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Obama 2012 – Mobilisierung.

15. September 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Ein Amtsträger kann es bei einer aufkommenden Wiederwahl verhältnismäßig ruhig angehen lassen. Der Amtsbonus ist auch heute noch immer noch das stärkste Kapital, das ein Kandidat in einen Wahlkampf einbringen kann. Und tatsächlich spielt es am Anfang kaum eine Rolle, ob der Amtsträger zum Zeitpunkt des Wahlkampfbeginnes wirklich besonders geliebt ist oder nicht.

Der Wahlkampf von “Obama 2012″ begann im Juni diesen Jahres, also schlappe 17 Monate vor der eigentlichen Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 und eigentlich noch inmitten der aktuellen Legislaturperiode, die im Januar 2009 begann. So ein früher Start hat vor allem eine Aufgabe: Mobilisierung der Anhänger mit einem “Slow Start” und die Wahlkampfkasse füllen.

Mobilisierung

Mobilisierung hat in den USA einen ganz anderen Stellenwert, als hierzulande. Während in Deutschland relativ gut organisierte Parteikader die Wahlkämpfe organisieren und abwickeln, ist das in den USA gänzlich anders. Parteimitgliedschaften gehören eher zu seltenen Sichtungen und Wahlkampfbewegungen werden vor allem durch Mitstreiter und Befürworter gestemmt, die mehr oder weniger überzeugt sind vom jeweiligen Kandidaten, für den sie kämpfen. So gibt es quasi für jede Minderheit eine eigene Wählerinitiative… Latinos, Albanier, Russen, Soldaten, Ärzte, Rocker, Homosexuelle. Das trägt mitunter so skurrile Züge, dass im Obama-Wahlkampf 2008 sogar eine eigene Obama-Initiative von und für Republikaner existierte – also der Partei des Gegners.

Die eigentliche Revolution im Obama-Wahlkampf 2008 war die Organisation dieser ganzen Strukturen via Internet über ein Organisations-Framework namens “Partybuilder” des Unternehmens Blue State Digital. Zum Partybuilder werde ich in einem späteren Artikel ausführlicher schreiben. Für Obama 2012 ist aber schon jetzt absehbar, dass Partybuilder wieder zum Zug kommt und auch schon wieder eingesetzt wird. Nun aber mit dem Unterschied, dass nun auf einen bereits bestehenden Bestand von zehntausenden Mitstreitern zurückgegriffen werden kann.

Bei der Mobilisierung geht es also in erster Linie um die initiale Kontaktaufnahme zur Adressprüfung und natürlich auch zum indirekten Check, ob der Mitstreiter von damals auch ein Mitstreiter von morgen werden könnte. Dementsprechend sind auch die Mailings gehalten, nämlich sehr direkt. Ich wurde von Jeremy Bird, seineszeichen “National Field Manager” von “Obama for America”, in einer der ersten Mails sehr direkt in der Betreffzeile gefragt: “Besim, can you organize in Pforzheim?” Kurze Ansagen und gleich ein Button auf den geschlossenen Bereich der Kampagnenseite, wo man sich mit seinen bisherigen Zugangsdaten einloggen kann und schon ist man wieder mitten in der Kampagne. Und auch hier wieder ein Kennzeichen einer authentischen Kampagne: Es schreibt nur dann Barack Obama als Absender, wenn auch tatsächlich er kommunizieren soll. Sein direktes Wahlkampfteam ist mit vollem Namen in der Kampagne unterwegs.

Die Kampagne selbst ist aktuell erwartungsgemäß locker. Auf der Kampagnen-Website dominiert derzeit ein Weblog, das sich auf politisches Smalltalk beschränkt. Hier und da ein paar Twitter-Äußerungen von Obama und Biden, ein paar Eindrücke aus den Organisationsvorbereitungen. Der derzeit einzige politische Punkt ist der “Americans Job Act”, eine Art Beschäftigungsplan für die Zukunft, der vor allem eines ist, prophetisch im Ton und pauschal in den Versprechungen. Mehr muss man sich auch gar nicht derzeit antun, denn so lange die Republikaner keinen eigenen Kandidaten und auch kein Programm haben, ist Wahlkampf auch völlig Fehl am Platze. Wahlkampf ohne Gegner hat eine gegenteilige Wirkung, als eigentlich beabsichtigt.

Dafür ist nun aktuell im geschlossenen Bereich Prosa angesagt. Jobangebote für Mitstreiter, Einladungen zu internen Schulungen und Workshops und Ansagen aus der Wahlkampfzentrale und direkt vom Präsidenten, der sich publikumswirksam (angeblich) mit einigen Mistreitern zum “Businesslunch” getroffen hat. Das hat alles das Ziel, gute Stimmung im Team zu erzeugen. “Wir” sind es. “Wir” stehen Seit’ an Seit’. Und so weiter und so fort.

Diese Vorgehensweise setzt sich nahtlos auf mobilen Geräten fort, unverständlicherweise derzeit aber nur auf iPhone/iPad. Dort ist ebenfalls im Juni eine Obama-2012-App erschienen, die als Nachrichten-App daherkommt und letztendlich nur die Inhalte aus der Kampagnen-Website übernimmt, das aber sehr übersichtlich und vor allem sehr augenfällig. Die App erfüllt daher zwei Zwecke: Informationskanal zum Empfänger und Werbung für die Freunde des Gerätebesitzers, die bei einem Blick auf das iPhone/iPad sehen, dass da ein Obama-Fan sitzt.

Wahlkampfkasse

Das Füllen der Wahlkampfkasse ist dagegen eine absolute Notwendigkeit und wird sicherlich wieder mehrgleisig stattfinden. Einerseits über den Verkauf von krass überteuerten aber eben “uniquen” Merchandising-Produkten wie Kaffeetassen, T-Shirts, Mützen, Taschen, Aufklebern etc., die vor allem Zugehörigkeit signalisieren sollen. Aus diesem Grund beschränkt man sich wohl aktuell auch auf Produkte, die “getragen” werden können und die hier und da auch brillante Ironie an den Tag legen (höchstwahrscheinlich aber auch nur jetzt zu Beginn des Wahlkampfes). Beispielsweise die “Made-in-USA”-Tasse, die daran erinnert, dass nicht nur die Tasse aus den USA kommt, sondern auch Barack Obama, deshalb der Abdruck seiner Geburtsurkunde auf der Rückseite:

Andererseits werden, natürlich nicht ganz so öffentlich, auch wieder die Fundraiser unterwegs sein und Unternehmen abklappern, um größere Spenden zu avisieren. Zwar steht sehr deutlich unter den aktuellen Fundraising-Newslettern, dass man vor allem aus Kleinspenden finanziert werden wird, aber Großspenden werden sowieso erst dann gebraucht, wenn es in die heiße Phase geht. Was jetzt allenhalber gebraucht wird, sind Commitments.

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Obama 2012 – Start eines Wahlkampfdossiers.

10. September 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Im Januar 2009, kurz nachdem Barack Obama als US-Präsident eingeführt wurde und wir in Pforzheim mit dem Oberbürgermeisterwahlkampf angefangen haben, ist mir eines sehr unangenehm aufgefallen: Da habe ich nun fast ein Jahr lang den Online-Wahlkampf von Barack Obama als Zuschauer mit begleitet, einige sehr interessante Beobachtungen gemacht, viele Dinge gelernt und einige Rückschlüsse gezogen und hatte kaum Notizen und Screenshots. Das habe ich zwar dann noch im Januar nachgeholt, aber eine zentrale Erkenntnis war, dass das Online-Campaigning von Barack Obama ständig in Bewegung war. Und Bewegung bedeutet, dass vieles, mit dem begonnen wurde, schon während des Wahlkampfes eingestampft wurde und neue Dinge an den Start gingen.

Das passiert mir nicht noch einmal, zumal mit dem kommenden Wahlkampf von Obama sicherlich wieder Kampagnengeschichte geschrieben wird. Ich habe deshalb beschlossen, hier in meinem Weblog ein Wahlkampfdossier zu beginnen, in dem ich Dinge aus dem kommenden Wahlkampf von Barack Obama thematisiere. Das wird sicherlich kein komplettes Wahlkampfhandbuch, was dank der kulturellen Unterschiede (sehr, sehr vorsichtig ausgedrückt) auch nicht sonderlich nützlich wäre. Augenmerk will ich auf die Kernpunkte legen und vor allem versuchen, die zeitliche Organisation der einzelnen Stadien nachzuvollziehen. Und natürlich: Screenshots, Screenshots, Screenshots.

Erkennbar wird das Dossier am Kampagnenlogo, mit dem ich die Artikel kennzeichnen werde.

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Vortrag zum 5. BlogCamp Switzerland.

4. September 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Wenn wir nicht alle verschlafen haben, dürfte ich jetzt gerade auf dem Weg nach Zürich sein, um dort am fünften BlogCamp Switzerland teilzunehmen, bei dem ich als Rookie zum ersten Mal dabei bin. Hierzu habe ich einen Vortrag im Gepäck, der sich mit dem Thema Online-Campaigning im Bürgermeisterwahlkampf beschäftigt und eine Zusammenstellung der wichtigsten Erfahrungspunkte in Sachen Weblog beim Pforzheimer OB-Wahlkampf 2009 von Gert Hager darstellen soll. Wird ein hochkomprimierter Vortrag, bei dem ich mich, wie vorgestern schon befürchtet, schon etwas frage, wie ich das in 20 bis 30 Minuten unterbringen werde, aber wir fahren ja auch nicht in den Streichelzoo.

Here we go, hier die PowerPoint-Vortragsunterlagen:

View more presentations from besimk.

Und hier als PDF: Vortragunterlagen “Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf”

Hinweis: Der Vortrag ist nicht im Namen von Gert Hager entstanden und damit kein offizielles Statement von ihm, der SPD oder der Stadt Pforzheim.

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Der Mann, der nicht twitterte.

16. November 2009 | 8 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Na da hat US-Präsident Barack Obama offensichtlich in ein Wespennest gestochen, als er vor chinesischen Studenten in Shanghai auf die Frage, ob diese twittern sollten, antwortete, dass er noch nie Twitter benutzt habe. Und das dann ausgerechnet zu Diskussionen über das Verified-Account-Siegel führt, das Twitter den prominenten Besitzern von eigenen Twitter-Accounts anbietet und dass auch der Twitter-Account von Barack Obama schmückt.

Um es mal sehr deutlich zu sagen: Wer tatsächlich glaubte, Barack Obama habe jemals selbst mit seinen eigenen zehn Fingern getwittert oder gebloggt, muss schon ein sehr hoffnungsfrohes Bild von Politik in der Enterprise-Klasse haben. Schon in den unteren Wahlkampf- und Politikklassen ist eine Handvoll Zeit, die man braucht, um Äußerungen innerhalb einer bestehenden Kommunikationsstrategie einzupassen, eine Sache, die man einfach nicht hat und die man innerhalb eines Teams zwangsläufig delegieren muss. Die Alternative wäre das, was wir an den Politikern “von gestern” bemängeln: Gar nichts schreiben.

Es ist bei Äußerungen von Politikern immer so eine Sache, wie man Meinung verkauft. In erster Linie ist es erst einmal der Kandidat, der für die Thesen steht, die unter seinem Namen “verkauft” werden. Liest man also eine Pressemitteilung, einen Artikel auf seiner Homepage oder in seinem offiziellen Twitter-Stream, dann ist es erst einmal der Kandidat, der da verkündet. Damit kann man es schon mal bewenden lassen, denn selbst wenn eine Äußerung im offiziellen Twitter-Stream von Barack Obama nicht von ihm selbst geschrieben wurde, gehe ich davon aus, dass Barack Obama das vertritt, was er da schreiben lässt.

Twitter lässt sich als ein sehr persönliches Sprachrohr nutzen und das tun viele Menschen auch, in dem sie selbst die Buchstaben eintippen – aber von müssen steht da nichts.

Im übrigen hätte man nur die Online-Kampagne von Obama näher betrachten müssen, um schon sehr lange zu wissen, dass sie Obama nicht selbst erfunden und gefahren hat. Das Unternehmen hinter der Strategie nennt sich Blue State Digital, macht das auch nicht zum ersten und letzten Mal und wenn man sich das offizielle Kampagnenblog anschaut, so haben da schon immer viele Menschen aus dem Team Obama mitgeschrieben, aber eben alle eine Sache gemeinsam vertreten. Das ist moderner Wahlkampf.

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Der (nicht vorhandene) Online-Wahlkampf der CDU.

21. August 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Die Parole der CDU-Wahlkampfführung, den Wahlkampf nur noch auf die letzten zwei bis vier Wochen vor der Bundestagswahl zu beschränken, hat viele erstaunt. Der Ansatz, nur einen ganz kurzen Zeitraum zu nutzen und das mit einem "harten" und "kurzen" Wahlkampf zu begründen, der es dann bringen soll, ist schwer verständlich, nicht nur für alte Wahlkampfhasen, sondern gerade für die neuen.

Denn mit dieser krassen Beschränkung auf so einen kurzen Zeitraum hat man damit, obwohl nicht wirklich gesagt, gleich mit angegeben, dass man kein Online-Campaigning machen möchte und offenbar auch nicht die allgemeine Losung an die Bundestagskandidaten gegeben hat, gefälligst vernünftiges Politik 2.0 abseits vom obligatorischen Twitter-Stream zu betreiben (um den sich dann gern der Praktikant oder der “Internet-Beauftragte” mit dem iPhone kümmert).

Denn hätte man das getan und wollte man tatsächlich Politik 2.0 für den Bundestagswahlkampf nutzen, wäre es dazu schon jetzt weitgehend zu spät – wir haben nur noch knapp fünfeinhalb Wochen bis zur Wahl. Aus meiner bisherigen Erfahrung sind zwei Monate das absolute Minimum, wenn man ein Wahlkampfblog starten möchte und schon so ein Zeitraum von acht Wochen bedeuten, dass man vom ersten Tag an zu klotzen hat wie ein Berufsblogger. Von Null auf Hundert in einer Handvoll Tagen? Keine Chance, wenn es nicht zur Eigenunterhaltung verkommen soll oder der Autor des Blogs derart prominent ist, dass er auf diese Weise die Leserschaft anlockt.

So sehe ich auf CDU-Kandidatenseiten landläufig nichts außer den typischen, von CDU-nahen Dienstleistern zentral gepflegten TYPO3-Installationen, die dann auch noch in den meisten Fällen stiefmütterlich gepflegt sind und dank fehlender Flexibilität teilweise zweckentfremdete Module haben; einen simplen TYPO3-Kalender als Blog zu missbrauchen, ist derart peinlich, dass ich mich glatt weigere, dieses gefundene Beispiel eines baden-württembergischen CDU-Bundestagskandidaten zu verlinken.

Ansonsten auf Bundesebene? Wenig. Ein Blog gibt es nur im “teAM Deutschland” und das zählt nicht wirklich als authentisches Blog, weil die Autoren sich erstaunlicherweise gar keine Mühen geben, die Distanz zwischen sich und den Lesern zu verringern. Die Artikel sind lieblos, keine direkte Ansprache, alles sauber gebügelt und – einer der kleinen Geheimrezepte – kein Artikel hat einen benannten Autor. Ein Team ohne Menschen, zumindest da, wo man Menschen voraussetzt, die wenigstens schon jetzt Wahlkampf machen oder zumindest vorbereiten sollten?

Es beruhigt mich ein Umstand: Politik 2.0 ist eine Veranstaltung, die nach wie vor gänzlich ohne die CDU stattfindet. Besser ist das, für die CDU und für den Wähler. Den Rest zur Online-Inkompetenz erledigt die fesche Uschi mit ihren unterirdischen und höchst skandalösen Wahlkampfauftritten, denen ich mich in Kürze auch noch kommentartechnisch widmen werde.

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