Im Kino: James Bond – SPECTRE.

Um Punkt 23 Uhr am heutigen Mittwoch hatte ich mich auf einiges gefasst gemacht. Denn ich war zur heutigen Vorpremiere des neuesten James-Bond-Filmes „SPECTRE“ mit meinem Vater aufmarschiert und dem ist in Sachen James Bond nicht so sonderlich viel vorzumachen. Weil er eben kein eingefleischter Fan von James Bond ist und die letzten Bond-Movies niederschmetternd fand.

Kurz eingeleitet: SPECTRE ist sicherlich nicht der schlechteste Bond-Streifen aller Zeiten, er gehört aber leider zu den belangloseren. Und das, obwohl die Vorgeschichte zu SPECTRE mehr als Hunger machten. Sam Mendes in der Regie (okay, naja..), wieder Daniel Craig, Christoph Waltz als Bösewicht, Blofeld in einer Wiedergeburt, die alte MI6-Struktur – kann man bei so viel Bewährtem viel falsch machen?

Ja, man kann. Während der Einstieg in Mexico City gar nicht so übel geriet und das Intro wieder einmal einen echten Höhepunkt setzt, begann der Film recht kurzweilig. Bei Q ein Auto „mitgehen“ lassen, gleich ein paar Minuten später wieder versenken, schnell nach Österreich, irgendwann nach Tanger und in die marokkanische Wüste. Die Zugfahrt war hier noch das romantischste des ganzen Filmes, das Elend begann dann in der Wüste.

Denn unumwunden muss man leider sagen: Die bisher schwächste Rolle, die Christoph Waltz in einem größeren Film spielt, ist seine Blofeld-Rolle in SPECTRE. Nichts ansatzweise wahnsinniges war zu finden, in sockenlosen Slippern stand er so herum und tat – einfach herumstehen. Nichts schießt er nebenbei in der Luft, niemand wird erwürgt, es gibt keine großen Einführungen in neue Gesellschaftsstrukturen, Medienimperien, Raumstationen. Nein, er quält etwas Bond herum, streichelt die grotesk krampfhaft ins Bild gesetzte Blofeld-Katze und dann fliegt seine Sternenwarte (Raffinerie? Solaranlage? Papierfabrik?) auch schon in die Luft mit einem Uhrentrick, den man auch so ähnlich schon mal bei Roger Moore gesehen hat.

Beim Umschwenken nach London wurde mir dann schlagartig klar, dass hier etwas ganz gehörig schiefläuft in diesem Bond. Es fehlt die fulminante Story für mindestens zwei gute und sicherlich sehr teure Schauspieler und dementsprechend langatmig geraten die Szenerien, die nebenbei auch noch gräßlich darunter leiden, dass sie steril, durchgehend hektisch und ohne großes Publikum gedreht wurden. Im Gegenzug gingen genau die Stimmungsbilder verloren, die es in früheren Bonds immer gegeben hat, wenn zu neuen Orten gewechselt wurde. Wer wird die stimmigen Bilder von Piz Gloria je vergessen, selbst wenn George Lazenby (etwas zu Unrecht) als historische James-Bond-Fehlbesetzung gilt?

Das letzte Viertel passierte dann wieder komplett in London. Wohl aus organisatorischen Gründen auch wieder nachts und im alten MI6-Gebäude, das naheliegenderweise gesprengt werden sollte. Das wurde es dann auch und mit ihm der etwas hanebüchene Plot, dass ausgerechnet der MI6 durch eine neue Superbehörde ersetzt werden sollte, die nicht weniger als – Achtung! – die Demokratie retten wollte. Im modernen Großbritannien! Irgendwie steckte hinter dieser Behörde auch Blofeld, aber zugegebenermaßen war ich zu diesem Zeitpunkt schon damit beschäftigt, wie ich auf die unmittelbar nach dem Film zu erwartende Herabschätzung meines Vaters für die zweieinhalb vergeudeten Stunden reagieren könnte.

Das erstaunliche: Meinem Vater gefällt SPECTRE, zumindest deutlich mehr, als Skyfall. Skyfall fand ich wiederum gar nicht so übel, was aber auch alles daran liegen kann, dass ich den wirklich ultraüblen Bond „A Quantum Solace“ davor gesehen hatte und er nicht. Man wird sich wohl leider damit abfinden müssen, dass Daniel Craig in seiner Karriere als James Bond ein wirklich herausragender Bond-Streifen verwehrt zu bleiben scheint.

Popcorn-Kino ist SPECTRE allemal und auch vorm Fernseher wird der Film als Samstagabendunterhaltung eine gute Figur machen. Aber in der aktueller IMDB-Bewertung zeigen die bis jetzt recht mageren 7,5 von 10 möglichen Sterne (von mir gab es 7 Sterne) schon recht deutlich, dass SPECTRE allenfalls Mittelfeld ist.

Im Kino: James Bond – Skyfall.

Alles wird wieder gut, um mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Das Ende von „Skyfall“, dem neuesten James-Bond-Film, wieder mit Daniel Craig in der Hauptrolle, rückt einiges aus der Saga von James Bond wieder da hin, wo es einmal war: Miss Moneypenny im Vorzimmer, einem eher griesgrämigen M, der in seinem alten Büro mit der lederbeschlagenen Tür sitzt und so tut, als sei die letzten 50 Jahre zwischen Heute und dem ersten James-Bond-Film nur wenig passiert. Man hätte sich gewünscht, dass man zwar zu den Wurzeln zurückfindet, aber einen vernünftigen Mittelweg zwischen Altem und Neuem finden kann. Aber jammern wir lieber nicht. Immerhin sinkt in „Skyfall“ keine Titanic und kein Agent Smith bricht aus der Matrix aus. Das hätte mich nämlich alles nach dem letzten Bond-Film auch nicht mehr gewundert.

In den 143 Minuten zwischen Anfang und Ende bemüht man sich sehr, aus den Fehlern des letzten Bond-Films „A Quantum Solace“ zu lernen. Endlich wieder eine schöne Story (auch wenn diese quasi ein betriebsinternes Mobbing im MI6 zur Ursache hat), die dem brillanten Daniel Craig gerecht wird, endlich wieder Sex, endlich wieder ein Wodka-Martini, endlich wieder der völlig übertriebene Kult um Bonds Kanone und endlich wieder ein charismatischer Bösewicht, der leider viel zu kurz kam. Bösewicht Raoul Silva, der vom genialen Schauspieler Javier Bardem gespielt wird, ist eigentlich ein sympathischer Antiheld der Enterprise-Klasse, dem man zutrauen könnte, lachend, grinsend und feixend die Galaxie zu sprengen, natürlich untermalt von harter Rockmusik.

Okay, die Versuche, im Film auf die Kindheit von James Bond anzuspielen, misslingen Regisseur Sam Mendes allesamt. Dass es zwischen den einzelnen Spielstätten und aufeinander aufbauenden Microgeschichten in Sachen Continuity hapert … geschenkt. Immerhin wird in „Skyfall“, wie immer in solchen Fällen, wenn das Drehbuch klemmt, James Bond ins Bett gesteckt. Oder von einer Frau (im Gesicht) rasiert. Oder er steigt einer 5-Minuten-Bekanntschaft einfach mal in die Wanne.

Dennoch ist, wenn man sowas über einen James-Bond-Film überhaupt sagen kann, der Film stimmig. Der Film besteht nicht gänzlich aus hektischen Actionszenen, sondern gibt sich Zeit für Details und Farben. Den Job eines Snipers lässt sich, wenn man es nur möchte, fast schon ästhetisch fotografieren und das war in einem James-Bond-Film auch dringend mal wieder nötig. Vielleicht aber in einem nächsten James Bond die bösewichtigen Charaktere etwas stärker ausmalen? Zeit ist ja nun wirklich da.

Was leider floppt, ist die Musik. Okay, das Titellied von Adele kommt in guter Bond-Tradition daher und ist mit einer Tiefe gesegnet, die ungefähr den letzten zehn Bond-Titelliedern fehlte. Dennoch ist er einfach nicht mutig, so wie vieles im Film zwar solide ist, aber einfach nicht innovativ und selbstvertraut. Unter dem Aspekt der gehobenen Langeweile geht auch das Intro durch den Kopf – der ist, obwohl gut gemacht, einfach wieder schnell vergessen und kann sich mit dem vorläufig letzten Mega-Intro aus „Casino Royale“ nicht messen. Eine unschöne Parallele zu „Casino Royale“ gibt es aber hier auch: Das Titellied von Adele findet sich nicht auf dem offiziellen Soundtrack. Diese Schweinerei zieht wirklich überhaupt nicht, denn woher soll ein Bond-Fan, der vielleicht in ein paar Jahren den Soundtrack als CD kauft, dann die Maxi-Single mit dem Titellied von Adele finden? Bescheuert.

Dennoch: Sehenswert! „Skyfall“ schneidet buchstäblich inzwischen alte und floppende Zöpfe radikal ab und führt James Bond in eine neue Zukunft. Möglicherweise wird die sehr von der Vergangenheit der Bond-Saga geprägt sein, aber das gibt immerhin James Bond zukünftig wieder die Gelegenheit, sich wieder selbst zu finden. Gern auch wieder mit Daniel Craig. Und über den wirklich überhaupt nicht brauchbaren Q-Verschnitt können wir dann auch hinwegsehen.

Zum Tode von John Barry.

Niemand hat zum Tode von John Barry, dem James-Bond-Chefkomponisten, so einen wunderbaren Nachruf geschrieben, wie der SPIEGEL in dieser Woche. Ich bin so unverschämt, den gesamten Nachruf hier zu zitieren, der Verlag möge das einem langjährigen Abonnenten bitte nachsehen…

John Barry, 77. Wer die Augen schließt und nur der Musik lauscht, die der britische Komponist für das Melodram „Jenseits von Afrika“ (1985) schrieb, erinnert sich mit größter Klarheit an die Bilder des Films. Fünf Oscars erhielt Barry im Laufe seiner Karriere für die beste Filmmusik oder das beste Lied. Er konnte mit seinen Kompositionen ganze Welten evozieren – die erhabene Weite der afrikanischen Savanne oder die mondäne Eleganz der europäischen Hautevolee in den James-Bond-Filmen. Das legendäre Motiv für die Agentenfilm-Serie stammte von Monty Norman, doch Barry prägte es, macht es dynamischer, aggressiver und passte es im Lauf der Jahrzehnte geschmeidig den wandelnden musikalischen Moden an, so dass es stets frisch und unverbraucht wirkte. Nur wenige Komponisten konnten so lässig Klassik, Jazz und Rock verbinden wie er. Genau diese Mischung machte die Titelsongs, die er für die 007-Filme „Goldfinger“ oder „Diamantenfieber“ schrieb, zu weltweiten Hits. John Barry starb am 30. Januar in Glen Cove auf Long Island.

Diesem Nachruf ist nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr hinzuzufügen.

James Bond auf Bluray.

Seit einer Weile gibt es in Sachen Bluray für James-Bond-Fans (oder auch umgekert, je nachdem) ein richtiges Highlight und auch Schnäppchen zu machen. Und man kann nur sagen, dass es MGM Home Entertainment an dieser Stelle wirklich richtig macht.

Es geht darum, dass man bei MGM Home Entertainment offenbar daran arbeitet, die gesamte James-Bond-Reihe auf Bluray in HD zu veröffentlichen. Wer weiß, dass HD mehr als viermal so viel Pixel übertragen kann, wie eine DVD, kann erahnen, dass das zwar mit neueren Filmen ganz gut funktioniert, bei alten Schinken jedoch ein wirkliches Problem ist: Vierzig Jahre gehen nun eben auch nicht an einem Film einfach mal so vorbei und das Alter eines Filmes sieht man unter HD dann eben gleich um ein Vielfaches deutlicher.

Also, haben sich die Leute bei MGM Home Entertainment gesagt, müssen die alten Schinken zum digitalen Friseur und dafür gibt es so Unternehmen wie Lowry Digital in Kalifornien, die das Filmmaterial digitalisieren, reparieren, retuschieren, farblich aufhübschen und von dieser gesamten Arbeit einen HD-Master erstellen, der dann als Basis für HD-Produkte dient.

Das Ergebnis davon ist schlicht der Hammer. Der Klassiker „James Bond jagt Dr. No“ ist derartig gut und doch behutsam nachbearbeitet, dass man durchaus denken könnte, dass es sich um einen niegelnagelneuen Film handelt – bis Sean Connery in jungen Jahren auftaucht und diese Illusion auf seine Weise abhängt. Keine Staubfehler mehr, keine zappelnden Haare am Bildrand, grandiose Farben und vor allem ein kristallklarer Ton. Ich kenne zwar alle Folgen, allerdings ist der nochmalige Genuss in HD eine ganz andere Dimension.

Aktuell gibt es nun sechs James-Bond-Filme („Casino Royale“ mal ausgenommen, der existierte bereits vorher): James Bond jagt Dr. No, Liebesgrüsse aus Moskau, Feuerball, Leben und sterben lassen, In tödlicher Mission und Stirb an einem anderen Tag. Jede Folge kostet um die 25 Euro als Einzelprodukt mit einem Booklet. Unterm Strich also 150 Euro.

Der Clou ist, dass man mitdenkt: Gibt es Leute, die weniger Wert auf das Einzelprodukt mit Booklet legen, lieber etwas mehr Geld auf einmal auf den Tisch legen und dafür dann aber Geld gegenüber dem Einzelprodukt sparen wollen? Ja, gibt es. Und so gibt es dann die sechs Folgen in zwei einzelnen Sammelboxen mit je drei Folgen (Box 1 und Box 2), die jeweils um die 50 Euro kosten.

Und das Spiel haben sie dann noch weiter gedacht und noch eine übergreifendes Bundle entwickelt, die beide einzelne Sammelboxen und damit alle sechs Folgen enthält und die dann 90 Euro kostet. Macht umgerechnet mit einem Preis von 15 Euro pro Folge eine Ersparnis von schlappen 10 Euro – pro Folge. Und damit kosten sechs James-Bond-Folgen auf Bluray so viel, wie drei The-Matrix-Folgen.

Das ist schlicht ein fertig gedachtes Konzept für Sammler, Fans und einfach nur Konsumenten. So freut man sich gern auf die nächsten Sammelboxen, die leider dank des Remasterings nicht ganz so flott erscheinen, wie man das gern hätte.

Der beste James-Bond-Soundtrack? For Your Eyes Only!

Ganz klar, da gibt es null Widerrede: In meiner Sammlung ALLER James-Bond-Soundtracks glänzt der Soundtrack von For Your Pyes Only einfach nur gewaltig. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Die Federführung für das Album hatte niemand anderes als Bill Conti, dem Gott für US-Fernsehserien und B-Movies, bei denen der Opener einen großen Teil der Dramaturgie übernehmen muss. Kein „Denver Clan“, kein „Falcon Crest“, kein „Cagney & Lacey“, kein „Rocky“, kein „Karate Kid“, nichts von alledem ohne den Titelsound von Bill Conti, der problemlos Jahre im Ohr bleiben konnte. Keiner beherrscht es so gut, mit fulminantem Orchester oder mit sekundenlangen Fanfarenzügen zu malen.

Im Soundtrack zu „For Your Eyes Only“ kommt dann auch wirklich alles vor, was die früheren Achtziger so hergegeben haben. Der schmutzige James-Bond-Sound, übertönt von damals modernen Fanfaren und fast schon rockiger Musik, dann teilweise klassische Musik und auch so Experimente wie „Gonzales Takes A Drive“, in dem spanisch klingende Folklore mit Funk gepaart ist.

Auch wenn der Film zu den eher merkwürdigeren Bond-Filmen gehört – der Soundtrack ist sicherlich in der Top 5 aller Bond-Soundtracks.

Der “Zorin-Zeppelin”.

Manchmal frage ich mich schon, ob es nicht besser wäre, das Internet nicht zu haben, wenn man beispielsweise fernsieht.

Gestern Abend, James Bond, „Im Angesicht des Todes“. In der unrühmlichen ARD-Kinderversion, in der die Szene, in der Mayday zu James Bond ins Bett schlüpft, leicht nachbearbeitet ist, so dass der Bruchteil der Sekunde, in der der blanke Busen von Grace Jones sichtbar wäre, nicht mehr ist. Immerhin aber rückblickend betrachtet einer der spektakuläreren Bond-Filme, auch wenn Roger Moore furchtbar lächerlich aussieht, wenn er auf einem Pferdesimulator gefilmt wird.

Irgendwann gegen Ende erscheint der berühmte Zeppelin des Bösewichtes Max Zorin (gespielt vom einfach wunderbaren Christopher Walken), der aus einem kleinen Bürohäuschen entsteigt und gen Golden-Gate-Bridge fliegt, mit James Bond am Halteseil.

Nun sieht man zu Beginn recht deutlich die Kennung des Zeppelin, diese lautet G-BIHN. Was liegt also näher, als mal, rein interessehalber, mal nach dieser Kennung zu recherchieren?

Erstes Ergebnis: Der Zeppelin existierte tatsächlich und wurde 1980 von einer britischen Firma namens AirShip Industries gebaut. Die Baureihe nennt sich SkyShip 500 und als zweites, je gebautes Modell dieser Baureihe nennt sich dieses Schiff “SkyShip 500-02”. Der Bond-Kenner würde sich nun damit zufriedengeben und sich sagen, dass das so korrekt sein dürfte, denn immerhin werden die meisten Indoor-Aufnahmen und viele Spezialeffekte in den Heimatstudios der Bond-Filme, in den Pinewood-Studios gedreht und die befinden sich ebenfalls in Großbritannien, nahe London. Eine eigene Webseite zum Zorin-Zeppelin auf der Website des Airship Heritage Trust bestätigt dies auch weiterhin.

Zweites Ergebnis: Der eigentliche Zeppelin G-BIHN hat eigentlich eine feste Hülle. Die Szene, in der der Zeppelin aus dem kleinen Bürohäuschen entsteigt, kann also nicht den echten SkyShip 500-02 zeigen, denn dieser ist nicht so aufblasbar, wie das im Film dargestellt ist. Und tatsächlich ist dieses Luftschiff auch gar kein Zeppelin im näheren Sinne (da es kein starres Skelett gibt), sondern ein Prallluftschiff, auch Blimps genannt. Dennoch: Das Luftschiff, das da aus dem Bürohäuschen kommt, ist kein SkyShip 500-02 und vermutlich auch einfach nur ein Modell. Und höchstwahrscheinlich auch das Ding, das dann später effektreich im Film zerstört wird. Zeppeline und Luftschiffe explodieren nämlich nicht, da deren Gasfüllung unbrennbar ist.

Drittes Ergebnis: Die spektakulären Kampfszenen auf der Golden-Gate-Bridge sind natürlich mit keinem echten Luftschiff durchgeführt worden, sondern mit Modellaufbauten. Einige nette Fotos darüber, wie die Nahaufnahmen auf der angeblichen Golden-Gate-Bridge entstanden sind, gibt es unter obigem Link auch.

Der Artikel beantwortet auch eine weitere Frage: Wie entstanden denn nun die wenigen Bilder, auf denen die vollständige Golden-Gate-Bridge und der vorbeifahrende Zorin-Zeppelin zu sehen sind, denn hier war genau dieser Zeppelin mit der Kennung G-BIHN ja auch zu sehen. Da in diesen Bildern keine Manipulation zu sehen ist, muss tatsächlich also G-BIHN wohl in den USA gewesen sein.

Das wiederum ist eine weitere Geschichte, denn genau der SkyShip 500-02, also G-BIHN, war zu Zeiten der Dreharbeiten nämlich tatsächlich in Kalifornien und zwar im Auftrag von Fujifilm, deren Werbung er trug. Und genau dieser Zeppelin war zeitgleich auch ein Hauptdarsteller einer anderen Großproduktion, nämlich der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles am 28. Juli 1984. Dort schwirrte nämlich genau dieser Zeppelin – dem Anlass entsprechend mit dem Schriftzug “WELCOME” – durch die Lüfte:

G-BIHN ist also nicht nur ein Hauptdarsteller bei James Bond gewesen, sondern auch bei den Olympischen Sommerspielen 1984 in Los Angeles. Betonung auf „gewesen“, denn laut der Website der britischen Civil Aircraft Registry ist der runde Kollege seit dem 31. Januar 1991 nicht mehr im Einsatz und auch nicht mehr registriert.

James-Bond-Night in Stuttgart.

Meine Lieblingskreditkartengesellschaft hat am Freitag zur James-Bond-Night nach Stuttgart zur dortigen Filiale des Modehauses Peek & Cloppenburg geladen. Als heimlicher Fan von James Bond durfte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen, möglicheweise auch deshalb, weil ich bei der Anmeldung noch nicht wusste, dass nach dem Konsum aktuellen James-Bond-Film genau das erforderlich ist, was im Filmtitel angekündigt wird.

Wie auch immer, Peek & Cloppenburg hat sich redlich bemüht, die geladenen James-Bond-Fans auf eigene Weise zu trösten und das gelang ihnen ausgesprochen gut. Das Filmorchester Babelsberg spielte live James-Bond-Hits ein, die deutsche Synchronstimme von Daniel Craig, Dietmar Wunder, moderierte und im dritten Stock hatte man den erstaunten Besuchern eine Reihe von Reliquien aus alten James-Bond-Filmen präsentiert. Beispielsweise ein Raumanzug aus Moonraker, diverse Uniformen von Armeen einiger Bösewichter, berühmte Abendkleider und auch Anzüge von verschiedenen James Bonds und James-Bond-Kollektionen. Dazu einige Originale aus der Filmproduktion, beispielsweise originale Produktionsberichte, Drehbuchausschnitte und Sketches, einen vergoldeten Gipsbarren aus Goldfinger.

Das absolute Highlight gab es dann in Form eines mobilen Ad-Hoc-Casinos mit Roulette, Poker und Black Jack. Realisiert wurde das mit einem erstaunlichen Unternehmen namens Plein & Cheval aus Berlin, die ein mobiles Spielcasino betreiben. Ich wusste dabei nicht, was interessanter war: Die perfekten Tische, die professionellen Croupiers oder der Schwabe beim Setzen, so als ob es um etwas ginge. 😉

Im Kino: James Bond – Ein Quantum Trost.

Was bitte war denn das? Etwa der 22. Teil der James-Bond-Saga? Der vorläufige Höhepunkt einer inzwischen über 45 Jahre andauernden Leinwandserie, deren einzelne Teile für ihre Zeit durchweg Meilensteine gesetzt haben? Man denke an die Bösewichter namens Scaramanga, Blofeld, Goldfinger, die allesamt durch so nette Sachen wie Eliminierung von US-Goldreservoirs, ganzen Regierungen und Nationen, Inanspruchnahme von ganzen Bergspitzen oder einfach des gesamten Weltraumes glänzten. Und um was geht es in „A Quantum Solace“? Ich höre schlecht, tatsächlich um unterirdische Wasserreservoirs in Bolivien und der Versuch eines kleinen Waschlappenverschnitts einer Art Bösewichts, der noch nicht mal eine goldene Uhr trägt und mit papiernen Verträgen eine Militärjunta dadurch an die Macht bringt? Ja, wow! James Bond trinkt anstatt eines geschüttelten Wodka-Martinis einen hochgezüchteten Drink mit Zitronenschale (!), schläft nicht mehr mit der Agentin der Gegenpartei, sondern der Hilfspolizistin des eigenen Landes, fährt namenlose Autos und telefoniert mit handelsüblichen Mobiltelefonen.

Was kommt als nächstes? Ein James Bond, der dem Sex vollkommen abgeschworen hat, nur noch Evian trinkt, Feinrippunterwäsche trägt, von der Telefonzelle telefoniert und mit einem Golf IV von Sixt zum Einsatzort nach Pforzheim fährt, wo ein Bösewicht den Wasserturm am Wartberg besetzt hält und ins Wasserreservoir urinieren wird, wenn man ihm nicht umgehend eine Pizza Quattro Staggioni liefert?

Um es sehr direkt und deutlich zu sagen: James Bond floppt auf ganzer Linie und das liegt nicht am überragenden Daniel Craig, sondern an den Köpfen hinter den Kameras und dem Management. Die James-Bond-Saga lebt von der Ungezügeltheit des Establishments, von der entsetzlich monströsen Gedankenwelt weniger Despoten und deren skurrilen Eigenheiten und Zipperlein. Garniert mit technischem Billabong, minutenlangen Verfolgsjagden auf hohem Niveau, irrealen Stunts und dem Background einer hoffnungslos veralteten Folklore eines britischen Geheimdienstes hinter lederbeschlagenen Türen und schwarzen und roten Wählscheibentelefonen.

Über den jeweils aktuellen James-Bond-Film hat man noch wochenlang nach dem Kinobesuch geredet, heute hat man schon am nächsten Tag die halbe Story vergessen und das liegt nicht nur daran, dass „A Quantum Solace“ zu einer der kürzesten James-Bond-Filmen überhaupt gehört. Man hat als wirklicher Liebhaber von James-Bond-Filmen das erschreckend schmerzhafte Gefühl, dass da jemand zu Grabe getragen wird, den man schon fast sein ganzes Leben kennt und der einen ganzen Samstagabend ausfüllen konnte. Wir haben in den Pausen in der Schule wochenlang James Bond nachgespielt, sind auf virtuelle Raumstationen geflogen, haben Verfolgungsjagden auf dem Schulhof nachgespielt und das Schulmäppchen war das Funkgerät. Allein schon der Gedanke, dass das heute nicht mehr so sein kann, weil eben James Bond nicht mehr der Übermensch, sondern ein ganz normaler, britischer Beamter mit Backoffice und tadelnder Chefin ist, lässt Böses erahnen.

James Bond ist in der Krise, in einer geistigen Rezession, umschwemmt von infernaler Inflation und bedroht von dem ganzen Filmgeschiss, der heutzutage das Kinogehen zu einer Qual werden lässt. Will man tatsächlich James Bond zu einer sanft vor sich hinsiechenden Randnotiz der Filmgeschichte werden lassen, der tatsächlich so doof sein könnte, mit einer schwarzen Amex CenturionCard am Flughafen in Bregenz zu zahlen, obwohl er weiß, dass der amerikanische CIA hinter ihm her ist und ihn eliminieren will?

Die Frage, die die Filmdynastie Saltzman-Wilson/Broccoli, die hinter der James-Bond-Saga steht, sehr schnell zu klären hat, ist die, ob es tatsächlich eine gute Idee ist, die Regisseure weiterhin ständig zu rotieren und dabei Leute ans kreative Steuer zu lassen, die sich mit dem Thema „James Bond“ nicht mehr wirklich beschäftigen, sondern ihre Ideen zu Bumm-Puff-Boing einfach davorsetzen und James Bond drumherum laufen lassen. Sind tatsächlich die Regisseure die Richtigen, die grundlegende Elemente in Frage stellen und eigentlich auch nur eine Episode drehen wollen, möglicherweise auch nur dürfen?

Fazit: Einfallslose Story als Fortsetzung zu Casino Royale. Überragender James Bond. Nicht durchdachte Continuity. Hektisch gedreht. Schlechte Episode, die gestern im restlos ausverkauften Kinosaal kaum jemanden wirklich vom Hocker riss.

No Sex, Ma-am!

An einer Stelle wird „Ein Quantum Trost“, der neue James-Bond-Film, der nun am Donnerstag in die Kinos kommen wird, ein Novum darstellen: Es gibt keine Bettszene mit James. Also offenbar nur Schmusen, Küssen und Knuddeln, gehörig viel Action und dann wieder Abspann.

Auf die Frage, warum Marc Forster, der Regisseur von „Ein Quantum Trost“, denn keine Bettszene eingebaut hat, kam eine bezeichnende Antwort:

„Ich glaube, gewisse Szenen gehören nicht mehr in einen James-Bond-Film im 21. Jahrhundert hinein.“

Aha. Ob Marc Forster jemals wieder Regie in einen James-Bond-Film führen darf?