PF-BITS, nächstes Level.

Den ganzen Oktober hier nichts gebloggt, dann bloggen wir wenigstens mal schnell noch im November etwas. Ganz so unproduktiv waren nämlich weder Oktober und November und das unter anderem für mein kleines Hobbyprojekt PF-BITS.

Wir erinnern uns – PF-BITS startete letztes Jahr mit einem Mittagstisch-Projekt namens „PF-BITS Mahlzeit!“. Klein, fein, mit exzessivem Einsatz von benutzerdefinierten Feldern und am Ende sogar performant gab und gibt es eine tägliche Übersicht über Mittagstische in Pforzheim. Rund 2.000 Besucher zieht das pro Monat inzwischen an. Hört sich nicht viel an, aber wenn man berücksichtigt, dass das eine Special-Interest-Geschichte ist und Pforzheim eine überschaubare Audienz hat, ist das schon ganz okay.

Basis war und ist eine WordPress-Multisite-Installation. Dass dahinter noch etwas kommen sollte, war dem Insider spätestens bei einem Blick auf die Adressstruktur klar, denn PF-BITS Mahlzeit! residiert im Unterverzeichnis „/mahlzeit“. Und während ein halbes Jahr lang ein automatischer Redirector alle Zugriffe auf Root eben zu „/mahlzeit“ umleitete, war hinter den Kulissen eine große Baustelle. Sozusagen „PF21“, wenn auch nicht ganz so teuer.

Am 4. November, pünktlich zum ersten BarCamp Pforzheim, haben wir dann den Redirection-Stöpsel gezogen und das eigentliche PF-BITS gestartet, als Online-Magazin – „Bits & Bytes aus Pforzheim“. Ein etwas sperriger Untertitel, der aber genau das beschreibt, was PF-BITS sein soll. Die Übersicht der Mittagstische ist natürlich weiterhin an Bord und auch immer noch die wichtigste Anwendung. Die Besucher bekommen jetzt aber eben mehr zu sehen, nämlich Magazinbeiträge von Björn Fix und mir. Björn ist ein ständiger Begleiter des netpla.net-Hauses, ein guter Freund und darüber hinaus auch ein recht pfiffiger Lokalberichterstatter, der das Thema Online außerordentlich gut verinnerlicht. Da gibt es leider immer noch nicht so viele Journalisten, die das können.

Wir machen jetzt also Magazin und so eine Art Online-Lokaljournalismus, auch wenn ich ganz klar sage, dass wir es im Pforzheimer Medienmarkt auf absehbare Zeit weder sichtbar schaffen werden und es auch gar nicht wollen, den etablierten Medien Konkurrenz zu machen. Eine große Portion Realismus muss Basis von Lokalblogs und des Graswurzeljournalismus sein, sonst braucht man es gar nicht erst anzufangen.

Dennoch: Für engagierte Lokaljournalisten sind goldene Zeiten angebrochen, zumindest aus technischer Sicht. Das, was rechts als Screenshot der Startseite von PF-BITS zu sehen ist, ist ein weitgehend pures WordPress mit wenigen Standard-Plugins und mit einem für 49 Euro gekauften Magazin-Theme von MHThemes. Die investierte Arbeitszeit für das Customizing ist überschaubar, selbst mit der Mittagstisch-Umgebung, die ein wenig Code-Arbeit beinhaltet, aber immer noch echtes und vollständig kompatibles WordPress ist. Auf jeden Fall sind es Kosten, die man auch noch bequem in monatlichen Raten abbezahlen könnte, wenn man sich alles von einem Dienstleister aufstellen lässt. Nach 14 Jahren WordPress kann ich nur sagen: Es ist immer noch das wertvollste, was dem Web je passieren konnte.

So, genug Pathos, mehr braucht es nicht. Ich bin gerade dabei, eine Menge Institutionen, Vereine und Parteien davon zu überzeugen, uns bei der Aussendung zukünftiger Pressemitteilungen zu berücksichtigen (die FDP und die Grünen waren übrigens am schnellsten) und dann schauen wir mal, wohin uns das alles führt.

Besuchspflicht: PF-BITS – Bits & Bytes aus Pforzheim

Robert Basic will die Weltmacht.

Ich muss zugeben, ich musste beim recht denkwürdigen Interview von Meedia mit Robert Basic, in dem Robert Basic seine Ideen zu seinem Projekt buzzriders.com darlegte, spontan an Moonraker denken. Robert Basic plant ein „neuartiges“ Newsportal in einer Art moderiertem Graswurzeljournalismus und will damit so Websites wie SPIEGEL Online und Heise.de angreifen. Ah, okay. Hehre Ziele soll man sich setzen.

Ich bin ja prinzipiell auch für genügend Mist der würzigeren Kategorie zu haben, den man verzapfen kann. Es aber freiwillig mit einem Nachrichtenportal eines fest im Sattel sitzenden Nachrichtenmagazins und einem Portal einer 20 Jahre alten Computerzeitschrift aufzunehmen – da würden mir dann doch wirklich andere Dinge einfallen. Schon allein, wenn man betrachtet, wie jämmerlich so ähnlich laufende Projekte wie Zoomer.de versinken oder Shortnews.de, die Mutter des Graswurzel-Trashs, in extrem seichter Inhaltlichkeit vor sich hinplätschern. Und seien wir ehrlich: SPIEGEL Online und Heise.de gehören als Nachrichtenzulieferer nach wie vor zu einer festen Größe in der Blogosphäre. Das abzusägen und munter-lustig eine Mischung aus DPA-Ticker, Twitter und Blogs eine eigene Nachrichtenwelt zu schaffen – da fehlt mir die Phantasie und davon habe ich eigentlich eine ganze Menge.

Erde an Robert: Alles in Ordnung? Die 46.902 Euro nicht lieber vernünftig anlegen? 🙂

Quo vadis, Bürgerjournalismus?

SPIEGEL ONLINE kann ja auch auffallend differenziert über den „Graswurzeljournalismus“ schreiben, was ja schon mal eine wirkliche Neuigkeit ist. Aber Christian Stöcker arbeitet schön heraus, dass im Falle der Terroranschläge von Bombay so Dienste wie Twitter blitzschnell als informelle Informationspipeline funktionieren können, es dann aber an zwei Punkten hapert:

  1. Authentizität
    Ist derjenige, der Nachrichten meldet, auch wirklich vor Ort? Ist er vertrauenswürdig? Ist er neutral?
  2. Informationsfülle
    Viele schreiben, noch viel mehr werden diese Texte rezitiert, aber nur die wenigsten sortieren und arbeiten auf, ziehen Rückschlüsse, machen Analysen. Und das möglicherweise nicht nur, weil sie nicht könnten, sondern auch, weil sie nicht wollen, Stichwort: Häppchenjournalismus a la Boulevardmagazin.

Ja, ich lehne mich dabei heraus, aber das tue ich bewusst, weil ich bekanntlicherweise schon seit einer Weile auch darüber staune, wie die herkömmlichen, klassischen Medien immer stärker Marktanteile und ihre bisherigen Einnahmequellen verlieren, aber es gerade bei solchen Katastrophen und Geschehnissen auf Unabhängiges ankommt. Damit will ich nicht sagen, dass per se der Bürgerjournalismus Käse ist, sondern damit will ich sagen, dass es im Ernstfall unglaublich komplex werden kann, zwischen Bürgerjournalismus und Propaganda zu unterscheiden. Ein Medium abzuschalten, ist eine klare Sache, aber wenn jemand ein Medium missbraucht und dieser Missbrauch nur deshalb nicht erkennbar ist, weil eben jeder schreiben kann, dann ist das eine bedenkliche Situation, die die Gesellschaft eigentlich nur verwundbarer machen würde.

Wo ist da nun die Conclusion? Nun, ich denke, das wird weiterhin nach dem Prinzip der Auslese passieren, die nun bei den klassischen Medien noch einmal einen Schub bekommt. Mittelfristig werden die Großen überleben und die Kleinen entweder eingehen oder aufgekauft werden, aber langfristig wird es eben nur noch funktionieren, in dem sie noch stärker genau das verfolgen, was ein(e) überparteiliche, neutrale Zeitung/Fernseh-/Radioprogramm ausmacht.

Ob in Zukunft deshalb noch weiter Platz ist für eine Reihe von Vollprogrammen und ob in Zukunft tatsächlich auch noch Raum für eine oder gar mehrere Lokalzeitungen gibt, wird eine spannende Frage bleiben.