Lösung zur dritten Staffel von Kommissarin Lund.

Mit einem Tag Verzögerung habe ich nun auch die letzte Folge der dritten und letzten Staffel von Kommissarin Lund – im dänischen Original Forbrydelsen genannt – angeschaut. Und wie vermutlich die meisten Zuschauer hat mich das Ende ebenfalls etwas verstört zurückgelassen. Es gibt nicht viele Krimis, die das zumindest bei mir schaffen. Aber weil ich ja schon mal die komplette Lösung für die erste Staffel hier im Blog aufzeichnete und entsprechende Suchanfragen am gestrigen Montag so gewaltig hoch waren, hier eine Schnellzusammenfassung und die Conclusion der dritten Staffel. Wie üblich wurde der eigentliche Mörder zwar schon in der letzten Folge aufgelöst, die ganzen verwobenen Geschichtsstränge sind allerdings nicht ganz einfach zu entwirren.

Achtung, SPOILER! Der folgende Text ist in weißer Schrift auf weißem Grund, bitte einfach den folgenden Text markieren, um ihn lesen zu können. Wer diesen Artikel als Feed liest, schnell wegblenden, wenn er die Lösung nicht wissen will.

  1. Der Mörder des 13-jährigen Mädchens Louise Jelby aus dem Kinderheim war Niels Reinhardt, der Sicherheitsberater von Zeeland-Chef Robert Zeuthen und der Chef der Kinderstiftung von Zeeland. Offenkundig scheint dieser eine pädophile Vergangenheit zu haben, die sich andeutet, allerdings nicht beweisen lässt (zur Schuldfrage weiter unten noch eine Anmerkung).
  2. Im Rahmen des Mordes wurden damals Untersuchungen unter der Führung von Obertaatsanwalt Peter Schultz durchgeführt. Diese Untersuchungen waren zumindest so weit fortgeschritten, dass schon damals Niels Reinhardt in Verdacht geriet. Zeeland sorgte jedoch über den Finanzminister Mogens Rank, der wiederum Druck auf die Sondereinheit und den Staatsanwalt Schultz ausübte, dafür, dass die Beweise so gefälscht wurden, dass Reinhardt ein Alibi zugeschoben wurde. Das gelang vor allem dadurch, dass das Hotel, in dem Reinhardt während des Tatzeitpunktes gewohnt haben soll, ein Unternehmen der Zeeland-Gruppe war und Manipulationen dementsprechend einfach.
  3. Der Sohn von Premierminister Kristian Kamper hat, offensichtlich als rebellischer Sohn, Recherchen gegen die Partei seines Vaters und Zeeland geführt und darunter auch Niels Reinhardt beschattet und fotografiert. Das fiel damals schon dem Bruder von Kristian Kamper, Kristoffer, auf (der gleichzeitig auch der Wahlkampfleiter von Kristian Kamper ist), der seiner Aussage nach seinen Neffen warnte, weiterhin Recherchen gegen seinen Vater durchzuführen. Während den Recherchen machte sein Sohn auch Fotos, darunter unter anderem auch das Foto, auf dem Reinhardt am Straßenrand parkend fotografiert wurde, wie er offensichtlich kurz vorher Louise Jelby auf ihrem Fahrrad angefahren hatte. Weil dies einschlägigen Kreisen bekannt war, wurde das Versteck von Kristian Kamper durchsucht und er dabei zufälligerweise angetroffen. Aus Panik ist er wohl weggelaufen, dabei auf die Bahngleise der naheliegenden Bahnstrecke geraten und wurde von einem Zug überfahren. Der bis dato eigentlich als Suizid geltende Tod ist demnach eigentlich aus einem ganz anderen Hintergrund zu sehen, den sein Vater offenbar nicht kannte.
  4. Der lange Zeit als Täter geltende Entführer von Zeuthens Tochter Emilie namens „GM“ ist der leibliche Vater von Louise Jelby und will mit der Entführung Zeeland und die Ermittlungsbehörden erpressen, den wahren Mörder von Jelby – Niels Reinhardt – zu ermitteln. Darum führt er während den gesamten Folgen die Ermittler quer durch alle Handlungsstränge und Protagonisten der Verschwörung. Emilie wiederum hatte er gar nicht per Container nach Norwegen verschifft, sondern wohl kurz nach der ersten missglückten Übergabe nicht erschossen und auf die Medea verfrachtet, das schrottreife Schiff aus der 1. Folge. Die Tochter diente die ganze Zeit über als Faustpfand des Entführers und als Druckmittel gegenüber Lund, die Ermittlungen im Fall Louise Jelbys nochmal aufzurollen.

So, und warum hat nun Sarah Lund ganz am Ende das Verstörenste getan und Reinhardt auf eigene Faust auf dem Flughafen erschossen? Die Antwort dazu liefert der letzte Dialog zwischen Lund und Reinhardt im Auto, kurz vor der Exekution von Reinhardt:

Lund: Sie müssen sich gewundert haben, als Sie plötzlich dieses Alibi hatten. Jemand von Zeeland hat dafür gesorgt, dass es so aussieht, als hätten Sie im Zimmer 108 gewohnt. Die Daten des Schließsystems dienten dann als Ihr Alibi. Sie haben noch nie in Zimmer 108 gewohnt, Sie wohnten immer in 312. Sie haben Louise Jelby umgebracht. Und sie war nicht die erste, habe ich Recht? Sie können es ruhig zugeben! Geben Sie’s zu, ich werde es sowieso beweisen!

Reinhardt: Ich glaube nicht, dass Sie das können. Sonst würden wir dieses Gespräch nicht führen. Aber ich bewundere Hartnäckigkeit, Sorgfalt und ordentliches Arbeiten. Das ist etwas, das ich sehr schätze. Danke, dass Sie mich daran erinnert haben. Sie haben mich viel gelehrt. Ich werde das selbstverständlich mit in die Zukunft nehmen. Aber jetzt müssen wir zusehen, dass wir weiterkommen.

Kurzum: Lund weiß, dass Reinhardt das 13-jährige Mädchen Louise Jelby umgebracht hat und hat auch Indizien dafür, dass Reinhardts Alibi nicht stimmt. Allerdings ist dies nicht zu beweisen, zumal der Spur mit der Zimmernummer schon einmal nachgegangen wurde und das Alibi bei der ersten Untersuchung hielt. Reinhardt wiederum weiß auch, dass Lund nicht in der Lage ist, den Mord nachzuweisen (auch das besagte Foto ist letztendlich nur ein Indiz). Allerdings lässt er mit dem Hinweis auf seine Bewunderung für Lunds Hartnäckigkeit hervorblicken, dass er mit der Lösung seines Alibis möglicherweise aus moralischen Gründen nicht wirklich leben kann und sich deshalb damit abfindet, dass Lund die Schuldfrage auf eigene Faust mit der Exekution löst.

Diese weitgehend verzweifelte Haltung von Lund wird auch noch mal dadurch unterstrichen, in dem die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft auf das glückliche Auffinden von Zeuthens Tochter dargestellt werden. Premierminister Kamper hat die Wahlen gewonnen und unmittelbar nach der Wahl sind ihm die Nachforschungen zum Fall Reinhardt herzlich egal und auch der Aufsichtsratvorsitzende von Zeeland blockt im Gespräch mit dem aufgebrachten Robert Zeuthen jegliche Vorwürfe ab und empfiehlt Zeuthen lieber einen eigenen Ausstieg aus dem Unternehmen, um dessen Image nicht zu gefährden. Sprich: Um die Wahrheit schert sich keiner, wenn das eigentliche Problem nicht mehr existent ist.

Das war’s. Wieder einmal zehn Stunden Kommissarin Lund durch und keine Minute davon war vergeudet. Mit dem sehr deutlichen Ende und der Flucht von Lund aus Dänemark/Norwegen endet auch sehr offensichtlich die Lund’sche Serie nach drei Staffeln. Hochverdient, auch wenn die dritte Staffel an die Komplexität und Dramatik der ersten Staffel meiner Meinung nach nicht ankommt. Aber das sind reine Detailfragen.

Kommissarin Lund: Die Chefin ist wieder da.

Wenn ich hier im Blog von Kommissarin Lund bzw. von Forbrydelsen, wie die Krimiserie im dänischen Original heißt, schreibe, dann schreibe ich von einem Quotenbringer. Im Fernsehen und hier im Blog. Dass sich die dritte Staffel ab dem 10. März im ZDF ankündigt, dieses Mal immerhin nur fünf Monate nach dem Start in Dänemark, habe ich schon längst am Anwachsen der Suchanfragen bemerkt. Dabei geht es hier ja nur um die Lösung der ersten Staffel.

Immerhin, die dritte Staffel zeigt vor allem mal eines: Die Dänen sind offensichtlich dabei, ihren Kampfeinsatz in Afghanistan vollständig zu verarbeiten. Zu viele Krimiserien hatten in den vergangenen Jahren mehr oder weniger verkrampfte und mitunter fast schon haarscharf rassistisch anmutende Verzweigungen in Vorurteile, die man dann auch noch gern mit der – ich sage es jetzt mal möglicherweise offensiv – implizierten terroristischen Leichtfüßigkeit in arabischen Ländern verortete. Dazu zählte Forbrydelsen, aber auch und vor allem die Serie „Protectors“, im dänischen Original „Livvagterne“. Zweifellos allesamt moderne Krimiserien mit enormer Erzählgeschwindigkeit und mindestens drei gleichzeitig laufenden Erzählsträngen, allerdings stößt eben die ziemlich einseitige Einbeziehung von hochkomplexen internationalen politischen Bewegungen schnell an seine erzählerischen Grenzen. Vieles kann man nicht gut in einem Krimi erklären, der ja in erster Linie unterhaltsam sein soll, und dann bleiben am Ende Sachlichkeit, Wahrheit und Zusammenhänge auf der Strecke. Das war so ein grundsätzliches Ding, warum mir die zweite Staffel von Forbrydelsen recht schnell zum Halse herauskam, die als Basis mehrere Morde hatte, die zunächst in einem islamistischen Hintergrund vernordet wurden, später dann aber im dänischen Militär. Sicher, man bekam die erzählerische Kurve, aber die ersten Folgen waren schon am Rande des Erträglichen. Don’t mix serious entertainment with politics.

Und das bei einer Protagonistin, die eigentlich gar nicht so recht in die Welt des Krimis passt. Wohnt in keiner hippen Wohnung, fährt kein kultiges Auto, setzt sich nicht übermäßig in Szene. Sondern ist durch und durch ein Traum eines jeden Vorgesetzten. Schafft bis zum Umfallen, sieht sich als absoluter Teamplayer und überlässt den Ruhm den Schreibtischtätern der mittleren Führungsebene. Da kann man Lund auch problemlos für die wirklich harten Fälle einsetzen, ohne jegliche Gefahr, dass da jemand ermittelt, der irgendwann den Höhenflug bekommt.

So hat man sich bei der dritten Staffel, die gleichzeitig auch die letzte der Serie werden soll, wieder auf „Bewährtes“ zurückgefunden und bleibt im Land. Das Dänemark in der Zeit der globalen Finanzkrise. Die hat unter anderem dazu geführt, dass die Dienststelle von Sarah Lund Einsparungsmaßnahmen durchführen muss und Lund überlegt, in die Verwaltung überzuwechseln. Das wird allerdings zunächst dadurch schwierig, dass ein mysteriöser Mordfall aufgeklärt werden muss, zu dem sich schon in der ersten Staffel gleich noch ein paar weitere Tote dazugesellen, deren gesellschaftliche Zugehörigkeit und deren Art des Ablebens so gar nicht zusammenpassen wollen. Von Verwicklungen bis in die höchsten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zonen darf ausgegangen werden, so dass die gewaltigen 10 Stunden dieser Staffel, die in der deutschen Fassung wieder auf fünf jeweils zweistündige Folgen portioniert sind, sehr spannend sein dürften.

Die nächsten fünf Sonntage bin ich also jeweils zwischen 22 und 24 Uhr telefonisch nicht zu sprechen, auch nicht in Notfällen.

Long Tail in Sachen Krimiauflösung im Fernsehen.

Hier im Blog gibt es einige Evergreen-Artikel. Dazu gehören die Artikel, in denen beschrieben ist, wie dem iPhone die Synchronisation mit dem Google Kalender und Adressbuch beizubringen ist, die allein weit über 50 % der Suchanfragen für sich beanspruchen. Gleich danach kommt aber ein Artikel, der anfangs praktisch gar keine Relevanz hatte: Der Artikel mit der Lösung der ersten Staffel der dänischen Krimiserie Forbrydelsen, in Deutschland bekannt unter dem Namen „Kommissarin Lund“. Das liegt vor allem daran, dass Forbrydelsen zu den skandinavischen Krimiserien gehört, die sehr komplex daherkommen. Immerhin dauert die erste Staffel, die im Original aus 20 Folgen besteht, schlappe 1.100 Minuten. Wohlgemerkt: Die Staffel ist ein einziger Fall mit mehreren, ineinander verwobenen Geschichtssträngen. Die komplexe Geschichte führt dazu, dass die Auflösung ebenfalls komplex ist. Zudem überschlagen sich in der letzten Folge die Ereignisse dermaßen, dass ich damals nach der Erstausstrahlung im ZDF die Auflösung nochmal komplett gebloggt habe.

So ein Artikel, der ein sehr spezifisches Thema behandelt aber prinzipiell dauerhaft interessant ist, ist ein klassischer Fall für das Long-Tail-Phänomen. Kurze, relativ hohe Peaks umrahmen ein Thema, das die meiste Zeit jedoch kaum von Interesse ist. Und die kurzen Peaks sehen aus Sicht des Webstatistikprogramms Piwik, das mein Weblog permanent untersucht, folgendermaßen aus (Klick für die Großansicht):

Beachtet werden muss zunächst, dass die Statistikauswertung erst ab dem 1. April 2012 beginnt. Das normale, tägliche Grundrauschen bewegt sich zwischen 0 und 8 Seitenabrufen, die auf diesem Blog-Artikel landen, allesamt mit Begrifflichkeiten um „kommissarin lund“ etc. Auffallend sind zwei dicke Ausreißer, genau am 17. August 2012 mit 89 Abrufen und am 1. September 2012 mit 125 Abrufen. Ferner noch der 24. September mit 21 und der 21. Oktober mit 16 Seitenabrufen.

Und das hat seine genau definierbaren Gründe, denn in diesen Zeiträumen wurde die erste Staffel von Forbrydelsen laut fernsehserien.de im deutschsprachigen Raum im Fernsehen auf arte wiederholt:

  • Am Donnerstag, 16. und Freitag, 17. August die Folgen 1 bis 6
  • Am Donnerstag, 23. und Freitag, 24. August die Folgen 7 bis 13
  • Am Donnerstag, 30. und Freitag, 31. August die Folgen 14 bis 20

Und mit diesen Informationen passen die Peaks nun auch. Die Anfragenspitze am 17. August passt zum ersten Block der Folgen 1 bis 6, weil die letzte Folge noch am 17. August um 23:10 Uhr endete und sich dann genügend Zuschauer im Web auf die Suche nach der Lösung machten. Der zweite Block der Folgen 7 bis 13 fällt nicht besonders groß auf, dafür jedoch der dritte Block der Folgen 14 bis 20. Und dass der Peak dieses dritten Blocks erst am 1. September zu messen ist, liegt daran, dass das Ende der letzten Folge an diesem Tag um 0:10 Uhr lag und damit im nächsten Tag.

Von den Besuchern, die in den Peak-Zeiten aufgrund der Suche nach der Lösung auf das Blog kamen, habe ich allerdings verhältnismäßig wenig, was in der folgenden Auswertung, ebenfalls aus Piwik, ersichtlich ist:

Dort ist auf der linken Seite eingeblendet, mit welchen hauptsächlichen Begrifflichkeiten in dem gesamten Zeitraum der vergangenen Monate die Besucher von Suchmaschinen aus auf den Artikel gekommen sind. Auf der rechten Seite eingeblendet ist der Weg, den die Besucher auf meinem Blog dann danach gegangen sind. In der Mitte der Grafik findet sich die eigentliche Auswertung.

Im Klartext interpretiert bedeutet das, dass die insgesamt 1.347 Seitenabrufe von 993 Suchmaschinenanfragen initiiert wurden und 1.193 dieser Seitenabrufe auch direkt nach dem Lesen des Artikels wieder zum Ausstieg führten. Nur 35 Anfragen führten zu weiteren Seitenabrufen im Blog – eine Ausstiegsrate von fast 89 %, das allerdings bei diesem sehr spezifischen Spezialthema so auch zu erwarten ist.

Sind wir in Deutschland zu „krimigeil“?

Ich hatte einmal eine recht interessante Diskussion in einer Kneipe am Start, bei der es um das Fernsehprogramm ging. Und zwar im Detail darum, warum US-amerikanische Serien in Deutschland (und nicht nur dort) so gut funktionieren und deutsche Serien so gar nicht – außer Krimis. So Serien wie Derrick, die vor allem dadurch glänzen, dass sie im Prinzip furchtbar langweilig sind und vollkommen ohne Action und und Glamour daherkommen, sind in der Welt überaus begehrt. Und wenn man sich die Physiognomie näher anschaut, bekommt man auch die passende Antwort.

Krimis im Fernsehen – eine Nahbetrachtung des Fernsehprogramms

Der subjektive Eindruck, das Fernsehen sei voll mit Krimiserien und „krimiähnlichen“ Programmen wollte einmal mit verlässlichen Zahlen untermauert werden. Also habe ich mir mal das Fernsehprogramm einer Woche im September (von Samstag bis Freitag) geschnappt und ausgewertet. Und der subjektive Eindruck wird plötzlich sehr objektiv. In den Zahlen eingerechnet sind Polizeiserien wie das „Großstadtrevier“ und als Spezialfall auch die Fahndungssendung „Aktenzeichen XY“:

  • ARD: 5 Stunden, 45 Minuten
  • ZDF: 14 Stunden, 15 Minuten
  • RTL: 1 Stunde
  • Sat 1: 0 Stunden
  • Pro Sieben: 0 Stunden

Tatsächlich ist das ZDF absoluter Krimikanal. Neben den Freitags-, Samstags- und Sonntagskrimis gibt es eine ganze Phalanx an SOKO-Serien im Vorabendprogramm, so dass das ZDF pro Tag durchschnittlich auf über zwei Stunden Kriminalität kommt. Und betrachtet sind hier nur Krimiserien, also keine Spielfilme. Das ist eine ganze Menge Elend.

Warum Krimiserien?

Man sollte nun einmal hinterfragen, warum wir eigentlich so viele Krimiserien am Start haben. Zuerst käme man vielleicht auf die These, dass wir in Deutschland einfach gern Krimis anschauen. Gegenfrage: Tun wir das wirklich? Denn wenn wir allein nur einmal anschauen, dass die oben gezählten 21 Stunden Kriminalität auf gerade einmal drei Programme verteilt sind und von diesen drei Programmen das eine Programm nur 1 Stunde zählt, dann ist das nicht sehr homogen. Noch inhomogener wird das, wenn man berücksichtigt, dass ARD und ZDF in der so genannte „werberelevanten Zielgruppe“ deutlich auf verlorenem Posten steht. Und dazu kommt dann auch noch, dass eine ganze Latte dieser Krimiserien nicht in der Primetime laufen, wie beispielsweise ein Teil der SOKO-Serien und auch „Großstadtrevier“ der ARD, die allesamt im Vorabendprogramm gesendet werden und eher zur seichten Kost gehört.

Vielmehr gehören Krimis zu einer der ersten Unterhaltungsformen des Fernsehens und prägen das Fernsehen von Anfang an. Während in den USA das klassische Crime-TV in den 1970ern sein All-Time-High hatte und seitdem – mit Ausnahmen – auf dem absteigenden Ast ist, ist im deutschen Fernsehen von einem absteigenden Ast kaum etwas zu sehen, zumindest in Sachen Quantität.

Das liegt mitunter an zwei zentralen Eigenschaften von Krimiserien, zählen wir sie mal zu „Fernsehen 1.0“:

  • Vergleichsweise einfach strukturierte Drehbücher
  • Keine aufwendigen Studioproduktionen
  • Keine Spezialeffekte und damit günstige Postproduktion
  • In der Regel streng episodisch abgeschlossene Erzählformen
  • Krimis sind „ernste“, internationale und überparteiliche Kost, ohne die Gefahr, irgendwo größer anzuecken, wenn man es nicht darauf ankommen lässt

Fernsehen im Zeitalter des Multikanals

Das Ende des Fernsehens ist demnächst sicherlich nicht zu erwarten. Sehr wohl aber eine grundlegende Änderung des Sehverhaltens der Fernsehzuschauer. Fernsehen ist immer weniger eine Geschichte, die man jeden Abend einschaltet, um dann x Stunden bis zum Einschlafen darin in ein Programm hineinzuschauen. Es ist schon heute so, dass Fernsehen eine selektive und immer selektiver werdende Geschichte ist. Fiktionale Unterhaltung muss daher extrem professionell daherkommen, um überhaupt als unterhaltend erkannt und akzeptiert zu werden.

Das ist der Grund, weshalb amerikanische Produzenten von hochklassigen Fernsehserien schallend über die Kosten von 1 bis 1,5 Millionen Euro einer mittelmäßigen Tatort-Folge lachen können. Eine aktuelle Folge der Simpsons wird beispielsweise mit 1 Million US-Dollar veranschlagt, wobei zu berücksichtigen ist, dass es Trickfilm ist und die Trickarbeiten in Billiglohnländern produziert werden. Eine Folge „Dr. House“ gibt es, wenn man diversen Quellen glauben darf, gar erst ab 3 Millionen US-Dollar pro Folge und das ist für eine Serie, die quasi komplett in einem Studio produziert wird, nur 45 Minuten dauert und pro Staffel mindestens 20 Folgen aufweist, eine gewaltige Zahl.

Die Budgets allein sind es aber nicht, denn das würde beispielsweise nicht den Erfolg der vielen Sitcoms erklären, die in den USA produziert werden und es hier in Deutschland teilweise noch nicht mal auf die Programmtafeln schaffen. Hier gilt immer noch der Gedanke, dass Sitcoms eigentlich im „ernstne“, deutschen Fernsehen nichts zu tun haben und eher zu Klamauk gezählt werden. Ein grober Kardinalfehler, denn auch wenn Sitcoms oftmals eher unterhaltenden Charakter haben, haben Sie einen großen Vorteil: In ihnen lässt sich das normale Leben (soweit man davon sprechen mag) immer noch am besten verarbeiten.

Ein weiterer Punkt betrifft praktisch die gesamte Unterhaltung: Sie wird nicht von einem Drehbuchautor geschrieben, sondern von einer ganzen Batterie von gleichberechtigten Autoren, in der Regel auch mit mehreren Autoren pro Folge. Das gibt schon allein dadurch, dass mehrere Augenpaare mehr sehen, als nur eines, den großen Vorteil, dass eine Serie deutlich vielfältiger ist, als z.B. 20 Jahre Derrick. In vielen Ländern wird die fast schon maschinell wirkende Konstanz von Derrick hochgelobt und als „typisch deutsch“ eingeschätzt, aber das ist eigentlich kein Vorteil, das ist ein großes Dilemma, das man auflösen müsste.

Neue Formen, Formate, Experimente

Eigentlich mangelt es im deutschen Fernsehbetrieb an nichts: Es gibt eine gut entwickelte öffentlich-rechtliche Senderstruktur, es gibt große Privatsenderketten, es gibt etabliertes Pay-TV und es gibt eine umfangreiche Landschaft von privaten Produktionsgesellschaften, die Auftragsarbeit verrichten können, wenn der Etat stimmt. Man könnte loslegen – wenn man wollte.

Aber will man? Wenn man sich gerade das öffentlich-rechtliche Fernsehmilieu anschaut, darf man getrost daran zweifeln. Experimentielle Formate finden keinen Platz, bei der ARD zudem keine echte Geduld mit der Intendantenriege. Das ZDF probiert sich wenigstens mit dem Digitalkanal ZDF Neo, hier fehlt es aber meiner Meinung nach am richtigen „Tritt“, auch mal etwas größeres zu produzieren und auszuprobieren. Der Raum dazu wäre da und noch nie gab es wirksamere Möglichkeiten der Begleitberichterstattung, wie im Internet- und Facebook-Zeitalter.

Man müsste wollen. Mut zur Lücke haben. Leuten die Luft zum Experimentieren lassen. Mal das Publikum fragen, was es sehen möchte und vielleicht das Publikum auch einmal mitarbeiten lassen an der Entwicklung eines neuen Formates. Man will nicht. Und versteht nicht, dass auf die „klassische“ Weise das moderne Fernsehen von morgen nicht funktionieren wird.

Rückblick auf die zweite Staffel von „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Das ZDF hat sich sehr ordentlich lange Zeit gelassen für die Ausstrahlung der zweiten Staffel der dänischen Krimiserie „Protectors – Auf Leben und Tod“, in Dänemark bekannt unter dem anschmiegsamen Namen „Livvagterne“ (was auf Deutsch schlicht und einfach „Leibwächter“ heißt). Während nämlich im dänischen Fernsehen die zweite Staffel Anfang letzten Jahres auf Sendung ging, mussten die deutschen Zuschauer auf die deutsch synchronisierte Fassung eineinhalb Jahre länger warten. Nun ja, Manöverkritik am Rande.

Diejenigen, die meinen Twitter-Stream lesen, durften die letzten Sonntagabende schon in den „Genuss“ meiner regelmäßigen „Sofortkritik“ kommen, die ich während der Ausstrahlung der einzelnen Folgen gab. Kurzum: Ich verteile ja, da in ich Pforzheimer, Lob nur in homöopathischen Dosen, denn „ned g’schimpft isch g’nug g’lobt“. Aber ganz so einfach kommen mir die dänischen Macher von Livvagterne nicht davon, denn die zweite Staffel war schlicht und einfach nix und eine eher unrühmliche Fortsetzung einer an sich gar nicht so schlechten Idee, nämlich der Begleitung einer selbstverständlich fiktiven Spezialeinheit von Leibwächtern, die wichtige Personen beschützen soll. Eine an sich interessante Thematik, die man aber, wenn man einigermaßen realitätsnah sein möchte, offenkundig eine stinklangweilige Angelegenheit sein muss, so wie die meisten aufregend klingenden Berufe.

Ein anderer Grund, weshalb in der zweiten Staffel die Geschichten von Livvagterne immer hanebüchener wurden, fällt mir nämlich nicht mehr ein. Anstatt dass es nämlich um den Schutz von VIPs geht, handelten immer mehr Folgen davon, dass ein Verwandter oder ein Freund eines der Leibwächter in irgendwelche Probleme hineingeraten ist und aus diesem Grund völlig problemlos und unbürokratisch Schutz und Dienstleistung eben dieser Spezialeinheit bekommt. Beispiel, Folge 2 der zweiten Staffel: Die Schutztruppe begleitet die dänische Außenministerin nach Russland. Dort wird eine regimekritische Journalistin, zufälligerweise Bekannte eines der Protagonisten, bedroht und der Personenschützer nimmt sie dann mal nach Dänemark mit. Oder Folge 5: Ein Freund eines der Personenschützer (ironischerweise wieder derjenige aus Folge 2) hat einen Freund, der im Kongo beim Diamantenhandel mitmischt, dort hopsgeht und per Sarg und mit im Darm inkludiertem Diamanten nach Dänemark transportiert werden soll. Machen dann die Personenschützer. Zwar eine der rasantesten Folgen mit Action – der Stoff prellt allerdings extrem. Der dänische Geheimdienst ist zwar offiziell auch eine Polizeibehörde, aber ob die so erfreut wären, wenn die Personenschutztruppe geheimdienstliche Operationen vornimmt?

Das ist in etwa so, wie wenn Sie ein Problem mit einem Strafzettel haben, einen guten Freund bei der Sondereinheit GSG9 haben und der Freund mit seiner Truppe bei Ihnen vorbeischaut und die Sache unbürokratisch klärt. Hat natürlich niemand etwas dagegen, noch nicht mal der Vorgesetzte der Truppe. Autsch. Das Leibwächter-Handwerk ist eng umfasst und es hat sicherlich seine Gründe, dass in Deutschland, der unumstrittenen Supermacht in Sachen Krimis, keine echte Serie gibt, die sich mit der Materie beschäftigt.

Und was auch noch auffällt: Der Bösewicht ist im Zweifelsfall immer der Moslem. Ich bin ja immer recht vorsichtig, wenn es um Stereotypen geht, aber bei der zweiten Livvagterne-Staffel ist es einfach zu klischeehaft. Man mag es sehen, wie man möchte, aber der Moslem ist nun eben mal nicht ständig derjenige, der wenig gebildet an nichts anderes denkt, als den Rest der Gesellschaft wegzubomben oder zumindest an jeder schlechten Story als Mittäter drinhängt. Ich möchte es nicht unterschwelligen Rassenhass nennen, dazu ist es sicherlich noch viel zu subtil angelegt. Für so durchgeknallte Typen wie den norwegischen Anders B., die schon extrem geladen durch die Gegend wandern, sind solche Serien sicherlich einer der Myriaden von Influenzpunkten, die dafür sorgen, dass sich Weltbilder im Kopf verschieben. Wird man mit Sicherheit in Zukunft anders sehen müssen, auch in Dänemark.

Fazit: Schade. Einer an sich guten ersten Staffel, die im Nachhinein gesehen schon weitgehend alles erzählt hat, was man in der Branche erzählen kann, folgte eine erheblich düstere und von Stereotypen durchtränkte zweite Staffel, die nichts besser macht und auch nichts vernünftig weiterentwickelt. Ist sicherlich dem engumzäunten Genre geschuldet, allerdings könnten sich die Macher mal diesen unangenehm hässlichen Ton gegenüber Moslems abgewöhnen. Idioten gibt es nun wahrlich wirklich überall und sie sind nicht auf religiöse Eiferer beschränkt.

Rückblick auf die erste Staffel von “Protectors – Auf Leben und Tod”.

War hübsch. Sehr hübsch. Die letzte Folge der ersten Staffel endete gestern dann auch praktisch tagesaktuell mit Referenzen auf den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember, wobei dann wirklich die ganze Palette drankam: Leute, die vor der Klimakatastrophe warnen, Leute, die die Klimakatastrophe für Humbug halten, Leute, die gekauft werden, das eine oder andere zu sagen, eine Umweltministerin in Gummistiefeln und einen alternden Ex-Terroristen, gespielt vom einzigen deutschen Schauspieler, nämlich von Wolf Roth. Wer sich den sehenswerten Abschluss anschauen möchte, kann das noch im Laufe dieser Woche in der ZDF-Mediathek tun.

Coole Sache, diese Personenschützer aus Dänemark. War die dritte Folge noch so etwas wie eine schwächelnde Folge, haben die letzten zwei Folgen dann doch wieder das Lot geradegesetzt und gezeigt, wie man einen modernen Krimi produziert. Und gestern ist dann sogar noch die Technik im Besprechungsraum der Personenschützer ausgefallen. Das stimmt doch ermutigend, dass dänische Fernsehmacher ihrer dänischen Polizei auch mal zugestehen können, dass deren Technik kaputtgehen kann.

Was rückblickend dann doch etwas prellte, war der Versuch, das Privatleben der Protagonisten einzubinden. Ich habe leider immer noch nicht verstanden, mit welchen Frauen Jonas Goldschmidt zu tun hatte und mich hätte eigentlich auch interessiert, wie das mit dem gekauften Haus von Rasmus Poulsen eigentlich weitergegangen ist. Nicht dass ich da jetzt jemand bin, der die große Familientheatralik braucht, aber wenn man diese Mikrogeschichten ansticht, muss man sie auch irgendwie sinnvoll durchbringen. Nun gut, ist wirklich ein Nebenkriegsschauplatz und auf sehr hohem Niveau gejammert.

Wie geht es weiter? Nun, eine sechste Folge gibt es nicht, auch wenn danach offensichtlich genügend Menschen im Web suchen und hier landen – die erste Staffel besteht aus fünf Folgen und nicht mehr. Es wird aber bereits an der zweiten Staffel gearbeitet, die im dänischen Fernsehen Anfang des nächsten Jahres starten wird, ebenfalls wieder mit fünf Folgen. In Deutschland ist diese zweite Staffel allerdings erst wieder im Herbst im ZDF zu sehen, wir werden uns also ein Jahr gedulden müssen. Am nächsten Sonntag geht es erst wieder mit Kommissar Beck aus Schweden weiter, immerhin aber auch neue Folgen.

In Sachen Protectors wird es noch einen kleinen Knaller hier im Blog geben, aber dazu später mehr.

Dritte Folge von Protectors.

Am kommenden Sonntag steht die dritte Folge der Serie Protectors – Auf Leben und Tod an, wieder um 22 Uhr im ZDF. Ein kleinwenig schmackhaft machen? Gern:

Über Huma, eine entfernte Freundin von Jasmina, erhärtet sich der Verdacht, dass ein Unbekannter in einem Stadtteil von Kopenhagen mit hohem Anteil an Muslimen einen Terroranschlag plant. Jasminas Chef Leon und dem dänischen Geheimdienst ist der Mann ebenfalls nicht unbekannt. Auch der Premierminister wird informiert. Jasmina hat unterdessen alle Hände voll damit zu tun, ihre Freundin Huma zu schützen, die als Informantin des geplanten Anschlags in Gefahr ist. Die Umstände zwingen die Leibwächter, auf Hilfe aus der muslimischen Nachbarschaft zurück zu greifen. Dabei laufen Sie Gefahr, die Spur des Attentäters zu verlieren. Leon bleibt nichts anderes übrig, als unkonventionelle Methoden anzuwenden…

Die dritte Folge war ebenfalls im kleinen Screener-Paket, die mir das ZDF zur Verfügung gestellt hat, allerdings muss ich zugeben, dass diese dritte Folge bisher die schwächste Folge ist. Die Geschichte steigt etwas krude ein und lebt diesmal weitgehend von den Effekten. Gut, in einer Serie kann man nicht alles ständig auf 100 % fahren, aber etwas Kritik sei ja durchaus angebracht, zumal die Fans sich die Folge ja trotzdem anschauen werden.

Dass die dritte Folge schwach daherkommt, ist übrigens auch die Meinung vieler dänischer Fans. Es ist für Außenstehende recht schwierig, den Diskurs in der dänischen Bevölkerung im Bezug auf den Islam nachzuvollziehen, gerade im Bezug auf die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen vor einigen Jahren und die Reaktionen darauf. Die letzte Folge hat hier wenigstens recht gut gezeigt, wie propagandistisch auch die Reaktion der Rechtsextremen darauf sein könnte.

Zumindest bekommt in der dritten Folge der französische Staatspräsident in einem Halbsatz sein Fett weg. Mich würde interessieren, wie das in der französischen Fassung synchronisiert wird. 😉

Kritiken zu „Protectors“, letzte und die nächste Folge.

Am Sonntag die erste Folge von „Protectors – Auf Leben und Tod“ im ZDF verpasst? Schlecht. Denn das haben andere darüber geschrieben:

„Eine harte, gut besetzte und spektakulär gefilmte Serie“
— Hamburger Abendblatt

„Die dänische TV-Reihe ‚Protectors‘ entwickelt aus dem Leibwächtermotiv einen rasanten Politthriller – rund um Islamismus und Auslandseinsätze, Karikaturenstreit und Klimaschutzkonferenzen.
— SPIEGEL Online

„Protectors“ ist […] real, fast dokumentarisch gefilmt – und dem deutschen Durchschnittskrimi haushoch überlegen. Dass das ZDF nun schon zum dritten Mal als Koproduzent fürs dänische Fernsehen auftritt, spricht Bände.
— taz

„Der Sonntagabend im ZDF ist faszinierend. Es finden sich immer wieder Krimi-Höhepunkte, die einen mit der Zunge schnalzen lassen.“
— Die Welt

„[…] diese Krimireihe ist spannend, sie lebt von der Verzahnung der großen Politik mit der privaten Geschichte, von der Stille, die ein Erkennungsmerkmal nordischer Filme ist, und auch sie ist äußerst modern, also mit ausgiebigem Einsatz der Handkamera gefilmt.“
— Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Geboten wird eine Mischung aus Krimispannung und Fernsehfilm-Drama, angereichert mit dem hochbrisanten Thema Terrorismus.“
— Berliner Morgenpost

„[…] eine sehr sehenswerte Serie […], die nicht nur spannend, sondern auch in sich schlüssig, psychologisch glaubwürdig und vor allem gut erzählt ist.“
— Osnabrücker Zeitung

„Offensichtlich hat die Serie nicht nur in der Machart, sondern auch, was die erzählten Fälle angeht […] den Anspruch, auf der Höhe der Zeit zu sein.“
— Nordseezeitung

Den Kritiken gibt es nichts hinzuzufügen. So oft kommt das auch nicht mehr vor, dass eine Serie, an deren Produktion das ZDF beteiligt ist, schon nach der ersten Folge derartiges Lob einfährt und dabei hat die erste Folge noch verhältnismäßig viel Ruhe an Bord, da die Protagonisten noch umfangreich vorgestellt werden.

Mit der zweiten Folge, die am Sonntag wieder um 22 Uhr im ZDF gesendet wird, sieht das anders aus, da geht es gleich ab der ersten bis zur letzten Minute praktisch durchgehend zur Sache. Zentrales Thema sind dänische Rechtsextremisten, die es auf die neue Kulturministerin mit Migrationshintergrund abgesehen haben. Da die Personenschützerin Jasmina ebenfalls einen solchen Hintergrund hat, ist sie ebenfalls im Visier und das wird mitunter so unerträglich schaurig-spannend erzählt, dass es einem unwohl werden kann.

Übrigens: Für diejenigen, die die erste Folge von Protectors am letzten Sonntag verpasst haben und nicht bis Mitte November warten können, wenn die DVD-Box veröffentlicht wird: Unter http://protectors.zdf.de/ gibt es rechts einen Link in die ZDF-Mediathek, wo die Folge in recht guter Qualität in voller Länge angeschaut werden kann. Pflichtprogramm für diejenigen, die die erste Folge verpasst haben und sich zurechtmachen für die nächste Folge.

Bildmaterial zu „Protectors – Auf Leben und Tod“.

Auf YouTube gibt es immerhin das einminütige Intro zu Protectors – Auf Leben und Tod (bzw. „Livvagterne“ im dänischen Original) anzuschauen. Steht an sich einem Kinofilm in nichts nach:

In der ersten Folge am Sonntag wird dieses Intro eine ganze Weile auf sich warten lassen (ich dachte schon, dass in der Presse-DVD das Intro weggelassen würde), weil die erste Folge gleich mit der Geschichte anfängt und die spielt im Irak. Der (fiktive) Außenminister Henrik Skelbaek besucht dortige dänische Truppen. Und man beachte am Sonntag mal ganz genau, wie dieser Außenminister sich nach dem Aussteigen aus dem Hubschrauber verhält.

Das ZDF hat in seiner Mediathek immerhin schon mal eine Bildergalerie zur ersten Folge bereitgestellt. Beim dänischen Rundfunk Dansk Radio finden sich mehr Galerien zu, unter anderem auch Vorschaubilder aus den Folgen 6 bis 10, die in der zweiten Staffel gebündelt nächstes Jahr erscheinen werden. Dansk Radio hat da leider Vorlauf, in Dänemark fängt die zweite Staffel schon am 3. Januar 2010 an, die deutschen Fassungen kommen leider erst im Herbst. Zu Protectors gibt es übrigens auch deshalb verhältnismäßig viel Material auf der Website von Dansk Radio, weil dort die erste Staffel schon ab Januar dieses Jahres ausgestrahlt wurden.

Überhaupt ist die Online-Begleitung von Dansk Radio bemerkenswert gut, man müsste nur dänisch lesen können.

„Protectors – Auf Leben und Tod“.

Ich bin leidenschaftlicher Fan skandinavischer Krimiserien, was hier und da im Blog auch mal durchschimmert. Der Artikel mit der komplexen Auflösung der ersten Staffel von Kommissarin Lund gehört nicht ohne Grund zu den am meisten aufgerufenen Artikeln hier im Blog.

Das ZDF ließ sich nicht lumpen, hat offensichtlich googeln lassen und so fanden sich am Samstag in meinem Briefkasten zwei DVDs mit zwei Screenern zur brandneuen dänischen Krimiserie namens "Protectors – Auf Leben und Tod" (nennt sich im Original “Livvagterne”), die jetzt am kommenden Sonntag beginnen wird (25. Oktober, 22 Uhr im ZDF) und aus zunächst fünf Folgen besteht. An der zweiten Staffel wird bereits gedreht, die dann im Herbst 2010 im Fernsehen zu sehen sein wird.

Es geht bei Protectors völlig überraschenderweise nicht um Schienbeinschoner, sondern um eine Personenschützertruppe der dänischen Polizei. Viele Länder, darunter auch Dänemark, haben ihre Schutzmaßnahmen gegen mögliche Anschläge von außen daher deutlich erhöht. Nach dem 11. September und der Teilnahme Dänemarks am Irakkrieg reicht es nicht mehr, nur der dänischen Königsfamilie und ausgewählten Diplomaten einem besonderen Schutz zukommen zu lassen. Spezialeinheiten werden gebildet, um Entführungen zu beenden, Bombenattentate zu verhindern und besonders gefährdete Personen zu schützen. Der dänische Geheimdienst PET (“Politiets Efterretnings Tjeneste”) hat die Abteilung für Personenschutz weiter ausgebaut und die Einheiten für Überwachung und Spezialeinsätze verstärkt. Etwa 300 Offiziere arbeiten für den dänischen Geheimdienst, der in einem modernen Gebäude in Søburg, ganz in der Nähe von Kopenhagen, untergebracht ist.

Die drei Protagonisten von Protectors, Rasmus, Jonas und Jasmina durchlaufen ein hartes Training, um in die Spezialeinheit für Personenschutz aufgenommen zu werden und die zweijährige Probezeit absolvieren zu können. Viele Teilnehmer des Programms scheitern während der Prüfungen und kommen psychisch und physisch an ihre Grenzen. Unsere Hauptfiguren bestehen die Tests und kommen schnell zu ihren ersten Einsätzen.

Was ist zu sagen nach dem Anschauen der ersten Folge? Erst mal ein Staunen über eine Krimiserie, bei der wieder einmal jeder deutsche Krimi verpufft, wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Protectors wird von der gleichen Produktionsfirma wie Kommissarin Lund und Der Adler produziert und allein das ist schon der Eingangsstempel. Und die ersten Minuten legen die Messlatte wieder ganz nach oben. Grandiose Schauspieler, eine perfekte Rahmenhandlung für die Serie, eine feinfühlige Einführung, clever erzählte Episodengeschichten. Und wie bei Kommissarin Lund laufen auch bei Protectors wieder mindestens zwei Erzählstränge gleichzeitig, nämlich ein Strang im Umfeld der dänischen Polizei “Politi” und einer im Umfeld der Politiker, die die Personenschützer beschützen. Und beide Geschichten haben es in sich, weil sie in allen Momenten einfach überragend gut und authentisch erzählt werden. Es soll keiner sagen, der Politikbetrieb sei ein Ponyhof…

Der Dramaturgie kommt das Genre des Personenschützers sehr entgegen, vor allem, wenn man als Autor so gut den Erzählstrang laufen lässt, wie hier. Der Zuschauer hängt unmittelbar mit drin und fiebert schon nach kurzer Zeit mit den Personenschützern mit, um ja nichts in der Umgebung zu verpassen. War da nicht etwas im Busch? Kommt da ein Auto von rechts? Was dabei unnachahmlich ist, sind die extrem schnell aufgebauten Spannungsbögen, die jedoch auf Kosten der "Entspannung" der Zuschauer gehen – man hängt von der ersten bis zur letzten Minute drin.

Über die hochfeine und moderne Produktionstechnik muss man nichts mehr sagen: Weite Strecken kommen mit der Handkamera aufgezeichnet daher, was allerdings tatsächlich selten stört, die Unruhe im Bild passt zur gewünschten Unruhe beim Zuschauer. Dazu kommen wieder wunderbare Aufnahmen vom Hubschrauber, mit denen Sprünge in den Schauplätzen eingeleitet werden und die man auch schon von Kommissarin Lund kennt.

Auch mit technischem Schnickschnack wird nicht gespart und es fällt auf, dass man gerade bei den technischen und computertechnischen Details wieder peinlich genau auf die Getreue achtet. Diese kleinen Details, die man überall findet und die dann auch noch gepaart sind mit echtem "Gaunerlatein" wie beispielsweise eine hochkant gestellte und zu einer Aschesäule verbrannten Zigarette als Warnzeichen, ob ein Notebook angefasst wurde, sind die Würze der skandinavischen und eben der dänischen Krimis. Dass es bei Protectors darüber hinaus erheblich stärker eingebaute Gesellschaftskritik gibt, ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass es in Dänemark gerade in den letzten Jahren einen großen Diskurs über die vielbeschworene Toleranz gegenüber anderen Kulturen gibt. Mit dem knallharten Thema beschäftigt sich gleich die zweite Folge. Und dann muss ich zuschauen, unbedingt noch die restlichen Folgen vorab zu ergattern, sonst werd’ ich ja noch narrisch…