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Gottschalk Live – war was?

23. Januar 2012 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Vielleicht hätte man zur ersten Sendung von Thomas Gottschalk einen anderen Gast als Bully Herbig eingeladen, einem der wenigen Menschen mit der seltenen Begabung, sehr schnell sehr viel sehr wenig inhaltliches zu sagen. Vielleicht hätte man es mit etwas weniger jugendlich anmutendem Hipp probiert. Vielleicht hätte man Thomas Gottschalk vielleicht mal ein vernünftiges Einstiegsthema gegeben. Oder vielleicht die Studioeinführung etwas umfassender machen lassen. Keine Ahnung. Die “ARD-Standardkrawatte” ist jedenfalls kein echter Hammer, denn wenn es einen Sender gibt, bei dem man fest davon überzeugt sein könnte, dass es Standardkrawatten geben könnte, dann ist es genau die ARD.

So war die Premiere von “Gottschalk Live” eine Veranstaltung, die so durchgelaufen ist, wie normalerweise das normale ARD-Vorabendprogramm bisher durchgelaufen ist. Nach zehn Minuten hielt Thomas Gottschalk das hohe Tempo der Moderation nicht mehr durch und es ist seiner großen Moderationserfahrung zu verdanken, dass man sich dabei als Zuschauer nicht fremdschämen musste. Was war gleich noch? Wir haben “Social-Media-Frau” Caro kennengelernt. Und einen ganz hippen Menschen mit gegelten Haaren und einem Drang, etwas sagen zu wollen, aber nicht zu dürfen. Und dann haben wir gelernt, dass Gottschalk keinen Cousin in Polen hat, sondern in Leipzig. Bully Herbig und die erste Werbepause kamen dann genau zur richtigen Zeit. Und dann noch einen Blick auf die Bild-Zeitung und dem heutigen Aufmacher, dass Seal und Heidi oder Heidi und Seal nun nicht mehr zusammenbleiben wollen. Nachricht von gestern. Auch wenn Thomas angeblich mit Heidis Vater telefoniert hat – die so deutlich beworbenen Menschen mit Twitter- & Facebook-Account haut so ein Thema nicht vom Hocker

Apropos Werbung und Zielgruppe: Immerhin gab es hier Vorschusslorbeeren, am deutlichsten zu sehen mit der Werbung von BMW. Tatsächlich war für so ein Unternehmen wie BMW die Zeit vor der Tagesschau eher kein Zeitraum, um dort einen Spot für die übliche Zielgruppe der 3er-Fahrer zu platzieren. Und es störte noch nicht mal der obligatorische Spot für die samstägliche Tagesschau, obwohl man die ja nun nicht wirklich bewerben muss.

Die zwei Werbepausen und das eingebettete Wetter (auf so ein Ding muss man auch erst einmal kommen) zersägten dann Gottschalk Einstand gänzlich. Einen entgleitendenden Dialog mit einem Schnellsprecher nach drei Unterbrechungen aufzufangen und in den paar Minuten dann auch noch halbwegs sinnvoll die Produktwerbung für Herbigs Film einzufriemeln, gelingt noch nicht mal Thomas Gottschalk. Zumindest lernt der Zuschauer, dass er immer noch ein Mensch ist und kein Moderationsroboter.

Und so beschlich mich nach 20 Minuten die gleiche, fast schon vergessene Angst und Ratlosigkeit darüber, wie Thomas Gottschalk diese Sendung, die für ihn eigentlich völlig nichtig und albern ist, zu retten vermag, ähnlich wie vor gefühlten 20 Jahren bei Gottschalks Ausflug in die RTL-Latenight. Nichts passiert, nichts haften geblieben und wenn ich die Sendung nicht aufgezeichnet hätte, hätte ich einige Punkte in diesem Artikel kaum noch zusammenbekommen.

Wird ein hartes Stück Arbeit, Thomas.

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Die öffentlich-rechtliche Guttenberg-Verklärung.

10. März 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Was die ARD heute wohl geritten hat, die Verabschiedung von Karl-Theodor zu Guttenberg live zur besten Sendezeit ins Programm zu nehmen, wird vermutlich auf ewig ein Rätsel bleiben. Generell gehören Zapfenstreiche zu eher öderen Veranstaltungen für Nichtbeteiligte und man muss schon ein gehöriges Faible für das Militär und den Staatsapparat mitbringen, um das als Zuschauer durchzustehen, selbst wenn man als Kameraassistent ja den Luxus hat, mit Arbeit etwas gegen die Müdigkeit tun zu können.

Dass aber die ARD ohne Not den Großen Zapfenstreich, also die feierliche Verabschiedung des Karl-Theodor zu Guttenbergs, der als ausgewiesener Blender mit einer zusammengeschlampten Dissertation eine Doktorarbeit erschwindelt hat, die Öffentlichkeit zehn Tage lang narrte, übertrug, das ist schon ein bemerkenswerter Vorgang. Ministerentlassungen sind in der Regel eine Randnotiz in Nachrichten – selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern – und Entlassungen von Verteidigungsministern nochmal extra unbeliebt, weil eben der militärisch geprägte Zapfenstreich eher Publikum abschreckt.

Aber, so wird man sich bei der ARD vermutlich gedacht haben, warum nicht auf die Guttenberg-Sympathiewelle aufspringen und der “Bild”-Zeitung ein Schnippchen dadurch schlagen, dass sie in die Zeitung kein Bewegtbild abdrucken kann? Einfach rauf auf den Sender, den Rest erledigt dann erfahrungsgemäß Karl-Theodor zu Guttenberg, der in jede mit Rotlicht versehene Kamera lächelt. Und dazu dann die Livemoderation von Ulrich Deppendorf, immerhin Chef des ARD-Hauptstadtstudios, der vor allem auch dadurch glänzte, streckenweise eine erschreckend unkritische Meinung aufzuwaschen.

Jeder Versuch der Rechtfertigung kann nur in die Hose gehen: Guter Minister? Unschuldiger Abgang? Erledigte Aufgaben? Nichts, nada, Null. Hier wurde einer entsetzlich grotesken Show gehuldigt und an der Glorifizierung eines Politikers gearbeitet, der nichts, aber auch rein gar nichts geleistet hat, außer zu lügen und zu blenden. Von “Staatsfunk” können wir hier schon gar nicht mehr reden, denn der deutsche Staat kann gar nicht daran interessiert sein, so eine plumpe Propaganda senden zu lassen, um nicht fest daran zu arbeiten, weiterhin die Bananenrepublik aufzubauen.

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Stell’ dir vor, es ist Revolution …

30. Januar 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

… und keiner berichtet darüber. Auch am Tag 5 der Unruhen in Ägypten tut sich in den deutschen Medien immer noch kaum etwas. Nehmen wir doch mal den gestrigen Samstag:

  • ARD: Nichts, außer die üblichen Nachrichten, immerhin mit großen Berichtsstrecken.
  • ZDF: Übliche Nachrichten, um 18:35 Uhr immerhin ein “ZDF-Spezial”, 25 Minuten lang.
  • Phoenix: Übernommene Tagesschau um 20 Uhr, eine Hintergrunddokumentation zu Hosni Mubarak um 13 Uhr, 30 Minuten lang.
  • N24: Nichts, außer den stündlichen, fünfminütigen (!) Nachrichten, dafür aber um 21 Uhr eine Dokumentation des Wüstenfuchses Erwin Rommel. Immerhin schon mal etwas Nordafrika.
  • n-tv: Nichts, außer den stündlichen Nachrichten. Um 18 Uhr immerhin eine halbe Stunde, um 20 Uhr zehn Minuten, ansonsten 5 Minuten.
  • Sat 1, Pro Sieben, alle RTL-Programme: Nichts, außer den normalen Nachrichten in bekannt dürftiger Qualität.

Defacto ist bei den deutschen “Nachrichtensendern” N24 und n-tv Ägypten kein Thema, das offensichtlich eine außerplanmäßige Berichterstattung gerechtfertigen würde. Dabei dürfte übernehmbares Bildmaterial von Agenturen, das man verarbeiten könnte, in vermutlich dreistelliger Stundenzahl vorliegen.

Zum Vergleich:

  • Al-Jazeera English: Rund um die Uhr Liveberichterstattung, das normale Programm weitgehend zurückgestellt.
  • CNN International: Weitgehend rund um die Uhr Liveberichterstattung, ergänzt mit Hintergrundberichten und -diskussionen. Auch hier ist das normale Programm weitgehend zurückgestellt.
  • CNN USA: Die Hälfte des Programmes für Liveberichterstattung und Hintergrundinformationen aus Ägypten.

Selbst so Sender wie BBC World, France 24 English oder das japanische NHK World (über Astra empfangbar), die keine Nachrichtensender sind, sondern nur internationale Fenster von nationalen Sendern, machen allesamt eine weit größere und dichtere Berichterstattung, als alle deutsche Fernsehsender zusammen.

Online? Das Nachschauen bereitet noch viel mehr Schmerzen: Bei N24 und n-tv gibt es immerhin Artikel, die jedoch aufgrund der völlig unübersichtlichen und lieblos präsentierten Seiten in etwa den gleichen Informationsrang haben, wie die Berichterstattung aus dem Dschungelcamp, das bei beiden Websites ebenfalls eine Seite-1-Nachricht ist, selbst heute noch, am Sonntag. SPIEGEL Online und die Süddeutsche geben sich wenigstens Mühe mit einer Liveberichterstattung in Tickerform, ebenso die ARD unter tagesschau.de und das ZDF auf seiner Website. Die Welt versucht sich ebenfalls mit einem deutlich schlampigeren (und sicherheitshalber nicht mit Zeitstempeln versehenen) Liveticker und hält einsam das Fähnchen beim Axel-Springer-Verlag hoch.

Das Problem: Keine Informationsstrukturen vor Ort

Vor-Ort-Berichterstattung kann man in verschiedenen Qualitäten haben:

  • Einen eigenen Korrespondenten mit eigenen Produktionskapazitäten. Das macht Al-Jazeera und CNN, aber auch ARD und ZDF. Eigene Leute, eigene Technik, eigene Journalisten.
  • Einen freien Journalisten vor Ort, von dem gelegentlich Material gekauft wird. Funktioniert im Normalfall ganz gut, im Ernstfall dann schon weniger und wenn der freie Journalist wiederum vor Ort auf Fremdkapazitäten in Sachen Bild und Übertragung angewiesen ist, auch gern mal gar nicht.
  • Niemanden vor Ort. Bildmaterial wird zugekauft, die Berichterstattung erfolgt zu Hause unter Zuhilfenahme von Agenturmaterial. Manchmal hilft auch das Glück im Unglück, wenn ein Mitarbeiter des Hauses zufälligerweise im Krisengebiet Urlaub macht und seine eigenen Eindrücke per Telefon nach Hause telefonieren kann.

Wenn man sich anschaut, wie die Berichterstattung von CNN und Al-Jazeera funktioniert, wird einiges deutlich. CNN hat vor Ort Korrespondenten, die, wie bei CNN üblich, unter abenteuerlichen Umständen aus dem Hotel senden. Garniert wird das entweder mit eigenen Bildern vom Hotel aus oder es wird kurzerhand Bildmaterial von anderen Sendern übernommen und mit eigener Berichterstattung untermalt.

Die US-Produktionsideologie arbeitet zudem mit dem Paradigma eines Producers: Der Korrespondent vor der Kamera ist nicht der Chef der Mission, sondern ein eigener Producer, der auch die Fäden in der Hand hält. Der Producer entscheidet, welches Material gesendet wird und was der Korrespondent wo und wann berichtet. Und er hat darüber hinaus die Zeit, eigene Informationen von externen Informanten zu sammeln, auszuwerten und in die Berichterstattung einzubinden.

Kauft sich ein Sender im Spargang einen einfachen, freien Journalisten vor Ort, dann ist das in Krisenzeiten sowieso ein eher hoffnungsloses Unterfangen und leidet dann spätestens in hektischen Zeiten darunter, dass der einfache Journalist eben während dem Stehen vor der Kamera nicht gleichzeitig eine Recherche machen oder sich gar um ein Informantennetzwerk kümmern kann. Sprich: Es geht nur etwas, wenn man vorgesorgt hat als Sender und beizeiten schon Geld in einen Korrespondenten investiert, der vor Ort Informationsstrukturen hat.

Welche Sender sich welche Nachrichtenqualität gönnen? Einfach auch am Tag 5 in den Fernseher schauen und erleben bzw. nicht erleben.

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Deutschland in der Nachrichtenwüste.

28. Januar 2011 | 7 Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Seit dem ich selbstständig bin, erlaube ich es mir, auch am Tage mal mit dem Notebook vor die Glotze zu flitzen und nebenher fernzusehen. Als jemand, der einmal beim Fernsehen gearbeitet hat, bin ich für fiktionales “TV-Vergnügen” zwar kaum mehr zu haben, es bleibt also quasi nur noch Nachrichtenfernsehen.

Nachrichtenfernsehen und unsere “Nachrichteneliten”

Dass wir in Sachen Nachrichtenfernsehen als Industrienation tatsächlich in der Diaspora leben, ist mir da erst letzten Sommer richtig bewusst geworden. Die beiden deutschsprachigen Platzhirsche n-tv und N24 sind nach spätestens einer halben Stunde nicht mehr zu ertragen, was einen einfachen Grund hat: Sie werden jeweils von TV-Imperien produziert, die ihr Geld vor allem mit Unterhaltungsdünnschiss verdienen – n-tv von der RTL-Gruppe, N24 von ProSiebenSat1.

Das Format beider “Nachrichtensender” ist dabei herzlich einfach: Ein Nachrichtenblock zur vollen Stunde, tagsüber auch zur halben Stunde. An Werktagen zudem täglich Informationsblöcke zur Frankfurter Börse, bei besonderen Events dann alles garniert mit höchst seltenen Live-Schaltungen. Der Rest des Tages wird mit meist aus den USA zugekauftem Dokumentationsmüll zugekleistert, der vor allem eines ist: Einfach produziert und billig in der Anschaffung. Ansatzweise gut informiert ist man weder bei n-tv, noch bei N24. Übrigens auch in keinem anderen Programm aus dem RTLProSiebenSat1-Konglomerat, was mir vor einigen Wochen mit Schrecken auffiel, als ich mir die “Pro Sieben Nachrichten” mit der unsäglichen Christiane Gerbot antat, die tatsächlich als soetwas wie eine “Nachrichten-Queen” gehandelt wird. Sicher: Gebissprobleme und Sprachfehler sind bedauerlich und oft kann man auch nichts dafür – allerdings kann man, wenn man auf halbwegs professionellem Niveau Nachrichten lesen will, sich zumindest mal darum medizinisch kümmern lassen. Gelispelte und genuschelte Nachrichten, zusammen mit einem unglaublich schlecht aussehenden Gebiss sind nicht wirklich vertrauensbildend, wenn es um Nachrichten geht.

Es ist übrigens eine Mär, zu glauben, mit Nachrichten im Fernsehen könnte man kein Geld verdienen. Man kann das durchaus, allerdings auf fundamental andere Weisen, als herkömmliches Fernsehen. Während beim herkömmlichen Fernsehprogramm die Buchung der meisten Werbeblöcke Tage und Wochen im voraus passiert, ist es bei Nachrichtenkanäle meist genau andersherum. Für Magazine und geplante Programmbestandteile gibt es Werbeblöcke, hier ist Nachrichtenfernsehen aber eher eine Spartenanwendung und die Preise für Werbeplätze eher günstig.

Die wirklich spannende Zeit für Nachrichtensender kommt immer dann, wenn es zu “Breaking News” kommt, also aktuelle Geschehnisse auftreten. Professionelle Nachrichtensender wie CNN, Al-Jazeera & Co. haben ihre Kompetenz vor allem hier: Extrem kurzfristige Programmplanung in Ernstfällen, Definition von Werbeblöcken und wiederum extrem schnelle Vermarktung dieser Werbeplätze bis hin in Minutenbereiche. Tatsächlich läuft da in Breaking-News-Zeiten bei einem echten Nachrichtensender eine ganze Maschinerie von grundverschiedenen Abteilungen Hand in Hand:

  • Nachrichtenbeschaffung vor Ort
  • Technik zum Übertragen der Nachrichten zum Nachrichtensender
  • Backoffice zur Nachrichtenaufbereitung
  • Das Fahren des eigentlichen Nachrichtenprogramms
  • Vermarktung der Werbeblöcke
  • Zweitverwertung des produzierten Nachrichtenmaterials bei anderen Sendern

Alles Punkte, bei denen man herzlich lachen kann, wenn man sich unsere “Nachrichteneliten” n-tv und N24 anschaut. Nachrichtensender gibt es in Deutschland nicht.

Warum kein öffentlich-rechtlicher Auftrag in Sachen Nachrichtensender?

Das ist eine Frage, die sich mir an dieser Stelle entsetzt stellt, während ich die Nachrichtenlage aus Ägypten tatsächlich aus dem Internet, aus CNN, aus Al-Jazeera und aus dem Radio (!) verfolgen muss. Die “Nachrichteneliten” n-tv und N24 begnügen sich mit Billigdokus aus der Konserve über Sprengmeister respektive über den Spezialtransport eines Brückenteils. Man kann getrost sagen: n-tv und N24 üben sich verzweifelt darin, die Nachrichtenlage vorüberziehen zu lassen, weil sie vermutlich keinerlei Produktionsressourcen in Ägypten stehen haben und – das ist eine unbelegte Vermutung – auch kein Interesse haben dürften, eigene Nachrichten dort zu produzieren. Das würde nämlich Geld kosten und das muss man in der Logik des Nachrichtenfernsehens mit einem Korrespondentennetz bzw. mit kurzfristig verschobenen Produktionskapazitäten zunächst einmal vorstrecken. Faktisch gesehen sind wir im deutschen Fernsehen außerhalb der öffentlich-rechtlich produzierten Nachrichten nicht einfach nur schlecht informiert – wir sind es praktisch gar nicht.

Dass ARD & ZDF durchaus ein großes Interesse daran haben, einen eigenen Nachrichtenkanal aufzubauen und zu betreiben, ist nicht neu. Die Light-Version gibt es schon seit vielen Jahren und nennt sich Phoenix. Schon der Untertitel “Ereignisfernsehen” sagt sehr genau das aus, denn die implizierten Ereignisse sind eben aktuelle Geschehnisse, meist innerhalb Deutschlands, von denen Phoenix dann direkt sendet, unter Zuhilfenahme der Produktionskapazitäten von ARD und ZDF. Darüber kann man streiten, muss aber nicht, denn ARD und ZDF haben sowohl die Produktionskapazitäten und Korrespondentennetzwerke in Deutschland, als auch in der Welt. Und beide Sender sind etabliert und weltweit Autoritäten im Fernsehbereich.

Wem das natürlich alles nicht gefällt, ist eben dem RTLProSiebenSat1-Konglomerat, dass natürlich nicht wirklich daran interessiert ist, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen ihnen das Wasser abgräbt, selbst nicht das klägliche und brackige Wasser, dass sie im Nachrichtenbereich äußerst sparsam selbst produzieren. Aus diesem Grund sorgt eine ganze Heerschar von Lobbyisten dafür, allen Politikern gebetsmühlenartig ständig darüber zu informieren, wie schädlich es doch für das Privatfernsehen wäre, wenn ARD & ZDF einen eigenen Nachrichtensender aufziehen würden, der zu einem Teil oder gänzlich aus Gebührengeldern finanziert wäre. Ja, es kursiert in vielen “Argumentationshilfen” sogar die krude Argumentation, dass ein öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender “schädlich für neutrale Nachrichten” sei. Dann also lieber gar keine Nachrichten, so wie der heute Status Quo.

Meine höchst subjektive Meinung: n-tv und N24 hatten ihre Chance, zu beweisen, dass RTLProSiebenSat1 daran interessiert sein könnte, auch Nachrichtensender zu betreiben, die dem Bedarf an Nachrichten gerecht werden. Das nutzen beide Sender offensichtlich nicht, aus welchen Gründen auch immer. Aus diesem Grund ist nun tatsächlich die Frage zu stellen, wie wir es im deutschen Fernsehen zukünftig mit Nachrichtenfernsehen gestaltet haben wollen und ob man sich nicht endlich einmal näher mit der Idee beschäftigen soll, Phoenix zu einem echten Nachrichtensender aufzuwerten, diesen weiterhin unter der Kontrolle von ARD und ZDF zu belassen und für diesen Sender das Werbeverbot nach 20 Uhr und an Wochenenden aufzuheben. Die deutsche Fernsehlandschaft würde das nicht nur vertragen – sie braucht es dringender als je zuvor.

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Olympia in ARD und ZDF.

26. Februar 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

Mit Sportübertragungen im Fernsehen konnte ich die letzten 15 Jahre wirklich nicht sehr viel anfangen. Das liegt vermutlich an meinen traumatischen Erfahrungen als Kameraassistent mit Kameraeinsätzen bei der Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und dem VfB Stuttgart. Für Fernsehleute ist Sport das härteste Arbeitsumfeld, die der Enthusiasmus zu bieten hat und das fällt vor allem dann auf, wenn man sieht, dass es unter Kameraleuten auffallend wenig eingefleischte Fußballfans gibt.

Die Olympischen Winterspiele von Vancouver haben das aber nun gedreht, was aber vor allem an der überzeugenden Berichterstattung liegt. Und als alte Fernsehproduktionssau begeistert mich vor allem, wie nun endlich auch die Technik mit dem “Journalistenwillen” Schritt halten kann:

High Definition

Ganz klar, HD ist der zentrale Meilenstein im Sport. Produziert werden die Bilder im Mutter aller Formate, nämlich in Full-HD mit 1080 Linien und 60 Vollbildern pro Sekunde. Von ARD und ZDF werden die Bilder auf das “kleine HD” mit 720 Linien heruntergerechnet und darüber hinaus auf 50 Vollbilder reduziert, denn dieses “720p50″ ist das Hausformat der European Broadcasting Union (EBU).

Das “kleine HD” tut dem Spektakel jedoch keinen Abbruch, denn es ist weniger die Linienzahl, die das Bild macht, sondern die Zahl der Bilder pro Sekunde: Mit normalem PAL lassen sich nur 25 Bilder pro Sekunde übertragen, die dann in einer Mogelpackung als 50 Halbbilder pro Sekunde übertragen werden; zuerst das Halbbild mit ungerader Zeilenzahl, danach das nächste Halbbild mit gerader Zeilenzahl und so weiter. Übertragungsformate mit 50 Halbbildern führt zwar zu flüssigeren Bewegungen als mit 25 Halbbilder (man denke bei letzteres an das Kino, das mit 24 Vollbildern arbeitet), allerdings sehen Bewegungen von Hause aus “verwaschen” aus, Details kommen einfach nicht gut herüber, als mit 50 Vollbildern.

Was ARD und ZDF da also an Bildern von den Sportstätten mit 720p50 liefern, ist wirklich Bewegtbild in High End, erste Sahne.

Kinoton

Früher waren Sportübertragungen einfach und schrecklich. Man hatte das Bewegtbild, man hatte mehr oder weniger guten Ton von der Veranstaltung und man hatte den Ton des Kommentators in telefonhörerartiger Qualität. Und das trifft es schon genau, denn früher kamen von Sportstätten das “Weltsignal”, also Bild und Ton ohne jeglichen Kommentar. In den Kommentatorkabinen, die unmittelbar an den Sportstätten liegen, saßen dann die Kommentatoren am Telefon, das zur jeweiligen Sendezentrale verbunden war und kommentierten tatsächlich über das Telefon. Das sorgte zwar für den typischen “fernen” Eindruck von Livekommentaren, allerdings ist ein “schöner” Ton nicht zu unterschätzen.

Ironischerweise glauben auch heute noch viele Fernsehzuschauer, dass der “schöne” Ton der heutigen Livekommentare so schön ist im Gegensatz zum Telefongenuschel von früher, dass der Kommentator unmöglich vor Ort sein kann, sondern möglicherweise im warmen Sendezentrum in Deutschland sitzt. Das ist aber tatsächlich nicht so, die Kommentatorkabinen an den Sportstätten gibt es immer noch, nur gibt es inzwischen für die Tonübertragungen vernünftige und bezahlbare Bandbreiten.

Im übrigen sei angemerkt, dass Raumklang inzwischen der Normalfall ist. Wer also zu Hause eine vernünftige Surround-Soundanlage hat, kann die auch einsetzen.

Entfesselte Kamera

Die entfesselte Kamera halte ich für die eigentliche Revolution in der Sportübertragung. Das hat man sehr schön bei den Biathlon- und Langlaufwettbewerben gesehen. Dort gibt es das übliche “Weltbild”, aber unmittelbar vor den eigentlichen Wettbewerben noch Kommentare vor Ort von einem Moderator und einer/einem Expertin/Experte. Dieses Bild wird schon von einem eigenen Produktionsteam der jeweiligen Fernsehanstalt produziert, ist aber inzwischen auch nicht mehr unüblich.

Was allerdings dann schon richtig neu war, war die schnelle Schaltung zum jeweiligen Bundestrainer während den Wettbewerben, um so ein brandaktuelles Stimmungsbild einzuholen. Gerade die so eingefangenen Livekommentare von Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle waren mehr als “live” und wirklich mitten aus dem Geschehen heraus. Der Begriff “geil” trifft es für diese Art der Liveberichterstattung gerade noch so.

Für all diese Spielereien braucht man eine “entfesselte Kamera”, die einerseits ohne groß verlegte Kabel auskommen muss, andererseits aber live ihre Bilder in die Produktion übertragen kann. Das macht man inzwischen mit an den Spielstätten vorhandenen Funknetzen und für Fernsehsender reservierte Funkkanäle, in die sich die jeweiligen Kameras einfach einschalten, egal wo sie gerade in der “Funkwolke” stehen.

Wer das miterleben möchte: Heute Abend gibt es ab 20:30 Uhr den Biathlon-Wettbewerb 4×7,5 km Staffel Herren. Ab 20 Uhr einschalten und miterleben. Auch für absolute Sportmuffel ideal zum Staunen.

Das Studio an den Sportstätten

Was die entfesselte Kamera von ARD/ZDF direkt vor Ort an den Sportstätten im Olympiaort Whistler produziert, landet nicht direkt im so genannten “International Broadcast Center” in Vancouver, in dem praktisch alle Fernsehsender kostengünstig produzieren können, sondern im eigens eingerichteten Produktionsstandort in Whistler, wo auch das “Panoramastudio” der beiden Sender steht, das man auf das Hilton Hotel von Whistler aufgebaut hat. (An dieser Stelle Dank an ARD-Redakteur Dirk Hofmeister, der mir via Twitter den Tipp gegeben hat, da ich in Google Earth partout nicht das passende Dach finden konnte. Auch diese Art der Interaktion per Web 2.0 – Respekt. Man muss es nur tun.)

Diese Zwischenstelle in der Produktion mag zwar nicht gerade wenig Geld kosten, allerdings ist das ein Schlüsselelement in der gesamten Berichterstattung, denn nur so hat man die Sportler, die ihre Wettbewerbe in Whistler absolvieren, direkt in einer heimeligen Atmosphäre für die Nachberichterstattung und zudem kann man auch hier eben verhältnismäßig einfach mit den Teams in den Sportstätten live – und eben wirklich “live” – interagieren.

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