Auf ein Wort zu Firefox, Mozilla.

Der Webbrowser ist, wie bei den meisten Web-Leuten, mein hauptsächliches Werkzeug zum Arbeiten. Der wird morgens, wenn der Computer startet, als erstes Programm angeworfen und abends als letztes Programm wieder beendet. Im Idealfall läuft diese Browsersitzung den gesamten Tag durch, mit mehreren Tabs, also Fenstersitzungen. Mal kommt ein Tab dazu, mal wieder eines weg und so geht das. Selten habe ich mal mehr als zehn Tabs geöffnet, aber in der Tab-Klasse merkt man dann selbst bei meinem nagelneuen Laptop, dass Power allein in der Enterprise-Klasse nicht hilft.

Mein Webbrowser ist Firefox, seit Anfang an. Nein, eigentlich auch schon davor, denn der Netscape Navigator war mein erster Webbrowser und dann kam der Communicator und dann Firefox. Ich kann behaupten, wirklich jede Firefox-Version mitgemacht zu haben, bis zur heutigen Version 54. Die jetzt endlich jeden Tab in einen eigenen Prozess packt. Damit läuft der Browser noch stabiler, habe ich mir sagen lassen, aber Stabilität ist eigentlich kein echtes Problem gewesen.

Bis jetzt. Denn Firefox sorgt auf meinem PC seit einigen Wochen regelmäßig dafür, dass der Nvidia-Grafiktreiber abstürzt und neu gestartet werden muss und das gleich mehrfach am Tag. Klar, man kann ausschalten, dass die Hardwarebeschleunigung verwendet wird, aber damit läuft Firefox gefühlt auf halber Kraft. Gut, kann man zur Not damit leben.

Ab Version 54 beobachtete ich aber nochmal Performanceeinbußen und das eigentlich auf einem respektablen Computer mit 16 GB RAM. Der Grund zeigt sich, wenn man einmal im Task Manager schaut, was Firefox da eigentlich arbeitsspeichermäßig treibt. Die eine Firefox-Sitzung, die ich hier gerade habe und darin einen einzigen Tab geöffnet habe – nämlich den zum Schreiben dieses Blogartikels – verbraucht mal eben 1 Gigabyte Arbeitsspeicher.

Ich wiederhole: 1 Gigabyte Arbeitsspeicher. 1.047.632.238 Bytes, um genau zu sein in dieser Sitzung.

Google Chrome, den ich ebenfalls hin und wieder zum Website-Vergleich brauche, macht das exakt gleiche für 58 Megabyte Arbeitsspeicher. Also für etwas mehr als 5 % des Arbeitsspeichers, das Firefox 54 sich genehmigt. Und dabei nicht ständig den Nvidia-Grafiktreiber abstürzen lässt.

Mal ganz unverblümt zu euch gesprochen, liebe Mozilla-Leute: Geht’s noch?

Okay, ich habe verstanden, dass ihr zu Beginn der Verteilung der Version 54 sicherheitshalber angekündigt habt, dass die neue Prozessstruktur zunächst einmal mehr Arbeitsspeicher konsumieren wird und man sich nun an die Optimierung des Arbeitsspeicherbedarfs heranmacht. Zwar hat Firefox schon zu diesem Zeitpunkt in der letzten Version bei mir im Durchschnitt 500 Megabyte Arbeitsspeicher konsumiert, aber mit 10 % vorübergehenden Aufschlag hätte ich leben können. Gut, auch mit 20 %, wenn es dann wirklich einmal besser wird.

Aber 100 %? 1 Gigabyte im Normalzustand? Ein Gigabyte, Herrschaften?

Ich möchte ehrlich zu euch sein, Mozilla: Ihr habt den Bogen so überspannt, wie man ihn eigentlich gar nicht mehr überspannen kann, ohne dass einem Wurfarm und Sehne um die Ohren fliegen. Wir propagieren einerseits seit Jahrzehnten das schlanke Web mit schnellen Oberflächen und möglichst wenig Befehlsspeck und dann kommt der Webbrowser, der mal eben so viel Arbeitsspeicher braucht, wie das restliche hostende Betriebssystem.

Geht in euch, Mozilla. Schnell. Schon jetzt seit ihr deutlich unter 20 % Marktanteil und es ist kaum zu erwarten, dass Google Chrome nochmal etwas von den derzeitigen 60 % freiwillig etwas abgeben mag. Eigentlich geht es inzwischen um das nackte Überleben. Und wenn ich mir den Task Manager so anschaue: Eigentlich seid ihr schon längst reif für die Intensivstation. Ihr braucht kein neues Logo und auch keine neuen Konzepte. Ihr braucht vor allem wieder einen Webbrowser, der funktioniert.

Update:

Immerhin muss ich die regelmäßigen Abstürze des Grafiktreibers jemand anderem in die Schuhe schieben, nämlich Nvidia. Die haben es nämlich geschafft, in einer der letzten Treiberupdates einen Fehler hineinzubauen, der in Firefox-Sitzungen (und auch nur da) dafür sorgt, dass bei größeren Grafikgeschichten dann der Grafiktreiber abstürzt. Ab wann das Problem auftaucht – keine Ahnung. Ich habe ein altes März-Treiberpaket zurückinstalliert und damit sind die Abstürze zumindest wieder weg.

Das Arbeitsspeicher-Problem habe ich zumindest einmal dadurch entschärft, in dem Firefox nun gänzlich ohne Add-Ons läuft. Ist aber nicht des Rätsels Lösung, denn ich habe auf meinem PC zu Hause immer noch deutlich mehr Arbeitsspeicherbedarf, als auf dem Laptop, obwohl auf dem PC inzwischen auch das Firefox-Profil vollständig neu eingerichtet ist. No idea. Vielleicht wird das tatsächlich irgendwann mal besser.

RSS-Feedreader selbst hosten.

RSS-Feeds gehören auch nach über zehn Jahren immer noch zu meinen Hauptnachrichtenquellen. Weniger für echte Nachrichten – das erledigt auch weiterhin fast ausschließlich SPIEGEL Online für mich – sondern für den ganzen anderen Rest. Computernachrichten einiger einschlägiger Ticker, viele Blogs, Update-Feeds vieler Open-Source-Projekte, einige Google-News-Feeds, Feeds meiner Kunden. Rund 100 Feeds kommen aktuell zusammen, von denen ich keinen vermissen möchte.

Fremdgehostete Dienste, oder: Ach, Google Reader!

Der Google Reader war der Beginn der echten Feed-Organisation. Vorher hatte ich Feeds noch direkt lokal am PC abonniert, was jedoch irgendwann ziemlich unpraktisch wurde, weil dazu logischerweise der PC zu Hause immer eingeschaltet sein musste. Zwar gab es mit Windows XP den Remote Desktop, aber zu Hause den PC eingeschaltet zu haben, nur weil Feeds bereitgehalten werden sollten, war Käse.

Der Google Reader konnte alles viel besser. Schnell, spartanisch-übersichtliche Oberfläche, eingängige Bedienung via Tastaturkurzbefehle. Nur leider machte der Google Reader im Jahre 2013 den Gang in die Ewigen Jagdgründe. Ein immer noch herber Verlust eines liebgewonnenen Dienstes.

Mehr aus Verzweiflung vertraute ich Feedly meine via OPML exportierte Feed-Liste an. Glücklich war ich mit Feedly von Anfang an nicht, sondern war schlicht froh, dass es so ähnlich funktionierte, wie der Google Reader. Und unter anderem eine Android-App mitbrachte, die ich auf meinen Android-Büchsen brauchte.

Sicherlich muss auch so ein Dienst wie Feedly von Geld leben. Allerdings bin ich mit meiner zweiten Hirnhälfte ein verkappter Kaufmann und 65 US-Dollar pro Jahr sind mir für das Bereithalten meiner Feeds zu viel. Ich syndiziere meine Feeds nicht komplex, sondern möchte sie mehrmals am Tag einfach von hinten nach vorn durchblättern und lesen. Und ab und zu die Suchfunktion benutzen, was dann aber mit dem kostenlosen Feedly-Account nicht geht. Wer also nicht diszipliniert interessante Feed-Diamanten bookmarkt, verliert sie im kostenlosen Feedly Account.

Selbst hostet der Mann.

Also blieb irgendwann keine Alternative zum Selbsthosten. Das wiederum habe ich doch tatsächlich fast drei Jahre vor mich hergeschoben. Unterm Strich bleiben bei einigen existierenden Projekten nur selfoss und Tiny Tiny RSS. Beide sind Open Source und kostenlos einsetzbar.

selfoss: Heißt wie ein Seeelefant und funktioniert in etwa auch so.

selfoss ist das erste Open-Source-Paket, das auf den ersten Blick mit einer interessanten Oberfläche daherkommt – und diesen ersten Eindruck beim ersten Durchblättern auch gleich wieder zerstört. Denn ein Artikel in ganzer Gänge wird doch tatsächlich in drei große Spalten aufteilt. Mit dem Ergebnis, dass man für einen sehr langen Text zunächst für die erste Spalte herunterscrollen muss, dann wieder herauf zum Beginn der zweite Spalte, runter bis zum Ende und wieder herauf zum Beginn der dritten Spalte. Das ist so unergonomisch wie eine Tageszeitung, die auf einem Bildschirm gelesen werden soll.

Zudem kommt selfoss sehr spartanisch daher. Keine Plugin-Schnittstelle, keine Organisationsmöglichkeiten für zu speichernde Artikel aus Feeds und nur die Möglichkeit, mit der offiziellen selfoss-App via Smartphone darauf zuzugreifen.

Immerhin ist selfoss sehr begnüglich in Sachen Hosting. PHP ist Grundvoraussetzung, bei der Datenbank sollte eine MySQL-Datenbank genutzt werden. Hat man letzteres nicht, funktioniert selfoss mit einer eigenen sqlite-Datenbank auf Dateibasis. Das ist zwar weit von echter Performance entfernt, funktioniert aber wenigstens.

Tiny Tiny RSS

Tiny Tiny RSS ist ein weiteres Open-Source-Projekt zum Selbsthosten und braucht zwingend PHP und MySQL. Die Installation ist nicht ganz so eingängig, denn der TTRSS-Entwickler entwickelt „rollierend“, also ohne Versionsstände. Das ist leider beknackt, denn so kann jeder heruntergeladene Stand entweder stabil sein oder schwer beta, aber vermutlich ist das für den Entwickler so am einfachsten.

In Sachen Installation muss man sich an die Konfigurationsanleitung halten, Datenbank-Zugangsdaten in eine Konfigurationsdatei packen und mehr oder weniger testen und frickeln, wenn man nicht das Glück hat, bei einem Webhoster zu sein, der Tiny Tiny RSS selbst als Installationspaket anbietet. Hat man Tiny Tiny RSS aber erst einmal zum laufen bekommen, funktioniert es auch sogleich und lässt OPML-Archive importieren.

Die Oberfläche kommt der des Google Readers am nächsten. Von Hause aus gibt es leider jedoch andere Tastaturkürzel, es gibt jedoch im Basisumfang in den Einstellungen unter den Plugins ein Plugin, das die Google-Reader-Tastaturkürzel zurückbringt. Meine Rettung, da ich in diesem Leben wohl keine anderen Tastaturkürzel für das Lesen von Feeds mehr erlernen kann.

Was sowohl für selfoss und auch für Tiny Tiny RSS zwingend benötigt wird, ist ein cronjob auf Seiten des Webhosters. Das ist vom Prinzip her ein automatisierter, zeitlich gesteuerter Aufruf eines Programmmodules, das für die Aktualisierung der Feeds sorgt. Hier glänzt Tiny Tiny RSS leider mit einer komplizierten Anleitung, die auch noch nicht mal den aktuellen Stand darstellt.

In meinem Fall musste ich noch eine Scriptdatei mit folgendem Inhalt schreiben, da mein Webhoster (wie so viele) keine Übergabe von zusätzlichen Parametern erlaubt:

#!/bin/sh
env -i /usr/local/bin/php5 -f ./update.php -- --feeds --quiet

Was möglicherweise hilft, wenn dieses Script hier nicht funktioniert: In den Webforen des eigenen Webhosters zu schauen, ob sich schon jemand mal damit beschäftigt hat.

Immerhin: Tiny Tiny RSS hat eine eigene API, mit der nicht nur die offiziellen (kostenpflichtigen) Apps des Entwicklers Zugriff auf die Feeds haben, sondern auch Dritthersteller. Zumindest für Android habe ich die kleine und feine App TTRSS gefunden, die den Zugriff auf meine Installation gut beherrscht und sich auch von einer SSL-gesicherten Verbindung nicht irritieren lässt. Schön ist zwar auch die Oberfläche von TTRSS nicht, aber Schönheit ist beim Feed-Konsum etwas, was nicht gebraucht wird.

Windows 10 manuell vorreservieren.

Rechtmäßige Besitzer einer Windows-7- oder Windows-8-Lizenz sind bekanntlicherweise von Microsoft dazu auserkohren worden, ab Ende Juli pro lizenziertem Gerät eine Lizenz für Windows 10 kostenlos zu erhalten. Wer regelmäßig das Windows Update durchführt, hat vor einigen Wochen ein entsprechendes Updatepaket mit der Vorregistrierungsanwendung erhalten und vor einigen Tagen hat Microsoft auch begonnen, auf vielen Windows-Rechnern in der Symbolleiste unten rechts ein entsprechendes Symbol einzublenden. Ein Klick darauf führt zur Möglichkeit der Vorregistrierung, die letztlich aus einem Klick auf einen Button und die Angabe der eigenen Mailadresse besteht. Durchgeführt kann diese Vorregistrierung auf beliebig vielen Windows-Installationen, selbst wenn diese alle unter einer Mailadresse registriert werden sollen.

Problem ist, dass diese Vorregistrierungsmöglichkeit offenkundig nicht auf allen Rechnern funktioniert. Das liegt zum einen wohl an den Rechneranforderungen, die, wenn sie nicht den Mindestanforderungen von Windows 10 entsprechen sollen, dazu führen, dass die Vorregistrierung schlicht nicht durchgeführt werden kann. Zumindest bei meinem Notebook ist es jedoch so, dass es bei allen Mindestanforderungen locker mithält – trotzdem startet dort die Vorregistrierung nicht.

Man kann jedoch mit einigen kleinen Schritten nachhelfen, alles auf legale Weise. Hier eine kleine ToDo-Anleitung für Windows-7- und Windows-8-Rechner, bei denen die Vorregistrierung auf Windows 10 nicht automatisch startet:

  1. Zuerst einmal prüfen, ob folgende Windows Updates installiert wurden:
    * Windows 7: KB3035583 und KB2952664
    * Windows 8: KB3035583 und KB2976978
    Diese Updates werden üblicherweise über das normale Windows Update durchgeführt. Wenn diese in der Liste der installierten Updates im Windows-Update-Fenster nicht zu finden sind, einfach ein Windows Update manuell durchführen.
  2. Ein Editor-Fenster öffnen (oder auch einen normalen Texteditor)
  3. Folgenden Textinhalt in den Editor kopieren (der Text scrollt hier im Blog rechts heraus, was aber kein Problem ist. Einfach den Text von der ersten bis zur letzten Zeile markieren und kopieren):
    REG QUERY "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\AppCompatFlags\UpgradeExperienceIndicators" /v UpgEx | findstr UpgEx
    if "%errorlevel%" == "0" GOTO RunGWX
    reg add "HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\AppCompatFlags\Appraiser" /v UtcOnetimeSend /t REG_DWORD /d 1 /f
    schtasks /run /TN "\Microsoft\Windows\Application Experience\Microsoft Compatibility Appraiser"
    :CompatCheckRunning
    schtasks /query /TN "\Microsoft\Windows\Application Experience\Microsoft Compatibility Appraiser"
    Powershell -Command "Get-ScheduledTask -TaskName 'Microsoft Compatibility Appraiser' -TaskPath '\Microsoft\Windows\Application Experience\'" | Find "Ready"
    if NOT "%errorlevel%" == "0" ping localhost >nul &goto :CompatCheckRunning
    :RunGWX
    schtasks /run /TN "\Microsoft\Windows\Setup\gwx\refreshgwxconfig"
  4. Ist der obige Text im Editor, das Dokument speichern. Als Speicherort am besten den Desktop auswählen und die Datei „win10.cmd“ nennen und die Datei somit als Batch-Datei abspeichern. Wichtig: Die Anführungsstriche mit angeben und wirklich nur „win10.cmd“ schreiben, also kein „.txt“ oder ähnliches am Ende.
  5. Auf die nun so gespeicherte Datei mit der rechten Maustaste klicken und „Als Administrator ausführen“ auswählen. Es wird nachgefragt, ob das Programm wirklich ausgeführt werden soll, das bitte bestätigen.
  6. Fertig. Rechts unten in der Symbolleiste erscheint nun das Windows-Symbol und mit einem Klick darauf kann die Vorregistrierung durchgeführt werden. Die erstellte Datei „win10.cmd“ kann nun bedenkenlos gelöscht werden.

Font-Manager für Windows der Extraklasse: Printer’s Apprentice.

Wer viel mit Schriften unter Windows arbeitet, kennt das Problem: Die eingebaute Schriftenverwaltung von Windows in der Systemsteuerung ist nichts über Freunde der guten Übersicht. Inzwischen gibt es unter Windows zwar keine zahlenmäßige Beschränkung bei installierten Schriften und auch längere Namenslisten werden verhältnismäßig schnell ausgegeben, aber wer nach bestimmten installierten Schriften suchen muss oder nicht alle seine Schriften ständig installiert haben will, der ist ziemlich verloren. Da schielt man dann schon gelegentlich neidisch zu MacOS, für das eine ganze Reihe von sehr schönen Font-Managern existieren.

Nach einer ganzen Weile Suche habe ich letztes Jahr dann doch ein kleines Windows-Tool mit dem Zungenbrechernamen „Printer’s Apprentice“ der kleinen US-Softwareschmiede Lose Your Mind Development gefunden, ausprobiert und nach der Testzeit für 24,99 US-Dollar auch gleich mal gekauft. Denn Printer’s Apprentice, auf Deutsch übersetzt in etwa „der Stift/Gehilfe des Druckers“ ist genau das. Ein kleines, flottes und mächtiges Werkzeug zur Schriftenverwaltung und zur schnellen In- und Deinstallation von Schriften in Windows.

Die Installation und der erste Start.

Die Installation ist herzlich einfach und der erste Start ist erst einmal verwirrend: Denn bei jedem Start fragt das Programm über die Benutzersteuerung nach erweiterten Windows-Rechten – die es jedoch zwingend braucht, um den Windows-Schriftenordner beeinflussen zu können. Da Printer’s Apprentice aus meiner Beobachtung heraus sorgfältig mit dem Windows-Schriftenordner umgeht, kann man diese erweiterten Rechte durchaus gewähren.

Printer's Apprentice

Nach dem Start zeigt sich eine aufgeräumte Oberfläche, die in der linken Leiste die Auswahl darüber gibt, was man sich anschauen möchte: Installierte Fonts, einzelne Font-Dateien bzw. -Ordner oder Font-Gruppen. Während die ersten beiden Registerkarten selbsterklärend sein dürften, sind die Font-Gruppen besonders interessant. So ein Ordner für Font-Gruppen lässt sich in den Einstellungen („Tools“ – „Options“) konfigurieren und dieser wird dann hier in der Font-Gruppenansicht mit allen Unterordnern sauber angezeigt. Beim erstmaligen Aufruf einer solchen Font-Gruppe wird beim Anhaken der Funktion „Read sub folders“ ein kompletter Scan aller Font-Dateien vorgenommen und eine Voransicht generiert, die sich dann rechts in voller Pracht anschauen lässt. Mein rund 13.000 Font-Dateien schwerer Font-Gruppenordner war in ca. 2 Minuten erstmalig gescannt. Da Printer’s Apprentice die Voransichten cacht, ist ein späterer Aufruf nicht mehr ganz so langandauernd. Zudem möchte die Softwareschmiede diesen Scan zukünftig noch weiter verbessern, so dass hier die eigentliche Killerfunktion von Printer’s Apprentice bleibt.

Die Übersicht

Was Printer’s Apprentice sehr gut macht, ist das Auslesen von Meta-Informationen aus den Schriftendateien, die in den Dateiformaten TrueType, OpenType (auch PostScript-basiertes OpenType) und Adobe Type 1 vorliegen dürfen. In diese Meta-Informationen können (tun aber leider nicht alle) Autoren von Schriftarten beispielsweise neben den Gewichtungen (also Regular, Bold, Light etc.) auch definieren, ob die Schrift Serif, Sans-Serif, Monospaced etc. ist. Informationen, mit denen eine Auswahl einer passenden Schrift aus größeren Beständen deutlich einfacher werden kann, wenn denn eben auch alle Schriftenhersteller bei den Meta-Informationen etwas mehr mitdenken würden.

Schön wird es jedoch, wenn man sich durch einen Bestand an Schriften durcharbeitet und eine Auswahl an Schriften zusammenstellen möchte, was sich in Printer’s Apprentice bewerkstelligen lässt, ohne dass auch nur eine Schriftdatei direkt in Windows installiert werden müsste. Und dann diese Auswahl mit einem eigenen Text live anschauen und vielleicht dann als Testdruck ausgeben möchte. Denn das alles macht Printer’s Apprentice dann auf Knopfdruck mit zusammengestellten Sets und auch mit importierbaren Textvorlagen in der gewünschten Textgröße, so dass auch im Produktivbetrieb sehr schön eine Auswahl an Schriften zusammengestellt werden kann. Wer besonders viel Papier bedrucken will, kann auch von jeder Schriftdatei eine Probeseite ausgeben lassen oder auch gesammelt eine Übersichtsseite einer Schriftenfamilie. Das sieht dann genauso übersichtlich aus, wie die recht begehrten (und teuren) Musterbücher der großen Schriftenanbieter.

Das Zusammenspiel mit dem Windows-Schriftenordner

… ist völlig problemlos. Schriften können direkt aus Printer’s Apprentice in Windows installiert und auch wieder deinstalliert werden. Das wirklich schöne ist, dass auch hier bei allen Windows-Schriften die Voransicht inklusive dem Herauslesen der Meta-Informationen in Printer’s Apprentice funktioniert und man auf einen Schlag sieht, was alles im Windows-Schriftenordner ist. Und auch der Export von Dateien aus dem Windows-Schriftenordner in eigene Font-Gruppen funktioniert problemlos.

Kompatibilität, Preis, Updates?

Kompatibel ist Printer’s Apprentice von Windows XP bis 8.1 mit allen Funktionen und auch dem Zugriff zum Windows-Schriftenordner. Der Preis ist mit 24,99 US-Dollar für die Installation auf maximal zwei Computern meiner Meinung nach absolut in Ordnung, Update-Versionen gibt es später dann gar nur für 15 US-Dollar. Bezahlt werden kann der Lizenzschlüssel mit Kreditkarte oder PayPal. Wartungsupdates gibt es verhältnismäßig wenige, ich tippe mal aus meiner Beobachtung grob auf einen halbjährlichen Update-Rhythmus, der aus dem Programm heraus gestartet werden kann.

Einziger Nachteil von Printer’s Apprentice, wenn man es so sehen möchte: Das Programm gibt es nur in englischer Sprache. Das ist aber verschmerzbar, denn ansonsten ist Printer’s Apprentice ein echter Helfer in den Fluten von Windows-Fonts.

Private Filesharing mit Pydio.

Im Rahmen meiner Arbeit muss ich öfters Druckdaten und sonstige Dateien bereitstellen. Daten, die teilweise weit in den zweistelligen Megabyte-Bereich gehen und die einfach nicht gut und vor allem nicht sehr effizient per E-Mail zu versenden sind. Lange Zeit habe ich mich da beholfen mit meinem Webspace, auf dem ich in einem eigenen Verzeichnis dann per FTP Dateien hochgeladen und einen normalen URL an die Zieladresse geschickt habe. Das funktioniert zwar, ist aber in Sachen Workflow mehr als ätzend… Datei hochladen, URL herausschreiben, in eine E-Mail kopieren, später Datei wieder vom Webspace löschen. Zu viele Schritte, die eigentlich der Kollege Computer besser machen könnte.

Dropbox oder eine andere Cloud wäre eine halbwegs praktikable Lösung. Mit öffentlichen Clouds habe ich es aber nicht so, nennen wir als Grund Paranoia. Vom Prinzip her sind aber Dropbox & Co. auch keine so rechte Lösung, weil ich hier dennoch genügend Schritte machen müsste, nämlich URL herauslesen und die betreffende Datei später auch wieder löschen.

Lösung: Private Filesharing mit einer eigenen Cloud-Lösung. Dazu gibt es Löhnware (sogar richtig deftig teure), aber auch Open Source. Auf eine solche Lösung hat mich mein alter Buddy Berlin-Timo gebracht, eine Software namens Pydio. Pydio kommt als rund 8 Megabyte leichtes Software-Paket daher, dessen Inhalt schlicht und einfach auf einen eigenen Webspace zu übertragen ist. Danach einen Domainnamen auf dieses Verzeichnis routen, die Adresse aufrufen und konfigurieren. Die Konfiguration ist dabei herzlich einfach, denn Pydio kommt ohne externe Datenbankanbindung aus und speichert seine Inhalte standardmäßig in dateibasierte SQLite-Datenbanken. In der initialen Installation legt man dann noch einen Benutzer an und schon ist die eigene Cloud auf dem eigenen Webspace voll funktional. Wer sich jetzt noch ein SSL-Zertifikat für den eingerichteten Domainnamen gönnt, kann seinen Kunden maximale Übertragungssicherheit bieten.

Schick wird es mit Details rund um Pydio. Es gibt nämlich eigene Apps für iOS und Android, die ebenfalls direkten Zugriff in die eigene Cloud ermöglichen (spätestens hier wird eine SSL-Verschlüsselung wirklich obligatorisch). Und auch für Thunderbird gibt es ein Add-On namens AjaXplorer for Filelink, mit dem sich eine Upload-Möglichkeit direkt in das Schreiben einer E-Mail integrieren lässt, so dass im Maileditor hinzugefügte Dateien in Wirklichkeit nicht an die Mail angehängt werden, sondern nach dem Absenden auf die eigene Cloud übertragen werden und lediglich ein Link zum Download in die E-Mail kommt.

Der angenehme Nebeneffekt von Pydio ist, dass man einige obligatorische Dinge nun einfach vergessen kann. Mein Dateiordner ist so eingestellt, dass er alle hochgeladenen Dateien, die älter als 60 Tage sind, automatisch löscht. Ich habe meine eigene Cloud, ich habe meine eigene Verschlüsselung und ich kann mit meiner eigenen Cloud meine Datenschutzrichtlinien einhalten.

Der Preishorror der Adobe Creative Cloud.

Als jemand, der in Sachen Web & Werbung sein Geld verdient und mit externen Dienstleistern regelmäßig Grafikdaten austauscht, komme ich um Adobe-Produkte nicht herum. Das fing einst mit Macromedia Freehand an, das ich sehr geliebt habe, aber irgendwann dann von Adobe eingestampft wurde, das nach seinem Kauf von Macromedia das eigene Produkt namens Illustrator stärken wollte. Und so hangelte ich mich dann bei Adobe-Suiten weiter … Creative Suite 3, Creative Suite 5.5 und aktuell die Creative Suite 6 Design & Web Premium mit dem Hauptbestandteilen Photoshop, Illustrator, InDesign.

Nun ist es traditionell so, dass Adobe-Suiten im Neukauf richtig happig teuer sind. Derzeit kostet die Creative Suite 6 Design Web & Premium als Vollversion runde 2.600 Euro brutto. Für die meisten Kreativen, die bereits eine Adobe-Suite oder upgrade-berechtigte Einzelprodukte besitzen, ist in der Regel der Upgrade-Preis relevant, der zum Beispiel von CS 5.5 auf CS 6.6 etwa 500 Euro brutto beträgt. Hat man die Version 5.5 der Creative Suite übersprungen und will man vom Vorgänger CS 5 auf CS 6 upgraden, sind es schon 1.000 Euro brutto. Variieren können sich die Preise nach oben und unten, je nachdem, wo man das Upgrade-Paket letztendlich kauft.

Nun ist es allerdings so, dass nach derzeitigem Stand die Creative Suite 6 die letzte Version von Adobe ist, die nach dem üblichen Verkaufsschema erhältlich ist. Der Nachfolger der CS 6 nennt sich „Adobe Creative Cloud“ und ist auch schon seit einiger Zeit erhältlich. Ausschließlich als Abo-Lösung. Und hier beginnt der Adobesche Preishorror, der derzeit sicherlich einer der größten Preiswucher weit und breit in der Software-Welt gehandelt werden kann.

Das Problem beginnt, dass es im Adobe-Abo-Modell derzeit nur zwei Grundmodelle gibt: Entweder ein Einzelprodukt lizenzieren oder das Gesamtpaket aller Adobe-Produkte. Dieses Gesamtpaket nannte sich in der Creative-Suite-Zeit die „Master Collection“, krönte mit einem Vollversionspreis von über 3.500 Euro brutto die Adobe-Welt und war eigentlich für die allermeisten Anwender weitgehend unbrauchbar, wenn man nicht wirklich Tag und Nacht die wichtigsten Adobe-Produkte ständig im Einsatz hatte.

Das Monatsabo der Creative Cloud kostet bei monatlicher Zahlweise 92 Euro brutto, bei jährlicher Zahlweise 738 Euro pro Jahr. Für ehemalige CS-Besitzer gibt es immerhin eine Rabattierung im ersten Jahr (und nur im ersten Jahr) auf 442 Euro bei jährlicher Zahlweise.

Nun ist es nicht gerade unüblich, dass Adobe-Anwender mitunter nicht auf jede Version aktualisieren, sondern auch mal Versionen überspringen. Dazu gehöre ich auch, weil ich es mir schlicht nicht leisten kann, jedes Jahr mal eben 500 Euro brutto für Software abzudrücken, die ich logischerweise nur als Gemeinkosten in Kundenprojekte verrechnen kann. Und so sieht dann meine „Adobe-Karriere aus:

  • 2007: Kauf von CS 3 damals im Rahmen meiner Dozententätigkeit an einer VHS für 400 Euro.
  • 2011: Upgrade auf CS 5.5 für 700 Euro.
  • 2013: Upgrade auf CS 6 für 500 Euro.

In sieben Jahren kam ich also bei den Upgrades mit einer Gesamtsumme von 1.200 Euro brutto für zwei neue Versionen und zwei übersprungenen Versionen davon.

Zukünftig reichen 1.200 Euro brutto noch nicht mal mehr für zwei Jahre Nutzung aus, wenn ich tatsächlich Adobe-Software nur noch im Abo nutzen kann. Zehn Jahre Nutzung der Adobe Creative Cloud würden mich nach heutiger Preisgestaltung rund 5.000 Euro brutto kosten, selbst wenn ich das erste Jahr den vergünstigten Preis für Upgrader von CS 6 einrechne. 7.000 Euro sind mal eben eine Ausgabensteigerung von fast 320 %!

Mit einer reellen Preisanpassung und praxisbezogenen Produktmodellen hat die Adobe Creative Suite nicht mehr viel zu tun. Hier geht es nur noch um Preisschneiderei unter Ausnutzung einer jahrelang sorgfältig zusammengekauften Monopolsituation. Besonders ätzend dabei ist das aggressive Produktmarketing. Bisher war man es eigentlich von Adobe gewohnt, vernünftig angesprochen zu werden, wenn es um Upgrades geht, auch durchaus mit dem Hintergedanken, dass eben nicht jeder Kreativer auf die jeweils aktuellsten Versionen aktualisiert. Man konnte sich zumindest darauf verlassen, auch mit einer übersprungenen Version noch einen halbwegs vernünftigen Upgrade-Preis eingeräumt zu bekommen.

Die jetzige Produktstrategie ist aber deutlich: Nur die Adobe Creative Cloud ist toll, CS 6 (das immer noch normal erhältlich ist, „wird nicht mehr aktualisiert“, „bekommt nie mehr neue Features“ und ist eigentlich grottenschlecht, weil eben die Creative Cloud alle Programme enthält – die kaum jemand wirklich in der vollen Breite nutzen kann.

Tut mir leid, Adobe, aber so wie es aussieht, trennen sich mittelfristig unsere Wege, wenn sich in der Produkt- und Preisgestaltung nicht wirklich etwas bewegt und wieder realitätsnähere Preise angesetzt werden. Der Wechsel auf Konkurrenzprodukte und/oder Open Source wie InkScape und GIMP wird nicht ganz einfach, aber eine andere Wahl lasst ihr mit eurem Preishorror vielen Selbstständigen schlicht nicht.

Microsoft Office außerhalb von Windows – eine Revolution.

Einer der ersten Amtshandlungen des neuen Microsoft-Chefs Satya Nadella ist die Veröffentlichung von Microsoft Office für das iPad. Viele Betreiber von iPhone/iPad-spezifischen Websites haben dabei bemerkt, dass die Software ungewöhnlich durchdacht und stabil ist, fast schon „zu stabil“ für eine Software in ihrer Erstveröffentlichung. Und natürlich darf zu Recht mutgemaßt werden, dass Microsoft Office für das iPad nicht erst vor einigen Wochen zusammengestrickt wurde, sondern vermutlich Monate, wenn nicht Jahre alt ist und nur noch nicht veröffentlicht wurde.

Während für Apple deren Betriebssystem MacOS nichts anderes als der zentrale Baustein ist, völlig überteuerte und mit allen Tricks der Inkompatibilitätskunst versehene Hardware zu verkaufen, so ist für Microsoft deren Betriebssystem Windows das Kernstück zum Verkaufen von Microsoft Office. Microsoft Office läuft (mit Ausnahme von MacOS) nur auf Windows – es gab niemals eine Linux- oder Unix-Version und es gab auch niemals eine Version für mobile Betriebssysteme wie Android oder iOS (bis jetzt), auch nicht für vorherige und einst recht erfolgreiche Systeme wie Symbian oder PalmOS. Nicht weil es nicht funktionieren würde, Microsoft Office auch für andere Betriebssystem zu portieren, sondern weil Steve Ballmer und vorher Bill Gates niemals auch nur im entferntesten daran gedacht haben, die einstige Cashcow namens Microsoft Office auf „minderwertige“ Betriebssysteme zu verschachern. Microsoft Office gab es lange Jahre nur auf Microsoft Windows und im Geschäftsumfeld ist das eine relevante Kombination, denn hier hat Windows im Enterprise-Umfeld letztendlich mit unixoiden Wettbewerbern zu kämpfen.

Es blieb daher nur bei halbherzigen und recht arroganten Lippenbekenntnissen. Einer der ältesten solcher Bekenntnisse habe ich in meiner Sammlung von interessanten Palm-OS-Links, datiert auf den 20. Oktober 2000, von niemand anderem verkündet als von Steve Ballmer: „Microsoft goes Palm – vielleicht„, aus dem Heise-Newsticker. Wenn man damals bei Microsoft begriffen hätte, dass die Zukunft vieler Anwendungen nicht mehr auf dem Desktop, sondern in der Cloud liegt, hätte Microsoft gute Chancen gehabt, mit einem plattformweit verteilten Microsoft Office den IT-Markt am Desktop und auch in der mobilen Welt bis heute im Griff zu behalten und Google nicht ansatzweise zu so einem Imperium wachsen zu lassen, wie es heute dasteht.

Aber, sie haben es nicht gemacht, dazu waren Gates & Ballmer zu sehr verhaftet im Gedanken, dass die Cloud nur für spezialisierte Anwendungen sinnvoll sei und dass es genügend Bekloppte gibt, die ein hoffnungslos hinterherhinkendes Betriebssystem wie einst Windows Mobile und nun Windows Phone einzusetzen, nur weil es hier ein Microsoft Office gibt.

„Office 365“ sprengt als Abo-Software mit etwas Cloud-Funktionalität zwar seit einiger Zeit diesen Gedanken schon in der Ära Ballmer, aber letztendlich haben die Veteranen dennoch nie begriffen, wie der Markt der ehemaligen Handhelds und der heutigen Smartphones und Tablets wirklich funktioniert. Und deshalb bin ich mir auch relativ sicher, dass in den Tiefen der Microsoft-Laboratorien Microsoft Office ziemlich sicher für alle heutigen und jemals existierenden modernen Betriebssystemen existiert, es sich aber bisher niemand so recht getraut hat, der Gates-Ballmer-Phalanx endlich einmal vorzuschlagen, die alten Zöpfe beherzt abzuschneiden.

Microsoft Office für das iPad ist daher nichts anderes als eine Revolution und ein Eingeständnis dafür, dass man mindestens 15 Jahre lang den Markt ignoriert hat und glaubte, dass letztendlich doch alle Wege zu Microsoft führen. Die Erkenntnis, dass es wohl doch nicht so ist, kommt spät, vielleicht sogar nicht ganz zu spät, aber diese Revolution wird kaum das wieder zurückholen können, was in diesen 15 Jahren an Einfluss verlorengegangen ist.

Gerümpelkammer WordPress-Mediathek.

Kennt ihr die Szene im Bonusmaterial von Findet-Nemo-DVD, in der Nemo, Marlin, Dorie und der Haifisch Bruce herumalbern und der kleine Clownfisch Nemo, der sich mit Bruce angefreundet hat, in seinem Magen schwimmt und da so Sachen wie ein Surfbrett findet? So erging es mir heute bei der Datensicherung einer WordPress-Installation.

Mit einigen Kunden habe ich Wartungsverträge für ihre WordPress-Installationen. Updates zu installieren, ist eine Sache (die auch viel zu wenig WordPress-Nutzer machen), aber das Drumherum ist entscheident. Zum Werterhalt einer Software-Installation gehört nämlich auch eine Datensicherung, die ich in allen Wartungsverträgen beinhalte.

Also, per SFTP eingeloggt und das gesamte WordPress-Verzeichnis am Herunterkopieren. Und da schaut man so mit einem Auge, wie die Dateien im FTP-Log vorbeiflitzen, am spannensten natürlich die Upload-Verzeichnisse der Mediathek mit den vielen JPG-Bildern … moment … photoscape.exe? Und filezilla.exe? Hu? Surfbrett und so. Nachdem das Kopieren und Sichern beendet war, schaute ich mir das mal näher an: Tatsächlich hatte der Kunde in seiner WordPress-Mediathek ein Bildbearbeitungsprogramm und FileZilla hochgeladen, säuberlich als Setup-Dateien. Also tatsächlich die EXE-Dateien, mit denen auf einem Unix-Server und auch in einer WordPress-Installation so ziemlich gar nichts gemacht werden kann außer Speicherplatz wegfressen lassen.

Nach kurzer Rücksprache mit dem Kunden war die Rätsels Lösung sehr einfach: Er hatte wohl einen Satz von mehreren Bildern hochladen wollen und alles fein säuberlich auf dem Desktop zum Drag’n’Drop markiert – inklusive noch einigen „Kollateralschäden“, die natürlich auch alle brav hochgeladen wurden. Und dann aus dem Auge, aus dem Sinn und alles blieb schön über Monate auf dem Webserver.

Ein guter Ansporn, der Mediathek jetzt mal beizubringen, nur bestimmte Dateitypen zu akzeptieren und zukünftig sicherlich keine EXE-Dateien mehr.

Erste Hilfe bei plötzlich defekter Kommentarfunktion in WordPress.

Gerade habe ich eine Mail von einem Blog-Leser bekommen, der sich darüber beklagte, dass die Kommentarfunktion in diesem Weblog defekt sei. Gleich mal gecheckt und tatsächlich – so bald man versuchte, bei einem Artikel in diesem Weblog einen Kommentar zu senden, kam folgende PHP-Fehlermeldung:

Warning: get_object_vars() expects parameter 1 to be object,
null given in /webseiten/wpmu_netplanet/wp-includes/comment.php
on line 171

Ich hätte eigentlich auch schon etwas früher darauf kommen können, dass irgendetwas schief läuft, denn ich lasse mir neue Kommentare per Mail schicken und in den letzten Tagen sahen diese Mails folgendermaßen aus:

Ein neuer Kommentar zum Beitrag "TiddlyWiki 5 im Betatest."
wartet auf deine Freigabe.
http://blog.netplanet.org/2014/01/03/tiddlywiki-5-im-betatest/

Autor:  (IP:  , )
E-Mail : 
URL: 
Whois: http://whois.arin.net/rest/ip/
Kommentar:

Eine Kommentar-Mail ohne Inhalt, was bedeutet, dass WordPress zwar scheiterte beim Speichern eines Kommentares, aber immerhin die Kommentarlogik zumindest einmal gestartet wurde. Da war also tatsächlich etwas kaputt.

Bei so etwas gilt normalerweise immer das Standardprogramm an Debugging:

  1. WordPress aktuell? (Ist aktuell.)
  2. Plug-Ins installiert, die ggf. inkompatibel sein könnten?
  3. Ggf. Theme mit Problem?
  4. Datenbank bzw. Tabellen inkonsistent oder defekt?

Alle drei Problemfelder konnte ich zumindest ausschließen. Mein WordPress ist aktuell, an kommentarfunktionsspezifischen Plug-Ins habe ich in den letzten Woche nichts geändert und das Blog-Theme ist uralt und die Kommentarfunktion funktionierte vor ein paar Tagen ja auch problemlos. Zudem: Dieses Blog hier ist so aufgebaut, dass es nicht auf einer einzelnen WordPress-Installation läuft, sondern in einer Multiuser-Installation. Die anderen Weblogs auf dieser Installation laufen problemlos und insbesondere die Kommentarfunktion läuft in den anderen Blogs einwandfrei.

Das Problem ist dann letztendlich nur noch an einer Stelle zu suchen gewesen und da war dann auch das Problem: In der MySQL-Datenbank, genau genommen in den Tabellen für diese Blog-Instanz und dort in den zwei Tabellen wp_comments und wp_commentmeta. Diese beiden Tabellen, die es in einer Multiuser-Umgebung für jede Instanz gibt und die Kommentare des jeweiligen Blogs enthalten, waren inkonsistent. Das bedeutete dann, dass WordPress beim Versuch, einen abgesendeten Kommentar in die Datenbank zu schreiben, scheiterte und obige Fehlermeldung produziert. Die ist leider weitgehend nichtssagend, weil sie den Laien in die falsche Richtung führt, aber so bald die entsprechenden Tabellen z.B. in phpMyAdmin repariert werden, funktioniert alles wieder. Kleiner Fehler, große Wirkung.

Also: Kommentarfunktion in diesem Blog geht wieder. Wer in den vergangenen Tagen etwas schreiben wollte und an der defekten Kommentarfunktion scheiterte, darf das nun nachholen. 🙂

TiddlyWiki 5 im Betatest.

Es gibt wenig Software, die mich auch nach Jahren noch so begeistern können, wie am ersten Tag. Dazu gehört TiddlyWiki, das „Hosentaschen-Wiki“. Letzteres deshalb, weil das Wiki komplett in einer HTML-Datei Platz findet und in dieser HTML-Datei alles mitbringt – JavaScript-Programmlogik, CSS-Aussehen und die gesamten Wiki-Inhalte als gespeicherte Datensätze. So eine TiddlyWiki-Datei wird dann mitunter auch gern mal einige Megabyte groß, aber hat eben den unschlagbaren Vorteil, dass es als schnell angelegte Datei eben in den unterschiedlichsten Browsern lokal funktioniert. In der Vor-Google-Keep-Zeit und für Daten, die ich nicht in der Google-Cloud sehen will, setze ich auch heute noch TiddlyWiki oft und gern ein und bin dank dieser Begeisterung seit 2006 der Maintainer der deutschen TiddlyWiki-Übersetzung.

Aktuell befinden wir uns im 2.8-Versionsstrang und TiddlyWiki kommt inzwischen an seine Grenzen. Die sind sicherlich nicht in der Performance zu finden, sondern vor allem im Umstand, dass es inzwischen viele JavaScript-Bibliotheken und eine Menge an heute üblichen Browser-Features gibt, die eine komplette Neuprogrammierung von TiddlyWiki bedingen. Daran basteln die Macher schon eine ganze Weile herum und dass sie es mit der Neuprogrammierung ernst meinen, sieht man vor allem dadurch, dass das „neue TiddlyWiki“ nicht als Version 3 daherkommen wird, auch nicht als Version 4, sondern gleich als Version 5.

TiddlyWiki 5 kann vieles wirklich besser. Es ist schneller, es sieht modern aus, es lässt sich sehr einfach grafisch anpassen (das ist mit dem klassischen TiddlyWiki leider ein ziemlicher Krampf), der Import von Inhalten ist extrem vereinfacht worden und das Editieren von Inhalten macht nun endlich auch Spaß mit einer floating Textbox. Hinter den Kulissen werkelt ein ziemlich komplett umgeschriebener Programmcode, der natürlich auch weiterhin auf JavaScript basiert. Es passt immer noch alles in eine HTML-Datei hinein.

Ich habe jetzt einige Tage mit der Version 5.0.5-beta getestet und gespielt und bin sehr angetan. Das Ding läuft besser, als ich erwartet habe und wenn nicht noch einige wichtige Teile der Roadmap fehlen würden, wäre TiddlyWiki 5 eigentlich schon fast reif für die Außenwelt. Die Macher machen aber vieles sehr richtig und dazu gehört eben das Hinzufügen von Programmmodulen nach und nach und nicht alles gleichzeitig. So fehlt aktuell zum Beispiel noch komplett die Multilingualität; es gibt also aktuell keine Übersetzungen der Bedienoberfläche in andere Sprachen außer Englisch.

Und da sind wir auch am Punkt, denn logischerweise habe ich auch noch keine Übersetzung für TiddlyWiki 5 parat und mangels Spezifikation auch noch nicht angefangen. Da sich die Text-Strings voraussichtlich nicht sonderlich groß ändern werden, dürfte der Großteil der bisherigen Übersetzung ziemlich einfach übernommen werden, aber das kann ich alles erst sagen, wenn es dann soweit ist und die Multilingualität in den Betatest kommt.

Und eine Änderung an meiner Übersetzungsarbeit wird es dann auch geben: Übersetzungsdateien für zukünftige TiddlyWiki-Versionen werden als Common Creative lizenziert werden. Mir war das Lizenzthema noch nie sonderlich wichtig, allerdings haben doch immer wieder mal Nutzer wegen der Lizenz nachgefragt, da TiddlyWiki hin und wieder auch in Unternehmen eingesetzt wird. Das war mir dann so wichtig genug, dass ich den Sprung auf TiddlyWiki 5 dann auch für klare Lizenzangaben nutzen möchte.

Zeitplan gibt es zu alldem aktuell noch keinen. TiddlyWiki 5 soll final im Laufe der nächsten Monate erscheinen. Die Multilingualität erwarte ich für die nächsten drei Monate und dann werde ich zeitnah eine deutsche Übersetzung vorbereiten und bereitstellen. Bis dahin empfehle ich jedem Interessierten einen Test von TiddlyWiki 5 (allerdings bitte nicht mit Produktivdaten).