Ein Monat Non-Bloggen.

Spannend – ich habe es doch tatsächlich geschafft, den gesamten April hier nicht zu bloggen. Während einige Leser möglicherweise glauben, das wäre das Ende dieses Weblogs – pardon, nein. Mir fehlt derzeit einfach die Zeit, da ich „nebenher“ Geld verdienen und Verträge erfüllen muss. Vielleicht ist ein größerer Round-Up der beste Wiedereinstieg:

Das Geschäft.

Ich bin auch weiterhin selbstständig tätig und das inzwischen auch so, wie ich mir das finanziell einst vorgestellt habe. Von meinem ehemaligen Compagnion und unseren bis dato gemeinsamen Engagements habe ich mich bereits Ende letzten Jahres offiziell getrennt. Die Gründe sind mehrschichtig und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Nun also eben wieder auf eigene Rechnung, was insofern eine gute Entscheidung ist, weil es meinen Kopf von einigen unnützen Dingen freimacht.

In Sachen Projekte kann ich mich derzeit nicht beklagen. Neben meinem Autohaus-Hauptkunden gibt es eine Reihe von kleineren Projekten in Sachen Web und auch EDV-Dienstleistungen und es sind auch ein paar Projekte in der näheren Pipeline, die mich ganz hoffnungsfroh stimmen.

Und ja, ich müsste endlich auch mal eine richtige Website für meinen Laden aufsetzen. Irgendwie kommt man dazu immer am allerwenigsten.

eBolide.

Mein kleines Elektromobilitätsblog existiert auch, allerdings zur Zeit auch auf Sparflamme. Das liegt auch hier leider an der fehlenden Zeit für das Schreiben und Recherchieren von Artikeln, aber leider auch an fehlenden News. Es gibt vermutlich nur sehr wenige Themenfelder wie die Elektromobilität, die zwar sehr große Zukunftsperspektiven haben, aber die meisten Autohersteller einfach nichts öffentlichkeitswirksames tun. Bisweilen arbeite ich daher hier eher gelegentlich, lasse mal Google & Konsorten das Blog ordentlich einordnen und schreibe an einigen technischen Themen weiter.

Blogthemen hier.

Auch da gibt es eine ganze Latte von Themen, die ich mal anfassen müsste. Das liegt vor allem daran, dass ich meine inzwischen ziemlich wild gewordene ToDo-Sammlung auf Basis von Google Tasks dringend aufräumen und vor allem sortieren müsste. Da liegen einige Juwelen herum, die mal gehoben werden müssen oder auch für andere Zielorte gedacht waren. Eine Reihe von Themen zum Thema Corporate Social Media beispielsweise liegen da schon seit einigen Monaten auf Halde. 😮

Gadgets.

Zum Thema elektronischem Kleinzeug kann ich derzeit nicht sonderlich viel beitragen – ich kaufe schlicht und einfach nix. Die letzte größere Anschaffung war vor drei Monaten eine AVM Fritzbox 7490, die mich allerdings nicht sonderlich begeistert, zumindest nicht aus der Sicht meiner guten, alten Fritzbox 7270. Die WLAN-Performance der neuen Box ist leider sehr bescheiden, außerdem ärgere ich mich zur Zeit mit einem Satz AVM-Powerline-Adaptern herum, die mehr schlecht als recht funktionieren, trotz an sich guter Voraussetzungen im Home-Netzwerk.

Ach doch, ich habe mir einen Google Chromecast gekauft (lässige Hardware zum schmalen Preis) und einen – Tamagotchi der Serie 4, inzwischen auch schon zehn Jahre alt, aber immerhin originalverpackt. Sozusagen etwas Vintage-Elektronik. 🙂

10 Jahre Bloggen.

Exakt vor zehn Jahren, am 28. März 2004 um 14 Uhr 21, begann der „erste Zyklus“ meiner Blogger-Existenz, damals mit dem „BesimBlog“. Das war damals noch nicht so leuchtend rot, sondern weiß und grau und anfangs ziemlich sinnfrei. Am Ende im Sommer 2007 übrigens weitgehend auch.

Viel übriggeblieben ist davon im Web nicht mehr, das halbwegs beste davon ist rechts im eBook eingegangen. Immerhin existieren aber noch zwei XML-Dateien, nämlich mit den Inhalten und mit den Kommentaren dazu. Die wenigen Bilder und Fotos allerdings sind alle ersatzlos verlorengegangen. Keine Ahnung, warum ich die nicht archiviert habe.

Nach dem BesimBlog startete dieses Blog hier und das ist damit schon deutlich länger am Leben und hat mit knapp 2.000 Artikeln auch schon mehr Artikel auf dem Buckel. Die sind auch zum großen Teil halbwegs seriöser als der Quark aus dem ersten Zyklus, also sei’s drum – das BesimBlog kommt so nicht wieder, jedenfalls nicht in der vollen Packung. 🙂

Versicherungen und Bloggen? – !!!

Hubert Mayer, den ich vom BarCamp Stuttgart kenne, arbeitet bei einer kleinen Versicherung und bloggt angenehm offen die Frage, wie Versicherungen am ehesten das Thema Social Media anpacken sollen und ob sie vielleicht sogar bloggen sollen. Sehr interessant dabei finde ich, dass er diese Fragestellung aus der Intention heraus stellt, dass offenbar im Unternehmen selbst diese Fragestellung an die Abteilungen gerichtet wurde und um Feedback gebeten wird. Da hat eine Unternehmensleitung den Begriff „Social Media“ schon mal so gut verstanden, dass sie weiß, dass die ureigene Bewegung von Social Media „von unten“ kommt.

Wer mich kennt, weiß, dass ich auf Fragen mitunter recht trocken antworten kann. Stellt mir ein Unternehmen bzw. ein Unternehmensvertreter die Frage, ob denn ein Corporate Blog für sein Unternehmen Sinn machen würde, antworte ich da sinngemäß: „Gegenfrage: Warum würde es denn Ihrer Meinung nach keinen Sinn machen?“ So eine Frage ist dann erklärungsbedürftig, denn ich will damit niemanden scharf in seiner Frage abwerten, sondern es ist eine ernstgemeinte Frage. Du, lieber Unternehmer, hast offenbar schon entdeckt, dass man mit einem Weblog etwas anstellen kann, was mit anderen Werkzeugen schwieriger und teurer ist. Warum wartest du noch? Lass‘ uns losgehen, dir ein Weblog bauen und mit der Redaktionsarbeit starten!

Darum auch in der Überschrift dieses Artikels die drei Ausrufezeichen nach der Frage als Antwort. Machen! Wer schon darüber nachdenkt, ob er vielleicht seinen Kunden mehr über sich erzählen möchte, ist schon mittendrin.

Die ersten Antworten auf Huberts Frage gehen schon schwer in die richtige Richtung und das nicht nur deshalb, weil viele dieser Antworten als Kommentare in anderen Blogs daherkommen. Und auch meine grundsätzliche Intention, warum eine Versicherung bloggen sollte, ist die, dass ein Unternehmen, dass mit Menschen zu tun hat und Dienste leistet, eben mehr machen muss, als nur vor einem Verkauf eines Produktes dafür zu werben. Das zentrale Paradigma, dass nicht der See die Antwort darauf sein kann, was Wasser machen kann, sondern der Fluss die richtige Antwort ist, passt hier wie Deckel auf Kochtopf. Mit kaum einer anderen Dienstleistung haben alle Menschen in diesem Land mehr zu tun, als mit Versicherungen und gerade mit Versicherungsdienstleistungen und Versicherungen selbst fühlen sich die meisten Menschen nicht sehr wohl.

Was meines Erachtens seine Versicherung sehr für ein Weblog prädestiniert, ist eine Spezialität dieser Versicherung, die ihre Arbeitsweise unglaublich spannend macht. Sie ist nämlich eine „Versicherung a.G.“. Also keine Aktiengesellschaft, sondern eine Versicherung auf Gegenseitigkeit. So eine Versicherung legt ihre Arbeit also tatsächlich dem Umstand zu Grunde, dass sie mit dem Versicherungsnehmer vereinbart, Geld dafür zu nehmen, um ihm im Ernstfall vereinbarungsgemäß zu helfen. Unmittelbar. Und ohne Aktionäre, die zwischen diesen beiden Parteien stehen und eine dritte Gewalt in einem Unternehmen darstellen, die man am allerwenigsten in einem Versicherungskonzern haben will.

Auch das Unternehmen, bei der ich eine hoffentlich nie eintretende Berufsunfähigkeit versichert habe, macht dies auf Gegenseitigkeit, betreibt kein Callcenter und ich habe zwecks Änderung der Kontoverbindungen einst dort mal angerufen und wurde vom Pförtner (!) direkt zu einer Mitarbeiterin in der Buchhaltung, tiefster bayerischer Dialekt, weitergeleitet, die auf jeden Papierkram verzichtete. Weil sie, so sagte sie, ihren Kunden glaubt und die einfache Syntaxprüfung des Buchhaltungssystems, das sie während des Telefonates mit meinen neuen Kontodaten fütterte, ihr als banktechnischer Nachweis genügt. Auf Gegenseitigkeit, direkt erlebbar. Ironie der Geschichte war, dass ich danach erst in der Wikipedia fand, wie auf diese Weise Versicherungen einst landläufig mit echtem Vertrauen umgegangen sind. 450 Mitarbeiter, 20 Milliarden Euro Versicherungssumme. Auf Gegenseitigkeit basierende Vereinbarungen können erfolgreich sein, auch und vielleicht gerade heute.

Gegenseitigkeit, Vertrauen, Vereinbarung, Commitment…. rund um diese Begriffe, rund um das Thema Versichern, rund um das Thema, was ihr da eigentlich in euren Versicherungszentralen macht – mir würden hunderte Themen und Fragen einfallen, die ich da gern stellen würde.

Wie Online-Bilderalben verbinden.

Während der Arbeit für das Gerstelblog, das Weblog des Autohaus Gerstel, fallen immer wieder Fotos an. Ein inzwischen gut eingespielter Workflow sorgt dafür, dass wir immer Zugriff auf einen großen Pool an Fotos haben. Neben Fotos, die im Rahmen vom Tagesgeschäft entstehen, sind vor allem Symbolfotos von Modellreihen wichtig. Die braucht man immer wieder und tatsächlich kommen immer wieder einmal ältere Opel-Modelle und richtige Oldtimer auf den Autohaushof und da ist das Fotos-davon-machen buchstäblich naheliegend.

Tatsächlich nur ein Bruchteil der inzwischen 1.200 Fotos landen später tatsächlich einmal im Weblog des Autohauses. Die Bilder vom Tagesgeschäft sind kaum anderweitig zu gebrauchen, bei den Fotos von Oldtimern habe ich jedoch irgendwann einmal angefangen, die in meinem eigenen flickr-Account „drittzuverwerten“, also einfach mit der entsprechenden Modellbezeichnung hochzuladen. Das führte schon nach kurzer Zeit dazu, dass diese Bilder jenseits des Weblogs ein echtes Eigenleben entwickelten. Viele Nutzer suchen offensichtlich genau solche Bilder.

Eine Einladung in die Opel-Bildergruppe auf flickr ließ dann auch nicht lange auf sich warten und das ist dann tatsächlich eine ganz dankbare Truppe, die komplett verstreut auf dem ganzen Globus sitzt und ein inzwischen riesiges Bilderalbum von fast 9.000 Fotos pflegt. In dieser Phalanx entstehen Gespräche, Mails, Diskussionen in anderen Foren und sogar richtige „Bestellungen“. Bei den Fotos zum Opel Kapitän, Baujahr 1956, kommen immer wieder einmal Anfragen mit der Bitte um Fotos von ganz bestimmten Blickwinkeln, weil hier und da ein Bastler etwas an seinem Kapitän reparieren muss und ein Foto vom Originalzustand gut wäre.

Es entsteht also nicht unbedingt nur mit einer „schriftlichen“ Kommunikation, lustig wackelnden Videos oder Podcasts eine gut funktionierende Kommunikationsebene, sondern auch mit so einfachen Dingen wie Fotos, wenn sie auf einer funktionierenden Fotoplattform stehen und dort eine passende Themengruppe existiert. Und dass das Autohaus noch nicht einmal so richtig viel zu tun hat mit dem Bildererstellen und ich (noch) die Bilder über meinen eigenen flickr-Account ins Web einspeise, zeigt einen weiteren, kleinen, aber hochinteressanten Aspekt, über den wir gar nicht diskutieren: Bildung von weitgehend automatisiert erzeugten und „sprachlosen“ Informationsräumen, die jedoch an Authentizität einem Weblog in nichts nachstehen und völlig losgelöst vom zeitlichen und quantitativen Faktor ihre „Empfänger“ finden.

Wenn politische Laiendiskussion auf Realität trifft.

Anno 2007 hat die SPD mit der Gründung eines eigenen Social Networks namens „meineSPD.net“ einst echtes Neuland betreten. Jeder politisch Interessierte, ob nun SPD-Mitglied oder nicht, konnte sich dort anmelden und mitdiskutieren. Dazu gab es dann die volle Palette an Diskussionsmöglichkeiten mit, Gruppen, Foren und sogar einem eigenen Blog, das jedes Mitglied führen konnte, wenn er das wollte. Gar nicht so schlecht für eine Partei, denn das erste Mal wollte man sich mit dem Thema Internet offenkundig zuerst beschäftigen und dann darüber reden, was für Web-2.0-Ansätze ein guter Ansatz ist. Die Trennung zwischen „SPD.de“ und „meineSPD.net“ war auch gar nicht so schlecht, um allein schon durch die Adresse deutlich zu machen, dass unter der einen Adresse die Partei offiziell haust und unter der anderen Adresse quasi die „Parteiwerkstatt“.

Auf welchen Trichter dann jemand gekommen ist, „meineSPD.net“ mit „spd.de“ zu verheiraten, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Ob man vielleicht einfach frischen Content auf „spd.de“ haben wollte, vielleicht die „meineSPD.net“-Benutzer daran erinnern wollte, dass es auch noch „spd.de“ gibt… keine Ahnung. Jedenfalls ist ab diesem Sommer alles anders, „meineSPD.net“ in der Form nicht mehr existent und einiges aus dem Social-Media-Vermächtnis nun unter „spd.de“ eingebaut. Hätte vielleicht auch ein spannendes Experiment abgegeben, heute aber zeigt sich sehr schön, wie es zu einem 1a-Rohrkrepierer verkommt.

Hauptdarsteller ist hierbei ein Blog-Artikel eines Benutzers namens „Herr Keuner“, 61 Jahre alt, SPD-Mitglied und sehr offensichtlich ein Mensch, der von Netzpolitik herzlich wenig Ahnung hat. In seinem Blog-Artikel mit der bezeichnenden Überschrift „IPv6 – Eine Gefahr mit größerem Schadenspotential als die Entdeckung der Kernspaltung“ hat er sich dem brutalstmöglich gefährlichen Thema IPv6 und der angeblich damit gefährdeten Privacy verschrieben. Die SPD müsse unbedingt Gesetzesinitiativen an den Tag legen, um Hersteller davon abzuhalten „herstellerseitig eine feste IPv6-Adresse in Gerätschaften zu implementieren“.

Das ist natürlich alles hanebüchener Quatsch, den der Herr Keuner da vornehmlich aus einem ebenso käsigen Fernsehbeitrag aus den ZDF-heute-Nachrichten dahergezogen hat. Quatsch ist aber leider nicht, dass der Blog-Artikel jetzt im Internet steht. Und zwar auf der Website der SPD. Und dort nirgendwo in der Nähe steht, dass es sich bei dem Blog-Artikel um einen Blog-Artikel eines Nicht-Offiziellen handelt und der Inhalt keine Parteilinie darstellt. Und mein kleiner Kommentar, der zumindest einige technische Dinge zu geradebiegen versucht, steckt in der Kommentarmoderation. Dumm gelaufen.

Und so nimmt der Artikel, der immerhin schon seit fast zwei Monaten auf der Website vor sich hinschimmelt, plötzlich den Lauf, wie es ein Shitstorm eben tut. Einer twittert den Link zu dem Quatsch, der nächste retweetet es, es landet bei Facebook und plötzlich hat der Artikel 100 + x Facebook-Likes. In einschlägigen Foren fragt man sich, was denn die SPD da für ganz neuen, netzpolitischen Käse aufquellen hat lassen, Fefe lässt diese Steilvorlage auch nicht vorüberziehen und die netzpolitischen Organe greifen es süffisant – zu Recht – auf, so wie netzpolitik.org. Eine Pressemitteilung der Piratenpartei zu dieser angeblichen Forderung der SPD, die ja eigentlich gar keine wirkliche ist, ist vermutlich schon in der Mache.

Gut, könnte man sagen, den Shitstorm nimmt man sportlich. Aber so wie ich die Partei kenne, landet so eine Geschichte bei denen Leuten, die das Internet grundsätzlich für eine schmutzige Vorhölle halten, ganz anders. Und so Leute gibt es in der SPD auch, so dass ein eigentlich kleiner, handwerklicher Fehler mit einem fehlenden Hinweis darauf, dass Blog-Artikel nicht unbedingt die Meinung der SPD wiedergeben, höchstwahrscheinlich dazu führt, dass das Thema Mitgliederpartizipation auf Social-Media-Ebene in der SPD ein noch geringeres Standing bekommen wird, als es offenkundig schon hatte.

Schade drum, aber leider symptomatisch.

Braucht es einen Blogger-Verband?

Kurzum: Ja, den braucht es. Und zwar deshalb, weil Blogger am ehesten das vertreten, was wir als Möglichkeit zur Äußerung der freien Meinung verstehen und weil wir dringend dafür sorgen müssen, Bloggen auch „greifbar“ zu machen für Leute, die gar kein Interesse daran haben, Blogs als eigene Kommunikationsform anzusehen. Es geht nicht um das „wollen, um zu dürfen“, sondern um das „müssen, um zu bleiben“.

Kann Egomanie ein Hinderungsgrund für eine Interessensvertretung sein?

Auch hier kurz eingeleitet: Kann, muss aber nicht. Egomanie taucht da auf, wo Menschen ohne viel Hintergrund Angst davor haben, dass andere Menschen das bemerken könnten. Jede Interessensvertretung lebt davon, dass es Menschen gibt, die mehr oder weniger Input hineinstecken und in diametraler Menge davon profitieren – man steckt entweder mehr hinein und bekommt weniger heraus oder man steckt weniger hinein und bekommt mehr heraus. Niemals gibt es einen Gleichstand. Und genau deswegen will man eine Interessensvertretung.

Häufig wird die Idee eines Blogger-Verbandes mit der Idee einer Gewerkschaft oder einer Konstruktion wie eines Verbandes wie dem Deutschen Journalistenverband o.ä. verglichen. Sicherlich, da gibt es ein paar Ähnlichkeiten von der Idee her, allerdings einen sehr großen Unterschied: Es geht bei einem Blogger-Verband bei den allermeisten potentiellen Interessenten nicht um Geld, weil für die meisten Blogger schlicht keines zu erwirtschaften ist. So lange Bloggen nicht auch breitenwirksam Einkommen von vierstelligen Größen ermöglicht, ist das Thema Monetarisierung ein eher homöopathisches für die meisten Blogger.

Das Geld kann es also nicht sein, also muss es der Idealismus tun. Der Idealismus, gemeinsam für eine Sache zu kämpfen, sei es eine Technologie, eine Dienstleistung, eine Vorgehensweise oder schlicht ein Lifestyle. Das Bloggen ist von allem etwas und die größte Kunst wird es sein, auch für die kleinen Blogger eine adäquate Interessensvertretung darzustellen, die vielleicht nur ein Hobbyblog schreiben, möglicherweise frei von jeglichem Monetarisierungsversuch und auch frei von jedem Sinn und Zweck. Aber nur so ein Ansatz würde einen Blogger-Verband davor bewahren, ein Eliteverein zu werden. Denn genau das darf es nicht werden, will man den Urbegrifflichkeiten des Web 2.0 nicht untreu werden. Auch virtuelle Gemeindeblättchen haben ihren Raum in den Weiten des Webs.

Sicherlich kann ich es mir jederzeit erlauben, gewisse Personen in der so genannten Blogosphäre besonders gut und auch besonders nicht gut zu leiden. Das darf aber nicht der Grund sein, einer Interessensvertretung nicht beitreten zu können, denn im Idealfall muss eine Interessensvertretung Meinungen vertreten und nicht die Namen von bestimmten Personen.

Und die „Digitale Gesellschaft„?

Eine Totgeburt, leider. Weil das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Eigentlich will man einen Lobbyverband, weil das augenscheinlich mal jemandem gesagt wurde, dass man so etwas braucht. Eigentlich will man auch einen Verein, weil wieder andere gesagt haben, dass so etwas Sinn machen könnte. Andere wollen eine Interessensvertretung, weil das vielleicht auch irgendjemand mal erwähnt hat. Und eigentlich… ja, eigentlich. Eigentlich ist genau „eigentlich“ das Problem dabei.

Eine Interessensvertretung funktioniert so, dass es Menschen geben muss, die eine bestimmte Sache gut oder schlecht finden und sich dafür einsetzen möchten. Die Interessensvertretung übernimmt dafür eine Art Trichterfunktion, um das Meinungsbild der Personen, die an der Interessensvertretung partizipieren möchten, meinungsgerecht aufzubereiten und an die richtigen Stellen zu leiten. Das Wort „Partizipation“ ist dabei ein sehr wichtiges, denn man kann zwar auf Meinung eines Souveräns verzichten, wenn man abgebrüht genug ist, aber man braucht zwingend die „User-Basis“ des Souveräns, um überhaupt erst einmal so etwas wie eine Interessensvertretung darzustellen. Eine Interessensvertretung entsteht per se nicht dadurch, dass sich Schwergewichte zusammentun und ihre Kompetenz daraus ableiten, dass sie die lautesten sein wollen.

Demzufolge ist der Start der „Digitalen Gesellschaft“ eine Nullnummer. Einen Verband gründen ohne inhaltliche Diskussion und die Frage nach einem Eintritt als stimmberechtigtes Mitglied dadurch zu beantworten, dass das erst einmal nicht vorgesehen ist, weil man zuerst die Strukturen aufbauen möchte, ist völlig inakzeptabel und zerstört Porzellan, dass noch gar nicht richtig geformt ist. Und noch viel schlimmer ist eine andere Gesetzmäßigkeit: Wer einen Verband nach Gutsherrenart aufbauen will, hat quasi keine Chance mehr, argumentativ einzulenken. Selbst wenn die jetzige Führung sich besinnen würde und vereinsmäßige Strukturen haben wollte – es nimmt ihnen keiner mehr ab. Death on arrival. Ich kann mich nicht in einer Interessensvertretung wiederfinden, die von den Machern eigentlich mal so konzipiert war, dass man mich eigentlich gar nicht wollte. So einen Opportunismus kann man sich nicht leisten, wenn man eben keinen millionenschweren Etat hat, das von einer PR-Agentur wieder geraderichten zu lassen und man kein Interesse daran hat, Vertrauen in der Gesellschaft zu bewahren.

Sprich: Nächster Versuch, bitte. Nicht im Vorfeld einer re-publica, nicht von einer Truppe, die Lobbyarbeit vor partizipativer Meinungsbildung ansiedelt und bitte von Leuten, die sich nicht ganz so wichtig nehmen, wie notwendig.

Neue Welten für Autoren.

Die Idee der Selbstvermarktung in einem Weblog, die Dirk Steffens als Fernsehmann so vortrefflich tut, kann man auch in andere Bereiche weiterführen – wenn man es will. Ein weiteres, gutes Beispiel ist meine Science-Fiction-Neuentdeckung John Scalzi. Bezeichnen wir John Scalzi durchaus mal als einen Autor der neueren Generation, der das Internet nicht einfach nur als urheberrechtsverstoßfördernden Moloch, sondern als Marketingplattform. Genau das tut John Scalzi mit seinem bezeichnenden Blog „Whatever“ auf hochinteressante Weise.

John Scalzi macht nämlich das, was er als Buchautor eben gut kann – schreiben. Er bloggt erstaunlich viel, in der Regel mindestens einen Artikel am Tag, oft auch mehr. Und dabei nimmt er seine Leser mit. Er schreibt von zu Hause, hat eine Katze, die er mit unvermeidlichem „Catcontent“ regelmäßig im Blog verewigt, lässt seine Leser in seine Gedankenwelt, rezensiert regelmäßig andere Bücher. Und so weiter. Unwiderstehlich gut. Wer in seinem Blog mitliest, erlebt richtiggehend, wie gewaltige Gedankengänge durch diesen Menschen gehen und ein Buch entsteht. Der Kauf ist dann am Ende nur noch eine Formsache.

Und genau das ist der Punkt. Der Kauf des Buches, mit dem Scalzi am Ende wirklich Geld verdient, ist für den regelmäßigen Blog-Leser nicht einfach nur ein Vorgang, um nun ein Buch zu lesen, sondern der Kauf ist ein Höhepunkt in dem ständig fließenden Prozess, am Leben und an der Arbeit eines Autoren teilzunehmen. Eine ganz andere Kundenbindung macht sich hier breit, die es in dieser Form so noch nicht gegeben hat.

Und noch ein interessanter Ansatz, der beim Bloggen quasi ein „Abfallprodukt“ ist: Viele Science-Fiction-Autoren sind zu ihrer Leidenschaft des Schreibens und zu ihren Geschichten durch andere Autoren bzw. deren Geschichten gekommen. Die überwiegende Zahl davon sind Hobbyprojekte, die einfach nicht “fertig” sind, aber teilweise hocherstaunliche Geschichten beinhalten. Am ehesten findet man solche Geschichten im Rahmen von Fanprojekten von Science-Fiction-Fernsehserien etc. Was es beispielsweise da im Star-Trek-Universum an alternativen Geschichten gibt, schlägt alle “echten” Geschichten um einiges.

Als Autor (gerade als Science-Fiction-Autor) ist der Weg zum Dialog per Weblog quasi vorgegossen und muss nur noch aktiviert werden. Die Artikel, in denen Scalzi über Themen und Thesen philosophiert, sind die Artikel mit den meisten Kommentaren. Seine Leser und seine Kunden.

Wie man als Fernsehmensch bloggen kann: Dirk Steffens.

Ich muss zugeben, dass mir der Name Dirk Steffens erst vor einigen Monaten geläufig wurde, als der begnadete Dokumentar- und Tierfilmer im ZDF bei der altehrwürdigen Reihe „Terra-X“ landete und dort die Serie „Faszination Erde“ moderiert, immerhin in der Nachfolge des unanfechtbaren Gott aller Wissenschaftsjournalisten, Joachim Bublath. Für Wissenschaftsjournalisten dürfte „Terra-X“ und überhaupt die Wissenssendungen in ARD & ZDF zum Olymp gehören, den man als Wissenschaftsjournalist so erreichen kann. Ist man da oben, muss man oben bleiben, denn es geht nur noch herunter.

Das ist von Dirk Steffens eher nicht zu erwarten. Und, ich bin des Lobes in Sachen Fernsehen: Es wäre schade, würde Dirk Steffens irgendwann einmal die Lust an seinem Job verlieren, denn er ist zweifelsohne das, was man als nächste Generation der Tier- und Dokumentarfilmer bezeichnen kann. Frische Moderation von tatsächlich erst kürzlich aufgezeichneten Folgen (im Durchschnitt keine sechs bis acht Wochen alt), fachlich auf hohem Niveau, angenehm und verständlich moderiert und garniert mit feinem Witz und Selbstironie. Wie zollt Steffens beispielsweise Respekt gegenüber Ureinwohnern Afrikas, die stundenlang im mäßigen Jogging-Schritt auf die Jagd gehen? Er läuft als Marathonläufer bin und versagt „schon“ nach zwei Stunden, völlig durchgeschwitzt, in der Mittagssonne Afrikas. „Und die Jungs schnaufen noch nicht mal!“ Ein Heinz Sielmann, Joachim Bublath und wie sie alle auch heißen, wären nie auf die Idee gekommen, das gestärkte Hemd gegen ein Trikot auszutauschen und das Leiden für den Zuschauer auch mal begreifbar zu machen.

Dirk Steffens ist demnach also einer, der mit dem Medium Fernsehen vortrefflich experimentieren kann – einem Grundauftrag eines jeden Fernsehschaffenden. Und er hat auch begriffen, dass man zur Dokumentation dieser Arbeit nichts besseres haben kann, wie ein Weblog. Seine Domain, auf die ich nur gegangen bin, weil ich neugierig war, wie die Homepage des Honorarkonsuls des Königsreiches Palau in Deutschland, das er auch noch ist, aussehen könnte, führt auf ein Weblog bei Blogger.com.

Und das ist genau so, wie man sich einen Dirk Steffens als Weltenbummler und Globetrotter vorstellt. Heute hier, morgen da, ein Fallbeispiel für ein echtes Reiseblog, schön bebildert und ausgestattet mit Tatsachenberichten, beispielsweise einem Unfall, bei dem er einen Lavabrocken (kalt) ins Gesicht bekommen hat. Selbst solche Sachen kann man mit feiner Ironie nachbearbeiten und aus einer Person eine unverwechselbare Marke schaffen. Mit einem einfachen Weblog und einer gehörigen Portion Enthusiasmus. Kurzum: Ich bin nahe dran, zu sagen: Perfekt.

Dass es das ZDF immer noch nicht geschafft hat, eine eigene, regelmäßig bestückte Blog-Plattform unter eigener Adresse zu schaffen, ist genau bei so einer hochproduktiv arbeitenden Person wie Dirk Steffens äußerst schade und vergeudetes Potential. Hey, ihr Mainzelmänner und -frauen – das ist die Zukunft!

Experiment: Ein bebildertes Tagebuch.

Zu meiner Praktikumszeit anno 1995 beim ZDF hatte ich einige Zeit mit einem Kameramann zu tun, der ein damals skurriles Hobby hatte. Er tat das, was wir heute „fotobloggen“ nennen würden, allerdings auf dem Stand damaliger Technik. Er hatte in seiner Tasche immer eine Pocketkamera mit Film dabei und er hatte den Vorsatz, jeden Tag mit der Kamera ein Bild zu machen.

Gut, für Kameraleute sollte so ein Hobby eher weniger skurril sein, als für einen Otto Normalverbraucher, allerdings war es trotzdem skurril, den Kamera beim Fernsehen hat in den meisten Fällen wenig mit künstlerischer Arbeit zu tun, sondern eher mit industrieartiger Produktion unter Zeitdruck, was dazu führt, dass man, wenn man richtig in der Fernsehmaschinerie angelagt war, heute schon nicht mehr sagen konnte, was man eigentlich gestern produziert hat. Genau das ärgerte diesen Kameramann jedoch, weil er glaubte, dass er sich sein Leben dadurch bereichern kann, in dem er eben zu jedem Tag seines Lebens ein Bild macht. Ich habe ihn damals nicht ausgelacht und war zwei, drei Mal sogar das Motiv, allerdings hätte ich heute, 15 Jahre danach, nicht gedacht, dass mir diese Faszination noch einmal im Leben begegnen könnte.

Dazu spulen wir in Sachen Technik mal ganz schnell nach vorne:

  • Heute haben wir Digitalfotografie und heute haben wir Mobiltelefone, die in etwa die gleiche fotografische Qualität liefern können, wie damalige Pocket-Knipsen, allerdings mit dem großen Vorteil, dass das Mobiltelefon deutlich öfters dabei ist, als eine externe Kamera.
  • Heute haben wir Internet, über das wir sehr schnell ein fotografiertes Bild von einem Mobiltelefon aus ins Netz stellen können, verbloggen, vertwittern, verflickern oder verfacebooken können.
  • Heute haben wir flickr, mit dem sehr einfach Bildergalerien im Internet angelegt werden können und die mit RSS genau das mitbringen, was chronologische Sammlungen ausmachen.

Also ruft das nach einem Experiment, das sich im Grunde genommen nicht von dem Projekt meines damaligen Kameramannes unterscheidet: Jeden Tag ein Bild, das jedoch nicht auf Film gebannt und in irgendeinem Bilderalbum verschwindet, sondern per Internet kurz nach Fotografieren auf meinen flickr-Account und dort in eine eigenes Album hochgeladen wird. Angefangen habe ich damit schon letzte Woche Montag. Schauen wir mal, wie lange ich das durchgehalten bekomme und was am Ende dabei herauskommt. 🙂

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www.flickr.com

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An einer vernünftigen Einbindung des bebilderten Tagebuchs in dieses Blog arbeite ich. Wie das am Ende genau aussehen wird, weiß ich noch nicht, aber kommt Zeit, kommt Rat.

Vortrag zum 5. BlogCamp Switzerland.

Wenn wir nicht alle verschlafen haben, dürfte ich jetzt gerade auf dem Weg nach Zürich sein, um dort am fünften BlogCamp Switzerland teilzunehmen, bei dem ich als Rookie zum ersten Mal dabei bin. Hierzu habe ich einen Vortrag im Gepäck, der sich mit dem Thema Online-Campaigning im Bürgermeisterwahlkampf beschäftigt und eine Zusammenstellung der wichtigsten Erfahrungspunkte in Sachen Weblog beim Pforzheimer OB-Wahlkampf 2009 von Gert Hager darstellen soll. Wird ein hochkomprimierter Vortrag, bei dem ich mich, wie vorgestern schon befürchtet, schon etwas frage, wie ich das in 20 bis 30 Minuten unterbringen werde, aber wir fahren ja auch nicht in den Streichelzoo.

Here we go, hier die PowerPoint-Vortragsunterlagen:

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Und hier als PDF: Vortragunterlagen „Bloggen im Bürgermeisterwahlkampf“

Hinweis: Der Vortrag ist nicht im Namen von Gert Hager entstanden und damit kein offizielles Statement von ihm, der SPD oder der Stadt Pforzheim.