Zahlungsziele: Wann darf’s denn sein?

Lydia hat auf Facebook eine interessante Diskussion aufgeworfen: Wie kommen wir Selbstständige eigentlich an das Geld, das uns zusteht? Sprich: Das wir in Rechnung stellen und der Kunde nun am Zuge ist, diese Rechnung auch zu bezahlen. Da will ich mal meine Gedanken ausführlicher in den Raum stellen. Zuallererst: Mein Weg ist mein Weg. Ich nehme niemanden dafür in Haftung oder kritisiere ihn dafür, wie er das mit der Rechnungsstellung handhabt. Unter Handelnden gibt es da eh wenig Grundlage, im Nachhinein zu meckern, wenn man sich nicht vorher darüber verständigt hat.

Ich handhabe es mit meinen Rechnungen (wenn es keine gesonderte Absprache gibt) relativ einfach, ich gebe in meinen Rechnungen nichts explizit vor, wie und wann meine Rechnung zu bezahlen ist. Damit gilt: Die Rechnung ist sofort fällig und muss eigentlich auch unverzüglich bezahlt werden. Es gibt keine gedrucktes „Die Rechnung ist zahlbar bis sowieso“ und es gibt auch keinen Skonto bei mir. Wird die Rechnung auf absehbare Zeit nicht beglichen, mache ich eine Ansprache und eskaliere.

Der Grund ist relativ einfach: Wenn ich eine Rechnung stelle, ist für gewöhnlich entweder eine Leistung getan worden oder eine Leistung ist unmittelbar von der Zahlung abhängig. Sprich: Ich habe keine Geschenke empfangen bzw. empfange keine und deshalb habe ich auch erst einmal nichts zu verschenken. Auf eine Leistung folgt eine Gegenleistung und da gilt das, was anfangs vereinbart ist. Als Lieferant einer Ware oder Dienstleistungen gebe ich den Tarif vor und für den stehe ich dann auch.

Ein Skonto ist für mich zuerst einmal ein Werkzeug, keine Gefälligkeit. Skonti ist da unabdingbar, wo effektiv einzunehmendes Geld sofort wieder refinanziert werden muss und die Kasse flüssigbleiben soll oder man möchte, dass viele gestellte Rechnungen aus Buchhaltungsgründen möglichst schnell bezahlt werden sollen. Damit Skonti nicht peinlich wirken, verbindet man sie normalerweise mit erweiterten Zahlungszielen, wenn man eben das Skonto nicht in Anspruch nehmen will. Im Normalfall gewährt man dem Zahler also zum Beispiel ein Zahlungsziel von 14 Tagen und gewährt einen Skonto dann, wenn das Geld innerhalb von sieben Tagen auf dem Konto eingeht. Ein Skonto „bei sofortiger Zahlung“ wiederum ist gefährlich, weil „sofort“ unter Umständen weit definiert werden kann und man als Rechnungssteller sicherlich angenehmere Situationen heraufbeschwören mag, als mit einem komplizierten Kunden darüber zu diskutieren, ob seine skontierte Zahlung nun sofort getan wurde oder doch mit drei Tagen Verzug.

Nutzt man Skonto nur dafür, um den Kunden zu erziehen (was eh mehr das Prinzip Hoffnung ist), dann ist das entweder verschenktes Geld oder man addiert auf den fertigen Preis heimlich den Skontobetrag auf, um diesen dann feierlich abzuziehen. Das ist nicht mein Ding, davon halte ich persönlich gar nichts. Wenn mir Skonto gewährt wird, zahle ich zwar auch sofort den Betrag, aber vor allem genau aus diesem Grund: Ich fühle mich erst einmal etwas über den Tisch gezogen, weil ich natürlich damit rechne, dass der Skontobetrag im Rechnungsbetrag schon eingepreist wurde (wenn man mir nicht glaubhaft das Gegenteil erklärt). Für gewöhnlich mag ich aber solche Spielchen nicht und verziehe zumindest eine Augenbraue dabei.

Offener Brief an die Schufa.

Zur Schufa, der „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, die heute kein eingetragener Verein mehr ist, sondern eine Aktiengesellschaft, muss ich nicht sehr viel sagen. Warum es sie gibt, schreibt die Wikipedia und jeder von uns ist nicht unbedingt direkter Kunde der Schufa, aber zumindest dort ein mehr oder weniger umfangreiches Aktenzeichen wert.

Ich habe Diskussionsbedarf mit der Schufa und schreibe das mal in einem Offenen Brief, der zeitgleich mit der Veröffentlichung auch per E-Mail an die Schufa geht. Ich habe in meiner Anfrage darum gebeten, eine eventuelle Antwort ebenfalls veröffentlichen zu dürfen, was ich entsprechend dann auch tun werde.

Wer von meinen Blog-Lesern jetzt gern maulen möchte, ich möge doch einfach genauer die Verträge durchlesen, die ich abschließe: Ich lese Verträge für gewöhnlich genau und lese mitunter mehr AGB als so manch andere Mensch Bücher generell. Vertragswerke kann man jedoch, gerade wenn es überaus stark um eine vertrauensvolle Dienstleistung geht, auch kundenfreundlich gestalten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Verwunderung habe ich heute beim Blick auf meinem Girokonto eine Abbuchung über 10 Euro und dem Text „Aboverlängerung“ gefunden. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, mit Ihnen ein Abo abgeschlossen zu haben.

Eine nähere Recherche dazu brachte erstaunlicherweise auch nach 20 Minuten kein Ergebnis. Ich habe

  • den Zweck der Abbuchung ausgewertet, aber außer dem Text „Aboverlängerung“ und einer für mich nicht nachvollziehbaren Referenznummer keinen Hinweis gefunden,
  • den Schriftverkehr angeschaut, der mich 2011 im Rahmen der Registrierung für die Online-Auskunft „MeineSchufa.de“ erreicht hat, da ist nichts von einem Abo zu finden,
  • unter „MeineSchufa.de“ in meinen persönlichen Mitteilungen nachgeschaut und ebenfalls keinen Hinweis darauf gefunden, was da von meinem Konto abgebucht wurde. Die letzte Nachricht hier stammt aus dem Jahre 2011.

Zu meinem Erstaunen habe ich in älteren Kontoauszügen eine gleichlautende Lastschrift aus dem Jahre 2012 gefunden, über den gleichen Betrag und mit dem gleichen, nicht sinnvoll recherchierbaren Verwendungszweck.

Ich habe daraufhin heute umgehend die Abbuchung bei meiner Hausbank stornieren lassen, wie ich es grundsätzlich mit Abbuchungen tue, für die ich auch nach einer größeren Suche in meinen Unterlagen keine Rechnungs- und Vertragsgrundlage finden kann.

Nach einer weitergehenden Suche habe ich dann durch fremde Quellen (Web-Foren) den Grund recherchieren können, aus dem Sie heraus ableiten, dass ich mit Ihnen ein Abo abgeschlossen haben könnte.

Tatsächlich habe ich mich 2011 für die Online-Auskunft online auf Ihrer Website angemeldet und damals die dazu notwendigen und einmaligen 18,50 Euro für die Zugangsdaten und die notwendige „Schufa-XSCard“ bezahlt. Diese Unterlagen habe ich erhalten und den Zugang auch seitdem regelmäßig zu Eigenauskünften im Einsatz.

Damit verbunden war, so mein Rechercheergebnis, Ihr „Sonderangebot des zusätzlichen 100 Tage Update-Abo“, der sich – natürlich kleingedruckt geschrieben – automatisch nach dieser Zeit um ein Jahr verlängert und der dann eben 10 Euro kostet. Wohl- und angemerkt: Dieses zusätzliche Update-Abo, mit dem etwaige Änderungen in meinen bei der Schufa gespeicherten Bonitätsdaten per E-Mail oder SMS angekündigt werden, ist weder notwendig, noch meiner Meinung nach preislich mit dem Betrag von 10 Euro gerechtfertigt, da die Daten selbst ja kostenlos recherchierbar sind und das Update-Abo lediglich E-Mail- bzw. SMS-Nachrichten erzeugt, wenn sich Bonitätswerte ändern.

Und wie es sich für so ein grundsätzlich sicherlich legales Lockvogelangebot gehört … man redet nur beim Verkauf drüber und dann möglichst nie wieder. Nicht beim Zusenden der Zugangsdaten, später auch nicht in meinen Registrierungdaten unter „MeineSchufa.de“ und die Abbuchung wird auch schön kryptisch versteckt. Ein Betrag von runden 10 Euro dürfte bei vielen Kunden zudem schlicht nicht auffallen.

So eine Art der Vorgehensweise bin ich, ich bin da jetzt sehr ehrlich und direkt, aus Erzählungen von Drückerkolonnen und Wegelagerern gewohnt. Nicht von Unternehmen, die schon in der ersten Zeile ihrer Website davon erzählen, dass sie Vertrauen schaffen würden.

Damit schaffen Sie in einem sowieso von Vorurteilen belasteten Umfeld kein Vertrauen und keine Sicherheit, sondern damit wird Kunden, die nicht peinlich genug darauf aufpassen, Kündigungsfristen bei Lockvogelangeboten ständig im Kopf zu behalten, dreist ein an sich einfacher Geldbetrag aus der Tasche gezogen und subtil damit kokettiert, dass sich der Kunde schon nicht mit der Schufa streiten möchte.

Pardon, so geht es nicht.

Ich habe eine einwandfreie Bonität mit einem sehr hohen und „gepflegten“ Scoring-Wert, zahle meine Rechnungen für gewöhnlich immer pünktlich und bin kreditschuldenfrei. Notwendige Schufa-Auskünfte von Banken und anderen Unternehmen gebe ich nicht nur deshalb statt, weil es schlicht und einfach ohne Auskunft nicht geht, sondern auch mit der Überzeugung, dass ich meinen Vertragspartnern in Sachen Bonität nichts zu verheimlichen habe.

Das geht aber nur, wenn die Gegenleistung für meine Vertrauenswürdigkeit mindestens ein ebenso skaliertes Maß davon ist. Mit Unternehmen, die Details zu einem wie auch immer abgeschlossenen Vertrag nicht kommunizieren, keine Rechnungen schicken, ihre Zahlungen möglichst kryptisch verstecken und auch sonst nicht sonderlich gut zu kontaktieren sind, wenn es um Unternehmens- bzw. Geschäftsbelange geht, mache ich für gewöhnlich keine mehr als notwendigen Geschäfte und sage das auch so. Und selbst wenn der Vertragspartner die so mächtige Schufa ist.

Deshalb: Faktisch gesehen ist der Betrag von 10 Euro über die Aboverlängerungen von Ihrer Seite her berechtigt gewesen, da eine automatische Vertragsverlängerung erfolgte, meiner Schätzung nach bis irgendwann in den Zeitraum vom 20. März bis 2. April 2014. (Aus den nicht vorhandenen Unterlagen ist das leider nicht ermittelbar, sondern nur geschätzt.) Da ich die einmonatige Kündigungsfrist zum Laufzeitende aus obigen Gründen verpasst habe, bin ich in der dementsprechenden vertraglichen Verpflichtung auf Begleichung der 10 Euro.

Die von mir vorgenommene Lastschriftrückgabe ist damit, rein aus Vertragssicht, unberechtigt gewesen. Da ich Verträge für gewöhnlich erfülle, möchte ich mich für diese Unannehmlichkeit der geplatzten Lastschrift entschuldigen.

Gegen den an sich in so einer Situation gebotenen Vorschlag meinerseits, die entstehenden Kosten für meinen Fehler mir in Rechnung zu stellen, möchte ich jedoch mit allem gebotenen Respekt protestieren. Auch hier möchte ich in einer ehrlichen Sprache zu Ihnen sprechen:

Nein, ich möchte weder die 10 Euro für die Aboverlängerung, noch die nun entstehenden Kosten für die Lastschriftrückgabe bezahlen. Die Art und Weise, wie dieser Vertrag zu diesem Abonnement entstanden ist, halte ich für frech und nicht würdig im Komplex einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Individuen und Unternehmen, die über die finanzielle Existenz ihrer (Zwangs)Kunden entscheiden.

Ich bitte daher um Prüfung, inwiefern es möglich ist, den zwischen uns bestehenden Vertrag über dieses Update-Abonnement mit sofortiger Wirkung aufzuheben und die 10 Euro Abo-Gebühr nicht weiter in Rechnung zu stellen. Im Gegenzug wäre ich bereit, die entstehenden Kosten für die von mir fälschlicherweise initiierte Lastschriftrückgabe zu übernehmen. Eine dahingehende Rechnung, die Sie mir dann bitte an meine bekannte Anschrift oder per E-Mail meine E-Mail-Adresse „besim@karadeniz.de“ zuschicken, werde ich entsprechend begleichen.

Abschließend: Ich erspare mir und Ihnen an dieser Stelle den üblicherweise zu erwartenden Sermon in Form von „Dank im voraus“ oder Bekundungen für ein besonders zu steigendes Vertrauensvermögen Ihnen gegenüber, wenn aus Kulanzgründen meiner Bitte stattgegeben werden sollte. Solche Schlager interessiert Sie als Unternehmen nicht und von mir als Bittsteller wäre es auch nicht sonderlich ehrlich.

Unsere geschäftliche Beziehung ist sehr einseitig geprägt und ich bin bei Ihnen auch nur deshalb Kunde in Ihrem Online-Auskunftsdienst, weil ich darauf aufpassen will und muss, was bei Ihnen an vielleicht unbegründeter Information von meinen Vertragspartnern aus der Banken-, Konsum- oder Telekommunikationswelt landet und im Ernstfall meine zukünftigen geschäftlichen Beziehungen mit anderen Unternehmen negativ beeinflussen könnte. Ich bin kein „Spaßkunde“ und auch kein „Ernstkunde“, sondern ein „Mussleider-Kunde“ ohne jegliche emotionale Bindung zu Ihrem Hause, wenngleich ich aber ausdrücklich die Notwendigkeit von bonitätsprüfenden Institutionen anerkenne.

Aber: Gerade von solchen Unternehmen erwarte ich tatsächlich eine gesteigerte Sensibilität gegenüber der Notwendigkeit von gültigen, moralisch einwandfreien und vor allem ohne Zweifel nachvollziehbaren und offenen Verträgen. Das insbesondere dann, wenn es hier nicht nur um Bonitätsbewertungen von geschäftlichen Objekten geht, sondern um Menschen wie du oder ich, die sich maßlos darüber ärgern und für die Bonität nicht einfach nur eine Geschichte bis zur nächsten Unternehmensgründung ist.

Fassen Sie meine Worte und Darstellungen bitte, unabhängig von meinem eigentlichen Anliegen, als konstruktiv gemeinte Kritik auf.

Zu Rückfragen stehe ich selbstverständlich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen aus Pforzheim,
Besim Karadeniz