Auf ein Wort zu Firefox, Mozilla.

Der Webbrowser ist, wie bei den meisten Web-Leuten, mein hauptsächliches Werkzeug zum Arbeiten. Der wird morgens, wenn der Computer startet, als erstes Programm angeworfen und abends als letztes Programm wieder beendet. Im Idealfall läuft diese Browsersitzung den gesamten Tag durch, mit mehreren Tabs, also Fenstersitzungen. Mal kommt ein Tab dazu, mal wieder eines weg und so geht das. Selten habe ich mal mehr als zehn Tabs geöffnet, aber in der Tab-Klasse merkt man dann selbst bei meinem nagelneuen Laptop, dass Power allein in der Enterprise-Klasse nicht hilft.

Mein Webbrowser ist Firefox, seit Anfang an. Nein, eigentlich auch schon davor, denn der Netscape Navigator war mein erster Webbrowser und dann kam der Communicator und dann Firefox. Ich kann behaupten, wirklich jede Firefox-Version mitgemacht zu haben, bis zur heutigen Version 54. Die jetzt endlich jeden Tab in einen eigenen Prozess packt. Damit läuft der Browser noch stabiler, habe ich mir sagen lassen, aber Stabilität ist eigentlich kein echtes Problem gewesen.

Bis jetzt. Denn Firefox sorgt auf meinem PC seit einigen Wochen regelmäßig dafür, dass der Nvidia-Grafiktreiber abstürzt und neu gestartet werden muss und das gleich mehrfach am Tag. Klar, man kann ausschalten, dass die Hardwarebeschleunigung verwendet wird, aber damit läuft Firefox gefühlt auf halber Kraft. Gut, kann man zur Not damit leben.

Ab Version 54 beobachtete ich aber nochmal Performanceeinbußen und das eigentlich auf einem respektablen Computer mit 16 GB RAM. Der Grund zeigt sich, wenn man einmal im Task Manager schaut, was Firefox da eigentlich arbeitsspeichermäßig treibt. Die eine Firefox-Sitzung, die ich hier gerade habe und darin einen einzigen Tab geöffnet habe – nämlich den zum Schreiben dieses Blogartikels – verbraucht mal eben 1 Gigabyte Arbeitsspeicher.

Ich wiederhole: 1 Gigabyte Arbeitsspeicher. 1.047.632.238 Bytes, um genau zu sein in dieser Sitzung.

Google Chrome, den ich ebenfalls hin und wieder zum Website-Vergleich brauche, macht das exakt gleiche für 58 Megabyte Arbeitsspeicher. Also für etwas mehr als 5 % des Arbeitsspeichers, das Firefox 54 sich genehmigt. Und dabei nicht ständig den Nvidia-Grafiktreiber abstürzen lässt.

Mal ganz unverblümt zu euch gesprochen, liebe Mozilla-Leute: Geht’s noch?

Okay, ich habe verstanden, dass ihr zu Beginn der Verteilung der Version 54 sicherheitshalber angekündigt habt, dass die neue Prozessstruktur zunächst einmal mehr Arbeitsspeicher konsumieren wird und man sich nun an die Optimierung des Arbeitsspeicherbedarfs heranmacht. Zwar hat Firefox schon zu diesem Zeitpunkt in der letzten Version bei mir im Durchschnitt 500 Megabyte Arbeitsspeicher konsumiert, aber mit 10 % vorübergehenden Aufschlag hätte ich leben können. Gut, auch mit 20 %, wenn es dann wirklich einmal besser wird.

Aber 100 %? 1 Gigabyte im Normalzustand? Ein Gigabyte, Herrschaften?

Ich möchte ehrlich zu euch sein, Mozilla: Ihr habt den Bogen so überspannt, wie man ihn eigentlich gar nicht mehr überspannen kann, ohne dass einem Wurfarm und Sehne um die Ohren fliegen. Wir propagieren einerseits seit Jahrzehnten das schlanke Web mit schnellen Oberflächen und möglichst wenig Befehlsspeck und dann kommt der Webbrowser, der mal eben so viel Arbeitsspeicher braucht, wie das restliche hostende Betriebssystem.

Geht in euch, Mozilla. Schnell. Schon jetzt seit ihr deutlich unter 20 % Marktanteil und es ist kaum zu erwarten, dass Google Chrome nochmal etwas von den derzeitigen 60 % freiwillig etwas abgeben mag. Eigentlich geht es inzwischen um das nackte Überleben. Und wenn ich mir den Task Manager so anschaue: Eigentlich seid ihr schon längst reif für die Intensivstation. Ihr braucht kein neues Logo und auch keine neuen Konzepte. Ihr braucht vor allem wieder einen Webbrowser, der funktioniert.

Update:

Immerhin muss ich die regelmäßigen Abstürze des Grafiktreibers jemand anderem in die Schuhe schieben, nämlich Nvidia. Die haben es nämlich geschafft, in einer der letzten Treiberupdates einen Fehler hineinzubauen, der in Firefox-Sitzungen (und auch nur da) dafür sorgt, dass bei größeren Grafikgeschichten dann der Grafiktreiber abstürzt. Ab wann das Problem auftaucht – keine Ahnung. Ich habe ein altes März-Treiberpaket zurückinstalliert und damit sind die Abstürze zumindest wieder weg.

Das Arbeitsspeicher-Problem habe ich zumindest einmal dadurch entschärft, in dem Firefox nun gänzlich ohne Add-Ons läuft. Ist aber nicht des Rätsels Lösung, denn ich habe auf meinem PC zu Hause immer noch deutlich mehr Arbeitsspeicherbedarf, als auf dem Laptop, obwohl auf dem PC inzwischen auch das Firefox-Profil vollständig neu eingerichtet ist. No idea. Vielleicht wird das tatsächlich irgendwann mal besser.

Als Telekom-Kunde Post von der Telekom anfordern.

Mir fiel jetzt kein besserer Titel für diesen Blog-Eintrag ein, aber tatsächlich ärgere ich mich gerade etwas über die Telekom für eine völlig ohne Not produzierte Dummheit.

Ich habe heute Post bekommen, nämlich eine „Wichtige Sicherheitswarnung zu Ihrem Internetzugang“. Einer meiner Rechner, „z.B. Smartphone“ sei mit einem Virus/Trojaner infiziert und ich möge bitte umgehend alle meine Rechner prüfen und Passwörter ändern. Nähere Informationen gäbe es in meiner Mail, die via Mail geschickt wurde. Diese Mail, die sich dann in meinem so gut wie nie benutzten T-Online-Postfach fand, enthielt immerhin den Hinweis, dass ich mir den Wannacrypt-Trojaner eingefangen haben soll.

Aus dem Bauch heraus gesagt: Kaum möglich. Meine Rechner sind alle gepatcht, ich habe funktionierende Antivirensoftware drauf und keiner meiner Rechner hängt nackt in irgendwelchen WLAN-Netzwerken herum. Trotzdem habe ich Laptop und Desktop-PC gescannt, so ganz ohne Grund verschickt ja wohl die Telekom keine solche Post. Wobei es hier schon das zentrale Ärgernis gibt, denn was taugt bitteschön eine Sicherheitswarnung, wenn darin nicht zumindest für Experten lesbar steht, wie man denn darauf gekommen ist, dass der betreffende Kunde ein Sicherheitsproblem haben könnte. Nur die angegebene IP-Adresse und der genaue Zeitpunkt helfen da den meisten Kunden recht wenig.

Des Rätsels Lösung kam dann, als ich den Zeitpunkt, den die Telekom in ihrem Brief angegeben hatte, minutiös nachverfolgt habe in meinen Systemprotokollen und vor allem im Browserverlauf. Denn exakt zu diesem Zeitpunkt habe ich folgende Website aufgesucht, die in der Wannacrypt-Trojanerwelle als Killswitch benutzt wurde. (Kurzfassung: Ist der Wannacrypt-Trojaner auf einem Rechner, überprüft er zunächst, ob die folgende Web-Adresse existiert und legt erst dann los, wenn diese Website nicht existiert.)

http://www.iuqerfsodp9ifjaposdfjhgosurijfaewrwergwea.com/

Die Telekom-Kollegen haben also einen Paketfilter ins Backbone gebastelt, der alle Zugriffe auf die obige Adresse meldet und ein Ticket im Abuse-Department der Telekom auslöst. Auf den ersten Blick okay, aber, liebe Telekom: Man schreibt die Art und Weise, wie ein Sicherheitsproblem offenbar existiert, dem Kunden dann dazu.

Oder auch anders gesagt: Willst du als Telekom-Kunde Post von der Telekom (und mehr passiert dann auch nicht)? Dann einfach auf den obigen Link klicken.

Wie Twitter Donald Trump 14 Millionen Follower schenkte.

Wie über 14 Millionen weitere Twitter-Nutzer folgte ich bis zum Abschied Barack Obamas als US-Präsident auch dem offiziellen Twitter-Account @POTUS („President of the United States“). Die US-Behörden hatten sich zum Präsidentenwechsel dabei eine nette Geschichte ausgedacht. Anstatt einfach den Account weiter an den nächsten US-Präsidenten zu geben, wurde kurzerhand der bisherige @POTUS-Account zu @POTUS44 umbenannt und somit archiviert. Nach den üblichen Twitter-Regeln behält ein Twitter-Account alle seine Follower, auch wenn der Nickname des Accounts wechselt.

Dass @POTUS44 der frühere @POTUS-Account war, lässt sich z.B. über die Website mytwitterbirthday.com recherchieren, die für den Account das „Geburtsdatum“ des 21. Juni 2013 ausgibt:

Wie gesagt, über 14 Millionen Follower.

Für den neuen US-Präsidenten wurde eigens ein neuer dienstlicher Account eingerichtet, der dann den bisherigen Nickname „POTUS“ übernommen hat. Auch ersichtlich hier: Der „Geburtstag“ dieses Twitter-Accounts, der 19. Januar 2017.

Also alles gut. Wobei … nicht so ganz. Den offenkundig zum Wohle des neuen US-Präsidenten dehnt Twitter wieder einmal die Regeln. Denn der bisherige Follower von @POTUS und nun Neu-Follower von @POTUS44 darf nun staunend zur Kenntnis nehmen, dass er nun automatisch beiden Accounts folgt, nämlich @POTUS44 und dem neuen @POTUS-Account. Also sozusagen ein Zwangs-Following des neuen US-Präsidenten, obwohl man das gar nicht selbst initiiert hat. Schon ganz nett, wenn man als neuer US-Präsident mit einem neuen Twitter-Account gleich mal mit 14 Millionen von Twitter auf dem Silbertablett überreichten Follower anfangen kann und ihnen von Tag 1 an präsidentialen Müll unterjubeln kann, den sie gar nicht bestellt haben.

Eine Ferkelei von Twitter, die man in so Ländern wie China oder Russland nicht hätte besser machen können, zumal Twitter bisher auf Wünsche von Account-Duplikaten nicht eingegangen ist.

Einzig ironischer Nebeneffekt: Der neue @POTUS-Account verliert derzeit stetig Follower und hat aktuell fast 300.000 Follower weniger, als @POTUS44. Ich bin mal gespannt, wie lange sich dies das Trump-Team anschaut und irgendwann die „Bitte“ an Twitter herangetragen wird, für den @POTUS44-Account keine neuen Follower zuzulassen. Auch das wäre dann ein neues Level an politischem Opportunismus von Twitter, aber das ist vermutlich einfach nur eine Frage der Zeit. Die YESSIR-Mentalität von Twitter gegenüber totalitären Regimen in aller Welt ist inzwischen schon fast legendär.

Wie Fernwartung EDV-Leute faul macht.

Heute war wieder ein klassischer Fall. Eine Kundin ganz weit draußen, 20 Kilometer Anfahrt ins weite Land. Schon allein die Entfernung eine Sache, die EDV-Leute abschreckt. Nichtsdestotrotz hat die Kundin ein Problem, denn der Internet-Zugang ihres Büros wackelt und fällt ständig aus. Nach kurzer Anamnese war klar, dass ich mir das vor Ort anschauen wollte.

Eine wackelige Verbindung kann viele Ursachen haben. Probleme auf der DSL-Leitung (war auszuschließen, da die Telekom schon geprüft hatte), Probleme mit dem Router (Überhitzung, Kabelprobleme, schlicht kaputt oder sonstwas) oder Probleme mit dahinterliegender Hardware. Eigentlich relativ einfach zu klären, im Ernstfall einfach mit der Installation eines Ersatzrouters.

Vor Ort sah es dann recht aufgeräumt aus. Der Router zeigt sich als ein Ethernet-Router von Lancom, der via einem billigen Telekom-Speedport-Plastikbomber – in reinem Modem-Modus geschaltet – ins Internet geht. Keine ungewöhnliche Konstellation.

Der jetzige Dienstleister, ein nicht ganz kleines Systemhaus, hatte das Problem auch bereits gemeldet bekommen, allerdings nicht lösen können. Eine Reihe von DSL-Splittern mit seltsamen Markierungen lagen schon herum. Auf den Ethernet-Router kam er zwar von der Ferne (hingefahren ist niemand), fand da aber keine Probleme, wollte da aber auch nichts umkonfigurieren und auch keine Updates aufspielen. Gut, kann man so machen, muss man aber nicht.

Vor allem hätte der Dienstleister einmal seinen Hintern aus seinem Büro bewegen sollen, um zumindest zu erkennen, dass der Router mit großer Sicherheit nicht das Problem ist, sondern das Modem. Zwar gab er an, dass das Modem angeblich von der Ferne aus geprüft worden sei, das aber ist eine glatte Lüge. Ein Modem ist netzwerktechnisch eine Bridge und wenn die nicht gesondert über Diagnoseschnittstellen verfügt (hat der Speedport nicht), lässt sich von der Ferne rein gar nichts prüfen, wenn man nicht auf die untere Netzwerkebene kommt. Das kann nur die Telekom selbst.

Stattdessen hat der Dienstleister ein Angebot für einen neuen Router geschickt. Teuer und wieder nur ein Ethernet-Router. Sprich: Die Kundin hat gutes Bauchgefühl bewiesen, denn mit der Anschaffung des neuen Routers wäre erst einmal nichts besser geworden, weil ja das Modem immer noch da wäre. Jetzt lassen wir einfach mal ein neues Modem kommen, was die Telekom im Rahmen eines DSL-Upgrades wahrscheinlich herschenken wird und dann läuft das Ding.

Fernwartung ist nett und vor allem im Bereich Windows- und Desktop-Support ein gehöriger Einsparfaktor gegenüber der früher üblichen „Turnschuhadministration“. Allerdings beobachte ich es immer häufiger, dass EDV-Leute den Kontakt zur Basis verlieren und entweder keine Ahnung mehr haben, dass man gerade bei kleineren Installationen nicht alles über eine Fernwartung herausbekommen oder schlicht lieber den Kunden anlügen und hinhalten, um ja nicht aus dem Haus zu müssen.

 

Kabel BW – und draußen bist du.

Ich kann ja inzwischen auf 16 Jahre IT-Support zurückblicken und mit gutem Gewissen sagen, dass mich in Sachen IT-Probleme und -Leidensberichten so schnell nichts mehr umhaut. Technik versagt, Menschen versagen auch und in dieser Kombination kommt selten etwas gutes dabei heraus, wenn sich nicht einer hinstellt und das Problem in die Hand nimmt. Man glaubt es mitunter kaum, wie wenig Menschen es gibt, die letzteres dann auch tatsächlich mal tun.

Zur Zeit kann ich sehr anschaulich beobachten, wie es sich der Kabelnetzprovider Kabel BW bei einem Kunden von mir verscherzt. Business-Kunde, Internet&Telefon-Flat mit 100 Mbit/s Bandbreite für schlappe 80 Euro im Monat. Also kein Billighosting, sondern richtig etwas bezahlt dafür. Ich habe zwar das alles nicht empfohlen und das nicht erst nach der folgenden Odyssee, aber nun ist es einmal so. Der Zugang wurde beantragt und damit beginnt die Geschichte.

Aller Anfang ist gut.

Kurzum: Den Bestellvorgang kann Kabel BW und es wäre eine sehr kurze Geschichte hier geworden, wenn Kabel BW es nicht perfektioniert hätte, den an sich komplexen Vorgang von Internet über das Kabelnetz soweit zu optimieren und zu verpacken, dass es einigermaßen industriell aussieht. Das beginnt damit, dass die TV-Verkabelung aus den 1980er Jahren stammt. Da wurde zwar einst das beste Kabel von der damaligen Deutschen Bundespost – klar, alles steuerfinanziert – verbuddelt, aber die grundlegende Netzstruktur bei Kabelnetzen ist vornehmlich für das einseitige Verbreiten von Fernsehsignalen gedacht gewesen und deshalb endet das Kabel am Kabelverteiler im Keller.

Immerhin: Kabel BW schickt zur erstmaligen Installation einen Techniker, der von dort ein Kabel bis zum gewünschten Aufstellraum des Routers legt und auch anschließt. Meist sogar Kabel der richtigen Sorte und meist wird auch fachmännisch angeschlossen, was nicht unbedingt normal ist, denn der Außendienstler war ein Subunternehmer eines Unternehmens, der für Kabel BW tätig ist.

Großes Handicap: Kabel BW bringt seinen eigenen Router mit, es herrscht Routerzwang. Das ist in diesem Fall eine kastrierte und auf Kabel BW gebrandete Fritzbox 6490, die einen Teil der Konfiguration von Kabel BW erhält – und nur von dort. Die Netzeinstellungen und auch die Einstellungen für die VoIP-Rufnummern sind vom Endnutzer nicht konfigurierbar. Für mich persönlich ein No-Go, denn entweder gehört der Router mir oder meinem ISP und wenn letzteres der Fall ist, kann der Router überall steht, nur nicht bei mir.

Aber okay, meinen Kunden stört das nicht und Kabel BW durfte alles schön aufbauen und es funktionierte sogar alles erst einmal.

Die Probleme.

Funktionieren tat es allerdings nur ein paar Tage zufriedenstellend, dann gab es die ersten schwerwiegenden Probleme. Und die sahen so aus, dass die Fritzbox offenbar irgendwann die Verbindung verlor, durchstartete und danach jungfreulich dastand. Die Box kam danach zwar wieder ins Internet, alles andere war aber vergessen … lokale Netzeinstellungen, DHCP-Serving, DECT-Einstellungen, Telefonbuch. Das ist ziemlich unschön, weil es einen Vor-Ort-Einsatz von mir erforderlich machte. Einmal. Und auch ein zweites Mal.

Beim dritten Mal hatte ich die Nase voll und bat den Kunden, sich doch bitteschön mal mit Kabel BW in Verbindung zu setzen zwecks Analyse der Problematik. Auf fremde Router kann ich nicht schauen und bitteschön… ich repariere nicht Router fremder Leute, die dafür auch noch Geld verlangen.

Die Inkompetenzen beim Telefonsupport.

Telefonsupport ist so eine Sache. Macht keinem Spaß, dem Kunden nicht und dem Dienstleister und seinem Subunternehmer auch nicht. Telefonsupport ist Quälerei. Aber es geht nun mal nicht ohne. Immerhin müssen Business-Kunden nicht in die richtig üblen DDR-Intershop-wir-haben-heute-Bananen-Warteschleifen, sondern haben eine eigene „Business-Hotline“, bei der die Wartezeit auf schmale 5 Minuten beschränkt ist. Zwar wird man auch da gern mal genau da abgeworfen, wenn das Freizeichen des nächsten, extra für mich reservierten Mitarbeiters ertönt, aber nach 10 Minuten hatten wir tatsächlich einen Menschen am Telefon.

Der auch vieles tun wollte. Er wollte die Leitung messen, er wollte Probleme sehen, er wollte die „zuständige Fachabteilung“ informieren und einen Techniker rausschicken und hatte das dann wohl bedauerlich nach dem Anruf verschwitzt, denn der versprochene Rückruf erfolgte nicht. Ein zweiter Anruf meines Kunden zwei Tage später war dann schon nicht mehr so lustig, was auch die Supportdrohne erkannte und umgehend für einen Techniker sorgen wollte. Das war Freitagmorgen und der Techniker kam dann auch schon am Montagmittag, nachdem wir am Montagmorgen nochmal an der Hotline daran erinnern mussten.

Der Techniker und das mit dem Halbwissen.

Der Techniker war dann wieder ein Subunternehmer der, sagen wir es freundlich, bescheidenen Wissensklasse. Von Netzwerktechnik verstand er so viel, dass er irgendein Gerät an die Leitung anschloss und befand, dass der Leitungsdurchmesser zu klein sei und der Kabelwiderstand zu hoch. Wohlgemerkt, die Leitung, die vor einigen Wochen von einem Kollegen von ihm verlegt wurde. Gut, soll alles nicht mein Problem sein, ist ja sein Kabel und er tauschte das alles dann auch brav aus.

Und weil er offenbar auch nicht so recht seinen Worten glauben mochte, tauschte er auch gleich noch die Fritzbox aus. Allerdings ohne einen Export der Konfiguration, so dass nach seinem Besuch erst einmal nichts funktionierte. Was auch seiner Aussage nach so sein müsse, denn Kabel BW schicke einige Stunden danach die Netzkonfiguration auf das Gerät.

Das ist natürlich alles nur so halbhalb richtig, denn tatsächlich schickt Kabel BW nur die reine Netzkonfiguration und die Telefoneinstellungen auf den neuen Router. Und das natürlich auch erst dann, wenn der neue Router in der Kabel-BW-Technik als Router eingetragen wird, was der Techniker offenkundig vergaß. Sprich: Hätten wir am nächsten Tag nicht die Kabel-BW-Hotline angerufen und hätte der dortige Supporter nach der Durchsage der MAC-Adresse der neuen Box mal in seinen Computer hineingeschaut, hätten wir vermutlich bis an das Ende aller Tage darauf warten können, je wieder Internet über diesen Anschluss zu bekommen. Ich gab dem Herrn also die MAC-Adresse der Fritzbox durch, die er sich von mir von der Rückseite der Fritzbox hat vorlesen lassen.

Alles klar, so der Hotliner dieses Mal, er sehe jetzt auch die neue Box und könne nun die neue Konfiguration von der „zuständigen Fachabteilung“ aufdrücken lassen. Einige Stunden könne das aber dauern.

Geht es? Oder geht es nicht?

Kurzum: Auch nach einigen Stunden ging der Internet-Zugang nicht. Zwar bekam die dumme Box in der Zwischenzeit eine IP-Adresse, Subnetzmaske und DNS-Server, allerdings lässt Kabel BW einen nicht vom eigenen System authentifizierten Router nicht ins Internet. Nanu, sagst du dir vielleicht, der Hotliner hatte doch im letzten Gespräch gesagt, dass es nun dann gehen müsse?

Ja, eigentlich schon. Wenn der Hotliner seine Hausaufgaben richtig gemacht hätte. Denn die MAC-Adresse, die auf der Rückseite der Fritzbox steht, ist nicht die MAC-Adresse, die Kabel BW zur Authentifizierung ihrer Fritzboxen verwendet. Die muss dazu umgerechnet werden und das geht im Support-Tool von Kabel BW. Hat aber der Kollege Hotliner wohl nicht getan und damit die falsche MAC-Adresse im System hinterlegt. Kabel BW wartet also auf eine MAC-Adresse zur Authentifizierung, die allerdings nicht kommen wird, wenn ich morgen nicht da nochmal anrufe und dem Mitarbeiter mitteile, dass er doch bitte mal die gestern von seinem Kollegen abgefragte MAC-Adresse einmal überprüft und korrigiert. VLAN-Tagging geht halt nicht gut aus, wenn man MAC-Adressen nicht wirklich akribisch kontrolliert.

Der gemeine Kunde wäre spätestens hier völlig ahnungslos ausgeliefert, würde vielleicht wieder einen Techniker kommen lassen, vielleicht würde wieder die Superkompetenz in Person anwackeln, wieder die Fritzbox austauschen, wieder die neue Box nicht registrieren lassen …. etc. etc. etc. Vielleicht tue ich dem lokalen Außendiensttechniker ja wirklich Unrecht und ich entschuldige mich auch vorsorglich dafür, dass ich ihn eigentlich für nichts tauglich halte, für rein gar nichts. Tischkick-Amateur herumirrend in der Champions League. VfB-Fan.

WTF?

Ich weiß nicht, was ich hier empfehlen würde. Ich weiß nur: Ich traue weiterhin keinem ISP, der mir einen Router aufzwingt und bei dem ich nicht zu 100 % alles selbst eintragen kann und bei dem ich auch nicht weiß, ob er sich an Authentifizierungsstandards hält oder nicht. Es ist nicht nur so, dass der ISP bei Routerzwang kaum Lösungen für Vorfälle kennt, die eben durchs Raster fallen, sondern es ist auch so, dass es in so einem Kunden-ISP-Beziehungsumfeld unglaublich kompliziert ist, neutralen IT-Service zu geben. Wenn ich all meine Analyse- und Lösungsversuche meinem Kunden in Rechnung stellen würde, die ich jetzt betreiben musste, wäre sein Internet-Zugang für die nächsten 12 Monate nicht bei 70 Euro, sondern mindestens beim Doppelten. Ohne externen IT-Service ist so ein, pardon, Internet-Murks aber gar nicht zu bewältigen.

Ach, Google, wann kommst du endlich mit Google Fiber nach Deutschland?

Gerümpelkammer WordPress-Mediathek.

Kennt ihr die Szene im Bonusmaterial von Findet-Nemo-DVD, in der Nemo, Marlin, Dorie und der Haifisch Bruce herumalbern und der kleine Clownfisch Nemo, der sich mit Bruce angefreundet hat, in seinem Magen schwimmt und da so Sachen wie ein Surfbrett findet? So erging es mir heute bei der Datensicherung einer WordPress-Installation.

Mit einigen Kunden habe ich Wartungsverträge für ihre WordPress-Installationen. Updates zu installieren, ist eine Sache (die auch viel zu wenig WordPress-Nutzer machen), aber das Drumherum ist entscheident. Zum Werterhalt einer Software-Installation gehört nämlich auch eine Datensicherung, die ich in allen Wartungsverträgen beinhalte.

Also, per SFTP eingeloggt und das gesamte WordPress-Verzeichnis am Herunterkopieren. Und da schaut man so mit einem Auge, wie die Dateien im FTP-Log vorbeiflitzen, am spannensten natürlich die Upload-Verzeichnisse der Mediathek mit den vielen JPG-Bildern … moment … photoscape.exe? Und filezilla.exe? Hu? Surfbrett und so. Nachdem das Kopieren und Sichern beendet war, schaute ich mir das mal näher an: Tatsächlich hatte der Kunde in seiner WordPress-Mediathek ein Bildbearbeitungsprogramm und FileZilla hochgeladen, säuberlich als Setup-Dateien. Also tatsächlich die EXE-Dateien, mit denen auf einem Unix-Server und auch in einer WordPress-Installation so ziemlich gar nichts gemacht werden kann außer Speicherplatz wegfressen lassen.

Nach kurzer Rücksprache mit dem Kunden war die Rätsels Lösung sehr einfach: Er hatte wohl einen Satz von mehreren Bildern hochladen wollen und alles fein säuberlich auf dem Desktop zum Drag’n’Drop markiert – inklusive noch einigen „Kollateralschäden“, die natürlich auch alle brav hochgeladen wurden. Und dann aus dem Auge, aus dem Sinn und alles blieb schön über Monate auf dem Webserver.

Ein guter Ansporn, der Mediathek jetzt mal beizubringen, nur bestimmte Dateitypen zu akzeptieren und zukünftig sicherlich keine EXE-Dateien mehr.

Der mit der berühmten Firma.

WhatsApp-Dialog

WhatsApp-Dialoge von Leuten, die ich nicht kenne, sind müßig. WhatsApp kann jeder so konfigurieren, dass ein Name gesendet wird, wenn der Empfänger einer Nachricht den Absender nicht in seinem Telefonbuch führt. Tut man das nicht, wird nur eine Nummer angezeigt. So konnte ich das „Hallo“ am gestrigen Feiertag auch erst einmal nicht identifizieren, zumal mir auch die Nummer unbekannt ist. Gut, ein Vertipper.

Nach sechs Stunden kam dann noch mal etwas und so musste ich dann zumindest mal Antworten. Könnte ja im Prinzip alles sein, von einem hilfesuchenden Menschen, der gerade dabei ist, vom der Brücke zu springen bis hin zur Bundeskanzlerin, die vielleicht mit Sigmar Gabriel gemütlich chatten will und sich in der Nummer vergriffen hat.

Im Screenshot links sind die Nachrichten des Unbekannten, rechts meine Beiträge zur Konversation. Und jetzt bitte alle schön der Reihe nach, denn ich habe eine „berühmte Firma“. (Und fahre ganz sicher einen dicken, weißen BMW, habe drei Frauen auf der Rücksitzbank und zwei Bulldoggen im Kofferraum).

Und dieser Deniz, den ich auch nicht kenne, der aber irgendwie meine Handynummer zu besitzen und zu verteilen scheint, bekommt bei nächster Gelegenheit seine Prepaid-Karte aus dem Smartphone gestanzt.

GE und der Verkäufer namens Agent Smith.

Okay, liebe Leute bei General Electric (GE), dem US-Technologiekonzern und vielleicht das US-Technologieunternehmen, das Technologie quasi erfunden hat – eine kleine Ansage von mir vorab: In der The-Matrix-Filmtrilogie ist die Figur des Agent Smith der Protagonist der „Bad Guys“. Er ist sozusagen das menschliche Antlitz des Bösen, den Wächtern der Matrix, also der computergenerierten Scheinwelt des Maschinenregimes, die nur dazu da sind, mögliche rebellische Kräfte der Menschen, die wehrlos und unwissend in der Matrix hängen, schnell und unbürokratisch zu beseitigen.

Kurzum: Agent Smith und seine Freunde sind doof und eine Projektion für die böse Maschinenwelt, die unerbittlich dafür steht, die Menschheit gnadenlos zu unterjochen und sie zur Stromerzeugung – also zum eigenen Machterhalt – zu missbrauchen. Wenn man das Grundkonzept der Matrix-Philosophie verinnerlicht und auch alle drei Filme gesehen und begriffen hat, weiß man, dass Agent Smith nicht so recht dazu taugt, technologischen Fortschritt freundlich zu verkaufen.

Um so mehr staune ich über die aktuelle Marketingstrategie, die GE auf seiner internationalen Facebook-Seite und auf weiteren Social-Media-Kanälen aktuell fährt. Unter dem Motto und Hash-Tag „#brilliantmachines“ begrüßt die Facebook-Seite schon mit Agent Smith in der Titelgrafik:

"Agent Smith" als Protagonist auf der Facebook-Seite von GE

Das Motto muss dabei wie Hohn klingen, vor allem wenn man sich dabei die singsang-pflegende Stimme oder auch Synchronstimme von Hugo Weaving, dem ursprünglichen Schauspieler des Agent Smith, vorstellt: „Brillante Maschinen verändern die Art und Weise unseres Arbeitens.“ Oder vielleicht sollte man sich den Satz auch nur mit einem Zusatz vorstellen, der die wahre Ausweglosigkeit des Satzes im Matrix-Kontext besser darstellt: „Brillante Maschinen verändern die Art und Weise unseres Arbeitens, Mr. Anderson.“

Sprich, Kollege Anderson bzw. der mit Anderson symbolisierte freie Mensch: Die Maschinen machen ab sofort die Welt – entweder bist du auf unserer Seite oder automatisch auf der anderen.

But wait … there is more to tell.

Okay, zuerst dachte ich, dass sich da jemand einen schlechten Scherz erlaubt hat. Hacker und Crasher gibt es ja genug auf der Welt, dumme Marketing-Hiwis auch und ruckzuck hat man Müll auf der eigenen Facebook-Seite und merkt das vielleicht auch erst, wenn der Aufsichtsrat das nächste Mal tagt. Also schaute ich mich mal weiter um: Und ja, Agent Smith taucht noch einmal auf, vor drei Wochen am 14. Mai in Form eines lustigen Ratespieles:

Ratespiel mit Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Und am 13. Mai in Form eines Bildes mit darübergelegtem Text, der so aussehen soll, als ob die Person auf dem Bild genau den Text sagt oder denkt:

"Maschinen helfen Leuten? Faszinierend." aus der Facebook-Seite von GE

Übersetzt sagt Agent Smith also hier: „Maschinen helfen Menschen? Faszinierend.“ Man beachte auch ruhig einmal einige der Kommentare rechts auf dem Screenshot.

Der Gag mit dem Bild kam bei den Social-Media-Leuten von GE so gut an, dass es noch ein weiteres gibt, vom 23. April:

"Brillante Maschinen analysieren Milliarden von Datensätzen, damit Ihre Welt besser funktioniert. Faszinierend" aus der Facebook-Seite von GE

Bizarr, oder? Aber es geht noch bizarrer. Wenn man nämlich so richtig mit den Mitteln spielt, die in der Matrix-Trilogie die Schlüssel zu Sprüngen in den Welten sind. Zum Beispiel die blaue und rote Pille, die Morpheus Neo anbietet, um damit entweder in der Traumwelt zu bleiben, oder in die Realität befreit zu werden. Freilich … wenn Agent Smith einem Kind einen blauen oder roten Lolli anbietet, will man nicht so recht wissen, was für eine Fährte dahintersteckt:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Oder wenn ein Bild das zeigt, was ein Patient in einem mit brillanten Maschinen versorgten Krankenhaus ist – ein Besitzer eines Armbandes mit Barcode, vermutlich auch noch eingelegter Elektronik, aber keinem sichtbaren Namen: „Hardware verbindet mit innovativer Software, um Ihren Krankenhausaufenthalt angenehm zu machen“:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Vielleicht auch einfach mit einem grundsätzlichen Satz im Untersuchungsraum am Ultraschallgerät: „In Krankenhäusern verbindet sich Hard- und Software, um uns als Agenten des Guten zu dienen“:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Oder wenn Agent Smith plötzlich auf dem Bildschirm eines Magnetresonanztomographen (MRT) erscheint, während ein Patient durchleuchtet wird:

Agent Smith auf der Facebook-Seite von GE

Tatsächlich sind die vier letzten Bilder Screenshots aus einem Film zur Kampagne, den GE hat produzieren lassen und der am 13. April veröffentlicht wurde:

http://www.youtube.com/watch?v=loinY8MmVq8

Der Postingfrequenz nach ist die Agent-Smith-Kampagne wohl eher eine kurzfristige Show, aber dennoch:

WTF …?

Das muss man sich wirklich fragen und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Natürlich ist man als ironisch denkender Mensch versucht, der Kampagne das gehörige Maß an Ironie abzugewinnen, um nicht wirklich entsetzt zu sein. Allerdings funktioniert das nicht:

Agent Smith stellt in der Kampagne die Technologien so dar, als ob sie ein Werk der Matrix wären, die dazu dienen, es den Menschen so komfortabel wie möglich zu machen. Dieser Stil wird so auch in der Matrix-Trilogie geführt, allerdings immer mit dem Hintergedanken, dass diese Behauptungen sarkastischer Natur sind. Sicherlich mag die Matrix komfortabel erscheinen, aber sie erscheint eben nur. Jeglicher Komfort in der Matrix ist ja nur dazu da, den Menschen die heile Welt vorzugaukeln, die eigentlich gar nicht existiert. Unterstrichen wird diese Darstellung dann auch noch dadurch, dass die Technik möglichst bedrohlich, fremdartig und steril dargestellt wird, von der der Mensch eigentlich gar nicht fliehen kann. Jeder, der einmal in einem echten MRT gesteckt hat, weiß, wie sich das anfühlt und das man so einen Ausflug selten in einem positiven Zusammenhang macht. Wer da in so einen lauten und fürchterlich wirkenden Apparat hinein muss, der hat ein Problem, mitunter auch ein lebensbedrohliches. Ungut, wenn dann auch noch Agent Smith auf dem Bildschirm erscheint und darüber spricht, wie toll die Maschinen doch sind.

Tatsächlich will GE mit der Kampagne an anderer Stelle ziemlich ironiefrei ihr Programm „Agiletrac“ an den Mann bringen, bei dem Krankenhäuser mit hochentwickelter (GE-)Technik und weiterer Vernetzung noch kostengünstiger und noch besser für ihre Patienten da sein können. Da wird dann auch die letzte geschmackliche Grenze überschritten und echte Argumente mit matrix-angehauchtem Design vermittelt. Stell‘ dir vor, du bekommst morgen Besuch und es steht Agent Smith vor deiner Haustüre und will dir Gesundheit verkaufen:

"GE Healthcare" Marketingmaterial im The-Matrix-Design

Alles ziemlich scary, etwas gruselig und nicht sonderlich angenehm. Da finde ich die Marketingkampagne von GE Deutschland mit der Behauptung, dass sie unter anderem das „GE“ in „GErmany“ seien, fast schon befreiend lustig.

Helle Nippel und Anal-Bleaching.

Normalerweise bin ich hier in den Pforzheimer Online-Kreisen der Chef für die unappetitlicheren Dinge und das wirklich schon seit einigen Jahren. Und würde man jemanden hier fragen, wer denn am ehesten über „helle Nippel und Anal-Bleaching“ im Web schreibt, dann würde es nicht lange dauern, bis mein Name fällt. Meinen Status als Herr der Pforzheimer Online-Kanalisation habe ich mir hart und ausdauernd erarbeitet und eigentlich will ich mir diesen Titel nicht einfach so wieder wegnehmen lassen. Ein dahingehender Kampf wäre unerbittlich, ich kann in der Anwendung von Sarkasmus wirklich ganz schlimm werden.

Ich muss aber leider mitteilen: Die obige Überschrift stammt nicht von mir. Ich habe mit helle Nippel und Anal-Bleaching nichts zu tun. Und ich habe sogar keine Ahnung, was mit hellen Nippeln und Anal-Bleaching gemeint ist. Aber dafür habe ich nun harte Konkurrenz hier in Pforzheim bekommen. Und dann auch gleich noch das Undankbarste, was mir passieren konnte: Die Pforzheimer Zeitung. Glaubstdunicht? Muhahaha … die untenstehende Überschrift ist anklickbar:

Es ist aus. Ich kann nur noch hart lachen. Ich gebe mich geschlagen und gebe die Pforzheimer Online-Kanalisation völlig entwaffnet frei. Miriam, du bist meine Heldin, du darfst mein Kanalisationschef-Perlendiadem kampflos haben. Gegen helle Nippel und Anal-Bleaching komme ich nicht an, ich kann so einen Artikel nicht mehr mit einem sarkastischen Kommentar unterlegen. Ich habe fertig, ich huldige dir.

Wir brauchen vielleicht doch das Leistungsschutzrecht, damit so Suchmaschinen wie Google zukünftig Lizenzgebühren zahlen müssen, um solche publizistischen Schätze aufführen zu dürfen. Was täten wir ohne sie?

Angebot in Sachen Gastartikel, das nicht abgelehnt werden kann.

In diesem Blog hier schreibe ich, sonst eher niemand. Und wie jeder Blogger in der B-Kategorie (von der Besucherzahl aus gesehen), bekomme ich jeden Tag Angebote für Gastartikel paketweise. Darunter teilweise recht ahnungslose Angebote, in denen SEO-Jünger von vorneherein Geld anbieten, dann aber auch dreiste und schlicht unverschämte Angebote, in denen der potentielle Auftraggeber einen Backlink in Aussicht stellt oder die Teilnahme an einem Gewinnspiel verspricht. Ein Angebot der letzten Kategorie kam heute, den Namen der Dame und Ihres Arbeitgebers habe ich aus rechtlichen Gründen entfernt:

Hallo Herr Karadeniz,

mein Name ist Mxxxxxxxx und ich arbeite für xxxxxxxx.de, der Plattform zum online Essen bestellen. xxxxxxxx ermöglicht es mit über 6.000 Restaurants in ca. 1.000 deutschen Städten, hungrigen Kunden innerhalb weniger Minuten Essen online zu bestellen und direkt nach Hause liefern zu lassen. 

Neben unserer Internetpräsenz bieten wir unseren Kunden aber auch die Möglichkeit, mit Apps von unterwegs aus Essen zu bestellen. Als einzige Essens-Bestell-Plattform hat xxxxxxxx Apps für alle Devices bzw. Betriebssysteme (iPhone, iPad, Windows Phone und Samsung) entwickelt. Zum Release unserer iPad App gibt es für unserer User ein tolles Gewinnspiel: Es gibt ein Device seiner Wahl (iPad 3, iPhone 5, Samsung Galaxy S3 oder Nokia Lumia 820) sowie eine Jahres-Flatrate für Bestellungen bei xxxxxxxx zu gewinnen.

In diesem Zusammenhang bin auf Ihre Seite blog.netplanet.org aufmerksam geworden und möchte Ihnen gern eine Zusammenarbeit vorschlagen. Dabei denke ich an eine Berichterstattung bzw. einen Gastartikel über xxxxxxxx und unsere App-Vielfalt sowie das Gewinnspiel, der sicher gut zu Ihrer Seite passen würde und interessant für Ihre Leser ist. Dieser Artikel könnte evtl. auch als ein Test unserer Apps geschrieben sein. Gern kann ich Ihnen auch einen passenden Artikel zur Verfügung stellen. 

Gern können Sie dann ebenfalls einen Gastartikel auf einem unserer Blogs (z.B. xxxxxxxxx.de) veröffentlichen.

Bitte lassen Sie mich doch wissen, ob dies interessant für Sie sein könnte. Kontaktieren Sie mich gern auch bei Fragen oder anderen Vorschlägen.

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Beste Grüße,
Mxxxxxxxx

Meine Replik darauf erfolgt als Angebot. Der Ton mag harsch klingen, was sicherlich auch daran liegt, dass ich zum Zeitpunkt des Schreibens einfach pappsatt war:

Hallo Frau xxxxx,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wie Sie sich sicherlich denken können (Sie haben ja mein Blog nicht ohne Grund gefunden), bekomme ich tagtäglich eine Reihe von Angeboten für das Veröffentlichen von mehr oder weniger interessanten Gastartikeln zum Zwecke des Positionierens von Backlinks auf Weblogs, die gut in den gängigen Suchmaschinen geführt werden.

Ich muss allerdings zugeben, dass mir das Angebot von Ihnen bzw. von xxxxxxxx.de fast so unangenehm aufstößt, wie eine handelsübliche Lieferpizza. Glauben Sie tatsächlich, dass ich so unterbelichtet bin, mein Blog mit meinem uniquen Content dafür zur Verfügung stellen, dass unglaublich hippe Startups darin herumwerben können und mich dann mit der Teilnahme an einem „Gewinnspiel“ abspeisen dürfen? Funktioniert diese Masche im Gegenzug auch bei der Lieferpizzeria um die Ecke, wenn diese bei Ihnen geführt werden möchte?

Nein, diese Masche funktioniert nicht, zumindest nicht bei mir. Und da ich mich nicht von Gewinnspielteilnahmen ernähren kann und auch gern auf eine Lieferpizza-Vollversorgung verzichte, gibt es bei mir das Veröffentlichen von Gastartikeln gegen harte Währung, nämlich gegen Euro. Und das sieht folgendermaßen aus:

Zugelieferter, fehlerbereinigter Gastartikel
(max. 1000 Zeichen inkl. Leerschritten, ein Link)     249,00 EUR

Im Falle von xxxxxxxx.de kommen ein paar weitere Posten hinzu:

Dreistigkeitsaufschlag (+50 %)                      + 124,50 EUR
Frechheitsbonus (+50 %)                             + 124,50 EUR
Operative Dateneingabe in das EDV-System            + 135,00 EUR
Lektorat                                            + 100,00 EUR
HTTP-Transportpauschale                             + 100,00 EUR
Bearbeitungsgebühr                                  +  40,00 EUR
Novemberzulage                                      +   5,00 EUR

Macht ein Zwischenbetrag von 878,00 EUR. Hierzu kommt die gesetzliche Mehrwertsteuer i.H.v. 19 %, so dass sich ein Gesamtbetrag von 1.044,22 EUR ergibt. An dieses Angebot sehe ich mich bis einschließlich 15. November 2012 gebunden.

Ein Gastartikel muss vollständig mit obigen Parametern geliefert werden und wird eingehend geprüft. Eine Veröffentlichung erfolgt vorbehaltlich einer Prüfung auf die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und einer eventuell strafrechtlichen Relevanz, zudem darf im Gastartikel keinerlei Bezug auf das Blog und auf den/die Autor(en) genommen werden. Ein sachlicher Ton ohne werbeübliche Tonalität und ohne den übermäßigen Einsatz von Satzzeichen wird vorausgesetzt. Eine unkommentierte Ablehnung des Gastartikels ist ausdrücklich vorbehalten; es liegt im Ermessen des Interessenten, eine überarbeitete Version seines Gastartikels einzureichen.

Die Veröffentlichung erfolgt grundsätzlich als normaler Blogartikel ohne zeitliche Beschränkung. Da die Themenfindung des Blogs unabhängig durch den/die Autor(en) erfolgt, kann keine Gewährleistung für das inhaltliche Umfeld zum veröffentlichten Gastartikel gegeben werden. Eine Exklusivität auf den inhaltlichen Charakter wird ausdrücklich nicht eingeräumt.

Der Einsatz von Grafiken, Tondateien, Videosequenzen, interaktiven Elementen (mit Ausnahme eines Links), eigenen Formatvorlagen und Scripten in jeglicher Programmiersprache ist verboten. In Sachen Zeichenformatierung ist das Setzen von Text in Kursiv und Fett gestattet, sofern so formatierter Text nicht mehr als 10 % des Gastartikels auszeichnet. Weitere Formatierungen, insbesondere das Unter- und Durchstreichen von Text, ist nicht möglich.

Eine Auftragserteilung beginnt mit der Übersendung eines Entwurfs des Gastartikels. Nach Eingangsprüfung und einer verbindlichen Veröffentlichungszusage erfolgt die Rechnungsstellung, der Rechnungsbetrag ist danach innerhalb von 14 Tagen per Vorkasse zu bezahlen. Nach Betragseingang erfolgt umgehend die Erfüllung der Veröffentlichungszusage.

Über eine Auftragserteilung würde ich mich eher nicht freuen und verzichte vorsorglich auch auf die Teilnahme an irgendwelchen Gewinnspielen, „Lieferflatrates“, Rundreisen oder Heizdeckenlieferungen und wünsche, dass Sie, wenn Sie mein Angebot nicht annehmen, meine Kontaktdaten unwiderruflich aus Ihren Unterlagen entfernen. Auf den Hinweis auf die datenschutzrechtlichen Grundlagen dieser Aufforderung verzichte ich mit Ihrer implizierten Zustimmung.

Beste Grüße aus Pforzheim,
Besim Karadeniz

Ich gebe zu, die Preisgestaltung ist zum Zwecke einer Auftragsabwehr kalkuliert. Das spornt viele Interessenten zwar gerade dazu an, einen Auftrag dann erst recht zu erteilen, aber das gehört zum Geschäftsrisiko.