„Haselnüsse – Türkisch. Knackig. Ideal.“

Alle paar Monate steigt in meiner Statistik der Suchbegriffe, mit denen dieses bescheidene Weblog angesteuert wird, die Begrifflichkeit „Levantiner Haselnüsse“. Das offenbar deshalb, weil just zu diesen Momenten wieder ein Nahrungsmittelhersteller eine Kampagne für ein Produkt bewirbt, das Haselnüsse beinhaltet, für gewöhnlich ist das Ferrero mit „Ferrero Rocher“ und Bahlsen mit „Ohne Gleichen“. Das, was nämlich hübsch mit „Levantiner Haselnüsse“ bezeichnet wird, sind nichts anderes wie Haselnüsse, die von der Schwarzmeerküste der Türkei stammen, dem weltweiten Hauptanbaugebiet für Haselnüsse. Und dass die ursprüngliche Levante gut und gerne 500 Kilometer südlich ihre nördlichste Flanke hatte, findet sich in meinem früheren Artikel zu den „Levantiner Haselnüssen“.

Man kann es aber auch einfach so sagen, wie es ist: „Haselnüsse – Türkisch. Knackig. Ideal.“ Und das ist nicht meine Erfindung, obwohl jeder Begriff hübsch mit einem Punkt beendet wird, sondern die des Schokoladenherstellers Ritter Sport, der das so auf einer erläuternden Seite zu den verwendeten Haselnüssen sagt. Zufällig gefunden durch einen Artikel im RabenZeit-Blog zum gleichen Thema der „Levantiner Haselnüsse“. Zwar sind die Haselnüsse auch bei Ritter Sport noch „levantiner“, aber immerhin sagen die Schokofreunde hier klipp und klar, woher die gute Haselnuss kommt beziehungsweise nur kommen kann: Nämlich aus der Türkei und nicht aus dem, was man früher einmal als Levante bezeichnete.

Vor der Website von Ritter Sport muss ich übrigens dringend warnen – man findet sich danach in einem undefinierbaren Zustand und wildert wahllos nach Schokolade. Es wird wieder einmal Zeit, nach Waldenbuch zu pilgern und den Schokoladenladen von Ritter Sport zu überfallen.

„Levantiner“ Haselnüsse.

Es ist außerordentlich hübsch, wie die Keksfabrik Bahlsen in ihren aktuellen Werbespots über die Kekssorte „Ohne Gleichen“ von „levantinischen“ Haselnüssen spricht, wenn es darum geht, das Grundprodukt für die Nougat-Creme zu benennen, die die zwei Waffeln dieser Sorte verbindet. Und dabei liegen sie mit der Bezeichnung auch noch vollständig daneben:

Mit „levantinischen“ Haselnüssen wollen die Werbestrategen offenbar die Illusion aufbauen, dass die Haselnüsse aus der Region kommen, die man im 19. Jahrhundert einmal Levante nannte und damit den östlichen Mittelmeerraum und die Sinai-Halbinsel bezeichnete. Dass Haselnüsse nicht „levantinisch“ sein können, beruht nicht auf dem Umstand, dass die Türkei Weltmarktführer beim Export von Haselnüssen ist, sondern dass die Haselnuss in der Türkei vornehmlich an der Schwarzmeerküste (mein Nachname, ihr wisst schon) wächst und das ist ja bekanntlicherweise der Norden der Türkei.

Der Süßwarenhersteller Ferrero hat übrigens lange Jahre in seinen Werbekampagnen für die gute, alte Nutella, die ja eine Nuss-Nougat-Creme ist und übrigens in Italien erfunden wurde, ebenfalls einen recht eigenwilligen Herkunftsort für seine Haselnüsse und sprach von „byzantinischen“ Haselnüssen, angelehnt am Byzantinischen Reich, das allerdings etwa um das Jahr 1400 nach Christi zu existieren aufhörte. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Haselnüsse, die Ferrero für die Nutella verwurstet, über 600 Jahre alt sind, ist das alles ein zugegeben hübsch klingender Versuch, nicht einfach von „türkischen“ Haselnüssen sprechen zu müssen.

Wobei, ich zolle Bahlsen Respekt, denn im Werbespot ist für einen kurzen Moment ein Mann mit osmanischen Gesichtszügen zu sehen, der eine Ladung Haselnüsse überprüft. Das ist schon mal ein guter Anfang. 😉