SocialSpace 2013 der ESA und des DLR in Köln.

Manchmal ist es der buchstäblich kleine Schritt zu ganz großen Dingen. Ich weiß schon gar nicht mehr so recht, wie ich darauf aufmerksam wurde, dass die ESA, die Europäische Weltraumagentur, und die DLR, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, am 22. September den so genannten „SocialSpace“ veranstalten. Das ist eine Art BarCamp zum Thema Weltraum, der gleichzeitig zum jährlichen Tag der Luft- und Raumfahrt am DLR-Standort in Köln stattfindet. Ehrlich gesagt habe ich von diesem SocialSpace und von dem Tag der Luft- und Raumfahrt bis dato noch nie etwas gehört.

Und dabei bin ich in Sachen Weltraum nicht unbedingt der allerdümmste. Als Kind konnte ich mich sehr für die Raumfahrt begeistern, habe im Laufe der Zeit eine nicht ganz kleine Bibliothek zu diesem Thema gesammelt und bin ein regelmäßiger ISS-Zugucker, wenn sie zu günstigen Zeiten über unsere Breiten vorüberzieht. Also habe ich mich kurzerhand auf der angegebenen Website der ESA beworben, da nur sechzig Teilnehmer teilnehmen können. Der buchstäbliche kleine Schritt … umso mehr freute ich mich, dass ich dann tatsächlich eine Einladung ergattern konnte. Vermutlich freuen sich angehende Astronauten auch irgendwie so ähnlich. 😉

Tatsächlich standen wir dann am letzten Sonntag morgens um 7:45 Uhr (wer mich kennt weiß, dass solche Uhrzeiten nicht mein sind und schon gar nicht an einem Sonntag) am S-Bahnhof von Wahn bei Köln, um auf den Shuttlebus zu warten, der uns auf das Gelände der DLR fuhr. Dort wartete das Kommunikationsteam der ESA und der DLR auf uns im eigens für das SocialSpace reservierte Zelt. Und das war auch nötig, denn der Tag der Luft- und Raumfahrt zog rund 30.000 Besucher an, wie wir später erfuhren. Da war ein abgetrennter Bereich keine schlechte Sache, zumal das Programm umfangreich und die Besucher hochkarätig waren. Eingeleitet wurde das SocialSpace mit Grußworten des DLR-Vorstandsvorsitzenden Johann-Dietrich Wörner und dem ehemaligen Astronauten und jetzigen ESA-Manager Thomas Reiter.

Gespickt waren die zehn Stunden bis 18 Uhr mit hochinteressanten Vorträgen zu Raumfahrtthemen und zu aktuellen und zukünftigen ESA-Projekten. So lernten wir, was es mit der Kolumbus-Plattform auf sich haben wird, für das am ESC, am European Space Center (ebenfalls auf dem Gelände der DLR), schon eifrig trainiert wird. Kolumbus wird 2014 ins All gebracht und als weiteres Modul an der ISS andocken. Weitere Themen waren beispielsweise auch ein Forschungsbericht über die Herstellung von Nahrungsmitteln in Habitaten, die ESA-Sonde Rosetta, die nächstes Jahr den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko treffen und unter andere die Sonde Philae darauf absetzen soll. Einzelberichte, wie es von BarCamps üblich ist, erspare ich uns mal, die Themen sind wissenschaftlich. Mitschnitte der Vorträge wird es aber noch von Seiten der ESA geben.

Und natürlich gab es ein ständiges Kommen und Gehen von aktuellen und ehemaligen Astronauten, die den ganzen Tag auf dem Gelände waren und als VIPs das SocialSpace-Zelt besuchten. Und das ist dann schon ziemlich spannend, mit Menschen zu reden, die schon mal im All waren und die Erde „von oben“ sahen. Unter den Gästen waren zum Beispiel auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst, von dem man heute vielleicht noch nicht viel gehört hat, der aber nächstes Jahr aller Voraussicht nach für sechs Monate auf der ISS als ESA-Astronaut weilen wird.

Allein schon die Frage, was für ein Gefühl es ist, im All zu sein, beantwortete der französische Astronaut Léopold Eyharts sehr eindrücklich: Da trainiere man monatelang mit vielen Menschen um sich, tagein-tagaus (übrigens in Köln am ESC). Dann wird man in eine Sojus-Kapsel gesteckt, erlebt einige Minuten einen brutalen Ritt und steht plötzlich in einer Raumstation mit nur noch einer Handvoll Menschen, für sechs Monate. Und das gleiche Spiel dann am Tag der Rückkehr. In einem Höllenritt runter auf die Erde, Kapseltür auf und alle wieder unters Forschungsvolk bei der jeweiligen Raumfahrtorganisation. Seinen damaligen russischen Kommandanten sah Eyharts erst nach Monaten wieder bei einem Treffen in Moskau – bis dahin zum letzten Mal gesehen hatte er ihn auf der ISS, weil jeder in der Sojus-Kapsel so eingepackt ist, dass man sich gegenseitig nicht sehen kann.

Ein weiteres Highlight war dann auch eine kleine Tour durch das ESC, zunächst an der „Badewanne“ mit dem Schwerelosigkeitssimulator und einem Nachbau des Kolumbus-Moduls, um dort die zukünftigen Astronauten auf Außeneinsätze vorzubereiten. Danach durften die SocialSpacler auch noch in die Kontrollräume hinein, in denen das ESA-Personal auf der ISS betreut wird. Zwar konnte man mit keinem Astronauten an Bord sprechen (waren alle laut Plan in ihrer Freizeit), aber immerhin gab es Livebilder von der Außenbordkameras und einen gerade beginnenden Sonnenaufgang. Und wenn einer behauptet, so Leute in Kontrollräumen sind Geeks, die ihre Räume mit allerhand Schabernack ausstatten – es stimmt. Wobei man davon ausgehen darf, das für diesen Tag nochmal besonders aufgeräumt wurde. 😉

Meine kommentierten Fotos gibt es hier bei flickr, ausnahmsweise sogar als Creative Commons:

Ein paar sehr schöne Personenbilder gibt es im SocialSpace-Bilderset von SimSullen.

Und nebenbei habe ich auch noch einige nette Leute kennengelernt, die schon lange auf meiner Liste stehen, unter anderem Lars Fischer vom Fischblog, Ute Gerhardt, die als „terrorzicke“ in Twitter unterwegs ist und das Leaving-Orbit-Blog schreibt und Andreas Schepers von der ESA, der zu der Garde von ganz, ganz frühen netplanet-Lesern gehört.

Ansonsten: Super Sache, ESA und DLR! Dafür, dass es ein kleiner Schritt war, sich für den SocialSpace zu bewerben und eigentlich gar nicht zu wissen, was da eigentlich für ein Programm dargeboten wurde, war es eine brillante, spannende und informative Show. Ich bewerbe mich hiermit für das nächste Jahr schon mal vorab. 😀

Snow Patrol in Köln 2012.

Es wurde wieder einmal Zeit. Zeit für die Fortsetzung einer alten Unterhaltungsserie von Joachim und mir. Nämlich der Serie von „expo-mäßigen“ Veranstaltungen. Diese Serie haben wir im Jahre 2000 mit dem Besuch der EXPO 2000 in Hannover begonnen und startete da eine lose Veranstaltungsserie, die wir immer mindestens zu zweit besuchten und mindestens das gleiche Gänsehaut-Level des EXPO-Besuches erreichen sollte. Zu der Liste der „expo-mäßigen“ Veranstaltungen gehören inzwischen diverse Konzert- und Museumsbesuche und unter anderem ein legendäres Happening in Karlsruhe, bei dem vor dem Schloss in einem riesigen Tonofen dreieckige Kacheln zum Stadtjubiläum gebrannt wurden. Eine dieser Kacheln fährt hier sogar noch herum.

So also dieses Jahr, mit einem kurzfristig organisierten Konzertbesuch der Band Snow Patrol, die derzeit durchs Land tourt. Dieser Besuch ist wiederum auch eine kleine Serie, denn schon 2009 haben wir Snow Patrol live gesehen, damals auf der Kartbahn in Dettenheim bei Karlsruhe in einem mehr als intimen Konzert. Dieses Mal spielte die britische Truppe in der LANXESS Arena in Köln auf und das kann man schon als raketenartigen Aufstieg sehen. Meinen Platz bekam ich kurzfristig deshalb, weil Joachims Sohn Maximilian auf seinen Besuch zwecks zu absolvierende Klausur verzichten musste.

Der Tourbesuch war – wie immer – eine ochsentourartige Veranstaltung: Mittwoch hin, abends saufen, danach Konzert, danach seltsames Hotel (gehört so) und Donnerstag wieder zurück. Und wenn man nach diesen zwei Tagen das Gefühl hat, es seien mindestens fünf gewesen, dann war es eine „expo-mäßige“ Veranstaltung, so wie auch hier in Köln. Das Wetter war brutal, allerdings hatten wir auch auf eine Stadtrundfahrt verzichtet und uns lieber gleich mit Freunden von Joachim beschäftigt, darunter Ian aus Großbritannien, der einen exzellenten Unterhaltungsfaktor mitbrachte, ebenso seine drei Freunde aus Belgien. Gemeinsam stiegen wir an einer offensichtlich bekannten Tourikneipe ab, in der das Kölsch ziemlich günstig war und reichlich floss, dafür jedoch die Bratwurst eher eine Rohwurst war. Das war dann auch der einzige echte, selbst verursachte Mangel.

Snow Patrol waren in bester Stimmung und haben in rund zwei Stunden die Arena zum Beben gebracht. Die war zwar nicht wirklich vollständig ausverkauft, das tat der Akustik und der guten Stimmung nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Es blieb so sogar die Möglichkeit, dass Joachim während dem Konzert (!) in einen echten Dialog mit Frontmann Gary Lightbody eintrat. Auf den flehenden, englischsprachigen Einruf von Joachim, dass er „Gary liebe“, antwortete Gary beim zweiten Mal, dass er beim letzten Lied leider nicht antworten konnte und „busy“ war. Dafür bekam er dann tatsächlich doch das nächste Lied gewidmet. Wohlgemerkt – wir reden von einer Halle mit tausenden Fans und wir reden bei Joachim von einem Menschen, der ohne Flüstertüte vom Rang bis zur Bühne hörbar war (und danach leider heiser).

Das erstaunliche an Köln war, dass es abends um 23 Uhr während der Woche offensichtlich keine Kneipen mehr gibt, die Bier verkaufen mögen. Und das es Hotelzimmer mit Hirschgeweihen gibt, die mit bunten Glasscherben und Perlenimitaten orangefarbig geschmückt sein können. Ich werde mich weigern, diese Bilder hier zu veröffentlichen.

Ach, und in Koblenz habe ich, ohne größere Übertreibung, am Donnerstag vermutlich mein bis dato bestes und leckerstes Schnitzel gegessen, im Restaurant einer Brauerei, die das in einem unglaublich scheußlichen Gebäude am Rhein platziert hat, allerdings etwas davon versteht, seine Besucher adäquat zu verköstigen. Den Rest gibt es dann bei QYPE.

WordCamp 2011 in Köln.

Hinweis: Es gibt am Ende dieses Artikels ein nachträglich hinzugefügtes Addendum.

Die deutsche WordPress-Community hat zu ihrem diesjährigen Barcamp gestern nach Köln an die Humanwissenschaftliche Fakultät (welch wunderbarer Wink mit dem Zaunpfahl) geladen. Der Einladung war zu folgen.

„WordPress sprachfähig machen – Lokalisierung Kür oder Krampf?“ von David Decker

Die Session wählte ich, weil ich mit dem Übersetzen von Open Source ja schon die eine oder andere Erfahrung habe und die andere, interessante Session in diesem Zeitslot zum Thema E-Commerce vermutlich mächtig überlaufen sein würde (was sie auch war). Davids Session war jedoch dennoch eine sehr ordentliche Geschichte zum Einstieg, da neben seinen Erfahrungen aus der Übersetzungsarbeit eine Menge Verweise auf Plugins abfielen, die ich mir notierte und die näher angeschaut werden müssen.

Generell bleibt in Sachen Internationalisation zu sagen, dass in der WordPress-Entwicklung noch eine Menge Verbesserungspotential in Sachen Übersetzung liegt. Es fiel unter anderem eine Aussage, dass die Nutzung einer Übersetzungsdatei die WordPress-Installation bis zu 44 % verlangsamt. Ich habe das zwar nie gemessen, habe aber die generelle Verlangsamung ebenfalls beobachtet. Dazu kommen die vielen Unzulänglichkeiten, die bei der Plugin-Entwicklung entstehen, wenn Plugin-Entwickler schlicht nicht berücksichtigen, dass auf diesem Planeten nicht nur Englisch gesprochen wird. Dabei wäre es so einfach, einfach eine Schnittstelle für Übersetzungsdateien zu schaffen und tatsächlich finden sich auch immer wieder Menschen, die dann auch entsprechende Übersetzungen zur Verfügung stellen.

„Spaßbremse beim Bloggen – rechtliche Rahmenbedingungen“ von Maximilian Brenner

Der Rechtsanwalt Maximilian Brenner veranstaltete vermutlich einer der erfrischensten Sessions des WordCamps – nämlich die aus Sicht eines Rechtsanwaltes. Und die ist selbst in der bunten Social-Media-Welt knochentrocken und formalistisch. Mit einem brillanten Zynismus zeigte er, wie man als Blogger ruckzuck die Basis dafür schaffen kann, in stürmischeres, juristisches Fahrwasser zu kommen, was für die meisten Blogger auch der sofortige Ruin bedeuten dürfte. Und das fängt alles bei der Definition an, ob ein Blog privater Natur ist oder geschäftlicher. Privat ist es tatsächlich nur, wenn es rein private Inhalte aus Familie etc. beinhaltet und keinerlei „regelmäßige, meinungsbildende Inhalte“. Letzteres durchzuhalten, dürfte für die meisten Blogger, die nicht einmal im Jahr aus dem Urlaub bloggen, schon gehörig schwierig werden.

Ist man aus der Definition des Privatbloggers draußen, geht es dann schon los: Impressumspflicht nach § 5 TMG wegen des Anbietens eines Dienstes, Angabe eines redaktionell Verantwortlichen nach § 55 RStV, Informationen über die Verarbeitung personenbezogener Daten. Und das alles dann nicht nur im Weblog, sondern auch auf den Microblogging-Kanälen. Hier immerhin gibt es die Möglichkeit der „Zwei-Klick-Lösung“, d.h. einem direkten Link zu einem Impressum im Weblog. Prinzipiell muss aber im geschäftlichen Verkehr tatsächlich auch der Twitter-Stream mit einem Impressum versehen sein.

Anhand der vielen Notizen, die die meisten Session-Teilnehmer machten und einiger recht hilflos wirkender Fragen, die Maximilian Brenner herzlich amüsant beantwortete, nehme ich an, dass in den nächsten Tagen einige Leute ihre Impressen sehr stark umbauen werden. Inklusive meiner Person.

„Genesis Theme-Framework“ von Heinz Duschanek und „Xtreme One Theme-Framework“ von Alex Frison und Michael Preuß

Die nächsten zwei Session-Blöcke waren dann Framework-Geschichten. Mit Frameworks habe ich bis jetzt noch recht wenig Erfahrungen, weshalb ich einmal sehen wollte, was da geht – und da geht was.

Heinz Duschanek von der österreichischen E-Werkstatt entschuldigte sich schon zu Beginn über seinen österreichischen Akzent und verwies darauf, dass er „die Fähigkeit, Hochdeutsch zu sprechen, nach und nach verlieren wird“. Die verlor er tatsächlich auch sehr schnell, dennoch war sein Überflug ins Genesis- Theme-Framework gut und umfassend.

Mit Theme-Frameworks wird die Web-Entwicklung gehörig vereinfacht. Mit Child-Theming ist es möglich, ein bestehendes Theme mit relativ wenig Einstellungen und dem Austausch von wenigen Grafikelementen an den Kundenbedarf anzupassen. Das Genesis-Framework geht da einen umfassenderen Ansatz mit Einstellungenmöglichkeiten in Sachen SEO und vielen anderen Bereichen, während das Xtreme One Theme-Framework, in das Alex Frison und Michael Preuß einen Einblick gaben, sich auf weniger Bereiche beschränkt, hier aber erschlagend viele Einstellungsmöglichkeiten bietet. Das, was die beiden in Sachen Widget-Design zeigten, ist an Konfigurationsmöglichkeiten kaum noch zu übertreffen.

Beide Frameworks, die wie viele andere Frameworks kostenpflichtig sind, zeigen sehr anschaulich eine Entwicklung: Websites von kleineren Firmen können gut aussehen, mit WordPress ein vernünftiges CMS an Bord haben und mit einem Framework kostengünstig und effizient entwickelt werden.

„Bestehende WordPress-Seiten auf Multisite umstellen“ von Walter Ebert

Walter hielt einer der inhaltlich anspruchsvollsten Sessions, in die er auf die „Erwachsenenversion“ von WordPress, der Multisite-Installation einging. Für mich ist WordPress Multisite immer noch „WordPress µ“, auch wenn das natürlich nicht mehr so ist – die Multisite-Version von WordPress wird nicht mehr als getrenntes Projekt geführt, sondern steckt in jedem WordPress drin und muss nur noch aktiviert werden.

Wie das grundsätzlich geschieht, hat Walter Ebert in einem Schnellkurs beschrieben und ist dann später auch die richtig spannenden Dinge eingegangen, nämlich wie man die Inhalte aus einem Einzelplatz-WordPress in eine Multisite-Installation übernimmt. Der Artikel-Ex-und-Import ist zwar der offizielle Weg, dauert jedoch bis in die Puppen und beinhaltet immer noch die gewaltige Arbeit, alle Plugins auf der neuen Instanz manuell konfigurieren zu müssen. Das hat mich von einigen größeren WordPress-Geschichten bei uns auf dem Server immer zurückschrecken lassen.

Der Weg über einen MySQL-Dump hat Walter beschrieben, mit einigen Insider-Tipps garniert und darauf gepocht, dass der Weg gar nicht so schlimm ist, wie er sich anhört. Für mich ein Ansporn, es tatsächlich mal auf diesem Weg zu probieren. Natürlich nur mit expliziten Backups. 😉

Fazit zum WordCamp 2011 Köln

Überraschend gut, überasschend unaufgeregt, überraschend „barcampig“, überraschend gute, inhaltliche Qualität. Zwar variiert die inhaltliche Qualität in barcamp-artige Konferenzen mitunter gewaltig (keine weiteren Kommentare, die Sessions meines „Lieblingsschlagersängers“ besuche ich nicht mehr), allerdings findet man echte inhaltliche Juwelen zu dem Preis nur auf einem Barcamp. Und während die großen Barcamps inzwischen immer mehr zu Schlipsveranstaltungen von ganz arg wichtigen und an sich inkompetenten Leuten verkommen, ist das WordCamp als „Nischen-Barcamp“ schön außerhalb dieser unschönen Entwicklung. Und ein Barcamp an einer Universität und dort in normalen Klassenräumen abzuhalten, ist „back to the roots“. Die Organisation war gut, das spendierte T-Shirt kommt mit einem tollen Motiv daher, die Verpflegung war herausragend und das von Netcologne gesponserte WLAN funktionierte sogar und hätte sicherlich auch noch besser funktioniert, wenn nicht jeder immer gleich alle seine zehn Gadgets am WLAN anmelden müsste.

Blogger-Kollege Jens vom Pottblog war übrigens auch da. Das heißt: Nicht immer ganz vollständig mit Körper und Verstand, aber BVB-Fans haben samstags eigentlich besseres zu tun:

Ich habe tatsächlich schon um 17 Uhr zusammengepackt und bin mit Straßen- und U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof gefahren, um nochmal schnell eine Runde um den Kölner Dom zu fahren und staunend zu sehen, wie tausende Touristen davor sitzen und ebenfalls staunen, allerdings eher über den Kölner Dom an sich. Und vielleicht auch über die davor sitzenden und liegenden Trunkenbolde, die ja wirklich überhaupt keine Scham kennen und ihren Rausch mitten auf der Domplatte ausschlafen. Bei uns im Ländle wird sowas weggekärchert, bevor sie überhaupt ihr erstes Bier im Leben trinken.

Auch ein Erlebnis: Ein praktisch leerer ICE-Großraumwagen, den wir uns zu dritt geteilt haben. Und das erste Mal bei 300 Stundenkilometern aufs Klo gegangen. Bei der Geräuschkulisse und der Schaukelei kommt man sich in dem glänzenden Toilettenabteil vor wie im Space Shuttle. Nur was für die Harten. 😉

Addendum vom 26. September 2011

Zum WordCamp gibt es in der deutschen Blogosphäre inzwischen ein eher durchwachsenes Stimmungsbild. Bemängelt werden da vor allem die an sich üblichen und auf dem WordCamp teilweise fehlenden „Barcamp-Gepflogenheiten“ wie die fehlende Vorstellungsrunde und die weitgehend schon vorab feststehende Sessionplanung.

Kurzum: Ja, kann man monieren. Und nein, muss man nicht unbedingt. Es könnte mich durchaus nerven (was es nicht tut), wenn ich mir anschaue, wie Fans von Barcamps, die vorgeben, die Offenheit und Ungezwungenheit von Barcamps so sehr schätzen, gerade hier auf Formalien pochen, die angeblich erst ein Barcamp zu einem Barcamp machen.

Mir ist es relativ egal, ob man am Anfang eine Vorstellungsrunde macht, in der man viele Namen und viele Hashtags hört, die man im gleichen Moment wieder vergisst. Mir ist es auch relativ egal, ob eine Sessionplanung schon vorgeplante Inhalte hat (und ausdrücklich noch Raum für Ideen vor Ort) oder völlig nackt daherkommt. Ich will vor allem Dinge lernen und mitnehmen und das gern in Sessions, die gut sind und mit Leuten gefüllt, die ähnliche Ideen oder zumindest Bedürfnisse haben und mit denen man dann in Kontakt treten kann. Das ist der Mehrwert in meinen Augen.