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“Kostenpflichtige E-Mail” reloaded.

15. Juli 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in E-Mail

Bei der Deutschen Post wird es vor einiger Zeit vermutlich folgendes Gespräch gegeben haben:

Schlipsträger A: “Mensch, irgendwie müssten wir mit diesem Internet doch Geld verdienen, oder? Immer weniger Leute schicken sich noch echte Briefe, alle mailen nur noch.”

Schlipsträger B: “Dann verlangen wir doch einfach Geld für E-Mails.”

Schlipsträger A: “Super Idee, machen wir!”

Herausgekommen ist daraus bei der Deutschen Post AG ein Produkt, was der Klassiker in Sachen Produkte-Totgeburt sein dürfte: Die kostenpflichtige E-Mail namens “E-Postbrief”, die übrigens nichts mit einer anderen, staatlich geförderten Totgeburt namens “De-Mail” zu tun hat.

“E-Post”? War da nicht schon mal etwas? Ja, genau, “E-Post”! Beziehungsweise “ePost”, wie man das eingetragene Warenzeichen der Deutschen Post AG im Jahre 2000 schon mal für ein Produkt einsetzte. Einer “lebenslangen E-Mail-Adresse”, die jeder Bürger kostenlos bei der Deutschen Post AG beantragen konnte und deren Besitzer per Postident-Verfahren einmalig identifiziert wurde. Idee war, dass so jeder Besitzer einer ePost-Adresse besonders vertrauenswürdig erscheinen würde, da er ja im Gegensatz zur damaligen Freemailer-Konkurrenz eindeutig identifiziert war. Der Versand eines elektronischen Briefs war damals kostenlos und als besonderen Service gab es die Möglichkeit, ePost-E-Mails ausdrucken und per Normalpost versenden zu lassen, für 2 Deutsche Mark für die erste Seite und weiteren 50 Pfennig pro Zusatzseite.

Die Garantie auf eine “lebenslange E-Mail-Adresse” endete fünf Jahre später, als die Deutsche Post das Experiment mehr oder weniger sang- und klanglos wieder beerdigte. Weder waren die Konkurrenten namens GMX, Web.de, Yahoo oder AOL erfolgreich erledigt, Internet Service Provider gab es offensichtlich immer noch und zudem trat im Jahr 2004 Google mit einem eigenen Maildienst in den Ring. Vertrauenswürdigkeit hin oder her – offensichtlich interessierte sich niemand wirklich dafür, ob die E-Mail-Adresse eines Absenders besonders identifiziert war oder nicht und zu echten Briefeschreibern konnte die Deutsche Post ihre Kunden auch nicht erziehen.

Und nun, tataa, ist “ePost” als “E-Postbrief” wieder da. Auch jetzt ist die Anmeldung inklusive Postident-Verfahren wieder kostenlos, allerdings kostet nun der Versand Geld. “Sie zahlen nur das, was Sie auch nutzen”, so die Deutsche Post und verlangt beispielsweise für den Versand eines “E-Postbriefs 55 Cent. Wohlgemerkt: Für den elektronischen Versand, der darüber hinaus nicht größer als 20 Megabyte pro E-Mail sein darf. Und wenn der Absender eine Bestätigung für den Empfang haben möchte, werden zusätzlich 1,60 Euro fällig.

Die Deutsche Post möchte also tatsächlich nur 55 Cent für eine E-Mail haben, die bei allen Freemailern und Internet Service Providern dieses Planeten ansonsten kostenlos gesendet werden kann. Wenn schon die Briefträger verhungern müssen, sollen die Schweine, die das Internet für kostenlose Kommunikation mißbrauchen, wenigstens deren Obdachlosenhäuser bezahlen. Oder irgendwie so. Oder vielleicht auch einfach nur aus nostalgischen Gründen?

Aber hey, Deutsche Post AG, ich halte das alles für ein klasse Businessmodell! Jetzt klappt’s bestimmt, ich weiß es genau! Alles wird gut!

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Die Weihnachtsbombe.

23. Dezember 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in E-Mail

Während der Weihnachtsmann mit seinem Rentiergespann loslegt und GPS-gesteuert die Kinder dieser Welt besucht, kämpfen die etwas älteren Menschen, die nicht mehr oder eher schon wieder an den Weihnachtsmann glauben, mit den wirklich unerklärlichen Phänomenen, die das Internet hergibt: Den Weihnachtsbomben. Vornehmlich in den E-Mail-Postfächern.

Verstehen wir uns mal nicht falsch: Ich habe rein gar nichts gegen Weihnachts- oder Neujahrsgrüße. Nette Geste, um mit Menschen, mit denen man im Laufe des Jahres irgendwelche Dinge erlebt hat, in Kontakt zu bleiben. Nur: Welcher Hintergedanken ist beabsichtigt, wenn Weihnachtsgrüße in Form von gigantischen Bitmap-Dateien im Postfach landen, mehrere Megabytes groß, auf keinem Bildschirm dieser Welt in voller Größe darstellbar? Meine Aversion gegenüber E-Mails mit großen Anhängen ist ja nun schon fast legendär und es gibt (leider) genügend Menschen, die meine Kritik an solchen Deformationen in der Hinsicht missverstanden haben, dass sie mir gar keine E-Mails mehr schicken.

Aber bitte, liebe Nutzer: Es gibt flickr. Es gibt Google Pictures. Es gibt YouTube. Es gibt Blogs. Packt doch eure Bilder und Videos dorthin, erfreut/erschreckt damit noch gleich ein paar Menschen mehr und schickt das doch alles nicht an mich! Ich bin, auch wenn es da gewisse Parallelen geben mag, nicht der Weihnachtsmann und muss mit solchen Weihnachtsbomben wirklich nicht beeindruckt werden.

Ganz im Gegenteil: Warnung! Ich petze das an den Weihnachtsmann und dann gibt es nichts!

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Joe Job vom Feinsten.

14. November 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in E-Mail

Dass man in Russland Dinge auch gelegentlich einmal anders, auf eher unkonventionelle Weise regelt, gehört inzwischen fest verwurzelt zum Empfinden über russische Verhältnisse. Und so verwundert auch folgende Spam eher nicht, die in letzter Zeit häufiger aufschlägt und eine Homepage bewirbt, auf der es folgende Dinge zu shoppen geben soll:

“Drugs (cocaine, heroin), missile (made in Russia), C4 explosive, children`s organs, and much more! Best child porno on the net
See Free Porno Pictures, Free Porn Videos, Hot Porno Movies in Daily Updated Porn Galleries. … Hot Virtual Sex Game! Get a realistic pussy today”

Nun ist man in Sachen Spam ja wirklich fast alles gewohnt, dieses Angebot ist dann aber selbst für Menschen, die auf einem LSD-Trip schweben und betrunken sind, unfassbar und natürlich völliger Nippes. Es handelt sich um einen “Joe Job”, also um eine Nachricht, die in erster Linie dazu dienen soll, jemanden Unschuldigen zu diskreditieren. Und das sind bei diesen Joe Jobs, die allesamt jedes Mal eine neue Website zu “bewerben” versuchen, Websites, die mehr oder weniger sinnvolle Nachrichten enthalten, teilweise regimekritisch sind und möglicherweise für den ein oder anderen unangenehm.

Man muss im Internet nur lange und unnachgiebig genug Dinge behaupten, die jeglicher Grundlage entbehren mögen, irgendwann glaubt es dann doch jeder oder es lassen sich vorher die Verantwortlichen an den Pranger stellen und so genannte Untersuchungen einleiten, bei denen man natürlich auch etwas findet.

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Showdown, zweiter Teil.

4. November 2009 | 8 Kommentare | Veröffentlicht in SupportWelt

Der Showdown von gestern hat sich dann doch etwas überraschend gelöst – der Systemberater hat das Problem wohl erkannt, die zweite Domain, die im TRANSIT war, aus dem TRANSIT zu seinem Provider gezogen, gleich auf Anhieb korrekt konfiguriert und so lief das dann gestern Abend noch. Da hofft man doch, dass die Aha-Effekte, die da wohl gestern jemand gehabt haben muss, auch noch lange anhalten.

Zumindest die Strategie habe ich jetzt kennengelernt, die der Systemberater (und “Systemberater” schreibe ich nur aus Kulanzgründen) bei seinem Neukunden verfolgt: Er hostet ihn bei seinem Provider und verdient da vermutlich den ein oder anderen Euro, den er auf die Preise draufschlägt, die er als Partner bekommen wird.

Ein Scheißgeschäft und das sage ich als jemand, der bei einem ISP arbeitet. So Geld zu verdienen, ist zwar vermeintlich einfach, aber im Grunde genommen hat man als Partner nur wenig davon, wenn der Provider im Massengeschäft tätig ist, denn für so einen Discounter ist ein Partner, der nicht mindestens einen fünfstelligen Umsatz im Monat ins Haus bringt, nichts als eine Nummer von vielen. Die Argumente, dass nur die großen Provider zuverlässige Dienste hosten können, sind schon längst vorbei – ganz das Gegenteil ist der Fall: Gerade kleinere Provider bringen die notwendige Flexibilität mit, im Ernstfall auch Dinge zu bekommen, die personal- und zeitintensiv sind, beispielsweise der schnelle Zugang zur eigenen Hardware.

Das könnte man ja noch alles verschmerzen. Viel schlimmer ist aus meiner Sicht, dass solche Partnerprogramme mit Standardprodukten gerade kleine Hobby-Consultants dazu beflügeln, bei Kunden den größten Quark zu erzählen und technische Mittelmäßigkeit als State-of-the-art zu beschwören. Etwas zu verkaufen, weil es nicht gut ist, sondern billig, das ist keine Kunst, das macht jede Putzfrau so.

Um bei meinem Patienten zu bleiben: Er hat sich darüber aufgeregt, dass wir dem Kunden einst einen Exchange-Server aufgedrückt haben. Aus seiner Sicht völliger Overkill und viel zu teuer. Mit sowas kann man auch als bescheiden begabter Systemberater bei einfachen Kunden Eindruck schinden.

Dazu folgendes:

  1. Der Kunde hat keinen Exchange-Server bekommen, sondern einen Small-Business-Server, der auch einen Exchange-Server beinhaltet. Der SBS ist für kleine Unternehmen gedacht, im Vergleich auch viel günstiger, als ein einzelner Exchange und ideal für den Betrieb auf einem einzigen Server, für den er im übrigen auch nur lizenziert ist.
  2. Der Kunde hat mit einem Exchange-Server E-Mail und das dann auch richtig, nämlich direkt per SMTP. Wenn er jetzt noch eine Internet-Anbindung mit einer festen IP-Adresse hat, kann er seinen Server so betreiben, wie die SMTP-Architekten das einst mal erdacht hatten, nämlich direkt am Internet. Das hat Zeitvorteile, man ist unabhängig von hostenden Providern und muss das Mailarchiv nicht auf der Arbeitsstation sammeln, sondern kann das dem Server überlassen.
  3. Mit einem Exchange-Server hat der Kunde darüber hinaus noch die Möglichkeit, etwas zu nutzen, was man zugegebenermaßen verstehen und auch richtig verkaufen muss: Collaboration. Gemeinsame Kalender, zentral verwaltete Adressbücher, delegierbare Aufgaben, generische Postfächer. Das sind Dinge, auf die man selbst in einem Zweimannbetrieb nicht verzichten mag, wenn man mal in den Genuss solcher Annehmlichkeiten gekommen ist.

Nein, nicht so hier, der Exchange-Server kommt weg. Tatsächlich. Dabei ist er noch nicht mal kaputt oder besonders langsam, sondern er kommt einfach weg, weil der Systemberater die Losung verkündet hat, das sei Overkill.

Das ist alles so das Ergebnis der ständigen Kundenverdummbeutelung, die seit Jahren erfolgreich grassiert und auch Hobby-Consultants befallen hat – wir nehmen den Discountmist, den es bei den Discounthostern als Massenware gibt und verkaufen ihn als Innovation, der Rest, den es in der Welt gibt, ist dann halt einfach als Dreck zu verteufeln. Im einfachen Fall sind das dann eine Horde von Mailaccounts, die dann beim Provider liegen und in die sich dann jeder Mitarbeiter jeden Morgen von der Ferne aus einzuloggen hat und in grandiosen Spezialfällen so Kunstwerke wie Exchange-Server, die nicht per SMTP ihre Mails direkt bekommen, sondern alle paar Minuten per POP3 vom Provider ziehen müssen – und der Systemberater verkauft diese Katastrophe dann auch noch mit Sicherheitsaspekten. Ich nenne es Blödheit und kalkulierte Bevormundung des Kunden.

Um es in sehr einfachen und sehr deutlichen Worten zu sagen: Wer als Unternehmen keine eigene Maillösung nutzt, hat nicht begriffen, dass E-Mail und eine vernünftige Collaborationsoftware in erster Linie ein Produktivitätswerkzeug innerhalb eines Unternehmens sein kann und mitnichten viel Geld kosten muss, wenn man etwas länger als bis zum nächsten Monat denkt.

Aber da kannste dir gelegentlich sowas den Mund fusselig reden, da ist es manchmal besser, diskret wegzuhören, wenn man das Geseier hört, mit dem ein Wettbewerber das goldene Los gezogen hat.

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“Diese Nachricht ist nur für Sie bestimmt …”

5. Oktober 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in E-Mail

“… gehen Sie über Los, ziehen Sie 4.000 Euro ein und scheren Sie sich dann zum Teufel.” Oder so.

Ich mag Disclaimer-Texte in E-Mails. Die rechtliche Verbindlichkeit ist von Hause aus mehr als dürftig, was jedoch immer weniger Geschäftsleute daran hindert, sich teilweise den größten Quatsch automatisch an ihre E-Mails da hinzuhängen, wo man sich normalerweise mit einer Signatur begnügt.

Noch viel lustiger wird das alles, wenn sich Geschäftsleute (und solche, die sich dafür halten) solche Disclaimer-Texte irgendwo aus dem Internet oder aus so genannten Fachzeitschriften zusammenklauben, dann auch noch mit eigenem juristischen Halbwissen garnieren und das Ergebnis sich dann von Satz zu Satz widerspricht:

“Die in dieser Nachricht enthaltene Auskunft ist vertraulich und kann dem Berufsgeheimnis unterliegen. Sie ist ausschließlich für den Adressaten bestimmt. Jeglicher Zugriff auf diese e-mail durch andere Personen als den Adressaten, ist untersagt. Sollten Sie nicht der für diese e-mail bestimmte Adressat sein, ist Ihnen jede Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe untersagt. Sollten Sie diese e-mail versehentlich erhalten haben, informieren Sie uns bitte umgehend.”

Aha: Die E-Mail ist also vertraulich. Nur der Empfänger darf die Mail also anschauen, aber wenn man im nächsten Satz impliziert, dass der Empfänger der richtige ist, ist ihm die Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe dann gestattet. Ich verstehe, alles klar, keine weiteren Rückfragen.

Schlau ist dabei, dass dem deutschen Text auch noch ein englischsprachiger folgte, der viel kürzer ist und den ersten Satz nicht enthielt. Da hat also wohl der Absender etwas an seinem Disclaimer herumgebastelt und mangels Englischkenntnisse (oder war es Faulheit?) nur am deutschen Text herumgebastelt. Herr… deine Kinder.

Warum nicht einfach das sagen, was man eigentlich sagen muss? Der folgende Entwurf von mir ist praxisnäher:

Dieser Disclaimer ist eigentlich völliger Nonsens und nicht die Bytes wert, die er dieser E-Mail zusätzlich anhängt. Denn eigentlich müsste er, wenn er denn verbindlich sein sollte, vor dem eigentlichen Nachrichtentext erscheinen und die technische Möglichkeit anbieten, ihm zuzustimmen, bevor der Inhalt der Nachricht sichtbar wird. Für den Versand von verbindlichen Einschreiben war E-Mail jedoch nie geplant – ganz im Gegenteil: Der Absender weiß, dass eine E-Mail ohne zusätzliche Verschlüsselung blank wie ein abisolierter Draht ist und dass er nicht kontrollieren kann, ob der Empfänger die E-Mail nur liest oder gleich in den Druck für die nächste Ausgabe der örtlichen Tageszeitung gibt. Aus diesem Grund steht in dieser Mail nur so viel drin, wie Sie wissen sollen. Mehr nicht. Falls Sie diese E-Mail versehentlich erhalten haben, drucken Sie diese bitte aus, bauen damit einen Papierflieger, klopfen sich dann auf die Schulter und gehen danach einen Kaffee holen.

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