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Web 2.0 meets schwäbischen Oberbürgermeisterwahlkampf.

24. Oktober 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Im beschaulichen schwäbischen Städtchen Nürtingen hat sich gestern ein bemerkenswertes Schauspiel ereignet. Der dortige zweite Wahlgang zur Oberbürgermeisterwahl, der vermutlich ursprünglich zu einer stinklangweiligen Veranstaltung verkommen sollte, wurde auf einmal höchst spannend, weil nach Amtsinhaber Otmar Heirich, der mit 49,57 % wiedergewählt wurde, eine Dame namens Claudia Grau mit 32 % das zweitbeste Ergebnis einfuhr – eine Kandidatin, die sich gar nicht hat aufstellen lassen. Aber mal von vorn:

Zahlen und Fakten

In Oberbürgermeisterwahlkämpfen in Baden-Württemberg muss ein Kandidat die durchaus anspruchsvolle Hürde der absoluten Mehrheit (also mindestens 50 % der Stimmen) reißen, um gewählt zu werden. Erreicht in einer solchen Oberbürgermeisterwahl kein Kandidat die absolute Mehrheit, kommt es zu einem zweiten Wahlgang zwei Wochen später, bei dem dann die einfache Mehrheit ausreicht.

Der erste Wahlgang

Der erste Wahlgang am 9. Oktober 2011 sah folgendermaßen aus:

  1. Otmar Heirich (SPD) – 40,3 % (4.902 Stimmen)
  2. Sebastian Kurz (CDU) – 25,5 % (3.124 Stimmen)
  3. Friedrich Buck (Grüne) – 10,2 % (1.242 Stimmen)
  4. Petra Geier-Baumann (parteilos) – 7,1 % (864 Stimmen)
  5. Andreas Deuschle – 5,7 % (697 Stimmen)
  6. Raimund Bihn – 2,5 % (318 Stimmen)

Wie zu sehen: Niemand hat die absolute Mehrheit. Und wie auch zu sehen ist, wenn man rechnet: Die sechs Kandidaten, die sich offiziell haben aufstellen lassen, vereinen nur 91,3 % aller abgegebenen Stimmen. Der Rest von 8,7 % der Stimmen verteilt sich auf eine Reihe von weiteren Menschen, was auf eine Spezialität in Kommunalwahlen zurückzuführen ist: Wähler dürfen auf ihrem Stimmzettel auch einen eigenen Kandidaten vorschlagen und ihm die Stimme geben.

Und hier genau gab es am 9. Oktober einen Hallo-Effekt, denn mit 5,8 % und 709 Stimmen errang Claudia Grau, Kulturbürgermeisterin der Stadt Nürtingen und eben nicht selbst aufgestellt, tatsächlich auf Anhieb den 5. Platz in der Wählergunst.

Nicht außer Betracht lassen darf man übrigens die granatenschlechte Wahlbeteiligung von 42,9 %. Von 29.396 Wahlberechtigten beteiligten sich gerade einmal 12.596 Wähler an der Wahl.

Der zweite Wahlgang

Der zweite Wahlgang fand zwei Wochen später statt, also am 23. Oktober 2011. Um am zweiten Wahlgang offiziell auf dem Wahlzettel zu stehen, müssen die Kandidaten bis zu einer Frist bekunden, ob sie für einen zweiten Wahlgang zur Verfügung stehen oder nicht. Erwartungsgemäß ziehen einige Kandidaten ihre Kandidatur zurück, so auch in diesem Fall unter anderem der Kandidat der Grünen. Mit solchen Rückziehern werden auf einen Schlag Stimmenpotentiale frei, die der ehemalige Kandidat dann an einen anderen Kandidaten weiterempfiehlt. Der Grünen-Kandidat hat seine Empfehlung für Claudia Grau abgegeben. Also für die Kandidatin, die eigentlich gar keine Kandidatin sein wollte.

Und so kam es dann im zweiten Wahlgang so, wie es kommen kann:

  • Otmar Heirich – 49,6 % (6.065 Stimmen)
  • Claudia Grau – 32 % (3.916 Stimmen)
  • Sebastian Kurz – 12,3 % (1.510 Stimmen)
  • Andreas Deuschle – 4 % (483 Stimmen)

Immerhin – die Wahlbeteiligung litt nicht noch weiter, sondern blieb mit 42.7 % und 12.511 Stimmen knapp an der Zahl des ersten Wahlganges. Normalerweise sind zu einem zweiten Wahlgang deutlich weniger Wähler zu begeistern, was vermutlich auch am überraschenden Wahlerfolg von Claudia Grau liegen dürfte. Was war hier eigentlich passiert?

“Plötzlich Bürgermeisterin”

WELT ONLINE hat es am vergangenen Mittwoch mit der obigen Überschrift über einen Zeitungsartikel schon ziemlich genau getroffen. Ja, so kann es kommen. Und warum es genau hier so gekommen ist, hat der Reutlinger General-Anzeiger schön in seinem Artikel “OB-Kandidaten wider Willen in Nürtingen” recherchiert.

Kurzfassung: Amtsinhaber Otmar Heirich hat in Nürtingen offenkundig einen schweren Stand, was am Ergebnis im ersten Wahlgang auch so abzulesen war. Schon vor der Wahl wurden Stimmen laut, dass Kulturbürgermeisterin Claudia Grau ebenfalls ihren Hut in den Ring werfen und kandidieren möge. Das lehnte sie mit dem Hinweis, dass sie nicht gegen ihren Chef antreten wolle, ab und das ist ein berechtigter Einwand.

Bisher war das in Dörfern und kleinen Städten so, dass man sich an solche Äußerungen gehalten hat. Sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz, denn tatsächlich kann, wie oben bereits angeklungen, jeder Wähler auf seinen Stimmzettel einen eigenen Kandidaten notieren und ihm die Stimme geben. Jeder Wahlberechtigte in seiner Kommune, der zum Zeitpunkt der Wahl zwischen 18 und 65 Jahren alt ist, kann auf diese Weise zum Oberbürgermeister gewählt werden – wenn er denn die Stimmen zusammenbekommt.

Bis zur Vor-Web-2.0-Zeit war dies meist kaum möglich, weil nicht erreichbar. So viele Klinken kann man selbst in einer Kleinstadt wie Nürtingen nicht geputzt bekommen und selbst wenn es zu größeren Wähleransammlungen für einen Kandidaten kommt, so sind das meist Gaudi-Aktionen von Stammtischen oder Vereinen, die mal eben mehr oder weniger geschlossen ihren Vereinsvorstand wählen. Prominente wie Thomas Gottschalk oder Dieter Bohlen sind auch immer wieder gern gewählt. Viel passieren kann einem solchen Wider-Willen-Kandidaten übrigens nicht: Er wird nach einer eventuell gewonnenen Wahl ja gefragt, ob er die Wahl annehmen möchte oder nicht. Tut er das nicht, geht es dann halt wieder los mit Oberbürgermeisterwahlkampf …

Der Web-2.0-Effekt?

Im Falle der Oberbürgermeisterwahl in Nürtingen hat wohl Raimund Popp, Programmierer und engagierter Nürtinger Bürger, diese Spezialität der Kommunalwahl mit den Vernetzungsmöglichkeiten des Web 2.0 zusammengebracht. Und zwar zunächst gar nicht in Facebook, wie die meisten Medien kolportieren, sondern in Google+. Ironischerweise, muss man da sagen, denn eigentlich unterstützt Google+ derzeit keine Gruppen oder “Fanseiten”, so dass hier ein Benutzerprofil zweckentfremdet wurde. Die Facebook-Seite kam nach eigenen Angaben erst einige Wochen später, nachdem der Hype wohl Überhand genommen hatte.

Auch wenn ich die Idee sehr gut finde und sie nichts anderes darstellt wie echte und gelebte Demokratie, so hat sie doch einen Haken: Es ist beileibe kein Web-2.0-Effekt, sondern vielmehr das Ergebnis der klassischen Berichterstattung über diesen Web-2.0-Effekt. Schaut man sich nämlich die Befürworterzahlen (am 24. Oktober 2011, 12:15 Uhr) der beiden Seiten an, wird das sehr schnell klar:

  • Google+: 44 mal in Kreisen von anderen Benutzern
  • Facebook: 26 Befürworter

Mit 70 Wählern gewinnt man keine Wahl, selbst wenn man davon ausginge, dass alle 70 Befürworter auch Wahlberechtigte in Nürtingen gewesen wären. Aber immerhin reicht dieser Web-2.0-Effekt und die Berichterstattung darüber für erstaunliche Reaktionen.

Die vermeintliche Undemokratie aus Sicht von Demokraten

Amtsinhaber Otmar Heirich verstieg sich nach dem ersten Wahlgang auf Nachfrage eines Journalisten zu der Vermutung, dass Leute “aus der links-alternativen Ecke” ihren Spaß haben wollten und er dahinter eine “undemoratische” und für ihn “höchst fremdliche” Internet-Aktion sehe. So kann man es sehen. Muss man aber nicht. Denn die Aussage, dass es hier “undemokratisch” zugegangen sein könnte, ist vor allem einmal Unsinn eines Amtsinhabers, dem möglicherweise, um es mal salopp zu sagen, nach dem ersten Wahlgang und dem Pressehype um die verselbstständigenden Web-2.0-Aktivitäten plötzlich mächtig das Zäpfchen gegangen ist.

Tatsächlich jedoch war diese “undemokratische” Internet-Aktion im besten Sinne demokratisch. Jeder darf sich an der Wahl eines Amtes beteiligen, jeder darf sich aufstellen und jeder darf sich auch wählen lassen. Und wenn der/die Kandidat(in) nach der Wahl die formalen Kriterien erfüllt und die Wahl annimmt, dann ist des Volkes Wille geschehen, ob das nun einem bisherigen Amtsinhaber oder Parteifunktionären so passt oder nicht.

Das Internet, das Web 2.0 und deren Benutzer sind keine “Antidemokraten” und auch keine Gesetzesbrecher – sie tun mitunter das, was die Politik in der Realität derzeit manchmal nicht mehr schafft: Vernetzen und fördern.

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Der Humanfaktor für Google.

8. August 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in NetworkingWelt

Vor inzwischen fast drei Jahren habe ich mal an dieser Stelle darüber gebloggt, wie Google seine Nutzer bei der Nutzung der Suchmaschine dabei beobachtet. Vor drei Jahren waren wir da noch inmitten der “SEO-1.0″-Philosophien, die weitgehend besagten, dass sehr, sehr, sehr stark vor allem darauf achten solle, dass die Website für eine Suchmaschine gut lesbar sein soll, der Rest würde sich dann ergeben.

Heute, drei Jahre später, ist davon immer weniger die Rede. Facebook hat es mit seinem ausgegliederten Like-Button, den jeder Website-Betreiber verhältnismäßig einfach in seine Website einbauen kann, vorgemacht. Und natürlich ist Facebook damit zwar ein öffentlichkeitswirksamer Coup gelungen, der jedoch Facebook nicht wirklich weiterbringt, denn Facebook ist keine Suchmaschine und Facebook ist eine geschlossene Gesellschaft und legt sogar großen Wert darauf. Facebook ist nicht an Suchen und Finden interessiert, sondern Facebook will seine Nutzer nicht verlieren, weil das Geschäftsmodell mit Werbung nur direkt auf der Facebook-Website funktioniert.

Bei Google ist es genau andersherum und es zeigt sich bei Google nun sehr schön, wie die Reihenfolge bei den Google-Leuten funktioniert. Zuerst die Suchmaschine und alles andere drumherum. Da passt dann plötzlich auch der “Google+1″-Button perfekt in die Strategie und auch das Google-Social-Network “Google+”. Unterhaltung und Diskussion auf hohem Niveau, um auf diese Weise die Surfstrategien, Vorlieben und Ariadnefäden der Nutzer nachzuvollziehen.

Dass die so gesammelten Inhalte, der “Humanfaktor” in Sachen Suchmaschinenindex, sich am Ende auch tatsächlich in Suchergebnissen niederschlägt und diese benutzerspezifisch beeinflussen, hat Martin Mißfeldt in einem schön recherchierten Blog-Artikel recherchiert, dem kaum noch etwas hinzuzufügen ist: “Ich als Rankingfaktor

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netplanet auf Facebook.

21. Juli 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in netplanetares

So richtig sicher bin ich mir gar nicht, warum ich für netplanet auf Facebook noch nie eine eigene Seite angelegt habe. Vermutlich einfach deshalb, weil ich es noch nie angepackt hatte. Also habe ich vor einigen Tagen mal eine Seite angelegt und im ersten Schritt nun hier im Blog eine Facebook-Badge als Widget eingehängt. Nicht wirklich auffallend schön, aber ein Redesign des Blogs wird sowieso immer drängender. Und bei der Gelegenheit auch endlich ein Redesign von netplanet, also dem Internet-Lexikon nebenan.

Da ist mir im Laufe der Zeit offenkundig ein Missgeschick passiert. Ich hatte nämlich schon vor einer ganzen Weil damit begonnen gehabt, den gesamten netplanet-Inhalt in eine Arbeitsumgebung einer WordPress-Installation zu übernehmen. Das war auch, so weit kann ich mich noch erinnern, sogar mal vollständig. Nur finde ich diese Arbeitsumgebung nicht und befürchte, dass ich sie schlicht verloren habe. Damit werde ich das Übernehmen der Inhalte wohl nochmal tun müssen, aber was macht man nicht alles in seinem Leben…

Egal, jetzt gibt es immerhin schon mal eine Facebook-Seite und ich erwarte, dass bis Ende des Jahres mindestens 100 Befürworter netplanet gut finden. Sonst werde ich ernsthaft beleidigt sein.

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Twitter und das zukünftige Geschäftsmodell.

10. Juli 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Glaubt man einem Beitrag des englischsprachigen Weblogs SocialBeat, dann hört das Zeitalter des unbeschwerten Twitterns im August auf. Angeblich testet Twitter ein “Feature”, bei dem Twitter-Nutzern in ihren Timelines so genannte “promoted Tweets” eingeblendet werden. Sprich: Werbung. So richtig überraschen tut diese Feststellung niemanden wirklich, weder den Autoren des Blog-Artikels, noch mich, noch viele andere Twitter-Nutzer.

Ich glaube, dass Twitter sich langsam aber sicher überlebt. Und das nicht deshalb, weil die Idee dumm wäre, sondern weil Twitter es jahrelang erfolgreich geschafft hat, sich nicht vernünftig zu entwickeln. Beispiele? Aber gern doch:

  • Eigene Timelines lassen sich auch heute noch nicht sinnvoll auf Serverseite filtern. Entweder man bekommt den gesamten Strom aller der Nutzer, denen man folgt, oder eben gar nichts.
  • Die Listenfunktion von Twitter ist eine Funktion, die überhaupt nicht dazu taugt, Information zu kanalisieren, sondern lediglich eine (halbwegs funktionale) Sache ist, anderen Leuten Themenkreise zu definieren (Liste “Fernsehen” etc.).
  • Was Twitter ebenfalls nie geschafft hat, ist das Filtern von Applikationen. Was nervt es doch, wenn andere Nutzer ihre Beiträge in allen möglichen Social Networks in Twitter featuren und es für andere Leser keine Möglichkeit gibt, diese Kommentare beispielsweise dadurch sperren zu können, in dem die Quelle, also das entsprechende Twitter-Gateway des Dienstes, für sich sperren zu können.
  • Viel dramatischer ist meiner Meinung nach jedoch das, was früher oder später dann passiert, wenn man vielen Nutzern folgt, die untereinander viel via Replies twittern. Denn Replies bekommen alle die mit, die sowohl dem Absender, als auch dem Empfänger einer Reply ebenfalls folgen. Und das nervt sehr schnell und sehr massiv.
  • Fast schon marginal ist das Thema, dass man eine Direct Message nur Leuten schicken kann, die einem selbst folgen. Diese Funktion, die eigentlich hervorragend dazu dienen könnte, den halbprivaten Quatsch abzufangen, den sich viele Nutzer tagtäglich zutwittern, wird also durch diese künstliche Beschneidung so degradiert, dass viele Nutzer sie gar nicht kennen.

Tatsächlich ist viel von Twitter inzwischen in Facebook aufgegangen. Dass Twitter zu Facebook noch nicht gänzlich alle Nutzer verloren hat, mag daran liegen, dass Facebook sich scheinbar grundsätzlich dämlich anstellt, wenn es darum geht, Information auch Leuten zur Verfügung zu stellen, die nicht bei Facebook angemeldet sind, denn das ist (noch) das große Plus von Twitter. Ich muss mit niemandem Freund sein, um ihn bei Twitter lesen zu können und (noch) muss ich mich noch nicht mal bei Twitter anmelden, um den Inhalt der meisten Twitter-Nutzer mitlesen zu können. Und das, was Twitter mit Direct Messages einst einführte, das fangen heutzutage so Dienste wie WhatsApp ab und zukünftig auf der iPhone/iPad-Plattform der zukünftige hauseigene Apple-Dienst. Und für das, was am Ende in Sachen Social-Network-Bedarf übrigbleibt, gibt es ja dann noch Goole+.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Unglücklicherweise fürchte ich, dass die Monetarisierungsversuche von Twitter versanden werden und Twitter – immerhin erstaunlich spät – irgendwann in den nächsten Monaten aufgekauft und endgelagert wird. Die Web-2.0-Blase hat in einigen Details (Groupon, Facebook) gewaltige Größen angenommen und selbst wenn diese Blase nicht platzt sondern langsam und halbwegs kontrolliert Luft verlieren wird – für gänzlich neue Finanzierungsrunden für Dienste, die seit Jahren nach der richtigen Finanzierung suchen, wird es eng werden. Und wie man die “promoted Tweets” den Nutzern erklären will, die seit Jahren twittern, viel twittern, auf vielen Diensten schreiben und von Twitter erstaunlich wenig abhängig sind, das wird ein spannendes Thema.

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Der politische Föhn zu so genannten Facebook-Partys.

4. Juli 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ja ist denn schon wieder Sommer? Ja, ist. Und die politische Sommerloch-Saison beginnt auch schon extrem früh. Den Start machen Länderinnenminister mit ihrer Forderung, so genannte Facebook-Partys zu verbieten. Partys also, die über Facebook organisiert werden und bei denen der Initiator der Party vergisst (oder in Kauf nimmt), die Einladung nur einer geschlossenen Benutzergruppe anzubieten und öffentlich macht.

Sommerloch deshalb, weil es natürlich völlig abstrus ist, solche Art von Partys zu verbieten, so ärgerlich im Einzelfall bei einer möglicherweise ausufernden “Graswurzel-Party” die Randale aussehen kann. Facebook-Partys verbieten zu wollen hieße, ein Entgegenkommen von Seiten Facebooks zu erwarten. Oder eine Verpflichtung zu entwickeln, mit der Facebook-Partys in irgendeiner Form genehmigungspflichtig würden. Und sehr schnell wären wir bei einer Diskussion, was wir denn eigentlich bei uns im zivilisierten Deutschland rein faktisch eigentlich bei der Nutzung von Facebook noch dürften, was wir in Staaten, in denen ein demokratischer Frühling stattfindet, ja genau wünschenswert ist.

Nein, natürlich geht es bei den Innenministern, die die Idee eines Verbotes von Facebook-Partys zumindest für nicht komplett bescheuert halten, um ganz profane Dinge – nämlich um das Absichern des eigenen Hinterns. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann hat es in den Tagesthemen auf den Punkt gebracht:

“Wenn zum Beispiel klar ist, dass ein Platz nicht geeignet ist, um mehrere Tausend Jugendliche aufzunehmen, dann muss so eine Veranstaltung verboten werden, weil es sonst zu solchen Eskalationen kommt wie in Duisburg und insofern gibt es da eine klare Rechtsgrundlage, dies zu verbieten.”

Wir denken nach: Die Loveparade in Duisburg war eine behördlich genehmigte und polizeilich flankierte Veranstaltung, die schon in der Vorplanung mit aberwitzigen Besucherzahlen geplant wurde und offensichtlich unter hohem politischen Druck des Duisburger Oberbürgermeisters durchgedrückt wurde, obwohl offensichtliche Sicherheitsmängel existierten und einfach akzeptiert wurden. Zudem reden wir bei der Loveparade von Besucherzahlen, die mindestens um den Faktor 1000 höher waren, als die wildeste Facebook-Party bisher.

Selbstverständlich sollte man Gefahren, von denen man im Voraus Kenntnis erlangt, abwehren, dazu haben wir einen gesunden Menschenverstand und dazu haben wir im Ernstfall, wenn die Horden kommen eine Polizei. Wir müssen eben aber auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich treffen, die sich möglicherweise in größeren Zahlen organisieren und die möglicherweise auch nicht alle dabei nüchtern sind. Wir nenne das: Gesellschaft.

Wenn wir eine polemische Diskussion zu Facebook-Partys tatsächlich bis zu Ultima Ratio durchziehen, dann frage ich mich, was eigentlich noch die Veranstaltung einer Dorffeier, eines Vereinsfestes oder eines Grillnachmittags mit dem Fußballverein rechtfertigt. Nur damit Innenpolitiker das Risiko “Mensch” noch besser kontrollieren können und den seit Jahren dezimierten Personalstand der Polizeikräfte noch einigermaßen jongliert bekommen, einfach mal in Kauf nehmen, dass das hohe Gut der Versammlungsfreiheit kastriert wird?

Ja, wo sind wir denn? Erde an Politik! Schaltet eure Birne ein! Und denkt für einen winzigen Moment darüber nach, was für eine Wirkung abenteuerliches Geschwätz über Nebenwirkungen Neuer Medien haben kann, wenn man diese Technik und deren Wechselwirkungen nicht versteht.

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