Der Birthday-Burst 2011.

Der diesjährige Birthday-Burst, also mein selbst entwickelter Fachbegriff für die Lawine an Gratulationen und Glückwünschen am eigenen Geburtstag, hat sich an meinem gestrigen Geburtstag eindeutig zugunsten von Facebook verschoben. Wenn auch vermutlich deshalb, weil ich nicht mehr bei wer-kennt-wen.de dabei bin, andererseits viele Menschen, die einst dort dabei waren, inzwischen auch bei Facebook sind.

Wie auch immer – die diesjährige Statistik:

  • 61 Glückwünsche via Facebook.
  • 12 Glückwünsche via Twitter.
  • 9 Glückwünsche via Telefonanruf.
  • 2 Glückwünsche per Geburtstagskarte via Brief.
  • 1 Glückwunsch via Xing.
  • 1 Glückwunsch via E-Mail.
  • 1 Hausbesuch von Kollege Oliver.

Gar nicht mehr dabei als Glückwunschmedium war dieses Jahr die SMS. Eigentlich schade, ich mag die SMS, wenn sie nur nicht so verhältnismäßig teuer wäre. Aber das ist vermutlich das Ergebnis für ein an sich brauchbares Kommunikationsmedium, das allerdings in einer kleinen Nische mit anderen Konkurrenten zu kämpfen hat und viel zu stark kostenmäßig reglementiert ist.

Ansonsten: Herzlichen Dank euch allen! Ich habe mir vorgenommen, jedem Gratulant einzeln zu danken, was mir auch gelungen sein dürfte. Im übrigen eine wirklich harte, wenn auch schöne Arbeit. Und wenn einer meint, Social Networks würden zur Vereinsamung der Menschen führen: Ich habe bei keinem vorherigen Geburtstag so viele Glückwünsche empfangen dürfen. Das beantwortet diese Frage weitgehend.

Facebook-Marketing at it’s best.

Meine heimliche These ist, dass das beste Facebook-Marketing immer noch die Menschen machen, die keine Marketing-Fuzzis sind, nichts mit SEO am Hut haben, keine „Consultans“ sind und noch nicht mal ansatzweise ahnen, dass sie Facebook eigentlich hochprofessionell einsetzen.

Aktuelles Beispiel ist ein Cousin zweiten Grades von mir. Dieser Cousin lebte in seiner Jugend in Deutschland, spricht dementsprechend gut Deutsch und zog dann vor knapp 15 Jahren wieder in die Türkei und lebt nun dort in Antalya. Dort betreibt er ein Geschäft für Schmuck. Antalya ist eine von Tourismus geprägte Stadt, Schmuck ist demnach weitgehend eine Saisonware und lebt mindestens zu Dreiviertel von vorbeiflanierendem Zufallsgeschäft und einem Viertel Stammkundschaft. Was man vor Ort kaum befeuern kann (außer man setzt auf nervende und in vielen Städten schon verbotene „Botschafter“, die Touristen bedrängen, das Ladengeschäft zu besuchen), lässt Raum für einfache, aber hochwirksame Ideen. Und hier kommt Facebook ins Spiel.

Mein Cousin macht nämlich jeden Unsinn mit und hat darüber hinaus ein Facebook-Profil. Und ein Ergebnis davon sind Fotos, das ihn mit Touristen (und vor allem mit Touristinnen :-)) zeigt und das im Profil einer offensichtlichen Schmuckkäuferin hochgeladen wurde. Auf diesem Bild sind alle abgebildeten Freundinnen verlinkt. Und eben auch mein Cousin, mit dem Bildhinweis, dass das der nette, deutsch sprechende Schmuckverkäufer in Antalya war: (Sorry für die Anonymisierungen, sieht albern aus, lässt sich aber nicht ändern):

That’s it. Höflich und unvergesslich beim Kunden bleiben, sich auf einem Gemeinschaftsfoto verewigen lassen, auf das eigene Facebook-Profil verweisen und dann einfach machen lassen. Ergebnis sind sieben Verlinkungen von Personen in vier Facebook-Profilen der fotografierten Personen und ein somit gebildetes Netzwerk, das über tausende Kilometer reicht. Der Moment als ewiges Aushängeschild.

Mache diese Wirksamkeit bitte einmal jemand mit traditionellen Medien nach, ohne dass es ein Euro kostet.

Größerer Trouble bei Facebook(?)

Mein Microgeblogge nimmt normalerweise den Weg von Twitter, das ist hauptsächlich nutze, zu Facebook. Hierzu habe ich in Facebook vor langer Zeit schon eine Facebook-Twitter-App installiert, die entsprechend die Verbindung zu Twitter schafft. Das funktionierte alles auch so weit ganz gut, unter allen Facebook-Nachrichten, die via Twitter hereingespült werden, erschien bis dato auch artig, dass sie von Twitter kamen.

Zumindest bis vor wenigen Minuten. Denn da hieß es plötzlich, dass die Tweets von einer Facebook-App namens „LoudSocial Applications“ kommen. Das ist tatsächlich eine andere Facebook-App, die ich jedoch gar nicht autorisiert habe, geschweige denn überhaupt mal gesehen. Eine anscheinend fremde Facebook-App übernimmt unautorisiert meine Twitter-Nachrichten über die Autorisierung, die ich einst mal eingerichtet habe. Na das ist ja wunderbar.

Es wird aber noch lustiger, wenn man auf die Facebook-Seite der offiziellen Facebook-for-iPhone-App geht, der iPhone-App für Facebook. Denn da funktioniert seit einigen Stunden auch einiges nicht mehr korrekt, Nutzer der iPhone-App können nicht mehr in ihre Timeline schreiben. Auch ganz lustig, wobei es vermutlich haarsträubend ist, wenn man daran denkt, was da wohl gerade alles bei Facebook/Twitter schiefläuft.

Erste Maßnahme, wenn ihr ebenfalls Twitter nutzt und automatisch Tweets zu Facebook schieben lasst: Überprüft mit einem Test-Tweet und einem Blick auf eure eigene Timeline, ob eure Tweets über die Twitter-App oder auch über „LoudSocial Applications“ importiert werden. Wenn letzteres passiert, solltet ihr diese App umgehend sicherheitshalber sperren.

Update vom 19. Juli: Irgendwann im Laufe der Nacht zum 17. Juli funktionierte es dann wieder, nachdem Facebook offensichtlich die App „LoudSocial Applications“ deaktiviert hat. Betroffen waren nicht nur diverse Twitter-Apps und die App, die als Verbindungsstück zur Facebook-iPhone-App dient, sondern auch eine Reihe von Spiele-Apps, die allesamt vorübergehend nicht mehr zu anderen Social Networks mehr Inhalte senden konnten. Warum auch immer. Gerüchteweise kam dann noch auf, dass der Entwickler der ominösen „LoudSocial“-App angeblich ein Facebook-Mitarbeiter sei, aber bestätigen lässt sich das alles nicht.

Es bleibt lediglich ein weiterer, schaler Beigeschmack über die Frage, wie eine fremde Applikation plötzlich Berechtigungen anderer Apps übernehmen kann. Unerfreulich.

Neueste Masche zum Traffic-Generierung in Facebook: Gruppen-Napping.

Facebook-Nutzer sind bisweilen so doof, dass selbst die billigste Art von Spam offensichtlich so gut funktioniert, dass niemand das Problem meldet und sich hunderttausende finden, die darauf hereinfallen. Die Masche ist dabei so einfach, dass es schon erstaunt:

Man nehme eine Kunstfigur, beispielsweise Homer Simpson. Man baue eine Facebook-Gruppe, lade dort als Gruppenbild ein Foto von Homer Simpson hoch und erzeuge eine Seite in dieser Gruppe. Diese Seite beinhaltet eine Vorschauseite, die sagt, dass man nach dem Beitritt dieser Gruppe die Möglichkeit habe, zu sehen, wie Homer Simpson „in echt“ aussehe. Nachdem man dann der Gruppe beigetreten ist, wird auf eine weitere Facebook-Seite weitergeleitet, die einen Link enthält. Ein Klick darauf führt auf eine Website außerhalb von Facebook – vermutlich vom Gruppeninhaber – auf der dann ein mehr oder weniger lustiges Bild ist, auf dem Homer Simpson mit menschlichen Zügen gemalt ist.

Der Clou hierbei: Diese Website ist verseucht von Werbebannern und lässt alle möglichen Fenster aufpoppen. Prinzipiell wäre es auch kein Problem, mit diesem Trick gleich mal alle gängigen Sicherheitslöcher auszuprobieren und ggf. den Rechner des Besuchers zu befallen.

Das überaus interessante Moment dieser Aktion: Solche Gruppen haben gern mal fünf- bis sechsstellige Fan-Zahlen und deren Bekanntheit verbreitet sich epidemieartig, da standardmäßig ein Gruppenbeitritt einer Person allen seinen Facebook-Freunden in deren Timeline gemeldet wird.

Das alte Motto, dass man auch aus Scheiße Geld machen kann, trifft es hier auf den Kopf.

Twittere niemals deine Telefonnummer!

LeVar Burton, besser bekannt als der schick bebrillte Schauspieler der Figur „Geordi LaForge“ aus der Fernsehserie Star Trek – The Next Generation hatte vor einer Woche vermutlich ziemlich unruhige Stunden. Denn am 31. März setzte er über seinen Twitter-Stream eine Nachricht mit einer ominösen US-Telefonnummer ab. Ich habe mich noch gewundert und mir meinen Teil gedacht und offensichtlich war der Gedanken, den ich da hatte, gar nicht so falsch. Jedenfalls twitterte LeVar einige Stunden so eine Art S.O.S.:

Gut, könnte man vermutlich aushalten, wenn LeVar Burton nicht ganz so prominent im Twitter-Space wäre, wie er ist:

Bei 1,6 Millionen Follower reichen schon 0,1 Promille davon als Anrufer, um den Tag als gelaufen zu bezeichnen. 😉

Die Nachricht schlug dann kurz darauf auch im MTV Movies Blog auf:

A minor Twit-pocalypse broke out yesterday when LeVar Burton accidentally posted his phone number to his account. It sounds like he had to get his number changed thanks to all of the incoming calls, but luckily for him, his old „Star Trek: The Next Generation“ co-stars Wil Wheaton and Brent Spiner were around to lend moral support.
MTV Movies Blog

QYPE führt ein Medaillensystem ein.

Autoren im Bewertungsportal QYPE.com kannten bisher nur zwei Arten von „Ruhm“: Ab 250 verdienten Punkten den Status als „Insider“ und ab 1.000 Punkte den „Experten“. Diese Punktezahlen zu erreichen ist sicherlich nicht ganz so einfach, wie sich das auf den ersten Blick anhört (für Artikel zu neuen Standorten gibt es 20 Punkte, für Bewertungen zu Standorten, die von anderen Nutzern schon bewertet wurden, nur noch 8 Punkte), allerdings sank der Ansporn deutlich, wenn man schon jenseits dieser Punktegrenzen war.

Seit Dienstag ist nun alles anders, denn nun gibt es Medaillen für aktive QYPE-Nutzer und hier gleich eine ganze Palette voll, nämlich genau 21 Stück. Jede Medaille gibt es beim Erreichen des Medaillenzieles, beispielsweise das Schreiben einer bestimmten Anzahl von Artikeln, besonders gut bewertete Artikel, das Bewerten von Orten in anderen Ländern und so weiter und so fort. Eine Medaille namens „Gründer“ dürfte dabei besonders rar bleiben, denn die haben nur die Benutzer bekommen, die vor dem Jahr 2008 schon bei QYPE angemeldet waren.

Das Medaillensystem beschert mir jetzt zu Beginn 8 Medaillen von 20 erreichbaren. Es gibt also noch etwas zu tun. Und es gibt tatsächlich QYPE-Nutzer, die schon alle Medaillen haben …

Retweeten für Anfänger und Fortgeschrittene.

Eine Twitter-Meldung zu “retweeten” ist so eine Sache. Wir wollen da gar nicht erst darüber diskutieren, ob das Retweeten sinnvoll ist oder nicht, sondern einfach mal darüber, wie man eigentlich korrekt retweetet. Denn irgendwie scheint es da teilweise ziemlich krasse Missverständnisse darüber zu geben.

Grundsätzlich: Retweeten ist das, was bei E-Mail das „Weiterleiten“ ist. „Weiterleiten“ bedeutet in diesem Kontext, dass man eine Nachricht weitergibt. Und zwar gern mit einem Kommentar, die Nachricht aber selbst bleibt unverfälscht. Zugegeben, das nicht verfälschen ist bei einer Beschränkung auf 140 Zeichen nicht ganz einfach, sondern weitgehend unmöglich.

Das „alte“ Retweeten

Die Idee des Retweets war, wie so viele Dinge bei Twitter, eine Sache, die erst später, weit nach dem Start von Twitter nachträglich eingebaut wurde. So weit, so gut. Was ebenfalls twitter-typisch ist, ist der Umstand, dass man anfänglich experimentiert hat, und zwar mit der Syntax der Retweet-Kennung. Hatte man sich am Ende auf die Buchstabenfolge “RT” geeinigt, gab es zwischendrin auch mal Ideen für die Nutzung eines Symboles, das in einigen Schriftarten vorkommt und am ehesten damit zu vergleiche ist, was landläufig Recycling symbolisiert – quader- oder dreiecksförmig als Endlosschleife angeordnete Pfeile. Das man dieses Zeichen kaum sinnvoll auf einer Tastatur eingeben kann, ist bei einem Retweet im Gegensatz zu einem Reply oder einer Direct Message eher unwichtig, da ein Retweet ja von einem Twitter-Client oder dem Twitter-Backend erzeugt wird.

Nun, wie auch immer, am Ende sah es dann so aus:

@besim schreibt: Hallo, dies ist ein Text.

@blafurzbasel retweetet: RT @besim Hallo, dies ist ein Text.

Bei einem relativ kurzen Tweet ist das relativ einfach zu bewerkstelligen. “Relativ kurz” deshalb, weil der Vorspann eines Retweets ja auch schon Zeichen kostet. Im Falle des obigen Beispieles gehen durch den Vorspann “RT @besim” plus einem nachfolgenden Leerschritt immerhin 10 von 140 möglichen Zeichen verloren.

Aber noch andere Fehler kann man beim “alten” Retweet noch machen, nämlich den Retweet verfälschen. Okay, ich verstehe, dass man als jemand, der eine Twitter-Meldung retweeten möchte, noch einen zusätzlichen, eigenen Hinweis zur rezutweetenden Nachricht hinzufügen möchte. Dafür gibt es allerdings keine festgelegte Syntax, sondern am ehesten eine “Good-Practice”-Empfehlung, nämlich den eigenen Inhalt davorzusetzen, so dass dies dann so aussehen würde:

Coole Sache! RT @besim Hallo, dies ist ein Text.

Nicht wirklich übersichtlich. Das Problem verschärft sich allerdings noch gewaltig und kann richtige Missverständnisse auslösen, wenn man einen Retweet falsch einsetzt. Zum Beispiel dann, wenn jemand einen Link retweeten möchte, den ursprünglichen Text des Erstautors abändert, das alles aber als Retweet markiert:

@besim schreibt: Geiler Link, unbedingt anschauen! http://foo.bar/geil

@blafurzbasel retweetet: RT @besim http://foo.bar/geil – Link für Geile

Der (fiktive) User @blafurzbasel wollte hier vielleicht einfach nur den Link, den ich empfohlen habe, an seine Freunde senden und hat das als Retweet markiert, allerdings hinten den Text abgeändert, was er ja, da das alles normaler Text ist, auch technisch problemlos machen kann. Er kann so nebenbei auch den Sinn komplett entstellen und ich habe dann am Ende nicht einen “geilen Link” gesendet, sondern einen “Link für Geile”, obwohl ich das niemals selbst geschrieben habe.

In diesem Beispiel mag das noch herzlich belanglos sein, aber man denke an dieser Stelle weiter. Sehr einfach kann man hier anderen Leuten Dinge in den Mund legen, die sie so nie gesagt haben.

Das “neue” Retweeten

Twitter hat irgendwann erkannt, dass die bisherige Retweet-Lösung nicht wirklich intelligent ist, eben aus dem Grund, dass ein Retweet immer zusätzliche Zeichen benötigt, der dann im Retweet-Tweet fehlt und dass eben “alte” Retweets vortrefflich vom Retweet-sendenden Nutzer manipuliert werden können. Lösung: Retweet fest ins Backend einbauen, was dann vor einigen Monaten auch implementiert wurde, wenn auch anfänglich recht halbherzig.

Das „neue“ Retweeten sieht dann beispielsweise im Twitter-Client TweetDeck so aus:

Der zu zitierende Text eines Retweets kann vom „Retweeter“ nicht geändert werden, zudem wird beim „neuen“ Retweet der gesamte Vorrat von 140 Zeichen zur Verfügung gestellt. Die Information über den eigentlichen Nutzer, der den zitierten Text geschrieben hat, wird komplett im Backend gespeichert.

Und nun?

Ganz einfach: Nur noch das „neue“ Retweeten nutzen. Erspart einem selbst das Zeichenzählen, sieht hübscher aus und der so weitergeleitete Tweet entspricht dem Original. Das „neue“ Retweeten funktioniert in der Zwischenzeit auch von der eingedeutschten Twitter-Website und von den meisten aktuellen Twitter-Clients aus. Falls der eigene das nicht kann, entweder aktualisieren oder einen neuen suchen, denn allein das „neue“ Retweeten ist den Aufwand wert.

Der Facebook-Hassartikel.

Zweifellos: Facebook hat einmal Spaß gemacht. Leute fanden sich ein, kommunizierten ungezwungen miteinander und Facebook ist nach wie vor ein Synonym für Social Networking schlechthin. Noch. Denn in der Zwischenzeit habe ich so meine Probleme mit Facebook und das obwohl ich Facebook halbwegs auch für „Publishing-Zwecke“ brauche und empfehle. Doch das ist immer mehr eher ein „leider müssen“ als ein „wirklich wollen“. Facebook geht bei mir den Bach herunter.

Mit inzwischen gutem Gewissen kann man sagen, dass die Idee, Applikationen externer Entwickler in Facebook einzubinden, ein völliger Schuss in den Ofen war und Facebook inzwischen eigentlich der beste Beweis dafür ist, wie man es als Social Network besser nicht machen sollte. Nur die wenigsten Nutzer wissen, wo eigentlich Facebook-Applikationen laufen, nämlich nicht auf der Facebook-Plattform, sondern auf der Plattform des Besitzers der Applikation. Die Applikation wird dann, wenn sie von Facebook akzeptiert wird, von Facebook aus eingebunden und darf über definierte Schnittstellen mit Facebook und letztendlich mit dem Benutzer interagieren. Was genau der Applikationsbesitzer mit den Schnittstellen und den daraus gewonnenen Daten macht, interessiert Facebook nur halbherzig viel, mit der Zusicherung, dass der Besitzer der Applikation keinen Schindluder mit den gewonnenen Daten macht, gibt man sich schon zufrieden.

Was Facebook allein quantitativ seinen Benutzern an Applikationsfluten zumutet, ist schon schwer zu ertragen. Schon bei mehreren Dutzend Freunden im Netzwerk wird man von morgens bis abends mit den dollsten Informationen zugeballert. Da schenkt mir jemand einen Elch, jemand anderes will meinen Geburtstag in seinen Kalender eintragen, ein anderer hat sein Horoskop gelesen und teilt es der Welt mit. Und so weiter. Zwar bietet Facebook es an, Meldungen von bestimmten Benutzern oder bestimmten Applikationen auszublenden, letzteres ist aber ein Kampf gegen die Hydra – schlägst du einen Kopf ab, wachsen drei nach.

In meinen Augen geht Facebook mit der Privatsphäre seiner Nutzer erschreckend um. Das ist schon lange nicht mehr eine gewisse Nachlässigkeit, sondern inzwischen ein gezielter Vorsatz, Benutzer dazu zu bringen, wissentlich oder gern auch unwissentlich ihre Privatsphäre aufzugeben. Aktuelles und leider bestes Beispiel sind die neuen Änderungen, die jeder Facebook-Benutzer vor einigen Tagen bestätigen musste. Grundsätzlich sind diese nun feiner granulierten Einstellungen ja gut, allerdings hat Facebook jegliches Goodwill damit verspielt, dass für eine neue Einstellung der Privatsphäre die denkbar ungünstigsten Voreinstellungen empfohlen wurde. Jeder, der diese Einstellungen nur kurz überflogen hat und diese Empfehlungen von Facebook gedankenlos übernommen hat, hat damit praktisch alle seine in Facebook hinterlegten Inhalte auch allen Facebook-Teilnehmern freigegeben. Dazu kommt, dass Mark Zuckerberg, der Chef von Facebook, eine haarsträubende Art und Weise an den Tag gelegt hat, dies zu rechtfertigen – er verharmlost nämlich. Final beispielsweise dadurch, dass er angeblich bedenkenlos sein Bilderalbum freigegeben hat (und erst später merkte, dass dies vielleicht nicht so gelungen war, da nach dieser publikumswirksamen Aktion einige offenbar kompromittierenden Fotos verschwanden).

Okay, werden Kritiker sagen, ist doch letztendlich alles ein Problem der Benutzer, sollen sie halt Facebook nicht mehr benutzen, wenn sie Angst um ihre Privatsphäre haben. Doch so einfach ist das nicht mehr in unserer digitalen Welt. Ich kann durchaus jemandem sagen, dass er beispielsweise bei der Eingabe einer PIN an der Supermarktkasse, wenn er dort mit seiner Maestro-Karte bezahlen will, aufpassen soll, dass ihm niemand über die Schulter schauen soll und das tut er dann vielleicht auch. Einem unbedarften Benutzer, der mit seinen Freunden kommunizieren will und nicht unbedingt Zeit und Muße hat, sich über alle Spitzfindigkeiten, die Facebook seinen Benutzern zumutet, Gedanken zu machen, ist das mitunter deutlich schwieriger zu erklären. Privatsphäre ist im Internet weit schwieriger zu schützen, wenn sich viele Menschen allein fühlen, nur weil sie allein vor dem Bildschirm sitzen. Und man muss leider sagen: Facebook nutzt dies schamlos aus.

Der Birthday-Burst.

Wir hatten es ja mal im April davon, wie es ist, wenn just an einem Geburtstag viele Teilnehmer an einem sozialen Netzwerk auf die Idee kommen, eine Gratulation abzulassen. Ist aber auch kinderleicht, denn in jedem besseren Social Network wird man über Geburtstage in seinem Netzwerk mehr oder weniger auffällig informiert und ein Glückwunsch ist schnell abgelassen. Ob nun als Nachricht, Gästebucheintrag oder gar mit einer eigenen App. Für das Geburtstagskind ist das eine mitunter gewaltige Herausforderung. Wenn man grob kalkuliert, dass etwa 2 bis 5 % der Kontakte auch einen Glückwunsch loslassen, hat man einige Dutzend Nachrichten im Postfach und entsprechend etwas zu beantworten.

Das ist der “Birthday-Burst”. “Burst” als Übersetzung von “Explosion” trifft es dabei recht gut, weil sprunghaft der Nachrichtenein- und ausgang ansteigt, zumindest für den Tag des Geburtstages. Ich wollte auch einfach mal so ein Buzzword erfinden. 🙂

(Mal wieder) Facebook-Privacy-Napping.

Wer sich heute in Facebook einloggt, wird freundlich aber bestimmt aufgefordert, die neuen Privacy-Features von Facebook zu begutachten und für seinen Account einzustellen. Und wer, wie es bei Facebook absolut nicht angeraten ist, einfach mal durchklickt und die Standardeinstellungen, die Facebook vorgibt, übernimmt, tut nicht wirklich gut, sondern veröffentlicht sein Profil für die gesamte Facebook-Außenwelt – nicht mehr nur seinen Freunden, wie das bei den meisten Facebook-Benutzern der Fall ist. Einfach mal so.

So nett und schwer verzichtbar Facebook auch ist: Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass Facebook Privacy-Neuerungen eigentlich nur noch deshalb unters Volk bringt, um die Nutzer durch unbedachtes Bestätigen dazu zu bringen, noch mehr von sich zu veröffentlichen und freizugeben. Diese Freifahrtscheine sind letztendlich für Facebook das Überlebenselixier, denn zielgruppenspezifische Werbung beginnt bei Facebook vor allem erst einmal damit, dass Facebook-Benutzer Dinge von sich preisgeben und mit diesem Wissen dann passgenaue Werbung verkauft werden kann.

Deshalb also Vorsicht beim heutigen Facebook-Besuch. Und wer sich nicht mehr so sicher ist, was er da eigentlich zusammengeklickt hat, dem ist unbedingt ein Besuch in den Privatsphäre-Einstellungen (findet sich oben in Facebook unter “Einstellungen”) angeraten.