73 Tage eBolide.

Mein kleines Blog-Baby nebenan, mein Elektromobilitätsblog eBolide, ist nun 73 Tage online, mit immerhin schon 49 Artikeln. Ein kleiner Zwischenbericht:

  • Eine vorherige Themensammlung ist echt das A & O. Glücklicherweise hatte ich schon zu Beginn eine, aus der ich mich immer dann bedienen konnte, wenn absolut nichts zu schreiben war. Und eine Themensammlung hat man einfach zu führen, denn viele Artikelideen passieren unterwegs oder beim Schreiben eines anderen Artikels. Wenn man die nicht festhält, sind sie weg.
  • Google News ist in Sachen Recherche ein echter Freund. Ich plappere zwar nicht jeden Unsinn nach, der über Elektromobilität geschrieben wird (und es wird sehr viel Unsinn über Elektromobilität geschrieben), aber für einen Nachrichtenüberblick reicht es allemal.
  • Das echte Gekrätz ist die ständige Suche nach Bebilderung. Das verwendete Theme wünscht zu jedem Artikel ein Artikelbild und das ist auch mein Anspruch, denn Textwüsten sind für ein Magazine-Theme unbrauchbar. So ein Pensum ist dann aber mitunter echte Recherchearbeit, denn nicht immer kann man auf Pressefotos von Autoherstellern zurückgreifen oder bei Pixelio & Co. ein funktionales Foto finden, so dass man dann schon selbst kreativ werden muss. Und das vielleicht auch schon beim Schreiben des Artikels.
  • Hatte ich schon mal geschrieben, dass ich WordPress mag? Ja? Dann schreibe ich das sicherheitshalber nochmal: Ich mag WordPress! Flexibel und zuverlässig, gerade für kleinere Projekte. Und es ist einfach die Blog-Software.

Ansonsten sind die Zugriffszahlen derzeit eher mager, 20 Besucher sind aktuell so der Durchschnitt, Tendenz leicht steigend. Ich übertreibe es allerdings mit Blogwerbung auch derzeit nicht sonderlich, denn erst einmal will ich noch weiter am Content-Haufen arbeiten. In Google ist eBolide bereits recht gut sichtbar mit einigen Suchbegrifflichkeiten, die ich nicht erwartet hätte, aber Google ist bei neuen Websites bekanntlicherweise anfangs recht konservativ unterwegs. Das soll mir recht sein, wie immer kümmere ich mich um SEO nicht explizit, das macht der Content schon recht gut auch allein.

Was mich am meisten bewegt, ist natürlich die Elektromobilität selbst. Wenn man selbst über ein Thema schreibt und recherchiert, erfasst sich einem das Thema in einer unglaublichen Tiefe und das ist ja letztendlich auch der Sinn der Sache. In Sachen Elektromobilität weiß ich ja schon von der Arbeit mit dem Weblog meines Autohauskunden, dass es bei vielen Herstellern viel Schein und relativ wenig Sein gibt. Das ist bei Elektroautos genau so. Viel Geblubber, die deutschen Autohersteller übertreffen sich mit ihren Behauptungen, sie seien die besten, aber eigentlich bekommen sie außer Konzeptfahrzeugen und fragwürdigen Definitionen von Umweltbewusstsein nicht sonderlich viel selbst auf die Reihe. Gäbe es nicht Elon Musk, der mit Tesla einen sehr anderen Weg des Autobauens geht, würden wir auch heute noch nur die immer gleichen Konzeptfahrzeuge mit Bleiakkus sehen.

Ich habe das mal, als politisch Beleckter, mit einem „Manifest“ umschrieben, das man so auch sehr problemlos als Klagelied singen könnte: Ein Manifest zu Elektroautos

Dennoch: Das Thema Elektromobilität ist heiß. Und eigentlich ist der Trend dahin unumstößlich, ich frage mich wirklich regelmäßig, warum gerade die deutschen Autohersteller – vielleicht mit Ausnahme von BMW und auch von Opel – diesen Trend so komplett verschlafen und entweder gar nichts in Deutschland anbieten oder Autos, die eine lächerliche Reichweite und/oder einen völlig inakzeptablen Preis haben. Für das „Autoland“ Deutschland ist das alles hochnotpeinlich.

Say Hello to eBolide!

Die letzte Amtshandlung für heute soll nun die „Vollzugsmeldung“ hier sein. Denn was ich im Laufe der Woche als neues Blog zum Thema Elektromobilität vorsichtig angekündigt hatte, war ja eigentlich schon weitgehend fertig. Das formidable WordPress-Theme Expound war einfacher zu modifizieren, als gedacht und so war ich dann heute schon fertig. Die ersten fünf Blog-Artikel hatte ich auch schon im Laufe der Woche zwischen Tür und Angel geschrieben gehabt, so dass das Baby auch nicht komplett nackt starten muss. Ein startendes Blog mit einem einzigen „First Post“ ist einfach ein No-Go.

eBolide heißt das Kind nun. Das ist erstaunlicherweise als Domainnamen frei gewesen und auf diesem Kunstwort liegen bisher auch keine besonderen Namensrechte. Mit eBolide habe ich mich inzwischen auch weitgehend angefreundet, denn meine vorherigen Namenswahlen waren so gut, dass sie allesamt in Sachen Domainnamen unerreichbar waren (und offenbar doch nicht ganz so gut, denn an keinen dieser Entwurfsnamen kann ich mich jetzt noch zurückerinnern).

Es gibt natürlich auch schon die eBolide-Facebook-Seite und den eBolide-Twitterstream, die beide unter anderem bei jeder Veröffentlichung eines Artikels einen Link abgefeuert bekommen. Wer also auf dem Laufenden gehalten werden möchte und nicht den eBolide-RSS-Stream abonnieren will, kann Twitter und Facebook zum Abonnieren benutzen.

Die nächsten Tage werde ich nun nebenbei mal die gesamte Herstellerschaft von Elektroautos in meinen Feedreader abonnieren und erste Kontakte aufbauen, damit es bei eBolide nicht ganz so langweilig wird. Ich versuche, mindestens zwei neue Blog-Artikel pro Woche als Schwelle zu halten. Weniger werden es nicht, mehr eher schon. Schauen wir mal, wie der Drive sich da entwickelt, ich muss ja nebenher auch noch anderes tun. 😉

Backe, backe, Blog.

Dummer Artikeltitel, aber mir fiel jetzt auch nichts besseres ein außer eine Umschreibung „Backe, backe, Kuchen“. Immerhin ist diese kindliche Art der Produktion von Irgendetwas-was-nach-Kuchen-aussieht in etwa auch die Art und Weise, wie ich gerade an diesem Thema arbeite.

Es geht nämlich um ein neues Blog, das ich gerade aufbaue. Diesmal kein Kundenblog, sondern ein eigenes Themenblog, nämlich zum Thema Elektromobilität. Das liegt mir schon seit einer ganzen Weile auf dem Herzen, denn wenn man sich von Berufswegen mit einem Thema sehr tief beschäftigt, sollte man mit diesem Wissen auch etwas anfangen. Eine gute netplanet-Tradition, die ich so weiterführen möchte und auch weiterführen muss. Letztendlich kann man Social Media und Online-Kommunikation nur erklären und verkaufen, wenn man das alles auch selbst lebt und zwar richtig.

Die Nische der Elektromobilität gefällt mir da im übrigen ganz gut. Es gibt wenig magazintechnisches zu diesem Thema, es gibt immer noch viel zu wenige Elektromobile auf den Straßen und es gibt viele Vorurteile und Missverständnisse, die bei näherer Betrachtung kaum haltbar sind. Ob ein Thema „blog-würdig“ ist, gehe ich immer nach einer Methodik an:

  • Haben wir Ahnung zu diesem Thema?
  • Kann ich innerhalb von zehn Minuten mindestens 50 Artikelthemen brainstormen?
  • Habe ich einschlägige Kontakte?
  • Habe ich Lust und Zeit dazu?

Alle vier Fragen kann ich mit einem „Ja“ beantworten. Die nebenbei seit einigen Wochen zusammengetragene Themensammlung enthält inzwischen rund 100 Themen und ist damit gut gefüllt. Der Name ist gefunden, das Blog schon fast fertig und an den ersten Blog-Artikel schreibe ich auch schon (mehr oder weniger). An einem eigenen Elektroauto fehlt es zwar (noch), aber das wird sich regeln.

Perfider Kommentar-Spam.

So richtig will mir nach wie vor nicht in den Kopf, warum dieses bescheidene Blog so beliebt ist bei Typen, deren Kunden so bescheuert sind, sie zu engagieren und damit zu beauftragen, die Kunden-Webadresse möglichst breit und unkoordiniert ins Web zu blasen. Denn wenn diese Typen das Kleingedruckte hier lesen würde, würden sie zwei Dinge verstehen:

  • Alle Links, die in Kommentaren und auch in der Web-Adresszeile angegeben werden, werden als No-Follow-Links verlinkt, sind also für jegliches Ranking bei den gängigen Suchmaschinen völlig wertlos.
  • Außerdem habe ich eine Zero-Spam-Tolerance-Policy (hört sich gut an, nicht?) gegenüber Spam und alles, was halbwegs wie Spam aussieht, geht direkt in die Akismet-Tonne, zur Not auch manuell. Ohne Ausnahme, ohne Mitleid, sondern mit diebischem Vergnügen.

Sprich: In Kommentaren einen Link zu integrieren, damit ich möglicherweise so doof bin und ihn freischalte, ist nahezu hoffnungslos. Ich habe für Kommentar-Spam und Typen, die sowas unterbringen wollen, inzwischen einen ganz guten Riecher.

Den braucht man auch, denn das Unterbringen von Kommentar-Spam ist inzwischen ein richtiger Schlampenjob (oder Schlamperjob, je nach Auffassung) geworden. Der Schreiber, der vermutlich den ganzen Tag nichts anderes macht, hängt sich halbwegs in den Opfertext, versucht irgendwie einen Kontext zu verstehen und schreibt dann einen Kommentar, der irgendwie so scheinheilig sein muss, damit er unter die Spam-Hürde rutscht.

Das war heute zum Beispiel ein Artikel zu einem Fritzbox-Artikel, in dem der Spammer behauptete, eine bestimmte Funktion, die ich beschrieben hätte, sei für ihn nicht auffindbar. Ich, von Hause aus liebenswürdig und hilfsbereit, wollte gerade ansetzen, mir das Thema wirklich auf meiner Fritzbox anzuschauen, bis ich einen Blick auf die Angabe der Web-Adresse riskierte und sich dahinter eine Website versteckte, die Silikonarmbänder fabriziert und verkauft. Ein Spam-Kommentar. Tonne. Akismet. Viel Spaß, da wieder herauszukommen, Dude. Und mögen dir die Finger dabei abfallen.

Das Corporate Weblog als Verkaufsraum.

Bei all dem Bohei, das wir drüben im Gerstelblog, dem Corporate Weblog des Pforzheimer Autohauses Gerstel, machen, blieb immer eine Frage etwas schmerzhaft unbeantwortet: Haben wir es jemals geschafft, ein Auto über das Blog zu verkaufen? Okay, zweifellos wertvolle Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung in Social-Media-Netzwerken hin oder her, aber gefährlich wird immer die ultimative Frage: Können wir mit Social-Media-Aktivitäten nachvollziehbar einen direkten, hochwertigen Lead generieren, der dann im Verkaufsprozess auch tatsächlich landet?

Ich war immer davon überzeugt, dass das geht. Als Realist weiß ich allerdings, dass es dazu ein paar Dinge braucht, in etwa sogar in dieser Reihenfolge:

  • Ein Unternehmen, dass ein Corporate Weblog will und auch daran arbeiten kann.
  • Ein echtes Standing aller Chefs und Mitarbeiter zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Marke.
  • Der unbedingte Wille zur direkten Öffentlichkeitsarbeit.
  • Atem. Viel Atem.
  • Ein vernünftiges, rational und emotional aufladbares Verkaufsprodukt.
  • Eine Geschichte drumherum.
  • Ein passendes Wording.
  • Blitzschnelle Reaktion auf einen Lead.

Et voilà: Das erste echte Gerstelblog-Auto, ein Opel Adam.

How we did it.

Beim Autohaus Gerstel hat es eine Weile gedauert, bis es zum ersten direkten Lead in Sachen Autoverkauf kam. Es gab zwar schon in den vergangenen Monaten immer wieder Leads, die aus dem Internet und dem näheren Gerstelblog-Umfeld zu kommen scheinten, allerdings haperte es vor allem an einer Sache: An einem emotional aufladbaren Verkaufsprodukt. Einen Opel emotional aufzuladen, das ist ein Herkules-Job, den leider viele Autohändler – meine Einschätzung – weitgehend aufgegeben haben.

Dabei ist in den letzten drei Jahren, in denen ich die Marke Opel von Berufswegen ja recht genau beobachte, gewaltiges dort passiert.

  • Ein großes Stück der Krise der Automobilindustrie ist über General Motors und Opel hereingebrochen und während sich die anderen großen Marken mit der Automobilkrise jetzt dann beschäftigen dürfen, hat Opel dieses Thema zu einem großen Teil schon durch.
  • In den vergangenen Monaten kamen eine Reihe von neuen Modellen auf den Markt, die sich sehen lassen können: Der Opel Ampera als funktionierendes Elektrofahrzeug, der Opel Astra GTC als flotter (und leider viel zu wenig beachteter) Flitzer, der Opel Mokka als günstiger SUV, der Opel Cascada als Cabriolet und eben der Opel Adam als Lifestyle-Fahrzeug im Segment des Mini One, des Fiat 500, des VW Up und des Citroen DS3.

Gerade der Opel Adam ist ein spannendes Auto, weil in diesem Segment, in dem dieses Auto positioniert ist, einiges sehr anders läuft. Einen Mini One kauft man nicht wegen eines günstigen Preisleistungsverhältnisses, sondern weil man so ein Auto offensichtlich haben will, egal was es unterm Strich dann kostet. Das Auto ist in diesem Lifestyle-Segment nicht einfach nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein Stilelement. Hier braucht es im Fahrzeugverkauf weniger den Ingenieur, der die Motorentechnik auf dem Effeff erklären kann, sondern eher den Berater, der sich mit dem Lifestyle des potentiellen Interessenten auseinandersetzen kann.

Dieses Auto lässt sich emotional aufladen und zwar bestens. Als kleiner „Herzensbrecher“, als „urbanes Stadtauto“, als „Abschleppwagen“, „klein und oho„, als „Baby-Opel“. Als defensiv wirkendes Kleinauto mit einem sympathischen Aussehen und vielen Individualisierungsmöglichkeiten gibt diese Karre Raum, es lieb zu haben. Damit muss man erst einmal klarkommen, wenn man lange Jahre Autos verkauft hat, die quasi den Standard in Sachen langweilige Autos definierten.

Aber dann? Ein solches Auto und eine solche Marke wie Opel nimmt einem Emotionen und auch gut gewürzte Ironie nicht übel – ganz im Gegenteil. Das entsprechend positionierte Auto steht mittendrin und streckt dabei – sinnbildlich gesehen – die Zunge heraus. Und das erzeugt wiederum genau die Menge an Sympathie, die den Kreis wieder schließen lässt.

Das Dilemma mit dem korrekten definiten Artikel des Begriffes „Blog“.

Beim Konzeptionieren eines Kundenblogs habe ich vor drei Jahren explizit den definiten Artikel zum Wort „Blog“ im Namen des Weblogs eingesetzt. So hieß das Weblog des Autohaus Gerstel eben nicht „Gerstelblog“, sondern „Das Gerstelblog„. Das hatte vor allem seine Gründe im Branding des Blogs. Ein Corporate Weblog (also ein ein Weblog eines Unternehmens) hatte damals und hat auch heute noch einen Seltenheitswert und da es darüber hinaus wichtig war, das Weblog auch schnell und vor allem markant zu bewerben, gab es eben den definiten Artikel davor.

Im Guideline des Blogs (ja, sowas gibt es tatsächlich) gab es dazu auch einige Hinweise dazu, wann der definite Artikel im Namen einzusetzen war und wann nicht. Kurzum: Es hat eigentlich immer „Das Gerstelblog“ zu heißen, außer wenn der vollständige Einsatz des Namens grammatikalisch zu unsinnigen Konstruktionen führt. Also wenn es z.B. heißen soll: „Die Funktion des Gerstelblog ist funktional“, dann hat der eigentlich im Genus geschriebene Artikel wegzubleiben, weil hier der Artikel im Kasus daherkommt. Brandbuilding hin oder her.

Und dann kam die Diskussion über den richtigen definiten Artikel des Begriffes „Weblog“.

Bei allen Begrifflichkeiten, die aus der englischen Sprache kommen und ins Deutsche importiert werden, stellt sich früher oder später die Frage des „Geschlechts“. Ist es nun „das“, „der“ oder gar „die“ Blog? Mit diesen Diskussionen beschäftige ich mich schon seit einer halben Ewigkeit, denn schon beim allerersten Artikel, den ich 1997 drüben in netplanet verfasst habe und in dem es über die E-Mail ging, kam diese Fragestellung gleich mehrfach auf.

Im Schnelldurchlauf: Bei unklarem Geschlecht arbeitet man sich bedacht anhand der Übersetzung vor. Die „E-Mail“ muss auch im Deutschen „E-Mail“ heißen, weil die Begrifflichkeit auch in der deutschen Sprache so übernommen wurde. Die gängigsten Übersetzungen für „Mail“ sind „Nachricht“ oder „Post“, beides feminim und damit empfiehlt sich der feminine Artikel auch für den Begriff „Mail“ – es ist „die“ Mail.

Bei „Blog“ wird es differenzierter, weil „Blog“ ein Kunstwort aus dem Kunstwort „Weblog“ ist. Noch weiter aufgedröselt besteht das Wort „Weblog“ aus dem Web und dem Log, beides Wörter, die neutral sind. Bei Wortkombinationen gilt die Regel, dass der letzte Wortbestandteil entscheidet, welches Geschlecht das Wort hat. Eigentlich ist es daher beim Begriff „Weblog“ verhältnismäßig extrem einfach, denn das Log (ein frühes Gerät zur Geschwindigkeitsmessung auf Segelschiffen) ist, wie schon gesagt, maskulin, eine deutsche Übersetzung wäre es demnach naheliegenderweise auch.

Und dann kommt bei solchen Diskussionen immer noch die gesellschaftliche Akzeptanz.

Ein Beispiel hierfür: Die URL. „URL“ steht für „Uniform Resource Locator“. Das ist schon in der englischen Sprache ein Wortungetüm mit fast schon künstlerischem Wert, erfunden von einem Wissenschaftler namens Tim Berners-Lee im Rahmen seines Web-Projekts. „Locator“ übersetzt man in dem Zusammenhang am ehesten mit „Beschreiber“. „Beschreiber“ ist ein Verbalsubstantiv des Begriffes „schreiben“ und Verbalsubstantive sind für gewöhnlich maskulin (könnten aber theoretisch mit der Suffix „-in“ auch feminim eingesetzt werden).

Wie auch immer: Die URL ist eigentlich am saubersten „der URL“. Und nur weil es einst keine Klarheit darüber gab, welches Geschlecht man der Abkürzung „URL“ bzw. der Übersetzung der englischen Wortgruppe geben sollte, entwickelte die Sprech der Gesellschaft ihre eigene Interpretation und definierte „die“ URL. Wohl auch deshalb, weil URL fälschlicherweise als „Internet-Adresse“ angesehen werden. Das ist leider sehr falsch, weil URL eigentlich noch viel mehr beinhaltet, als eine einfache Adresse im Sinne von „wo geht’s hin“.

Alles Sonderfälle, die es vor allem auch deshalb andauernd gibt, weil sich moderner Slang immer schneller bildet. Der Begriff „URL“ zum Beispiel ist gerade einmal 20 Jahre alt, im populären Wortschatz maximal 15 Jahre. Das Internet hat uns in kürzester Zeit eine Flut von Wörtern beschert, von denen nur die allerwenigsten den Luxus haben, dass man sich bei ihrem Einsatz in der deutschen Sprache beim Einsatz des passenden Artikels absolut sicher sein kann.

„Das“ Blog auf dem Weg zur Geschlechterumwandlung

„Das“ Blog geht seit einigen Jahren fast denselben Weg, wie einst „der“ URL. Nämlich in die Geschlechterumwandlung. Zwar nicht ganz so schlimm wie eben beim URL, der mal eben so vom Männchen zum Weibchen gemacht wird, sondern „nur“ vom Neutrum ins Maskulinum. Da hat man noch Glück im Unglück, denn z.B. im Genitiv-Singular ist der Artikel für maskuline und neutrale Artikel derselbe („des Autos“, „des Fahrers“).

Auch aus diesem Grund tun sich die „Götter“ schwer. Die Duden-Redaktion verweist bei diesem Thema zwar auf „das“, schreibt aber zusätzlich „auch der“ dazu. Das Neutrum ist also eigentlich korrekt, aber man kann es auch maskulin nehmen. Und so eine schwammige Ansage ausgerechnet vom Duden …

Im Populärwortschatz scheint das Maskulinum zu gewinnen. Schon heute kennt Google mit dem Begriff „der blog“ über 2,5 Millionen Seiten, mit „das blog“ nur 1,9 Millionen. Beim Suchtrend, visualisierbar bei Google Trends, scheint die neutrale Variante noch zu führen, allerdings kommt da die Kurve von oben runter. Das schaut nicht sehr gut aus.

Wie geht es weiter?

Im Falle von netplanet und bestehenden Einsätzen gilt bei mir folgendes:

  • Der Duden ist bei mir das sprachliche Maß der Dinge.
  • Schreibt der Duden „das, seltener auch der“ zu einem Wort, dann ist „das“ das Maß der Dinge.
  • Schreibt der Duden irgendwann mal stattdessen „der, seltener auch das“ (also umgekehrt), dann werden neue Worteinsätze mit der neuen Schreibweise geführt, bestehende Formulierungen bleiben.

Ausnahmen bestätigen bei solchen Sachen allerdings immer die Regel. Möchte der Kunde „der Blog“, wird es eben „der Blog“. Und genau hier ist eigentlich immer noch das Dilemma zu Hause.

Eine Erklärung und ein Plädoyer gegen Fake-Accounts.

Wie nähere ich mich jetzt diesem Thema nur an? Am besten so, wie immer: Ab durch die Mitte.

Meine letzten drei Monate waren relativ „turbulent“ und ironischerweise haben die zwei zentralen Dinge dieser Turbulenzen mit meinem Herzen zu tun. Die eine Turbulenz war die Geschichte mit dem ICD und die andere Turbulenz der Versuch einer Freundschaft, bei der ich letztlich gepflegt und nach allen Regeln der dadaistischen Antikunst ziemlich unschön gegen die Wand gelaufen bin. Kommt in den besten Häusern vor, allerdings sind zwei solcher Turbulenzen in einer Doppelpackung gerade noch so am Rande dessen, was erträglich ist. Selbst bei mir, der eigentlich recht fest mit beiden Beinen im Leben steht. Und was sich hier noch halbwegs witzig anhört, war es nicht wirklich, weder die eine Turbulenz, noch die andere.

Die regelmäßigen Leser meines Twitter-Streams und meiner Facebook-Freunde sind es gewohnt, dass ich über beide Kanäle relativ offen schreibe und selten eine Hand vor den Mund nehme. Es gibt zwar ein paar Themen, die ich auszuklammern versuche (Religionsthemen zum Beispiel), ansonsten kenne ich jedoch als jemand, der sich gern in Gefilden der Ironie, des Sarkasmus und des Zynismus bewegt, kaum geschmackliche Grenzen. Und ja, ab und zu kommen so auch Tweets bzw. Facebook-Meldungen zustande, die aus dem Affekt kommen, quasi direkt aus dem Handgelenk geschossen. Und die in so einem Fall auch nicht durch meinen normalerweise recht guten Kontrollfilter ausgefiltert werden. Absichtlich. Sie kommen zwar (glücklicherweise) sehr selten vor, aber sie kommen vor. Das gehört zu dem, was nun einmal „Besim“ ist.

Ein solch scharf geschossener Tweet, der dann eben auch in meiner Facebook-Timeline landete und den man sicherlich auch ohne den damit verbundenen Hintergrund als geschmacklos bezeichnen könnte, kam am Mittwoch.

Ich erwähne diesen Tweet deshalb, weil er einige Leute verstört hat. Sich verstören zu lassen, ist jedem sein gutes Recht, das ich akzeptiere. Von meinem Kontrollfilter, der den Inhalt des Tweets nicht ausfilterte, sicherlich nicht gut bedacht war der Umstand, dass der besagte Tweet und die Zeit des Verfassens relativ deutliche Rückschlüsse auf den Grund des drastischen Inhalts zuließen. Hätte ich bedenken können, habe ich aber nicht, das Ding kam in den Raum, hat einige Leute, die 1 und 1 zusammengezählt haben, verstört und das Ding ist in diesem Moment dann auch in den Brunnen gefallen.

Dafür entschuldige ich mich nicht, weil es ja auch genau genommen kein Versehen war, sondern absichtlich. Auch eine Rechtfertigung in der Richtung, dass das Schreiben eines Tweets für mich immer noch der bessere Weg ist, eine Frustsituation zu bewältigen, als in der Öffentlichkeit herumzuschreien oder Material zu zerlegen, ist keine Entschuldigung. Wenn ich etwas in die Welt setze, dann ist es da und ich ertrage auch das Echo zu unappetitlicheren Äußerungen.

Meine Haltung dazu ist immer die, dass ich niemanden zwinge, Äußerungen von mir zu lesen und im Zweifelsfall sehr herzlich dazu einlade, meinen Twitter-Stream abzubestellen oder mich in Facebook auszublenden. Damit habe ich absolut keine Probleme. Schwieriger wird es dann schon, wenn Familie oder Kunden solche Meldungen lesen, aber hierzu habe ich die Haltung, dass ich eben einen recht authentischen Ton pflege und großen Wert darauf lege, zwischen Alltagsunterhaltung und förmlichen Gesprächen zu trennen. Das wissen auch die allermeisten Menschen, mit denen ich Kontakt halte.

Gestern hatte ich mit einer Bekannten eine sehr spannende Diskussion, wie man sich solche Rechtfertigungsthemen vom Halse hält bzw. aus persönlichen oder beruflichen Gründen nur inkognito Meldungen mit so einer Brisanzqualität in die Welt setzen kann. Das führt unweigerlich zu dem Thema, ob man einen Fake-Account mit Phantasienamen nutzt, der (hoffentlich) keine Rückschlüsse auf die Person ermöglicht. Das hatte ich in der Vergangenheit auch schon mehrfach überlegt und hatte dann auch sogar mal für eine Weile ein Weblog auf WordPress.com, das den Luxus hatte, dass es niemand las. Und da ist dann auch für mich das zentrale Problem: Mag ich schreiben nur um des Schreibens Willen oder soll das Schreiben auch ankommen, mitunter dann auch in der Kategorie „H-Bombe“?

Ich bevorzuge letzteres. Meine inzwischen fünfzehnjährige Online-Karriere hat zu recht gut funktionierenden, internen Kontrollfiltern geführt, die dafür sorgen, dass meine Äußerungen gern mal direkt sein können, aber seltenst wirklich persönlich verletzend. Das, was gelegentlich an wirklich Bedenklichem herausrutscht, ist im Promillebereich und das kann ich nicht verhindern, ohne mich wirklich komplett ändern zu müssen. Und das werde ich nicht tun, für niemanden. Und weil ich auch mit dem Echo für lautere und dann eben auch verletzende Äußerungen leben muss und das auch kann, gibt es für mich keine Motivation, unter einer Fake-Identität im Internet zu wandeln. Allen Respekt vor Menschen, die das nicht können und inkognito im Internet wandeln wollen oder müssen – aber ich brauche es nicht und mich engt es so ein, dass ich dann eher nichts mehr sagen bzw. schreiben wollte.

Damit will ich keinesfalls einen Ausstieg aus Weblog, Twitter oder Facebook ankündigen oder androhen, sondern um Verständnis darum bitten, dass es auch mal ziemlich deutlich zur Sache gehen kann. Wenn sich jemand dabei angesprochen fühlt oder verletzt wird, dann darf er mir das sagen, gern auch in der inhaltlichen Qualität, wie ich es geschrieben habe.

Leider geil in Sachen Guerilla-Marketing.

Opel Österreich hat sich vor einigen Wochen einen genialen Coup erlaubt: Beim alljährlichen GTI-Treffen am Wörthersee haben sich Mitarbeiter der betreuenden Werbeagentur vor das Tor zum Gelände gestellt und kostenlos T-Shirts und Kaputzenpullover mit dem Aufdruck „Leider geil“ verteilt und sonst nichts. Offensichtlich nur die wenigsten GTI-Fans merkten, dass der Leider-Geil-Schriftzug in der Schrift Opel Sans gesetzt war. Der Rest merkte es spätestens dann, als während der beginnenden Veranstaltung ein Flugzeug um das Gelände kreiste und auf einem Transparent den Opel Corsa OPC bewarb, just mit dem Schriftzug „Leider geil“. Guerilla-Marketing at it’s best.

Das fanden wir so gut, dass ich im Weblog meines Kunden, das Pforzheimer Opel-Autohaus Gerstel, über diese Story einen Blog-Artikel schrieb. Und das wurde dann ein ungeahnter Erfolg, denn im deutschsprachigen Web schrieb nicht eine einzige Opel-Website über diese geniale Aktion. Vereinzelt kam etwas über die offiziellen Opel-Twitter- und Facebook-Kanäle, aber auf der Website von Opel Österreich? Nichts. Der Tod einer jeden Guerilla-Marketingaktion ist, wenn sie gut gemacht ist und keiner darüber redet.

Und das Ding geht eigentlich noch weiter, denn was hätte man aus der Aktion noch alles machen können! Beispielsweise das betreffende T-Shirt mit dem Aufdruck nicht nur am Wörthersee zur Verteilung positioniert, sondern einfach mal ein paar hundert Stück produziert und für interessierte Opel-Fans, die sich das Shirt nachträglich kaufen wollen, bereitgehalten. Und wenn man es richtig gut hätte machen wollen, hätte man gar keinen eigenen Online-Shop dafür aufgemacht, sondern hätte das T-Shirt als offizielles „Opel-Ersatzteil“ angeboten, das mit einer offiziellen Ersatzteilbestellnummer bei jedem Opel-Servicepartner bestellt werden könnte. Und wer bis zehn Uhr morgens vor Ort das Shirt bestellt, kann es um 14 Uhr auch schon abholen, denn die Opel-Ersatzteildistribution gibt diese Schnelllieferung von Ersatzteilen problemlos her und für ein paar T-Shirts ist im Transport immer Platz. Und besser hätte man Fans gar nicht davon überzeugen können, wie schnell und zuverlässig Opel-Ersatzteile im Zweifelsfall geliefert werden können.

Hach, manchmal denke ich mir, ich sollte eine Agentur für echtes Guerilla-Marketing öffnen.

Zum Zweijährigen des Gerstelblog.

Lange habe ich nicht mehr über mein erstes Kundenprojekt in Sachen Corporate Blog geschrieben, dem Gerstelblog. Das ist das Weblog des Autohaus Gerstel in Pforzheim und obwohl mein letzter Blog-Artikel an dieser Stelle schon fast zwei Jahre alt ist (so wie das Gerstelblog eben selbst) – es ist viel darin und darum passiert.

Fangen wir von vorn an: Am 15. Mai wurde das Gerstelblog tatsächlich schon zwei Jahre alt. Bis dahin hatten wir rund 390 Artikel veröffentlicht, was eine durchschnittliche Artikelzahl von etwa 4 pro Woche ergibt. Das ist eine ganze Menge für ein Corporate Blog. Rein zahlentechnisch sind wir aktuell bei folgenden Parametern (die Zahlen stammen aus einer eher konservativen Piwik-Zählung für den April 2012):

  • 1938 Besuche von 1490 eindeutigen Besuchern (Zugriffe von mir und dem Autohaus explizit nicht mitgezählt)
  • 478 Besuche stammen von wiederkehrenden Besuchern
  • 15 % der wiederkehrenden Besuchern tun dies mindestens 10 mal im Monat
  • 3120 Pageviews
  • Durchschnittliche Verweildauer von Besuchern bei 1:16 min, 67 % Absprungrate
  • Besuche-Peaks aktuell zwischen 12 und 13 Uhr und zwischen 18 und 22 Uhr, also klassische Mittagspausen- und Feierabendlektüre)
  • 131 Besuche (47 %) von Facebook aus

Das mal als reines Zahlenmaterial. Die Analyse mache ich mal punktweise:

  • Die Besuchs-, Besucher- und Seitenabrufzahlen mögen sich relativ mager lesen, übertreffen jedoch die offizielle Website des kleinen Autohauses regelmäßig um den Faktor 10 bis 12, teilweise deutlich über 20. Kleine Autohäuser erreichen demzufolge mit einem Weblog sehr locker und bequem mindestens eine zehnfach höhere Reichweite, als mit einer eher statischen Website.
  • Rund 25 % aller Besuche erfolgen von wiederkehrenden Besuchern, von denen wiederum 15 % dies öfters als zehnmal im Monat tun. Diese Reconnects von Interessenten ist aus der klassischen Sicht des Kundenmanagements heraus traumhaft.
  • Die Verweildauer von 1:16 Minuten und die Absprungrate von 67 % klingen hoch und gefährlich, sind es aber nicht, da es ein Weblog ist. Die meisten Besucher schauen sich 1 bis 2 Seiten an und verlassen die Website danach auch wieder. Da dies aber vor allem wiederkehrende Besucher sind, die vor allem auf der Startseite nach dem Aktuellen schauen und dies voraussichtlich auch demnächst wieder tun, sind Verweildauer und Absprungrate absolut erträglich.
  • Schöne Ausnahmen bestätigen immer die Regel: Beim (anonymen) Tracking von einzelnen Viellesern gibt es immer wieder Menschen, die sich extrem ausführlich das gesamte Weblog antun und mitunter stundenlang von Seite zu Seite springen. Die Aufrufdauer von 1 bis 2 Minuten pro Artikel lassen hier sehr gut den Rückschluss darüber zu, dass es wirklich Menschen gibt, die den Inhalt konsumieren.
  • Die starken Besuchszeiten zeigen in die Richtung, wo ein Corporate Weblog hingehen muss: Hauptsächliches Lesen in der Mittagspause und nach Feierabend und damit ein starker Besucherfokus von der Geschäftswelt.
  • Die starken Zugriffe von Facebook kommen hauptsächlich von der Facebook-Seite des Autohaus Gerstel und zeigen den Trend: Von damals etwa 100 Facebook-Fans waren 131 Besuche (und damit Absprünge von Facebook zugunsten des Weblogs) enorm. Die Facebook-Seite führt damit kein verwaistes Leben, wie so häufig bei vielen Unternehmen, sondern ist direkt und vor allem bidirektional ins Weblog eingebunden. (Die Facebook-Tendenzen werde ich in der nächsten Zeit nochmal näher analysieren, da durch bezahlte Facebook-Werbung die Fanzahlen und -interaktionen inzwischen fast verdoppelt wurden.)

Kommunikativ gelten für das Weblog des Autohauses nach wie vor die Erfahrungen, die ich schon nach den ersten Wochen zusammengefasst hatte. Ergänzen kann man das mit vor allem subjektiven Eindrücken:

  • Die Authentizität geht von Anfang an und überspringt jegliche Hürden. Das erkläre ich mal näher: Einer Werbeanzeige wird in der Regel zwar eine gewisse Authentizität zugestanden, allerdings nur bis zu einem gewissen Maße. Authentischer ist da schon Werbung, die persönlich adressiert ist, beispielsweise in einem Kundenmailing. Im Weblog, in dem erkennbar ist, wer dort schreibt – namentlich erwähnter Mitarbeiter oder einer der Chefs – trägt die dort veröffentlichte Meinung eine ganz andere Tonalität.
  • Das Weblog ist für viele Kunden ein fester Anlaufpunkt und wird auch im Autohaus angesprochen.  Das merken wir immer dann, wenn die Artikel-Schlagzahl mal nicht ganz so hoch ist und sofort Nachfragen kommen, ob etwas passiert sei.
  • Der Leser nimmt einem selten etwas übel, selbst wenn Informationen definitiv fehlerhaft sind und nachbearbeitet werden müssen. Es gilt immer noch die Erfahrung, dass wo authentische Informationen landen, auch das Feedback weitgehend sachlich und konstruktiv bleibt. Das Problem also, dass man Kundenkommentare nicht steuern könnte, ist eine Sorge, die im Zweifelsfall eine Unternehmenskommunikation eher bremst, als fördert.
  • Themen sucht man nur am Anfang und findet nach der Anfangsphase genügend. Dafür sorgen allein schon Mitarbeiter, die ein erstaunlich gutes Gespür dafür entwickeln, über was man vielleicht bloggen kann. Eine griffbereite Digitalkamera, schnell gemachte Notizen und schon ist ein Thema gesammelt, über das sich später bloggen lässt. Das gesamte Autohaus übernimmt also fast schon Recherche- bzw. Redaktionsarbeit.

Eine Blog-Empfehlung und: Die Welt ist klein.

Ich empfehle ja normalerweise keine Weblogs weiter, aber diese Empfehlung ist eine solche Verkettung von Zufällen und das Weblog auch noch so gut, dass es einfach eine Empfehlung wert ist. Es geht hier um das Weblog namens Not quite like Beethoven von Alexander Görsdorf. Ein interessantes Weblog eines Menschen, der „wie Beethoven ist – nämlich ertaubt und öfters am daran verzweifeln.“

Mit einem besonders guten Gehör bin ich dank einer Reihe von Mittelohrentzündungen auch nicht gesegnet, aber dass es noch eine gute Packung schlechter geht, hört man selbst ironischerweise kaum, sondern kann es nachlesen. Beispielsweise eben bei „Not quite like Beethoven“.

So, und wie komme ich nun zu diesem kleinen Weblog in meinem Google Reader? Vor einigen Tagen habe ich mit Christiane vom Behindertenparkplatz getwittert. Das tun wir immer wieder einmal, weil Christiane in London in der Medienbranche arbeitet, an vielen interessanten Dingen gleichzeitig. Und Christiane sitzt im Rollstuhl, was wiederum – so ungalant darf man sein – interessant ist, denn als Nicht-Rollstuhlfahrer macht man sich kaum eine Reihe von den Gedanken, die sich ein(e) Rollstuhlfahrer(in) tagtäglich machen muss.

Wie auch immer: Vor einigen Tagen hatten wir es, nachdem ich erwähnte, dass ich meine Kompetenzen beim Weichlöten (gell, das wolltet ihr doch auch alle wissen!) in meiner Fernsehzeit gelernt habe, kurz davon, dass ich auch mal bei den Mainzelmännchen auf dem Mainzer Lerchenberg gearbeitet habe, just in der Zeit herum, als auch Christiane beim ZDF ein Praktikum absolvierte. Die Sendungen, für die sie arbeitete, kenne ich alle und ihre Bemerkung, dass man sich vielleicht ja durchaus damals über den Weg gelaufen sein könnte, finde ich extrem faszinierend, weil absolut möglich. Über die so genannte „Schnitzelpiste“, den zentralen Übergängen vom Sendebetriebsgebäude zum ZDF-Kasino, wird gesagt, dass man sich mittags eine Stunde dort hinstellen muss, um 75 % aller ZDF-Mitarbeiter kennenzulernen.

In diesem 140-Zeichen-Dialog fragte sie dann, ob ich das Blog da oben kennen würde, das würde nämlich vom Sohn des damaligen Chefkameramannes geschrieben werden. Da ahnte ich schon, wer das sein könnte, denn genau diesen Alexander Görsdorf hatte ich schon vor einigen Jahren in Xing gefunden und in meiner Direktheit gefragt, ob er tatsächlich der Sohn des besagten Chefkameramannes sei, was er, sicherlich mit einigem Staunen über so eine Frage aus dem Netz von einem Fremden, bejahte. Dieser Chefkameramann ist mir nämlich auch heute noch deshalb im Gedächtnis, weil er der erste Mensch im ZDF war, der mich anno 1995 mal kurz in die Tiefen des Hauses einführte, als ich von heute auf morgen (Betonung auf „heute auf morgen“) die nachträgliche Praktikumszusage erhielt und da plötzlich aufschlug, ohne überhaupt ein vorübergehendes Dach über dem Kopf im Rhein-Main-Gebiet zu haben.

Die Welt ist klein. Und Alexander Görsdorfs Weblog ein ganz interessantes. Christiane ihr Weblog ja sowieso. 🙂