Home > Home > MüllWelt

| Abonnieren via RSS

Das seltsame Wesen namens “Stadt”.

5. April 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Eigentlich ist es ja ziemlich skurril: Als richtiger Arbeitnehmer lernt man die Innenstadt seiner Heimatstadt eigentlich selten wirklich kennen. Tagsüber arbeitet man ja und wenn man nicht das Glück hat in der Innenstadt seine Mittagspause zu verbringen (in Pforzheim ist es eher ein Glück, wenn man sie nicht regelmäßig dort verbringen muss), sieht man die Stadt eigentlich nur am Abend oder nachts. Wenn dort dann in der Regel ganz andere Menschen unterwegs sind, als tagsüber. Oder, im Falle von Pforzheim, eben auch gar keine.

Seitdem ich abends meine Rundläufe durch die Stadt mache, habe ich den Eindruck gewonnen, diese Stadt, in der ich mir kurzen Ausnahmen nun seit 36 Jahren lebe, gut zu kennen. Das mag sein, allerdings eben ohne den Menschen, die tagsüber diese Stadt bevölkern.

Befremden. Ihr kennt dieses Gefühl, in eurer Heimatstadt zu sein, die ihr eigentlich wie die Westentasche kennt, weil ihr als Kind quasi jeden Tag dort unterwegs gewesen seit? Und dann aber dort tagsüber einmal läuft, mit einem konkreten Anliegen, dass ihr allerdings seit Jahren weitgehend nur noch online tut? Man steht da wie der Ochs’ vorm Berg:

  • Ich stehe in einem Kaufhaus, möchte eine CD kaufen. Für meine Mutter. Titel bekannt, finde sie aber nicht, weder unter “Filmmusik”, noch unter “Aktuelles”, noch unter “Sampler”. Ein aufmerksamer Mitarbeiter sieht dies, fragt mich freundlich, ob er mir helfen dürfe (ja, “dürfe”, nicht “könne”). Froh über dieses Angebot, nenne Titel. Er überlegt, geht ein paar Schritte vor und zurück und erwidert etwas kleinlaut, dass er neu sei und nicht wisse, um was es sich überhaupt handele. Sei die CD neu? Ja. Ah, das könne ein Problem werden, sie würden Neuigkeiten leider gar nicht so schnell bekommen. Schön.
  • In einem Musikgeschäft bzw. in einer Drogerie mit angehängtem Musikregal war die Frage schon viel einfacher zu beantworten. Die CD gibt es nicht, hatten sie nicht und bekommen sie irgendwann mal. Schön. Warum leert ihr eure Regale eigentlich nicht und stellt da Blümchen hin? Wäre der Platz doch viel sinnvoller genutzt?

Wie geht es nun weiter? Gar nicht mehr. Eigentlich bleibt nur noch der Media-Discounter am Stadtrand. Dort kann man nicht mal eben hinlaufen, außerdem hasse ich es in solchen medialen Mülldeponien einzukaufen. Einkauf abgebrochen, erstaunt nach Hause geschlichen und die Musik doch wieder online bestellt.

Es passieren aber, so viel Freude muss dann aber doch sein, zumindest Dinge, die einem nicht passieren, wenn man Dinge nur noch online tut. Dinge, die einem früher gar nicht aufgefallen sind und die mich heute erstaunen, ja fast schon entsetzen:

  • (Eine ältere Frau, die mit Plüschstiefeln durch die Gegend läuft und in einem Schuhgeschäft verschwindet, dass sich vornehmlich extrem junge Menschen als Zielgruppe ausgesucht hat, überspringe ich an dieser Stelle, das interessiert ja doch niemanden, außerdem möchte ich alte Mitmenschen nicht diskriminieren, weil wir auch mal so werden. Ganz bestimmt.)
  • “Entschuldigung, was halten Sie von Additiven im Kraftstoff?” Auf diese entwaffnende Frage wollte ich den Student, der da hochmotiviert mit seinem Klemmbrettchen den ganzen Tag offenbar nicht nur auf mich wartete, spontan zum Kaffee einladen, aber er wollte nicht. Ich antwortete, dass ich auf der Straße nur Kommentare zum Thema Promiskuität von Kreuzotterweibchen abgebe. Nicht erwartet, ebenfalls auf einen Harald-Schmidt-Fan zu treffen.
  • An der Ampel stehend brüllt mich der Mann, der links neben mir ebenfalls auf das Abmarschsignal wartete, derartig in einer erstaunlichen Lautstärke an, dass mir für einen Moment die Augen flatterten: “Halt! Geht gefälligst über die Ampel!” Er meinte irgendwelche Kinder, die locker 100 Meter weiter standen und noch nicht mal den Anstand machten, die Straße zu überqueren.
  • Und wieder einmal kurz davor gewesen, angefahren zu werden, diesmal auf einem Parkplatz von einem Fahrer eines grünen BMW.

Solltet ihr auch mal wieder machen – tagsüber in die Stadt gehen und konkret etwas kaufen. Nicht so profane Dinge wie Milch oder Butter, sondern so hochkomplexe Dinge wie eine Musik-CD. Ihr lernt die Welt neu kennen.

Tags: , , ,

Lorem amet Coke.

5. März 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Eine nette und völlig belanglose iPad-App von Coca-Cola mit dem außergewöhnlichen Titel “Heritage” widmet sich der bewegten und an einigen Stellen hübsch zurechtgefalteten Geschichte der Imperialistenbrause des zuckerhaltigen Getränks. Solche Apps, die offensichtlich irgendetwas darstellen wollen, auch wenn nicht so ganz klar ist, was genau, gibt es genügend. Viele sind sogar gut gemacht. “Heritage” gehört bedingt dazu (ein Klick für eine Großansicht):

Im Prinzip ist die App wie Coca-Cola selbst: Kostet nix, gibt einen kurzen Erfrischungskick, etwas Nachgeschmack zum Abgang und weg ist es.

Tags: , , , ,

Anrufetikette für Handwerker.

2. Februar 2011 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Grundregel: Denke vor dem Anruf nach.

Gestern morgen, geschlagene 2:12 Uhr. Ich war schon am Schlummern, als plötzlich das Telefon klingelte. Telefon um diese Zeit – vor allem wenn es nicht das Handy ist – ist immer schlecht und auch gern mit bösen Nachrichten verbunden, weshalb ich es ungern ausklingeln lasse, sondern rangehe, auch wenn es einfach Mist ist, um diese Zeit ans Telefon zu gehen.

Am anderen Ende war ein Herr mittleren Alters, der sich nicht vorstellte und einen bestimmten Herrn Karadeniz suchte. Er nannte den Vornamen, den ich aber wieder vergaß, da ich ziemlich sicher war, dass dieser Herr Karadeniz, der – laut seiner Aussage – bei irgendeinem Elektroinstallateur in Pforzheim arbeitete, nicht hier wohnte, zumindest wäre es mir sehr, sehr neu. Ah, okay, meinte der Anrufer, er habe halt im Telefonbuch geschaut und da war nur ein Karadeniz zu finden, da hat er halt einfach mal angerufen.

Was für ein, pardon, Arschloch ist das denn? Einfach mal nachts bei Leuten blind anrufen, sich nicht mit Namen nennen, sich nicht für die Störung entschuldigen. Er legte auf. Dank der Rufnummernübermittlung bekam ich heraus, dass da offensichtlich ein nicht ganz unbekannter Bäcker in Pforzheim aus seiner Backstube (was die Uhrzeit erklärt) heraustelefoniert hat.

Aber nochmal: Selten so einem bescheuerten Mensch begegnet. Und das auch noch nachts.

Tags: , ,

Quietschende Lieder.

18. Januar 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MüllWelt

Wenn analoge Probleme auf digitale Daten treffen – dann wird es meist sehr doof. Dieses Phänomen habe ich nun bei meiner Audiodatenbank bemerkt. Aber fangen wir von vorn an:

Im Spätsommer hatte ich meine Audiodatenbank mit rund 5.000 Musikstücken ins AAC-Format konvertiert (“M4A”), damit diese in das eigentlich unsägliche, aber in Verbindung mit dem iPhone leider unabkömmliche iTunes importiert werden können. Bislang lag meine Audiodatenbank im Windows-Media-Audio-Format vor, um aber möglichst sauber zu konvertieren, habe ich die meisten Alben nochmal direkt von der CD aus konvertiert. Während der Konvertiererei fiel mein DVD-Laufwerk aus und musste gegen ein neues Laufwerk ausgetauscht werden.

An sich technisch ein völlig unproblematischer Vorgang, wenn mir nicht Wochen später beim Abspielen von einzelnen Liedern immer wieder ziemlich üble Störgeräusche aufgefallen wären. Nur bei einigen wenigen Liedern, mal am Anfang eines Albums, mal am Ende, ohne richtiges Charakteristikum. Allein die Fehlersuche kostete mich ein halbes Wochenende – es war das neue DVD-Laufwerk, das offensichtlich bei einigen Audio-CD Probleme bei der Datenübertragung mit höheren Geschwindigkeiten als der normalen CD-Abtastgeschwindigkeit hatte. Nach einiges an Recherche und Konsultation des Herstellers konnte ich zumindest in Erfahrung bringen, dass das DVD-Laufwerk schlicht einen Defekt hat. Das Laufwerk wurde auch anstandslos ausgetauscht.

Problem aber nur: Ich habe mit diesem problematischen Laufwerk ungefähr 2.000 Musikstücke konvertiert und musste davon ausgehen, dass es bei einigen Musikstücken zu Problemen gekommen ist. Die zu identifizieren, ist aber auf digitale Weise nicht möglich. Einen “Suchstring” kann man bei solch komplexen Daten kaum mal eben so schreiben, außerdem waren die Störgeräusche zwar charakteristisch, aber eben niemals absolut identisch.

Es blieb also nichts anderes übrig, als genau zu identifizieren, wann ich das Laufwerk eingebaut hatte (was über die Ereignisanzeige von Windows recherchierbar war), welche Musikstücke nach diesem Datum konvertiert wurden und eben all diese Musikstücke einmal vollständig durchzuhören. Also eine Playlist gebaut, die alle ungehörten Musikstücke ab diesem Datum enthielt und die abgearbeitet. Ein sehr ödes Geschäft, Musik hören zu müssen. Rund 14 Tage Musik, verteilt auf mehrere Wochen. Gefunden habe ich ingesamt 21 defekte Musikstücke, also eine klangliche Ausbeute von 1 %. Die betreffenden Alben habe ich dann gelöscht und mit einem anderen DVD-Laufwerk nochmals neu konvertiert.

Obwohl ich nun mal eben meine gesamte Audiodatenbank durchgehört habe, ist mir heute beim Laufen in die Stadt auf dem iPhone-iPod mit Schrecken schon wieder ein Musikstück aufgefallen, das Störgeräusche hatte und diesmal auch noch ganz andere, nämlich ein ziemlich fieses Quietschen, als ob ein Zeitungsmann mit seinem nicht gut geölten Wägelchen hinter einem herläuft. Anders kann ich es nicht beschreiben. Ich nahm in meinem Staunen sogar den linken Ohrhörer aus dem Ohr, um mich zu vergewissern, dass ich nicht verrückt bin und mein Tinnitus vielleicht die Signalform geändert hat.

Hat er nicht. Denn dieses Geräusch kam tatsächlich von einem hinter mir herlaufenden Zeitungsmann mit seinem nicht gut geölten Wägelchen. Da er die Aktion mit dem Ohrhörer-Herausnehmen gesehen hat, hat er sich sogar entschuldigt und versprochen, sich heute Abend endlich mal um das Fahrwerk seines Wägelchens zu kümmern. Eine sehr gute Idee.

Tags: , , , ,

Für Behinderte gibt es Kaffee nur unter Aufsicht.

13. Dezember 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MüllWelt

Ich bin mir nicht sicher, was sich DeLonghi, der italienische Hersteller meines ansonsten hervorragenden Espressoautomaten “Perfecta ESAM5400″ bei folgendem Satz in der zudem entsetzlich strukturierten und auch noch übel übersetzten Bedienungsanleitung gedacht hat:

Achtung!
Das Gerät darf nicht von Personen (einschließlich Kindern) mit körperlichen, geistigen oder sensorischen Behinderungen oder von Personen, die nicht mit dem Betrieb des Gerätes vertraut sind, gebraucht werden, es sei denn, dass sie von einer für sie und ihre Sicherheit verantwortlichen Person beaufsichtigt und in den Gebrauch des Gerätes eingewiesen werden.
Dafür sorgen, dass Kinder nicht mit dem Gerät spielen.

Sehr mutig, eine solch pauschale Diskriminierung in ein Handbuch zu verfassen.

Tags: , , , ,