Wahlempfehlung zur OB-Wahl in Pforzheim.

Okay, die Wahlempfehlung für den Amtsinhaber Gert Hager ist absehbar, da ich auch dieses Mal im Wahlkampfteam dabei bin und die Online-Kommunikation steuere. Also, ich wähle Gert Hager. Das sage ich mit einigen Freunden übrigens schon seit Ostern mehrmals am Tag in fast allen Pforzheimer Kinos in einem wunderbaren Kinospot, den wir zusammen mit Pforzheimer Filmemachern produziert haben:

Gert Hager kenne ich inzwischen seit zehn Jahren und seit acht Jahren als Oberbürgermeister. Keinesfalls verlorene Jahre für Pforzheim, sondern gewonnene. Es ist klar, dass ein OB in acht Jahren nicht jeden Mist abräumen kann, der Jahre oder schon Jahrzehnte vor ihm vor sich hinwelkte in unserer Stadt. Den Strukturwandel haben wir in Pforzheim nie wirklich angefasst vor Gert Hager, sondern einfach an die Randgebiete unserer Stadt gedrängt. Aus dem Auge, aus dem Sinn.

Auch wenn Pforzheim einen engen Haushalt hat und für den Doppelhaushalt 2017/18 sparen muss – es ist rein gar nichts verloren, sondern vieles in der Pipeline. Pforzheim hat geradezu einen Boom an Unternehmensansiedlungen, die vornehmlich nur deshalb scheitern, weil jahrzehntelang „vergessen“ wurde, neue Gewerbegebiete auszuweisen. Der Effekt, dass viele Unternehmen aus dem Stuttgarter Raum händeringend Platz brauchen und auch im Pforzheimer Raum suchen, ist schon längst da. Die Region zwischen Karlsruhe und Stuttgart wird immer stärker zusammenwachsen und es hat ewig gedauert, bis das auch mal in der Politik Pforzheims so erwähnt wurde. Rund 10.000 neue, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Pforzheim sind eine Ansage, die man nicht wegwischen kann. Es geht uns immer besser und auch die Arbeitslosenquote sinkt bei uns in Pforzheim überdurchschnittlich stark gegenüber dem Landesdurchschnitt. Bei den folgenden Infografiken, die übrigens alle aus meiner Hand stammen, ist rein gar nichts gelogen. Es sind echte Fakten, belegt mit harten Zahlen:

Für mich wichtig ist auch dieses Mal, dass ich in diesem Wahlkampf, den ich mit den ersten Gesprächen schon seit über eineinhalb Jahren begleite, nicht ein einziges Mal vor der Situation stand, in der eine Haltung von Gert Hager gegen meine persönliche Haltung stehen würde. Ich habe meine Heimatstadt, so verschlafen sie manchmal daherkommt, sehr gern und seitdem ich mich im Laufe der letzten Monate in all die vielen Entwicklungsprojekte eingelesen habe, eigentlich noch viel lieber. Wir gehen mit unserer Heimat allenhalber viel zu schlecht um, anstatt zu fragen, wie wir denn etwas mit besser machen könnten. Es ist so einfach, einfach mal positiver zu denken und die getanen Schritte weiterzudenken.

In diesem Sinne müssen wir weiter gehen und dürfen nicht stehen bleiben. Daher ist meine Wahlempfehlung, das Kreuzchen bei Gert Hager zu machen.

Zum abgesagten Faschingsumzug in Pforzheim.

Es folgt eine Polemik, vom ersten bis zum letzten Wort.

Fasching in unserer Region ist eine sehr ambivalente Angelegenheit. Zentrale Regel: Fasching hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Spaß zu tun. Fasching ist harte Arbeit. Die Organisation eines Faschingsumzuges ist richtig viel Arbeit und kostet auch genügend Schotter. Da wird von den Organisatoren deshalb auch erwartet, dass der Zuschauer sich bitteschön auf industrielle Weise darüber zu freuen hat. Also stundenlang Freude vorgaukeln, die Hälfte der Büttenreden nicht verstehen und auch bei den Umzugswagen selten auf den Trichter kommen, um was es eigentlich geht. Und wehe dem, der Fasching nicht als Arbeit versteht und versucht, sich tatsächlich zu freuen …

Der Fasching.

2006 war meine erstmalige Teilnahme am Dillsteiner Faschingsumzug in Pforzheim, der traditionell am Dienstagnachmittag stattfindet. Also zu einer Zeit, wo viele Väter entweder noch arbeiten, gerade zurückfahren oder schlicht keinen Bock auf den Umzug im zugigen Stadtteil Dillweißenstein haben und lieber den Tag vor der Glotze bei den echten Fasnachtsveranstaltungen verbringen. 2006 fand mein erster Umzug (von insgesamt dreien) für die SPD statt, was in unserer schwarzen Region ein unglaublicher Skandal zu sein schien. Es war Wahlkampf, es war dummerweise meine Idee.

Nun erträgt man Fasching im nüchternen Zustand nicht ohne gesundheitliche Spätschäden. Als Organisator hielt ich meinen Alkoholkonsum in sehr engen Grenzen und das war nicht gut. Zu sehen, wie praktisch wirklich jeder der Umzugsteilnehmer und -organisatoren betrunken ist, ist unschön. Keine Sau interessierte unsere vorherige Anmeldung, das Einschreiben in die Teilnehmerliste vor Ort geschah unter Beobachtung von drei uralten und ebenfalls schon auf Pegel stehenden Verantwortlichen und unsere mühevoll gezimmerten Sicherheitsaufbauten auf dem Faschingswagen interessierte letztendlich keine Sau.

Den Umzug stellen wir uns selbst so vor: 2,5 Kilometer Zufahrt, 200 Meter „heiße Zone“ mit 25 Meter Ehrentribüne der politischen VIP. Dort und auch nur dort findet Beschallung und Kommentierung statt, dementsprechend dort finden sich auf dem Ludwigsplatz auch mehrere tausend Menschen ein. Die 2,5 Kilometer lange Zufahrt ist dann der Umzug, wo das gesamte restliche Publikum herumsteht, zuschaut, auf die Bonbons wartet.

Nun ist es so, dass in den vergangenen Jahren die Beschaulichkeit des Umzuges verschütt‘ gegangen ist. Es kamen immer mehr so genannte „alkoholisierte Jugendliche“, eine nette Umschreibung für das eigentlich gemeinte Wort „Ausländerkinder“. Die waren zwar oftmals gar nicht betrunken, aber deutlich lauter als die Jugendlichen, die gar nicht mehr zum Umzug kommen. Nennen wir das alles einfach mal „Gendering“, was es eigentlich auch ist. Geschäftsmäßig organisierte Freude, traditionell zu wenig Sicherheitspersonal, eine völlig inhomogene Umzugsstrecke, eine immer kleiner und älter werdende Faschingskultur, die eine Öffentlichkeitsarbeit betreibt, die, nun ja, lassen wir das.

Die Absage.

Auf die Pauke hauten die Organisatoren dann im Herbst, als sie verkündeten, dass der Faschingsumzug in 2015 auf der Kippe stehen und kurz vor der Absage stehen würde. Zu wenig Gruppen hätten sich angemeldet und, ja natürlich, die randalierenden und betrunkenen Jugendlichen… ganz großes Problem. Das zog natürlich dann seine großen Kreise durch den Teil der Lokalpresse, der vornehmlich mit dem Bauch und weniger mit dem Kopf geschrieben wird, mit den entsprechenden Nachwirkungen aus dem hobbypolitischen Teil der Bevölkerung. Na klar, die Ausländerkinder sind natürlich schuld. Schlicht rassistische Äußerungen auf hohem Niveau, angetrieben von lokaler Berichterstattung, die die Diskussion in einschlägigen Gruppen und Foren aus Facebook verlinkt und selbst noch befeuert. „Meinung vom Volk“.

Immerhin, die Organisatoren dachten sich, okay, geben wir dem allem noch eine Chance und warten auf Zusagen von Teilnehmern des Faschingsumzuges. Dann war wieder einige Wochen Ruhe, aber natürlich war das Kinde schon längst ins Wasser gefallen. Auf welche Teilnahmen will man denn warten, wenn man schon vorzeitig angekündigt hat, dass der Umzug aller Voraussicht nach ausfallen wird? Und was will man gegen konservative Lokalpolitiker tun, die diese Steilvorlage dankbar dazu nutzen, um das „Gesamtkonzept des Umzuges mit Streetworkern zu beleuchten“. Also die konservativen Lokalpolitiker, die üblicherweise auf der VIP-Tribüne dann meist die rotesten Nasen haben und das ohne aufgesetzte Knubbelnase.

Und so kam es dann auch: Es kamen nach Aussage der Lokalpresse nur rund ein Viertel Zusagen gegenüber dem diesjährigen Faschingsumzug und mit unter 20 Gruppen bekommt man auch so einen skurrilen Faschingsumzug wie in Pforzheim nicht zustande. Der Umzug wurde nun endgültig für 2015 gecancelt und schon schwappt wieder eine erstklassig braune und, pardon, frisch gekackte Rassistenscheiße durch die Zeitung und vor allem durch deren Foren und Facebook-Gruppen. Die ach so bösen Ausländerkinder versauen uns hier den guten, alten Faschingsumzug!

Kann es das sein?

Nun wissen wir ja schon zu Genüge: Rassismus schürt man nicht durch Hochpolitik, sondern durch das Hinstellen und Rühren von Fäkalieneimern. Dass sich das Publikum bei Faschingsumzügen ändert, ist keine neue Entwicklung, sondern mindestens seit zehn Jahren der Fall. Und selbst wenn man das so feststellt, bleibt immer die Frage, wie man das löst, denn schließlich kann man „Ausländerkinder“ nicht von der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen ausschließen, was sich dennoch gar nicht so wenige Hobbypolitiker so wünschen dürften.

Dass die Faschingskultur in unserer Zeit und überhaupt in urbanen Milieus immer schlechter funktioniert, ist ein anderes, größeres Thema. Mit Ideen, wie man auch in heutigen Zeiten diese Kultur zeitgemäß unterbringen könnte, müsste man sich beschäftigen, so wie es alle Sport- und Kulturvereine, die länger als eine Generation überleben wollen, ebenso tun müssen.

Hier in Pforzheim ist nun wohl eher kaum noch etwas zu holen. Die Diskussion ist schon in die am meisten stinkende Ecke abgedriftet, Pforzheimer Fasching war schon traditionell immer der unwitzigste in der Region und nach einem ausgefallenen Umzugsjahr dürfte es schwierig werden, überhaupt noch einen auf die Beine gestellt zu bekommen.

Mir vom Prinzip her auch alles wirklich völlig wurst, nur: Es sind nicht die „Ausländerkinder“, die euren Fasching da angeblich kaputtgemacht haben. Es sind Leute wie du und ich, die ein gemeinsames Hobby haben und irgendwie das Problem verkannt haben, dass sich die Zeit schneller dreht, als man dachte. Das passiert den besten Leuten, aber sucht diese Schuld nicht bei anderen.

Das seltsame Wesen namens „Stadt“.

Eigentlich ist es ja ziemlich skurril: Als richtiger Arbeitnehmer lernt man die Innenstadt seiner Heimatstadt eigentlich selten wirklich kennen. Tagsüber arbeitet man ja und wenn man nicht das Glück hat in der Innenstadt seine Mittagspause zu verbringen (in Pforzheim ist es eher ein Glück, wenn man sie nicht regelmäßig dort verbringen muss), sieht man die Stadt eigentlich nur am Abend oder nachts. Wenn dort dann in der Regel ganz andere Menschen unterwegs sind, als tagsüber. Oder, im Falle von Pforzheim, eben auch gar keine.

Seitdem ich abends meine Rundläufe durch die Stadt mache, habe ich den Eindruck gewonnen, diese Stadt, in der ich mir kurzen Ausnahmen nun seit 36 Jahren lebe, gut zu kennen. Das mag sein, allerdings eben ohne den Menschen, die tagsüber diese Stadt bevölkern.

Befremden. Ihr kennt dieses Gefühl, in eurer Heimatstadt zu sein, die ihr eigentlich wie die Westentasche kennt, weil ihr als Kind quasi jeden Tag dort unterwegs gewesen seit? Und dann aber dort tagsüber einmal läuft, mit einem konkreten Anliegen, dass ihr allerdings seit Jahren weitgehend nur noch online tut? Man steht da wie der Ochs‘ vorm Berg:

  • Ich stehe in einem Kaufhaus, möchte eine CD kaufen. Für meine Mutter. Titel bekannt, finde sie aber nicht, weder unter „Filmmusik“, noch unter „Aktuelles“, noch unter „Sampler“. Ein aufmerksamer Mitarbeiter sieht dies, fragt mich freundlich, ob er mir helfen dürfe (ja, „dürfe“, nicht „könne“). Froh über dieses Angebot, nenne Titel. Er überlegt, geht ein paar Schritte vor und zurück und erwidert etwas kleinlaut, dass er neu sei und nicht wisse, um was es sich überhaupt handele. Sei die CD neu? Ja. Ah, das könne ein Problem werden, sie würden Neuigkeiten leider gar nicht so schnell bekommen. Schön.
  • In einem Musikgeschäft bzw. in einer Drogerie mit angehängtem Musikregal war die Frage schon viel einfacher zu beantworten. Die CD gibt es nicht, hatten sie nicht und bekommen sie irgendwann mal. Schön. Warum leert ihr eure Regale eigentlich nicht und stellt da Blümchen hin? Wäre der Platz doch viel sinnvoller genutzt?

Wie geht es nun weiter? Gar nicht mehr. Eigentlich bleibt nur noch der Media-Discounter am Stadtrand. Dort kann man nicht mal eben hinlaufen, außerdem hasse ich es in solchen medialen Mülldeponien einzukaufen. Einkauf abgebrochen, erstaunt nach Hause geschlichen und die Musik doch wieder online bestellt.

Es passieren aber, so viel Freude muss dann aber doch sein, zumindest Dinge, die einem nicht passieren, wenn man Dinge nur noch online tut. Dinge, die einem früher gar nicht aufgefallen sind und die mich heute erstaunen, ja fast schon entsetzen:

  • (Eine ältere Frau, die mit Plüschstiefeln durch die Gegend läuft und in einem Schuhgeschäft verschwindet, dass sich vornehmlich extrem junge Menschen als Zielgruppe ausgesucht hat, überspringe ich an dieser Stelle, das interessiert ja doch niemanden, außerdem möchte ich alte Mitmenschen nicht diskriminieren, weil wir auch mal so werden. Ganz bestimmt.)
  • „Entschuldigung, was halten Sie von Additiven im Kraftstoff?“ Auf diese entwaffnende Frage wollte ich den Student, der da hochmotiviert mit seinem Klemmbrettchen den ganzen Tag offenbar nicht nur auf mich wartete, spontan zum Kaffee einladen, aber er wollte nicht. Ich antwortete, dass ich auf der Straße nur Kommentare zum Thema Promiskuität von Kreuzotterweibchen abgebe. Nicht erwartet, ebenfalls auf einen Harald-Schmidt-Fan zu treffen.
  • An der Ampel stehend brüllt mich der Mann, der links neben mir ebenfalls auf das Abmarschsignal wartete, derartig in einer erstaunlichen Lautstärke an, dass mir für einen Moment die Augen flatterten: „Halt! Geht gefälligst über die Ampel!“ Er meinte irgendwelche Kinder, die locker 100 Meter weiter standen und noch nicht mal den Anstand machten, die Straße zu überqueren.
  • Und wieder einmal kurz davor gewesen, angefahren zu werden, diesmal auf einem Parkplatz von einem Fahrer eines grünen BMW.

Solltet ihr auch mal wieder machen – tagsüber in die Stadt gehen und konkret etwas kaufen. Nicht so profane Dinge wie Milch oder Butter, sondern so hochkomplexe Dinge wie eine Musik-CD. Ihr lernt die Welt neu kennen.

Pizzalieferung im Blitzbetrieb.

Im Gegensatz zum Pforzheimer Mainstream bestelle ich, wenn ich denn mal Pizza bestelle, nicht beim Standardservice in der Christophallee (zu fettig und zu teuer) und auch nicht beim Super-Duper-Franchisenehmer in der Bleichstraße (von der Größe und dem Preisleistungsverhältnis eher etwas fürs Kanapee), sondern seit einigen Monaten bei der Pizzeria Orchidea in der Holzgartenstraße. Und das hat eine durchaus fein gewürzte Ironie, denn eigentlich lebte ich jahrelang genau gegenüber dieser Pizzeria und habe nie dort bestellt und musste offensichtlich erst wegziehen, um zu merken, dass die vernünftige Pizza machen können.

Heute habe ich das wieder einmal gemerkt. Um 19:32 Uhr habe ich per Pizza.de dort bestellt und um Punkt 19:49 Uhr klingelte es an der Türe und die Pizza war da. 17 Minuten. Zubereiten, backen, verpacken, ausfahren. Allein für die Strecke zu mir herauf sind locker 5 Minuten drin. Der Fahrer meinte glaubhaft, dass er bei der Lieferzeit jetzt eigentlich keine Besonderheit sehe, wäre halt so. Bitte wie? Normal? Ja, schön wäre es, wenn das auch bei der Konkurrenz Normalzustand zur Primetime wäre.

Doch, mein Lieber, das ist besonders. Die Konkurrenz braucht gern mal 45 Minuten und mehr. Bei 17 Minuten muss ich mich ja schon fast beeilen, Teller und Besteck herauszuholen und auf den Tisch zu drapieren.

Blogs aus der Region (27).

Das Mai-Update für die Blog-Liste aus Pforzheim & Enzkreis ist da, here we go. Zwei neue Blogs:

      Ich habe bei dieser Gelegenheit mal die Liste der privaten Weblogs überarbeitet und die Links herausgenommen, unter denen nichts mehr läuft bzw. nur noch Werbeseiten. Das muss ich ja nicht unnötig mit einem Link fördern. Die Zahl der Weblogs ist also im Fluss und derzeit bei 105.

      Das Gerstelblog.

      Kleine Vorankündigung, womit ich das Versprechen halte, dass die geneigten Leser dieses bescheidenen Weblogs immer die ersten sind, die solche Dinge erfahren: Am Donnerstag, also morgen, startet das Gerstelblog, das Weblog des Pforzheimer Opel-Autohauses Heinrich Gerstel, das ich projektbegleitend betreue. An der Idee eines Corporate-Blogs für das Autohaus brüteten die beiden Geschäftsführer Timo und Andreas Gerstel und ich schon eine ganze Weile, in den letzten Wochen haben wir dann aber Nägel mit Köpfen gemacht und das Projekt ausgegoren, so dass das Autohaus Gerstel mit seinem Weblog mein erster großer Kunde werden wird.

      Herauskommen wird nun ein Weblog über ein Opel-Autohaus, das seit 1911 (!) als Familienbetrieb existiert und derzeit in der dritten und vierten Generation geführt wird. Die beiden Geschäftsführer, die auch in meinem Alter sind und „Benzin im Blut“ haben, sind hochmotiviert, es gibt vieles in so einem Familienbetrieb, über das man schreiben muss und die ausgearbeitete „Dramaturgie“ ist vielversprechend.

      Wir wollen mal sehen, ob wir es schaffen können, das Thema Mittelstand, Familienbetrieb, Tradition und Automobile adäquat in einem Weblog verarbeitet bekommen. Dass ein Weblog das richtige Kommunikationsmedium dafür ist, darüber müssen wir gar nicht diskutieren – es ist einfach so. Mit keinem anderen Medium lassen sich so viele Ideen und Ansätze verarbeiten, die jetzt im Hinterkopf stecken. Und ein Alleinstellungsmerkmal ist es allemal, zumal dieses Autohaus-Weblog das erste wirklich ernstzunehmende Weblog der Autohaus-Branche sein wird. So viel Vorschusslorbeeren seien erlaubt, mehr werden auch gar nicht eingefordert. 🙂

      Bitte also noch bis morgen Mittag warten, um 12 Uhr machen wir den Weblog-Laden virtuell auf. Bisweilen darf schon mal auf Facebook eine Fan-Bekundung für die Unternehmensseite des Autohaus Heinrich Gerstel getan werden.

      Das zarte Pflänzchen namens “bürgerschaftliches Engagement”.

      Fürwahr überraschende Dinge geschehen derzeit in Pforzheim, die vor einigen Monaten noch quasi undenkbar waren – es bildet sich so etwas wie eine engagierte Bürgerschaft heraus, die begonnen hat, sich konkret für ihre Stadt zu interessieren.

      Das hört sich jetzt gehässig an, ist aber noch nicht mal so gemeint, wenn man Pforzheim kennt, denn mit Pforzheim verbinden Menschen, die das erste Mal hierher kommen, gern die Erkenntnis, dass intensiv “gebruddelt” wird. So nennt man hierzulande das Nörgeln auf hohem und nachhaltigem Niveau. Und vielleicht war es tatsächlich notwendig, dass es der Kommune finanziell mal so richtig dreckig gehen muss, um zu merken, woran wir sind.

      Der Weckruf begann letztes Jahr, als der neue Oberbürgermeister Gert Hager nach und nach den Derivatesumpf, der in den letzten Jahren durch undurchsichtige Anlagestrategien entstanden ist, trockenlegte und erschreckende Zahlen bekannt wurden, die in den Jahren 2013 bis 2014 im ungünstigsten Fall einen Schaden von bis zu 80 Millionen Euro bedeuten könnten. Schon das hat Ende letzten Jahres in der Bürgerschaft die Frage aufgeworfen, wie es denn nur passieren konnte, dass solche hochriskanten Derivategeschäfte auf kleinem Dienstweg zwischen der damaligen Oberbürgermeisterin und der damaligen Stadtkämmerin abgeschlossen werden konnten, ohne dass sich auch nur jemand ansatzweise Gedanken darüber machen konnte, was das alles bedeuten kann, wenn es schiefgeht.

      In der Zwischenzeit ist Pforzheim jedoch, wie viele andere Kommunen auch, in wirklich große und vor allem akute Finanzschwierigkeiten, da sich die Einnahmensituation auf kommunaler Ebene in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert hat, während zu allem Unglück auch noch überproportional die Kostensegmente des Sozialtransfers anwuchsen. So kam es dann, dass die Stadt Pforzheim für die Jahre 2010 bis 2013 eine dramatische Summe von 240 Millionen Euro einsparen sollte, um einen genehmigungsfähigen Haushalt zusammenzubekommen. Wohlgemerkt – da reden wir noch gar nicht um die möglichen Verluste aus den Derivateaktivitäten.

      In einer Mammutaufgabe spart die Stadt Pforzheim nun zwischen 2010 und 2013 eine Summe von 150 Millionen Euro ein, vornehmlich durch rigide Kürzungen der Etats der meisten städtischen Ressorts und durch Personaleinsparungen. Man kann durchaus davon sprechen, dass man nun am Rande dessen ist, was früher einmal Tafelsilber war und es nun durchaus darum geht, Dinge in Frage zu stellen, die man früher einfach mal so mitgeschleppt hat.

      Ein solches Thema ist die Frage, ob die Stadt Pforzheim zwei Freibäder braucht und ob man das größere Freibad, das Wartbergfreibad, nicht besser schließen sollte. Hier hat sich im Laufe der Jahre ein Investitionsstau von 6 Millionen Euro gebildet und überleben tut das Bad schon seit Jahren nur deswegen, weil es auf krasse Weise subventioniert werden muss. Für jeden erwachsenen Besucher, der ein normales Eintrittsgeld von 3,30 Euro bezahlt, musste die Stadt vergangenes Jahr unglaublicherweise nochmal vier mal so viel Euro Subvention drauflegen, damit das Freibad überhaupt in die Null fährt.

      Der Frage, ob man das Freibad aus diesen zwei Gründen deshalb nicht besser schließt, entgegnete sich plötzlich etwas, was in Pforzheim schon fast in Vergessenheit geraten ist: Bürgerprotest. Zunächst durch eine Demonstration auf dem Marktplatz mit rund 500 Demonstranten. Zwar beantwortet das so entstandene Aktionsbündnis auch nicht so recht die Frage, wie man das Wartbergfreibad denn einigermaßen sinnvoll finanziert und vor allem modernisiert bekommt und zu alldem haben sich dann skurrilerweise auch noch einige eher links stehende Politiker mit dem Aktionsbündnis solidarisiert, obwohl das Freibad in seiner jetzigen Form ja ausweislich ein Millionengrab ist, das Geldmittel bindet, die letztendlich vor allem auch im sozialen Sektor fehlen, aber immerhin – Bürgerprotest. Dankenswerterweise geht die Rathausführung damit souverän um und verspringt sich nicht in die altbewährte Masche des Ausblendens von bürgerlichem Protest. Das gibt allen Beteiligten die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie man die Forderungen auch sinnvoll so umsetzen kann, dass jeder etwas davon hat.

      Es geht aber weiter, denn neben dem Bürgerprotest gibt es auch handfestes bürgerliches Handeln, wobei ich hierüber durchaus zwiespältig denke, denn Bürgerinitiativen und Stiftungen dürfen in einer solidarischen Gesellschaft niemals das übernehmen müssen, was eigentlich der Staat tun sollte. Der Staat muss grundsätzlich jedem helfen und der Staat sind wir alle, Bürgerinitiativen hingegen sind nur wenige und die wenigen können eigenverantwortlich Projektunterstützungen selektieren. So Sachen wie Spenden von Bürgerinitiativen für Schulspeisungen sind fehl am Platze, das ist eine verdammte Aufgabe des Staates (herunterdividiert auf die Kommune), wenn dieser Staat eben Ganztagesschulen betreibt.

      Aber auch hier gilt zunächst einmal: Bürgerschaftliches Engagement ist gut und wichtig und bürgerschaftliches Engagement lässt sich lernen. Es ist schon mal sehr, sehr gut und wichtig, dass sich die Bevölkerung einer Kommune mit sich selbst identifizieren kann und entdeckt, dass man sehr viel dadurch bewegt, in dem man sich damit beschäftigt, wie das Drumherum eigentlich funktioniert.

      Ende einer Legende.

      Jetzt müssen wir alle mal ganz tapfer sein: Das Restaurant „Bei Francesco“ in Pforzheim, beheimatet in der Bertholdstraße in der Pforzheimer Nordstadt, ist nicht mehr. Jochen und ich wussten das schon letzte Woche, wir haben uns aber darauf geeinigt, das erst dann im Netz herauszublasen, wenn es tatsächlich im Schaufenster steht und das tut es nun seit Dienstag.

      Die Familie Franchini hat nun also nach 38 Jahren den Pizzaofen abgestellt. Immerhin nicht deshalb, weil es ihnen keinen Spaß mehr machen würde, sondern deshalb, weil im Laufe der Zeit der Laden einfach zu groß geworden ist. Pizza gibt es inzwischen an jeder Ecke, ihre Stammkundschaft wird immer weniger und die Unkosten immer höher. Sie seien zwar im Gespräch mit ihrer Hausbrauerei, um gegebenenfalls in einem kleineren Ladengeschäft nochmal zu öffnen, aber das sei jetzt mal so dahingestellt.

      That’s it. Vorbei scheint es nun mit der grünen Oase im Hinterhof.