Killerfunktion eines Tablet-Computers: Handbuch-Ablage.

Ich bin Verfechter des papierlosen Büros. Das ist zwar reine Theorie, aber auch schon Papierarmut ist mir sehr recht. Das gilt auch für ein ganz anderes Feld, nämlich für Handbücher. Für wirklich jedes Gerät gibt es ein Handbuch und die versaueren – im besten Falle – in irgendeinem Schuhkarton. Und sind auch gern mal fleckig, zerrissen, zerlatscht oder einfach verloren gegangen.

Zwar hat es sich auch schon bis zu den kleinsten Produktherstellern herumgesprochen, dass ein großer Mehrwert einer eigenen Unternehmens-Website sein kann, die gängigen Handbücher als PDF-Dateien zum Download bereitzuhalten und die lädt man sich sogar manchmal auch herunter, aber so ein Handbuch muss man dann entweder ausdrucken, wenn man es ständig verfügbar haben möchte oder rennt zum PC/Notebook. Einer der wenigen Fälle, wo ein iPad oder jedes andere Tablet eindeutig die Nase vorn hat. Wir Digitalbewohner lachen über diese Killerfunktion – andere tun das nicht, denn für viele ist das eine echte Revolution und ein Tablet-Kaufargument mehr.

Auf dem iPad erfüllt so einen Job sehr praktisch eine App namens GoodReader. Das ist vom Prinzip her ein aufgemotzter PDF-Reader mit eingebauter Ablagefunktion, da das iPad ja bekanntlich daran krankt, eine für alle Apps zugängliche Verzeichnisstruktur bereitzustellen. Der GoodReader macht dies aber wett, da es eine Reihe von Möglichkeiten gibt, auf die GoodReader-eigene Dateiablage zuzugreifen: Via iTunes, per eingebautem Webserver oder auch per Download im Mobile Safari.

Ich habe mir dann im GoodReader einfach ein eigenes Handbuch-Verzeichnis angelegt und dort für jedes Produkt und/oder Gerät ein eigenes, separates Verzeichnis, in dem dann das oder die PDF-Handbuch/-Handbücher liegt/liegen. Und dann ist gut. Nie wieder das Herauskramen der papiernen Anleitungen, wenn die Gastherme umprogrammiert werden muss oder der Kaffeeautomat entkalkt werden muss.

Zwischenstand meines Arbeitsbuches auf Basis von TiddlyWiki.

Nachdem jetzt schon rund 84 % des Jahres 2008 durch sind, habe ich spaßeshalber mal eine kleine Auswertung meines Arbeitsbuches gemacht, in dem ich im TiddlyWiki – der Software, in der ich mein Arbeitsbuch führe – alle Journaleinträge dieses Jahres im Browser anzeigen ließ und dann in der Druckvorschau nachschaute, wieviele Seiten das denn ergeben würde, wenn ich die Journale ausdrucken würde… schlappe 59 A4-Seiten bei normaler Schriftgröße. Und das sind nur die Journale, darin befinden sich keine Dokumentationen über Netzwerke oder einzelne Netzwerkgeräte, die noch zusätzlich in eigenen Einträgen im Arbeitsbuch dokumentiert sind.

59 Seiten Business Intelligence. Da jeder Eintrag datiert und auch mit Firmennamen identifizierbar ist, könnte man jetzt daraus eine hübsche Supportdatenbank machen. Oder es einfach belassen und archivieren, die Volltextsuche wird es auch richten. Und wenn man mal so zurückblättert und sich anschaut, was man so Anfang des Jahres getan hat, staunt man nur, wie viel Zeugs man gemacht hat, was schon längst wieder aus dem Gedächtnis gefallen ist.

So am Rande für die TiddlyWiki-Freaks: Mit 700 Kilobyte ist mein Arbeitsbuch-TiddlyWiki immer noch so flott, als wenn es jungfräulich leer wäre.

Xing-Tagging für Fortgeschrittene.

Ab einer gewissen Zahl von Kontakten in einem sozialen Netzwerk beginnt es, unübersichtlich zu werden. Woher kennt man Kontakt X nochmal? In welchem Netzwerk hängt dieser? Alles Fragen, die man sich spätestens ab 200 Kontakten fragt, wenn man gelegentlich sein Adressbuch durchschaut.

Nun kann man das auf zweierlei Wegen lösen: Kontakte löschen, wie das mal mein geschätzter Bloggerkollege Oliver vorgeschlagen hat, oder Ordnung hineinbringen. Und für Ordnung gibt es in Xing die sehr feine Funktion des Tagging. Man nehme ein paar Begriffe, trenne die mit Kommata und schon kann man, wenn man etwas Disziplin an den Tag legt, auch nach kurzer Zeit sein Adressbuch strukturieren und fit machen für die nächsten hundert Kontakte.

Aller Ansatz ist beschwerlich, weshalb ich an dieser Stelle mal Einblick in meine Tag-Strukturen biete. Alle folgenden Tags sind nur ein Ausschnitt der Tags, die ich einsetze, allerdings gibt es nicht mehr als 40 unterschiedliche Tags. Man sollte es auch eher nicht übertreiben, sondern klein anfangen, aber das appliziert man sich am besten in die eigene Kontaktestruktur hinein.

Es ist übrigens auch nicht schlimm und genau genommen auch unvermeidlich, wenn nicht alle Kontakte absolut korrekt getagged sind. Das Tagging lebt davon, dass es sehr flexibel einen Informationsraum recht strukturierbar auszeichnen kann, aber es muss nicht hundertprozentig genau sein, wie fest angelegte Kategorien (die es in Xing auch so nicht gibt).

  • „D“, „S“
    Zwei Tags, die jeder meiner Kontakte hat und sehr unverfänglich eine Sache markiert – ob ich den Kontakt mit „Du“ oder „Sie“ anspreche. Kann ich mir zwar durchaus bei den meisten Kontakten (noch) merken, aber für was Tagging nicht alles wunderbar geeignet ist..
  • „Familie“
    Auch klar, damit werden Familienangehörige getagged. Aber beispielsweise auch enge Freunde von Familienangehörigen, Schwager, Nachbar der Eltern etc. Also im Prinzip auch alle die Kontakte, die man näher nur durch Familienangehörige kennt.
  • „Alumni IRS“, „Alumni KG“ etc.
    Auch relativ klar – damit markiere ich ehemalige Schulkameraden und Kommilitonen. „Alumni IRS“ steht beispielsweise für „Insel-Realschule“, die Abkürzung „KG“ für Kepler-Gymnasium etc.
  • „Netmanufacture“
    In meinem Fall Kontakte, die ich über meine Arbeit bei meinem Arbeitgeber kenne. Da unser Schuppen „Netmanufacture“ heißt, erklärt sich dieser Tag von selbst.
  • „Ex-Kollege“
    Ehemalige Kollegen, mit denen ich mal bei meinem jetzigen oder bei meinen früheren Arbeitgebern zusammengearbeitet habe, kommen in diese Rubrik. Kann man natürlich erweitern, in dem man „Ex-Kollege Firma A“, Ex-Kollege Firma B“ einsetzt. In meinem Fall jedoch alles noch überschaubar.
  • „Dienstleister“
    Reserviert für Arzt, Rechtsanwalt, Postbote, Hauspolizist, Friseur
  • „ISOC“, „AWO“, „SPD“
    Kontakte in Verbänden, Vereinen, Parteien, aber denkbar auch für Stammtische, Treffs etc.
  • „Blogger“, „IRC“, „Usenet“, „ML netlife“
    Tags, die für Kontakte reserviert sind, die ich schwerpunktmäßig online über diverse Netzwerke kennengelernt habe. „ML“ steht für „Mailingliste“.
  • „netplanet“, „TiddlyWiki“
    Kontakte, die in Zusammenhang mit von mir verwalteten Projekten stehen. Können Projektbeteiligte sein, aber beispielsweise auch Ratsuchende, die mich wegen diesen Projekten kontaktiert haben.
  • „Stuttgarter“, „Berliner“ etc.
    Hier wiederum kommen Kontakte hinein, die ich in den betreffenden Städten kennengelernt habe und dort zu einer Community gehören. Im Falle der „Stuttgarter“ sind das Kontakte, die ich über den IRCNet-Channel #stuttgart kennengelernt habe, bei den Berlinern analog mit #berlin. In der Zwischenzeit etwas verwaschen, weil ich durchaus da auch Leute kenne, die da eher nur in den näheren Dunstkreis gehören.
  • „XING Pforzheim“, „XING ASB“ etc.
    Alles, was mit „XING“ anfängt, markiere ich für Kontakte, die über Xing-Foren entstanden sind.
  • „U2“
    Okay, erklärt sich von selbst. 🙂
  • „FreundFreund“
    Das ist meine neueste Tag-Rubrik, die Freunde bezeichnet, die ich über andere Freunde kennengelernt habe und in keinem anderen Netzwerk vorkommen. So schlecht vernetzte Menschen gibt es gottlob relativ wenige, diese Rubrik deckt aber letztendlich auch den letzten Kontakt in meinem Adressbuch ab.

Wenn man sich einmal die Mühen gemacht hat, seine Kontakte vernünftig zu taggen, hat man zwei nette, kleine Gimmicks: Im Adressbuch finden sich die Tags mit unterschiedlichen Färbungen oberhalb der Kontakte und geben einen schönen Überblick, wo die Schwerpunkte bei den Kontakten im Adressbuch liegen. Genau das gleiche sieht man auch, wenn man in der Tag-Eingabezeile einfach die Pfeil-nach-unten-Taste auf der Tastatur drückt und sich die Tag-Liste einblendet, denn diese ist nach Anzahl von Kontakten pro Tag sortiert.

Und was auch wichtig ist: Das eigene Tagging im Adressbuch sehen die Kontakte in ihrem Profil nicht. Man sollte zwar aus Sicherheitsgründen nicht beginnen, die Kontakte im Adressbuch nach Tiernamen oder mit Schimpfwörtern zu sortieren, allerdings würden die Kontakte das auch nicht sehen, wenn es eben doch so getan wird.

Wie bringt man reifen Menschen Organisation bei?

Fast schon legendär ist die Vergesslichkeit und Zerstreutheit meines Vaters. Keine Zeitung, die nicht auf dem Rand handgeschriebene Telefonnummern enthält, regelmäßiges Vergessen von Terminen und selbst so Sachen wie das eingekaufte Brot vergisst er gelegentlich beim Kaffeetrinken im Café. Nun ist es durchaus so, dass man sich da schon Sorgen macht, immerhin ist mein Vater 68 und da macht man bei gelegentlich atemberaubenden Vergesslichkeitsanfällen schon so seine Gedanken. Allerdings scheitert das alles bei meinem Vater schlicht an der fehlenden Organisation.

Termine schreibt sich mein Vater grundsätzlich nicht auf und gehört zu den Verfechtern der Lebensweise, man müsse solche Sachen einfach im Kopf behalten. Beziehungsweise die Einbildung, man würde sie im Kopf behalten können, was man schlicht nicht tut. Genauso ist es mit Einkaufslisten, denn kaum ein Mensch ist in der Lage, mehr als sieben Kaufwünsche kurzfristig im Kopf zu behalten. Das kostet ja mich schon ungeheuer viel Gedankenjonglieren, wieso sollte das bei meinem Herr besser sein? Einen kleinen Taschenkalender führen? Auf gar keinen Fall!

Ebenso ist es mit dem Chaos von Telefonnummern, Visitenkarten, Kontoauszügen und anderer Zettelwirtschaft. Mein Vater ist regelmäßig entsetzt, wenn er in seinem Haufen irgendwelche Dinge nicht findet, die er dort hineingesteckt hat, lässt aber gleichzeitig nicht den Einwurf gelten, dass man mit etwas mehr Ordnung in diesem Informationschaos tatsächlich das Zeug auch wieder findet.

Wie bringt man sowas solchen Menschen bei? Eigentlich wäre er ein Kandidat für die Intensivbehandlung mit Outlook, einem Handheld und einem frischen TiddlyWiki.

Positionierung von TiddlyWiki.

Letztes Wochenende hat mir jemand auf meinen TiddlyWiki-Artikel hin eine E-Mail geschrieben, über die ich eine Weile nachdenken musste. Darin war nämlich die Frage gestellt, warum denn TiddlyWiki seine Daseinsberechtigung hat. Ich wollte umgehend antworten, aber die Frage hat mich dann eine ganze Weile fasziniert beschäftigt.

TiddlyWiki steht als „Hosentaschenwiki“ zwischen einem „richtigen“ Wiki mit Serverbackend und einfachen Textdateien, also sozusagen zwischen einer gedruckten Buchreihe und einer Zettelwirtschaft aus gelben Klebezetteln. Nicht mehr und nicht weniger. Rein informationstechnisch gesehen ist TiddlyWiki damit der Hort für die Welt der Informationen, die nicht so groß und wichtig sind, aber auch nicht völlig unwichtig. Diese Art der Informationen ist zweifellos zahlenmäßig die größte und man kann sich das durchaus als Asteroidengürtel vorstellen, der in einer größeren Umlaufbahn um den Kopf herum schwebt. Einerseits alles ziemlich nah, aber finde mal einer in dem Steinhaufen den passenden Ziegel. 😉

Gern haben diese kleinen Informationen, obwohl sie unscheinbar aussehen, das Potential, das (Wieder)Auffinden Ihresgleichen zu einer langwierigen und vor allem sehr nervigen Tortur werden zu lassen. Andererseits ist man beim Sammeln dieser Informationen gern schlicht zu faul, sie irgendwo sinnvoll zu hinterlegen.

TiddlyWiki erfüllt daher zweierlei: Einerseits ist das Speichern von Informationen darin bestechend einfach, so dass die Faulheitshürde äußerst niedrig gehalten wird. Andererseits dient ein TiddlyWiki als „zentraler Hort“ für Informationen, verhindert also eine Zettelwirtschaft. Und ganz nebenbei ist es klein und handlich und passt auf jeden USB-Stick oder gar auf eine Diskette.

An sich ist es tatsächlich dann so, dass TiddlyWiki zwar den Begriff „Wiki“ im Namen trägt und auch ähnlich zu bedienen ist, die Ziele jedoch nicht unbedingt gleich sein. Collaboration ist mit TiddlyWiki (zumindest ohne Serverbackend) nur mäßig möglich, andererseits ist es eben näher.