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Ach, Sony.

24. Mai 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in GeschäftsWelt

Wie gehen diese ganzen Sprüche? Wie man in den Wald hineinschallt, so schallt es wieder heraus? Hochmut kommt vor dem Fall? Irgendwann erwischt es jeden? Egal, wie diese Sprüche alle gehen, es gibt im Sony-PS3-Hack-Universum genügend Platz für jedes Vorurteil, das sich irgendwann einmal bestätigt.

Das PlayStation Network läuft ja inzwischen wieder, so dass die Kinder wieder zufriedengestellt sein dürften. Und dass es nun gesinnungsmäßig vielleicht nun endlich vorangeht glaube ich nicht wäre nun wünschenswert. Aber bis dahin bricht auch eine andere Welt für Sony zusammen, die man jahrelang liebevoll gepflegt haben dürfte: Das Gemurkse mit vielen voneinander unabhängigen Websites für alle möglichen Tochterfirmen, Divisions und nationalen Niederlassungen, die allesamt mit den unterschiedlichsten Werkzeugen und Redaktionssystemen laufen.

Das sieht nicht nur wenig schick aus – so von wegen Corporate Identity – sondern das ist auch eine potentielle Angriffsfläche. Erst recht, wenn sich der Konzern inmitten eines Shitstorms befindet, wie eben beim PS3-Hack und der, sagen wir es mal freundlich, etwas ungelenken Art und Weise des Deeskalationsmanagements. Die hackende und vor allem lamende Basis macht sich nun mehr oder weniger einen Spaß daraus, weltweit an allen möglichen Sony-Websites herumzudoktern und hier und da sogar Erfolg beim Einbruchsversuch zu haben, mit allen damit verbundenen Nachteilen, Schäden und Vertrauensverlusten auf Seiten Sonys.

Das ganze Debakel ist schon lange nicht mehr einfach nur ein technischer Unfall oder ein großer Hackerangriff – es ist eine echte Misere für das Unternehmen geworden, bei dem nun alle sorgsam montierten und inzwischen eingestaubten Regale nacheinander mit lautem Getöse zusammenfallen. Das große Plus des Unternehmens, nämlich die ungeheure Innovationskraft in der Elektronik-, Computer- und Unterhaltungsindustrie, schiebt sich immer mehr in den Schatten einer desaströsen Kommunikationsstrategie, die so gar nicht innovativ wirkt und schon gar nicht global ausgerichtet scheint.

Wäre Sony nicht schon immer ein Laden gewesen, der sich vor allem aus unglaublichen Niederlagen heraus auf teilweise krasse Weise neu erfinden kann – man würde jegliche Hoffnung verlieren. Vielleicht ist es nun soweit und es passiert endlich etwas in den Köpfen.

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Wie man einen Kotau nochmal richtig vermasselt.

17. Mai 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in GamingWelt

Man hätte erwarten können, dass Sony nach dem Einbruch ins PlayStation Network sich in den vier Wochen, in denen das Netzwerk vollständig abgeschaltet ruhte, auch noch etwas Zeit nehmen würde, sich einmal grundlegend darüber Gedanken zu machen, wie man sich das mit der Community vorstellt. Und wie man zukünftig das Thema Sicherheit dieser Community sinnvoll verkauft. Mit “verkaufen” meine ich dabei “argumentieren” und gar nicht so einen echten Verkaufsvorgang. Doch das ist scheinbar die Strategie. Und ich muss zugeben, dass es mich jäh entsetzt, wie unverblümt das passiert.

Der Re-Start des PlayStation Networks.

Das PlayStation Network wurde am Montag wieder freigeschaltet, nach und nach. Unabdinglich war ein sofortiges Update der PS3-Firmware auf 3.61, das traditionell wieder im ISDN-Tempo heruntergeladen wurde. Nach der Installation geht es zum Passwort-Neusetzen. Und danach war man einfach mal so wieder “drin”. Ein Wort der Entschuldigung? Ein Hinweis? Ein Dank dafür, dass man sich vier Wochen quasi durch die Zeitung darüber informieren musste, was denn eigentlich wirklich passiert ist? Nada. Nichts. Null. Außer der einen Mail vor einigen Wochen, in der in vielen Sätzen wenig mehr gesagt wurde, als dass man leider das PlayStation Network abschalten musste, weil irgendwie irgendwas passiert war, kam nichts mehr. Und jetzt ist alles wieder da, mit weiterhin bewährt lahmer Performance und gut soll sein.

Das “PSN-Willkommensprogramm”.

Um es einleitend zu sagen: Ich bin nicht scharf auf kostenlose Gimmicks zur Entschädigung. Sicherheitsprobleme darf man nicht mit Geschenken aufwiegen, niemals. Aber nun gut, die japanische Mentalität ist in dieser Beziehung grundlegend anders. In Deutschland besteht das “PSN-Willkommensprogramm” zunächst darin, dass jeder PS3-Besitzer in den nächsten 30 Tagen zwei Spiele kostenlos aus dem PlayStation Store beziehen darf und zwar aus folgenden Spielen:

  • LittleBigPlanet
  • Super StarDust HD
  • WipEout HD/Fury
  • Ratchet & Clank: Quest for Booty
  • Hustle Kings

Wow! Alles hübsche Titel? Ja, kann man so sagen, denn die Spiele sind allesamt uralte Titel, die schon teilweise mehr als zwei Jahre auf dem Markt sind und kaum noch jemanden wirklich hinter dem Ofen hervorlocken. Und das ist mehr als ein optisches Problem, denn gerade die Spiele, die das Spielen im Netzwerk ermöglichen, sind, je älter sie sind, genau hier völlig uninteressant, denn was bringt das Spiel im Netzwerk mit anderen Spielern, wenn das Spiel schon längst durch ist? “WipEout HD” beispielsweise bringt es zur Primetime auf kaum noch auf mehr als fünf Netzwerkspiele gleichzeitig.

Das mit dem Verscherbeln von schon abgenudelten Spielen als “Geschenk” ginge ja noch – was dann noch folgt, ist eine derartig dahingeschacherte Geschäftemacherei, dass es einen staunen lässt:

  • 30 Tage kostenlose PlayStation Plus-Mitgliedschaft für Nicht-PS Plus-Abonnenten
  • Bestehende PlayStation Plus-Abonnenten erhalten ein kostenloses, 60-tägiges Abonnement.
  • Bestehende Q Music Unlimited-Abonnenten erhalten ein kostenloses, 30-tägiges Abonnement.

Dienste, die alle kostenpflichtig sind und nach dem “30 Tage kostenlos” auch kostenpflichtig werden. Eine Probezeit als “Geschenk” zu verkaufen, dahinter muss schon außergewöhnlich viel Chuzpe stecken und die bin ich eigentlich nur von Call-Center-Zombis und von Verkaufsdrohnen in der Fußgängerzone gewohnt, die mit “Geschenk-Abos” von Tageszeitungen am Ende des Quartals noch verzweifelt versuchen, so die IVW-Zahlen in Ordnung zu bringen.

Das “Identitätsschutzprogramm”.

Den absoluten Gipfel der Geschmacklosigkeit erreicht man als Kunde, wenn man sich ein weiteres Ding anschaut, das Sony da wohl gerade zurechtbastelt und heute kurz mal eben so angekündigt hat: Ein “Identitätsschutzprogramm”. Hier will man den Dienst eines Dienstleisters anbieten, der im Internet nach “Identitätsmissbrauch” des Kunden fahndet und den Kunden dann darüber informiert – wie auch immer das passieren soll. Dazu gibt es dann eine “Software zum Schutz der persönlichen Daten”, eine “eigene Hotline” und “Unterstützung für Opfer von Identitätsmissbrauch”. Und dann auch noch eine “Versicherung zur Abdeckung der Kosten für die Identitätswiederherstellung nach einem Identitätsmissbrauch”. Wie schön: Ein neuer Name vielleicht?

Also was will da Sony tatsächlich sagen? Dass man seinem eigenen PlayStation Network, das mal eben so 70 Millionen Kundendatensätze verschüttgehen lässt, nur soweit traut, dass man mit einem hierzulande weitgehend unbekannten Dienstleister einen Deal ausmacht, deren “Identitätsschutzlösungen” zu vertreiben? 12 Monate Abo “schenken”, heute aber noch nicht zu wissen, was das eigentlich danach kosten soll? Und überhaupt: Mit welcher Nicht-Voodoo-Technik will man “Identitätsmissbrauch” im Internet so zuverlässig erkennen können, dass ein Unternehmen maschinell ausgewertet entscheiden kann, ob ich nun Bücher kaufe oder nicht vielleicht ein Gauner? Und welchen Sinn soll das machen, wenn man doch eh dazu verdammt ist, die nächsten Monate eine Kreditkartenabrechnungen – eben wegen der Datenschlamperei von Sony – nochmal besonders gut anschauen zu müssen?

Sorry, Sony, you failed. Und zwar auf ganzer Linie.

Sicherheitsprobleme und ein wochenlanger Notfall-PSN-Shutdown – okay, lasse ich mir gefallen. Eine ziemlich konfuse Informationspolitik – geschenkt, ist mir persönlich alles nicht ganz so wichtig, immerhin läuft meine Kreditkarte im Laufe des Jahres aus und auch ohne PlayStation Network muss man im Internet nicht sehr lange suchen, um meinen Namen zu finden.

Aber dann ein “Willkommensgeschenk” in Form von weitgehend verfallenen Spielen und einer ziemlich ekelhaften Art und Weise, den Relaunch noch für Geschäftemacherei mit der Angst zu missbrauchen – das ist völlig daneben und eine Verhöhnung der Kundschaft, die sich auch heute noch darum sorgt, ob denn mit dem PSN-Hack nun Kreditkartendaten wirklich den Weg in die Freiheit gefunden haben oder nicht und möglicherweise Kundendatensätze von Minderjährigen nun im Internet kursieren oder eben nicht.

Man hätte erwarten können, dass in den Köpfen der Verantwortlichen bei Sony etwas passiert wäre in den letzten Wochen. Man hätte. Man muss jedoch nicht.

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Der Super-GAU für Sony Computer Entertainment.

27. April 2011 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in GamingWelt

Wie fangen wir an? Mit “Pech gehabt?” Oder mit “Das hat ja so kommen müssen?” Oder einfach mit “Stümper”? Ich glaube, es passt alles, auch Tiernamen für die Verantwortlichen. Denn alles, was sich gestern schon als gewaltige Nachrichtenlawine in Sachen PS3-Hack ankündigte und heute in allen Nachrichtenkanälen als Tsunami brandet, war absehbar.

Der PS3-Hack.

Dass sich im PlayStation Network etwas wirklich schlimmes zusammenbraut, konnten die alten PlayStation-Hasen ja schon letzte Woche erahnen. Dass es an der fehlenden Performance liegen könnte, weshalb Sony Computer Entertainment das Network vorübergehend gänzlich herunterfährt, war kaum vorstellbar – die Performance prellt ja schon seit vielen Monaten so dermaßen, dass es für Gelegenheitsspieler keinen Spaß mehr macht, die PlayStation einzuschalten, weil die bis dahin notwendigen Updates erst einmal dafür sorgen, dass die nächste halbe Stunde (bestenfalls) Updaten angesagt ist. Und das dauert vor allem deshalb so lange, weil die Downloads mit ISDN-artigen Geschwindigkeiten stattfinden.

Was sich aber gestern und heute so langsam als Fakten zum Hack herauskristallisiert, toppt wirklich alles: Möglicherweise die gesamte User-Datenbank, inklusive Passwörter, Kaufhistorie und vielleicht sogar Zahlungsinformationen sind mal eben so abgezogen worden. Im Internet. Da draußen, wo inzwischen jeder noch so verrückte Web-Entwickler gelernt hat, dass man sensible Informationen lieber zehn mal verschlüsselt, Passwörter niemals in Klartext ablegt und es noch nicht mal andenkt, den Download von kompletten Benutzerdatenbanken zu ermöglichen. Es dann auch noch nicht mal zu merken, dass möglicherweise Daten entwendet wurden. Yeah. Es würde mich interessieren, was den Mitarbeiter  erwartet, der das hausintern bei Sony Computer Entertainment zu verantworten hat.

Was aber vor allem im PlayStation-Imperium kaputtgegangen ist, lässt sich nicht mit Zahlen beziffern. Denn das Imperium selbst ist zusammengefallen wie ein Kartenhaus und es wird sich, so prophetisch will ich mal sein, eher die Frage stellen, ob der jetzige GAU so teuer wird, dass sich Sony langfristig aus dem Konsolenmarkt eher verabschiedet, als so weiterwurstelt, wie bisher.

Geohot und die PS3.

Geohot, mit (mutmaßlich) richtigem Namen George Hotz, ist ein junger Mensch in den USA, der sich mit moderner Unterhaltungselektronik mehr beschäftigt, als der normale Nutzer, um es einmal freundlich einzuleiten. Manche sehen in Geohot einen gefährlichen Hacker, der Betriebssysteme von Unterhaltungselektronik knackt, um daraus Zaster zu machen und manche sehen in Geohot ein verspieltes Kind mit einem Tick zu viel Bedarf nach Bestätigung durch Fans und Verehrer. Vermutlich liegt irgendwo in der Mitte die Wahrheit, höchstwahrscheinlich ist aber die implizierte Gefährlichkeit von Geohot völlig übertrieben, weil Sendungsbewusstsein im Internet keine Frage der Qualität mehr ist.

Vielen bekannt ist Geohot durch das Jailbreaking des iPhone-Betriebssystems, deren Szene er jahrelang mit Begeisterung anführte. “Anführen” ist auch hier vielleicht der falsche Begriff, denn eher war er derjenige, der auf spielerische Weise vermutlich während Mittagessen und Nachtisch das iPhone-Betriebssystem knackte, kurz am Nachmittag ein Progrämmchen dazu schrieb und am Abend dann über die Szene verteilen ließ. Dass er vornehmlich auf Zaster schielt, entkräftet genau diese “antikapitalistische” Vorgehensweise. Dass er sich vor ziemlich genau einem Jahr öffentlich von der iPhone-Welt vorübergehend verabschiedete und sich dem Knacken des PS3-Betriebssystems widmen wollte, konnte daher auch nur die Laien wirklich erschüttern, denn die Frage, die sich hier stellte, war nicht die, ob er die PS3 geknackt bekommen würde, sondern ob er es noch bis zum Abendessen schafft.

Der Angriffspunkt war ausgerechnet der Punkt, auf den Sony bei der PS3 einst sehr stolz war: Die Fähigkeit der PS3, in einer virtuellen Box ein Linux zu fahren und die PS3 als Nebenprodukt als eine Art “Supercomputer” zu positionieren. Das war natürlich in allen Belangen völlig übertrieben, denn das Linux ließ keinen direkten Zugriff auf die Subprozessoren zu und auch nicht auf die grafischen Prozessoren. Das Linux lief dementsprechend lahm auf einer eigentlich ganz flotten Kiste, die aber mit 256 Megabyte RAM, die sich spielekonsolen-like nicht erweitern lassen, schon im Jahr 2007 nicht zukunftsfähig war. Zusammen mit dem Stromverbrauch von weit über 150 Watt im Normalbetrieb (ein normaler PC begnügt sich mit 70 bis 100 Watt) war die Linux-Fähigkeit der PS3 ein Marketing-Gag, mehr nicht.

Geohot (und übrigens auch andere Hacker) loteten die virtuelle Box der PS3 aus und fanden nach und nach Möglichkeiten, über Schlampigkeiten in der virtuellen Maschine auf die PS3 zuzugreifen. Und das ist fatal in einer Welt, die der Hersteller abgeschlossen sehen will, denn Spielekonsolen leben vom Paradigma der Unverfälschbarkeit, der Abgeschlossenheit und der daraus implizierten Verbindlichkeit. Zwar muss ein Betreiber einer solch abgeschlossenen Umgebung immer damit rechnen, dass sich auch Hacker für die Innereien interessieren, aber man will das eben nicht. Die Frage ist, wie man als Hersteller auf dieses Phänomen reagiert: Akzeptieren und Vorkehrungen treffen, dass das Unfassbare (nämlich das Hacken) unvermeidlich ist oder so tun, als wäre alles sicher und schlussendlich der Holzhammer die bessere Wahl ist?

Sony Computer Entertainment und das Selbstverständnis.

Die Sub-Überschrift lässt es schon anklingen – Sony Computer Entertainment wählte zunächst die zweite Variante. Sie entfernten kurzerhand die Möglichkeit, Linux auf der PS3 nutzen zu können. Und sie schickten Anwälte, um Geohot zu verklagen. Das mag aus juristischer Sicht das Richtige gewesen zu sein, aber wer sich auch nur eine halbe Stunde mit der Ethik des Hackens beschäftigt und wer sich dann vielleicht auch noch mal kurz angeschaut hätte, wie Apple das Thema Jailbreaking öffentlich abhandelt (nämlich gar nicht) und sich vielleicht auch noch angeschaut hätte, wie Microsoft darauf reagierte, als Geohot einst erklärte, dass er Windows Mobile nun mal antesten wolle (Microsoft spendierte sogar Gerätschaften und kündigte an, dass man von der Arbeit von Geohot lernen wolle), dann hätte man von Anfang an merken müssen, dass Anwälte nicht das richtige Mittel der Wahl sind.

Das Problem beim Hacken und der Reaktion darauf sind nämlich nicht die Hacker selbst, sondern deren Fans und Bewunderer. Das sind nämlich eben nicht einfach nur die dickbäuchigen, weißhäutigen, asexuellen Autisten aus dem Klischee, sondern das sind Leute wie du oder ich mit den unterschiedlichsten Begründungen, warum sie Hacken gut finden, tolerieren oder zumindest nicht so schlecht finden, als dass man mit Kanonen auf Spatzen schießen müsste. Der Versuch, Geohot mit millionenschweren Klagen zu treffen, schlug daher genau in dem Moment fehl, als diese Vorgehensweise von Sony verkündet wurde. Von einem Unternehmen, dass als Hersteller von Spielekonsolen “Subversivität” als zentrale Unternehmenseigenschaft suggerieren muss, um überhaupt als ernstzunehmender Hersteller anerkannt zu werden.

Das Echo war dann dementsprechend: Selbst diejenigen, die von Hacken und dessen Ethik keine Ahnung haben, die Geohot nicht kannten und gar nicht so recht wissen, was da in ihrer Playstation passiert, waren von der mehr oder weniger wahren Epik, dass hier ein milliardenschwerer Konzern einen kleinen Jungen abstechen will, der nichts anderes getan hat, als Programmierfehler zu finden, greif- und erschütterbar. Und damit nahm das Elend für Sony Computer Entertainment und für seinen Mutterkonzern seinen Lauf. Die Details, wer wann wie etwas dazu beigetragen hat, dass es zum jetzigen GAU gekommen ist, ist dabei ironischerweise völlig uninteressant. Und es ist auch völlig unwichtig geworden, dass sich in der Zwischenzeit Sony Computer Entertainment – aus welchen Gründen auch immer – mit George Hotz darüber geeinigt hat, dass man den Burschen nicht finanziell erledigt, man lieber so tut, als ob alles wieder heile ist und darüber dann auch bemerkenswert schlecht bloggt. Denn da war der Karren schon längst polternd auf dem Weg nach unten.

Sind wir gut oder sind wir gut?

Ein großer Fehler ist es, ich habe es schon anklingen lassen, sich beim Vermitteln einer “neuen Welt” auf die Kampfmittel der “alten Welt” zu beschränken. Das gilt für alles: Marketing, Verkauf, Support, Rechtliches. Wenn man sich den Erfolg großer Computerspiele anschaut, dann sieht man durchweg ein Stilmittel: Wir hören dir zu! Du, der Computerspieler, du willst spielen und in eine andere Welt abtauchen und wir machen das möglich – mit dir zusammen sind wir stark! Und so weiter und so fort. Sicherlich alles viel Marketing-Blabla, das einen sehr an so Geschichten wie The Matrix erinnert, aber Computerspielen hat – gerade für Erwachsene – sehr viel damit zu tun, etwas anderes zu tun, als zu Joggen oder Kaninchen zu züchten. Wenn ich an der Spielekonsole spiele, bin ich schon für den Familienbetrieb nicht mehr zu gebrauchen und gelte da als Verrückter – es wäre schön, wenn der Hersteller des Spieles und gern auch der Spielekonsole das berücksichtigt und sei es nur in der Vermittlung einer Illusion, dass man dazugehört. Das eine gehört untrennbar zum anderen dazu.

Schaue ich mir die XBox oder die Wii an, dann schaue ich da in zwei Spielekonsolenwelten hinein, die es beide begriffen haben. Sie lassen Raum für Individualität, sie lassen die Benutzer Avatare erstellen, sie binden diese Welt mehr oder weniger nahtlos in die Computerspiele. Man kommt in eine Welt hinein, in der man willkommen ist, weil man gleichgesinnt zu sein scheint. Schafft man diese Illusion, ist das die Basis. Schafft man es nicht, bleibt es das, was Atari & Co. letztendlich einmal den Kopf gekostet hat. Sony Computer Entertainment hat es bisher nicht geschafft, selbst nicht mit dem sagenumwobenen PlayStation Home, einem Second-Life-Verschnitt, das zu einer Zeit erfunden wurde, als man noch glaubte, man müsse einfach eine 3D-Welt machen, um Community zu schaffen.

Am bedauerlichsten ist der Umstand, dass dies ausgerechnet Sony passiert, mit der PlayStation. Da stecken 16 Jahre Konsolenerfahrung dahinter, die PlayStation ist Begründerin der modernen Spielekonsolenwelt und die Hardware hat zu ihrer jeweiligen Veröffentlichung immer Maßstäbe gesetzt. Man hatte immer nur das Gefühl, dass das Management nicht in der Gegenwart angekommen ist. Und jetzt den finalen Beweis dafür. Vielleicht wird es ja nun besser. Vielleicht.

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Hack’ den Turm.

12. Januar 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in HumorWelt

Es muss ein Bild beziehungsweise ein Klang für die Götter gewesen sein, der da am Wochenende abends in Rize an der türkischen Schwarzmeerküste ertönte. Gegen 20.30 Uhr raschelte es wohl laut in den rund 170 Minaretten der Moscheen in und um Rize herum und plötzlich erschallte anstatt dem Ruf des Muezzins – Volksmusik. Und dann auch nicht irgendeine Volksmusik, sondern ausgerechnet fünf Minuten lang Musik des legendären türkischen Musikers Zeki Müren, der zu Lebzeiten aufgrund seines “extravaganten” Auftretens in schriller und oft weiblich angehauchter Kleidung gerade bei Konservativen und Religionsanhängern nicht unbedingt viele Anhänger hatte.

Was war geschehen? Die Zeit, in der der Muezzin tatsächlich das Minarett hinaufstieg, um seine Schäfchen zum Gebet zu rufen, sind in Ballungsräumen schon länger vorbei und moderne Technik hält Einzug. In Rize sind die meisten Lautsprecheranlagen der Minarette so zusammengeschaltet, dass sie per Funk zentral von einem Muezzin angesteuert werden. Hacker haben sich dem angenommen und kurzerhand die Lautsprecheranlagen der Minarette dazu genutzt, um etwas Musik zu machen, bis hinein in die landeinwärts liegenden Täler.

Und ja, die Verantwortlichen sind auch in der Türkei ebenso pikiert darüber, wie man vermutlich auch hier wäre, wenn sich jemand in die Glockenanlage eines Kirchturmes hacken würde:

Für Mufti Ilyas Serenli seien es allerdings “unschöne Klänge” gewesen. “Es riecht nach Sabotage”, zitiert der TV-Sender Serenli. “Wir werden unsere Maßnahmen ergreifen.”

Dennoch… astreine Aktion, hätte von mir sein können. Aus gut unterrichteter Quelle habe ich die Information, dass sich halb Rize in den Armen vor Lachen liegt. ;-)

[via CNN Türk, ZDF heute.de und eigenen Quellen]

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wolfgang-schaeuble.de gehackt.

10. Februar 2009 | 6 Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Die eh auch schon so katastrophale Website von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (man beachte mal das grässliche Favicon.. uhh) hat einen weiteren Tiefpunkt erreicht: Sie wurde heute Abend erfolgreich gehackt:

Screenshot der gehackten Website von Wolfgang Schäuble (http://wolfgang-schaeuble.de)

Muss man gar nicht wirklich groß kommentieren, der Grund ist augenscheinlich – laut Kommentar der Defacer – eine veraltete Typo3-Version. Dumm gelaufen, wenn man sein Haus nicht sauber hält. Der Link im Defacement geht übrigens auf www.vorratsdatenspeicherung.de.

Update um 1:04 Uhr: Selig schlummert das politische Berlin und das Defacement ist immer noch munter online. Fast schon erfreulich, dass sich offenbar heute Nacht erst einmal kein Schwein um das Problem kümmern wird. Diese gelebte Lässigkeit macht den Bundesinnenminister ja fast schon wieder sympathisch. ;-)

Update um 11.52 Uhr: Die Admins der Website haben es dann tatsächlich erst heute Morgen entdeckt und gegen 9 Uhr die Website abgeschaltet. Richard von tutsi.de hat offenbar die halbe Nacht das Ding beobachtet. Von den klassischen Medien war übrigens Golem.de der Schnellste beim Berichten – Punkt 0:08 Uhr ging das Ding bei ihnen über den Ticker.

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