Microsoft Office außerhalb von Windows – eine Revolution.

Einer der ersten Amtshandlungen des neuen Microsoft-Chefs Satya Nadella ist die Veröffentlichung von Microsoft Office für das iPad. Viele Betreiber von iPhone/iPad-spezifischen Websites haben dabei bemerkt, dass die Software ungewöhnlich durchdacht und stabil ist, fast schon „zu stabil“ für eine Software in ihrer Erstveröffentlichung. Und natürlich darf zu Recht mutgemaßt werden, dass Microsoft Office für das iPad nicht erst vor einigen Wochen zusammengestrickt wurde, sondern vermutlich Monate, wenn nicht Jahre alt ist und nur noch nicht veröffentlicht wurde.

Während für Apple deren Betriebssystem MacOS nichts anderes als der zentrale Baustein ist, völlig überteuerte und mit allen Tricks der Inkompatibilitätskunst versehene Hardware zu verkaufen, so ist für Microsoft deren Betriebssystem Windows das Kernstück zum Verkaufen von Microsoft Office. Microsoft Office läuft (mit Ausnahme von MacOS) nur auf Windows – es gab niemals eine Linux- oder Unix-Version und es gab auch niemals eine Version für mobile Betriebssysteme wie Android oder iOS (bis jetzt), auch nicht für vorherige und einst recht erfolgreiche Systeme wie Symbian oder PalmOS. Nicht weil es nicht funktionieren würde, Microsoft Office auch für andere Betriebssystem zu portieren, sondern weil Steve Ballmer und vorher Bill Gates niemals auch nur im entferntesten daran gedacht haben, die einstige Cashcow namens Microsoft Office auf „minderwertige“ Betriebssysteme zu verschachern. Microsoft Office gab es lange Jahre nur auf Microsoft Windows und im Geschäftsumfeld ist das eine relevante Kombination, denn hier hat Windows im Enterprise-Umfeld letztendlich mit unixoiden Wettbewerbern zu kämpfen.

Es blieb daher nur bei halbherzigen und recht arroganten Lippenbekenntnissen. Einer der ältesten solcher Bekenntnisse habe ich in meiner Sammlung von interessanten Palm-OS-Links, datiert auf den 20. Oktober 2000, von niemand anderem verkündet als von Steve Ballmer: „Microsoft goes Palm – vielleicht„, aus dem Heise-Newsticker. Wenn man damals bei Microsoft begriffen hätte, dass die Zukunft vieler Anwendungen nicht mehr auf dem Desktop, sondern in der Cloud liegt, hätte Microsoft gute Chancen gehabt, mit einem plattformweit verteilten Microsoft Office den IT-Markt am Desktop und auch in der mobilen Welt bis heute im Griff zu behalten und Google nicht ansatzweise zu so einem Imperium wachsen zu lassen, wie es heute dasteht.

Aber, sie haben es nicht gemacht, dazu waren Gates & Ballmer zu sehr verhaftet im Gedanken, dass die Cloud nur für spezialisierte Anwendungen sinnvoll sei und dass es genügend Bekloppte gibt, die ein hoffnungslos hinterherhinkendes Betriebssystem wie einst Windows Mobile und nun Windows Phone einzusetzen, nur weil es hier ein Microsoft Office gibt.

„Office 365“ sprengt als Abo-Software mit etwas Cloud-Funktionalität zwar seit einiger Zeit diesen Gedanken schon in der Ära Ballmer, aber letztendlich haben die Veteranen dennoch nie begriffen, wie der Markt der ehemaligen Handhelds und der heutigen Smartphones und Tablets wirklich funktioniert. Und deshalb bin ich mir auch relativ sicher, dass in den Tiefen der Microsoft-Laboratorien Microsoft Office ziemlich sicher für alle heutigen und jemals existierenden modernen Betriebssystemen existiert, es sich aber bisher niemand so recht getraut hat, der Gates-Ballmer-Phalanx endlich einmal vorzuschlagen, die alten Zöpfe beherzt abzuschneiden.

Microsoft Office für das iPad ist daher nichts anderes als eine Revolution und ein Eingeständnis dafür, dass man mindestens 15 Jahre lang den Markt ignoriert hat und glaubte, dass letztendlich doch alle Wege zu Microsoft führen. Die Erkenntnis, dass es wohl doch nicht so ist, kommt spät, vielleicht sogar nicht ganz zu spät, aber diese Revolution wird kaum das wieder zurückholen können, was in diesen 15 Jahren an Einfluss verlorengegangen ist.

Kleine Bitte: Gratuliert meinem Vater per Mail zum Geburtstag. :-)

Mein Vater hat am heutigen 20. Januar Geburtstag und wird dieses Jahr 74 Jahre alt. Die regelmäßigen Blogleser wissen, dass er im Besitz eines iPad ist und darauf seit nun zwei Jahren jeden Tag seine Lieblingszeitung – die Hürriyet – liest. Und obwohl das iPad ja eigentlich viel mehr ist als eine reine Zeitungsabspielstation – zu mehr reicht es nicht. Wie Maximilian Schell mal so schön in einem Interview sagte: „Das Internet ist nicht greifbar für mich. Wissen Sie, wo das Internet ist?“

Auch zum regelmäßigen Mailen reicht es nicht so recht, obwohl er ja auch eine Mailadresse besitzt, sogar eine richtig nette unter meiner Domain karadeniz.de. Immerhin, die Autoversicherung schreibt jetzt per Mail, das ist zumindest nützlich. Aber Mail zur persönlichen Kommunikation und den Kindern, die hin und wieder eine Mail zur Bespaßung schicken, auch antworten? Nee.

So, und nun kommt ihr Leser ins Spiel, egal von wo ihr diesen Aufruf lest und ob ihr mich persönlich kennt oder nur „einfache“ Leser hier seid: Schreibt meinem Vater eine einfache E-Mail und schickt ihm einen kleinen Geburtstagsgruß. Das muss nichts großes sein, gern auch einfach nur ein Satz, gern noch zusätzlich einen zweiten, in dem ihr kurz schreibt, von wo ihr mich kennt. Ihr könnt natürlich auf deutsch schreiben, gern aber auch auf türkisch, wenn ihr es könnt. Google Translate kann auch türkisch, allerdings ziemlich radebrechend. 😉

Eure Mail schickt ihr an folgende Mailadresse: erkan (at) karadeniz.de

Das landet dann alles in seinem Postfach und ich werde ihn dann mal darauf hinweisen, dass er mal sein Postfach abrufen sollte. Zur Zeit ist er zwar in der Türkei und erst am Dienstag wieder zurück, aber die Glückwünsche gehen ja nicht verloren. Ich halte euch auf dem laufenden, was dann nach dem Öffnen der Mailbox passiert. 😀

Synchronisation von Kontakten zwischen iPhone und Google Contacts via CardDAV.

Seit einiger Zeit gibt es im Funktionsumfang von normalen Google-Konten einen kleinen Einschnitt in Sachen Funktionsumfang. Dieser Einschnitt betrifft die Synchronisation von Daten zwischen dem Google Kalender und Adressbuch zu iPhone und/oder iPad. Konnte man nämlich Kalender und Adressbuch bei allen Konten bis dato per ActiveSync synchronisieren (dass unter iOS „Microsoft Exchange“ heißt und auf Seiten von Google „Google Sync“), so ist das seit 30. Januar 2013 nur noch für Google-Konten möglich, bei denen bis zu diesem Datum Google Sync mindestens einmal eingerichtet wurde. Mit allen Google-Konten, die nach dem 30. Januar 2013 mit iPhone/iPad Kontakte und Kalender synchronisieren sollen, ist dieser Weg nun versperrt.

Aber: Es gibt Alternativen. Und zwar sehr gute, weil nämlich mit offenen Protokollen.

Kalender synchronisieren

Dazu sei an dieser Stelle nicht viele Worte verloren, weil ich hierzu vor einiger Zeit schon mal einen sehr umfangreichen Artikel geschrieben habe, der den Installationsweg ausführlich beschreibt:

Aber jetzt: Kontakte synchronisieren via CardDAV

Das CardDAV-Protokoll gehört ebenfalls zur Familie der WebDAV-Protokolle und ist speziell auf die Synchronisation von Kontaktdatenbanken ausgerichtet. Die Synchronisationsmechanismen sind dabei ähnlich zu CalDAV bei Kalendersynchronisationen, grundsätzlich ist CardDAV aber ein eigenes und auch relativ neues Protokoll. So neu, dass es beim iPhone bzw. im iOS-Betriebssystem von Anfang an gar nicht im Funktionsumfang war. Erst ab iOS 5 wurde CardDAV standardmäßig in iOS implementiert und ist seitdem auch verfügbar. Die Einrichtung einer CardDAV-Verbindung zum eigenen Google-Konto ist dabei relativ simpel und auf keinen Fall schwerer, als bisher mit Google Sync.

Der Startpunkt auf dem iPhone sind, wie immer, die Einstellungen und dort der Punkt “Mail, Kontakte, Kalender”. Hier geht es auf “Account hinzufügen …”. Der nächste Schirm zeigt die möglichen Synchronisationstechnologien dazu an:

iOS Synchronisationsauswahl

Alle DAV-Protokolle finden sich im letzten Menüpunkt, der etwas stillos unter dem Wort „Andere“ versteckt ist. Deshalb bitte hier drauf tippen, um zum nächsten Schirm zu kommen:

iOS Auswahl der DAV-Protokolle zur Synchronisation

Hier geht es nun richtig los, unter „Kontakte“ findet sich die Auswahlmöglichkeit zur Einrichtung eines CardDAV-Accounts. Bitte diesen Menüpunkt antippen und dann geht es schon darum, die eigenen Zugangsdaten zu hinterlegen:

iOS Einrichtung CardDAV

Die vorzunehmenden Einstellungen sind weitgehend selbsterklärend, deshalb nur im Schnelldurchlauf:

  • Account: Muss selbstverständlich aktiviert werden, hier lässt sich später aber dann auch vorübergehend die Synchronisation anhalten, falls das mal notwendig sein sollte.
  • Server: Ist die Gegenstelle, mit dem das iPhone-Gerät Verbindung zur Synchronisation aufnehmen soll. Das ist tatsächlich einfach nur „google.com“.
  • Benutzername: Das ist der Google-Kontoname, also im Normalfall die eigene Gmail- bzw. Googlemail-Adresse.
  • Kennwort: Selbsterklärend.
  • Beschreibung: Das ist eine Beschreibung, die frei gewählt werden kann. Bei mehreren konfigurierten Konten auf dem iOS-Gerät macht eine eindeutliche Beschreibung durchaus Sinn…

Wir gehen jetzt aber noch nicht zurück (und drücken natürlich auch nicht auf „Account löschen“), sondern wählen noch den Menüpunkt „Erweiterte Einstellungen“ für einen Kontrollblick aus. Der dortige Schirm sieht folgendermaßen aus:

iOS CardDAV Erweiterte Einstellungen

Hier geht es um die Verschlüsselung der CardDAV-Übertragung. SSL sollte hier aktiviert werden, der Standard-Port hierzu ist 443.

Nach dieser Überprüfung oben auf den Pfeil nach links „Google Contacts“ (oder wie auch immer die Beschreibung lautet) tippen, um zum vorherigen Schirm zurückzukommen. Dort dann nochmal auf den an der gleichen Stelle positionierten Pfeil tippen, der da lautet „Zurück“. Danach geht es nämlich nicht sofort zurück, sondern dann wird zunächst der Account geprüft. Hat alles seine Ordnung, erscheinen hinter allen Eingabefeldern kleine Häkchen und der Synchronisationsaccount ist erfolgreich eingerichtet.

Bitte dann einfach wieder zurück auf den Home-Bildschirm und mit einem Tippser auf die Kontakte-App gleich mal austesten, ob nun die ersten Adressen aus dem Google-Konto – sofern dort welche hinterlegt sind – eintrudeln.

Der Weg der Synchronisation

Ein spannendes Thema kommt an dieser Stelle: Hat man nämlich bisher Google Contacts nicht genutzt und sein Adressbuch ausschließlich auf dem iPhone gepflegt, dann passiert auch nichts. iOS synchronisiert ein lokales Adressbuch nicht ohne weiteres mit einem Adressbuch, das mit einem externen Dienst synchronisiert wird.

Damit also eventuell auf dem iPhone vorhandene Adressbestände ins Google-Contacts-Adressbuch kommen, müssen diese dorthin einmalig übertragen werden. Am einfachsten funktioniert das mit der iOS-App namens „My Contacts Backup“, die das Adressbuch auf iPhone/iPad als CSV-Datei exportieren kann. Diese kann man sich dann bequem per E-Mail an das eigene E-Mail-Postfach schicken lassen.

Hat man dann diese CSV-Datei, lässt sich diese auf der Website von Google Contacts unter https://www.google.com/contacts/ (ggf. zunächst anmelden) importieren. Auf der Hauptseite gibt es oben mittig angeordnet einen Button namens „Mehr“ und in diesem Untermenü dann den Menüpunkt „Importieren“. Dort dann einfach die oben generierte CSV-Datei importieren und schon nach einigen Augenblicken stehen die exportierten Adressen in Google Contacts zur Verfügung.

Hilfe! Alles doppelt!

Tatsächlich kann es zunächst passieren, dass nach der ersten Synchronisation im iOS-Adressbuch alle Kontakte doppelt auftauchen. Insbesondere dann, wenn wie im letzten Absatz der bisher lokal verwaltete Adressbestand in Google Contacts importiert wurde. iOS verwaltet alle Adressbücher strikt getrennt voneinander, also damit auch das lokale Adressbuch getrennt vom Adressbuch, das nun per CardDAV synchronisiert wird. Dass es hier mitunter dann Dubletten gibt, juckt iOS herzlich wenig.

Meine Empfehlung ist da ganz klar: Wer jetzt sein Adressbuch mit CardDAV synchronisiert und auch die lokalen Kontakte in Google Contacts importiert hat, auch nur noch mit diesem Adressbuch arbeiten und die lokalen Kontakte ersatzlos löschen. Sie gehen ja, wenn sie in Google Contacts importiert wurden, nicht verloren, sondern werden jetzt eben über die Google Cloud synchronisiert und das macht technisch gesehen keinen Nachteil aus. Denn der Zugriff auf einen synchronisierten Adressbestand ist selbst dann möglich, wenn das iOS-Gerät vorübergehend z.B. keine Verbindung haben sollte. Eine eventuell notwendige Synchronisierung erfolgt immer dann, wenn eine Netzverbindung besteht.

Also: Wenn es tatsächlich Dubletten in Ihrem Adressbestand gibt, dann ist die Vorgehensweise folgende (Bitte machen Sie dennoch unbedingt sicherheitshalber ein Backup mit der obig empfohlenen App):

  1. Schalten Sie vorübergehend die Synchronisation mit allen fernen Adressbüchern aus, sofern welche vorhanden und diese aktiv sind. Das können Sie bequem in den Einstellungen der einzelnen Adressbuchsynchronisationen tun, in dem sie den Schieber vorübergehend auf den „Off-Zustand“ schieben (siehe oben).
  2. Wenn Sie dann alle Adressbuchsynchronisationen ausgeschaltet haben, gehen Sie in die Kontakte-App und sehen hier dann logischerweise nur noch die Adressen, die tatsächlich lokal auf dem iOS-Gerät liegen. Wenn das dann tatsächlich die eine Hälfte der Dubletten ist, können Sie alle die lokalen Adressen hier getrost löschen.

Und wie lege ich nun neue Kontakte an?

Das ist jetzt nämlich echter Komfort: Es ist egal, wo Sie neue Kontakte anlegen – ob nun im iPhone, auf dem iPad (falls es auch mit Google Contacts synchronisiert), auf der Website von Google Contacts oder mit einem anderen Programm oder Gerät, das mit Google Contacts synchronisiert – sie haben nur noch eine Adressdatenbank und das ist die bei Google Contacts.

Sie machen es jetzt also wie die Profis mit dem Adressbuch – in der Cloud. Und wenn Ihnen aus irgendeinem Grund das iPhone abhandenkommt (sie es von der Ferne aus natürlich sperren), ist Ihnen wenigstens nicht Ihr Adressbuch abhanden gekommen, denn das liegt eben nun in der Cloud.

iOS und Google Sync nur noch bis Ende Januar.

Da die Artikel zum Thema Google Sync und iPhone in meinem Blog die mit Abstand am häufigsten aufgerufenen Artikel sind, hier doch nochmal ein wichtiger Hinweis für alle, die zukünftig ihr iPhone oder iPod per Google Sync mit ihren Kalendern und Adressbüchern in ihrem Google-Account synchronisieren möchten. Denn Google Sync steht auf der Abschussliste bei Google und für viele Nutzer ist Google Sync ab 30. Januar 2013 nur noch Geschichte.

Google Sync und der technische Hintergrund

Das Ende von Google Sync ist relativ einfach zu erklären, wenn man sich anschaut, was dahintersteckt: Eine Synchronisierungstechnologie namens ActiveSync von Microsoft. Und dazu ist dann ein kleiner Exkurs recht interessant:

ActiveSync hat eine recht lange Geschichte und hat seine Wurzeln im Mobilbetriebssystem Windows Mobile und der Möglichkeit zur Synchronisieren von Smartphone-Inhalten mit Windows-Betriebssystemen ab Windows 95 und NT 4. Für diese Anforderung wurde ActiveSync entwickelt und das war schon zu den Zeiten, als Windows Mobile mit dem einst allmächtigen Betriebssystem PalmOS von US Robotics konkurrierte, revolutionär. Denn während Palm-Geräte im am PC angeschlossenen Zustand nur dann synchronisierten, wenn die Synchronisierung am Gerät oder an der Dockingstation (die „Cradle“) die Synchronisierung explizit der Knopfdruck gestartet wurde, erledigten Windows-Mobile-Gerätschaften die initiale Autorisierung direkt nach dem Anstecken an den PC und synchronisierten während der Verbindung permanent, selbstständig und zuverlässig. Wurde in Outlook ein neuer Termin eingetragen, erschien dieser Termin im gleichen Moment auch im angeschlossenen Windows-Mobile-Gerät. ActiveSync machte es möglich und nicht zuletzt diese Technologie war ein wichtiges Abgrenzungskriterium zur Palm-Welt.

Aufgebohrt wurde ActiveSync dann später, in dem das Protokoll als Basis für die Synchronisierung zwischen Windows-Mobile-Geräten und dem Microsoft-Exchange-Server diente und fortan Exchange ActiveSync hieß. Das Prinzip der Echtzeitsynchronisierung blieb, lediglich der Übertragungsweg und die Gegenstation änderte sich. Nicht mehr der Bürorechner auf dem Schreibtisch war das andere Ende, sondern der Exchange-Server des Unternehmens, der dann die zu synchronisierten Inhalte direkt mit dem Postfach des Nutzers synchronisierte.

Und obwohl ja Microsoft verschrieen ist als ein Unternehmen, das rücksichtslos seine eigenen Standards entwickelt und verbreitet – ActiveSync hatte schon sehr früh eine relativ offene Lizenzierungspolitik und konnte von Herstellern von Personal Digital Assistants, später dann Smartphones, aber auch Herstellern von Mailsystemen und Betreibern von Maildiensten (kostenpflichtig) lizenziert werden. Das hatte natürlich einen Hintergrund, denn neben den Einnahmen durch die Lizenzierung war durch den Einsatz von ActiveSync potentiell das jeweilige Produkt auch fähig zum Kontakt mit Windows-Mobile-Gerätschaften oder auf der anderen Seite mit dem Exchange-Server.

Und da ergaben sich dann die seltsamsten Allianzen. Während z.B. RIM mit dem Blackberry und dem dazugehörigen Protokoll sowohl Endgeräte als auch Synchronisierungssoftware mit dem Mailsystem aus einer Hand liefert, können z.B. iPhone und Android-Geräte per ActiveSync mit dem Exchange-Server synchronisieren. Vorteil: Diese Synchronisierung kostet den Nutzer nichts, während bei Blackberry lange Zeit der Synchronisierungsdienst Geld kostete und zwar nicht zu knapp. Dass also ActiveSync so zuverlässig funktioniert und für Hersteller von Smartphones recht freizügig lizenziert werden kann, ist mit einer der Gründe, warum Microsoft lange Zeit die eigene Mobilbetriebssystemstrategie hat schleifen lassen und es hat ihnen zumindest im Business-Bereich nicht sonderlich viel finanziellen Schaden beschert. Das Lehrgeld in der Smartphone-Jungsteinzeit haben tatsächlich andere bezahlt.

Google und ActiveSync

Auch Google gehört zu den ActiveSync-Lizenznehmern und das wiederum aufgrund einiger Umstände:

  1. Google benötigt ActiveSync im hauseigenen Mobilbetriebssystem Android, um Android-Handys mit der Exchange-Welt synchronisieren lassen zu können.
  2. Google muss seine eigenen Kalender- und Kontaktedienste mit Schnittstellen zu ActiveSync ausstatten, um Smartphones mit anderen Betriebssystemen als Android eine Synchronisierung zu ermöglichen. Dies gilt insbesondere für das iPhone, denn obwohl das iPhone direkt (ohne ActiveSync) mit Google Mail synchronisieren kann, wird ActiveSync wiederum zum Synchronisieren von Kalender und Kontakten benötigt, da das iPhone hier keine eigenen Schnittstellen zu den Google-Diensten hat (warum auch immer).

Punkt 2 muss man sich ob des Irrsinns auf der Zunge zergehen lassen – weil Apple und Google zu doof sind, iOS und Google-Dienste vollständig miteinander synchronisieren lassen zu können, muss ausgerechnet ein lizenzpflichtiges Microsoft-Protokoll den Lückenfüller machen.

Und weil genau das Kostenthema der ActiveSync-Lizenzierung für die (kostenlos nutzbaren) Google-Dienste eine Rolle spielen dürfte, ist ActiveSync nun wohl bei der Synchronisierung der Google-Accounts auf der Abschussliste. Immerhin gibt es aber einige begrenzende Ausnahmen für das Ende:

  • Wird ein Google-Account bis zum 30. Januar 2013 noch mit ActiveSync synchronisiert, bleibt diese Möglichkeit für diesen Account auch darüber hinaus noch erhalten. Das Ende gilt also ab 30. Januar 2013 nur für bis dato noch nicht per ActiveSync synchronisierende Google-Accounts. Inwiefern es bis zu diesem Datum tatsächlich aktiv genutzt werden muss oder ob die Nutzung irgendwann in der Vergangenheit schon ausreicht, wird sich zeigen.
  • Ebenfalls nicht betroffen von dem Ende sind Google-Accounts, die innerhalb der inzwischen auch kostenpflichtigen Google Apps angelegt sind. Google-Apps-Accounts werden also auch weiterhin per ActiveSync synchronisieren können und wer da noch das Glück hatte, in der vergangenen Kostenlos-Zeit einen Google-Apps-Account einzurichten, lebt immer noch komplett kostenlos.

Die kostenlosen Protokollalternativen zum Synchronisieren

Google beendet das Synchronisieren mit ActiveSync vor allem auch deshalb, weil es inzwischen kostenlose Protokolle zum Synchronisieren gibt, die auch hinreichend zuverlässig sind. Für das Synchronisieren von Kalender ist dies das CalDAV-Protokoll und für das Synchronisieren von Kontakten das CardDAV-Protokoll. Beide Protokolle sind (inzwischen offizielle) IETF-Standards und im Falle von CardDAV eine beschwerliche Geburt hinter sich.

Das ist auch einigermaßen nachvollziehbar, denn ein einheitlicher, herstellerübergreifender Standard liegt zunächst einmal nicht im Interesse der Hersteller von eigenen, proprietären Protokollen und da lange Zeit die Motivation an echten freien Protokollen fehlte, dauerte es auch dementsprechend, bis beide Protokolle jeweils die Hürden genommen hatten, um als IETF-Standard zu gelten – zumal alle involvierten Hersteller innerhalb der IETF auch an der Standardisierung beteiligt waren. Das Wort „Sabotage“ will niemand in den Mund nehmen, aber IETF-Standardisierung ist mitunter auch interessant für Beobachter, die sich für Rudelbildungen im Tierreich interessieren.

Was zu tun ist … Empfehlungen

Also, grundsätzlich: ActiveSync muss niemand unbedingt einsetzen, der auch CalDAV und CardDAV einsetzen kann. Beide Protokolle sind gleichwertig funktional, wenn es um die Synchronisierung von Kalender- und Kontaktdatenbanken geht. Selbstverständlich ist ActiveSync deutlich mächtiger, allerdings richten sich viele Funktionen von ActiveSync vornehmlich an Unternehmen, die z.B. in einer Exchange-Infrastruktur alle Arten von Clients – vom Windows-Rechner mit Outlook bis zum iPhone – synchronisieren und zentral verwalten müssen.

Innerhalb von Google-Diensten ist ActiveSync bzw. der eigene Name „Google Sync“ immer als bisher mehr oder weniger notwendige Alternative zu verstehen. Es besteht also kein Grund zur Panik und auch nicht zu übermäßiger Hektik in Sachen Synchronisierungen zum Google-Konto einrichten. Wer bis zum 30. Januar 2013 Google Sync bzw. ActiveSync nicht einsetzt, wird es auch danach nicht vermissen, den selbst das iPhone, die Ausgeburt an Apple-Scheuklappentum in Sachen offenen Standards, unterstützt CalDAV und CardDAV

Zu erledigende Aufgaben für Besim

Das inzwischen gewachsene Sammelsurium an Blog-Artikeln, die sich mit der Synchronisierung zwischen Google-Konto und iPhone beschäftigen, aktualisieren. Die Artikel, die Google Sync erklären, werden mit Hinweisen darauf versehen, dass Google Sync nicht mehr bei allen Arten Google-Accounts funktioniert, der Artikel zu CalDAV so überarbeitet, dass es wieder als Empfehlung gilt und ein Artikel zu CardDAV neu geschrieben, das ich bisher großflächig ausklammerte, weil die CardDAV-Unterstützung von Google vor zwei Jahren, als ich das erste und bis dato letzte Mal in dieser Konstellation mit CardDAV experimentierte, schlicht unmöglich war.

Manchmal hilft die wohltuende Wirkung der Zeit doch, dass Hersteller sich ihren Möglichkeiten zur Interoperabilität bewusst werden.

Killerfunktion eines Tablet-Computers: Handbuch-Ablage.

Ich bin Verfechter des papierlosen Büros. Das ist zwar reine Theorie, aber auch schon Papierarmut ist mir sehr recht. Das gilt auch für ein ganz anderes Feld, nämlich für Handbücher. Für wirklich jedes Gerät gibt es ein Handbuch und die versaueren – im besten Falle – in irgendeinem Schuhkarton. Und sind auch gern mal fleckig, zerrissen, zerlatscht oder einfach verloren gegangen.

Zwar hat es sich auch schon bis zu den kleinsten Produktherstellern herumgesprochen, dass ein großer Mehrwert einer eigenen Unternehmens-Website sein kann, die gängigen Handbücher als PDF-Dateien zum Download bereitzuhalten und die lädt man sich sogar manchmal auch herunter, aber so ein Handbuch muss man dann entweder ausdrucken, wenn man es ständig verfügbar haben möchte oder rennt zum PC/Notebook. Einer der wenigen Fälle, wo ein iPad oder jedes andere Tablet eindeutig die Nase vorn hat. Wir Digitalbewohner lachen über diese Killerfunktion – andere tun das nicht, denn für viele ist das eine echte Revolution und ein Tablet-Kaufargument mehr.

Auf dem iPad erfüllt so einen Job sehr praktisch eine App namens GoodReader. Das ist vom Prinzip her ein aufgemotzter PDF-Reader mit eingebauter Ablagefunktion, da das iPad ja bekanntlich daran krankt, eine für alle Apps zugängliche Verzeichnisstruktur bereitzustellen. Der GoodReader macht dies aber wett, da es eine Reihe von Möglichkeiten gibt, auf die GoodReader-eigene Dateiablage zuzugreifen: Via iTunes, per eingebautem Webserver oder auch per Download im Mobile Safari.

Ich habe mir dann im GoodReader einfach ein eigenes Handbuch-Verzeichnis angelegt und dort für jedes Produkt und/oder Gerät ein eigenes, separates Verzeichnis, in dem dann das oder die PDF-Handbuch/-Handbücher liegt/liegen. Und dann ist gut. Nie wieder das Herauskramen der papiernen Anleitungen, wenn die Gastherme umprogrammiert werden muss oder der Kaffeeautomat entkalkt werden muss.

Die mobile Halbherzigkeit von Apple Safari in Sachen FTP.

Ich habe mehr oder weniger aus Jux und Dollerei gerade einmal probiert, ob der Mobile Safari, der Webbrowser auf iOS-Gerätschaften, FTP beherrscht. Und tatsächlich, ich war sehr gut beraten, die ansonsten eigentlich schon prädestine, museale Ausstattung des Mobile Safari nicht in einer Wette dazu zu nutzen, eine Gegenwette abzuschließen. Denn tatsächlich beherrscht der Mobile Safari FTP. Allerdings, und da bleibt sich Apple treu, so bescheuert schlecht, dass es doch schon wieder alle Vorurteile erfüllt.

Als Webbrowser FTP zu können, ist leichter gesagt, als getan. Denn im Gegensatz zum Web ist FTP vor allem eine Geschichte, die für gewöhnlich passwortgeschützt passiert. Hier mal mein Setup:

Meine Fritzbox hat einen angeschlossenen USB-Stick, das ich als Speicherlaufwerk einsetze. Mit der VPN-Funktionalität der Fritzbox habe ich auf diese Weise eine ziemlich praktische Home-Cloud, die ich aus dem Internet problemlos erreichen kann – per VPN und innerhalb meines LAN dann per SMB („Windows Netzwerk) oder auch per FTP. Im Webbrowser gebe ich für diesen Zugriff einfach ein:

ftp://fritz.box/

Normale Webbrowser probieren den FTP-Zugriff und bekommen dann von meiner Fritzbox die Rückmeldung, dass der FTP-Zugriff nicht anonym erfolgen kann, sondern Zugangsdaten erforderlich ist. Normale Webbrowser kennen dieses Verhalten und fordern den Benutzer mit einem Passworteingabefeld auf, Zugangsdaten einzugeben, mit denen dann der FTP-Zugriff nochmals durchgeführt werden kann, nun eben mit Authentifizierung.

Für Apple scheint dies völlig neu zu sein. Denn gebe ich einfach die obige Adresse ein, fragt mich der Mobile Safari nicht etwa nach Zugangsdaten, sondern lässt mich im Regen stehen:

Keine Zugriffsrechte
Sie haben nicht die erforderlichen Zugriffsrechte, um „/“ anzuzeigen.

Darauf wäre ich gar nicht gekommen.

Allerdings sind wir ja nicht vollkommen blöd, sondern wissen ja, wie das URL-Schema funktioniert. Und das URL-Schema hat feste Regeln, wie man neben einer Adresse auch Zugangsdaten übermittelt:

ftp://benutzername:passwort@fritz.box

Und siehe da: So funktioniert das sogar im Mobile Safari, danach bin ich auf meinem Speicherlaufwerk und kann Dateien herunterladen.

Eine ganze Reihe von Nachteilen gibt es, allesamt Mobile-Safari-Schwächen:

  • Es wird nur FTP unterstützt, nicht die verschlüsselte Variante SFTP. Das ist freilich nur ein „weiches“ Problem, denn SFTP unterstützen auch andere Webbrowser nicht. Damit ist der FTP-Zugriff per Webbrowser immer eine Geschichte, die man, wenn es um sensible Daten geht, nur mit einer zusätzlichen Transportverschlüsselung machen sollte. Da der FTP-Zugriff zu meiner Homecloud nur innerhalb meines LAN funktioniert und ich vom Internet aus zwangsläufig ein VPN nach Hause benötige, ein in diesem Szenario vernachlässigbares Problem.
  • Mobile Safari kennt zwar das URL-Schema und die Art und Weise, wie in diesem Schema Zugangsdaten übermittelt werden, allerdings ist die Umsetzung halbherzig. Denn den obigen URL mit integriertem Passwort kann ich so nicht als Lesezeichen hinterlegen, sondern würde gern folgendes als URL verwenden:ftp://benutzername@fritz.boxMit diesem URL können nämlich alle anderen, FTP-fähigen Webbrowser etwas anfangen und fragen nur noch das Passwort ab, das für den Zugriff notwendig ist. Mobile Safari kann mit diesem URL nichts anfangen.
  • Sehr, sehr wichtig: Mobile Safari führt, so wie jeder andere Webbrowser auch, einen URL-Verlauf, in dem alle aufgerufenen URL der letzten Zeit gespeichert werden. Leider speichert Mobile Safari hierbei auch Adressen, in denen sich Benutzernamen und/oder Passwörter befinden. Um das zu verschmerzen, gibt es zwei Möglichkeiten. Das so genannte „private Surfen“ in den Safari-Einstellungen aktivieren oder an der gleichen Stelle den Verlauf löschen. Ist leider relativ umständlich, weil beide Dinge nicht direkt im Mobile Safari vorgenommen werden können, aber leider nicht unwichtig, wenn man sensible Zugangsdaten nicht im Verlauf herumspazieren möchte.

Nun gut, immerhin kann Mobile Safari FTP-Zugriff so auch mit Zugangsdaten, wenn auch auf eine ziemlich vorsintflutliche Weise. Schön sehen die Dateiauflistungen auch nicht aus, aber technisch funktioniert es und ich kann Inhalte aus meiner Homecloud auf iPhone/iPad herunterladen.

Mein erstes Zeitungsabo auf dem iPad.

Und es ist noch nicht einmal eine Zeitung, die ich lese, sondern die türkische Tageszeitung Hürriyet, die mein Vater täglich liest und auch immer noch täglich auf seinem iPad. Und da ist gestern die dreimonatige Probezeit zu Ende gegangen, was ich von meinem Vater auch nicht sofort mitgeteilt bekommen habe, da er dachte, da sei einfach irgendetwas mit der App oder dem Internet kaputt. Tja, das Probeabo ist halt kaputt und zwar planmäßig kaputt. 🙂

Der Kauf des Abos läuft über den iPadschen AppStore und kostet für das Jahresabo 25,99 Euro. Das ist, wie bereits schon einmal geschrieben, ein Spottpreis gegenüber den rund 360 Euro, die man hierzulande für ein Jahr Hürriyet auf Totholz bezahlt und dazu auch noch täglich zum Kiosk zu latschen hat. Sprich: Die fünf Monate, die er nun die Hürriyet auf dem iPad gelesen hat (2 Monate zunächst auf meinem und dann 3 Monate auf seinem) haben bis jetzt 150 Euro gespart und allein mit der Ersparnis ist sein gebrauchtes iPad schon zur Hälfte bezahlt. Amortisiert hat sich das Ding dann schon im April nächsten Jahres.

Eine kleine Fußfalle gibt es beim Abo-Kauf: Das Abo verlängert sich automatisch, wenn nicht 24 Stunden vor Ablauf des Abos gekündigt wird. Das lässt sich aber dankenswerterweise abschalten, wenn man sich die nach dem Abo-Kauf zugesendete Mail genau anschaut und dem Link zu iTunes folgt. Dort landet man nämlich dann auf der Abo-Seite und kann dort die automatische Verlängerung folgenlos deaktivieren. Dann gibt es nach Ablauf des Abos eben wieder eine entsprechende Meldung, dass eine Abo-Verlängerung wieder fällig wird. Ist mir so immer lieber, als irgendwelche Geldeinzugsautomatismen.

Und einen netten Nebeneffekt habe ich bei der Aktion dann auch noch gefunden: Schließt man anstatt eines Monats-Abos ein Jahres-Abo ab, gibt es als Zugabe noch einen Monat dazu. Effektiv kostet dieses Hürriyet-Jahres-Abo jetzt also tatsächlich 2 Euro im Monat, niemand muss mehr zeitig zum Kiosk laufen, mein Vater bekommt nun auch tatsächlich die türkische Ausgabe der Hürriyet und wir tragen ungefähr 3 kg weniger Altpapier monatlich vor die Türe.

Wie man allerdings mit einem Einzelverkaufspreis von gerade einmal 7 Cent auch für türkische Verhältnisse zukünftig ein überregionales und auch weltweit stationiertes Redaktions- und Korrespondentennetz und noch einen Verlag finanzieren will, das ist für mich ein Rätsel. Draufzahlen tut da vermutlich vor allem die deutsche Niederlassung der Dogan Mediengruppe, die in Deutschland eine durchaus ansehnliche Niederlassung mit eigenen Redaktionen und einem eigenen Druckhaus in Mörfelden-Walldorf unterhält. Aber das kann nicht mein Problem sein.

Aber, Steve Jobs, während ich dir ja nie so recht über den Weg traute, hast du mit meinem Vater einen großen Fan gewonnen. Das muss man auch erst einmal schaffen.

Elterliche iPad-Erfahrungen, Teil 2.

Zwei Monate hat mein Vater sein iPad nun und es wird Zeit, ein paar weitere Erfahrungen dazu ins Web zu kippen:

  • Mein Vater ist inzwischen zu einem eingefleischten E-Paper-Leser geworden. Inzwischen sind es zwei Tageszeitungen, die er täglich darauf konsumiert, weiterhin die Hürriyet und nun auch noch zusätzlich die türkische Tageszeitung Sözcü. Letztere ist ein regierungskritisches Blatt und ist in Europa gar nicht in gedruckter Fassung erhältlich. Das tägliche Ritual läuft also so, dass mein Vater morgens das iPad aufschlägt und beide Tageszeitungen über ihre Apps aus dem Internet herunterlädt und liest. Die Zeitung Sözcü gibt es, ebenso wie die Hürriyet, dabei als E-Paper, die Zeitungsseiten sind also als zoombare Seiten angelegt.
  • Das Hinein- und Hinauszoomen aus einem E-Paper macht ihm nach wie vor Spaß und das ist eigentlich das wirklich interessante dabei. Denn während wir Digital Natives das wirklich als „old school“ begreifen, bringt mein Vater da ganz andere Vorteile an. Er weiß nämlich grundsätzlich, welche Seiten für ihn interessant sind und holt sich nur die dort verteilten Inhalte heran und zoomt sich zudem die Artikel immer genau in die Größe, wie er sie gern lesen möchte. „Zeitungstext zu klein“ ist da gar kein Thema.
  • Der Nachrichtenkonsum wird, wie erwartet, nicht stärker, aber selektiver. Man kann nun eben mal nicht vier Tageszeitungen gleichzeitig lesen, also fallen andere Zeitungen weg. Erstes Opfer – mir tut das ja nicht sonderlich leid – ist die Bild-Zeitung. Und obwohl es ja ein Abo für das iPad gäbe, will mein Vater sie nicht mehr.
  • Eine weitere Killerapplikation: Online-Banking. Eine Lizenz für iOutbank besitze ich ja, also wurde das auch auf das väterliche iPad installiert. Und das funktioniert, der tägliche Blick auf das Konto ist schon angelernt.

Auf ein paar technische Unzulänglichkeiten sind wir auch schon gestoßen:

  • Mit der Bildschirmtastatur tat sich mein Vater schwer. Und nachdem ich das mal etwas näher analysiert habe, ist da wohl das fehlende Tastenfeedback das Problem. Das visuelle Feedback durch das kurze Dunkelgrauwerden des Buttons hat er gar nicht registriert und das iPad-typische Tastaturklicken ist einfach zu leise. Man kann das zwar lauter machen durch das generelle Hochdrehen der allgemeinen Lautstärke, das rächt sich aber spätestens dann, wenn ein Video gestartet wird.
  • Was auch fehlt, ist die Einstellmöglichkeit einer „Sekundärsprache“. Beispiel: Als Standardsprache habe ich ja Türkisch eingestellt. Die iPad-Bedienoberfläche ist komplett eingetürkischt, damit kein Problem. Viele Apps sind das aber nicht und nehmen in so einem Fall, wenn es keine Übersetzung für die Standardsprache des iOS-Gerät gibt, eben Englisch. Englisch verstehen aber meine Eltern wiederum nicht. Wenn man nun als Sekundärsprache Deutsch hinterlegen könnte und sich Apps an diese Einstellung im Zweifelsfall erinnern, könnten sie die eBay-App zur Not eben in Deutsch bedienen, da es keine türkische Übersetzung gibt.

Das Web

Das Web ist für mein Vater immer noch eine Geschichte, die derzeit nicht weiter interessant ist. Die Auswahl an expliziten Nachrichten-Apps in türkischer Sprache ist rar, immerhin haben wir jetzt mal eine Handvoll gefunden, die er nun auch täglich anschaut, aber tatsächlich nur zum Nachrichtenüberblick. Die Tageszeitung ist immer noch die Hauptinformationsquelle.

Meine Mutter ist da schon mutiger, was daran liegt, dass sie sich für Handarbeiten interessiert und sie schon eine ganze Sammlung von Web-Adressen hat, die nun besucht werden. Wer hat so nicht mit den ersten Schritten im Web angefangen? Neben dem „Hand-Surfen“ ist aber inzwischen auch Google das Standardwerkzeug. An Google Fragen stellen, das geht erstaunlicherweise sehr flott. 🙂

Was wir jetzt noch alles üben werden: E-Mail, Telefonbuch und Wikipedia.

iPad Nr. 2

Nein, wir reden nicht davon, dass ich schon wieder einen iPad-Austausch forcieren muss (das wäre dann nämlich iPad Nr. 5), sondern das mein Vater seit gestern nun stolzer Besitzer eines eigenen iPad ist. Reine Notwehr, denn sonst hätte ich meines nicht mehr zurückbekommen. Da mein Vater von so Dingen wie Gigabytes, 3G, schnellem Prozessor etc. keine Ahnung hat, ist nun ein gebrauchtes Nur-WLAN-iPad 1 mit 16 GB am Start, das mit 340 Euro ganz anschmiegsam ist.

Zum Einstand habe ich ihm sein Frühstücksbrettchen auf Türkisch konfiguriert und mit einigen türkischsprachigen Nachrichten-Apps ausgestattet. Wichtig ist natürlich das Hürriyet-ePaper, das wir nun dank einem neuen iPad nochmal drei Monate kostenlos bekommen. Immerhin kostet danach das Abo der türkischen Tageszeitung nur 25 Euro – pro Jahr. Allein mit der Ersparnis gegenüber der Printausgabe ist das iPad nach rund 13 Monaten schon wieder refinanziert.

Mit den installierten Nachrichten-Apps brach dann die Revolution hier aus, denn aus denen kommt er nun schon seit Stunden nicht mehr heraus. CNN Türkei und der türkische Ableger von MSNBC stellen in ihren Apps einzelne Clips aus ihren Nachrichten bereit, was nun die etwas unangenehme Nebenwirkung hat, dass mir hier gerade die Bandbreite ins Internet fehlt. Sehr ausgiebig besucht wurde auch Google Maps und die totale Sensation – eBay. Und Englisch lernen wir nun auch, jetzt wissen wir alle, was zum Beispiel „Loading“ heißt.

Schauen wir mal, wie das die nächsten Tage weitergeht und ob ich hier anfangen muss, die Netzneutralität im Haus infrage zu stellen. 😉

Google Tasks auf iOS und Android.

Einer der Dinge, die mich  von Anfang an in Apples Mobilbetriebssystem iOS und auch in Android gestört haben, war eine fehlende ToDo-Verwaltung. Es ist mir unverständlich, wie man ansonsten alle PIM-Anwendungen wie Kalender, Kontakte, Notizzettel integrieren kann, dann aber eine simple ToDo-Verwaltung außen vor lässt.

Das Ergebnis auf beiden Plattformen ist dementsprechend desolat: Es blühen die Todo-Anwendungen von Drittanbietern und sie blühen in der Regel mehr schlecht als recht. Die eine Gruppe an solchen Apps macht es mit der Verwaltung entweder zu einfach oder viel zu kompliziert, die meisten Apps synchronisieren mit keinem gängigen Dienst und die wenigsten Apps sind kostenlos und im Gegenzug dafür sogar richtig unverschämt teuer. ToDo-Verwalten für 5 oder gar mehr Euro?

Meine private und geschäftliche ToDo-Verwaltung läuft unter Google Tasks, das von Google bis vor kurzem noch ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, inzwischen aber sogar eine offizielle API hat. Wenn man mit dem Umstand lebt, dass Google Tasks kein eigenes Webinterface hat und derzeit nur via Google Mail oder über ein Widget in iGoogle bedienbar ist, kann man damit ganz gut leben. Seine Klasse spielt Google Tasks schon allein dadurch aus, dass es extrem simpel ist und die Verschachtelung von Aufgaben einfach dadurch realisiert, in dem Aufgaben einfach „unter“ bestehende Aufgaben geschoben werden und mit frei definierbaren Aufgabenkategorien gearbeitet werden kann. An umfangreiche Priorisierungen hat man einfach keinen Gedanken verschwendet, das realisiert man einfach durch das Verschieben von Aufgaben nach oben oder nach unten oder vergibt Aufgaben einen festen Fälligkeitstermin. So einfach kann es gehen.

Wenn man Google Tasks mit einer iOS- oder Android-App synchronisieren will, fällt glücklicherweise der größte Teil der ToDo-Apps gleich durchs Raster – die meisten nutzen Google Tasks nicht zum synchronisieren. Das macht die Auswahl dann auch gleich leichter. Gelandet bin ich dann bei zwei Apps namens „GoTasks“. Witzigerweise heißt nämlich die beste App für die Synchronisierung von Google Tasks für iOS genauso wie die App für Android, obwohl beide Apps miteinander nichts zu tun haben und jede App von einem anderen Programmierer gepflegt wird, die dann wiederum aber beides Russen sind. Zufälle.

Beide Apps kosten nichts, beide sind werbefrei, beide funktionieren sowohl auf Smartphones, als auch auf Tablets und beide funktionieren zuverlässig, auch mit Google-Apps-Konten:

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es lediglich für GoTasks für Android: Offenbar lässt sich die App nicht auf allen Android-Gerätschaften finden. Auf meinem Samsung Galaxy S2 mit Android 2.3.4 ist es nicht auffindbar und im Web-Market wird angezeigt, dass mein Gerät nicht kompatibel sei. Es funktioniert aber, wenn man die App schon vorher installiert hat, sie ist also soweit kompatibel. Falls jemand mit Android die App nicht findet, bitte einfach mal kurz melden.