Archiv der Kategorie ‘MedienWelt‘

Das ZDF auf der Suche nach dem Casting-Trend.

Samstag, den 10. Mai 2008

Es muss schon eine gewaltige Ideenflaute und mehr oder weniger pure Verzweiflung im ZDF-Hochhaus herrschen, wenn man den Medien glauben darf, dass das ZDF an einer Politiker-Castingshow arbeitet und sich dafür schon mal Rechte von einem kanadischen Fernsehsender gekauft hat, bei dem so eine Show angeblich erfolgreich läuft.

Idee dahinter soll sein, auf diese Weise “neue, unverbrauchte politische Hoffnungsträger” zu finden. Kandidaten stellen sich dazu Diskussionen mit potentiellen Wählern und schnattern in Streitgesprächen. Das Politikerleben hintersubtrahiert auf den medialen Wahlkampfauftritt, herunterdividiert auf Schauspielunterricht und vermutlich ohne jede Hoffnung, mehr über die Substanz des Politikers und dessen Werte zu erfahren. Denn genau das wäre ja kaum sinnvoll miteinander vergleichbar.

Interessant zu wissen wäre, was mit einem Sieger in so einer Show gemacht wird? Bekommt er dann einen Ehrenplatz im Bundestag? Oder darf er vielleicht den ZDF-Verwaltungsrat führen? Das bringt mich auf eine ganz andere, phänomenale Idee für eine Castingshow: Intendanten-Casting! Vielleicht erst einmal für eine lastenausgleichfinanzierte ARD-Anstalt und dann später auch für das ZDF. So richtig viel falsch machen kann da kein Kandidat, da reicht sicherlich schon Fußballtrainer mit Kreisklasselizenz oder Grundschullehrer.

Ach.. ARD und ZDF wollen übrigens mehr online machen dürfen. Die korrektere Frage gegenüber der, ob das rechtlich mit den Programmaufträgen vereinbar ist, wäre: Will man eigentlich zwei Großsender, die seit Jahren erfolgreich und mit Gebührengelder finanziert daran arbeiten, das deutsche Radio und Fernsehen vollständig zu Grabe zu tragen, stärker im Internet haben?

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Briefmarkenfernsehen Reloaded.

Dienstag, den 29. April 2008

Es ist schon erstaunlich, wie nun die Mobilfunkkonzerne mit aller Gewalt den nächsten Anlauf nehmen, auf Biegen und Brechen Mobile-TV auf Mobiltelefone zu bringen. Nun muss bei Vodafone aktuell die Fußballeuropameisterschaft herhalten. Angeboten wird unter anderem ein Paket mit dem Mobiltelefon HB620T von LG. Schauen wir uns doch mal den Fernsehgenuss mal näher an.

Der Bildschirm hat eine Auflösung von 320×240 Pixel bei einer Bildschirmdiagonalen von 2 Zoll. Das sind 5,08 Zentimeter. Das Bildschirmformat ist bei 320×240 Pixel logischerweise 4 zu 3. Nun liefert die UEFA die Fernsehbilder bei der Europameisterschaft in HDTV, also zwangsläufig in 16 zu 9. Umgerechnet auf unser kleines Beispiel erscheint das Bild dann in der Auflösung 320×180 Pixel. Da sich durch die Bildformatänderung auch die sichtbare Bilddiagonale ändert, liegt diese nun auch nicht mehr bei 5,04 Zentimeter, sondern bei etwa 4,63 Zentimeter bei 16 zu 9 - sagenhafte 1,8 Zoll, Frank Ribéry das erste Mal in Originalgröße.

Fußballgenuss vom Feinsten wartet da also auf die Glücklichen, die für den elektronischen Schwachsinn schlappe 400 Euro ohne Vertrag auf den Tisch legen wollen. Lupe geht extra.

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Demo 2.0.

Montag, den 14. April 2008

Äußerst interessant, was sich da mit der so genannte Anonymous-Bewegung, die eine weltweite, sehr intelligent wirkende und vor allem dezentral organisierte Kampagne auf die Beine gestellt hat, aktuell gegen Scientology. Hatte man sich ursprünglich auf eher sinnfreie Gags beschränkt, beispielsweise fremde Webforen auf fast schon dadaistischen Zügen zuzumüllen, so ist der Kampf gegen Scientology geradezu ein Sinnbild für “2.0″ - für das Mitmach-Web. Das ist schon ein derartiger Knaller, dass sogar das heute journal vorhin darüber berichtet hat, übrigens sogar angenehm wertefrei.

Sehr schön an dem Beitrag ist, dass die ZDF-Redakteurin sehr treffend erkannt hat, dass Scientology in vielen Augen ein “tolles” Ziel ist - Ziele könnten sich aber ändern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Idee des Mitmach-Webs hier weiterentwickelt. Und ich bin auch mal gespannt, wie lange es dauert, bis das Mitmach-Web in die Parteienlandschaft fällt und vielleicht auch hier eine selbstverständlich weltumspannende, dezentrale und auf global Themen forcierte Entwicklung bildet.

(Einen Link zum ZDF-Mediathek-Stream liefere ich morgen nach, der ist noch nicht online.)

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Der Welterklärer.

Sonntag, den 13. April 2008

In SPIEGEL ONLINE ist heute wieder ein neuer Broder zum Thema Casting-Shows erschienen, also ein Artikel von Henryk M. Broder. Und wie bei einem echten Broder üblich ist es nur schwer einzuschätzen, ob das nun ein Artikel, ein Kommentar, eine Satire oder eine Glosse sein soll, wenn sich darin beispielsweise ein solcher Absatz findet:

“Mit anderen Worten: Sie wissen nicht was sie tun und müssten vor sich selber geschützt werden. Für diese Theorie gibt es zwar keine Belege, aber sie klingt gut, weil sie von Fürsorge zeugt. Zu Ende gedacht, würde sie bedeuten, dass man den Jugendlichen jede Konkurrenz- und Prüfsituation ersparen müsste, um sie nicht über Gebühr zu belasten. Noch besser wäre es nur noch, die Untergrenze der Volljährigkeit heraufzusetzen, am besten gleich auf 30 Jahre oder noch höher, da 18-Jährige kaum die nötige Reife haben, um die Folgen ihrer Entscheidungen zu überdenken – zum Beispiel in der Wahlkabine. Dazu würde auch passen, dass es vor kurzem eine ernst gemeinte Initiative gegeben hat, ein Familienwahlrecht einzuführen, bei dem die Eltern stellvertretend für ihre Kinder abstimmen würden. Eine Familie mit drei Kindern hätte dann fünf Stimmen.”

Broder abstrahiert schneidig und untermauert die Argumente, die ihm gefallen, derartig lautstark, dass sich nur wenige trauen, diese Argumente genauer zu sezieren und ihm Kontra zu liefern. Diese Methode Broders ist inzwischen altbewährt, wenn sich jemand traut, sein regelmäßiges Islam-Bashing, seine unterschwellige Auslebung seiner offenkundigen Kulturoffenheits-Antipathie, zu dem er sich offenbar berufen fühlt, oder schlicht seine gelegentliche journalistische Schlampigkeit zu parieren. Das zeigt sich nicht zuletzt durch seine inzwischen legendär gewordene Reaktion auf das Internet oder auf die Blogosphäre, die Broder auf ausgesucht rüde Weise beantwortete. So als ob genau an diesem Punkt seine Taifune der Argumentationswinde ausgefallen wären und seine wahre Hilflosigkeit gegenüber schwer beantwortbaren Gegenargumenten und Kritik an der eigenen Person aufzeigten. Gerade damit muss man gut auskommen können, wenn man ständig austeilt und Beschimpfungen sind dabei die denkbar schlechtesten Reaktionen.

Sicherlich ist es in diesem Zusammenhang notwendig, dem Islam gegenüber nicht nur aufgeschlossen entgegenzutreten, sondern auch im Selbstbewusstsein seiner eigenen Religion. Das jedoch mit dem genauen Gegenteil zu untersetzten und zu fordern, dem Islam keinen Zentimeter Raum im Abendland zu schenken, produziert das genaue Gegenteil von Toleranz und führt zur altbekannten, jämmerlichen Diskussion, wieso man den Bau von Moscheen im Abendland gestatten solle, wenn der Bau von Kirchen im Morgenland verboten sei. Genau diese Diskussion, wieso man beispielsweise in der Türkei kirchenfeindlich eingestellt ist, wird schon von dortigen Medien regelmäßig thematisiert, selbst von so konservativen Kampfblättern wie der Hürriyet. Es ist alles eine Frage der Toleranz und die unterstützt man - hüben wie drüben - durch Aufklärung und gegenseitiger Darlegung von Argumenten, nicht durch Hetze, egal ob offenkundige oder unterschwellige.

Aber um wieder auf den aktuellen Text von Broder in SPIEGEL ONLINE zu kommen: Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen in unserer Gesellschaft ständig von Maßstabsmessungen und Prüfungen umgeben sind und deren Ergebnisse sich durchaus auch negativ auf ihre eigene Position auswirken können. Es ist jedoch immer noch ein gewaltiger Unterschied, ob man sich als junger Mensch in einer Schulklasse vor 30 Leuten zum Affen macht oder vor einem Millionenpublikum. Und auch wenn man als Außenstehender in die gefährliche Versuchung kommen könnte, zu glauben, dass dieser Umstand den Teilnehmern bewusst wäre, so ist dabei immer zu beachten, dass der Mensch sich, so intelligent er auch immer erscheinen mag, sich jederzeit blenden lassen kann. Und damit meine ich nicht das Gegenlicht beim Autofahren.

In diesem Sinne ist Henryk M. Broder weiterhin für mich ein journalistischer Kotzbrocken erster Güte, dessen Artikel ich jedoch dennoch respektiere, weil sie zum Nachdenken anregen und Diskussionen als Basis dienen, wie es nur wenige Artikel und Autoren können oder auch schlicht als Basis zur umweltfreundlichen Bekämpfung von Zornattacken dienen. Es wäre aber schön wenn Herr Broder mal wieder langsam von seinem gut eingemauerten Schimpftürmchen herunterkommen könnte und nicht permanent so verbal hyperventiliert. Vergleiche von Äpfel und Birnen lassen sich nicht dadurch vermeiden, in dem Einzelne ständig Birnen für nicht existent erklären.

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Zattoo nun mit öffentlich-rechtlichen Programmen.

Donnerstag, den 3. April 2008

Der Internet-Sendemast Zattoo.com hat seit einigen Tagen nun auch öffentlich-rechtliche Fernsehsender im Programmportfolio und zwar gleich alle. Gab es bisher in deutscher Sprache nur so Senderhighlights wie der “Männersender” DMAX oder die Uralt-Filmeabspielstation “Das Vierte”, so gibt es nun ARD, ZDF, deren Digitalangebote, BR.alpha, Kinderkanal, Phoenix, 3sat, arte und zehn “Dritte”. Das ist schon sehr ordentlich. Zattoo.com freut sich, dass nun das Programmangebot schlagartig verdoppelt wurde und die Öffentlich-Rechtlichen freuen sich, dass sie so zu Leuten kommen können, die Öffentlich-Rechtliche Fernsehsender vermutlich nur noch von den unvermeidbaren Programmkritiken aus SPIEGEL ONLINE kennen.

Andererseits ist diese Programmverbreitung natürlich auch ein tolles Argument in Sachen Gebührenzahlen. Tjaha.

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Dumm mit Kerner.

Dienstag, den 11. März 2008

Absolutes Verblödungsfernsehen gibts gerade mal wieder bei JBK. Irgendeine eingeflogene Tussi aus Amerika zeigt den uralten Uri-Geller-Gabelverbiegungstrick, der selbstverständlich nicht mit ungeahnten Kräften funktioniert, sondern mit einer speziell präparierten Gabel, die mindestens zwei Metalllegierungen enthält und an einer Stelle auf Körperwärme reagiert. Da müsste man sich schon relativ bescheuert anstellen, die Gabel nicht zu verbiegen.

“Unglaublich” findet der Johannes Baptist Kerner dies. Ich traue ihm zu, dass er das sogar wirklich glaubt.

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Pforzheimer Zeitung goes extreme multimedial.

Sonntag, den 2. März 2008

Unser konservatives Kampfblatt Die Pforzheimer Zeitung ist laut ihren Angaben nun auch in der Web-2.0-Welt angekommen. Seit Anfang der Woche kommt die Homepage deutlich schicker daher. Es gibt nun endlich RSS-Feeds zu den verschiedenen Themenbereichen, die Artikelseiten sind etwas schmal, aber immerhin lesbar und die Pforzheimer Zeitung lässt sich nun auch online abonnieren und lesen. Als eigenständiges Abo mit 15 Euro im Monat erträglich, wieso allerdings Abonnenten der Printausgabe nochmal 3 Euro extra löhnen sollen, mag schwer verständlich sein.

Wie dem auch sei, man hätte es dabei belassen können und man hätte zumindest nicht unzufrieden mit dem Relaunch sein müssen. Auch die Audiokommentare hätte man mit etwas Toleranz ertragen können, auch wenn es durchaus Sinn machen würde, Texte vor der Aufnahme einmal durchzulesen. Dann würde ggf. die Betonung des Firmennamens von Continental tatsächlich auf “tal” landen und nicht auf “tinen”. Kann man einer lokal kolorierten Zeitung wirklich nachsehen.

Aber man wollte es offenbar hart und ohne Kompromisse. Sehr hart. Wir müssen alle jetzt sehr, sehr tapfer sein und zusammenrücken.

Ich habe dich gewarnt!

Exorbitant gruselig ist nämlich das, was nun das Printorgan - die Multimediatechnik macht es möglich, dass Videokameras erschwinglich sind - an Videomaterial als “PZNews-TV” ins Netz stellt: Idyllische Impressionen vom Wildpark, ein tontechnisch ziemlich misslungener Versuch, der Eisbärengeburtsmania etwas entgegenzusetzen, Frühstücksbesuche eines Redakteurs, eine relativ peinliche Definition des Internets von Günther Oettinger, einen Marco und noch vieles mehr.

Das erinnert alles fatal schwer an den Katastrophenfernsehsender namens “TV-Baden”, der vor über zehn Jahren den Äther unsicher gemacht hat und via Satellit europaweit die kommunalpolitischen Gedanken so manchen Dorfbürgermeisters unters Volk brachte, badische Mundart inklusive. Die wackeren Jungs hatten damals gar nicht gemerkt, dass ihr vierstündiges Programm, das in einer Schleife den ganzen Tag gezeigt wurde, mit Nachrichten nur peripher zu tun hatte, sondern allerfeinste Satire war. Das hohe Engagement, das liebevolle Experimentieren und das hübsch verzierte Mikrofon bei “PZNews-TV” lässt befürchten, dass es nun einen würdigen Nachfolger gibt. Wirklich das erste Mal bin ich froh, dass in eine klassische Tageszeitung (noch) kein Video integriert werden kann.

Was bleibt zu sagen in der Sprachlosigkeit gegenüber diesen fernsehjournalistischen Juwelen? Sollte man klassischen Zeitungsredakteuren das Fernsehmachen ohne Waffenschein verbieten? Sollte die Verpflichtung zur Prüfung der Jugendschutzes nicht auch auf Fernsehambitionen klassischer Zeitungshäuser erweitert werden? Gibt es als Startgeschenk für das Online-Abo wenigstens ein komfortables Gummiband zum Befestigen der Kinnlade, damit diese vor Staunen gegenüber der Entsetzlichkeit nicht ständig aufklappt?

Ich weiß es nicht, sondern belasse es mit einem Einsteigertipp von mir Kameramannveteran an den “PZNews-TV”-Kameramann: Wenn man einen Camcorder mit elektronischem Verwackelungsschutz auf ein Stativ schnallt, schaltet man den Verwackelungsschutz ab.

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SPIEGEL-Archiv goes (kostenlos) online (too).

Mittwoch, den 13. Februar 2008

Hat überraschenderweise nur vier Wochen gedauert, bis nach der Münchner Konkurrenz nun auch der SPIEGEL sein bisher kostenpflichtiges, online zugängliches Archiv öffnet, dafür aber kommen die Hanseaten gewaltig. Bescheiden, wie man nun mal ist, wird das kostenlose Archiv in das Angebot “SPIEGEL WISSEN” gepackt, mit dem gleichzeitig auch zum Beispiel in der Wikipedia gesucht werden kann. Als ob der SPIEGEL-Online-Leser die Wikipedia nicht kennen würde.

Unter wissen.spiegel.de wird aber gewaltiges geboten: Das gesamte Archiv des Nachrichtenmagazins von 1947 an, alle Artikel von SPIEGEL Online und manager-magazin.de. Im Gegensatz zum FOCUS ist das nun wirklich ein Stück deutsche Zeitgeschichte und ein wirklicher Mehrwert für das Internet.

Ich habe das Archiv gerade mal etwas gegengetestet mit einer alten SPIEGEL-Archiv-DVD und tatsächlich ist das Archiv “scharf”. Macht Spass. Glückwunsch, ihr wackeren SPIEGEL-Redakteure!

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FOCUS-Archiv nun kostenlos im Netz.

Dienstag, den 15. Januar 2008

Auch wenn ich eingefleischter SPIEGEL-Abonnent bin und der FOCUS eine Mischung aus Nachrichten, Boulevard und Coitus Interruptus ist - eines muss man den Kollegen aus München lassen: Sie haben heute einen Coup vom Stapel gelassen und das gesamte FOCUS-Archiv kostenlos ins Netz gestellt. Von 1993 bis jeweils zur vorvorletzten Ausgabe sind alle Texte online verfügbar und darin suchbar. Fotos gibt es (vermutlich aus Gründen der Rechte) keine, aber der Text allein tut es ja auch. Wow.

Bei den geschätzten Kollegen aus Hamburg gibt es zwar auch ein Archiv bis 1947 zurück, da kostet jedoch ein Flatrate-Zugang 36,40 Euro im Jahr. Allerdings nicht ganz so richtige Flatrate, denn “nur” die ersten 100 heruntergeladenen Artikel pro Monat sind darin inbegriffen, danach kostet jeder weitere Artikel 50 Cent.

Ich bin mal gespannt, ob der SPIEGEL sich da nun inspirieren lässt.

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PAL und NTSC und die Tücken der Konvertierung.

Sonntag, den 30. Dezember 2007

Ich schaue mir gerade die Aufzeichnung im ZDF an, in dem der Cirque du Soleil “Kà” aufführt. Schon ein gigantisches, farbenfrohes und regelrecht sportliches Werk. So gigantisch, dass ich altes Technik-Häschen fast ein paar fernsehtechnische Dinge übersehen hätte. Denn obwohl die Aufzeichnung offensichtlich in den USA gemacht und dabei offenkundig Studioequipment mit mehreren Kameras eingesetzt wurde, wurde die Aufzeichnung offenkundig in PAL vorgenommen. Das ist bemerkenswert.

Dazu muss man wissen, dass in den USA für analoges Fernsehen traditionell NTSC eingesetzt wird. NTSC arbeitet mit weniger Bildzeilen (was NTSC-Bilder in PAL umgewandelt verwaschen darstellt, man sieht das beispielsweise sehr gut bei CNN) und vor allem mit einer anderen Bildzahl, nämlich mit 30 Vollbildern (bzw. 60 Halbbildern) pro Sekunde, während PAL mit 25 Vollbildern (bzw. 50 Halbbildern) arbeitet. Und genau daran kann man in PAL konvertierte NTSC-Aufnahmen auch erkennen, denn Schwenks sind da nicht mehr flüssig, sondern leicht abgehackt, was schlicht daran liegt, dass aufwendig die Information, die aus 60 NTSC-Halbbildern pro Sekunde daherkommt, in 50 PAL-Halbbilder gepackt werden muss.

Mit früherer Analogtechnik war diese Konvertierung eine mittlere Bildkatastrophe und ein regelrechter Unterhaltungskiller. Darunter litten vor allem Sportveranstaltungen wie Olympische Spiele oder auch die Fußballweltmeisterschaft 1994 aus den USA. Einzelne Spieler hatten rechts und links ihre eigenen Schatten, fliegende Bälle waren keine Bälle, sondern Linien mit Artefakten. Aber auch amerikanische Fernsehserien hatten diese charakteristischen Mängel. Charakteristisch deshalb, weil wir Europäer solche Serien eben nur in “Schlecht” kennen. Sehr auffällig sind da alte Comedy-Studioproduktionen wie bzw. die Bill-Cosby-Show, deren frühe Folgen zusätzlich auch noch sehr darunter leiden, dass die Kameras mit Röhren, anstatt mit CCD-Chips arbeiteten). Der einzige Trost ist, dass amerikanische Zuschauer ähnliche Übelkeit mit konvertierten PAL-Bildern erleiden.

Dazu kommt noch so eine Spezialität: Normaler Kinofilm arbeitet mit 24 Bildern pro Sekunde. Das übrigens deshalb, weil ab 24 Bildern pro Sekunde das menschliche Auge anfängt, einen flüssigen Film zu sehen und keine Einzelbilder mehr. Nun sind zwar 24 Bilder pro Sekunde schön für den sparsamen Filmproduzenten, allerdings eher unschön für den Fernsehsender, der das natürlich alles in seine Fernsehnorm mit 25 bzw. 30 Bildern pressen muss.

Wir Europäer haben es da relativ einfach, denn wir nehmen fürs Fernsehen den Kinofilm und spielen den, man glaubt es kaum, einfach einen Tick schneller ab, damit wir 25 Bilder pro Sekunde sehen. Damit ist die Filmzeit am Ende tatsächlich ein paar Minuten kürzer, als im Kino und die Stimmen im Film auch wirklich einen Tick höher. Fernsehproduktionen, die auf Film mit 24 Bildern gedreht wurden, sehen deshalb bei uns in Europa “schön” aus. Man denke hierbei an praktisch alles, was vor den Siebzigern in den USA für das Fernsehen (eben in 24 Bildern) produziert wurde.

Für reine Fernsehproduktionen, die auf Film gedreht werden, geht man allerdings seit einigen Jahrzehnten den Weg des Konsumenten, dreht also den Film nicht mehr mit 24 Bildern, sondern mit 25 bzw. 30 Bildern. Das ist dann besonders perfide, denn damit wird die Produktion eigentlich auf “gutem” Material gedreht - kinematografischen Film kann man problemlos in jede Fernsehnorm ausspielen, selbst auf zukünftige - allerdings sticht dann doch schon wieder die Bildzahl jeden gewonnenen Qualitätstrumpf wieder aus. Daran leiden moderne Serien wie z.B. Star Trek Next Generation. Hier wurde auf Film mit 30 Bildern pro Sekunde gedreht und schon sehen wir Europäer das Ding verwaschen.

Allerdings, muss man einschwenken, geht das noch einigermaßen in Ordnung, denn wenn das Originalmaterial auf Film gedreht wurde, hat man in Zeiten der Digitaltechnik (und das ist tatsächlich erst seit wenigen Jahren möglich) die Chance, das nochmal neu zu konvertieren und den Kollegen Computer für die Bildzahlkorrektur einzusetzen. Das passiert heutzutage schon derart gut, dass man eine Konvertierung zwischen Fernsehnormen mit ungeschultem Auge praktisch nicht mehr sieht.

Mit geschultem Auge allerdings sofort, weshalb es mir eben aufgefallen ist, dass das ZDF das Ding in Las Vegas höchstwahrscheinlich mit PAL-Equipment aufgezeichnet hat und das vor allem deshalb bemerkenswert ist, weil größeres PAL-Equipment für Aufnahmen in den USA grundsätzlich immer von zu Hause mitgebracht werden muss. Sowas gibt es da selbst im Profibereich nur in homöopathischen Dosen zu kaufen oder auszuleihen. Und mal eben schnell eine Kamera von NTSC auf PAL umschalten ist nicht.

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