Im Stream: The Man in the High Castle.

Gerade in Sachen Science-Fiction gibt es Autoren und deren Bücher, die einen prägen. In meiner Jugend waren das vor allem Bücher und Geschichten von Isaac Asimov (Roboter, Foundation-Trilogie, Raumschiffe und so, alles relativ clean und etwas flach), Arthur Clark (Odysse-Tetralogie, ziemlich weitreichend und abgespact) und Philip K. Dick (völlig zugedröhntes Zeug). Dass man bei vielen Geschichten von Dick das Gefühl hatte, Dinge von einem schwer auf dem Trip befindlichen Autoren zu lesen, ist nicht so daneben, denn Dick schrieb einige seiner besten Geschichten unter schweren Drogeneinflüssen.

Geschichten von Philip K. Dick galten bis vor wenigen Jahren als schlicht unverfilmbar. Sie gelten als extrem komplex, alle Handlungsstränge sind kompliziert miteinander verwoben und lassen es nur schwerlich zu, für ein Drehbuch auseinanderdividiert zu werden. Schon der Film Minority Report, wie ich finde ein Meisterwerk der modernen Science-Fiction, war als Kinofilm schwere Kost. Ein weiterer Film ist der 1997 veröffentlichte Film A Scanner Darkly, der leider nicht ansatzweise erfolgreich war, dafür jedoch ein weiteres Dick-Meisterwerk wurde.

Ein weiteres, ziemlich verstörendes Buch von Philip K. Dick ist der Roman The Man in the High Castle, in der es, kurz gefasst, darum geht, dass in einem Amerika der 1960er Jahre nichts so ist, wie wir es aus den Geschichtsbüchern kennen, da das Hitler-Deutschland den Zweiten Weltkrieg nicht verloren, sondern gewonnen hatte. Der Osten Nordamerikas ist daher eine Kolonie des Deutschen Reiches, der Westen eine Kolonie der japanischen Mächte. Dazwischen ein enger Korridor längst der Rocky Mountains als „Neutrale Zone“. Inmitten dieses Geflechts, das sich dampfend um die Frage bewegt, was wohl passieren wird, wenn der alternde Führer Adolf Hitler stirbt, taucht ein ominöses Buch auf, das eine gänzlich andere Gegenwart darstellt, nämlich die Geschichte so, wie wir sie kennen.

Als Buch ist Das Orakel vom Berge, wie die Geschichte in der deutschen Übersetzung heißt, ebenfalls dick-typisch schwere Kost. Als Anfang des Jahres dann eine Pilotfolge bei Amazon Prime Video als amazon-eigene Produktion auftauchte, bebte ein kleinwenig die Science-Fiction-Erde. In der Zwischenzeit ist aus der Pilotfolge eine erste Staffel mit zehn Folgen entstanden, die seit einigen Wochen eben bei Amazon Prime Video angeschaut werden kann, seit einigen Tagen auch in der recht guten deutschen Synchronfassung.

Das ursprüngliche Buch von Philip K. Dick ist weitgehend in dieser ersten Staffel verarbeitet. Und während man in anderen Serien aus Buchvorlagen vor allem mit sehr viel aufgeblasenem Stoff zu kämpfen hat, glänzt The Man in the High Castle von der ersten bis zur letzten Folge mit vielen zusätzlichen Handlungssträngen und vor allem unglaublich gut geschriebenen Rollen, die von phantastischen Schauspielern inszeniert werden. Zehn packende Stunden Serienstoff, der der Buchvorlage in nichts nachsteht und den Horror einer solchen dystopischen Zeit mehr als dramatisch überträgt.

Anschauen, staunen, gruseln! Und dabei ruhig in Kauf nehmen, dass man während des Anschauens gelegentlich zurückspringen muss, um Handlungsstränge richtig einordnen zu können.

Im Kino: James Bond – SPECTRE.

Um Punkt 23 Uhr am heutigen Mittwoch hatte ich mich auf einiges gefasst gemacht. Denn ich war zur heutigen Vorpremiere des neuesten James-Bond-Filmes „SPECTRE“ mit meinem Vater aufmarschiert und dem ist in Sachen James Bond nicht so sonderlich viel vorzumachen. Weil er eben kein eingefleischter Fan von James Bond ist und die letzten Bond-Movies niederschmetternd fand.

Kurz eingeleitet: SPECTRE ist sicherlich nicht der schlechteste Bond-Streifen aller Zeiten, er gehört aber leider zu den belangloseren. Und das, obwohl die Vorgeschichte zu SPECTRE mehr als Hunger machten. Sam Mendes in der Regie (okay, naja..), wieder Daniel Craig, Christoph Waltz als Bösewicht, Blofeld in einer Wiedergeburt, die alte MI6-Struktur – kann man bei so viel Bewährtem viel falsch machen?

Ja, man kann. Während der Einstieg in Mexico City gar nicht so übel geriet und das Intro wieder einmal einen echten Höhepunkt setzt, begann der Film recht kurzweilig. Bei Q ein Auto „mitgehen“ lassen, gleich ein paar Minuten später wieder versenken, schnell nach Österreich, irgendwann nach Tanger und in die marokkanische Wüste. Die Zugfahrt war hier noch das romantischste des ganzen Filmes, das Elend begann dann in der Wüste.

Denn unumwunden muss man leider sagen: Die bisher schwächste Rolle, die Christoph Waltz in einem größeren Film spielt, ist seine Blofeld-Rolle in SPECTRE. Nichts ansatzweise wahnsinniges war zu finden, in sockenlosen Slippern stand er so herum und tat – einfach herumstehen. Nichts schießt er nebenbei in der Luft, niemand wird erwürgt, es gibt keine großen Einführungen in neue Gesellschaftsstrukturen, Medienimperien, Raumstationen. Nein, er quält etwas Bond herum, streichelt die grotesk krampfhaft ins Bild gesetzte Blofeld-Katze und dann fliegt seine Sternenwarte (Raffinerie? Solaranlage? Papierfabrik?) auch schon in die Luft mit einem Uhrentrick, den man auch so ähnlich schon mal bei Roger Moore gesehen hat.

Beim Umschwenken nach London wurde mir dann schlagartig klar, dass hier etwas ganz gehörig schiefläuft in diesem Bond. Es fehlt die fulminante Story für mindestens zwei gute und sicherlich sehr teure Schauspieler und dementsprechend langatmig geraten die Szenerien, die nebenbei auch noch gräßlich darunter leiden, dass sie steril, durchgehend hektisch und ohne großes Publikum gedreht wurden. Im Gegenzug gingen genau die Stimmungsbilder verloren, die es in früheren Bonds immer gegeben hat, wenn zu neuen Orten gewechselt wurde. Wer wird die stimmigen Bilder von Piz Gloria je vergessen, selbst wenn George Lazenby (etwas zu Unrecht) als historische James-Bond-Fehlbesetzung gilt?

Das letzte Viertel passierte dann wieder komplett in London. Wohl aus organisatorischen Gründen auch wieder nachts und im alten MI6-Gebäude, das naheliegenderweise gesprengt werden sollte. Das wurde es dann auch und mit ihm der etwas hanebüchene Plot, dass ausgerechnet der MI6 durch eine neue Superbehörde ersetzt werden sollte, die nicht weniger als – Achtung! – die Demokratie retten wollte. Im modernen Großbritannien! Irgendwie steckte hinter dieser Behörde auch Blofeld, aber zugegebenermaßen war ich zu diesem Zeitpunkt schon damit beschäftigt, wie ich auf die unmittelbar nach dem Film zu erwartende Herabschätzung meines Vaters für die zweieinhalb vergeudeten Stunden reagieren könnte.

Das erstaunliche: Meinem Vater gefällt SPECTRE, zumindest deutlich mehr, als Skyfall. Skyfall fand ich wiederum gar nicht so übel, was aber auch alles daran liegen kann, dass ich den wirklich ultraüblen Bond „A Quantum Solace“ davor gesehen hatte und er nicht. Man wird sich wohl leider damit abfinden müssen, dass Daniel Craig in seiner Karriere als James Bond ein wirklich herausragender Bond-Streifen verwehrt zu bleiben scheint.

Popcorn-Kino ist SPECTRE allemal und auch vorm Fernseher wird der Film als Samstagabendunterhaltung eine gute Figur machen. Aber in der aktueller IMDB-Bewertung zeigen die bis jetzt recht mageren 7,5 von 10 möglichen Sterne (von mir gab es 7 Sterne) schon recht deutlich, dass SPECTRE allenfalls Mittelfeld ist.

Aus dem Maschinenraum der Enterprise.

Ein Traum wird wahr. Ich habe mir bei Zutritten zu Rechenzentren immer gewünscht, dass es da nicht einfach nur brüllend laut ist (ein echtes Problem übrigens), sondern die Geräuschkulisse wenigstens stilvoll ist. Sounddesign für Rechenzentren ist zwar noch ein bescheidenes Business, aber so viel braucht es dazu auch gar nicht. Es reicht schon, wenn man einfach den Ambience-Sound des Engineering Room der USS Voyager aus Star Trek in den Hintergrund einspielt:

Ambience-Mixes sind für das ungeübte Ohr vermutlich so spannend wie ein laues Lüftchen, aber das, was man da hört, ist eben echtes Hintergrundgeräusch von der Voyager … also halt das, was wir als Voyager bezeichnen, denn natürlich ist beim Filmen der Serie in den Kulissen auch kein Maschinengeräusch zu hören, denn auch da wird das erst in die fertige Tonmischung eingespielt.

Maschinenraum ist zu laut? Es geht dann, beispielsweise für das Großraumbüro, auch spannender, nämlich mit Ambience-Sound der Brücken – von allen Star-Trek-Serien:

TOS („The Original Series“):

TNG („The Next Generation“):

DS9 („Deep Space Nine“):

VOY („Star Trek Voyager“):

„Star Trek“, sagt sich vielleicht der ein oder andere Science-Fiction-Kenner, „ist doch alles bunter Fernsehmüll!“ Wenn es um das Raumschiff geht – also um das Raumschiff – dann führt kein Weg an der Discovery aus dem Kubrickschen Superschinken „2001 – Odyssee im Weltraum“ vorbei. Eine Stunde Ambience-Sound gibt es auch von dort:

Zumindest letzteres hört sich dann schon am ehesten nach ISS an, auch wenn hier die Raumfülle wie bei den jüngeren Star-Trek-Filmen fehlt. Aber wer jetzt Büro oder Rechenzentrum vernünftig beschallen möchte … bitteschön!

Im Kino: Star Trek „Into Darkness“.

Witzigerweise fast genau vier Jahre, nachdem ich den vorherigen Film der neuen Generation von Star Trek im Kino anschaute, war der nächste Part fällig. Vier Jahre ist auch in der Star-Trek-Welt eine sehr lange Zeit, vor allem wenn in dieser Zeit keine aktuelle Fernsehserie läuft und auch nichts am Entwicklerhorizont zu sehen ist. In dieser Zeit gab es zwar die Veröffentlichung von „Star Trek Online“, des MMORPG des Franchises, allerdings bleibt diese Art des Entertainments, also das Erzählens und Spielens von Star Trek in einer Online-Umgebung, weiterhin unter seinen Erwartungen und zwar deutlich.

Wie auch immer: J.J. Abrams, dessen Lensflare-Effekte ich immer noch fürchte, hat sich zumindest schon mal so weit zusammengerissen, dass es kaum noch Lensflare-Effekte in „Into Darkness“ gibt. Und wie soll man es anders sagen: „Into Darkness“ ist noch größer, noch fulminanter, noch farbiger geworden. Auch wenn die Darsteller, allen voran Chris Pine als Captain Kirk und Zachary Quinto als Commander Spock, mit Star Trek sicherlich gewaltig weniger zu tun haben, als Schauspieler der Fernsehserien mit ihren zig Staffeln, merkt man ihnen die Routine in ihrem zweiten Star-Trek-Film an. Kirk ist immer noch ein Chaot und Draufgänger (und muss es auch für immer und ewig sein), aber deutlich weniger zappelig und Spock dafür noch eine Portion ruhiger und würdevoller.

Das Drumherum glänzt wiederum mit Farben und Effekten. Das beginnt schon am Anfang mit Scharmützeln auf einem bunten Planeten namens Nibiru, auf dem Kirk und Spock buchstäblich die Welt retten, unter Mißachtung der unglaublich fundamentalen Direktiven der Sternenflottendirektiven (nicht fragen, einfach danach suchen). Das führt natürlich bei der Sternenflotte zu Scharmützeln. Spock, der als Vulkanier ja nicht lügen kann, schreibt seinen Bericht wahrheitsgemäß, so dass er als Commander zu einem anderen Schiff versetzt wird und Kirk ebenfalls wieder „Commander-Luft“ atmen muss.

Das ändert sich, als er aufgrund eines Terroranschlages auf eine Sternenflotteneinrichtung zu einer Sitzung einberufen wird, auf der auch noch ein Attentat begangen wird und bei dem ein Protagonist getötet wird. Und dann nimmt die bei solchen Frechheiten unvermeidliche Antwort der Sternenflotte ihren Lauf.

In einem ziemlich rasanten Tempo wird da eine Geschichte erzählt, die in Wahrheit aus vielen einzelnen besteht und aus der man früher sicherlich gleich mehrere Spielfilme zusammenbasteln könnte. Dieses Rastlose, das einerseits natürlich schön spannend und unterhaltsam ist, andererseits immer eine Menge Kritik auslöst, weil die „Ruhephasen“ früherer Filme die Stellen waren, wo es moralisch etwas zu lernen gab, ist eine Gewöhnungssache. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Abrams sich nach wie vor nicht traut, auch mal eine Geschichte in Ruhe zu erzählen, andererseits sind für echte Trekkies schon wunderschön am Computer gemalte Warp-Partikelausstöße pure Unterhaltung. Dennoch: Continuity ist etwas, was J.J. Abrams als Makel versteht und so sehen die Sprünge von Story zu Story dann manchmal auch aus. Nicht nur einmal im Film wünscht man sich, dass man bei einer Story doch bitte mal etwas länger bleibt, beispielsweise schon auf dem Planeten Nibiru mit seinen bunten Farben und irgendwie lustig aussehenden Figuren.

Wer Tiefgang erwartet, ist hier im falschen Kinosaal. Tiefgang gibt es in den Fernsehserien, niemals in den Kinofilmen und da ist es wirklich egal, von welcher Generation Star Trek wir reden. Kirk und Spock waren auch in den früheren Spielfilmen immer etwas mopsiger, lauter und peinlicher und aus dem Blickwinkel heraus sind die jetzigen Kollegen Kirk und Spock und der Rest der Truppe in genau der richtigen Aussteuerung für Star-Trek-Kinofilme. Dass sie für eine Fernsehserie mitunter vielleicht nicht taugen, weil sie zu poliert daherkommen und die echten Lösungen offensichtlich nur darin bestehen, die Feinde umzubringen und zum Abschluß auch noch schnell das eigene Schiff komplett in Schutt und Asche zu legen, ist ein Makel. Den allerdings auch nur noch die alten Trekkies erkennen können. Echte „Entertainment-Diplomatie“ ist leider offenbar out. Ich finde das nicht so toll, aber halftern wir das mal unter „Zeitgeist“ ab. Und in Wirklichkeit waren gerade die Star-Trek-Spielfilme erheblich stärker am jeweils geltenten Zeitgeist der Produktionszeit dran, als man erwartet (und mitunter befürchtet) hatte.

Aber Schluß mit dem Geheule! Star Trek „Into Darkness“ ist ein unterhaltsamer, sehenswerter Film, fest verwurzelbar im Star-Trek-Universum mit viel Story/Stories. Eine Empfehlung für ein Seriendasein gibt diese Star-Trek-Generation immer noch nicht aber ich bin spätestens nach diesem Film überzeugt davon, dass das auch ganz gut so ist.

Lösung zur dritten Staffel von Kommissarin Lund.

Mit einem Tag Verzögerung habe ich nun auch die letzte Folge der dritten und letzten Staffel von Kommissarin Lund – im dänischen Original Forbrydelsen genannt – angeschaut. Und wie vermutlich die meisten Zuschauer hat mich das Ende ebenfalls etwas verstört zurückgelassen. Es gibt nicht viele Krimis, die das zumindest bei mir schaffen. Aber weil ich ja schon mal die komplette Lösung für die erste Staffel hier im Blog aufzeichnete und entsprechende Suchanfragen am gestrigen Montag so gewaltig hoch waren, hier eine Schnellzusammenfassung und die Conclusion der dritten Staffel. Wie üblich wurde der eigentliche Mörder zwar schon in der letzten Folge aufgelöst, die ganzen verwobenen Geschichtsstränge sind allerdings nicht ganz einfach zu entwirren.

Achtung, SPOILER! Der folgende Text ist in weißer Schrift auf weißem Grund, bitte einfach den folgenden Text markieren, um ihn lesen zu können. Wer diesen Artikel als Feed liest, schnell wegblenden, wenn er die Lösung nicht wissen will.

  1. Der Mörder des 13-jährigen Mädchens Louise Jelby aus dem Kinderheim war Niels Reinhardt, der Sicherheitsberater von Zeeland-Chef Robert Zeuthen und der Chef der Kinderstiftung von Zeeland. Offenkundig scheint dieser eine pädophile Vergangenheit zu haben, die sich andeutet, allerdings nicht beweisen lässt (zur Schuldfrage weiter unten noch eine Anmerkung).
  2. Im Rahmen des Mordes wurden damals Untersuchungen unter der Führung von Obertaatsanwalt Peter Schultz durchgeführt. Diese Untersuchungen waren zumindest so weit fortgeschritten, dass schon damals Niels Reinhardt in Verdacht geriet. Zeeland sorgte jedoch über den Finanzminister Mogens Rank, der wiederum Druck auf die Sondereinheit und den Staatsanwalt Schultz ausübte, dafür, dass die Beweise so gefälscht wurden, dass Reinhardt ein Alibi zugeschoben wurde. Das gelang vor allem dadurch, dass das Hotel, in dem Reinhardt während des Tatzeitpunktes gewohnt haben soll, ein Unternehmen der Zeeland-Gruppe war und Manipulationen dementsprechend einfach.
  3. Der Sohn von Premierminister Kristian Kamper hat, offensichtlich als rebellischer Sohn, Recherchen gegen die Partei seines Vaters und Zeeland geführt und darunter auch Niels Reinhardt beschattet und fotografiert. Das fiel damals schon dem Bruder von Kristian Kamper, Kristoffer, auf (der gleichzeitig auch der Wahlkampfleiter von Kristian Kamper ist), der seiner Aussage nach seinen Neffen warnte, weiterhin Recherchen gegen seinen Vater durchzuführen. Während den Recherchen machte sein Sohn auch Fotos, darunter unter anderem auch das Foto, auf dem Reinhardt am Straßenrand parkend fotografiert wurde, wie er offensichtlich kurz vorher Louise Jelby auf ihrem Fahrrad angefahren hatte. Weil dies einschlägigen Kreisen bekannt war, wurde das Versteck von Kristian Kamper durchsucht und er dabei zufälligerweise angetroffen. Aus Panik ist er wohl weggelaufen, dabei auf die Bahngleise der naheliegenden Bahnstrecke geraten und wurde von einem Zug überfahren. Der bis dato eigentlich als Suizid geltende Tod ist demnach eigentlich aus einem ganz anderen Hintergrund zu sehen, den sein Vater offenbar nicht kannte.
  4. Der lange Zeit als Täter geltende Entführer von Zeuthens Tochter Emilie namens „GM“ ist der leibliche Vater von Louise Jelby und will mit der Entführung Zeeland und die Ermittlungsbehörden erpressen, den wahren Mörder von Jelby – Niels Reinhardt – zu ermitteln. Darum führt er während den gesamten Folgen die Ermittler quer durch alle Handlungsstränge und Protagonisten der Verschwörung. Emilie wiederum hatte er gar nicht per Container nach Norwegen verschifft, sondern wohl kurz nach der ersten missglückten Übergabe nicht erschossen und auf die Medea verfrachtet, das schrottreife Schiff aus der 1. Folge. Die Tochter diente die ganze Zeit über als Faustpfand des Entführers und als Druckmittel gegenüber Lund, die Ermittlungen im Fall Louise Jelbys nochmal aufzurollen.

So, und warum hat nun Sarah Lund ganz am Ende das Verstörenste getan und Reinhardt auf eigene Faust auf dem Flughafen erschossen? Die Antwort dazu liefert der letzte Dialog zwischen Lund und Reinhardt im Auto, kurz vor der Exekution von Reinhardt:

Lund: Sie müssen sich gewundert haben, als Sie plötzlich dieses Alibi hatten. Jemand von Zeeland hat dafür gesorgt, dass es so aussieht, als hätten Sie im Zimmer 108 gewohnt. Die Daten des Schließsystems dienten dann als Ihr Alibi. Sie haben noch nie in Zimmer 108 gewohnt, Sie wohnten immer in 312. Sie haben Louise Jelby umgebracht. Und sie war nicht die erste, habe ich Recht? Sie können es ruhig zugeben! Geben Sie’s zu, ich werde es sowieso beweisen!

Reinhardt: Ich glaube nicht, dass Sie das können. Sonst würden wir dieses Gespräch nicht führen. Aber ich bewundere Hartnäckigkeit, Sorgfalt und ordentliches Arbeiten. Das ist etwas, das ich sehr schätze. Danke, dass Sie mich daran erinnert haben. Sie haben mich viel gelehrt. Ich werde das selbstverständlich mit in die Zukunft nehmen. Aber jetzt müssen wir zusehen, dass wir weiterkommen.

Kurzum: Lund weiß, dass Reinhardt das 13-jährige Mädchen Louise Jelby umgebracht hat und hat auch Indizien dafür, dass Reinhardts Alibi nicht stimmt. Allerdings ist dies nicht zu beweisen, zumal der Spur mit der Zimmernummer schon einmal nachgegangen wurde und das Alibi bei der ersten Untersuchung hielt. Reinhardt wiederum weiß auch, dass Lund nicht in der Lage ist, den Mord nachzuweisen (auch das besagte Foto ist letztendlich nur ein Indiz). Allerdings lässt er mit dem Hinweis auf seine Bewunderung für Lunds Hartnäckigkeit hervorblicken, dass er mit der Lösung seines Alibis möglicherweise aus moralischen Gründen nicht wirklich leben kann und sich deshalb damit abfindet, dass Lund die Schuldfrage auf eigene Faust mit der Exekution löst.

Diese weitgehend verzweifelte Haltung von Lund wird auch noch mal dadurch unterstrichen, in dem die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft auf das glückliche Auffinden von Zeuthens Tochter dargestellt werden. Premierminister Kamper hat die Wahlen gewonnen und unmittelbar nach der Wahl sind ihm die Nachforschungen zum Fall Reinhardt herzlich egal und auch der Aufsichtsratvorsitzende von Zeeland blockt im Gespräch mit dem aufgebrachten Robert Zeuthen jegliche Vorwürfe ab und empfiehlt Zeuthen lieber einen eigenen Ausstieg aus dem Unternehmen, um dessen Image nicht zu gefährden. Sprich: Um die Wahrheit schert sich keiner, wenn das eigentliche Problem nicht mehr existent ist.

Das war’s. Wieder einmal zehn Stunden Kommissarin Lund durch und keine Minute davon war vergeudet. Mit dem sehr deutlichen Ende und der Flucht von Lund aus Dänemark/Norwegen endet auch sehr offensichtlich die Lund’sche Serie nach drei Staffeln. Hochverdient, auch wenn die dritte Staffel an die Komplexität und Dramatik der ersten Staffel meiner Meinung nach nicht ankommt. Aber das sind reine Detailfragen.

Im Kino: James Bond – Skyfall.

Alles wird wieder gut, um mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Das Ende von „Skyfall“, dem neuesten James-Bond-Film, wieder mit Daniel Craig in der Hauptrolle, rückt einiges aus der Saga von James Bond wieder da hin, wo es einmal war: Miss Moneypenny im Vorzimmer, einem eher griesgrämigen M, der in seinem alten Büro mit der lederbeschlagenen Tür sitzt und so tut, als sei die letzten 50 Jahre zwischen Heute und dem ersten James-Bond-Film nur wenig passiert. Man hätte sich gewünscht, dass man zwar zu den Wurzeln zurückfindet, aber einen vernünftigen Mittelweg zwischen Altem und Neuem finden kann. Aber jammern wir lieber nicht. Immerhin sinkt in „Skyfall“ keine Titanic und kein Agent Smith bricht aus der Matrix aus. Das hätte mich nämlich alles nach dem letzten Bond-Film auch nicht mehr gewundert.

In den 143 Minuten zwischen Anfang und Ende bemüht man sich sehr, aus den Fehlern des letzten Bond-Films „A Quantum Solace“ zu lernen. Endlich wieder eine schöne Story (auch wenn diese quasi ein betriebsinternes Mobbing im MI6 zur Ursache hat), die dem brillanten Daniel Craig gerecht wird, endlich wieder Sex, endlich wieder ein Wodka-Martini, endlich wieder der völlig übertriebene Kult um Bonds Kanone und endlich wieder ein charismatischer Bösewicht, der leider viel zu kurz kam. Bösewicht Raoul Silva, der vom genialen Schauspieler Javier Bardem gespielt wird, ist eigentlich ein sympathischer Antiheld der Enterprise-Klasse, dem man zutrauen könnte, lachend, grinsend und feixend die Galaxie zu sprengen, natürlich untermalt von harter Rockmusik.

Okay, die Versuche, im Film auf die Kindheit von James Bond anzuspielen, misslingen Regisseur Sam Mendes allesamt. Dass es zwischen den einzelnen Spielstätten und aufeinander aufbauenden Microgeschichten in Sachen Continuity hapert … geschenkt. Immerhin wird in „Skyfall“, wie immer in solchen Fällen, wenn das Drehbuch klemmt, James Bond ins Bett gesteckt. Oder von einer Frau (im Gesicht) rasiert. Oder er steigt einer 5-Minuten-Bekanntschaft einfach mal in die Wanne.

Dennoch ist, wenn man sowas über einen James-Bond-Film überhaupt sagen kann, der Film stimmig. Der Film besteht nicht gänzlich aus hektischen Actionszenen, sondern gibt sich Zeit für Details und Farben. Den Job eines Snipers lässt sich, wenn man es nur möchte, fast schon ästhetisch fotografieren und das war in einem James-Bond-Film auch dringend mal wieder nötig. Vielleicht aber in einem nächsten James Bond die bösewichtigen Charaktere etwas stärker ausmalen? Zeit ist ja nun wirklich da.

Was leider floppt, ist die Musik. Okay, das Titellied von Adele kommt in guter Bond-Tradition daher und ist mit einer Tiefe gesegnet, die ungefähr den letzten zehn Bond-Titelliedern fehlte. Dennoch ist er einfach nicht mutig, so wie vieles im Film zwar solide ist, aber einfach nicht innovativ und selbstvertraut. Unter dem Aspekt der gehobenen Langeweile geht auch das Intro durch den Kopf – der ist, obwohl gut gemacht, einfach wieder schnell vergessen und kann sich mit dem vorläufig letzten Mega-Intro aus „Casino Royale“ nicht messen. Eine unschöne Parallele zu „Casino Royale“ gibt es aber hier auch: Das Titellied von Adele findet sich nicht auf dem offiziellen Soundtrack. Diese Schweinerei zieht wirklich überhaupt nicht, denn woher soll ein Bond-Fan, der vielleicht in ein paar Jahren den Soundtrack als CD kauft, dann die Maxi-Single mit dem Titellied von Adele finden? Bescheuert.

Dennoch: Sehenswert! „Skyfall“ schneidet buchstäblich inzwischen alte und floppende Zöpfe radikal ab und führt James Bond in eine neue Zukunft. Möglicherweise wird die sehr von der Vergangenheit der Bond-Saga geprägt sein, aber das gibt immerhin James Bond zukünftig wieder die Gelegenheit, sich wieder selbst zu finden. Gern auch wieder mit Daniel Craig. Und über den wirklich überhaupt nicht brauchbaren Q-Verschnitt können wir dann auch hinwegsehen.

Zum Tode von John Barry.

Niemand hat zum Tode von John Barry, dem James-Bond-Chefkomponisten, so einen wunderbaren Nachruf geschrieben, wie der SPIEGEL in dieser Woche. Ich bin so unverschämt, den gesamten Nachruf hier zu zitieren, der Verlag möge das einem langjährigen Abonnenten bitte nachsehen…

John Barry, 77. Wer die Augen schließt und nur der Musik lauscht, die der britische Komponist für das Melodram „Jenseits von Afrika“ (1985) schrieb, erinnert sich mit größter Klarheit an die Bilder des Films. Fünf Oscars erhielt Barry im Laufe seiner Karriere für die beste Filmmusik oder das beste Lied. Er konnte mit seinen Kompositionen ganze Welten evozieren – die erhabene Weite der afrikanischen Savanne oder die mondäne Eleganz der europäischen Hautevolee in den James-Bond-Filmen. Das legendäre Motiv für die Agentenfilm-Serie stammte von Monty Norman, doch Barry prägte es, macht es dynamischer, aggressiver und passte es im Lauf der Jahrzehnte geschmeidig den wandelnden musikalischen Moden an, so dass es stets frisch und unverbraucht wirkte. Nur wenige Komponisten konnten so lässig Klassik, Jazz und Rock verbinden wie er. Genau diese Mischung machte die Titelsongs, die er für die 007-Filme „Goldfinger“ oder „Diamantenfieber“ schrieb, zu weltweiten Hits. John Barry starb am 30. Januar in Glen Cove auf Long Island.

Diesem Nachruf ist nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr hinzuzufügen.

Deep Spaced Nine.

Okay, für die sieben Staffeln von Star Trek – Deep Space Nine habe ich nun deutlich mehr als zwei Jahre gebraucht, um alle Folgen anzuschauen. Im Gegensatz zu The Next Generation, das ich in deutlich weniger als zwei Jahren geschnupft wurde, lag das vermutlich daran, dass ich zum Raumschiff Enterprise und seiner Crew und Geschichten eine deutlich engere Beziehung hatte und habe, als zur Raumstation Deep Space Nine. Alle die, die mit „Mutantenfilmen“ (eine köstliche Umschreibung von Doris für Science-Fiction-Serien) nicht viel anfangen können, können diesen Blog-Artikel übrigens getrost überspringen. 😉

Tatsächlich hat Deep Space Nine auch beim Fernsehpublikum einst ziemliche Anlaufschwierigkeiten gehabt. Selbst gestandene Trekkies konnten sich nur mit viel Mühe damit abfinden, dass die Basis nun eben nicht mehr ein Raumschiff ist, das hier und da in der Galaxie einschwebt und Dinge regelt, sondern eine Raumstation, die mehr oder weniger fest an einem Wurmloch positioniert ist. Viele Drehbücher der ersten Staffeln hätte man so daher auch für eine Serie einer Busbahnhof-Crew nehmen können, mehr oder weniger.

Das wurde im Laufe der Staffeln bessern, in dem die Geschichten erheblich düsterer wurden und man sich immer mehr daran traute, eine Gesetzmäßigkeit von TV-Serien zu brechen: Der Nichtkontinuität – alles darf in einer US-TV-Serie passieren, aber am Ende muss alles wieder so sein, wie vorher. Das wurde dann garniert mit erheblich mehr „Außeneinsätzen“ mit der USS Defiant. Zwar kein Raumschiff der „Enterprise-Klasse“, aber immerhin ein Kahn, mit dem man mal außerhalb der Raumstation kommt und sich nicht ganz deplatziert fühlen muss. Man hat ja auch als Raumfahrer bestimmte Ansprüche.

Tatsächlich taute ich auch erst ab Staffel 5 wieder mehr auf und arbeitete mich durch die letzten drei Staffeln mit erheblich mehr Engagement durch. Am Ende wurden es dann aber doch eben mehr als zwei Jahre. Ja, damit muss man sich in der Szene der Trekkies und auch TV-Show-Seher mehr als schämen. 😉

Aber: Durch! Die letzte Staffel hat mir mit den letzten Folgen, die allesamt miteinander geschickt verwebt waren, sehr gut gefallen und die letzte Doppelfolge hat nochmal alle Register in Sachen Story, Schauspieler und Special Effects gezogen. Und das Ende in Vics Bar war schon ein richtig emotionaler Moment, bei dem ich dann auch gehen kann. Ich breche da zwar nicht in Weinkrämpfen zusammen und muss danach den Boden wischen, aber so ein kleines Tränchen verdrückt man dann doch schon. Schön gemacht. Und aus dem Bonusmaterial war herauszuhören, dass genau diese Szene in der Bar, in der nochmal alle Schauspieler auftauchten und das Publikum aus Mitgliedern der Produktionscrew bestand, am Ende des Drehtages wohl auch für echte „Produktionstränen“ sorgte. Auch schön, dass man Star Trek nicht nur spielt, sondern tatsächlich lebt. Nehme ich den Leuten vollkommen ab.

Als nächstes geht nun Star Trek Voyager bei mir an den Start. Hier fehlen mir zwar noch einzelne Boxen, aber die ersten vier Staffeln sind komplett. Und da Voyager mein absoluter Favorit im Star-Trek-Universum ist, dürfte es mit dem Durchschauen auch hoffentlich etwas schneller gehen…

Meisterwerke aus einem Guss: One-Shot-Videos.

One-Shot-Videos sind in der Medienwelt eine ganz besondere Kategorie von Machwerken: Ein Film, aufgenommen von einer einzigen Kamera, in einer einzigen Aufnahme, also ohne jegliche Schnitte. Das hört sich zwar filmtechnisch sehr einfach an, ist dafür aber in Sachen Inszenierung eine Klasse für sich, denn jeder, wirklich jeder Schritt muss zunächst perfekt geplant werden und später beim Filmen dann auch perfekt getroffen werden. Eine Zeitverzögerung, ein Stolperer, ein falscher Schwenk und schon ist die Kontinuität hinüber und weil man eben nicht schneiden darf, darf man wieder von vorn beginnen.

Dieses Korsett an streng einzuhaltender Kontinuität und Dramaturgie ist das Eine; das Andere ist der Umstand, dass man One-Shot-Videos nur mit einem absoluten Mindestmaß an Personal machen kann, denn es müssen ja alle Beteiligten mitlaufen und da man aus Sicherheitsgründen eher weitwinkelig dreht, besteht bei vielen Personen immer die Gefahr, dass dann doch noch einer ins Bild latscht. Bei Musikvideos hat man also in der Regel tatsächlich nur den filmenden Kameramann, den kameramann-führenden Kameraassistenten, den anweisungen-rufenden Regisseur und jemanden, der die Beatbox mit der Musik trägt. Das geht nur mit einem perfekt eingespielten Team.

Der Klassiker des Genres ist zweifellos Bob Dylans Subterrenean Homesick Blues aus dem Jahre 1965, in dem Dylan eine Reihe von Plakaten mit Begrifflichkeiten in die Kamera hält, die gerade synchron im Song gesprochen werden:

http://www.youtube.com/watch?v=AQaDUD-a_EE
Bob Dylan – Subterrenean Homesick Blues

Das war zu der Zeit schon einer Art Skandal für sich, für die so Charaktere wie Bob Dylan immer zu haben waren. Niemand bewegt im Video seinen Mund synchron zum Song oder tanzt. Andererseits hatte Dylan es mit einer Länge von etwas über zwei Minuten, einer stehenden Kamera und einer einfachen Choreografie verhältnismäßig einfach.

Anders sieht es dann schon aus, wenn der Kameramann längere Strecken ablaufen muss oder gar auf einem Podest einschwebend beginnt. Ohne Steadicam und ohne einer gehörigen Portion Selbstvertrauen läuft da beim Kameramann gar nichts, zumal er hier praktisch vier Minuten rückwärts gelaufen ist, gut und gerne 30 Kilogramm Ausrüstung schleppte und als Sucher einen kleinen grünen Bildschirm hatte:

Massive Attack – Unfinished Sympathy

Ähnlich hyperaktiv geht es bei den Spice Girls zu, die Wannabe als One-Shot-Video produziert haben. Würde ich euch gern verlinken, geht aber nicht, weil EMI ein Scheißladen ist und Videos auf YouTube derzeit nicht duldet. Haben sie eben Pech gehabt.

Als Meister des Faches gilt Michel Gondry. Zwei seiner Meisterwerke:

Lucas – Lucas with the lid off

Gary Jules – Mad World

Auch U2 hat sich an One-Shot-Videos probiert und gleich zwei Musikvideos produziert:

U2 – Numb (aus dem Album „Zooropa“)

U2 – The Sweetest Thing

Als One-Shot-Video kann man Musikvideos produzieren, aber auch Werbespots. Ein äußerst beeindruckendes Werk kommt hier vom Autohersteller Honda, der mit diesem Werbespot den Accord bewarb:

Mit dem Genre beschäftigt haben sich auch 172 Studenten der Kommunikationswissenschaft an der Universität Montreal, die im Sommer 2009 ein alternatives und ebenso außergewöhnliches Musikvideo zu I Gotta Feeling von den Black Eyed Peas produziert haben:

Die Idee, dass One-Shot-Videos besonders authentisch wirken können, wenn man es gut genug inszeniert, hat sich auch David Copperfield mit seinem legendären „Zaubertrick“ zunutze gemacht, aus einem Tresor in einem zu sprengenden Haus auszubrechen (hier sieht man übrigens am Anfang auch kurz den Kameramann mit einer Steadicam, die die „fliegenden“ Bilder ermöglicht):

Kurze Auflösung, wie er das gemacht hat: Er hat sich tatsächlich in den Tresor einschließen lassen, aus dem er jedoch, als die Hauptkamera nach dem Start des Countdowns aus dem Raum verschwindet, von unten oder oben her aussteigt. Das kleine Bild der Überwachungskamera zeigt jedenfalls nicht das Livebild, was man durch die Kette auf der rechten Seite erkennen kann, denn auf dem Überwachungsbild hängt sie tiefer, als auf dem Livebild. Während das Sprengteam so tut, als ob es fluchtartig das Haus verlässt, mischt sich Copperfield darunter und steigt, kurz bevor die Kamera am Zielort die Platte ins Bild nimmt, darunter. Aus dieser Platte steigt er dann theatralisch empor, nachdem jemand, unabhängig von irgendeinem Countdown, das Gebäude hochgejagt hat. Illusion is everything, auch in One-Shot-Videos. 😉

Das One-Shot-Video-Meisterwerk schlechthin ist der Film Russian Ark von Alexander Sokurow und Kameramann Tilman Büttner. Dieses 92-minütige (!) Werk ist tatsächlich in einem einzigen Stück gedreht und zeigt einen Gang durch die St. Petersburger Eremitage mit eingebauten Szenen aus der russischen Geschichte, dargestellt mit über 2.000 Statisten.

Im Kino: Star Trek.

In Sachen Star Trek weigere ich mich, mich als klassischen Trekkie zu bezeichnen. Ich begrüße unsere Kunden nicht mit dem Vulkaniergruß, trinke keine bajoranischen Tees, habe nicht ein einziges Star-Trek-Plakat und quäle mich seit Monaten durch die dritte Staffel von Deep Space Nine.

Andererseits bin ich sehr wohl ein Trekkie und vermutlich ein eher schwererer Fall, denn ich lasse auf Star Trek nichts kommen. Es ist für Außenstehende unglaublich albern, für Wissenschaftler ein Horror, für Technikbegeisterte und Weltverbesserer jedoch einfach Kult. Star Trek ist gute Zukunft im fernsehkompatiblen Format, das man sich bedächtig und hochkonzentriert anschaut – und dementsprechend sensibel reagiert, wenn jemand mit dem Mythos experimentiert. So ging es mit dem aktuellen Kinostreifen und eigentlich habe ich mich heute abend auf alles gefaßt gemacht, bis hin zur extremsten Reaktion, dass ich schlicht den Kinosaal verlassen muss.

Ich habe ihn bis zum Ende ertragen und es war gerade am Anfang und am Ende schwer, weil hochemotional. Wenn auf einer riesigen Leinwand „Star Trek“ steht und am Ende der allseits bekannte Spruch mit „Der Weltraum – unendliche Weiten“ ertönt, dann muss ich mich zusammenreißen, um nicht loszuplärren. Das ist nicht einfach ein Film und ein paar dahingesäuselte Worte – das ist Kindheit im Schnelldurchlauf, meine besten Freunde im Hinterhof, die wir gemeinsam Star Trek nachgespielt haben, meine Zeichenphase, in der ich Weltraumbahnhöfe gemalt, die Nächte, in denen ich raus in den Sternenhimmel geschaut, die Stunden in denen ich Star-Trek-Folgen angeschaut habe. Pure Magie.

Und ja, er ist einfach…. boah… er ist einfach grandios! Der Begriff „Meilenstein“ würde nicht passen, er ist einfach die Krönung zum Geschichtsstrang der klassischen Serie, auch wenn er, rein geschichtlich betrachtet, eigentlich den Anfang der klassischen Serie darstellt.

Regisseur J. J. Abrams, dem ich durchaus zugetraut habe, dass er den Star-Trek-Franchise glorios in den Sand setzen könnte, ist mit dem Mythos gleichsam behutsam und experimentiell umgegangen und hat einen Film produziert, der in bester Star-Trek-Manier in die Hall of Fame gehört. Gute, unverbrauchte Darsteller, eine gute (wenn auch nicht unbedingt aufregende) Geschichte, krasse Action-Sequenzen, schön dosierte Special-Effects und ein teilweise ganz anderer, sehr erfrischender Charakterenwitz. Sprich: Viele tolle, neue Sachen, die man bisher von Star Trek nicht gewohnt war, die aber perfekt passen.

Eigentlich würde ich mir wünschen, dass jetzt sofort mit dieser Crew und mit diesem fulminanten Film eine neue Serie beginnt und ich würde sofort wieder ins Kino gehen, mir ein Paket salzige Popcorn und Cola light kaufen und mir wieder die Nächte um die Ohren schlagen. Da die umgekehrte Geschichtserzählung das nicht sinnvoll zulässt, bleibt abzuwarten, ob sich bei Paramount irgendwann wieder jemand an die Geschichtsbücher wagt und eine neue Enterprise in der Werft bauen lässt.

Ja, ich bin da erstaunlich euphorisch. Das Feuer für Star Trek war nie aus, ich habe es einfach nur lange nicht mehr betrachtet.