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Erde an Bono: Zensur ist auch “ein bisschen” immer noch Zensur.

4. Januar 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Als U2-Sympathisant hat es mir gerade etwas die Socken ausgezogen. Nun, man ist es inzwischen gewohnt, dass Bono seinen Zweitjob als Messias-Novize gelegentlich schrill führt. Man kann nämlich sehr schnell zur Schlussfolgerung kommen, dass diese Art des Aufrüttelns zwar sehr publikumswirksam ist, Mitleid aber selten zur einer wirklichen gesellschaftlichen Änderung führt. Sich nur rote Schuhe oder rote Kreditkarten zu kaufen, mag schick sein und vielleicht kommen auch ein paar “RED”-Euro zusammen, die man in einer Charity-Aktion verteilen kann, aber morgen ist es auch schon wieder vergessen.

So fordert Bono doch tatsächlich unterm Strich eine Internet-Zensur. Also so etwas jedenfalls. Das hat er natürlich so nicht gesagt, er sagt es differenzierter, schön klingender:

A decade’s worth of music file-sharing and swiping has made clear that the people it hurts are the creators — in this case, the young, fledgling songwriters who can’t live off ticket and T-shirt sales like the least sympathetic among us — and the people this reverse Robin Hooding benefits are rich service providers, whose swollen profits perfectly mirror the lost receipts of the music business.

We’re the post office, they tell us; who knows what’s in the brown-paper packages? But we know from America’s noble effort to stop child pornography, not to mention China’s ignoble effort to suppress online dissent, that it’s perfectly possible to track content. Perhaps movie moguls will succeed where musicians and their moguls have failed so far, and rally America to defend the most creative economy in the world, where music, film, TV and video games help to account for nearly 4 percent of gross domestic product. Note to self: Don’t get over-rewarded rock stars on this bully pulpit, or famous actors; find the next Cole Porter, if he/she hasn’t already left to write jingles.

—- Bono in “Ten for the next Ten” der NY Times

Also nur ein bisschen Zensur. Etwas HADOPI hier, ein kleinwenig löschen da und schon geht es allen gut? Den “reichen Internet Service Providern” etwas in den Hintern treten und ihnen sagen, dass nicht nur sie reich werden sollen, sondern auch diejenigen, deren Inhalte durch ihre Leitungen wandern? Aber natürlich, so schickt Bono gleich hinterher, natürlich niemals so, dass es aussieht, wie in China, nicht?

Bono, das war ein Kalter. Ein ganz Kalter. Sicherlich haben wir alle Verständnis dafür, dass sich nicht jedes Album so gut verkauft, wie ein U2-Album, selbst wenn es, wie beispielsweise die letzten zwei U2-Alben, eher mittelmäßig innovative Alben sind und das U2-Merchandising mit zu der teuersten Fanfolklore gehört, die man sich leisten kann. Wenn am Ende nur dabei herauskommt, dass der Protagonist vor lauter Messiastum den eigenen Galgen nicht mehr sieht, dann wird es ein Problem. Das Feuer, das einen wärmt, kann einen auch ganz schnell verbrennen. Und zumindest ich, der dieses Jahr mal eben rund 700 Euro für den Bohei um zwei U2-Konzerte bezahlt hat und eben auch bei einem Internet Service Provider arbeitet, nehme solche Äußerungen mit einer gewissen Abscheu zur Kenntnis. Das Internet ist jedenfalls nicht das Problem, dass ungerechte und jahrzehntelang gepflegte Geldverteilungsmaschinen nicht mehr funktionieren.

Dieses Geschwätz von wegen “kleinere Bands hatten in der Welt des Internets keine Daseinsberechtigung”, ist so alt wie falsch und wird eigentlich jeden Tag nur noch falscher. Gerade durch das Web 2.0, gerade durch die immensen Möglichkeiten der Selbstvermarktung, gerade durch die Möglichkeiten, innerhalb kürzester Zeit mit innovativer Kunst eine globale Welle erzeugen zu können und gerade durch die phantastischen Möglichkeiten, sofort mit der Monetarisierung über Musikstores beginnen zu können, gibt es gerade für kleine Bands ganz andere Möglichkeiten, die die klassische Musikindustrie nie geboten hat. Nicht, weil sie es hätte nicht bieten können, sondern weil die Musikindustrie lange Zeit ihre arroganten Selektionen eher dazu genutzt hat, Macht darüber auszuüben, was nächstes Jahr als ganz große Nummer aufgehängt wird und was nicht.

Und meine Prognose: Das wird auch in Zukunft für die Musikindustrie nicht besser. Schon heute lachen wir uns über die Talentshows den Hintern ab, die letztendlich genau das darstellen, wie Musikindustrie früher funktionierte. Wir lernen aber auch, dass eine weltweite Beachtung über YouTube & Co. auch sehr schnell ohne Musikindustrie gehen kann. Und auch im Bereich der Musik funktioniert der Long Tail mit Sicherheit.

[via Heise.de]

http://www.nytimes.com/2010/01/03/opinion/03bono.html
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Ich verstehe etwas nicht.

31. Januar 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Das kommt vor, dass ich mal etwas nicht verstehe. Ich bin zwar jemand, der dann versucht, das Problem selbstständig zu klären und zu fixen, aber tatsächlich gelingt mir das nicht immer. Eine solche Frage, die ich mir schon seit einer ganzen Weile frage, ist die, mit welcher Legitimation eigentlich so Dienste wie Blip.fm oder Last.fm funktionieren.

Ist es nicht so, dass die Musikindustrie den Leuten in P2P-Tauschbörsen nicht ständig auf die Füsse tappt, damit sie urheberrechtlich geschützte Werke nicht so schamlos durch die Gegend verschieben? Bei Blip.fm ist es jedenfalls so, dass sich dort Benutzer (“DJ” dort genannt) aus einer großen Musikdatenbank ein Repertoire zusammenstellen, dass dann andere Benutzer abonnieren können. Geht man auf den Stream, bekommt man die Musik frei Haus in den Webbrowser geliefert.

“Frei Haus” ist dabei wörtlich zu verstehen, denn im Quellcode wird tatsächlich eine MP3-Datei als Stream eingesetzt. Kopiert man sich die Adresse heraus und gibt diese in die Adresszeile des Webbrowsers ein, kann man sich tatsächlich die komplette MP3-Datei herunterladen. Und die ist, je nach Anbieter, auch von durchaus anhörbarer Qualität und funktioniert von Anfang bis Ende.

Wo ist der Haken an der Sache? Ich verstehe es wirklich nicht. Die Musikindustrie und deren wadenbeißende Kettenhunde alias Abmahnanwälte müssten doch eigentlich massiv im Dreieck springen. Davon lese ich aber rein gar nichts.

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MicroSD-Karten für den Musikvertrieb.

22. September 2008 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

Es tut sich also noch was auf der Schiene des Musikvertriebes auf physikalischen Datenträgern: Die Schwergewichte der Musikindustrie, Sony Music, Universal, Warner und EMI, haben die MicroSD-Karte für sich entdeckt und wollen für 15 Dollar pro Album bzw. Kartensplitter Musik damit verkaufen, und zwar angeblich DRM-frei und als qualitativ hochwertige MP3-Dateien mit Bitraten von bis zu 320 kbit/s. Und die Karten sollen sogar noch für kundeneigene Daten nutzbar sein. Ziel soll sein, dass der Konsument direkt diese Teile kaufen und in sein Handy stecken kann, als eine CD zu kaufen.

Netter Versuch, aber vermutlich ein Blindgänger, denn die Idee ist am Nutzer vorbeigedacht:

  1. Die meisten Konsumenten haben bereits eine eigene MicroSD-Karte, wenn sie Musik auf dem Handy hören stellen sich ihre Musikauswahl selbst zusammen.
  2. MicroSD-Karten sind alles andere als komfortabel. Sie sind verdammt klein, fummelig einzusetzen und kaum sinnvoll zu archivieren.
  3. Der Kartenslot ist bei vielen Mobiltelefonen nicht von außen zugänglich, sondern dazu darf man oft genug das halbe Gerät zerlegen und die Karte heraus pulen.
  4. Es besteht keine Notwendigkeit für sehr hochwertige Bitraten von über 200 kbit/s, zumindest auf den allermeisten Mobiltelefonen. Ganz im Gegenteil, je niedriger die Bitraten sind, desto mehr passt auf die Karte.

Der ganze Vorgang erinnert so etwas an die gute, alte Compact Cassette. Die funktionierte als Vertriebsweg prima, allerdings erheblich mehr für Kopien, als für den Direktverkauf. Eben weil die Mobilität von Medienträgern dazu führt, dass man sich auch gern selbst den Medienträger mit eigenen Zusammenstellungen bespielt.

Mein Tipp zu diesem Vertriebsansatz: Totgeburt by design.

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