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Wie man sich Kunden madig macht.

10. Juni 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Meine Eltern sind so lange ich denken kann Kunden bei der Baden-Württembergischen Bank. Für meinen Vater war es, als er in den sechziger Jahren nach Pforzheim kam, die erste Bank vor Ort, damals noch namentlich die Badische Bank, die dann irgendwann mit den Kollegen auf der anderen Seite fusionierte und zur Baden-Württembergischen Bank verschmolz.

Über 40 Jahre. Die Damen und Herren, die mit meinen Eltern in der Anfangszeit zu tun hatten, sind längst schon in Rente oder auf dem Friedhof. Auch die nächste und übernächste Generation an Mitarbeitern konnten sich eigentlich über meine Eltern, die alle fiskalen Tugenden eines Baden-Württembergers verinnerlicht haben, nicht beschweren. Immer brav das Geld in die Bank getragen, immer nur ein Konto gehabt, lange Zeit Geld auf dem Sparbuch geparkt und schon viele Jahre ein Schließfach im bankeigenen Tresor gemietet, in dem der bescheidene Familienschmuck und einige andere Habseligkeiten vor sich hinschlummern.

Nun zieht die Baden-Württembergische Bank in Pforzheim vorläufig um. Weg von der Poststraße, wo die Landesbank Baden-Württemberg, die Mutter der Baden-Württembergischen Bank, ein neues Bankhaus springen lässt und hin zum Gebäude des ehemaligen Bankhauses Steinhart, in dessen Räumen in der Goethestraße die Baden-Württembergische Bank eine Behelfsfiliale gebaut hat. Inklusive einem Tresor. Und in den müssen nun die Inhalte aller Schließfächer transportiert werden.

Dazu hat die Baden-Württembergische Bank allen Schließfachkunden einen Brief geschrieben und auch eine vorbereitete Rückantwort, in der der gewünschte Termin, an dem man das Schließfach räumen und die Inhalte zum neuen Tresor transportieren möchte, angegeben werden konnte. Das wurde dann auch bestätigt. Dieser Termin war heute.

Meine Mutter, die nun ebenfalls seit über 40 Jahren diesem Bankhaus bekannt sein dürfte und ungefähr jeden Mitarbeiter, der jemals in diesen 40 Jahren in der Filiale gearbeitet hat, kennt und im übrigen mit meinem Vater gemeinsam die Bankbeziehung pflegt, durfte das heute nicht. Denn sie sei für eine “Schließfachkündigung” (Kündigung?) nicht berechtigt. Sie durfte das Schließfach nicht räumen, obwohl meine Mutter diejenige ist, die in den vergangenen Jahrzehnten quasi allein dieses Schließfach bediente und dort namentlich ein- und ausging. Leeren und kündigen darf nur mein Vater, so die Mitarbeiterin vor Ort.

Meine Mutter, 60 Jahre alt, nicht mehr ganz so gut zu Fuß, Bullenhitze draußen, 40 Jahre Bankbeziehung mit meinem Vater zusammen, ständig die einzige Person, die auf das Schließfach zugegriffen hat, vor drei Wochen per Fax und per Telefon den Schließfachumzug geplant und geklärt und heute ist sie dann nicht dazu berechtigt.

Meine Mutter, bescheiden wie nun mal Gastarbeiter der ersten Generation sind, hat sich darüber nur geärgert. Ich wäre jedoch in den Geschäftsräumen der Baden-Württembergischen Bank Pforzheim, bei der ich auch einmal ein Girokonto hatte, sehr anschaulich geplatzt und das wäre ein nicht sehr schönes Erlebnis für die dortigen Mitarbeiter geworden.

Nun wird also mein Vater am Montag mit zur Baden-Württembergischen Bank Pforzheim gehen und dort nochmal erklären, dass die Frau, die da am Donnerstag das Schließfach leeren wollte, tatsächlich immer noch seine Frau ist. Und meine Mutter, denn ich werde mitgehen, diese Geschichte mal dort aufarbeiten und mich auch nicht sonderlich darum bemühen, die Contenance zu bewahren, wenn mir da einer mit seinem Betriebshandbuch oder sonstirgendetwas formalem daherkommt.

Es wird Zeit, die Bank zu wechseln. Wenn die Bank ihren Kunden auf den Zeiger geht und sie schikaniert, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es da einigen Leuten viel zu gut geht.

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Warum muss es Skimming eigentlich noch geben?

26. Mai 2010 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Sehr praktisch bei einer Direktbank ist es, dass man auf sie wegen unsicheren Geldautomaten nicht schimpfen kann, weil sie in der Regel selbst keine betreibt. Das ist an sich dann auch das einzig gute an der Thematik des Skimmings, also dem Abgreifen von Karteninformationen von EC-/Maestro-Karten durch Gauner und das ausgerechnet dort, wo es eigentlich sicher zugehen sollte, nämlich an bzw. im Umfeld von Geldautomaten.

Ich bin da inzwischen bei einer recht deutlichen Haltung und sage, dass es Banken und Sparkassen den Gaunern immer noch so einfach machen, dass es eigentlich schon grob fahrlässig ist. Dass das Banken und Sparkassen ziemlich genau wissen, erklärt sich meiner Meinung nach unter anderem durch den Umstand, dass finanzielle Schäden durch Skimming weitgehend in der Stille reguliert werden.

Wenn ich mir aber Geldautomatenstandorte so anschaue, packt mich das kalte Grausen und gelegentlich auch die Wut. In der einen Bank steht der Geldautomat in der hintersten, dunkelsten Ecke des Vorraumes und hier soll der geneigte Geldabheber dann überprüfen, ob der Geldautomat manipuliert ist? In einer anderen Bank steht der Geldautomat direkt am Schaufenster zum zentralen Platz in Pforzheim. Will man das Geldabheben zu einem sinnlichen Erlebnis – nicht nur für sich selbst – machen?

Und dann schauen wir uns mal die Geldautomaten selbst an: Bei quasi keinem der üblichen Geldautomaten kann selbst ich, der von EDV und Technik nun doch etwas versteht, wirklich beurteilen, ob das Ding nun manipuliert ist oder nicht. Tastaturen und Kartenschlitze sind modular in ein Gehäuse eingebaut, aber derart ungeschickt und undurchdacht, dass ich nicht feststellen kann, ob das nun zum Gerät gehört oder nicht.

Dabei könnte man gerade hier sehr viel tun, in dem man beispielsweise alle Bedienelemente hinter einer Metallblende verbaut: Eine glatte Fläche, in der die Tasten versenkt sind und eine Kartenzuführung, die nur aus einem feinen Kartenschlitz besteht. Im Display könnte man so sehr deutlich den Benutzer darüber informieren, wie der Geldautomat im Normalzustand auszuschauen hat und man gefälligst die Finger davon lassen soll, wenn über dem Kartenschlitz oder der Tastatur irgendetwas übersteht.

Dutzende Ideen fielen mir ein, aber es interessiert leider niemanden. Die meisten Banken sind überraschenderweise höchst beratungsresistent, wenn der Informationsfluss von der Kundschaft zur Bank erfolgen soll und nicht umgekehrt. Gerade beim wichtigen Punkt des Geldabhebens, mit dem ich ja nicht Geld von der Bank hole, sondern mein Geld, halte ich das für eine zentrale Frage, warum ich einer Bank trauen sollte, die so schäbig mein Geld verwaltet. Ich glaube, dass man diese Diskussion inzwischen auf dieser Ebene führen muss, um überhaupt mal jemanden dazu zu bringen, sich diesem haarsträubend vernachlässigten Thema anzunehmen.

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Es ist geschafft.

3. November 2009 | 10 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Der morgentliche Blick in mein Wertpapierdepot bei der Comdirect Bank war nichts für schwache Nerven. Rein gar nichts. Die Begrifflichkeit “Über Nacht reich geworden” trifft es nicht ganz:

Intrigantische Summen bei der Comdirekt Bank

92 Billiarden Euro. Damit kann man vermutlich den ganzen Planeten kaufen. Wer fährt mit, das Geld zu holen, wir müssten nach Quickborn. :-)

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Direktbanken und Warnhinweise bei spekulativen Geschäften.

3. Oktober 2008 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Im ZDF jammert jemand, er habe bei einer deutschen Direktbank DAX-Zertifikate gekauft, die dummerweise von der inzwischen pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers herausgegeben wurden. Er habe daraufhin mit seiner Bank telefoniert, die jedoch nur bestätigen konnte, dass seine Papier derzeit nicht handelbar seien und er mit einem Totalverlust rechnen müsse. Er, der Kunde, jammert nun, man hätte ihn nicht davor gewarnt und eigentlich müssten auf solchen Zertifikatsprospekten ähnliche Warnhinweise stehen, wie auf Zigarettenschachteln.

Da hat der gute Mann vermutlich eine kleine Leseschwäche. Mir ist bisher noch kein Verkaufsprospekt für ein Zertifikat untergekommen und noch nicht mal eine Werbeanzeige, in dem/der nicht darauf hingewiesen wurde, dass ein Zertifikat gewisse Risiken bergen kann. Zudem haben Banken eine Beratungspflicht, die sich auch auf Direktbanken erstreckt und die Direktbanken für gewöhnlich mit ausführlichem Informationsmaterial erledigen und in denen die Spezialitäten von Zertifikaten erläutert werden – eben auch die Gefahren eines Totalverlustes, wenn das herausgebende Institut beispielsweise eine Bauchlandung macht.

In solchen Fällen, also wenn ein Kunde bei einer Direktbank seine Dokumentation nicht liest und Dinge kauft, von denen er keine Ahnung hat, muss ich sagen: Pech gehabt. Zertifikate sind nichts für Anfänger, weil sie von Hause aus ein erheblich höheres Risiko haben, als beispielsweise klassische Aktienfonds, deren Vermögenssumme getrennt vom Vermögen des Fondsanbieters verwaltet werden.

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Mittendrin in der Finanzkrise.

30. September 2008 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Wer es noch nicht gemerkt hat, dem sei gesagt, dass die Finanzkrise inzwischen ziemlich bedrohliche Ausmaße angenommen hat und es eigentlich ans Eingemachte geht. Gestern hat es mit der Hypo Real Estate, an sich ein solides Unternehmen mit einem großen Bestand an solventen und staatsnahen Kreditnehmern, weitgehend nur deshalb gewackelt, weil eine Tochter dieser Gruppe akute Probleme mit dem Bezug von liquiden Mitteln bekam, da sie ebenfalls im Strudel mit faulen Krediten in der US-Immobilienflaute steckt. Analysten und Experten, die gefragt werden, wie es denn mit den normalen Geschäftsbanken aussieht, antworten schon mit der Aussage, dass keine akute Gefahr besteht, da deren Kundschaft größtenteils aus konservativen Anlegern besteht. Sprich: Die Banken trauen sich untereinander immer weniger, der Staat muss immer stärker und immer öfter einspringen und alles funktioniert an sich nur deshalb, weil die Kundschaft nicht in Panik verfällt. Hoffentlich.

Die Frage wird wirklich sein, wie die nächsten Wochen aussehen. Dass sich Staaten immer stärker in die Bankenwelt einmischen und kurz einmal eine ganze Reihe von Banken verstaatlichen (was noch vor wenigen Monaten kaum einer für möglich hielt), ist bedenklich, wenn auch nicht unbedingt katastrophal. Zum einen sind es häufig Bürgschaften, die nicht unbedingt Zahlemann & Söhne bedeuten, sondern als Sicherung gelten, und zum anderen sind die aufgekauften Banken und faulen Kredite ja nicht unbedingt verbranntes Geld und könnten in mittelferner Zukunft mit einem Verkauf oder einer anderweitigen Verwertung zu einer schwarzen Null oder gar zu einem Gewinn führen. Was allerdings zweifellos ein Problem ist: Die Liquidität, die Banken so erhalten, führt dazu, dass diese vorläufig und vermutlich einige Zeit lang dem Staat fehlt und das mittelfristige Risiko besteht, dass noch einiges an dem investierten Geld auf der Strecke bleibt.

Weiter betrachtet kann sich sowas zu einem richtig harten Bumerang auch außerhalb der Bankenwelt entwickeln, denn wenn der Staat weniger handlungsfähig wird und die Banken groß damit beschäftigt sind, ihre faulen Kredite von einer Ecke zu anderen zu schaufeln, leiden die Unternehmen, die ebenfalls kurz-, mittel- oder langfristig fremdes Geld benötigen. Mit den Rettungsmaßnahmen werden wir also weltweit durchaus noch einige Jahre nett beschäftigt werden.

Zum eigenen Wertpapierdepot: Tja, wer noch nicht aufgeräumt hat, kann es jetzt getrost bleiben lassen, (wenn er nicht gerade auf hochentzündlichen Zertifikaten sitzt, bei denen es teilweise wirklich ums Eingemachte geht), denn alles, was jetzt verkauft wird, geht hoffnungslos unter Preis. Also zusammenreißen, Schotten dicht machen, Augen zu und durch. Der Dienstag wird vermutlich einer der übelsten Tage werden, den die Finanzmärkte je gesehen haben. Die harten Brüder und Schwestern unter uns werden sich morgen vermutlich sogar noch mit Einkäufen bedienen, allerdings ist das selbst mir viel zu heiß gerade.

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