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(Un)Sicherheitsgefühl von/bei “Web-Gründern”.

10. Oktober 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in SicherheitsWelt

Kollege Robert Basic hat in seinem Blog ein interessantes Statement eines so genannten “Web-Gründers”, der seine Sicht auf die aktuelle Krise des Finanzsektors darlegt. Manche Experten gehen ja davon aus, dass mit der Finanzmarktkrise schon sehr bald nicht nur die Banken den anderen Banken nicht mehr trauen, sondern auch anderen Unternehmen, am ehesten nicht den Unternehmen, die kein tragfähiges Business-Konzept darlegen können, eine weit verbreitete Seuche in der Web-Szene.

Nun ist es nicht gerade so, dass ich “Web-Gründern” wirklich sehr viel dabei vertrauen würde, wenn sie mir etwas über die Weltwirtschaft daherposaunen. Ein Absatz hat es mir aber sehr angetan, was mir sofort zeigt, dass da jemand schreibt, der von der Materie überhaupt keine Ahnung hat:

“Ich denke, Online kann von der ganzen Krise seehr profitieren. Unternehmen müssen einsparen, wodurch sich gute Chancen fürs Web ergeben: Warum MS Office für meine 200 Mitarbeiter kaufen, kann doch Google Docs oder Zoho nutzen? Warum teure Exchange Server, wenn Gmail das auch kann? Warum eigene Server Farmen, wenn ich Amazon outsourcen kann? Warum teure TV Kampagnen mit TKPs von (ka, schätz einfach ma) 20 Euro, wenn ich im Web targetisiert meine Zielgruppe ansprechen kann? Etc etc etc du weißt schon, was ich meine…”

Wer auch immer der ominöse Interviewpartner war - es ist in der Tat gut für ihn, dass er namenlos bleibt. Allein schon der Gedanke, dass das vielleicht ein Betreiber eines Webportales sein könnte, der auf diese Weise seine Kundendaten “oursourced”, läßt mir spontan die Fußnägel nach innen wachsen, weil es hanebüchen daneben ist und das gleich mit vielen Argumenten:

  • Unternehmen sparen, wenn sie einsparen müssen, zu allererst am Personal ein, weil das in den meisten Firmen den größten Ausgabeposten darstellt. Eine komplette Exchange-Infrastruktur gibt es schon zum Monatsgehalt eines gutbezahlten Ingenieurs und zudem wird die EDV grundsätzlich auf mehrere Jahre hin abgeschrieben, so dass EDV-Kosten für Office und Collaboration in einem Unternehmen kein großes Thema sind, wenn man als Workstations nicht gerade die letzten Pfeifer kauft, keinen Servicevertrag beihat oder sich nicht erstklassig übers Ohr hauen lässt. Zudem gibt es praktisch für jede Hard- und Software die Möglichkeit von Mietkäufen bis hin zur eingesetzten Software, so dass sich die Ausgabenstruktur für wirklich alle Eventualitäten anpassen lässt.
  • Unternehmenskritische, möglicherweise geheimzuhaltende Daten bei externen Dienstleistern outzusourcen, deren Sicherheitslage nicht zu kennen und dabei auch noch zu wissen, dass die Daten voraussichtlich außerhalb Deutschlands liegen, ist nicht nur moralisch ein Problem, sondern kann ein richtig handfester Straftatsbestand werden. Kundendaten müssen nachweislich sicher vor Zugriff Dritter sein und jedes Sicherheitsaudit wird spätestens bei der Frage enden, wo denn die Unternehmensdaten liegen, wenn die Antwort “bei Google” heißt. Der Gesetzgeber stellt Datenmißbrauch (zu Recht) verhältnismäßig empfindlich unter Strafe.
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Direktbanken und Warnhinweise bei spekulativen Geschäften.

3. Oktober 2008 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Im ZDF jammert jemand, er habe bei einer deutschen Direktbank DAX-Zertifikate gekauft, die dummerweise von der inzwischen pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers herausgegeben wurden. Er habe daraufhin mit seiner Bank telefoniert, die jedoch nur bestätigen konnte, dass seine Papier derzeit nicht handelbar seien und er mit einem Totalverlust rechnen müsse. Er, der Kunde, jammert nun, man hätte ihn nicht davor gewarnt und eigentlich müssten auf solchen Zertifikatsprospekten ähnliche Warnhinweise stehen, wie auf Zigarettenschachteln.

Da hat der gute Mann vermutlich eine kleine Leseschwäche. Mir ist bisher noch kein Verkaufsprospekt für ein Zertifikat untergekommen und noch nicht mal eine Werbeanzeige, in dem/der nicht darauf hingewiesen wurde, dass ein Zertifikat gewisse Risiken bergen kann. Zudem haben Banken eine Beratungspflicht, die sich auch auf Direktbanken erstreckt und die Direktbanken für gewöhnlich mit ausführlichem Informationsmaterial erledigen und in denen die Spezialitäten von Zertifikaten erläutert werden - eben auch die Gefahren eines Totalverlustes, wenn das herausgebende Institut beispielsweise eine Bauchlandung macht.

In solchen Fällen, also wenn ein Kunde bei einer Direktbank seine Dokumentation nicht liest und Dinge kauft, von denen er keine Ahnung hat, muss ich sagen: Pech gehabt. Zertifikate sind nichts für Anfänger, weil sie von Hause aus ein erheblich höheres Risiko haben, als beispielsweise klassische Aktienfonds, deren Vermögenssumme getrennt vom Vermögen des Fondsanbieters verwaltet werden.

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Mittendrin in der Finanzkrise.

30. September 2008 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Wer es noch nicht gemerkt hat, dem sei gesagt, dass die Finanzkrise inzwischen ziemlich bedrohliche Ausmaße angenommen hat und es eigentlich ans Eingemachte geht. Gestern hat es mit der Hypo Real Estate, an sich ein solides Unternehmen mit einem großen Bestand an solventen und staatsnahen Kreditnehmern, weitgehend nur deshalb gewackelt, weil eine Tochter dieser Gruppe akute Probleme mit dem Bezug von liquiden Mitteln bekam, da sie ebenfalls im Strudel mit faulen Krediten in der US-Immobilienflaute steckt. Analysten und Experten, die gefragt werden, wie es denn mit den normalen Geschäftsbanken aussieht, antworten schon mit der Aussage, dass keine akute Gefahr besteht, da deren Kundschaft größtenteils aus konservativen Anlegern besteht. Sprich: Die Banken trauen sich untereinander immer weniger, der Staat muss immer stärker und immer öfter einspringen und alles funktioniert an sich nur deshalb, weil die Kundschaft nicht in Panik verfällt. Hoffentlich.

Die Frage wird wirklich sein, wie die nächsten Wochen aussehen. Dass sich Staaten immer stärker in die Bankenwelt einmischen und kurz einmal eine ganze Reihe von Banken verstaatlichen (was noch vor wenigen Monaten kaum einer für möglich hielt), ist bedenklich, wenn auch nicht unbedingt katastrophal. Zum einen sind es häufig Bürgschaften, die nicht unbedingt Zahlemann & Söhne bedeuten, sondern als Sicherung gelten, und zum anderen sind die aufgekauften Banken und faulen Kredite ja nicht unbedingt verbranntes Geld und könnten in mittelferner Zukunft mit einem Verkauf oder einer anderweitigen Verwertung zu einer schwarzen Null oder gar zu einem Gewinn führen. Was allerdings zweifellos ein Problem ist: Die Liquidität, die Banken so erhalten, führt dazu, dass diese vorläufig und vermutlich einige Zeit lang dem Staat fehlt und das mittelfristige Risiko besteht, dass noch einiges an dem investierten Geld auf der Strecke bleibt.

Weiter betrachtet kann sich sowas zu einem richtig harten Bumerang auch außerhalb der Bankenwelt entwickeln, denn wenn der Staat weniger handlungsfähig wird und die Banken groß damit beschäftigt sind, ihre faulen Kredite von einer Ecke zu anderen zu schaufeln, leiden die Unternehmen, die ebenfalls kurz-, mittel- oder langfristig fremdes Geld benötigen. Mit den Rettungsmaßnahmen werden wir also weltweit durchaus noch einige Jahre nett beschäftigt werden.

Zum eigenen Wertpapierdepot: Tja, wer noch nicht aufgeräumt hat, kann es jetzt getrost bleiben lassen, (wenn er nicht gerade auf hochentzündlichen Zertifikaten sitzt, bei denen es teilweise wirklich ums Eingemachte geht), denn alles, was jetzt verkauft wird, geht hoffnungslos unter Preis. Also zusammenreißen, Schotten dicht machen, Augen zu und durch. Der Dienstag wird vermutlich einer der übelsten Tage werden, den die Finanzmärkte je gesehen haben. Die harten Brüder und Schwestern unter uns werden sich morgen vermutlich sogar noch mit Einkäufen bedienen, allerdings ist das selbst mir viel zu heiß gerade.

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