CyanogenMod 10 auf dem Samsung Galaxy S2.

Dass ich mich mit meinem Samsung Galaxy S2 auf das CyanogenMod-Eis gewagt habe, also einer so genannten Aftersales-Firmware, die nicht offiziell von Samsung gepflegt und auch nicht empfohlen wird, passierte aufgrund akuter Langeweile und Genervtheit auf die Art und Weise, wie Samsung für seine Smartphones Android pflegt.

Zum einen dauert es gewaltig lange, bis Samsung die Android-Basis für seine Firmware aktualisiert. Für mein Galaxy S2 ist beispielsweise noch 4.0.4 aktuell, während es auf dem Markt bereits 4.1.2 und nun auch schon 4.2 gibt. Es ist fest damit zu rechnen, dass das kommende Update schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder auf eine alte Android-Basis setzen wird. Und interessanterweise interessiert das alles bei Samsung niemanden, auch nicht das Bugfixing, was den kleineren Android-Updates zugrunde liegt.

Zum anderen pflegt Samsung bei seinen Firmware-Paketen eine typisch fernöstliche Kultur: Alles reinpacken und vorinstallieren, ohne Rücksicht auf Übersichtlichkeit. Das erste, was ich beim Starten meines Samsung Galaxy S2 im Mai 2011 dachte: Du liebe Zeit … die vorinstallierten Apps verteilten sich auf zwei Seiten des Launchers und genügend dieser vorinstallierten Software habe ich nicht ein einziges Mal gestartet. Dass man bei Samsung es mal so verstehen könnte, dass man Software optional zum Download anbietet und nicht von Hause aus die Smartphones zumüllt – unmöglich.

CyanogenMod geht in seinen Firmware-Paketen da den minimalistischen Weg: So pures Android wie nur möglich, dafür jedoch auf Geschwindigkeit optimiert und von Hause aus offen, also mit Superuser-Rechten. Was man von CyanogenMod und von der Installation jeglicher Aftersales-Firmware andererseits nicht erwarten darf: Eine sehr einfache Installation. Alle Aftersales-Firmwares sind mehr oder weniger komplex zu installieren, zumindest beim ersten Mal. Denn tatsächlich muss man zunächst das Smartphone so „knacken“, dass es die Installation von alternativen Firmware-Paketen überhaupt erlaubt. Das macht man für gewöhnlich dadurch, in dem man den Bootloader manipuliert, also das Stück Software, das ein Smartphone nach dem Einschalten unmittelbar ausführt und damit das eigentliche Betriebssystem lädt. Praktisch alle Smartphones überprüfen im Bootloader während der Installation einer Firmware deren Echtheit und installieren von Hause aus logischerweise nur die eigene Firmware. Hat man einen modifizierten Bootloader auf das Smartphone installiert bekommen, dann ist der Weg zu alternativen Firmwares frei.

Der Weg mit dem Samsung Galaxy S2 ist nicht sonderlich tricky, dauert aber zwei, drei Stündchen und erfordert zumindest ein paar Kenntnisse über Android und die Art und Weise, wie man per lokalem Computer Firmware einspielt. Und auch wenn die Installation von CyanogenMod eigentlich ziemlich sicher ist, muss man sich im Klaren darüber sein, dass nach der Installation einer alternativen Firmware der Hardware-Hersteller für gewöhnlich eventuelle Support- und Gewährleistungsansprüche ab diesem Zeitpunkt ablehnt. Zumindest ist der Rückweg zu einer Samsung-Firmware nicht gänzlich verbaut, wenngleich man dies dann zwingend an einem lokalen Computer initiieren muss.

Nun gut, es gibt schlimmeres auf dieser Welt, denn der Gegenwert ist mehr als fair: CyanogenMod 10 basiert auf Android 4.1/4.2 und auf diesem Weg bekomme ich auf mein Smartphone sehr elegant ein praktisch natives Android installiert, gänzlich unbeladen im Gegensatz zu den völlig überladenen Samsung-Firmwares. Wer das wiederum nicht mag, bleibt besser bei Samsung-Firmwares, da die meiste Fremdsoftware in Samsung-Paketen nicht separat erhältlich ist bzw. dann kostenpflichtig ist. Das gilt insbesondere auch für den Samsung-eigenen App Store und auch für die Erweiterungen, die Samsung in seine Android-Firmwares einbaut (z.B. Samsung DIVE zum Lokalisieren eines geklauten Smartphones).

Wer sich kundig machen möchte und vielleicht sogar mal CyanogenMod auf eigene Gefahr hin ausprobieren möchte, dem sei das CyanogenMod-Wiki empfohlen. Hier gibt es zu allen unterstützten Smartphones Installationsanleitungen, FAQ und Links zu Downloads. Ein Hinweis dazu: Stable-Downloads sind stabile Firmware-Versionen für den alltäglichen Gebrauch, Experimental-Downloads Firmware im Beta-Status zum Experimentieren und Nightlies absolute Experimentierfelder, die zwar weitgehend gut laufen, aber eben ausdrücklich auch im Alpha-Status sein können.

Android 4.0.3 auf dem Samsung Galaxy S2.

Seit nun einer Woche habe ich auf meinen Samsung Galaxy S2 die offizielle Samsung-Version von Android 4.0.3 installiert. Zwar wird diese Version noch nicht offiziell über den Samsung-eigenen Update-Dienst KIES verteilt, allerdings kann man sich über diverse Websites das offizielle Update-Package für „Open Europe“ herunterladen und das dann über ein Update-Werkzeug namens „ODIN“ installieren. Ist etwas Tech-lastig, ich empfehle diese Art der Installation ausdrücklich nicht. Am Ende kommt aber ein Samsung Galaxy S2 mit eben Android 4.0.3 heraus und da es ein offizielles Update-Paket ist, ist das Smartphone danach auch weiterhin in der Produktgarantie.

Wer sich von Android 4.0.3 auf dem Samsung Galaxy S2 viel Änderungen erhofft, wird enttäuscht werden. Samsung hat es tatsächlich geschafft, weitgehend alle schicken Design-Neuerungen von Android 4.0 wegzulassen und weiterhin auf seinen eigenen „TouchWiz“-Launcher zu setzen. Der ist, um es kurz zu fassen, langweilig und schrecklicherweise mit Android 4.0.3 – zumindest im aktuellen Update – belastet mit einem klitzekleinen Zeitverzug bei der Touch-Interaktion. Wischt man eine Seite weiter, merkt man, dass das Smartphone erst einen (wenn auch sehr kurzen) Sekundenbruchteil später darauf reagiert.

Und so geht es in Sachen Look-and-Feel leider durchweg weiter – von Android 4.0 nichts zu sehen. Das Einstellungsmenü ist das altbackene Samsung-Menü und leider weit von der neuen Übersichtlichkeit von Android 4.0 entfernt. Ebenso leidet das Scrollverhalten in Apps, das nicht mehr das ist, wie unter Android 2.3.x – wird das Scrollen „abgeschubst“, läuft es nur noch hakelig und stoppt wieder sehr abrupt und unschön, wenn man es mit einem Tap wieder anhält. Ist schwer zu erklären, ist aber einfach nicht schön und gerade in timeline-lastigen Apps wie praktisch alle Twitter-Apps einfach nur lästig. Inwiefern hier die Patentstreitigkeiten mit Apple eine Rolle spielen (die das definitiv tun), kann ich nicht beurteilen, aber hey, Samsung, regelt eure Hahnenkämpfe nicht auf den Rücken der Anwender.

Leider auch unter den Tisch gefallen ist die deutlich verbesserte Software-Tastatur von Android, die Samsung einfach weggelassen hat und wieder mit der Samsung-Tastatur und der leider wieder bescheuerten Rechtschreibkorrektur aufwartet. Dieser Schritt ist mir schlicht unverständlich, denn hier hat Samsung eine wirklich gute Android-Verbesserung zugunsten einer schon immer miesen Eigenentwicklung ersetzt. Immerhin: Der neue Taskmanager hat es auf das Samsung Galaxy S2 geschafft und das ist tatsächlich auch die größte, sichtbare Neuerung.

Soll man denn überhaupt updaten? Es bleibt kaum eine andere Wahl. Das letzte offizielle Update für den deutschsprachigen Raum stammt noch vom September letzten Jahres und hat Android 2.3.4 als Untersatz. Die im Februar kurzfristig verteilte Version 2.3.6 wurde kurzfristig wegen instabilem Verhalten wieder zurückgezogen und wohl zugunsten des bereits in der Pipeline stehenden Updates auf Android 4.0.3 nicht ausgebessert.

Wer aber schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, sich ein Custom ROM zu installieren, der dürfte mit diesem Update Auftrieb bekommen. Es bleibt abzuwarten, wann die Jungs vom Cyanogenmod-Projekt die erste stabile Android-4.0.3-Version für das Samsung Galaxy S2 bereitstellen

Beim Karlheinz.

Es steht ja immer noch eine Art “Kindheitstraum” im Raume, der besagt, dass ich im Alter von 50 Jahren eine Kneipe eröffnen möge. Wer auf diese Idee kam, weiß ich schon gar nicht mehr so genau, ebenso nicht mehr, wann diese Idee in welchem Zustand ausgegoren wurde. Und während schon einige Namen für diese Kneipe im Laufe der Zeit kursierten (unter anderem “The Joshua Tree”), ist der Name für so eine Lokalität gefunden: Der Name wird lauten: “Beim Karlheinz”. Und daran hat Google Schuld.

Schuld nicht etwa deshalb, weil ich den Namen in Google gesucht hätte, wie man meinen könnte. Nein, sondern weil “Beim Karlheinz” mein Name ist. Glaubt zumindest das Wörterbuch von Android (2.3.x), wenn man versucht, in einem Textfeld “Besim Karadeniz” einzugeben. Eine richtige, kleine Schlamperei von Android, für die man auch noch mehrfach Anlauf mit der Aufnahme meiner Namensbestandteile in das benutzerspezifische Wörterbuch nehmen muss, bis es Android kapiert.

Nun erwarte noch nicht mal ich, dass Android alle Vornamen dieser Welt kennt. Aber iOS beispielsweise begreift im Laufe der individuellen Konfiguration eines iPhone/iPad, dass der Name des Besitzers des Gerätes höchstwahrscheinlich richtig von demselbigen angegeben wird und übernimmt diese Wörter schon mal von Anfang an in das benutzerspezifische Wörterbuch. Bricht dem System keinen Zacken aus der Krone und der Benutzer wird nicht von Anfang an mit der Nase darauf gestoßen, dass die Wörterbücher der allermeisten mobilen Betriebssysteme im Prinzip genauso doof sind, wie die von Textverarbeitungen auf dem Computer.

Ständiger Wechsel zwischen 3G und HDSPA am Smartphone.

Bei meinem Samsung Galaxy S2 ist mir ein Phänomen aufgefallen, wenn es in einem UMTS-Netz eingebucht ist. Hat es das nämlich, erscheint für gewöhnlich bei der Feldstärkenanzeige ein kleines „3G“. Das tut es so lange, wie keine Daten übertragen werden – so bald nämlich Daten übertragen werden, wird aus dem „3G“ ein „H“ und so geht es ständig hin und her.

Ich war sogar kurz davor, bei Samsung einen Schadensfall auszurufen, bis ich mir mal die Mühe machte, ein paar Sekunden darüber nachzudenken. Diese ständigen Wechsel sind nämlich kein Fehler, sondern tatsächlich so gewollt!

Der Hintergrund ist dabei ein relativ plausibler. Die mögliche Bandbreite von UMTS im Urzustand, also der ursprünglichen Protokolldefinition, ist relativ gering. Einst rechnete man da mit einer maximalen Übertragungsbandbreite von etwa 2 Megabit pro Sekunde. In den 1990er Jahren, als UMTS entwickelt wurde, war das noch eine ziemlich hohe Bandbreite, diese Entwicklung wurde jedoch im Laufe der Jahre von der Realität eingeholt. Also hat man UMTS weiterentwickelt und ein Erweiterungsprotokoll namens HDSPA entwickelt. Das ist innerhalb der UMTS-Spezifikation eingebettet, was grundsätzlich nötig ist, weil man ja nicht unbedingt ein komplett neues Netz bauen will. Aus diesem Grund spricht man bei HDSPA-Ausbaustufe auch nicht mehr von „3G“ für „3. Mobilfunkgeneration“, sondern von „3.5G“ als Zwischenstufe zum UMTS-Nachfolger.

HDSPA ist so aufgebaut, dass es verschiedene Übertragungskategorien anbietet, mit denen downstream, also vom Mobilfunknetz zum Mobiltelefon, höhere Bandbreiten erzielt werden können. Die bei uns in Deutschland für gewöhnlichen Kategorien ermöglichen Übertragungsbandbreiten von 3,6 und 7.2 Megabit pro Sekunde, natürlich immer abhängig von der jeweiligen Netzqualität vor Ort.

HDSPA ist zwar schön und gut, allerdings muss ein Mobiltelefon mehr Strom investieren, um ständig im HDSPA-Betrieb zu sein. Und Strom ist bei modernen Smartphones ein sehr endliches Gut. Aus diesem Grund erkennen zwar viele Smartphones, dass im eingebuchten UMTS-Netz HDSPA verfügbar ist, nutzen es jedoch nur dann, wenn auch tatsächlich Daten zu übertragen sind. Und genau in so einer Situation wechselt dann in der Feldstärkenanzeige das „3G“ zu einem „H“ und nach der Übertragung auch wieder zurück.

Passiert dieser Wechsel scheinbar aus heiterem Himmel, dann ist auch hier das Smartphone höchstwahrscheinlich nicht kaputt, sondern es werden im Hintergrund Daten übertragen. Das passiert, gerade bei Android-Smartphones, mehr oder weniger regelmäßig, wenn Apps oder Widgets im Hintergrund synchronisieren dürfen.

1.000 Tage.

1.000 Tage sind in etwa der Zeitraum, in denen Hersteller von Mobiltelefonen die Firmware von Smartphones pflegen. Dabei ist „pflegen“ ein sehr dehnbarer Begriff, bei dem sich die meisten Hersteller strikt darauf beschränken, aus der initial verteilten Firmware die Bugs herauszuoperieren und maximal nur sehr moderate Erweiterungen zu integrieren. Man will ja den Kunden nicht dadurch verlieren, dass er so zufrieden mit seinem Gerät wird, dass er kein neues Smartphone mehr kauft.

Zusammenprall der Welten

Tatsächlich leidet unter diesem Zusammenprall der Welten Google mit seinem Betriebssystem Android am meisten. Android hat einen vergleichsweise hohen Entwicklungsschub, was für Google typisch ist. Wird in ein Produkt von Google Energie hineingesetzt, dann hochkonzentriert und stark. Das ist für einen Software-Hersteller natürlich kein so wirklich großes Problem, denn Software-Herstellung verläuft deutlich weniger „schweinezyklisch“, wie Hardware-Herstellung. Ist ein Bug in der Software, wird er eben gefixt. Das Internet unterstützt dieses Paradigma zudem. Ein Software-Update ist heute – wenn überhaupt – nur noch einen Klick weit entfernt.

In Sachen Hardware-Fertigung sieht das alles noch ganz anders aus. Planung, Entwicklung, Kalkulation, Fertigung, Verkauf, Distribution sind alles Dinge, die aufeinander aufbauen, gehörige Vorbereitungen und gewaltigen Einsatz in Sachen Finanzierung und Personal bedeuten und jeder Schritt muss passen. Die Software des Smartphones ist der Teil eines solchen Spektakels, mit dem der Endanwender am meisten Spaß oder Ärger hat, dementsprechend konservativ gehen Hardware-Hersteller mit diesem Thema um. Diese konservative Vorgehensweise der Hardware-Hersteller ist dann auch das zentrale Problem von Android, denn es gibt keinen einheitlichen Rollout einer Android-Version. Und noch viel schlimmer ist, dass Interimsversionen, die vornehmlich Bugfixing als Ziel haben, ebenfalls teilweise stark verzögert auf Smartphones landen – wenn überhaupt.

Auch wenn die Android-Entwicklung und spätere Anpassung auf Smartphones eine Geschichte ist, die man eben nicht mal so nebenbei erledigt: Der Konsument hat dafür immer weniger Verständnis und so bald sich der (gern subjektive) Eindruck breitmacht, dass ein Mobiltelefon in Sachen Software nicht gut gepflegt ist, ist der Wechsel zu einem anderen Mobiltelefon tatsächlich nicht mehr weit. Und noch viel schlimmer: Hat sich so ein Eindruck beim Endkunden manifestiert, ist nicht nur der Smartphone-Hersteller in seinem Ruf hier beschädigt, sondern auch gleich noch Android.

Apple, ja Apple

Besitzer von iPod, iPhone und iPad sind es gewohnt, in regelmäßigen Abständen Firmware-Updates zu bekommen, die allesamt sitzen und praktisch keine Kompatibilitätsprobleme aufweisen. Das ist auch verhältnismäßig einfach zu bewerkstelligen, denn Apple baut hier eine Software auf die eigene Hardware und hat von der Hardware auch verhältnismäßig wenig Versionen zu berücksichtigen.

Aber auch hier gilt die 1.000-Tage-Regel und spätestens nach dem letzten Update der Firmware beginnt ein Smartphone, an Nutzen zu verlieren. Immer mehr Hersteller von Apps berücksichtigen alte Firmware-Versionen nicht mehr und von weiteren Entwicklungen sind natürlich auch die hauseigenen Apps wie Webbrowser und Mail-Programm betroffen. Damit könnte man ja noch leben, aber das größte Problem bei so einem definierten Ende des Produktzyklus sind später entdeckte Fehler und Bugs. Die fixt für so abgekündigte Produkte natürlich auch keiner mehr. Lost in Translation.

Entkoppelung von Hard- und Software

Wäre es nicht schön, wenn es mir egal sein könnte, ob Samsung für mein wunderbares Galaxy S2 zukünftig Softwareupdates liefert oder nicht? Immer ein Smartphone zu haben, das eine aktuelle Software so lange einsetzt, wie ich das möchte, unabhängig davon, ob Samsung nun den Support einstellt oder nicht? Traum? Ich persönlich glaube, dass die Zeiten der Koppelung von Hard- und Software auf Smartphones zukünftig eher Ausnahmen sein werden. Okay, Apple wird sich aus religiösen Gründen nicht davon trennen (können), die Software-Entwicklung aus der Hand zu geben, aber alle anderen Smartphone-Hersteller, die kein eigenes Betriebssystem einsetzen? Ein Traum, ein Smartphone mit entkoppelter Hard- und Software zu haben?

Nein, kein Traum, sondern Realität. Und wenn man es genau nimmt: Schon seit Jahren.

„Firmware-Cooking“

Dass bei Smartphones Software immer der Hardware hinterherhinkt, ist kein Phänomen, das erst mit Android auf die Welt kam. Windows Mobile hat daran in seiner Inkarnation in Version 5 und 6 ständig gekrankt. Der Hauptgrund war, dass Windows Mobile in Version 5 und 6 zwar ein leistungsfähiges, aber ein hoffnungslos veraltetes Betriebssystem war und quasi alles, was machbar war, dadurch verhagelte, dass es nur schwer zu bedienen war. Dazu kam ab Version 6 die aufkommende Touch-Bedienung, die vornehmlich HTC mit Windows Mobile zu implementieren versuchte und dazu eigene Software-Module beisteuern musste. So entstanden zwar hardware-technisch recht ausgereifte Geräte, die jedoch durch Windows Mobile unglaublich katastrophal zu bedienen waren.

Schon zu dieser Zeit, wir schreiben da den Zeitraum von 2005 bis 2007, gab es Menschen, die „eigene“ Firmware-Pakete „kochten“. Dazu nahmen sie bestehende Update-Pakete, extrahierten daraus die Treiber und gerätespezifischen Anpassungen und backten diese in offizielle Windows-Mobile-Distributionen ein. Natürlich alles hochgradig illegal und oft auch in zweifelhafter Qualität, aber Microsoft verstand bemerkenswert gut, dass diese halblegal-illegale Subwelt gar nicht schlecht war, denn immerhin benutzten sie Windows Mobile und kauften solche Geräte auch, so dass die Betriebssystemabgabe schon beim Kauf des Gerätes geleistet wurde. Die ganzen Köche, die in ihrer Freizeit Firmwares auf Basis von Windows Mobile backten, bekamen auffällig wenig Ärger von Microsoft und wurden, glaubt man Gerüchten, teilweise sogar direkt von Microsoft mit Insiderinformationen und internen Dokumentationen versorgt, um etwaige Fehler in der Do-it-yourself-Firmware auszumerzen.

Wenn man will, war dieses Hobbykochen der erste Schritt zu dem, wie ich mir die Smartphone-Welt zukünftig vorstelle.

Firmware als Abo-Modell

Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass der Versuch von Smartphone-Herstellens, Hard- und Software weiterhin aus einer Hand anzubieten, zukünftig immer weniger funktionieren wird. Schon heute ist der Produktezyklus sehr hoch und während heute ein Hersteller ein Smartphone einer bestimmten Preisklasse neu verkauft, ist die nächste Generation in der konkreten Entwicklung und die übernächste in der Planung. Und auch schon heute kommt die Software-Entwicklung kaum noch nach, so dass die ersten Versionen einer Firmware oft genug noch Beta sind, wenn man sie knallhart nach gängigen Qualitätssicherungskriterien bewerten würde.

Im Gegenzug könnten sich Hersteller von Smartphones, wenn sie sich nur noch auf Hardware beschränken würden, wieder auf das beschränken, was sie eigentlich wirklich gut können – gute Hardware bauen. Vernünftige, ausgewogene Leistungsdaten und durchdachte Schnittstellen, sowohl zur Firmware, als eben auch über die Bedienelemente zum Benutzer.

Die Software wiederum ist in einem Abo-Modell bestens aufgehoben. Wer eine Basis-Firmware braucht, dem genügt vielleicht schon eine ganz einfache Firmware, die weitgehend nur das Telefonieren ermöglicht. Wer Wert auf ausgefeilte Funktionen und Feintuning legt, wird sich am ehesten auch darauf einlassen, für so eine Firmware Geld auf den Tisch zu legen, wenn denn eben auch sichergestellt ist, dass die Software mit dem Gerät funktioniert und im Idealfall auch harmoniert.

Utopie? Schwer zu sagen. Es müsste einfach mal ein Hersteller offensiv probieren. Dass man sich in der Hardware-Welt dem Thema nicht verschließt, beweisen SonyEricsson und Samsung, die dem bemerkenswerten CyanogenMod-Projekt, das für viele Geräte eine ausgereifte Android-Distribution zur Verfügung stellt, die jeweils aktuellen Smartphones zu Entwicklungszwecken zur Verfügung stellt. Der nächste, konsequente Schritt wäre die Monetarisierung eines solchen Vertriebsmodells als Firmware-Abo. Wer sich da als erster traut, wird – meiner Meinung nach – nicht enttäuscht werden.

Google Tasks auf iOS und Android.

Einer der Dinge, die mich  von Anfang an in Apples Mobilbetriebssystem iOS und auch in Android gestört haben, war eine fehlende ToDo-Verwaltung. Es ist mir unverständlich, wie man ansonsten alle PIM-Anwendungen wie Kalender, Kontakte, Notizzettel integrieren kann, dann aber eine simple ToDo-Verwaltung außen vor lässt.

Das Ergebnis auf beiden Plattformen ist dementsprechend desolat: Es blühen die Todo-Anwendungen von Drittanbietern und sie blühen in der Regel mehr schlecht als recht. Die eine Gruppe an solchen Apps macht es mit der Verwaltung entweder zu einfach oder viel zu kompliziert, die meisten Apps synchronisieren mit keinem gängigen Dienst und die wenigsten Apps sind kostenlos und im Gegenzug dafür sogar richtig unverschämt teuer. ToDo-Verwalten für 5 oder gar mehr Euro?

Meine private und geschäftliche ToDo-Verwaltung läuft unter Google Tasks, das von Google bis vor kurzem noch ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, inzwischen aber sogar eine offizielle API hat. Wenn man mit dem Umstand lebt, dass Google Tasks kein eigenes Webinterface hat und derzeit nur via Google Mail oder über ein Widget in iGoogle bedienbar ist, kann man damit ganz gut leben. Seine Klasse spielt Google Tasks schon allein dadurch aus, dass es extrem simpel ist und die Verschachtelung von Aufgaben einfach dadurch realisiert, in dem Aufgaben einfach „unter“ bestehende Aufgaben geschoben werden und mit frei definierbaren Aufgabenkategorien gearbeitet werden kann. An umfangreiche Priorisierungen hat man einfach keinen Gedanken verschwendet, das realisiert man einfach durch das Verschieben von Aufgaben nach oben oder nach unten oder vergibt Aufgaben einen festen Fälligkeitstermin. So einfach kann es gehen.

Wenn man Google Tasks mit einer iOS- oder Android-App synchronisieren will, fällt glücklicherweise der größte Teil der ToDo-Apps gleich durchs Raster – die meisten nutzen Google Tasks nicht zum synchronisieren. Das macht die Auswahl dann auch gleich leichter. Gelandet bin ich dann bei zwei Apps namens „GoTasks“. Witzigerweise heißt nämlich die beste App für die Synchronisierung von Google Tasks für iOS genauso wie die App für Android, obwohl beide Apps miteinander nichts zu tun haben und jede App von einem anderen Programmierer gepflegt wird, die dann wiederum aber beides Russen sind. Zufälle.

Beide Apps kosten nichts, beide sind werbefrei, beide funktionieren sowohl auf Smartphones, als auch auf Tablets und beide funktionieren zuverlässig, auch mit Google-Apps-Konten:

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es lediglich für GoTasks für Android: Offenbar lässt sich die App nicht auf allen Android-Gerätschaften finden. Auf meinem Samsung Galaxy S2 mit Android 2.3.4 ist es nicht auffindbar und im Web-Market wird angezeigt, dass mein Gerät nicht kompatibel sei. Es funktioniert aber, wenn man die App schon vorher installiert hat, sie ist also soweit kompatibel. Falls jemand mit Android die App nicht findet, bitte einfach mal kurz melden.

Warum es egal ist, ob Android oder iOS mainstream oder premium sind.

Da sind wir wieder, bei der immer gleichen Sau, die regelmäßig durchs Dorf getrieben wird und sich um das Thema dreht, ob nun Android oder iOS das bessere Betriebssystem ist. Aktuell sind wir bei der unglaublichen Feststellung von „Digital-Pionier“ Christoph Kappes im D&W-Magazin, der sinniert, dass Android „mainstream“ sei und iOS „premium“. Wollte ich mir eine Antwort sehr einfach machen, würde ich einfach mit einem Link auf einen x-beliebigen Handyshop antworten, denn diese Feststellung lässt sich dort schon allein mit den Preisen für iOS- bzw. Android-Gerätschaften darlegen. Mal so am Rande: Die Säue, die man durchs Dorf treibt und Aufregung verursachen, waren auch mal besser.

Anyway: Die Frage, ob ein Premiumprodukt, das das bessere ist, auch tatsächlich funktioniert, ist eine, die nichts, aber auch wirklich nichts mit Qualität zu tun hat. Gerade in der Unterhaltungselektronik überlebt selten das beste System, sondern allenfalls das, was die meiste Marktdurchdringung gewinnt. Solche Marktdurchdringungen werden dabei auf verschiedenste Weisen erkauft, in der Regel durch knallharte Subventionierungen. Entweder ist das Produkt gänzlich kostenlos oder es wird ordentlich günstig verscherbelt. Es wird aber gepusht und das ist das zentrale Kennzeichen.

iOS kann man allein schon dadurch zu einem Premium-Produkt zählen, dass es nur ein Hersteller für seine Geräte verbaut und der diese Monokultur auch kräftig ausnutzt. So kräftig, dass iOS bzw. iPhone und iPad letztendlich nur für einen verhältnismäßig kleinen Kreis von weltweiten Nutzern erschwinglich ist. In den meisten Staaten dieser Erde wird der Otto Normalverbraucher sich ein iOS-Gerät schlicht nicht leisten können, weil es zum einen keine „Billigversionen“ von iPhone und iPad gibt und Apple auch überhaupt kein Interesse daran hat, zumindest so lange die Märkte in der „Ersten Welt“ nicht gesättigt sind. Android geht den Weg über die Breite, baut also, schematisch gesehen, ein Framework, das dann Hersteller für ihre eigene Hardware adaptieren können, mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen.

Ironischerweise erheblich unwichtig ist die Frage, ob nun Android oder iOS das bessere Betriebssystem ist. Grundsätzlich haben beide Betriebssysteme einen relativ hohen Grad an Benutzerfreundlichkeit erreicht und es geht in der Entwicklung von zukünftigen Versionen weitgehend nur noch um Detailfragen und um Kompatibilität zur Hardware, was Android naturgemäß vor deutlich höhere Hürden stellt, als iOS. Was Android mit diversen Bedienelementen wettmacht, die iOS (noch) nicht hat, macht iOS wiederum mit weitgehender Idiotensicherheit wieder wett und umgekehrt. Das wichtigste Ziel der Attraktivität ihrer Betriebssysteme haben beide erreicht: Eine verhältnismäßig große Softwarevielfalt in Sachen Apps.

Das wird erheblich deutlicher, wenn man sich mal die Mühen macht, die echten Kriegsschauplätze in Sachen Mobilbetriebssysteme anzuschauen, nämlich jenseits des angeblichen Kampfes zwischen Android und iOS. WebOS/Palm hat sich durch die (in meinen Augen krasse) Abkehr Hewlett-Packards von der Consumerelektronik erledigt, RIM kämpft mit seinem extrem abgeschirmten und in Consumerbereich quasi kaum sinnvoll nutzbaren Blackberry um jeden Kunden. Microsoft versucht mit Windows Mobile mit extremem Aufwand, an alte Zeiten anzuknüpfen und kann relativ bequem Blackberry-Anwender abschöpfen, die mit Windows Mobile zur „Mutterplattform“ in Sachen Exchange- bzw. Active-Sync-Synchronisierung kommen. Was dann noch hinter Blackberry und Windows Mobile kommt, hat ganz schlechte Karten und kaum über homöopathisch wirkende Reichweiten kommen.

Den vielbesungenen Krieg der Mobilbetriebssysteme Android und iOS – ich bin mal so frei und behaupte, dass das vor allem ein Krieg ist, der bei den Kleingeistern dieser Welt, die schon damit überfordert sind, zwischen App, Webapp und Widget zu unterscheiden, am stärksten gekämpft wird. Und diesen Krieg, den interessiert, mit Verlaub, kein Schwein.

Mein Android-Homescreen: „The Matrix has me!“

Machen wir mal eine kleine Blogosphären-Sommeraktion, damit auch die Selten-Blogger mal ein Thema bekommen und bevor die Blogosphäre aufgrund Linkmangels gänzlich eingeht. Dafür ist die Sommeraktion auch heiter-einfach und es kann sich ausnahmslos jeder daran beteiligen, ob Blogger oder nicht – vorausgesetzt du hast ein Android-Phone und nutzt einen individuellen Homescreen.

Das Motto: Mache ein Bild deines Android-Homescreens, setze ihn online und setze einen Trackback oder normalen Link auf diesen Artikel hier. Jeder, der das tut, bekommt nicht nur einen Pingpack, sondern ich nehme ihn auch mit Link in diesen Artikel auf. Um die Sache etwas zu individualisieren, bitte den Titel des Artikels mit dem „Motto“ deines Homescreens betiteln. Spam-Blogs bleiben außen vor, die „Link-Juice“ wird nicht einfach so verschenkt…

Ich mache mal den Anfang mit meinem Homescreen auf meinem Samsung Galaxy S2 (mit Android 2.3.4). Den Hintergrund darf man sich animiert vorstellen, ist ein animierter Hintergrund im Matrix-Style. Ich bin halt ein kleines Spielkind in so Sachen…

Kurze Erläuterungen zum Homescreen: Ich brauche es übersichtlich und ich brauche vor allem die Uhr auf Seite 1, weil ich ein notorischer Nichtträger von Armbanduhren bin. Den Matrix-Buchstabensalat deshalb, weil das Paradigma hübsch passt… wer weiß schon, was „hinter“ meinem Smartphone so passiert. 😉

So, bitteschön, ihr seid gefragt!

Welcome, Samsung Galaxy S2.

Ziemlich genau zwei Jahre nach dem Kauf meines iPhone 3GS ist nun ein neues Handy fällig geworden. Dass es nicht wieder ein iPhone wurde, war mehr als klar, demnach stellte sich eigentlich nur die Frage, welches Android-betriebene Smartphone es denn sein sollte. HTC fällt aufgrund meiner immer noch etwas nachwirkenden schlechten Erfahrungen und der strikten Bootloader-Politik (scheint sich gerade zu ändern) weg, ebenso SonyEricsson, das meiner Meinung nach derzeit eher alberne Gerätschaften am Start hat. In der näheren Auswahl blieben das Google Nexus S und das frisch erschienene Samsung Galaxy S2. Beim Nexus S störte mich am Ende die fehlende Speichererweiterbarkeit und 16 GB Speicher sind mir dank hinaufzuladender Musik einfach zu wenig. Also Samsung Galaxy S2, immerhin schon gleich am Anfang ein ordentlicher Preissturz auf rund 545 Euro von den von Samsung propagierten 600 Euro.

Äußerlichkeiten

Was man bei Samsung zu erwarten hat, ist einen echten Plastikbomber. Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff, der sich zumindest hochwertig anführt. Der Deckel rastet fest ein und ist nur mit mittlerer Gewalt herunterzubekommen. Dann allerdings lässt sich das Telefon sehr einfach mit Mini-SIM-Karte, einer eventuellen MicroSD-Karte und dem 1.650-mAh-Akku bestücken. Deckel wieder drauf und man hat ein immer noch sehr leichtes und vor allem ultradünnes Smartphone in der Hand, das gerade einmal 8 Millimeter „dick“ ist, abgesehen vom etwas dickeren unteren Geräteteil, hinter dem sich das Antennenkonstrukt befindet.

Zusammengebaut liegt das Galaxy S2 sehr gut in der Hand. Als Zubehör gekauft habe ich mir noch eine transparente No-Name-Silikonhülle für 9 Euro, mit der dann das Smartphone richtig schön griffig und satt in der Hand liegt. Zudem habe ich mit so einer Hülle beste Erfahrungen bei meinem iPhone 3GS gemacht, das auch heute noch völlig makellos daherkommt.

In Sachen Anschlüsse gibt es oben einen Klinkenanschluss für ein Headset (ein gar nicht so schlechtes In-Ear-Headset liegt bei) und unten einen Dock-Connector, leider mit einem proprietären Anschluss (USB-Adapter und Reiseladegerät liegen ebenfalls bei). In Sachen Knöpfe gibt es am rechten Gehäuserand den Einschalter, links eine Wippe für die Lautstärke und auf der Bildschirmseite unten ein Home- bzw. Start-Button. Rechts und links davon sind noch zwei weitere Schalter, die jedoch kapazitiv bedient werden.

Bildschirm

Mit einer Bildschirmdiagonalen von 10,85 Zentimetern ist das Galaxy S2 ein Bildschirmriese. Zwar ist die Auflösung mit 480 mal 800 Pixel nicht ganz so gut wie beim iPhone 4, allerdings geht sie vollkommen in Ordnung. So viele Pixel einigermaßen flüssig bewegt zu bekommen, braucht schon Prozessorpower genug. Hier hat Samsung einen Dualcore-Brummer verbaut, der mit einer Taktfrequenz von 1,2 GHz daherkommt und mal eben so auf 1 GB RAM zugreift. Einen PC mit solchen Dimensionen habe ich erst seit drei Jahren …

Samsung verkauft das Display als „Super AMOLED Plus“, was erst einmal einfach nur ein Flüssigkristall-Bildschirm mit LED-Beleuchtung ist. Die Farbsättigung ist ziemlich wuchtig, was auch daran liegt, dass der voreingestellte Startbildschirm koreanisch-knallig ist, in Fernost steht man auf solche Neongeschichten. Man kann also in den Anzeigeeinstellungen als erstes durchaus den Kontrast herunterdrehen und dann auch das Hintergrundbild austauschen, wenn man nicht erblinden will. Der Helligkeitssensor funktionierte bei mir zunächst so lala, das ist aber scheinbar ein bekanntes Problem bei mäßigem Licht und wird bei zukünftigen Softwareupdates berücksichtigt.

Der Bildschirm wird kapazitiv bedient, es genügt also ein kurzer Kontakt mit dem Finger und es muss nicht gedrückt werden. Das funktioniert auch erwartungsgemäß gut, immerhin beliefert Samsung genügend andere Smartphone-Hersteller mit kapazitiven Bildschirmen. Hier erlaubt man sich erwartungsgemäß keine Schnitzer mehr.

In Sachen Akkulaufzeit kann ich noch nicht sonderlich viel erzählen, ich habe gerade mal die zweite Akkuladung intus und bewege mich, sehr subjektiv gesehen, etwas besser damit, als aktuell auf meinem zwei Jahre alten und mit rund 400 Ladezyklen versehenen iPhone 3GS. Aber das teste ich noch.

Android

Am Start ist von Beginn an Android 2.3.3, also Codename „Gingerbread“. Über die nicht wirklich gute Firmwarepolitik Googles, die die Verantwortung für Updates an die Smartphone-Hersteller abdrückt, will ich an dieser Stelle nicht weiter philosophieren, das haben Google und die Hersteller schon verstanden, dass das auf Dauer so nicht funktionieren kann. Immerhin gibt es auch schon zum Galaxy S2 in diversen Foren schon rege Diskussionen, ebenso gibt es auch schon erste Firmwareupdates, die allerdings noch nicht auf allen Gerätschaften automatisch ausgeliefert sind. Und: Das Galaxy S2 ist vom Prinzip her „rootbar“, es kann also mit einer alternativen Android-Version installiert werden, sofern es Entwickler gibt, die für dieses Telefon eine alternative Firmware backen. Das ist bei Highend-Geräten allerdings zu erwarten.

Wer vom iPhone kommt, wird durchaus gewisse Abstriche machen müssen. Zwar ist Android ein hochentwickeltes und gut bedienbares Betriebssystem, es ist aber nicht ganz so rund und durchdacht, wie das iOS von Apple. Das wiederum hat seinen Grund vor allem auch darin, dass Android mehr Möglichkeiten bietet, während Apple sehr streng auf einwandfrei Bedienbarkeit legt und lieber Dinge nicht implementiert, bevor man sie nicht bedient bekommt. Darüber kann man streiten, mich nervt iOS mit seiner Unflexibilität allerdings durchaus.

Wer großen Wert auf absolute Ruckelfreiheit legt, ist mit Android vermutlich (noch) nicht gut bedient. Zwar läuft alles auf dem Galaxy S2 erstaunlich gut und rund, dennoch gibt es hier und da Ruckler und bei einigen Apps auch leicht merkliche Verzögerungen. Gut, wir reden hier auch von einem Betriebssystem, das mit Treibern auf fremder Hardware arbeitet, während bei Apple alles von einem Hersteller kommt. Vor- und Nachteile, die man eben abzuwägen hat.

Android und Basisfunktionalitäten

Schon bei der Installation wird nach einem Google-Account gefragt, den man, falls man noch keinen Hand, auch direkt am Handy einrichten kann. Dieser Account ist obligatorisch, denn erst damit funktionieren so Sachen wie Adressbuch, Kalender und E-Mail wirklich so, wie gedacht, denn es wird zuverlässig synchronisiert. Wer bisher schon das iPhone mit Google-Diensten synchronisiert hat, wird keine Schwierigkeiten verspüren, nach dem Eintragen und Verifizieren des Google-Accounts legt das Smartphone auch schon los.

Die Bildschirmtastatur ist gewöhnungsbedürftig. Hier hat Apple meiner Meinung nach deutlich die Nase vorn, weil sie es schaffen, die Tastatur schnörkellos und einfach darzustellen, während das bei Android nicht so gelungen aussieht. Das liegt vermutlich am schwarzen Hintergrund und an den „harten“ Ecken, hier könnten sich Grafiker vermutlich ebenfalls stundenlang darüber unterhalten. Immerhin gibt es unter Android ein haptisches Rückmeldesystem für gedrückte Tasten mit einem kurzen Vibrieren bei Tastendruck, das man jedoch auch ausschalten kann.

Die Philosophie von Android ist auch, einen eher konservativen Startbildschirm zu habe, der von Smartphone-Herstellern in der Regel so nicht verwendet und von einer eigenen „Portallösung“ ersetzt wird. Das ist beim Galaxy S2 nicht anders, wobei es deutlich flexibler und weniger aufdringlich zugeht, als bei HTC mit der inzwischen wirklich langweiligen Uhr im Faltblattdesign. Ich finde so eine Übersichtsseite allerdings grundsätzlich sehr praktisch und habe das auf dem iPhone von Anfang an vermisst und die Hoffnung inzwischen aufgegeben, dass Apple das jemals vernünftig implementiert.

Android und Apps

Man muss leider auch (noch) damit leben, dass es unter Android noch hier und da an wirklich essentiellen Apps fehlt. Die meisten Betreiber von Social-Media-Plattformen sind in der Regel schon mit eigenen Apps am Start, die teilweise gewaltig besser sind, als die iPhone-Varianten (bsp. QYPE oder Facebook), allerdings gibt es auch durchaus gar nix, beispielsweise für flickr. Hier gibt es keine offizielle App und alles, was ich an Drittanbieter-Apps bisher probiert habe, ist weitgehend mies. Wie ich zukünftig auf vernünftige Weise meine „Bilder des Tages“ hochgeladen bekomme, wird eine spannende Frage.

Ansonsten fehlt Android schlicht die Masse an Apps, wie sie auf dem iPhone zu finden ist. Das kann man betrauen oder auch nicht, denn wenn ich mir auf dem iPhone anschaue, was für teilweise unsäglicher Müll da regelmäßig die App-Charts erklimmt, dann ist es mir recht, dass viele Entwickler von Bullshit-Apps noch nicht Android als Massenmarkt entdeckt haben. Höchstwahrscheinlich eine Frage der Zeit, bis dahin muss man sich aber auch noch mit dem Android Market auseinandersetzen, der einfach unübersichtlicher daherkommt, wie der AppStore auf dem iPhone. Okay, das Suchen ist eine Kernkompetenz von Google, aber nicht überall will man suchen müssen.

Immerhin, man kann Android-Apps auch außerhalb des Markets installieren und das halte ich für ein großes Plus für meine Zwecke. Damit kann man als einfacher Nutzer zwar richtig viel Mist installieren, wenn man nicht genau weiß, was man tut, aber auch hier ist mir Apple ein Tick zu mütterlich unterwegs, zumal es beispielsweise Verschlüsselungssoftware teilweise richtig schwer hat, durch die US-amerikanischen Reglementierungen zu kommen und auch in ausländischen AppStores zu landen.

Android – ja oder nein?

Ganz klar: Ja! Wenn Google und die Gerätehersteller die dezentrale Updateproblematik mal aus der Welt geschafft bekommen, ist Android auf dem besten Wege, erwachsen zu werden. Dass es sich schon heute anschickt, iOS in allen Belangen zu überholen, ist weitgehend gemachte Sache. Und irgendwann gibt es dann auch mal einen Grafiker, der den letzten Schliff macht und dann sieht es vielleicht auch noch etwas hübscher aus, als iOS. 🙂

Samsung Galaxy S2 – ja oder nein?

Auch hier: Ja. Aber ohne Ausrufezeichen. Es ist mit rund 550 Euro Straßenverkaufspreis noch einen Tick zu teuer, bei 450 bis 500 Euro landet es dann aber genau da, wo es hingehört. Nicht ganz so hochwertig aussehend wie das iPhone, dafür jedoch praxistauglicher ohne Glasboden und einer Broken-by-Design-positionierter Antenne. Das Galaxy S2 ist sicherlich kein Gesamtkunstwerk, hat aber auch keinen solchen Anspruch, sondern es will ein sehr gutes Smartphone sein, nicht mehr und nicht weniger. Und das tut es, in der Android-Welt ist es mit seinen inneren Werten zweifellos ein Flagschiff und eine echte Kaufempfehlung, nicht nur für Bastler.

„Der Spaß ist vorbei.“

Auf dem heutigen Treffen der baden-württembergischen SPD-Wahlkampfleiter hatte ich mit einem Auge Gelegenheit, meinem Sitznachbarn in die FAZ hineinzuschauen, die in der Wissensrubrik einen sehr interessanten Artikel über die Agonie in der Welt der Mobiltelefonhersteller berichtet und bemerkenswert gut konstatiert. Ich will mal aus dem Kopf zusammenfassen.

  • Der Trend im Mobilgerätemarkt geht immer stärker weg von einfachen Mobiltelefonen und hin zu komplexeren Smartphones. Das ist ein Tribut der Entwicklung, dass Mobiltelefone immer stärker auch als Terminals für die Internet-Kommunikation eingesetzt werden.
  • Das größte Problem sind die prellenden Systemplattformen, die schlicht derzeit nicht zeitgemäß sind und zu einem großen Teil den Erfolg des iPhone begründen. Nokia krankt mit S60 herum, HTC baut sich Windows Mobile mit einer Reihe von Krücken zu einer halbwegs nutzbaren Plattform zusammen und Google sucht seinen Heil mit einer eigenen Plattform, die auch heute noch weitgehend im Beta-Stadium wankt. Andere Projekte sind wackelig (das WebOS-System von Palm) oder bereits gestorben (Openmoko auf Basis von Linux).
  • Es gibt gar nicht so viele Hersteller im Smartphone-Bereich mehr. Bei Windows-Mobile-Geräten gibt es eine Übermacht von HTC, die Taiwanesen produzieren für eine Reihe von Hersteller im Auftrag oder in Joint-Ventures deren Windows-Mobile-Smartphones. Auch die derzeitigen Google-Android-Gerätschaften stammen von HTC. Von anderen Platzhirschen hört man in Sachen Smartphones praktisch gar nichts, beispielsweise von Motorola, was sich schon in wenigen Jahren sehr böse rächen könnte.
  • Bei Mobiltelefonen entwickelt sich immer stärker das Problem, dass sie, wenn sie akzeptiert werden wollen, inzwischen eine Vielzahl von Standards und Technologien unterstützen müssen und schon das Fehlen einer Technologie über die Marktfähigkeit entscheiden kann. Beispiel: Bluetooth. Ein Smartphone ohne oder mit nur schlechter Bluetooth-Fähigkeit ist heute praktisch unverkäuflich, wenn es nicht für das Billigsegment gedacht ist. Ebenso verhält es sich mit so relativ neuen Funktionen wie GPS, die teilweise innerhalb kürzester Zeit zu einem Branchenstandard werden – ohne GPS ist heutzutage kein Smartphone, das eine deutliche Internet-Ausrichtung hat, im hohen Preissegment verkäuflich.

Bei Lösungsansätzen war der FAZ-Artikel erstaunlich wenigsilbig – weil es auch wenig darüber zu sagen gibt. Zu allererst sind die Systemplattformhersteller in der Bringschuld für vernünftige, moderne und schnelle Betriebssysteme, die nativ mit dem Finger bedient werden können und die immer komplexere Technik auch vernünftig ansteuern können. Erst danach kommen die Gerätehersteller, die mit dieser Softwarebasis entsprechende Hardware bestücken können.

Ich denke, es wird sehr deutlich, dass die Mobilfunkwelt inmitten des größten Umbruches ihrer recht kurzen Geschichte steckt und nur atemberaubend wenig Protagonisten darauf vorbereitet sind. Da wird es mit Sicherheit noch die ein oder andere Überraschung geben.