn die Wahlkampfführung mit den harschen Reaktionen offensichtlich nicht klarkommt. So kommt es, dass es zu außergewöhnlichen Kommunikationspannen kommt, beispielsweise so Dingen wie Diskussionsthemen auf dem Diskussionsforum der CDU, in denen Homosexualität als heilbare Krankheit beschrieben wird oder sich die CDU in Foren dazu herablässt, Kritiker an der Thematik von Online-Sperren als Befürworter von skrupellosen Geschäftemacher dargestellt werden.

Authentizität lebt vor allem von ehrlicher Argumentation und davon, Kritik anzuerkennen und zu verarbeiten. Gerade letzteres ist der große, heiße Punkt des Kulturkampfes 2.0 und dieser Punkt kann nicht mit Mitteln aus dem bisherigen Wahlkampfwerkzeugkoffer pariert werden. Aber vermutlich kann ich mir dazu die Finger wundschreiben, wir werden dazu in naher Zukunft höchstwahrscheinlich noch einige weitere Tiefschläge erleben.

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Wahlkampfprojekt Nummer 2.

12. April 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Man kann sagen, was man will: Wer den Wahlkampf zu einer Kommunalwahl unterschätzt, hat schon verloren. Eigentlich dachte ich, dass die Website für den Kommunalwahlkampf eher mittlere Arbeitskategorie ist, dieses Denken habe ich jedoch sehr schnell verloren. Ist auch ziemlich logisch, denn während in den meisten Wahlkämpfen ein einzelner Kandidat zur Wahl steht, sind es bei Kommunalwahlen eine ganze Reihe von Kandidaten.

Bei uns in Pforzheim sind es vierzig Kandidaten. Und damit vierzig Fotos, vierzig Steckbriefe, vierzig Menschen. Und all das muss auf eine Website. Ein Wunder, wenn das alles dann fertig ist.

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Webdesign auf Breitbildschirmen.

6. April 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in World Wide Web

Ich will in der Zwischenzeit meinen echten 16:9-HD-Bildschirm, den ich an meinem PC einsetze, nicht mehr missen und auch nicht mehr hergeben. Zu schnell habe ich mich an das überaus angenehme Bildformat gewöhnt und habe nun auch Platz für mehrere Fenster und Anwendungen mit viel Fensterinhalt.

Was mir aber auch aufgefallen ist, ist der Umstand, dass das Breitbildformat ungeheuer das Formatgefühl des Benutzers beeinflusst. Zum Beispiel kam mir das Format des Bildschirmes deutlich breiter vor, als das meines HD-Fernsehers. Da ich meinen Forscherdrang befriedigen musste, habe ich beide Bildschirme genauestens nachgemessen – beide haben absolut identische Formatdimensionen, der eine ist eben nur 28 Zoll diagonal groß, der andere kommt mit 42 Zoll daher.

Der zweite, gefährliche Effekt betrifft das Abschätzen von Größenverhältnissen. Bei einer Bildschirmbreite von 1.920 Pixel kann man ein Browser-Fenster nicht in voller Breite betrachten, wenn nicht die meisten, betrachteten Web-Seiten albern nur klein in der Mitte angezeigt werden sollen. Also arbeite ich mit einem Browser-Fenster, das etwa 1.200 Pixel Breite hat. Schaue ich dann aber bei einem 4:3-Bildschirm mit meinetwegen echter Bildschirmbreite von 1.280 Pixel Breite die Seite nochmal an, haut es mich vom Hocker, wie riesig die Seite dann daherkommt.

So habe ich auf einer Kandidatenseite mit einem sehr großen Kopf des Kandidaten gearbeitet und bin fast vom Stuhl gefallen, wie riesig das auf einem "normalen" Bildschirm daherkommt. Nun gut, das war so gewollt, aber es ist gewöhnungsbedürftig, dass man aufpassen muss – das Bildformat macht der Intuition und dem Ästhetikgefühl durchaus zu schaffen.

Ich habe übrigens am Samstag in das noch geheime Ding schauen dürfen, was einmal die Kandidatenseite von Frank-Walter Steinmeier zur Bundestagswahl sein wird – das Ding wird der absolute Hammer und bestätigt einige Dinge, die ich auch als zentrale Ansätze von Politik 2.0 ansehe und danach arbeite. Ich konnte kaum ruhig sitzenbleiben.

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Von Obama lernen heißt nicht, ihn zu kopieren.

17. März 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ich glaube, da mißverstehen einige Wahlkampfstrategen eine Sache ganz gewaltig: Einen erfolgreichen Online-Wahlkampf macht man nicht dadurch, in dem man einen anderen, erfolgreichen Wahlkampf optisch kopiert. Das sollte mal jemand dem Team von Dieter Althaus sagen, dessen Website dem großen Original von Barack Obama wie aus der Photoshop-Vorlage geschnitten ist. Allein das ist schon albern genug, denn wenn ein Ministerpräsident freiwillig auf den Werbepfaden eines US-Präsidenten wandelt, dann ist der Begriff “Größenwahn” noch einer der freundlicheren Anmerkungen hierzu. Der fast schon liebevoll-spielerische Einsatz der deutschen Rechtschreibung (stellvertretend das “Triff Dieter Althaus” anstatt korrekterweise ein “Treffe Dieter Althaus”) setzt immerhin noch eigene Akzente, wenn auch kleine.

Das alles ist es aber nicht. Barack Obama hat online nicht mit seinem schicken Website-Design gewonnen und in erster Linie auch nicht mit seinen Web-2.0-Aktivitäten, sondern mit dem geschlossenen Bereich namens “MyBO”, in das man erst nach einer Registrierung hineinkommt und das mit einer Software namens Partybuilder eine Vernetzung der registrierten Benutzer auf internationaler bis regionaler Ebene ermöglicht, quer nach politischen Interessen, Geschlechtern, Herkunft. Diese Vernetzungen waren dann auch die Basis für politische Treffen von teilweise wildfremden Menschen, die auf diese Weise aber genau das machen konnten, was eine Partei ausmacht, nämlich die politische Diskussion fördern und kanalisieren. Der Name “Partybuilder” ist also nicht einfach der Name des Programms, sondern es ist das Programm. Von Ansätzen dieser Idee ist im deutschsprachigen Raum – mit Ausnahme von meineSPD.net, das allerdings auch noch stark ausbaufähig ist – nicht wirklich viel zu sehen.

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Wie twittert man als Politiker?

5. März 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in NetworkingWelt

Weil ich diese Frage nun zum dritten Mal gestellt bekomme und ich in der Zwischenzeit keine Sorgen habe, dass die unqualifizierte Konkurrenz (damit meine ich jetzt gar nicht pauschal die konservative Ecke, sondern eher die Gattung von Politiker, die sich mit der direkten Zwiesprache zum Bürger nicht so ganz wohlfühlen) jetzt mit so einer Anleitung eines Sozis von heute auf morgen ihre jahrelang verschluderte Online-Kompetenz aufgemotzt bekommen: Hier ein Guide, wie man einfach und schnell Twitter gestartet und eingesetzt bekommt:

  1. Anmelden und Einschalten!
    Genau, das ist damit gemeint. Web 2.0 lebt zuallererst davon, dass man mitmacht. Und Mitmachen bedeutet auch durchaus “Learning by doing”, es ist also im Zweifelsfall keine wochenlang dauernde Kommunikationsanalyse erforderlich, sondern man probiert es einfach einmal aus. Eine Anmeldung auf der Homepage von Twitter ist selbst für Ungeübte ein Kinderspiel. Berücksichtigen sollte man beim Twitter-Namen, dass der Name des Politikers darin auftaucht. Nur mal so am Rande erwähnt.
  2. Anpassen!
    Zu einem vernünftigen Twitter-Auftritt gehört zuallererst ein repräsentatives Foto, eine kurze, prägnante Beschreibung zur Person und ein Link zur offiziellen Homepage. In Twitter lässt sich auch der Hintergrund austauschen, entweder gegen eine andere, angebotene Grafik oder gegen eine gänzlich eigene, die einfach hochgeladen werden kann. Hier jedoch darauf achten, dass diese Grafik nicht albern ist und wenn möglich als Kachel bearbeitet ist, da die Hintergrundgrafik kachelartig wiederholt wird.
  3. Andere Twitter-Streams abonnieren!
    Es gehört zum guten Ton, andere Twitter-Streams zu abonnieren (zu “followen”). Das sollten zum einen weitgehend die Follower sein, die den eigenen Twitter-Stream ebenfalls followen, zum anderen aber auch ruhig andere, interessante Twitter-Benutzer. Es besteht übrigens auch kein Grund, den politischen Gegner nicht offiziell zu followen. Lesen kostet an dieser Stelle nichts.
  4. Motto: “Was tust du gerade?”
    Twitter gehört zur Kategorie der so genannten Micro-Blogging-Anwendungen – diese leben nicht von großem Sermon, sondern von kurzen, knackigen Statements, denn eine Twitter-Botschaft darf nur maximal 140 Zeichen lang sein. Die zentrale Botschaft, die auch überhalb der Twitter-Eingabebox steht, lautet dabei: “What are you doing?” Schreibe, was du gerade tust, wohin du gerade gehst, mit dem du dich gerade triffst, welche Gedanken dich gerade bewegen. Micro Blogging ist durch seine Größenbeschränkung erheblich flexibler und bietet sich dadurch erheblich besser für ein “Mitnehmen” an.
  5. Persönliche Ansprachen erkennen und beantworten!
    Zu beachten sind vor allem direkte Ansprachen, entweder in Twitter-Nachrichten, die den eigenen Twitter-Benutzernamen enthalten (z.B. “@besim”) oder als “Direct-Message” direkt an dich gesendet werden. Solche Twitter-Nachrichten sollten beantwortet werden, wobei auch hier die Kürze das Credo ist.
  6. Den eigenen Twitter-Stream in die Homepage einbinden!
    Der eigene Twitter-Stream ist nicht nur auf Twitter oder Twitter-Anwendungen beschränkt, sondern kann auch in die eigene Homepage integriert werden.
  7. Überlege dir eine Mobil-Strategie!
    Gerade beim Thema “Mitnehmen” spielt Twitter seinen Charme aus, denn 140 Zeichen sind überall schnell geschrieben. Für praktisch alle Smartphones und mobile Betriebssysteme, egal ob Windows Mobile, iPhone, Blackberry, gibt es eigene Twitter-Anwendungen, mit denen auch unterwegs – eine Internet-Anbindung vorausgesetzt – sehr schnell und effektiv Twitter-Botschaften abgesendet werden können
  8. Nutze Twitter auch quer!
    Ein Twitter-Stream lebt vom Menschen, der ihn bestückt – aber nicht unbedingt nur direkt über Twitter. Wer beispielsweise einen Weblog betreibt, kann mit Plug-In-Erweiterungen einen Verweis auf einen Weblog-Artikel mit Angabe der Überschrift automatisch twittern. Wichtig dabei ist, dass solche externen Nachrichtenquellen nicht die Überhand nehmen sollten und höchstens in homöopathischen Dosen eingesetzt werden sollten; 25 % des Nachrichtenaufkommens sollten die absolute Obergrenze sein.
  9. Trommle für deinen Twitter-Stream!
    Micro-Blogging-Dienste sind zwar eine Art Mikrokosmos, sollten aber auch aktiv in den bisherigen Kommunikationswegen beworben werden. Gerade Twitter hat eine relativ hohe mediale Präsenz, da bei aktuellen Ereignissen selbst herkömmliche Medien auf Informationen, die über Twitter-Streams veröffentlicht werden, zurückgreifen.

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“Ich” oder “Wir” im Wahlkampf?

1. März 2009 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Eine sehr beliebte Frage im Umfeld von Politik 2.0 ist die Frage, wie man eigentlich als Wahlkampfteam online auftritt. Dazu gebe ich eine Analogie aus dem klassischen Wahlkampf als Argument zur Diskussion: Ein Infostand in der Fußgängerzone einer x-beliebigen Stadt. Dort steht der zu wählende Kandidat, nennen wir ihn einfach mal Jakob Maria Mierscheid, und, sagen wir, zehn Menschen aus seinem Wahlkampfteam, die Gespräche mit Passanten suchen, Material verteilen. Stehen da nun elf Jakob Mierscheids, um mal die klassische Vorgehensweise in der politischen Kommunikation zu beschreiben, oder ein Jakob Maria Mierscheid und zehn weitere Individuen mit eigenem Namen, eigenen Ansichten, eigenen Verbindungen zum Kandidaten, aber alle mit der Gemeinsamkeit, dass sie sich mit dem Kandidaten identifizieren?

Ich halte diese große Portion Authentizität (wenn man nicht gerade ein bezahltes Team für sich laufen lässt) für ein großes Kapital und hohes Gut in einem jeden Wahlkampf und aus diesem Grund steht es außer Frage, dass man dieses Humankapital praktisch zwingend auch im Online-Wahlkampf einsetzen muss – weil es schon da ist. Nichts ist wertvoller als die “Front Runner”, die Menschen, die an der Wahlkampffront stehen.

Wie das funktioniert, machte der Online-Campaigning-Altmeister Barack Obama vor. Und es war deshalb so gut, weil es kaum auffiel, denn es schrieb beispielsweise “David Plouffe, BarackObama.com”. Und genauso kann man es auch im Online-Wahlkampf halten, da ist es dann eben “Thomas Gottschalk, Team Jakob Maria Mierscheid 2009″ oder ähnlich und genau damit werden in der Kampagne E-Mails absenderadressiert oder das Wahlkampf-Weblog bestückt.

Wenn man nicht gerade jeden Tag einen neuen Namen einführt und die Leute des Wahlkampfteams auch einmal im Bild hat, leidet darunter keinesfalls die Glaubwürdigkeit. Genau das Gegenteil wird der Fall sein.

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Wer will eigentlich das bedingungslose Grundeinkommen?

16. Februar 2009 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ja, das frage ich mich derzeit gerade. Will es der Bürger? Oder will es ein Lobbyverband? Oder wollen es eher Teile von Web-2.0-Sphären, die mit diversen Online-Petitionen, Twitter-Spam (ja, Spam) davon träumen, mal eben geschwind’ die Obama-Nummer hier durchzuziehen? Zumindest letzteres erreicht nämlich derzeit eher schrille Ausmaße.

Grundsätzlich: Verstärkt den Konsum zu besteuern und eher weniger die Arbeitsleistung, ist generell keine dumme Sache, zweifellos. Es ist auf den ersten Blick nicht wirklich sinnvoll, Arbeit immer weiter dadurch zu verteuern, um damit rein den Staat zu finanzieren, denn schließlich müssen alle konsumieren, während nicht alle arbeiten müssen/wollen/können. Und freilich hört es sich auch einfach toll an, wenn man praktisch keine Einkommensteuer mehr zahlen soll, sondern auch noch 1.500 Euro (eine Planzahl von vielen) bar vom Staat auf die Hand bekommt, erst mal für umme.

Die Probleme kommen allerdings mit dem zweiten Blick und davon sind genügend Aspekte schlicht Bindflüge erster Güte:

  • Die Idee des Grundeinkommens lebt davon, dass in noch stärkerem Maße Konsum stattfinden muss. Keiner weiß, was passiert, wenn dieser Konsum nicht stattfindet, was in einem sparwütigen Land wie Deutschland ein nicht wegzudiskutierendes Thema ist.
  • Es gibt bereits eine Konsumsteuer, die nennt sich Mehrwertsteuer und die ist mit 19 % schon nicht knapp genug. Sie ist zwar im Europavergleich relativ niedrig, allerdings gibt es auch nicht allzuviel Luft nach oben.
  • Niemand kann wirklich fundiert sagen, was für Auswirkungen ein Grundeinkommen auf den Arbeitsmarkt haben wird. Einerseits wird logischerweise Arbeit billiger, es steht auch der Ansatz im Raum, dass einfache und bisher schlechtbezahlte Arbeit schlicht besser bezahlt werden muss, damit sie getan wird, aber dadurch wird diese wiederum teurer und durch eine Konsumsteuer noch zusätzlich verteuert.
  • Das Grundeinkommen, besonders die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen, stellt den fundamentalen Ansatz, dass der Staat dann da ist, wenn er benötigt wird, komplett auf den Kopf. Ich möchte nicht, dass der Staat mir erst mal ohne Gegenleistung Geld überweist und ich das dann teuer wieder zurückgeben muss. Wohlgemerkt: Ich. Der Grenznahe, der Reiche, der Pfennigfuchser, der Online-Käufer, die werden das Geld ins Ausland tragen oder zum Schmuggler um die Ecke.

Über eine andere Sache muss man sich übrigens auch klar werden: Das Steuersystem ist immer so gerecht, wie es das Volk fordert. Selbstverständlich kann man ein Steuersystem radikal vereinfachen, das geht jedoch logischerweise auf Kosten von Ausnahmen. Und von Ausnahmen profitieren lange nicht nur Reiche, sondern vor allem die arbeitende Mittelschicht – man denke da nur an so liebgewonnene und aus verschiedenen Gründen nicht immer zeitgemäße Schlager wie die Pendlerpauschale, der Sparer-Pauschbetrag, die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage und viele andere gewachsene, wilde und doch eifrig genutzte Kuriositäten mehr. Mit halben Sachen ist ein Grundeinkommen nicht zu machen und ich bin mir nicht sicher, ob der harte Schnitt da auch gut in der Mittelschicht, die letztendlich auch weiterhin den Bärenanteil am Steueraufkommen zahlen wird, ankommt.

Eine andere Sache, die mich schwer stört, ist jedoch wieder eine Sicht in die Web-2.0-Welt und damit in die aktuellen Bewegungen in der Twitter-, Facebook- und Blogosphäre: Regierungsarbeit und Wahlkampf sind zwei grundverschiedene Dinge, auch wenn ersteres zunächt einmal letzteres bedingt. Man kann noch so hübsch im Wahlkampf die so genannte Bürgerdemokratie und die Graswurzelbewegung hochhalten – mit Regierungsarbeit hat das nur damit zu tun, dass man schön davon träumen kann.

Und machen wir uns mal bitte eine Sache nicht vor: Der Herr Obama ist sicherlich ein sympathischer Mensch, mit dem ich durchaus auch gern mal ein Bier trinken gehen würde, der sicherlich einige sehr erfrischende Thesen in petto hat und weit transparenter ans Werk geht, als sein amtsfrigider Vorgänger im Amt. In sein Tagesgeschäft und in seine oberste Gestaltungshohheit wird sich jedoch auch ein Herr Obama weder von seinen Twitter-Feed-Lesern, noch von Bloggern hereinreden lassen. Der große Diskurs und die große Enttäuschung ist in meinen Augen da nur eine Frage der Zeit.

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Eine kleine Erfolgsgeschichte.

29. Januar 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Das SPD-Blog Baden-Württemberg war schon immer ein seltsames Ding. Schon zu Beginn meiner Zeit, als ich im Dezember das Blog das erste Mal sah, wunderte ich mich, wie schnell man da zum Schreiben kam. Einfach mal angemeldet, sofort freigeschaltet und dann einfach mal Schreiben, was ich auch gleich schamlos dazu ausgenutzt habe, im Vorfeld des Landtagswahlkampfes den Spitzenkandidaten der Konkurrenz ins Visier zu nehmen. ;-)

Nach der Landtagwahl 2006 kam auch im Blog etwas die Katerstimmung auf. Einige Initiatoren waren anderweitig mit Projekten beschäftigt, anderer hatten schlicht keine Lust (darunter zähle auch ich) und im Laufe der Zeit wurde dann auch die vorhandene WordPress-Installation immer älter und älter.

Die Unkompliziertheit des Blogs war einer der wichtigsten Punkte des Blogs. Die Internet-Aktivitäten des Landesverbandes waren zum damaligen Zeitpunkt bescheiden, die Landesverbandsseite mehr schlecht als recht und dass dann auch noch Leute aus der Basis auf einer halboffiziellen Website des Landesverbandes einfach mal so schreiben konnten, das war schon etwas besonderes. Und obwohl in der Zwischenzeit der baden-württembergische Landesverband in Sachen Webpräsenzen in den Gliederungen und Arbeitsgemeinschaften bundesweit zu den besten Landesverbänden gehört, hat das Blog immer noch seinen eigenen Charme.

Im letzten Jahr hat dann Dirk Baranek in unseren regelmäßigen Gesprächen über die Internet-Aktivitäten des Landesverbandes das Thema des etwas anstaubenden Blogs angesprochen. Man muss es wie im klassischen Projektmanagement angehen, denn nichts anderes geht an dieser Stelle, wenn mehrere Menschen etwas bewerkstelligen sollten. Wir haben dann eine Art Frühjahrsputz begonnen (was von der Zeit her eher ein “Herbstputz” war), WordPress aktualisiert, dem ganzen Ding eine neue Tapete verpasst und begonnen.

Schön ist es, wenn zwei Leute ein redaktionelles Tandem besteigen und einfach “Diskussionsgras” aussäen. Das hat dann erstaunlicherweise sofort vom ersten Tag an funktioniert, was zeigte, dass das Blog noch in genügend RSS-Readern vor sich hinschlummerte. Dann noch etwas die sozialdemokratische Bloggerbasis informieren und schon waren wir wieder im Geschäft. Den virtuellen Defibrillator, den wir für alle Fälle im Schrank hatten, brauchten wir dann schon mal gar nicht. Und wir haben weder einen Artikelplan, noch eine Redaktionssitzung.

Der Nebeneffekt ist, dass das offensive Bloggen offensichtlich ansteckend wird. Kaum machen ein paar die Speerspitze, trauen sich die anderen auch aufs Boot. Mit Ute Vogt und Jörg Tauss sind es immerhin die Landesvorsitzende und der Landesgeneralsekretär, die nun auch das Blog geentert haben. Es funktioniert. Man muss säen. Nicht einfach nur das Holz und den Bauplan hinstellen sondern konkret anfangen, das Schiff zu bauen und dabei davon zu sprechen, was am Ende mit diesem Schiff gehen kann.

Mit gutem Gewissen können Dirk und ich sagen, dass das Blog wieder auf bestem Wege ist. Und es zeigt sich, dass ein thematisch eng begrenztes Blog auch nach einer Ruhephase wieder zu Leben erweckt werden kann, wenn man konsequent Gas gibt und eine Projektleitung hinstellt.

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Wann ist authentisch authentisch?

28. Januar 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

netzpolitik.org ist an sich eine interessante Geschichte von Leuten, die offensichtlich verstehen, wie Politik funktioniert und wie Politik zusammen mit dem Internet und übrigens auch das Internet zusammen mit Politik funktionieren kann. Es gibt allerdings auch Überraschungen.

So wundert man sich, dass Thorsten Schäfer-Gümbel möglicherweise für seine Twitter-Aktivitäten einen Berater hat, der ihm mindestens einen Twitter-Artikel vorgeschrieben oder möglicherweise den Artikel in seinem Namen auch abgesendet hat. Inhaltlich geht es um eine kleine Aktion, in der Thorsten Schäfer-Gümbel ankündigt, den 2014. Twitter-Follower zu einem Essen einzuladen, um mit ihm über dies und das in Sachen Politik zu schnacken. Denn nach Recherchen wurde genau dieser Tweet vorher von einem User namens “oliverbarracuda” gesendet und die Agentur Barracuda gehörte im Wahlkampf von Thorsten Schäfer-Gümbel zu den externen Beratern im Wahlkampf.

Wie auch immer: Ist das jetzt tatsächlich ein Hammer, dass ein Politiker für seine PR-Aktivitäten und seine Wahlkämpfe externe Berater einbindet? Beziehungsweise glaubt tatsächlich jemand, Politiker außerhalb der Kreisklasse schaffen einen überzeugenden, Personenwahlkampf ganz allein und klebt möglicherweise seine Plakate selbst? Oder mal ganz themenwechslerisch gefragt: Wird Werbung für ein Waschmittel auch von den Leuten gemacht, die das Waschmittel tatsächlich herstellen? Wann ist etwas authentisch?

Politik ist, zumindest in der Demokratie, ein Mannschaftssport. Ebenso sind auch Wahlkämpfe Teamarbeit, die, wenn sie gut sein sollen, auch gar nicht vom jeweiligen Kandidaten selbst geleitet werden. Überall lebt ein Wahlkampf von der Kommunikation von Inhalten und das geschieht in den allermeisten Fällen in einer stellvertretenden Situation. Ich bin nicht der Kanzlerkandidat, für dessen Werte ich letztendlich auch eintreten könnte. Ich bin auch nicht jemand, der alle Dinge gut findet, die in einem Partei- oder Wahlprogramm steht. Dennoch trage ich es in der Gesamtheit mit, wenn ich in einem Wahlkampf mitmache. Und wenn sich da jetzt schon in einer Steilvorlage sieht und den Kommentar vorbereitet: Das ganze, moderne Leben besteht aus Fragen, wann bei einer Sache die Menge der Vorteile so über die Nachteile überwiegen, dass man dafür eintreten kann. Denkt dran, wenn das nächste Mal die Blase drückt, während ein spannendes Fußballspiel läuft. That’s it.

Um nochmal auf einen modernen Wahlkampf zurückzukommen: Ich halte es in einem modernen Wahlkampf für inzwischen eminent wichtig, darzustellen, dass es nicht nur einen Kandidaten und eine Partei gibt, sondern dass es einen Kandidaten und viele Menschen gibt. Menschen haben Meinungen, keine Parteien. Genau das ist ein zentrales Credo des Wahlkampfes von Barack Obama gewesen und mir kann wirklich keiner erzählen, dass Barack Obama seinen Twitter-Stream selbst befüllt hat.

Muss er aber auch gar nicht wirklich getan haben, denn viel wichtiger ist für mich als politischer Mensch, dass Barack Obama weiß, dass er einen Twitter-Stream hat und vor allem auch weiß, dass dieser Kommunikationsweg nicht One-Way ist. Denn dann verstehen wir und dann versteht auch er. Und deshalb können auf echten Wahlkampf- und Parteienblogs auch echte Namen von Menschen aus den Wahlkampfteams oder der jeweiligen Partei stehen, weil sie eine Mission und Vision eines Menschen oder einer Partei mit vertreten.

Das ist dann auch meine Message an die lästernden Kiddies vom “Webcamp09” der CDU Hessen, denn während Thorsten Schäfer-Gümbel zumindest zu einem großen Teil nachweislich selbst twittert, glaube ich kaum, dass Roland Koch überhaupt weiß, was Twitter eigentlich ist. Viel schlimmer dabei ist, dass man es einem Roland Koch abnehmen würde, authentisch sein zu wollen, nur weil er möglicherweise irgendwann einen Twitter-Stream hat.

Und spätestens dann ist ein “Webcamp09″ nichts anderes wie eine lausige Wahlkampfstrategie von einigen aufgedrehten und schlecht gekämmten Schreihälsen, die glauben, man müsse nur die Begriffe “Camp”, “WordPress” und “Twitter” in eine Büchse werfen, ordentlich schütteln, laut schreien und dann gewinnen. Denn aus der Warte betrachtet, hat die Strategie eigentlich granatenmäßig versagt, wenn man berücksichtigt, dass bei der jetzigen Hessen-Wahl die CDU am ihrem Ergebnis praktisch nichts verändern konnte.

Mir kommt da immer das lustig-bunte Wahlkampfteam des Günther Oettinger im Landtagswahlkampf 2006 in den Sinn, das aus einem Haufen junger Leute bestand, die wie die Duracell-Hasen die Umgebung von Infoständen mit dem Spitzenkandidaten unsicher gemacht haben. Und was waren sie: Gekaufte PR-Hasen von einer Agentur aus Hamburg, die noch nicht mal in der Jungen Union oder in der CDU Mitglied waren.

Wann ist authentisch nochmal authentisch?

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