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Sind keine Nachrichten gute Nachrichten?

26. Dezember 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in WebZweiNullWelt

Es gibt ja in der Web-2.0-Welt durchaus die Verfechter der These, dass Blogging der Journalismus von morgen sei. Diese These beschäftigt mich innerlich mehr oder weniger schon seit Jahren und während ich ganz zu Anfang diese These komplett verneinte, zwischendurch dann schon mal das Gefühl hatte, dass an der These etwas sein könnte, hat sich meine Meinung in den letzten Monaten wieder gewandelt. Nicht, weil das Bloggen selbst nicht journalistischen Ansprüchen genügen würde (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil die meisten Blogger eben keine Journalisten sind.

Das beste Beispiel heute ist Rivva.de, das wunderbare Werkzeug von Frank Westphal, das einen Überblick über Schlagzeilen in der Blog- und Online-Welt liefert, in dem es dem Kommentierungs- und Verlinkungsgrad bewertet. Von der Idee her eine tolle Sache, allerdings in der Praxis ein Werkzeug, das schonungslos aufzeigt, dass in den Leitmedien der Blogosphäre Quantität vor Qualität steht. Ein gefühltes Drittel der Blogs, die in Rivva.de als Reaktionen auf einen Artikel erscheinen, erscheinen dort nur aus einem Grund: Weil die Autoren der betreffenden Blogs nichts anderes machen, als Reaktionen auf in Rivva.de erscheinende Artikel zu geben. Damit machen sie natürlich in erster Linie auf ihr Blog aufmerksam, ranken dafür aber die betreffenden Artikel in Rivva.de hoch. Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? Nun, wenn eben diese ganzen Trittbrettfahrer im Weihnachtsurlaub sind, läuft Rivva.de quasi leer. Und das tut es nämlich gerade.

Gibt es deshalb jetzt gar keine Nachrichten? Ein Blick auf die gängigen Nachrichten-Websites, die unter anderem über ein Ultimatum Israels gegen die Hamas schreiben, über Truppenverschiebungen pakistanischer Militärs an der pakistanisch-indischen Grenze, über den Vorschlag vom  Banken zum Verschieben von Risikopapieren an den Staat und über die Reaktionen zur Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an die britische Bevölkerung, spricht dabei eine andere Sprache.

Die viel besungene Schwarmintelligenz hat sicherlich seinen eigene Charme, dessen Wirkung in vielen Spezialfällen noch gar nicht wirklich erforscht sein dürfte. Wenn jedoch die Schwarmintelligenz das Problem hat, dass ein paar schlafende Schwarmteilnehmer dem gesamten Schwarm eine trügerische Ruhe unfreiwillig vorgaukeln können, dann haben wir ein Problem.

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Wie tot eigentlich wirklich tot ist.

23. Oktober 2008 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Alle paar Monate wabert es durch die Blogosphäre: Blogs seien tot. Beim letzten Mal vielleicht noch nicht so ganz richtig, aber jetzt auf jeden fall echt. Richtig tot. Kein Hype mehr. Seltsamerweise kommen solche Feststellungen immer wieder gern von Marketingleuten, die versuchen, den Web-2.0-Hype zu fassen.

Was bitteschön ist denn eine Sphäre? Eine Sphäre ist in erster Linie erst einmal eine Bezeichnung für einen Raum, der aus vielen einzelnen, höchst unterschiedlichen und komplexen Ebenen bestehen kann, die auch gern alle einen eigenen Mikrokosmos bilden und die im Vergleich zu den anderen Ebenen höchst unterschiedlich sein können. Nicht ohne Grund ist der Begriff “Sphäre” deshalb passend für die uns umgebende Atmosphäre, von der viele glauben, dass sie erst 5/50/500/5000 Meter über unsere Köpfen beginnt, aber in Wirklichkeit die Gashülle um einen Himmelskörper bezeichnet und die fängt eben nun mal direkt über dem Boden an.

Und genau hier sind wir schon beim Problem, wenn wir definieren wollen, was eigentlich die Blogosphäre ist. Und hier sind wir auch schon beim nächsten Problem, ab wann denn die Blogosphäre als tot gilt. Sterben kann eine Sphäre nämlich eher weniger, sie kann unwirtlicher für eine bestimmte Art von Lebewesen werden oder auch kleiner. Sie kann auch, wenn der “Drive” des Himmelskörper fehlt, auch ganz entschwinden. Und sie kann, um das alles noch viel komplizierter zu machen, auch in Bereichen schwer geschädigt sein, während sie an anderen Stellen funktioniert wie blöde.

Das, was sich im Zusammenhang mit Blogs vielleicht so langsam dem Ende zuneigt, ist der Hype. Der definiert sich dadurch, dass zu einer bestimmten Zeit viele Menschen glauben, es sei einfach “modern”, sich ein hippes Ding zuzulegen, ohne Rücksicht darauf, ob es Sinn macht, gut ausschaut, draußen ankommt. Es ist einfach ein Hype, es ist hipp, am Hype teilzunehmen - und ebenso ist es irgendwann nicht mehr hipp und dann verwelken diejenigen, die am Hype nur des Hypes wegen teilgenommen haben. Kommt vor.

Bloggen ist ähnlich wie Autofahren. Es erfüllt keinen Hype, sondern dient Grundbedürftnissen: Autos unterstützen die Fortbewegung, Bloggen unterstützt die Kommunikation und persönliche Entfaltung. Niemand käme auf die Idee, zu sagen, Autofahren wäre tot, auch wenn es durchaus mal eine Zeit gab, in denen Autofahren mal hipp war. Hatte eben noch nicht jeder, brauchte man auch nicht unbedingt, hätte man aber gern.

Die Betrachtungsweise, Herrschaften, lässt sehr viel darüber hinausblicken, wie es da draußen wirklich ist und wie es vor allem eben nicht wirklich ist. In meinem Feedreader finden sich in den 80 Feeds, die ich abonniert habe, pro Jahr durchschnittlich10 bis 20 % Feeds von Publikationen, die irgendwann gestorben sind. Könnte ich sofort anfangen, herumzujammern. Tue ich aber nicht, weil pro Jahr etwa 20 bis 30 % neuer Feeds hinzukommen und die werden zu einem nicht kleinen Teil auch von denen erstellt, die noch im Vorjahr ein Blog aufgegeben haben.

Das sieht dann natürlich gern keiner, wenn er die ewige Mär von der ach so sterbenden Blogosphäre singt. Aber inzwischen wird auch Robert ziemlich pampig, wenn er die Schlagersänger singen hört. ;-)

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