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Relevanz in der deutschen Blogosphäre.

3. Februar 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in BlogWelt

Nico Lumma hat in seinem Blog eine interessante These aufgeworfen. “Blogs in Deutschland sind nett,” so Nico, “aber nett ist auch der Hund des Nachbarn.” Er beklagt – durchaus zu Recht – dass es in der deutschsprachigen Blogosphäre weitgehend an “Informanten” fehlt. Meinungsführerschaften in der deutschen Blogosphäre sind tatsächlich rar, wenn man da an so us-amerikanische Blogosphären-Highlights wie die Huffington Post oder tmz.com denkt.

Der Situationsbericht von Nico ist durchaus berechtigt, aber probieren wir uns doch mal an der Frage, warum das so ist. Ich werfe mal ein paar Thesen ein:

  1. Die Nachrichtenlandschaft sieht bei uns in Deutschland anders aus, als in den USA (eingebettet in einem anderen Artikel habe ich das bereits mal gebloggt). Während wir in Deutschland (noch) eine vielfältige Lokal- und Regionalzeitungskultur haben, haben in den USA überregionale Zeitungen die absolute Marktmacht. Das gilt auch für das Fernsehen, denn die meisten Fernsehsender senden zwar eigene Inhalte, sind aber in Syndikate der großen Fernsehsender eingebunden. Das bedeutet im Umkehrschluss für die amerikanischen Online-Medien und letztendlich auch für die amerikanische Blogosphäre eine ganz andere Publikationsbasis.
  2. Beim Thema Celebrity-Blogs, also der so genannten “Klatschpresse”, gibt es ganz andere Unterschiede gegenüber den USA. Es gibt bei weitem nicht so viel “bunte” Prominente, Stars und Sternchen wie in den USA und die Persönlichkeitsrechte sind erheblich restriktiver. Mal eben so über einen Promi zu klatschen, endet schnell mit Post vom Anwalt. Ob das so auch ist, wenn eine größere Klatsch-Szene in der Blogosphäre vorhanden wäre, bleibt dahingestellt, aber allein schon die Sorge, dass man schnell mal eine saftige Rechnung zu begleichen hat, weil ein Promi nicht verstanden hat, dass seine Prominenz nicht einfach so abschaltbar ist, wie ein Fernseher, schreckt ab.
  3. Ich bin mir, wo wir gerade bei professionellen Blog-Anwendungen sind, gar nicht unbedingt so sicher, ob ein professioneller Blog-Journalismus der ausschlaggebende Punkt ist, blühende Blog-Welten zu bekommen. Die Vielfalt macht es, nicht unbedingt eine überall möglichst hohe Qualität.
  4. Die Blogosphäre lebt vor allem von einem: Von Bloggern. Und zwar nicht nur von den vielgelesenen und –zitierten A-Bloggern, sondern auch von B-, C-, D- und letztendlich auch von Z-Bloggern. Die Analogie liefert der Begriff “Atmosphäre” dabei schon frei Haus, denn es gibt große Strömungen, kleine Strömungen, frische Luft, verbrauchte Luft, Sauerstofferzeuger, Sauerstoffverbraucher und so weiter. Es ist sicherlich eine gewagte Aussage, wenn ich behaupte, dass die wahren Perlen in der Blogosphäre entstehen, in dem die Masse steigt. Je mehr Menschen bloggen, desto mehr Juwelen werden sich finden.
  5. Große Blog-Projekte funktionieren nicht mit einem Blogger als Alleinunterhalter, sondern können nur von einem Team von Autoren sinnvoll mit vielfältigen Inhalten bestückt werden. Irgendwie fehlt es an so einer Szene, die sich doch so schön vor allem für ein Regional-Blog eignen würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass solche Blog-Projekte der lokalen Medienlandschaft sehr zugute kommen würde, da diese Art des Publizierens endlich einen vernünftigen Wettbewerb zur Meinungsmach-Hoheit vieler Lokalzeitungen  darstellen würde. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, die Lokalpresse zu ruinieren, sondern eine Meinungsvielfalt zu erzeugen, die in Regionen mit starker Lokalpresse oftmals schlicht und einfach fehlt.
  6. Vielleicht täuscht der Eindruck, aber es ist in der deutschsprachigen Blogosphäre nach wie vor unglaublich schwer, ein Blog innerhalb der Sphäre promotet zu bekommen. Das “interkommunale” Verlinken innerhalb der Blogosphäre wird fast schon zu einer aussterbenden Tierart und wenn verlinkt wird, passiert das viel zu oft inzestuös innerhalb der Top-100. Das Milieu lebt davon, dass interdisziplinär verlinkt wird und es ist dabei überhaupt keine Schande, auch mal ein Weblog zu verlinken, dass kaum bekannt ist. Niemand, der verlinkt, muss befürchten, dass ihm dadurch auch nur ein einziger Leser verloren geht.

Diese Thesen, die sicherlich nicht vollständig und sicherlich auch diskutabel sind, führen konsequenterweise zur weitergehenden Frage: Was ist zu tun?

  • Menschen, die in der eigenen Region in Sachen Web 2.0 organisieren, durch informelle und ungezwungene Treffen beispielsweise. Das stärkt den Informationsaustausch und die Vernetzung ungemein. Wen man kennt, liest man, schätzt man, empfiehlt man.
  • Vernetzung offensiv fördern! Du bloggst? Warum baust du für deine Region keine regionale Blogroll auf? Oder zu deinen Lieblingsthemen? Einer muss immer den ersten Schritt tun, also warum nicht du?
  • Menschen dazu bewegen, sich im Internet meinungsmachend zu betätigen, beispielsweise durch ein Weblog, aber durchaus auch mit anderen Web-2.0-Anwendungen wie Twitter oder Facebook.
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Die große Fragerei zur Bloggerei.

20. November 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in BlogWelt

Ein Stöckchen pro Jahr muss einfach gehen und da Kollege Pottblog gerade ein Stöckchen bearbeitete, bat ich ihn, ein Stöckchen seinerseits in meine Richtung zu werfen.

Warum bloggst du?

Es liegt wohl an meinem ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis, mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Es ist etwas sehr faszinierendes und an sich ein viel zu unterschätztes Privileg, Dinge in die Öffentlichkeit sprechen bzw. brüllen zu können, ohne dafür in ein Verlies gesperrt zu werden. Und man mag es nicht glauben, wie sehr selbst einfach gesprochene Worte dafür sorgen können, Meinungen zu verschieben, Dinge zu lernen, Missstände zu erkennen.

Seit wann bloggst du?

An sich seit März 2004, allerdings erst seit Juni 2007 unter dieser Adresse und in diesem Blog. Von März 2004 bis Juni 2007 habe ich “Das BesimBlog” beschickt, ebenfalls ein privates Weblog, allerdings mit weniger Augenkompatibilität. Der/die ein oder andere wird sich noch an den knallroten Hintergrund erinnern. ;-)

Die Idee hinter diesem Blog ist eine stärkere Ausrichtung zu internet-spezifischen Themen, da unter www.netplanet.org mein Internet-Lexikon liegt. Dazu muss ich mich zwar gelegentlich zwingen, aber es ist gut, ein paar Leitlinien zu haben, an die man sich halten kann, wenn man gar nichts mehr zu bloggen weiß.

Warum lesen deine Leser dein Blog?

Vermutlich weil sie unterhalten werden wollen. Meist gut, oft sehr offensiv und auch nicht immer ohne Färbung, aber das ist immerhin auch ein persönliches Weblog und da erlaube ich mir solche Dinge. Kontroverse Themen gibt es hier frei Haus, ich denke, das ist so etwas wie einer der Erkennungszeichen hier.

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?

Das war der Name einer Person, über die ich vor einigen Tagen ein paar Zeilen geschrieben habe.

Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?

Das war vor einiger Zeit mal eine Theorie von mir, wie Google funktionieren könnte, ohne jeglichen Schnickschnack, sondern nur mit reiner Power der Besucher. Ist einer der Artikel, in die ich mich richtig reingehängt habe und dennoch ist dieser Artikel einer der Ladenhüter im Blog. Die Theorie gefällt mir allerdings nach wie vor immer noch gut, ich bin immer noch davon überzeugt, dass das Google-Ranking zu einem größeren Teil nicht maschinell erstellt wird, sondern durch die Benutzer.

Was auch etwas kurz kommt, sind meine Aphorismen.

Dein aktueller Lieblings-Blog?

Das ist erst vor wenigen Tagen in den Feed-Reader gekommen und hat an sich so gar nichts mit dem Internet zu tun, sondern mit Design, nämlich das Blog I Heart Pluto von Nils Dobrzinsky. Macht sich schön im Feed-Reader, jeden Morgen eine Packung Farbe. :-)

Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?

Das kann ich so gar nicht sagen, da ich ein überzeugter Blog-im-Feed-Leser bin, also die Feeds lese und die Blogs eher selten “echt” besuche. Und da ist es so, dass ich die Feeds nicht einzeln lese, sondern in der zentralen Timeline und die sich dann auch noch löscht, wenn ich sie durchgegangen bin. Ich kann also beim besten Willen nicht sagen, welches Blog das letztbesuchte war. Ist aber an sich auch nicht wichtig, denn alles, was im Feed-Reader ist, ist wichtig.

Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?

Das sind aktuell 64 RSS-Feeds, allerdings sind davon etwa nur die Hälfte reine Weblogs, der Rest sind Feeds zu Softwareprojekten, Pressemitteilungen und Nachrichtensites.

Dazu kommen dann noch rund 160 Twitterista, denen ich in Twitter folge. In Facebook schaue ich auch gelegentlich auf die Timeline, da allerdings deutlich weniger.

An welche fünf Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum?

  • Der Claus, der mal unbedingt sein About-Me aktualisieren sollte,
  • der Göksiman, der für so Sachen immer zu haben ist,
  • der Mathias, der viel zu selten bloggt,
  • der Marian, weil ich das Thema seines Blogs spannend finde, immerhin jemand, der sich mit dem Thema Paid Content im Zeitungswesen beschäftigt,
  • der Martin, der für so Sachen bestimmt gar keine Zeit hat. ;-)
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Ein Internet-Manifest.

8. September 2009 | 10 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Das so genannte Internet-Manifest ist ja per se erst einmal nichts schlechtes. Nicht, weil man einigen Leuten dringend die Philosophie des Internets erklären müsste, sondern weil es genügend andere Lobbyisten gibt, die mit ihrer Online-Strategie gegen die Wand gefahren sind und nun Dinge behaupten, die nicht stimmen, sondern die ihr Geschäft leichter machen würden. Mein persönlicher Favorit ist da immer noch die Führung des Axel-Springer-Verlages, die nun offenbar beleidigt mit diesem Internet sind und Zahlemann & Söhne machen wollen. Müssen.

Also, das Internet-Manifest kam möglicherweise sogar zur richtigen Zeit, denn der Zeitgeist passt. Online verankert sich immer stärker in der Gesellschaft und bringt die nette und wichtige Eigenschaft mit, dass Information in Hülle und Fülle vorliegt – wenn man sich dafür interessiert. Das gefällt natürlich nicht unbedingt den Meinungsmachern, die vor dem Online-Zeitalter die Meinung vornehmlich über die klassischen Medien geführt haben, weshalb es ganz gut ist, dass die Online-Welt da mal ein paar Dinge klarstellt.

Wobei… genau hier beginnt das Problem mit dem Internet-Manifest. Spricht denn hier die Online-Welt? Wer sind die fünfzehn Unterzeichner? Das sind alles Blogger. Zwar sicherlich in der Blogosphäre zum großen Teil soetwas wie Koryphäen, allerdings eben auch nur dort. Und nach der Blogosphäre kommt erst einmal das World Wide Web, was zwar ein sehr großer Informationsraum im Internet ist, aber eben nicht das Internet allein.

Ich hätte mir gewünscht, dass das Internet-Manifest umfassender das Thema anpackt. Die Blogosphäre ist nicht allein das Web ist nicht allein das Internet. Dazu hätte gehört, dass die Unterzeichner nicht die üblichen Verdächtigen der Blogosphäre sind, von denen einige in meiner subjektiven Beurteilung schon den Zenit ihrer blogosphärischen Karriere überschritten haben und “lost in translation” wandeln, sondern dass da auch einige echte Protagonisten der Online- und Web-Bewegung involviert sind. Dann hätte das Internet-Manifest auch dem Internet gerecht werden können.

Und im übrigen schreibt man zuerst ein Manifest, arbeitet daran, bis es fertig ist und unterzeichnet es erst dann. Nicht erst verfassen, dann unterzeichnen und dann in einem Wiki vom “Fußvolk” gnädigerweise erweitern lassen. Bei sowas drängt sich mir immer der fade Beigeschmack auf, dass es eher weniger um das Manifest selbst geht. Collaboration hin oder her – wer online berühmt werden will, soll bloggen. Sich selbst auf Podeste hieven, Weisheiten herablassen und sich bejubeln lassen – das ist die Form der bisherigen Meinungsmacher.

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Die Eiereien von Technorati.

5. August 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Technorati war als Blog-Suchmaschine einmal state-of-the-art. Wer die Technorati-Badge auf seinem Blog hatte und der darin enthaltene Wert über 5 war, gehörte dazu. Wohin genau, ist bis heute nicht so ganz geklärt (entweder zur Blogosphäre oder zum Geheimbund der terroristischen Online-Benutzer), aber es war unumstritten wichtig. “Bevor du bloggst, hast du deine Technorati-Badge zu montieren”, so das eiserne Gesetz.

Das ist schon lange her. Sehr lange. Inzwischen ist Technorati ein Hort der Unzuverlässigkeit geworden. Geclaimte Blogs hören in Technorati gern mal auf, aktualisiert zu werden und müssen mit einem manuellen Ping wieder erweckt werden, Backlinks werden nicht mehr zuverlässig erfasst und offenbar gibt es laut Jens Schröder, der bisher die wöchentlichen, deutschen Blogcharts auf Basis von Technorati-Zahlen ermittelte, auch noch ganz andere Technorati-Probleme mit dem Neu-Claimen von Blogs und offenbar schlicht fehlender Zahlenbasis bereits bestehender Blogs.

Zusammenhängen wird das alles vermutlich mit dem Umzug der rund 1.000 Technorati-Server (Eigenauskunft Technorati) im Rahmen eines Colocation-Wechsels, der im April gestartet wurde und deren Nachwirkungen wohl noch bis heute nachwirken. Laut dem Technorati-Blog mussten vier Techniker diesen Umzug stemmen… da sage ich nur: Arme Schweine. Da hatten es die Maulesel meines Großvaters Anfang des letzten Jahrhunderts bei ihrer Arbeit an den Berghängen der Nordosttürkei besser.

Um nochmal kurz auf die deutschen Blogcharts von Jens Schröder zurückzukommen: Er hat inzwischen die Faxen von Technorati dicke und nutzt als Datenbasis für die Blogcharts zukünftig einen eher unbekannten Dienst namens Icerocket. Diese Blog-Suchmaschine kannte ich jetzt auch noch nicht und war darin bis dato auch noch nicht mit meinem Blog verzeichnet, wohl aber mindestens ein anderes Blog, das aus meiner Federführung kommt. Ihr solltet aber einfach mal den Dienst auf eure Ping-Liste mit aufnehmen, die Adresse ist http://rpc.icerocket.com:10080/

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Vodafone, Vodafail und so weiter.

21. Juli 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, die aktuelle Werbekampagne von Vodafone nicht mehr weiter zu kommentieren. In der derzeitigen Art und Weise, wie allesamt alle Mobilfunkbetreiber Kasse machen und sich nur da preislich anpassen lassen, wo sie knallhart reguliert werden, halte ich diesen Wirtschaftszweig für eine moderne Fassung von unfassbar skrupellosen Halsabschneidern, die problemlos junge Menschen mit einem Berg Schulden in die Zukunft entlassen.

So kam es, wie es kommen musste, als Vodafone auf der Suche nach neuen Käuferschichten irgendwann auf die Idee kam, dass man da mit dem Web 2.0 etwas machen könnte. Also flugs eine Kampagne mit dem Titel “Generation Upload” gezimmert und gestandene Blogger vor den Karren gespannt.

Werbung ist Verkauf. Verkauft wird in der Werbung eine Ware, eine Dienstleistung oder eine Vision. Und damit das funktioniert, nimmt man die Ware, Dienstleistung oder Vision direkt als Werbeträger oder einen Protagonisten. Für letztere bedeutet dies, dass sie das tun, was jeder Arbeitnehmer tut: Eine Eigenleistung für Geld zu verkaufen. Das ist alles kein Problem, wenn man beispielsweise weitgehend unbekannt ist, eine markante Nase hat und für eine Nudelsuppe werben soll. Ein Job.

Es wird allerdings spätestens dann ein Problem, wenn der Protagonist als Werbeträger nichts anderes zu verkaufen hat, als seine Authentizität. Das kann man natürlich auch machen, wenn man nichts anderes hat und mit dem Folgen leben kann. So hat es mich ehrlich gesagt nicht gewundert, dass Robert Basic in der Kampagne auftaucht und es hätte mich schwer gewundert, wenn bei so einem Spektakel Sascha Lobo in der Kampagne nicht im Bus herumfahrend plakativ auf ein Mobilgerät schaut und staunt. Robert Basic kann mit jeder Art von Publicity umgehen und Sascha Lobo ist ein Werbemann, der dafür bezahlt wird, mit jeder Art von Publicity umzugehen und den Großen Zampano zu spielen.

Ja, ist hart. Vor allem für Menschen, die sich plötzlich in einer stark polarisierenden Werbekampagne wiederfinden und harten Worten ausgesetzt sind. Und man muss tatsächlich nicht alle Kommentare gut finden, die Schnutinger im unsäglichen Vodafone-Kampagnenblog da verpasst bekommen hat. Aber man spielt mit seiner Authentizität nicht einfach mal so eben herum und lässt sich auf einen wirklich atemberaubend schlechten PR-Gag herab, wenn man das nicht mittragen kann.

Vom Verkauf seiner Authentizität sollte man eher lieber Abstand nehmen, wenn man mit den möglichen Folgen eher nicht leben kann. Die Notbremse, die Schnutinger alias Ute Hamelmann nun auch in ihrem Blog gezogen hat, ist vermutlich tatsächlich eine authentische Notbremse – aber es hätte ja ruhig jemand mal vorher darüber intern sprechen können, was man für einem Gegenwind ausgesetzt sein könnte. Gagen sind auch immer ein Stück Schmerzensgeld und das hängt nicht immer nur von der eigenen Leistung ab, sondern möglicherweise auch von so Umständen wie einem schlechten Haus, in dem man spielt.

Andererseits: In ein paar Wochen, wenn Vodafone den Kampagnenetat verpulvert hat und die Mobilfunkkonzerne weiterhin alles dafür tun, die Kundschaft abzuzocken, wo es nur geht, spricht keiner mehr davon. Auch in der Blogosphäre wächst das Gras zwar langsam, dafür jedoch ebenso in bewährter Qualität, wie draußen.

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WordPress ist spätestens jetzt Industriestandard …

10. Mai 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in BlogWelt

… da seit 6. Mai nun auch der industriemäßig bloggende Jörg Kantel alias “Der Schockwellenreiter” nun per WordPress veröffentlicht – eine höhere Adelung kann WordPress wohl kaum passieren.

Und dabei hat Herr Kantel, der immerhin schon seit dem Jahr 2000 bloggt und damit zu den allerersten Bloggern im Land gehört, auch noch die ganz große Büchse geöffnet und das alte Design in die Ewigen Theme-Gründe geschickt. Wobei man jedoch als geneigter Leser durchaus kritisch anmerken darf, dass das jetzige Design des Schockwellenreiters der gewaltigen Historie überhaupt nicht gerecht wird. Jörg, das kann man auch durchaus edler machen. Deine Aura verträgt’s problemlos. ;-)

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Zum Thema Selbstbehuldigung.

3. April 2009 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in BlogWelt

Seien wir mal freundlich: Ich mag solche Knuddelveranstaltungen wie die Republica zur Selbstbehuldigung nicht sonderlich, völlig unabhängig davon, um welches Thema es geht. Da geht es mir weniger um das investierte Geld und eine fehlende Veranstaltungsrendite, sondern ums Prinzip selbst. Ich glaube, dass wir Blogger noch weit davon entfernt sind, die Infoelite zu sein, die sich gern auf solchen Veranstaltungen feiert. Wir haben ja noch nicht mal unseren eigenen, kleinen Kosmos im Griff. Denn das, was die Blogosphäre ausmachen sollte, verkümmert immer weiter und es stört offenbar immer weniger Blogger:

  1. Es gibt ein Volk der “Edelblogger”, von denen einige wenige tatsächlich mehr oder weniger von Anfang an dabei sind, die auch mal durch das Etablieren von Web 2.0 glänzen konnten, dadurch eine Reihe von Visitenkarten einheimsen konnten und nun beratend durchs Land tingeln. Deren Beratungsarbeit ist allerdings insofern enttäuschend, dass es kaum zu wirklich sichtbaren Hallo-Effekten kommt. Die Frage ist da wirklich, ob es etwas bringt, jemandem für Geld das Bloggen zu verkaufen, wenn schon genau diese Frage die Idee hinter dem Blogge infrage stellt?
  2. Auch wenn wir in jedem zweiten Satz vollmundig und selbstbewusst festschreiben, dass wir Blogger eine neue Informationskultur darstellen, fühlen wir uns doch besonders wohl, wenn wir ein Mikrofon eines Fernsehsenders unter die Nase gehalten bekommen oder wir zu billigen Berichterstattern von Katastrophenfällen degradiert werden, um die berühmten 15 Minuten Ruhm einzustreichen und sich in Wirklichkeit vollkommen albern machen zu lassen. Wir sehen uns einerseits als die Neue Welt, fühlen uns aber offensichtlich am geilsten, wenn die Alte Welt versucht, uns zu karikieren.
  3. Die Blogosphäre liest sich immer stärker und immer ausschließlicher selbst und macht sich selbst zu einem Teufelskreis, den andere antreiben. Wir schreiben viel zu viel ab und machen zu wenig frischen Content. Damit aber der Blogosphärenreaktor kritisch werden kann, reicht es nicht einfach, die vorhandene Masse einfach aufzuheizen, sondern es muss mehr Stoff von außen hinein. Ansonsten bleibt die Blogosphäre auch weiterhin nur ein sehr großer Kommentarbereich für SPIEGEL Online, Heise & Co. und tritt nur auf der Stelle.
  4. Wir beschäftigen uns viel zu sehr mit uns selbst, anstatt den Webbrowser aufzumachen und surfen zu gehen oder auch einfach mal aus der (echten) Haustüre zu treten und draußen zu fragen, wo der Schuh drückt. Selbst wenn es dann der eigene ist. Das ganze Gebilde lebt aber nicht davon, dass wir uns jeden Tag von neuem fragen, ob wir gut oder schlecht sind, sondern davon, dass wir etwas schreiben.
  5. Wir machen zu viel gleichzeitig und damit zu viel zu wenig. Du twitterst? Schön! Du twitterst, weil du sonst keine Zeit zu bloggen hast? Schlecht. Wenn jemand anstatt einem Blogartikel zehn Twitter-Tweets schreibt, dann ist das ein Verlust für die Blogosphäre und ein Sieg für das Belanglose und Flüchtige. Ich habe bis vor kurzem auch selbst noch gesagt, dass ich das twittere, was angeblich in mein Blog thematisch nicht hineinpassen würde, genau das ist aber einer der Kardinalfehler.
  6. Wir verlinken in der Blogosphäre viel zu wenig und viel zu sorgenvoll. Das ist ein großer Fehler, denn erst die Vernetzung via Links bringt Leser zu anderen Meinungen und andere Blogs in die Diskussion. So lange wir dabei Angst haben, dass uns dabei die eigenen Leser weglaufen (was definitiv nicht stimmt), wird der Blogosphärenreaktor niemals aus eigener Kraft laufen.

Wir Blogger haben eigentlich einen gewaltigen Berg an Arbeit vor uns, wenn wir den Graswurzeljournalismus tatsächlich einmal zu einer festen Größe werden lassen und nicht zu einer Randnotiz des Informationszeitalters verkümmern wollen. Und ich sehe nicht, dass die derzeitigen Web-2.0-Huldigungsveranstaltungen dazu sonderlich viel beitragen.

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Wer will eigentlich das bedingungslose Grundeinkommen?

16. Februar 2009 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ja, das frage ich mich derzeit gerade. Will es der Bürger? Oder will es ein Lobbyverband? Oder wollen es eher Teile von Web-2.0-Sphären, die mit diversen Online-Petitionen, Twitter-Spam (ja, Spam) davon träumen, mal eben geschwind’ die Obama-Nummer hier durchzuziehen? Zumindest letzteres erreicht nämlich derzeit eher schrille Ausmaße.

Grundsätzlich: Verstärkt den Konsum zu besteuern und eher weniger die Arbeitsleistung, ist generell keine dumme Sache, zweifellos. Es ist auf den ersten Blick nicht wirklich sinnvoll, Arbeit immer weiter dadurch zu verteuern, um damit rein den Staat zu finanzieren, denn schließlich müssen alle konsumieren, während nicht alle arbeiten müssen/wollen/können. Und freilich hört es sich auch einfach toll an, wenn man praktisch keine Einkommensteuer mehr zahlen soll, sondern auch noch 1.500 Euro (eine Planzahl von vielen) bar vom Staat auf die Hand bekommt, erst mal für umme.

Die Probleme kommen allerdings mit dem zweiten Blick und davon sind genügend Aspekte schlicht Bindflüge erster Güte:

  • Die Idee des Grundeinkommens lebt davon, dass in noch stärkerem Maße Konsum stattfinden muss. Keiner weiß, was passiert, wenn dieser Konsum nicht stattfindet, was in einem sparwütigen Land wie Deutschland ein nicht wegzudiskutierendes Thema ist.
  • Es gibt bereits eine Konsumsteuer, die nennt sich Mehrwertsteuer und die ist mit 19 % schon nicht knapp genug. Sie ist zwar im Europavergleich relativ niedrig, allerdings gibt es auch nicht allzuviel Luft nach oben.
  • Niemand kann wirklich fundiert sagen, was für Auswirkungen ein Grundeinkommen auf den Arbeitsmarkt haben wird. Einerseits wird logischerweise Arbeit billiger, es steht auch der Ansatz im Raum, dass einfache und bisher schlechtbezahlte Arbeit schlicht besser bezahlt werden muss, damit sie getan wird, aber dadurch wird diese wiederum teurer und durch eine Konsumsteuer noch zusätzlich verteuert.
  • Das Grundeinkommen, besonders die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen, stellt den fundamentalen Ansatz, dass der Staat dann da ist, wenn er benötigt wird, komplett auf den Kopf. Ich möchte nicht, dass der Staat mir erst mal ohne Gegenleistung Geld überweist und ich das dann teuer wieder zurückgeben muss. Wohlgemerkt: Ich. Der Grenznahe, der Reiche, der Pfennigfuchser, der Online-Käufer, die werden das Geld ins Ausland tragen oder zum Schmuggler um die Ecke.

Über eine andere Sache muss man sich übrigens auch klar werden: Das Steuersystem ist immer so gerecht, wie es das Volk fordert. Selbstverständlich kann man ein Steuersystem radikal vereinfachen, das geht jedoch logischerweise auf Kosten von Ausnahmen. Und von Ausnahmen profitieren lange nicht nur Reiche, sondern vor allem die arbeitende Mittelschicht – man denke da nur an so liebgewonnene und aus verschiedenen Gründen nicht immer zeitgemäße Schlager wie die Pendlerpauschale, der Sparer-Pauschbetrag, die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage und viele andere gewachsene, wilde und doch eifrig genutzte Kuriositäten mehr. Mit halben Sachen ist ein Grundeinkommen nicht zu machen und ich bin mir nicht sicher, ob der harte Schnitt da auch gut in der Mittelschicht, die letztendlich auch weiterhin den Bärenanteil am Steueraufkommen zahlen wird, ankommt.

Eine andere Sache, die mich schwer stört, ist jedoch wieder eine Sicht in die Web-2.0-Welt und damit in die aktuellen Bewegungen in der Twitter-, Facebook- und Blogosphäre: Regierungsarbeit und Wahlkampf sind zwei grundverschiedene Dinge, auch wenn ersteres zunächt einmal letzteres bedingt. Man kann noch so hübsch im Wahlkampf die so genannte Bürgerdemokratie und die Graswurzelbewegung hochhalten – mit Regierungsarbeit hat das nur damit zu tun, dass man schön davon träumen kann.

Und machen wir uns mal bitte eine Sache nicht vor: Der Herr Obama ist sicherlich ein sympathischer Mensch, mit dem ich durchaus auch gern mal ein Bier trinken gehen würde, der sicherlich einige sehr erfrischende Thesen in petto hat und weit transparenter ans Werk geht, als sein amtsfrigider Vorgänger im Amt. In sein Tagesgeschäft und in seine oberste Gestaltungshohheit wird sich jedoch auch ein Herr Obama weder von seinen Twitter-Feed-Lesern, noch von Bloggern hereinreden lassen. Der große Diskurs und die große Enttäuschung ist in meinen Augen da nur eine Frage der Zeit.

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Wer schleichwirbt, stirbt.

10. Februar 2009 | 5 Kommentare | Veröffentlicht in BlogWelt

Nicht sofort und auch nur in seiner Existenz in meinem Feedreader, dafür jedoch nachhaltig. Und damit meine ich vor allem so Blogger, die sich dafür hergeben, für vergleichsweise harmlose Kinkerlitzchen von Euro knallharte Werbung a la Trigami & Co. in den Content zu schmuggeln.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe absolut nichts gegen Leute, die ihr Blog monetarisieren. Die wenigsten können davon wirklich leben, aber selbst wenn es nur dazu reicht, die Hosting-Kosten zu decken, ist es schon sinnvoll. Wer sein Hobby finanziert bekommt, macht es zumindest nicht falsch. Wer sein Hobby allerdings damit finanziert, in dem er neben seinem Hobby noch Meinungen anderer für Geld platziert, dann loost er.

So aktuell die an sich bisher recht kompetent wirkenden Jungs vom GoogleWatchBlog, die es doch heute tatsächlich geschafft haben, eine eh schon peinliche Mitarbeiterwerbeaktion der Bausparkasse Schwäbisch Hall als Trigami-Werbeaktion in den eigenen Content und damit in mindestens 23.630 Feedreader (laut dem Feedburner-Counter) zu blasen.

Und das muss man sich erst einmal im Nachlauf auf der Zunge zergehen lassen: Trigami-Werbung, die von der Idee her darauf basiert, wertvolle Textlinks in den Content von Blogs einzukaufen, um von deren Google-Linkjuice zu profitieren und das ausgerechnet auf einer Website, die fast ausschließlich über Google schreibt. Besser kann man sich vermutlich auf keine andere Weise Feinde schaffen.

Teuer verdiente Euro. Und nun zumindest bei mir auf der Abschußliste im Feedreader.

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Sind keine Nachrichten gute Nachrichten?

26. Dezember 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Es gibt ja in der Web-2.0-Welt durchaus die Verfechter der These, dass Blogging der Journalismus von morgen sei. Diese These beschäftigt mich innerlich mehr oder weniger schon seit Jahren und während ich ganz zu Anfang diese These komplett verneinte, zwischendurch dann schon mal das Gefühl hatte, dass an der These etwas sein könnte, hat sich meine Meinung in den letzten Monaten wieder gewandelt. Nicht, weil das Bloggen selbst nicht journalistischen Ansprüchen genügen würde (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil die meisten Blogger eben keine Journalisten sind.

Das beste Beispiel heute ist Rivva.de, das wunderbare Werkzeug von Frank Westphal, das einen Überblick über Schlagzeilen in der Blog- und Online-Welt liefert, in dem es dem Kommentierungs- und Verlinkungsgrad bewertet. Von der Idee her eine tolle Sache, allerdings in der Praxis ein Werkzeug, das schonungslos aufzeigt, dass in den Leitmedien der Blogosphäre Quantität vor Qualität steht. Ein gefühltes Drittel der Blogs, die in Rivva.de als Reaktionen auf einen Artikel erscheinen, erscheinen dort nur aus einem Grund: Weil die Autoren der betreffenden Blogs nichts anderes machen, als Reaktionen auf in Rivva.de erscheinende Artikel zu geben. Damit machen sie natürlich in erster Linie auf ihr Blog aufmerksam, ranken dafür aber die betreffenden Artikel in Rivva.de hoch. Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? Nun, wenn eben diese ganzen Trittbrettfahrer im Weihnachtsurlaub sind, läuft Rivva.de quasi leer. Und das tut es nämlich gerade.

Gibt es deshalb jetzt gar keine Nachrichten? Ein Blick auf die gängigen Nachrichten-Websites, die unter anderem über ein Ultimatum Israels gegen die Hamas schreiben, über Truppenverschiebungen pakistanischer Militärs an der pakistanisch-indischen Grenze, über den Vorschlag vom  Banken zum Verschieben von Risikopapieren an den Staat und über die Reaktionen zur Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an die britische Bevölkerung, spricht dabei eine andere Sprache.

Die viel besungene Schwarmintelligenz hat sicherlich seinen eigene Charme, dessen Wirkung in vielen Spezialfällen noch gar nicht wirklich erforscht sein dürfte. Wenn jedoch die Schwarmintelligenz das Problem hat, dass ein paar schlafende Schwarmteilnehmer dem gesamten Schwarm eine trügerische Ruhe unfreiwillig vorgaukeln können, dann haben wir ein Problem.

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