Wie Twitter Donald Trump 14 Millionen Follower schenkte.

Wie über 14 Millionen weitere Twitter-Nutzer folgte ich bis zum Abschied Barack Obamas als US-Präsident auch dem offiziellen Twitter-Account @POTUS („President of the United States“). Die US-Behörden hatten sich zum Präsidentenwechsel dabei eine nette Geschichte ausgedacht. Anstatt einfach den Account weiter an den nächsten US-Präsidenten zu geben, wurde kurzerhand der bisherige @POTUS-Account zu @POTUS44 umbenannt und somit archiviert. Nach den üblichen Twitter-Regeln behält ein Twitter-Account alle seine Follower, auch wenn der Nickname des Accounts wechselt.

Dass @POTUS44 der frühere @POTUS-Account war, lässt sich z.B. über die Website mytwitterbirthday.com recherchieren, die für den Account das „Geburtsdatum“ des 21. Juni 2013 ausgibt:

Wie gesagt, über 14 Millionen Follower.

Für den neuen US-Präsidenten wurde eigens ein neuer dienstlicher Account eingerichtet, der dann den bisherigen Nickname „POTUS“ übernommen hat. Auch ersichtlich hier: Der „Geburtstag“ dieses Twitter-Accounts, der 19. Januar 2017.

Also alles gut. Wobei … nicht so ganz. Den offenkundig zum Wohle des neuen US-Präsidenten dehnt Twitter wieder einmal die Regeln. Denn der bisherige Follower von @POTUS und nun Neu-Follower von @POTUS44 darf nun staunend zur Kenntnis nehmen, dass er nun automatisch beiden Accounts folgt, nämlich @POTUS44 und dem neuen @POTUS-Account. Also sozusagen ein Zwangs-Following des neuen US-Präsidenten, obwohl man das gar nicht selbst initiiert hat. Schon ganz nett, wenn man als neuer US-Präsident mit einem neuen Twitter-Account gleich mal mit 14 Millionen von Twitter auf dem Silbertablett überreichten Follower anfangen kann und ihnen von Tag 1 an präsidentialen Müll unterjubeln kann, den sie gar nicht bestellt haben.

Eine Ferkelei von Twitter, die man in so Ländern wie China oder Russland nicht hätte besser machen können, zumal Twitter bisher auf Wünsche von Account-Duplikaten nicht eingegangen ist.

Einzig ironischer Nebeneffekt: Der neue @POTUS-Account verliert derzeit stetig Follower und hat aktuell fast 300.000 Follower weniger, als @POTUS44. Ich bin mal gespannt, wie lange sich dies das Trump-Team anschaut und irgendwann die „Bitte“ an Twitter herangetragen wird, für den @POTUS44-Account keine neuen Follower zuzulassen. Auch das wäre dann ein neues Level an politischem Opportunismus von Twitter, aber das ist vermutlich einfach nur eine Frage der Zeit. Die YESSIR-Mentalität von Twitter gegenüber totalitären Regimen in aller Welt ist inzwischen schon fast legendär.

Zeitbombe Delicious.

Den Linksammeldienst Delicious hatte ich fast zehn Jahre im Einsatz, bevor ich heute meinen Account dort endgültig in die Wüste geschickt habe. Mehr oder weniger engagiert habe ich da Links gesammelt, an die ich mich für gewöhnlich von allein nicht mehr erinnere, aber dennoch immer wieder staune, wenn ich mir die Links anschaue. Geht vermutlich vielen Delicious-Nutzern so.

Was mich an Delicious stört, ist die fast schon zelebrierte Hoffnungslosigkeit über die Zukunft des Dienstes. Seit dem Delicious aus Yahoo herausgekauft wurde (und zwar von den Erfindern von YouTube), bewegte sich bei Delicious quasi gar nichts mehr. Schon recht bald wurde Werbung eingeblendet, inzwischen aus mehr als vier AdSense-Werbeflächen. Delicious verkam zu einer reinen Klickhölle, die vornehmlich von Nerds noch verwendet wird, die selten einmal auf die Website von Delicious schauen.

Dass es allerdings irgendwann brenzlig wurde, merkte man daran, dass Delicious plötzlich einen „Shop“ hat. Mit Links hat der Shop herzlich wenig zu tun und erinnert am ehesten dem bösen Ende des Linksammel-Konkurrenten Mr. Wong, der plötzlich ebenfalls ein Shop wurde. So gibt es bei Delicious nun also Tech-Gadgets und vor allem viel Plastikmüll.

Was am Linksammeldienst allerdings nun richtig zeitbombig wird, ist die für notleidende Social-Media-Dienste übliche Abkanzelung. Die Export-Funktion für Links funktioniert seit einer Weile nicht mehr. Die Programmier-API wurde um wichtige Funktionen (eben zum Beispiel der Möglichkeit zum Export von Links) gekürzt. Der RSS-Feed zeigt nur noch die letzten 100 Links eines Benutzers an. Und wer sich zum Exportieren seiner mühsam aufgebauten Links ein Screenscraper-Script bastelt, bekommt es kurz darauf mit dem Webserver von Delicious zu tun, der „übermäßige“ Seitenzugriffe abblockt.

Hier bereitet sich ein Dienst auf seinen Exit vor. Deshalb meine Empfehlung: Finger weg von Delicious und retten, was zu retten ist.

Mit Chrome und Firefox bieten zwei große Webbrowser das Synchronisieren von Bookmarks über mehrere Browser. Zwar fehlt hier die „Socializing-Komponente“, aber mein Empfinden trügt nicht: Mit Linksammeln ist kein Geld zu verdienen und die Gefahr, dass irgendwann einmal so ein Dienst die Stromversorgung kappt, ist hoch. Bei jahrelang gesammelten Links, die mitunter zu echtem Wissen gehören, ist das mehr als ärgerlich, wenn man die verliert, nur weil da jemand keine Lust mehr hat.

Der Quatsch namens Counter Speeching.

Vor einigen Tagen hatte ich mir mal den Spaß erlaubt, mich im Counter Speeching in Facebook zu üben. Also dem, was Facebook als ehrenhafte Antwort auf Hate Speeching, also der Hassrede, sieht. Ohne dabei natürlich so laut zu erwähnen, dass die Bekämpfung von Hassrede oft genug eine strafrechtliche Relevanz hat und eigentlich Facebook seinen Laden selbst sauber halten müsste, wenn sie von strafrechtlich relevanten Inhalten auf ihrer Plattform erfahren. Aber dazu gleich mehr.

Counter Speeching ist Drecksarbeit.

Drecksarbeit, nicht mehr und nicht weniger. Denn natürlich hat man es beim Counter Speeching, also bei der kontrollierten Gegenrede, in Social Networks in der Regel mit Leuten zu tun, die die Grundregeln der Netiquette bewusst missachten: Gestatte Anderen eine Meinung, rede sie nicht tot, denke vor dem Schreiben immer daran, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt. Bei der überwiegenden Zahl von ständig in Hasssprache schreibenden Menschen handelt es sich um arme Würstchen, die mit Erstaunen erkannt haben, dass sie mit Fäkalsprache eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen können und sei es nur Entsetzen.

Daraus folgt, dass eine Gegenrede gegen so eine Hassrede nicht viel mehr ist als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn beide befeuern sich gegenseitig, wenn auf Seiten des Hassredners der Wille auf Verständnis von vorneherein fehlt. Es geht nicht mehr um die Diskussion oder Erkenntnisse daraus, sondern es geht nur noch um die Krawalle. Das Ziel, andere zu beleidigen, mundtot zu machen und sich als den wahren Proleten darzustellen („Wir sind das Pack!“ usw.).

Demzufolge muss man Counter Speeching vor allem mit einem gewissen Abstand und Selbstschutz durchführen, um sich nicht von den blödesten Argumenten sofort ins Boxhorn jagen und provozieren zu lassen. Meine jahrelang Usenet-Flaming-Erfahrung kam mir hier zu Hilfe – Counter Speeching kann sogar Spaß machen, wenn man geflissentlich dabei außer acht lässt, mit Counter Speeching etwas erreichen zu wollen. Counter Speeching funktioniert nämlich nicht. Wirklich gar nicht.

Die meisten Hassredner sind ausgesprochen dumm.

Gefühlte 90 % aller Hassredner kennen ihre gefühlten 5 bis 10 griffigen Argumente gegen Ausländer und Flüchtlinge und damit hat es sich dann auch. Schon so Sachen wie der Umstand, dass Hartz IV bzw. ALG-2 nicht aus Sozialkassen kommt, sondern steuerfinanziert ist, ist für die meisten Hassredner etwas, was sie nicht wissen. Das angebliche Argument, dass für Flüchtlinge die Unterstützung für Behinderte und alte Menschen (die zwei Lieblingsgruppen aller Hassredner) landauf-landab leiden würde, ist daher auch das Lieblingsargument, weil eben einfach und griffig.

Ironischerweise ist also Counter Speeching relativ einfach, weil die allermeisten Hassredner immer mit den gleichen, stereotypischen Argumenten dahergewackelt kommen, aber erreichen tun echte Gegenargumente diese dummen Menschen nicht.

Denn – und damit kommen wir zum Hamsterrad: Für einen ordentlichen Hassredner ist die Gegenrede selbstverständlich immer ein Teil der Verschwörung. „Was nicht wahr ist, ist falsch“ wird umgemünzt in „Was ich nicht verstehen will/kann, das ist falsch.“ Ist ja keiner da, der falsche und laute Meinungen sanktioniert, also darf man alles.

Selbst Hassredner sind vorsichtig bei persönlichen Angriffen.

Selbst die übelsten Hassredner – dazu gehören vor allem die Leute, deren radikale Meinung halbwegs gefestigt erscheint – sind vorsichtig, wenn die Gegenredner mit Höflichkeit daherkommen und nicht sofort in das gleiche Beschimpfungslevel absteigen, wie der Hassredner selbst. Erstaunlicherweise habe ich selbst mit meinem Realnamen und übler Thematik kaum einen Hassredner erlebt, der wirklich justiziable Beleidigungen gegen mich losgelassen hätte. Am ehesten kommen die ersten Angriffe in der Form, man sei ja minderbemittelt, wenn man nicht verstehen würde, was der Hassredner sagt (was in der Tat bei vielen Hassrednern schwer ist, weil sie sich nicht sinnvoll ausdrücken können/wollen) und geht dann irgendwann über in eine Trotzhaltung, wenn man die billigsten und falschesten Argumente des Hassredners auseinandernimmt. Da geht den meisten Hassrednern sehr schnell das Zäpfchen, denn mit dem Wissen ist das so eine Sache.

Beliebt sind am ehesten solche Angriffsversuche wie „Ich wüsste ja schon, was man da machen würde“ mit dem ungesagten Versuch, den Gegenüber dazu zu bringen, zu fragen, was denn genau. Selbst als ich das dann auch so stellte, kam in der Regel nichts weiter schärferes, wohl aus der doch nicht ganz vergessenen Angst, man könnte da vielleicht doch bei jemandem aufsitzen, der weiß, wie man mit Beleidigungen im öffentlichen Raum umgeht.

Facebook reagiert auf gar nichts.

Ich denke, man kann diese Überschrift so stehenlassen, wenn ich die Zahl von Reaktionen des Supports auf meine Meldungen schaue: Exakt Null. Bei vielen anderen auch. Es gehört eher zu den Ausnahmen, dass jemand von Facebook sanktioniert wird und das sind dann für gewöhnlich auch nur Leute, die wirklich extrem heftig auf Facebook unterwegs sind und sich mehr als offensichtlich in ihren Profilen dafür als „Märtyrer“ feiern lassen.

Ich bin da sehr emotions- und illusionslos: Facebook wird von sich aus so lange nichts gegen Gegenrede tun, so lange man ihnen nicht droht, sie millionenschwer zu bestrafen, sie aus Märkten auszuschließen oder der US-Präsident bedroht wird.

Ein Guide für Counter Speeching?

Eine Weile schon bin ich am überlegen, einen Guide für das Counter Speeching im Web zu schreiben, denn das würde thematisch gleich in mehrere netplanet-Rubriken passen und für so einen Guide gibt es auch sichtbaren Bedarf. Counter Speeching ist geprägt von einigen Grundregeln, mit denen man in den meisten Diskussionen die Fäden in der Hand halten kann und die Diskussionsführung kontrolliert, so wie es z.B. auch bei Reaktionen von Unternehmen auf so genannte „Shitstorms“ geht. (Die Regeln für die Reaktion auf Shitstorms jedoch keinesfalls mit denen zum Counter Speeching zu vergleichen sind.)

Aber letztlich komme ich bei allen Überlegungen immer auf ein Argument, das mich davon abhält: Warum soll ich ausgerechnet für so Leute wie die Facebook-Verantwortlichen indirekt zuarbeiten und eben nur genau für diese Leute? Das Festhalten an Counter Speeching als Reaktion auf Hassreden ist für Facebook ein knallhartes, finanzielles Argument, da mehr Kontrolle in einem Social Network Geld kostet – sehr viel Geld. Die Facebook-Leute werden also niemals freiwillig mehr Kontrolle in Inhalte stecken. Sie packen diese Haltung unter das hohe Gut der Meinungsfreiheit, aber unterm Strich sind das rein finanzielle Entscheidungen. Bei allen Gegenreden dieser Welt muss es immer noch die Möglichkeit geben, Hassredner zu sanktionieren, aber genau das funktioniert von Hause aus nicht.

Alles nicht meine Haltung und auch nicht mein Laden. Facebook wird sich um seine Benutzungsrichtlinien selbst kümmern müssen und irgendwann mit ihrer derzeitigen Haltung gegen die Wand fahren. Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, Bedienungsanleitungen für kommerzielle Dienste zu liefern, die sich damit vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung drücken.

Was sagst du?

Jetzt habe ich vieles geschrieben – was sagst du? Ich bin sehr an deiner Haltung und deinen Kommentar interessiert. Damit meine ich vor allem die vielen Leser, die dieses Blog in ihren Feed-Readern abonniert haben und üblicherweise nirgendwo kommentieren. Ich hätte gern Feedback zu diesem Thema, die Kommentarfunktion für diesen Blogartikel ist offen und man muss sich auch nicht kompliziert registrieren.

Wegschauen bei Hate-Speech in Social Networks.

Wenn ich in meine Timelines der Social Networks, die ich benutze, hineinschaue, sehe ich kein so genanntes Hate Speech. Das hat einen triftigen Grund – ich entfolge alles aus den Freundeskreisen in Social Networks, was sich in diese Richtung hin äußert, inzwischen auch weitgehend kommentarlos. Ist das nun fair? Darf man einfach wegschauen, wenn sich Leute in der Öffentlichkeit rassistisch äußern? Eine berechtigte Frage, über die ich auch eine Weile nachdenken musste. Ungefähr 30 Sekunden.

A social network is not the reality.

Kommunikation in Social Networks haben eine ganz eigene Physik, die bei ungeübten Onlinern in hitzigen Diskussionen vor allem davon geprägt ist, dass verbale Grenzen überschritten werden. Und das in der Regel in größeren Dimensionen. Es wird gehasst, gedisst, beleidigt, verleumdet und aggressiviert, was das Zeug hält. Das hat einen meist sehr einfachen Grund: Man sieht die Grenzen nicht. Es ist deutlich einfacher, in ein Texteingabefeld eine Beleidigung hineinzutippen, als jemandem direkt ins Gesicht. Und es ist noch einfacher, eine Hasstirade zu befürworten, denn das kostet kein eigenes Wort und im Ernstfall kann man sein „Like“ ja einfach wieder zurücknehmen.

Das soll keine Generalentschuldigung für Leute sein, die sich in Social Networks schlicht nicht im Griff haben, aber gerade für die Nutzung von Social Networks gilt einer der wichtigsten Grundsätze der Netiquette ganz besonders: Lese liberal, schreibe konservativ. Und das ist nicht politisch gemeint, sondern in Sachen Entzündlichkeit des Geschriebenen.

Man tut also gut daran, sich mit einem relativ dick gefütterten Pelz größere Diskussionen in Social Networks anzutun und sich vorab gut zu überlegen, mit welchen Leuten man diese führt. Mit sehr engen Freunden führt man durchaus andere und mitunter auch deutlich intensivere Gespräche als mit Leuten, die man nur flüchtig kennt.

Singen, zuhören oder abschalten?

Gerade weil viele Menschen vor dem Computerbildschirm ihre Grenzen nicht kennen oder sich bewusst nicht an Grenzen halten, hat das offensive Diskutieren in Online-Foren ein regelmäßig großes Potential, sehr schnell zu explodieren. Daran kann man Spaß haben oder man kann daran auch leiden. Das Problem bei letzterem ist, dass es vor allem immer das eigene Magengeschwür ist, an dem man auf diese Weise arbeitet. Da sollte man sich immer fragen, ob einem das so viel wert ist.

Es ist daher in solchen Diskussionslagen wie bei der Frage, ob man ein Rockkonzert besuchen möchte. Kann man mit der Band etwas anfangen, geht man vielleicht hin und hört es sich an. Kann man nichts damit anfangen, geht man am ehesten nicht hin. Vielleicht verpasst man dabei einen außergewöhnlichen Gig, aber erspart sich auf jeden Fall Musik, mit der man eigentlich nichts anfangen kann.

Mit dieser Haltung lebt es sich in Social Networks am stressärmsten und daher hat Hate-Speech gegen Minderheiten, Flüchtlinge und Ausländer nicht sehr lange Zeit, in meiner Timeline herumzugeistern. Entweder werden Nachrichten von solchen Absendern abbestellt oder eben der Freundeskreis verkleinert.

Ja, aber müsste man nicht aufbegehren gegenüber Idioten?

Kurzum: Ja, muss man. Wenn ein Ewiggestriger im Bus einen Ausländer anmacht, dann ist Zivilcourage gefragt, die in den meisten Fällen auch zur erfolgreichen Ausgrenzung des Aggressors führt. Aufbegehren gegen Aggressoren sollte im edelsten Fall dazu führen, dem Aggressor vor Augen zu halten, dass sein Verhalten inakzeptabel ist. Im Idealfall führt dieses Aufbegehren zu einer Einsicht.

In einer Timeline sieht das schon etwas anders aus, denn die ist nur eine scheinbare Öffentlichkeit. Sie enthält nämlich nur die Freunde, die man selbst lesen und die einem selbst noch nicht mal unbedingt folgen müssen. Das könnte zum Beispiel zu so eine Szenario führen, dass man als einziger Normalmensch einem Radikalen folgt, dem sonst nur Radikale folgen. Der beschickt mit seinem Geschreibsel vornehmlich seinen eigenen Freundeskreis mit Parolen und jede Gegenwehr gegen so einen Sturm ist pulverisierte Liebesmüh‘, die oft genug noch dazu führt, sich mit doppeltem und dreifachen Echo der Freundesfreunde herumärgern zu müssen.

Will man aufbegehren, dann sollte man das auch bei Freundschaften in Social Networks immer noch persönlich tun – wenn einem das, wie schon geschrieben, wirklich wert ist.

R.I.P. RSS Graffiti.

Kleine und sehr wichtige Information an alle, die automatisiert von Blogs bzw. RSS-Feeds aus Inhalte auf Facebook(-Seiten) teilen und dazu bisher das Quasi-Standardwerkzeug „RSS Graffiti“ genutzt haben: RSS Graffiti ist seit 30. April 2015 nicht mehr. Der Dienst wurde abgeschaltet. Es wird hierüber nichts mehr auf Facebook geteilt.

Mir fiel das auch erst heute morgen auf, als ich mich wunderte, warum auf der Facebook-Seite eines Kunden-Weblogs keine Sharings mehr ankommen. Eine kurze Recherche nach der RSS-Graffiti-App auf Facebook ergab dann folgendes Bild:

Das Ende von RSS Graffiti auf Facebook

Auf der Website von RSS Graffiti bedauern die Macher die Einstellung und begründen dies mit dem Scheitern des Businessmodells. RSS Graffiti gehört zu den ältesten Facebook-Apps überhaupt und jeder, der ein Blog dazu bringen wollte, auf Facebook automatisch geshared zu werden, hatte wohl mal Kontakt mit RSS Graffiti. Vor einigen Jahren versuchten die Macher die einst völlig kostenlose App sehr moderat zu monetarisieren, was aber, wie nun offensichtlich ist, gescheitert ist.

So nützlich RSS und Feed-Syndication auch immer ist: Es ist immens schwer, in diesem Umfeld ein tragfähiges Verdienstkonzept unterzubringen. RSS Graffiti ist hier nur ein Opfer von vielen.

Alternativen.

Alternativen gibt es einige. Sowohl innerhalb Facebooks als Facebook-App, als auch als externe Dienste. Darunter dann auch einige kostenlose und einige richtig teure, die sich vornehmlich an professionelle Social-Media-Redakteure richten.

Ein kostenloser, externer Dienst ist IFTTT, der die Einrichtung relativ einfach hält, allerdings das zentrale Problem hat, dass immer nur eine Facebook-Seite pro IFTTT-Account als Ziel angelegt werden kann. Das ist für den professionellen Einsatz mit dem Sharen von Inhalten auf getrennte Facebook-Seiten relativ umständlich, weil man dann mit einer Vielzahl von IFTTT-Accounts hantieren muss. Einigermaßen absehbar ist, dass IFTTT – so wie viele andere Dienste auch – irgendwann einmal Geld kosten dürfte.

Eine weitere Alternative empfiehlt sich für WordPress, nämlich mit dem Plugin „Jetpack“ von Automattic, den Machern von WordPress. Hier gibt es in der riesigen Sammlung von integrierten Tools eine Rubrik namens „Sharing“, die genau das tut: Sharing auf Social Networks. Neben Facebook und Twitter unter anderem auch zu Tumblr und vor allem – zu Google+. Interessant dabei ist, dass dies mit WordPress- bzw. Automattic-Mitteln funktioniert und damit wohl auch ein längerfristiger Erhalt gewährleistet sein dürfte.

Wie man mit latentem Rassismus in Social Networks umgehen sollte.

Vermutlich hat jeder, der in einem Social Network ist, irgendwann einmal das „Vergnügen“, offenem oder latenten Rassismus entgegenzublicken. Der ein oder andere hat da so seine „Pappkameraden“ in seiner Freundesliste, manchmal kommen auch neue hinzu, oftmals ist Rassismus versteckt und oft genug für den Autoren auch gar nicht so ersichtlich. Russen-/Juden-/Türken-/Italienerwitze sind schließlich weit verbreitet. Und was vielleicht für den einen halbwegs witzige Monologe sind, sind für den anderen schon haarscharf an rassistischen Äußerungen.

Gut, man muss bei allem, was man liest, eine liberale Lesehaltung anwenden. Aber wie geht man mit dem „alltäglichen“ Rassismus in einem Social Network um? Nun gibt es prinzipiell vier Möglichkeiten, mit latentem Rassismus in seiner Timelime umzugehen:

  1. Man überliest es einfach und lässt es durchlaufen. Wird schon nicht so schlimm sein.
  2. Man liest es, ärgert sich und kommentiert es entsprechend mehr oder weniger scharf protestierend.
  3. Man liest es, ärgert sich vielleicht darüber und blendet den Autoren eines solchen Statements aus. Das geht z.B. in Facebook, da dort jede Freundschaft gleichzeitig auch ein Abonnement der Beiträge des jeweiligen Freundes ist und man dieses Abonnement der Beiträge auf der Profilseite des Freundes gesondert beenden kann.
  4. Man entfernt den Freund aus der Freundschaftsliste, gleichzeitig ist damit auch das Abonnement der Beiträge beendet.

1. Überlesen.

Klar ist, dass für Demokraten der Punkt 1 kaum tragbar ist. Man kann es vielleicht mal durchgehen lassen, wenn man weiß, dass die Äußerung ironisch oder sarkastisch gemeint ist, aber auch das ist schon reichlich problematisch, denn zu einer Äußerung gehört neben einem Autor auch immer ein Leser. Der eine fasst es als Ironie bzw. Sarkasmus auf, der andere lässt das in sein Meinungsbild als echte Meinung gelten.

Dennoch: Überlesen und wissentlich ignorieren ist zwar bequem, aber per se nicht gut. Oftmals merkt ein Freund gar nicht so recht, dass er mit einer Äußerung Freunde verletzt (sowas gibt es tatsächlich), da wäre ein Aufbegehren sicherlich nicht verkehrt. Das kann man ja auch erst einmal in einer privaten Mitteilung tun.

Schwerer wird es, wenn solche Äußerungen nicht der Einzelfall bleiben, sondern immer wieder abgefeuert werden. Spätestens da ist Weghören ein falscher Weg. Steter Tropfen höhlt jeden Stein.

2. Der kleine-große Protest.

Punkt 2 ist dann der Weg des „kleinen Protestes“, in dem man aufbegehrt und den Autoren einer rassistischen Äußerung zur Rede stellt. Das kann man machen und das ist sicherlich auch ehrenvoller, aber man muss damit rechnen, ein Echo zu bekommen. Das kann der Autor selbst sein, was allerdings eher selten der Fall ist, wenn man mit dem Autor gut befreundet ist. Möglicherweise kommt hier auch schon der Protest insofern gut an, dass es den Autor zum Nachdenken anregt.

Problematischer hingegen ist bei Punkt 2, dass sich möglicherweise andere Mitleser genötigt fühlen, dem Autor der rassistischen Äußerung zur Hilfe springen zu müssen. In der Regel knallt es spätestens jetzt verbal, denn hier gehen bei vielen der Gäule durch, meist auch gleich mit dem kompletten Repertoire der vermeintlich Unterdrückten … von „man wird doch wohl mal sagen dürfen“ bis hin zum angeblich notwendigen Kampf gegen das „Gutmenschentum“, um das Volk zu retten und so weiter. Es ist bisweilen erschreckend, was hier schlagartig an verbalem Gewaltpotential losgelassen wird und man muss sich als Protestler auf größere Schimpfkanonaden einstellen.

Von solchen Kanonaden sollte man sich tunlichst nicht provozieren lassen und möglichst auch gar nicht antworten. Zu einer unsachlichen Diskussion gehören immer mehrere und leider gilt auch in Social Networks das Phänomen, dass viele Teilnehmer in besonders emotionalen Diskussionen jegliche gute Erziehung vergessen lassen, in dem sie vorübergehend vergessen, dass hinter ihren Bildschirmen auch Menschen sitzen. Wenn es ein Echo gibt und man auf das Echo reagiert, dann reagiert man praktisch nie auf das eigentliche Problem (dazu hat man ja schon etwas geschrieben), sondern lässt sich auf eine verbale Gewaltspirale ein.

3. Ausblenden.

Das Ausblenden von allen Beiträgen eines Freundes ist nicht in jedem Social Network technisch problemlos möglich. Wenn es aber möglich ist, ist es ein relativ bequemer Schritt, von einem permanenten Störenfried Ruhe zu haben, ohne ihm gleich im Network die Freundschaft kündigen zu müssen. Man liest dann schlicht und einfach den Unfug nicht mehr – das restliche Geschriebene und Veröffentlichte dann allerdings auch nicht mehr.

Um des Friedens Wille ist das der beste Weg, aber, ganz offen gesagt, auch der inkonsequenteste. Warum soll ich für mich etwas bei meinen Freunden in einem Social Network durchlassen, was mich so sehr stört, dass ich alles dafür tun muss, sie komplett auszublenden? Und warum muss ich als Freund in einer möglicherweise großen Freundesliste dafür stehen, so jemanden als Freund zu schätzen?

4. Das Überschreiten einer Grenze und das Ziehen von Konsequenzen.

Nein, das muss man nicht. Wer in einem Social Network herumstänkert und rassistisch herumtönt, überschreitet Grenzen deutlich und das stärker und auffälliger, als man eigentlich durchgehen lassen kann. Wenn so jemand in einem Restaurant Zoten in einer ähnlichen Brandklasse loslassen würde, würde ich mich beschweren. Würde ein Freund solche Dinger mir gegenüber aushusten, würde ich aufstehen und gehen. Und das gleiche sollte man auch in Social Networks tun. Aufstehen und gehen. Also „entfreunden“, „unfollowen“, den Bezug löschen.

Das ist mitunter eine schwere Entscheidung, die in einem größeren Freundeskreis Fragen aufwerfen und schlechte Stimmung erzeugen. Aber da stellt sich immer die Frage, wer damit angefangen hat. Offen gelebter Rassismus, also im Grunde genommen praktizierter Menschenhass, ist inakzeptabel. Auch in einem sozialen Netzwerk, egal ob das in der Kneipe ist, auf einer Geburtstagsparty oder in einem Social Network.

Was man alles aus Google Tasks machen könnte.

Google Keep und Google Tasks sind bei mir die beide am häufigsten genutzten Google-Dienste, die ich in der Kombination PC, Notebook, Smartphone und Tablet einsetze. Viele Inputs, die ich irgendwann einmal vor allem in Blog-Artikel oder anderweitige Texte verarbeite, entstehen bei mir an den unmöglichsten Orten: Im Auto, in der Küche, beim Essen, beim Laufen, auf der Toilette und überall dort, wo ich nun mal bin. Ein Gedankenblitz und der muss sofort irgendwo festgehalten werden.

Google Keep ist das, was man in der echten Welt als Notizzettelsammlung (oder Papierwirtschaft) bezeichnen würde. In so einen Notizzettel lässt sich Text unterbringen, aber auch ein Bild oder auch eine Audiodatei. Letzteres ist besonders praktisch während der Autofahrt. Zwar versucht Google danach eine OCR-Texterkennung, die jedoch bei meinem stichwortartigen Diktat und nebenan laufendem Radio sehr obskure Ergebnisse liefert, aber immerhin.

Wenn es strukturiert laufen muss, ist Google Tasks mein Werkzeug der Wahl. Im Gegensatz zu so vielen ToDo-Werkzeugen ist Google Tasks brutalstmöglich einfach: Aufgabe und gut. Keine Möglichkeit zur Priorisierung, keine bunten Farben, Reiter oder Möglichkeiten zum Einbinden von Bildern. Nichts. Nur ein Datum lässt sich hinterlegen, wann die Aufgabe kritisch wird. Und das lässt sich dann netterweise im Google Kalender einblenden.

Und noch etwas kann Google Tasks hervorragend: Aufgaben verschachteln und gruppieren. Es lassen sich Aufgabengruppen anlegen, so zum Beispiel für alle meine Blog-Projekte. Einzelne Aufgaben können dann innerhalb einer Gruppe angelegt werden und praktischerweise weitere Aufgaben dann auch unterhalb einer übergeordneten Aufgabe. Eine Aufgabe lässt sich sehr leicht von A nach B schieben, hoch und runter, ähnlich wie ein Fluglotse an- und abfliegende Flugzeuge sehr einfach gruppieren kann. Und für Google Tasks gibt es für iOS und Android auch genügend nette Apps, wie zum Beispiel „GoTasks“, das es auf beiden Plattformen gibt, aber witzigerweise von zwei unterschiedlichen Programmierern, die jedoch beide in Sibirien leben.

Das Problem: Google Tasks wird von Google stiefmütterlich behandelt. Es ist nämlich kein eigenständiger Dienst, sondern ist in Google Mail integriert. Deshalb gibt es nur mit Tricks auch ein eigenständiges Web-Interface und Google Tasks kann so viele Dinge nicht, die es eigentlich können könnte, wenn man denn wollte. Zum Beispiel:

  • Multiuserfähigkeit
    Wie schön wäre es, wenn man Aufgaben an andere Google-Accounts, zum Beispiel innerhalb eines Unternehmens, delegieren könnte oder Aufgaben mit anderen Benutzern teilen könnte. Aufgabe XY braucht einen Input von Kollege A, also Delegation zu ihm mit Datum. Er macht das Ding fertig, erledigt die Aufgabe und sie kommt wieder zurück. Danach geht die Aufgabe zu Kollege B, der dann Abrechnung macht. Wie auch immer. Multiuserfähigkeit wäre superschön (um wahr zu sein, leider).
  • Verheiraten mit Google Keep
    Was ich immer noch nicht verstehe: Google Tasks ist nicht verheiratbar mit Google Keep oder wenigstens mit Google Drive. Und genau das wäre einfach nur schön, denn aus einem Notizzettel eine Google-Tasks-Aufgabe machen, eine Aufgabe erledigen und dann in Google Drive zur Entsorgung verklappen und archivieren … ein Traum wäre das. Ärgerlicherweise hat Google Keep für Notizen eine eigene Möglichkeit zur Anlage von ToDo-Listen, die leider komplett inkompatibel zu Google Tasks ist. Verstehe das mal einer.
  • Eine Schnittstelle zu ggf. IFTTT.com
    Einen Aufgaben-Workflow, der nach der Aufgabenanlage und beim Vorhandensein bestimmter Kriterien bestimmte Wege geht – das ist das Killerkriterium einer großen und teuren Groupware und das wäre mit Google Tasks doch auch so hübsch und schön. Immerhin: Dieser Mangel ließe ein Stückweit kompensieren mit der Teilen-Funktion von Android. Hier könnte man, wenn eine Aufgaben-App das unterstützen würde, einen Text per Teilen-Funktion auch zu einer Aufgaben-App übertragen, die dann daraus eine Aufgabe erstellt. Leider habe ich eine entsprechende App noch nicht gefunden.
  • (Passwort- und SSL-gesicherter) RSS-Feed
    Ein RSS-Feed der Aufgabenverwaltung und einzelner Aufgabengruppen wäre der Gipfel des Perfekten, zum Beispiel zum Einbinden eines Aufgabenstranges in das WordPress-Dashboard. Alle Aufgaben schön im Dashboard und vielleicht dann mit einem Klick zu einem Artikelentwurf.

Okay, suchen wir weiter.

Zahnarzt 2.0.

Es gibt angenehmere Situationen morgens, als um 9:30 Uhr auf dem Zahnarztstuhl zu liegen und die Nachricht zu bekommen, dass eine Füllung so unglücklich abgebrochen sei, dass man sie an Ort und Stelle noch ersetzen müsse. Gut, es musste nicht sonderlich viel gebohrt werden, eine Betäubung war auch nicht nötig und die Aktion war auch nach 20 Minuten beendet, aber Spaß machen andere Dinge wirklich mehr. Mein Zahnarzt regelt meine Gebissgeschichten nun aber schon seit 30 Jahren und hat mich als ehemaligen Zahnarzt-Superangsthasen zu einem ziemlich gelassenen und Patienten umgepolt bekommen. Es gibt begnadete Ärzte, die können eine Spritze so bedienen, dass man den Einstich nicht bemerkt.

Einigermaßen verdutzt war ich dann nach der Behandlung, als mir mein Zahnarzt mitteilte, dass das jetzt zwar wieder eine zusatzkostenpflichtige Kunststofffüllung sei, die er da verbaut hatte, die aber heute aufs Haus ginge und ein Geschenk von ihm sei. Er wolle sich nämlich erkenntlich dafür zeigen, dass ich seine Praxis im Internet einst bei Qype (nun bei Yelp.de) bewertet hätte. Er habe letztens etwas im Internet gesurft und sei dabei staunend auf die Bewertungen über seine Praxis gestoßen.

Tatsächlich kommen wohl immer wieder Patienten aufgrund von Bewertungen und Checkins auf Portalen zu ihm, am ehesten zu sehen bei Studenten unserer hiesigen Hochschule. Da gibt es genügend ausländische Studenten, die wohl hin und wieder einmal zum Zahnarzt müssen und da informiert man sich dann eben auch über das Internet. Man nehme Foursquare und suche nach Zahnarzt und so weiter …

SocialSpace 2013 der ESA und des DLR in Köln.

Manchmal ist es der buchstäblich kleine Schritt zu ganz großen Dingen. Ich weiß schon gar nicht mehr so recht, wie ich darauf aufmerksam wurde, dass die ESA, die Europäische Weltraumagentur, und die DLR, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, am 22. September den so genannten „SocialSpace“ veranstalten. Das ist eine Art BarCamp zum Thema Weltraum, der gleichzeitig zum jährlichen Tag der Luft- und Raumfahrt am DLR-Standort in Köln stattfindet. Ehrlich gesagt habe ich von diesem SocialSpace und von dem Tag der Luft- und Raumfahrt bis dato noch nie etwas gehört.

Und dabei bin ich in Sachen Weltraum nicht unbedingt der allerdümmste. Als Kind konnte ich mich sehr für die Raumfahrt begeistern, habe im Laufe der Zeit eine nicht ganz kleine Bibliothek zu diesem Thema gesammelt und bin ein regelmäßiger ISS-Zugucker, wenn sie zu günstigen Zeiten über unsere Breiten vorüberzieht. Also habe ich mich kurzerhand auf der angegebenen Website der ESA beworben, da nur sechzig Teilnehmer teilnehmen können. Der buchstäbliche kleine Schritt … umso mehr freute ich mich, dass ich dann tatsächlich eine Einladung ergattern konnte. Vermutlich freuen sich angehende Astronauten auch irgendwie so ähnlich. 😉

Tatsächlich standen wir dann am letzten Sonntag morgens um 7:45 Uhr (wer mich kennt weiß, dass solche Uhrzeiten nicht mein sind und schon gar nicht an einem Sonntag) am S-Bahnhof von Wahn bei Köln, um auf den Shuttlebus zu warten, der uns auf das Gelände der DLR fuhr. Dort wartete das Kommunikationsteam der ESA und der DLR auf uns im eigens für das SocialSpace reservierte Zelt. Und das war auch nötig, denn der Tag der Luft- und Raumfahrt zog rund 30.000 Besucher an, wie wir später erfuhren. Da war ein abgetrennter Bereich keine schlechte Sache, zumal das Programm umfangreich und die Besucher hochkarätig waren. Eingeleitet wurde das SocialSpace mit Grußworten des DLR-Vorstandsvorsitzenden Johann-Dietrich Wörner und dem ehemaligen Astronauten und jetzigen ESA-Manager Thomas Reiter.

Gespickt waren die zehn Stunden bis 18 Uhr mit hochinteressanten Vorträgen zu Raumfahrtthemen und zu aktuellen und zukünftigen ESA-Projekten. So lernten wir, was es mit der Kolumbus-Plattform auf sich haben wird, für das am ESC, am European Space Center (ebenfalls auf dem Gelände der DLR), schon eifrig trainiert wird. Kolumbus wird 2014 ins All gebracht und als weiteres Modul an der ISS andocken. Weitere Themen waren beispielsweise auch ein Forschungsbericht über die Herstellung von Nahrungsmitteln in Habitaten, die ESA-Sonde Rosetta, die nächstes Jahr den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko treffen und unter andere die Sonde Philae darauf absetzen soll. Einzelberichte, wie es von BarCamps üblich ist, erspare ich uns mal, die Themen sind wissenschaftlich. Mitschnitte der Vorträge wird es aber noch von Seiten der ESA geben.

Und natürlich gab es ein ständiges Kommen und Gehen von aktuellen und ehemaligen Astronauten, die den ganzen Tag auf dem Gelände waren und als VIPs das SocialSpace-Zelt besuchten. Und das ist dann schon ziemlich spannend, mit Menschen zu reden, die schon mal im All waren und die Erde „von oben“ sahen. Unter den Gästen waren zum Beispiel auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst, von dem man heute vielleicht noch nicht viel gehört hat, der aber nächstes Jahr aller Voraussicht nach für sechs Monate auf der ISS als ESA-Astronaut weilen wird.

Allein schon die Frage, was für ein Gefühl es ist, im All zu sein, beantwortete der französische Astronaut Léopold Eyharts sehr eindrücklich: Da trainiere man monatelang mit vielen Menschen um sich, tagein-tagaus (übrigens in Köln am ESC). Dann wird man in eine Sojus-Kapsel gesteckt, erlebt einige Minuten einen brutalen Ritt und steht plötzlich in einer Raumstation mit nur noch einer Handvoll Menschen, für sechs Monate. Und das gleiche Spiel dann am Tag der Rückkehr. In einem Höllenritt runter auf die Erde, Kapseltür auf und alle wieder unters Forschungsvolk bei der jeweiligen Raumfahrtorganisation. Seinen damaligen russischen Kommandanten sah Eyharts erst nach Monaten wieder bei einem Treffen in Moskau – bis dahin zum letzten Mal gesehen hatte er ihn auf der ISS, weil jeder in der Sojus-Kapsel so eingepackt ist, dass man sich gegenseitig nicht sehen kann.

Ein weiteres Highlight war dann auch eine kleine Tour durch das ESC, zunächst an der „Badewanne“ mit dem Schwerelosigkeitssimulator und einem Nachbau des Kolumbus-Moduls, um dort die zukünftigen Astronauten auf Außeneinsätze vorzubereiten. Danach durften die SocialSpacler auch noch in die Kontrollräume hinein, in denen das ESA-Personal auf der ISS betreut wird. Zwar konnte man mit keinem Astronauten an Bord sprechen (waren alle laut Plan in ihrer Freizeit), aber immerhin gab es Livebilder von der Außenbordkameras und einen gerade beginnenden Sonnenaufgang. Und wenn einer behauptet, so Leute in Kontrollräumen sind Geeks, die ihre Räume mit allerhand Schabernack ausstatten – es stimmt. Wobei man davon ausgehen darf, das für diesen Tag nochmal besonders aufgeräumt wurde. 😉

Meine kommentierten Fotos gibt es hier bei flickr, ausnahmsweise sogar als Creative Commons:

Ein paar sehr schöne Personenbilder gibt es im SocialSpace-Bilderset von SimSullen.

Und nebenbei habe ich auch noch einige nette Leute kennengelernt, die schon lange auf meiner Liste stehen, unter anderem Lars Fischer vom Fischblog, Ute Gerhardt, die als „terrorzicke“ in Twitter unterwegs ist und das Leaving-Orbit-Blog schreibt und Andreas Schepers von der ESA, der zu der Garde von ganz, ganz frühen netplanet-Lesern gehört.

Ansonsten: Super Sache, ESA und DLR! Dafür, dass es ein kleiner Schritt war, sich für den SocialSpace zu bewerben und eigentlich gar nicht zu wissen, was da eigentlich für ein Programm dargeboten wurde, war es eine brillante, spannende und informative Show. Ich bewerbe mich hiermit für das nächste Jahr schon mal vorab. 😀

„It’s complicated“ 2.0.

Ein Lehrstück darüber, wie aktive Sportler, die inmitten ihrer Sportlerkarriere stehen, sich unmittelbar auf Olympische Spiele vorbereiten und logischerweise kaum Ressourcen und Nerven dafür verschwenden wollen, ihr Privatleben in der Öffentlichkeit auszubreiten, zeigen gerade die US-Skiläuferin Julia Mancuso und der norwegische Skiläufer Aksel Lund Svindal, mit dem sie bis vor 16 Stunden noch offiziell liiert war. Denn das ist offensichtlich vorbei. Und es täte mich auch nicht wirklich interessieren, wenn diese Trennung nicht nahezu perfekt in Facebook inszeniert würde, hier auf der Facebook-Seite von Julia Mancusco gegenüber aktuell 174.000 Fans:

Und weil eine Partnerschaft aus zwei Personen besteht, gibt es auch ein Statement von der anderen Seite, das mindestens genauso professionell und freundlich daherkommt und zufälligerweise auch fast zur gleichen Zeit auf der Facebook-Seite von Aksel Lund Svindal, der immerhin 105.000 Fans hat, veröffentlicht wurde:

Aktive Sportler leben in einer sehr speziellen Welt. Um erfolgreich zu sein, müssen sie gute sportliche Leistungen bringen. Mit guten sportlichen Leistungen und einer genau bemessenen Portion an Nachrichten aus dem privaten Leben begeistert man Fans und Sponsoren und im Idealfall lassen sich durch eine gute Stimmung und durch gute Ergebnisse die Fans dazu bringen, sich für die Produkte und Dienstleistungen der Sponsoren zu interessieren. Diesen Reaktor zum Laufen zu bekommen, dann auch in Betrieb zu halten und vor allem niemals richtig kritisch werden zu lassen, beschäftigt global eine ganze Horde von gut verdienenden PR-Agenturen, die beratend dafür sorgen, dass das richtige Gewicht zwischen Sport, Business und Privatleben seine Wirkung zeigt.