Das kommunikative Schwarze Loch in der Kommunalpolitik.

Vor ziemlich genau acht Jahren hatte ich das erste Mal ein Weblog für einen Wahlkampf genutzt. Nun waren auch schon Ende 2008 Weblogs keine echte Besonderheit mehr, allerdings waren sie immer noch eine eher spezielle Kommunikation vor allem außerhalb des Privaten. Weblogs, in denen viele Menschen professionell schreiben, ob nun aus einem Unternehmen heraus oder aus einer Partei bzw. einem Wahlkampf.

Seitdem hat sich viel verändert, das Web ist um glatt eine Altersgeneration weiter gegangen. Viele Fragen von früher sind drängender, als je zuvor. In der politischen Kommunikation ist eine der zentralsten Fragen die geworden, wie wir eigentlich Bürgerinnen und Wähler noch erreichen können? In den vergangenen acht Jahren hat z.B. eine hier verbreitete Tageszeitung glatte 15 % ihrer Auflage eingebüßt. Man muss mit Schrecken konstatieren, dass eine jüngere Generation über klassische Medien auf kommunaler Ebene kaum noch zu erreichen sind. Verschlimmert wird dies durch mehr oder weniger stümperhafte Online-Strategien von regionalen Tageszeitungen, aber das ist ein eigenes, sehr hitziges Thema. Nur kurz angesprochen: Es geht hier bei vielen regionalen Tageszeitungen um das nackte Überleben.

Kommunale Politik darf daher nicht mehr darauf hoffen, dass regionale Tageszeitung das kommunikative Schwarze Loch, was hier durch immer weniger Zeitungsleser entstanden ist und jeden Tag wächst, das nochmal in den Griff bekommen.

Kommunalpolitik auf den Weg in den Blindflug.

Kommunalpolitik lebt in enger Symbiose mit regionaler Tagespresse. Ein Lokalteil kommt ohne Nachrichten aus der Kommunalpolitik nicht aus und Kommunalpolitik empfängt einen beträchtlichen Teil ihrer Stimmungsanalyse aus der Regionalpresse. So läuft es seit Jahrzehnten. Der Versuch der letzten Jahre, auch in der Kommunalpolitik das Web einzusetzen, kommt in den meisten Fällen nicht über Experimente heraus. Das hat mehrere Gründe:

  1. Es fehlt an Manpower und an Geld. PR und Pressearbeit kostet eine Menge Geld. Kommunale Politiker und Parteienarbeit können diese Kosten schon lange nicht mehr allein stemmen und selbst in größeren Kommunen sind die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit auf Kante genäht. Für Talente sind die Verdienstmöglichkeiten vergleichsweise zu Jobs in der Privatwirtschaft mickrig und eine enge Personaldecke führt zu einer hohen Arbeitsbelastung. Ist die Öffentlichkeitsarbeit überlastet, leidet darunter sofort der Output.
  2. Viel herausfordernder ist die Maßgabe einer Kommune, dass sie ja eigentlich nur berichten, aber keinesfalls journalistisch tätig sein soll. Kommentare und Einordungen bewegen sich immer in einem Strömungsfeld zwischen dem Gebot der neutralen Haltung und politischen Diskussionen. Und dann darf man immer noch nicht einer unabhängigen Presse das Meinungswasser abgraben.

So weit, so schlecht. Denn tatsächlich ist das langsame Wegsterben der Regionalpresse ein gefährliches Problem bei der ewigen Aufgabe der Demokratie, Politik dem Bürger zu erklären und rechtzufertigen. Es einem politisch interessierten Bürger voraussetzen, eine regionale Tageszeitung zu lesen, mag vor Jahren noch argumentativ funktioniert haben, aber wir leben mit der Bedrohung, dass es in wenigen Jahren keine adäquaten regionalen Tageszeitungen für diese Aufgabe mehr gibt.

Alternativen? Bitte anschnallen.

Diskussionen wandern zu Facebook ab und werden da nicht besser.

Ich muss inzwischen nicht mehr sehr viel erklären, wenn ich über die Diskussionskultur in Social Networks und insbesondere auf Facebook zu sprechen komme. Es ist schlimm. Und es wird schlimmer. Es liegt gar nicht so sehr daran, dass es im Internet radikale Strömungen gibt, sondern eher daran, dass viele Nutzer die fundamentalen Regeln der Netiquette nicht kennen oder nicht sonderlich viel darauf geben.

Das zentrale Mantra, dass man sich in einer Online-Kommunikation immer bewusst sein sollte, dass hinter dem Bildschirm möglicherweise viele tausend Menschen ebenso vor ihren Bildschirmen sitzen und man diese Leute mit wenigen Worten verärgern und verletzen kann, beschädigt und verhärtet die Diskussionskultur der gesamten Gesellschaft. Befeuert wird dies durch unfähige Betreiber von Social Networks und auch durch unfähige Administratoren von Diskussionsforen.

Kommt zu einer „burschikosen“ Diskussionskultur nun noch eine allgemeine Ahnungslosigkeit über den zu diskutierenden Inhalt dazu, erwachsen mitunter gewaltige Diskussionsstränge. Allerdings mit dem Phänomen, dass sie umso größer werden, je inhaltsloser sie sind. Es hat in regional ausgerichteten Gruppen eine immer größere Anzahl von Diskutanten schlicht und einfach keine Ahnung darüber, was politisch auf kommunaler Ebene überhaupt angesagt ist. Geschweige denn, welche Vor- und Nachteile bestimmte Projekte haben oder warum zum Beispiel die Straßen einer Stadt gefühlt ständig eine einzige Baustelle sind. (Weil man eben immer irgendwo bauen muss und nicht alle Straßen gleichzeitig repariert werden können.)

Wir lachen an dieser Stelle? Sollten wir nicht. Gar nicht.

Politikverdrossenheit durch den Zusammenbruch des Kommunikationskanal zwischen Staat und Bürger.

Der Titel sagt es. Es ist keine kommende Gefahr mehr, sondern es ist schon längst soweit. Das Podcast-Angebot der Bundeskanzlerin und vieler Minister, deren Social-Media-Angebote und Newsletter sind schon längst keine technischen Besonderheiten mehr, sondern sollen das retten, was durch wegfaulende Medienkanäle entsteht – der Bruch des Kommunikationskanals zwischen Staat und Bürger.

Dieser Bruch schneidet Bürger von für sie wichtigen Informationen ab und – noch schlimmer – schafft Raum für Pseudo-Medien, die nichts anderes im Schilde führen, wie Polemik zu verbreiten, ohne jeglichen Sinn für Realität. Wir schmunzeln über die Breitbart News, Politically Incorrect und wie die ganzen Ferkel-Websites alle heißen. Aber im Grunde genommen füllen sie mit billigstem Füllstoff einen immer stärker kariösen Zahn. Und weil dieser Füllstoff aus verkleidetem Zucker ist, wird der Zahn nicht gefüllt, sondern immer stärker zerstört.

Das Sickerbecken der Entwicklung: Bürgerkommentare.

Wer sich die Entwicklung live anschauen will, sollte sich einmal mit einem Politiker unterhalten, egal ob auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene, alternativ auch mit einem Online-Verantwortlichen einer Kommune oder einer Partei. Nämlich über Kommentare aus der Bürgerschaft, vornehmlich via E-Mail oder Social Media.

Ich bin ja nun schon seit 20 Jahren online und kenne mich auch mit eskalierenden Diskussionen in Foren und Shitstorms recht gut aus. Auch die Theorien einer funktionalen Krisenkommunikation sind mir nicht fremd. Allerdings ist es selbst für mich immer wieder erstaunlich und erschreckend zu sehen, wie enthemmt inzwischen viele Menschen gegenüber Politik, Ämtern und Behörden auftreten und ihre Dummheit und Wut zur Schau stellen. Nicht nur online, sondern immer häufiger auch persönlich. Das Vertrauen in den Staat sind partiell dramatisch. Einerseits meckert kaum jemand darüber, dass der Müll nicht pünktlich abgeholt würde, aber gleichzeitig wird der Kommune vorgeworfen, nichts mehr im Griff zu haben. In Städten, die nicht ansatzweise ein Verkehrsproblem haben, wird jede Rush-Hour im Gefühl des besorgten Bürgers zum Mega-GAU. Viele hunderte Seiten dicke Haushaltspläne, an denen viele Finanzfachleute in einer Kommune üblicherweise monatelang arbeiten, werden in Diskussionen als Zeugnis wahrer Inkompetenz angesehen.

Nichts von all dem beschriebenen kann man nur auf eine Kommune beschränken. Wenn ich mit Bekannten rede, die überall im Land kommunal tätig sind, hört man exakt die gleichen Stimmungslagen in Verwaltungen, obwohl wir gerade in Deutschland in geradezu paradisischen Verhältnissen leben. Niemand muss verhungern, jeder kann zum Arzt, wir leben auch nach wie vor in keinem Willkürstaat.

Eine Kommunikationskultur unter aller Sau, die jetzt dann durch die obigen Punkte der Verdrossenheit und Ahnungslosigkeit noch zusätzliche Verstärker bekommt. Das führt weiter zu Leuten, die überzeugt sind, es besser zu können. Willkommen beim Dunning-Kruger-Effekt.

Wenn Inkompetenz auf Selbstüberschätzung trifft.

Der Dunning-Kruger-Effekt ist recht einfach zu erklären: Weniger kompetente Menschen neigen dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen, Fähigkeiten bei Anderen zu unterschätzen und das Ausmaß ihrer eigenen Inkompetenz nicht zu erkennen. Mit der Variabilität, dass sie, je inkompetenter sie sind, das Ausmaß des Effekts umso stärker ist.

Landauf-landab erleben viele Wahlkämpfe, vor allem auf kommunaler Ebene, eine Vielzahl von Kandidaturen von Kandidaten, deren Kompetenz und selbst ihre Motivation kaum nachzuvollziehen ist. Man könnte sie als Spaßkandidaten abhandeln, aber tatsächlich meinen viele dieser Kandidaten es ernst mit ihrer Kandidatur und sehen sich auch gar nicht als sarkastische Kandidaten, auch wenn ihre feste Haltung die ist, dass sie eigentlich nichts wissen und der Meinung sind, auch nichts verändern zu können. Da sie aber offenkundig unter dem Eindruck stehen, in ihren Beziehungsnetzwerken für die scheinbar gegensätzliche Haltung zum Mainstream eine vermeintlich positive Resonanz zu bekommen, beflügelt allein dieses Echo.

Inkompetenz beflügelt durch Ahnungslosigkeit, Ignoranz und der Müdigkeit, sich adäquat zu informieren. Dann noch eine große Prise Politikverdrossenheit und geringe Wahlbeteiligung dazu und schon kommt das Schiff ins Schlingern.

Ein Rant zu Imagefilmen.

So ein paar Sachen hat mir das ZDF in meiner doch verhältnismäßig kurzen Zeit beim Fernsehen vermittelt. Eine gelernte Regel ist dabei so universell, dass ich sie quasi jeden Tag als Probe anwende, egal ob in Texten, Blogartikeln oder kleinen Filmen:

Wenn du etwas zu erzählen hast, dann erzähle es. Wenn es keine spannende Geschichte ist, dann hast du nichts zu erzählen.

Es herrscht wohl absoluter Konsens darüber, dass Fernsehen nur dann gut funktioniert, wenn es Geschichten erzählt. Das können vergangene Geschichten sein, aber natürlich auch gerade live passierende, wie beispielsweise Sportübertragungen. Packend wird es dann, wenn es eben eine spannende Geschichte ist beziehungsweise wird und dann bleibt so eine Geschichte am ehesten auch im Kopf. Alles andere ist buchstäblich Durchfall.

Damit so eine Geschichte erzählt werden kann, ist natürlich einiges an Arbeit nötig. Fernsehen muss man technisch produzieren und dazu braucht es gewisse Technik. Gerade bei Bewegtbild werden mehrere Sinne angesprochen und das muss in einem komplizierten Gleichklang (den übrigens niemand wirklich gut beschreiben kann) geschehen. Über der technischen Produktion thront das Drehbuch (selbst für Events, die live produziert werden) und das Fingerspitzengefühl der Regie. Und am ehesten dann kommt am Ende auch ein technisch gut produziertes, dramaturgisch stimmiges und vor allem spannendes Werk heraus.

Das sind in unserer heutigen Zeit produzierte Imagefilme von Unternehmen in der Regel nicht mehr. Und das, obwohl sie immer noch eine schöne Stange Geld kosten, es deutlich erschwinglichere Technik gibt und es auch viel mehr Kurse, Studiengänge und Bücher über Bewegtbildgestaltung gibt, also noch vor 20 Jahren.

Der konzeptlose Film.

Das sind meist die Imagefilme, die ohne Drehbuch beginnen und bei denen es den Filmemachern am Gespür fehlt, die richtigen Bilder auszuwählen. Beides ist schon für sich gesehen schlimm genug, aber was bei so Konzeptlosigkeit entsteht, ist Panik beim Filmemacher, keinen Beitrag zusammenzubekommen.

Und dann beginnt man, den Kunden die Regie führen zu lassen über das, was der Kunde für wichtig und spannend hält. Und dann wird es meist schlimm, denn es folgen dann gern Monologe über Produktionsabläufe, Unternehmensleitlinien und Referenzen, die untermalt werden mit Naheinstellungen von undefinierbaren Produktionsprozessen, wackeligen Schwenks über schlecht ausgeleuchtete Fabrikhallen, Büroräumen und Messeständen. Kein Drehbuch, keine Erzählung und damit auch keine spannende Geschichte. Geld versenkt. Ein Film, der maximal als Hintergrundmotiv für den nächsten Messeauftritt taugt und auch da nur stummgeschaltet, weil ihn keiner versteht.

Die Droge der mächtigen Bilder.

Die nächste Kategorie von Imagefilmen ist am anderen Ende der Skala. Schmissige, hochdramatische Musik, hollywood-reife, nachstabilisierte Aufnahmen aus der Hand, der komplette Mut des Aufnahmeteams verewigt in monumentalen Bildern (sehr gern aus der Schräge heraus), später im Schnitt dann mit Überblendungen aneinandergefügt, die jeden altgedienten Fotolaboranten Wochen an Arbeit gekostet hätten. Und schließlich der brutalstmögliche Sprechertext mit allen schnellgesprochenen Rekorden, die die Unternehmensgeschichte hergibt, eingesprochen von einem Sprecher, der zwar kein Profi ist, aber von sich selbst glaubt, wie ein Profi zu sprechen.

Das Ergebnis ist ein Imagefilm, der am Ende nur dem Auftraggeber wirklich gut gefällt und schon bei den Kollegen die erste Fremdscham auslöst, die um ein Vielfaches bei allen empfunden werden, die eben nicht bei diesem Unternehmen arbeiten und kein Anhimmeln nötig haben.

Imagefilme bedeuten Leistungsschau, nicht deren Produktion.

Medienleute haben ein sehr, sehr gutes Gespür dafür, ob eine Produktion funktioniert oder nicht, in dem sie das Level des „Produktions-Gegackers“ einschätzen können. Macht sich einer Gedanken über Geschichte oder Bilder oder zieht da einer sein schickes Portfolio aus der Tasche? Sammelt einer bei der Begehung still Bilder und Eindrücke oder schwenkt er schon mit seiner teuren Elektronik? Entwickelt jemand eine Dramaturgie und kann den Imagefilm schon vor dem Dreh erzählen (was mit einem Drehbuch kein Problem sein darf), oder will einer erst mal drehen und dann mal schauen, ob er etwas zusammengepuzzelt bekommt?

Das Gegacker in der Medienbranche ist bisweilen schwer verständlich (und für Kenner auch schwer erträglich) und es sind in den allerseltensten Fällen die lauten Hähne und Hühner, die tatsächlich sinnvolle Arbeit abliefern. Es gibt kaum eine andere Ausdrucksform wie Bewegtbild, in der man trotz bester Technik die schrecklichsten Dinge anstellen kann und der Grat zwischen Überlegenheit und Peinlichkeit ist verdammt eng. So eng, dass eher mehr Medienschaffende bei vielen Darstellungsformen kläglich daran scheitern, als wirklich gute Werke zu produzieren.

Auf was soll man denn achten?

Also, sehr einfach und klar beginnt es mit der Frage: Braucht es überhaupt einen Imagefilm? Braucht die kleine Schreinerei tatsächlich einen 3-Minüter für die eigene Homepage, die im Monat kaum mehr als 10 Besucher aufweist?

Wenn Sie einen Imagefilm haben möchten, dann sollten Sie schon vor dem Einholen des ersten Angebotes im Klaren darüber sein, wo der Film überhaupt eingesetzt werden soll und ob das überhaupt stimmig ist. Wenn Sie erst einmal ein Angebot einer Produktion vorliegen haben, ist das fast schon zu spät, denn nur die wenigstens Filmproduktionen werden Ihnen davon abraten, ihr Angebot nicht anzunehmen.

Wenn Ihnen Ihre Werbeagentur einen Imagefilm empfiehlt, dann sollten Sie das erst recht hinterfragen, denn immerhin muss die Werbeagentur auch die Antwort dazu liefern, wie sie sich den Imagefilm in Ihrem Auftreten beziehungsweise Ihrer Kampagne vorstellt. Und wenn Sie mutig sind, können sie ruhig auch einmal fragen, ob und in welcher Beziehung Werbeagentur und vorgeschlagene Filmproduktion miteinander stehen. Sie zahlen den Spaß der beiden Freunde immerhin.

Der nächste Schritt ist ein ausführliches Briefing mit jemandem, der so etwas wie eine Dramaturgie für den Imagefilm liefern soll und damit die Aufgabe hat, ein Drehbuch zu schreiben. Diese Vorarbeit ist die wichtigste Phase, denn erst hier findet der Autor des Drehbuches die Möglichkeit, sich mit dem Unternehmen, den Leuten und den Produkten auseinandersetzen zu können. Wenn Ihnen so ein Autor beim Briefing leicht auf die Nerven geht mit seinen Fragen, andauernd stehenbleibt, mit Menschen spricht und auch Ihnen mitunter sehr grundsätzliche Fragen zu Ihrer Motivation stellt, dann macht er seinen Job.

Grundregel: Kein Imagefilm und keine finale Produktionsfreigabe ohne ein vorab geschriebenes und detailiertes Drehbuch! Üblicherweise findet sich in so einem Drehbuch eine auf einem Zeitstrahl festgelegte Skizze mit Einstellungen, Motiven und Interviews inklusive einem Fragenkatalog. Auch der später einzusprechende Text findet sich hier schon in einer Rohfassung, der natürlich zeitlich mit der Länge des Filmes abgestimmt sein muss. Der Autor sollte Ihnen das Drehbuch erklären und auch die dramaturgischen und filmischen Stilmittel erläutern, die er darin vorgesehen hat. Das macht man gegenüber Laien üblicherweise mit Skizzen, Fotos oder einzelnen Filmsequenzen.

Das fertige Drehbuch ist der Dreh- und Angelpunkt der Produktion, denn damit können Sie als Auftraggeber überhaupt Einfluss nehmen auf die Produktion. Sie geben das Drehbuch frei und dann muss entsprechend danach produziert werden. Es ist übrigens kein Fehler, ein Drehbuch auch Mitarbeitern und Freunden zu zeigen und darüber zu sprechen. Noch mehr Sichtweisen bringen möglicherweise weitere Ideen, die von Ihnen übersehen wurden.

Und auch die Stimme des Sprechers, der den Text in Ihrem Imagefilm sprechen soll, sollte jetzt gehört werden. Das bitte nicht unbedingt in einem persönlichen Gespräch, sondern in Form eines tatsächlich eingesprochenen und aufgenommenen Textes. Es gibt viele Sprecher, die unglaublich unsympathisch wirken, aber brillante Spreche sind. Umgekehrt geht das übrigens auch …

Nach der Aufnahme von Bildern und Tönen wird dann als nächstes üblicherweise eine Rohschnittfassung erstellt, die wiederum einen Meilenstein des Filmes darstellt. Hier wird Ihnen die Produktion schon eine recht genaue Vorschau auf den fertigen Film geben können. Üblicherweise gibt es hier und da Diskussionsbedarf über einzelne Szenen, was aber im Rohschnitt kein sehr großes Problem darstellt, weil hier noch an Bildern und Abfolgen gearbeitet werden kann. Selbst das Nachdrehen von Interviews oder einzelnen Einstellungen ist hier noch mit wenig Aufwand möglich. Machen Sie davon auch Gebrauch, wenn Sie das Gefühl haben, dass z.B. ein Interview nicht sehr gelungen scheint.

Ist die Rohschnittfassung abgesegnet (schriftlich festhalten!), beginnt die Endfertigung. Der fertige Bildschnitt wird erstellt, der Ton wird abgemischt und der Sprechertext wird eingesprochen. Ab der Abnahme der Rohschnittfassung sind daher größere Änderungen im Ablauf nur noch mit großem Aufwand zu machen, weshalb eine gute Filmproduktion auf eine Abnahme der Rohschnittfassung üblicherweise auch bestehen wird.

Sorry, geht das alles auch eine Nummer kleiner?

Jaja, wir sind nicht Hollywood, das hört man sehr oft, wenn ein Imagefilm peinlich, eine Erzählung zu platt, eine Produktion zu unfähig oder das Budget einfach zu klein ist. Natürlich geht es auch kleiner und wenn man eine gute Produktionsfirma am Start hat, dann klappt das manchmal sogar trotzdem noch irgendwie.

Viel öfter ist aber das genaue Gegenteil der Fall und der fertige Imagefilm verfehlt seine Wirkung dramatisch. Denken Sie dabei einfach immer an den Teil der Kinowerbung, der die Werbespots von lokalen Unternehmen enthält. Auch da haben einige gemeint, dass es auch eine Nummer kleiner gehen wird.

Das Ende des Berufsbildes des Kameramannes.

Einen wunderbar klaren Artikel hat kürzlich mein Lieblingskameramann Peter in Facebook geteilt. Erschienen ist der Artikel in der Fachzeitschrift „Kameramann“ (ja, die gibt es) und es ist eine Geschichte darüber, warum der Kameramann Stefan Nowak nach 20 Jahren seinen Job aufgegeben hat und nun in der Baubranche tätig ist. So ein Branchenwechsel ist eine echte Ansage und tatsächlich erklärt dieser schöne Artikel über eine inzwischen sehr unschön gewordene Branche alles. Bitte einfach mal in Ruhe lesen: Kameramann – Das Ende einer Leidenschaft

Nun ist es so, dass der Berufswunsch in meiner halben Kindheit die des Kameramannes war. Die Faszination, für das Fernsehen in die Welt zu ziehen und Reportagen da zu drehen, wo es wehtut. Die schrecklichen Da-Nang-Filme über Auswirkungen des Vietnamkrieges waren mitunter ein Auslöser, mindestens ebenso eindringliche Filme zu produzieren und interessanterweise durfte ich mit dem damaligen Kameramann der Da-Nang-Filme sogar eine Weile zusammenarbeiten, wenn auch im normalen Fernsehbetrieb und nicht tief in irgendeiner Wildnis.

Dass es mich nicht erst nach 20 Jahren aus der Fernsehwelt herauszog, sondern schon nach drei intensiven, lag daran, dass 1998 der Internet-Boom begann und ich einen Branchenwechsel verhältnismäßig einfach durchziehen konnte, auch wenn ich noch eine ganze Weile lang mit dem Jobwechsel zahnte. Wenn ich aber den Kameramann-Artikel lese, finde ich da die exakt gleichen Gründe, die mich 1998 zum Auszug aus der Fernsehwelt bewogen. Ich war sicherlich nicht der beste Kameraassistent der Welt, aber es lag mir sehr, auf freier Wildbahn in der Pampa mit minimalster Technik noch das beste herauskurbeln zu müssen und nicht wenige meiner Kamerakollegen bedauerten meinen Weggang. Nicht mit dem Unterton, dass man sich daran wohl gewöhnen müsse.

Schon damals begann der Trend, immer mehr Fernsehproduktionen aus den Sendeanstalten herauszubefördern und lieber von externen Produktionsfirmen zu ganz anderen Preisen durchführen zu lassen. Mit der Folge, dass für die sendereigenen Kamerateams immer weniger spannende und aufwendige Produktionen blieben. Ein weiterer Effekt war der Wandel vom Zwei-Mann-Kamerateam zum einzelnen Kameramann, heutzutage sogar ganz herunterdividiert auf den „Videojournalisten“, der alles macht: Redaktion, Kamera, Ton. Das reicht vielleicht für einen Einspieler, aber eine Reportage bekommt man so nicht mehr hin.

Zu meiner Zeit fing es 1998 beim ZDF an, die übliche Tagesgage für freie Mitarbeiter auf eine Halbtagesgage zu kürzen, wenn der Einsatz kürzer als vier Stunden dauerte. Die offizielle Argumentation war, dass man bei so kurzen Einsätzen noch genügend Chancen hätte, einen anderen Job für den Tag zu bekommen. Aber natürlich war das nichts anderes als argumentativer Weichspüler von Controllern. Wenn du vormittags auf dem Lerchenberg als Kameraassistent unterwegs bist, findest du nicht passend um 14 Uhr den nächsten Job bei einem anderen Sender und schon gar nicht in einem Umkreis von unter einer Stunde Anfahrt. Und versäumst du im Gegenzug einen Auftrag beim ZDF, weil du woanders unterwegs bist, kann es das dann für Tage oder Wochen gewesen sein.

Sprich: Schon 1998 war beim ZDF für freie Mitarbeiter im Bereich Kamera (und in vielen anderen technischen Bereichen) weitgehend Schicht im Schacht, wenn man nicht hart auf einen Zeitvertrag und eine der schon damals weniger werdenden Planstellen arbeitete, nebenbei aber zwingend Geld verdienen musste. Schon damals geriet der Job des Kameramannes und der Vorstufe Kameraassistent zu einem Job für richtig krasse Typen, den Jungs und Mädchen, die die Ehre hatten, Sendernachwuchs zu sein oder für die Leute, die genügend Schotter hatten, sich das Hobby Kameramann zu leisten.

Das war schon damals bedrückend, das mit anzusehen und es hat sich in den 20 Jahren danach alles noch viel schlimmer entwickelt. Ich kenne eine Reihe von ehemaligen Assistentenkollegen, die heute nicht mehr beim Fernsehen arbeiten. Keiner hat den Job gelassen, weil es ihm nicht Spaß gemacht hätte oder es nicht die eigentliche Berufung war. Sondern Fernsehen ist schlicht kaputt. Es ist inhaltlich nicht mehr als ein Schatten dessen, was es noch vor 20, 30 Jahren war und ist in Sachen Produktion und Kreativität ausgelutscht und nur noch abhängig von einigen großen Produktionsfarmen und ganz wenigen wirklich kreativen und idealistischen Querdenkern, denen man aber auch nach erschreckend kurzer Zeit als Kenner in ihren Sendungen ansieht, wie sie ausgesaugt werden.

Es ist ein Dilemma.

Retweet in XXL.

Der sonntagvormittägliche Blick in den SPIEGEL der kommenden Woche ist ein gut abgehangenes Ritual, dankenswerter möglich durch die elektronische Version, die schon am Sonntagmorgen ab 8 Uhr herunterzuladen ist. Das wird sich ab nächstes Jahr übrigens soweit ändern, als dass der SPIEGEL nicht mehr montags, sondern schon samstags erscheint.

Anyway… letzten Sonntag war ich dann recht erstaunt, als mich auf der Seite 129 der SPIEGEL-Ausgabe 32/2014 niemand geringeres als ich selbst aus der Medienseite herausblickte, dem Facebook-Ausfall am 1. August und ein knarziges Zitat darüber sei Dank (Klick for Big):

Besim-Zitat im SPIEGEL 32/2014

Und auch wenn der SPIEGEL eine Millionenauflage hat – so ein „XXL-Retweet“ bringt außer 15 Minuten Ruhm nichts. Letzte Woche ist kein Follower hinzugekommen, zudem gehört der zitierte Tweet mit einem (echten) Retweet und zwei Favorites zum Gros der eher wenig aufgefallenen Tweets. Aber immerhin auch 2014 im SPIEGEL Spuren hinterlassen. 🙂

Neues von Golem. (Letzter Teil.)

Nach drei Tagen kam dann auf meine Mail doch noch eine Antwort des Golem.de-Redakteurs mit einem Versuch einer Art von Entschuldigung. Es gab „viele Neuerungen“, so dass sich viel geändert habe und man nicht hinterherkam mit dem Beantworten. Gut, so eine Art der Entschuldigung kann man versuchen. Man muss aber nicht, denn fast fünf Monate Antwortzeit kann man so eher nicht entschuldigen.

Das war dann aber auch schon egal, denn der zweite Absatz ist nochmal ein herbes Krönchen auf dem Krönchen:

Der Tamagotchi-Text müsste sehr aufwendig bearbeitet werden, deshalb
schlage ich vor, dass wir es dabei belassen. Es fehlt ein „roter
Faden“ und einige Informationen müssten durch neue ersetzt werden.
Wären Sie so lieb und würden mir noch einmal die anderen Vorschläge
zusenden?

Äh, nein. Ich bleibe dann lieber doch böse und habe mir, obwohl ich über diese Bitte sehr angewidert war, auch eine Rückantwort erspart. Es wird sich sicherlich ein anderer Blog-Depp finden lassen, der nach Ablehnung eines Textes, der eigentlich bestellt wurde, so bescheuert ist, einen weiteren Text auf Vorleistung einzusenden und dann vielleicht nochmal ein paar Monate darauf zu warten, dass er aus eher fadenscheinig wirkenden Gründen abgelehnt wird. Das kann mein Papierkorb besser und auch schneller, obwohl ich ihn nur alle drei Wochen leere.

“Der Herr Lanz, der Herr Lanz … kann’s nicht.”

Allzu merkwürdiges geht gerade vor. Drei Beobachtungen:

Beobachtung 1: Guter Freund des Hauses teilt mit, dass seine Kinder – einst große Wetten-dass-Zuschauer – schon vor einigen Tagen angekündigt haben, dass sie Samstag zur Primetime nicht das ZDF schauen möchten, sondern einen Spielfilm.

Beobachtung 2: Meine Mutter, sonst immer eine treue Zuschauerin von Wetten dass, hat von Anfang an nicht zugeschaut, sondern ein Buch gelesen und den Apparat meinem Vater überlassen.

Beobachtung 3: Eine Online-Petition, die eine Absetzung von Markus Lanz aufgrund seines fragwürdigen Interviews mit der Politikern Sahra Wagenknecht fordert, hat es just am Samstag geschafft, 200.000 Unterzeichner zu versammeln – und die Petition geht zu diesem Zeitpunkt noch lange 51 Tage lang.

Was ist da eigentlich los?

Ich habe mal vor langer Zeit über die Causa Lanz gebloggt. Das war nicht sehr prophetisch, aber eines hatte ich erwähnt: Dass es ein hartes Stück Arbeit für alle Beteiligten sein dürfte, das Engagement von Markus Lanz für Wetten dass zu einem Erfolg zu machen. Man darf konstatieren: Das Engagement ist weitgehend gescheitert.

Denn wenn man sich alle Kritik und Beobachtungen genau anschaut, wird mal relativ bald entdecken, dass Lanz kein moderierendes Ausnahmetalent ist, sondern ein unspektakulärer Moderationskartenreiter, übervorbereitet, aufgesetzt und bei gestellten Fragen nicht auf die Antwort, sondern auf das Stellen der nächsten Frage wartend. Das ist auch der Grund gewesen, warum es im vielzitierten Interview mit Sahra Wagenknecht gehörig gekracht hat, denn natürlich ist Sahra Wagenknecht mindestens genauso gewieft und hat Markus Lanz einfach hübsch auflaufen lassen. In seinem Drang, seinen schon lange im voraus gedengelten Interview-Strang von seiner Interviewpartnerin nicht zerreden zu lassen, hat sie schlicht geblockt und Lanz ist gegen die Mauer gelatscht.

Nun könnte man es so tun, wie die ZDF-Verantwortlichen, die sagen: Alles halb so schlimm! Nach x angeblich erfolgreichen Sendungen kann auch mal in Interview in die Hose gehen, kein Problem! Doch, es ist ein Problem, denn die Lanz’sche Art des Interviews ist andauernd diesselbe. Der Unterschied zwischen Sahra Wagenknecht und den meisten anderen Interviewpartner ist lediglich der, dass Wagenknecht sich nicht so lenken, steuern und abmoderieren lässt, wie der Rest der Kundschaft, die sich tagtäglich auf einen der Talkshow-Plätze einkauft, um dort Bücher, Sendungen, Meinungen und allerlei anderen Krempel zu promoten.

Markus Lanz ist ein fast ideales Produkt des modernen ZDF geworden: Teuer, klinisch sauber, manisch lächelnd, über-gelb warm ausgeleuchtet, inhaltsleer, mutlos, phantasielos. Dazu die institutionellen Eigenschaften des ZDF: Festgesetzt auf einige wenige Formate, ziellos bei Neuem, dazu die allseits bekannte Arroganz und Schnäuzigkeit. Show ist dann ZDF, wenn sie so durchfällt wie Fastfood und sich eine eigentümliche, wohlige Benommenheit wie nach zwei Glas nicht ganz so schlechtem Rotwein (oder Einnahme von Diazepam) breitmacht. Untrüglich das Kennzeichen danach: Man kann sich zwar an alles erinnern, aber man bringt die Kraft nicht auf, das zu tun, weil der Rausch schöner war, als der Auslöser.

Das Dilemma: Das Moderieren von Sendungen zum Zwecke des in den Schlaf narkotisieren von Talkgästen und Zuschauern ist – außerhalb des ZDF – keine echte Kernkompetenz zur Fernsehunterhaltung. Alles natürlich nicht wahr, so die ZDF-Verantwortlichen. Der Zuschauer honoriere nach wie vor die Leistung des ZDF und von Markus Lanz und nur die Leute im Internet seien die Miesepeter. Das ist sehr einfach dahergeplappert, aber schon die schieren Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Und das sind nicht die aktuell über 220.000 Unterzeichner der Online-Petition für einen Rausschmiss von Markus Lanz, sondern das sind die nackten Einschaltquoten von Wetten dass. Mit 6,31 Millionen Zuschauern letzten Samstag hat man gleich mehrere Latten gerissen. Die zuschauerschwächste Wetten-dass-Folge überhaupt und das erste Mal mit einem Marktanteil unter 20 %. Und eine weitere Schmach: Die ab 22:15 Uhr einsteigende Trashshow “Ich bin ein Star – holt mir hier raus!” auf RTL brachte schlappe zwei Millionen mehr Zuschauer vor den Schirm.

Man könnte noch viele Argumente zur Entschuldigung voranschieben … der Zeitgeist hat sich geändert, die klassische Familienunterhaltung funktioniere in Zeiten des Internets, Spielekonsolen, Pay-TV nicht mehr und was weiß ich noch alles. Das ändert jedoch alles nichts daran, dass Markus Lanz nur mittelmäßig aufregend moderiert und als Showmaster heillos überfordert wirkt. Und deshalb ist die Kritik am besagten Interview-Verschnitt mit Sahra Wagenknecht, an seiner eher seichten Talkshow und am gräßlichen Niedergang am einstigen Unterhaltungsflagschiff Wetten dass berechtigt.

Golem.de und seine Art, mit Bloggern umzugehen.

Im Juni letzten Jahres tönte die IT-Nachrichtenseite Golem.de mit einem recht interessanten Angebot an Blogger. Anstatt als Nachrichtenseite in das ewige Horn der „bösen Blogger“ zu blasen, wolle man Bloggern das Angebot machen, auch hin und wieder Artikel für Golem.de zu schreiben, mit eigenen Ansicht und vor allem gegen Geld und entsprechender Aufmerksamkeit. Faire Idee.

Dass ich auf den Aufruf reagierte, war nicht so davon geprägt, dass ich das Geld dazu dringend bräuchte, sondern mir gefiel das Angebot der Aufmerksamkeit. Die Reichweite von Golem.de ist eine ganz andere als die eines jeden Weblogs und die so herstellbare Link-Reputation ist ein gutes Geschäft auf Basis der Gegenseitigkeit. Also, eine Mail geschrieben und es kam auch recht bald eine freundliche Reaktion eines Redakteurs mit der Bitte, aus meinem Blog ein paar Links zu Artikeln zu schicken, die ich für besonders gelungen halte.

Das tat ich dann auch und es passierte auch erst einmal nichts. Nach zwei Monaten – Mitte August 2013 – fragte ich nochmal nach, was denn nun der Stand sei und es kam vom gleichen Redakteur die Antwort, man habe so viel zu tun, man fände aber das Blog sehr gut, einige Themen seien sicher auch für Golem.de-Leser interessant und ob ich nicht Interesse hätte, für Golem.de exklusiv einen Artikel zu schreiben. Falls ja, solle ich doch mal eine Themensammlung schicken, über die ich schreiben könne.

Auch über das Thema des Honorars wurde geschrieben, nämlich dass alles vor allem ein Versuch sei. Man wolle bei Veröffentlichung auf jeden Fall ein kleines Honorar zahlen und wolle dann, wenn ein Artikel besonders erfolgreich sei, auch durchaus noch etwas drauflegen. Wie gesagt, für mich aufgrund obiger Motivation okay.

Zwei Wochen später – Mitte September – habe ich dann eine Themensammlung übersendet, inklusive jeweils einem kleinen Exposé. Aus dieser Sammlung kam dann tatsächlich auch ein Artikelwunsch:

Hallo Herr Karadeniz, 

jetzt endlich eine Meldung von mir. Ich hatte Ihre Themenvorschläge
in unsere Redaktionsrunde eingebracht. Wir finden das Tamagotchi-
Thema spannend. Allerdings sollten Sie sich auf einen Aspekt in dem
Beitrag konzentrieren - das Tamagotchi als Wegbereiter des heutigen 
"Gadgetings". Welchen Einfluss hatte das Tamagotchi auf heutige
Apps für Smartphones, wäre eine mögliche Fragestellung, für die man
eine These entwickeln könnte. Was meinen Sie, trauen Sie sich das
zu? Kein einfaches Unterfangen, aber ein Artikel würde sehr gut
gelesen werden. 

Viele Grüße,

Gut, kein Problem. Herausgekommen ist nach gut einem halben Tag Arbeit ein Textentwurf mit 6.700 Zeichen und 1.000 Wörtern, also nichts ganz kleines und aus Weblog-Sicht schon ein Großartikel. Den habe ich dann am 30. September auch als Textentwurf deklariert eingesendet, ausdrücklich auch mit dem Hinweis, dass ich den Entwurf auch als Entwurf sehe und ihn so überarbeite, wie er ggf. gebraucht wird.

Die Reaktion von Redakteur und Golem.de war danach recht übersichtlich – es gab nämlich schlicht keine mehr. Weder kam eine Manöverkritik zum Artikel, noch wurde der Artikel veröffentlicht. Auf eine Anfrage einige Wochen später kam ebenso keine Antwort wie auf eine weitere Mail Anfang Januar, in der ich freundlich schrieb, dass ich davon ausgehe, dass am besagten Tamagotchi-Text ja mutmaßlich doch kein Interesse mehr bestünde, ich aber auch einige andere Themen einreichen könne zu meinem eBolide-Weblog. Ebenfalls null Reaktion.

Gestern nachmittag schrieb ich dann nochmal eine Mail an „artikel@golem.de“, die – so wie zu erwarten war – ebenfalls aktuell unbeantwortet ist:

Hallo, 

ich habe letztes Jahr als Blogger auf den Aufruf von Golem.de
reagiert, in dem Blogger zum Schreiben von Artikeln auf Golem.de
eingeladen werden sollen. 

Ich habe dazu nach einem Mailwechsel mit Herr XXXX Ende September
einen Artikelentwurf zum Thema Tamagotchi eingesendet, auf den ich
seitdem keine Reaktion mehr bekommen habe. Auch auf eine Nachfrage
hin kam keine Reaktion mehr, ebenso auf eine weitere Mail von
Anfang Januar, in dem ich weitere Themen vorschlug. 

Frage: Wollt ihr eigentlich wirklich Blogger mitschreiben lassen
oder ist das eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Blogger? Ich
bin auf Erlöse durch das Schreiben nicht wirklich angewiesen und
habe daher meinen Text ohne eine vertragliche Grundlage geschrieben
und eingereicht, aber schlicht und einfach gar nicht zu reagieren,
das halte ich dann schon für recht befremdlich. So kann man
natürlich mit Bloggern umgehen, muss man aber nicht. 

Grüße, 
Besim Karadeniz

Gut, könnte man sagen, selbst schuld, wenn man einer Redaktion ohne Vertrag und ohne feste Vergütungsabrede auf den Leim geht. Wie gesagt, das Honorar war und ist für mich in diesem Fall – zumindest auch Sicht eines „Neuschreibers“ – eher zweitrangig. Ich bin kein Journalist und habe auch nicht vor, einer zu werden. Die investierten vier Stunden in den Tamagotchi-Artikel sitze ich auch problemlos auf einer Hinternbacke weg.

Mir schlägt allerdings trotzdem die Magensäure hoch, weil hier eine gestandene Redaktion Interesse bekundet, auch einen Artikel bestellt und sich dann sich schlicht und einfach gar nicht mehr zurückmeldet. Da heulen alle gängigen Medien über die ach so schlimme und tumoröse Kostenloskultur der bösen Blogger und auch z.B. der Huffington Post, aber die veröffentlichen wenigstens am Ende und halten aber zumindest ihre Autoren nicht einfach so hin.

Wetten-dass-Kritik nur noch mit Realnamen?

Markus Lanz ist weiterhin recht erfolgreich in seinem derzeitigen Hauptjob, die Spielshow „Wetten, dass..?“, den großen ZDF-Unterhaltungsdampfer, Folge für Folge zu versenken. Oder, wenn man es mit Goodwill beschreiben will, in normale Zuschauergunstgefilde zu bringen, in denen normalerweise das ZDF-Programm dahinvegetiert.

Da allerdings die Quote für die Mainzelmännchen immer noch das Heiligtum ist und das erstaunlicherweise vor allem für die Programme und Uhrzeiten, wo es noch nicht mal ansatzweise zielgruppen- oder werberelevant ist, führt die feierlich zelebrierte und für den nivellierten Zuschauer mitunter quälende Versenkung des Dampfers zu teilweise schrillen Reaktionen und Bissattacken aus dem benebelten Mainzer Lerchenberg.

Im aktuellen SPIEGEL gibt es auf Seite 145 ein Interview mit dem „Wetten, dass ..?“-Regisseur Volker Weicker, dem scheinbar alles stinkt: Moderatoren werden ständig persönlich angegriffen, alles an der Kritik an „Wetten, dass..?“ sei nur noch Polemik, Markus Lanz würde nicht mehr wohlwollend beobachtet, Schauspieler auf dem „Wetten, dass..?“-Sofa würden während der Sendung twittern und mit ihrem Handy herumspielen. Sprich: Sauhaufen. Also nicht die, die „Wetten, dass..?“ machen, sondern die, die davor sitzen und sich das Drama anschauen (und wohl auch die unverschämten, herumtwitternden Stargäste auf dem „Wetten, dass..?“-Sofa).

Immerhin, Volker Weicker hat ein Lösungsrezept zum Abschluss des Kurzinterviews parat:

SPIEGEL: Aber es sind doch nicht bloß die Kritiker. Wenn Sie sich das Echo auf Twitter ansehen …

Weicker: … da läuft gerade grundsätzlich etwas schief. Man sollte sich da dringend auf einen Kodex verständigen: Twitter nur mit der wahren Identität! Es geht nicht, dass anonym über jemanden hergezogen wird, und dann tragen das die Online-Dienste weiter, der Moderator der Morningshow liest es vor, und am nächsten Morgen um neun Uhr ist die Nation auf eine Stimmung eingenordet.

Genau. Es reicht nicht, dass Sie, liebe Zuschauerin und lieber Zuschauer, auch den wirklich allerletzten Scheiß – ob heißer oder kalter – im ZDF bezahlen, sondern bitte: Schnauze! Fernsehen machen gefälligst die Profis und Sie dürfen maximal zuschauen und das Programm gut finden, aber auf gar keinen Fall schlecht. Denn wenn Sie das Programm schlecht finden, dann müssen Sie dazu unbedingt Ihren Namen sagen, Ihren Twitter-Namen, vielleicht dann in freundlicher Voraussicht auch Ihre Anschrift, Ihr Aktenzeichen bei der Gebühreneinzugszentrale und vielleicht noch ein paar Stichworte aus Ihrem Privatleben.

Dann bitte alles auf eine frankierte Postkarte an das ZDF, Stichwort „Realnamenpflicht und so“, 55100 Mainz. Einsendeschluss ist, wie immer, der nächste Dienstag, es gilt das Datum des Poststempels und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Und mit etwas Glück zahlen Sie dann nächsten Monat einen Realnamenbonus, dessen Mehreinnahmen in den ZDF-Sonderfonds für gescheiterte Moderatoren, Regisseure und ZDF-Intendanten kommt.

Addendum: Das komplette Kurzinterview mit Volker Weicker gibt es im E-Paper des SPIEGEL kostenfrei.

DER SPIEGEL erstmals mit einer Titelgeschichte auf Deutsch und Türkisch.

SPIEGEL-Titel 26/2013 - "Boyun Egme - Beugt euch nicht"Darf ich mal kurz Werbung betreiben für den nächsten gedruckten SPIEGEL für die Woche 26, der nächsten Montag erscheint? Danke. Bitte. Denn diese Ausgabe ist eine echte Premiere: Zum ersten Mal in seiner Geschichte veröffentlicht der SPIEGEL eine Titelgeschichte, die gleichzeitig auf Deutsch und auf Türkisch erscheinen wird – in einem Heft. Der Inhalt sind natürlich die derzeitigen Proteste in Istanbul und der restlichen Türkei, die sich längst von einem einstigen Protest aufgrund des Gezi-Parks zu einem landesweiten Protest gegen die autoritäre Politik des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgeschaukelt haben.

Laut der Pressemitteilung der SPIEGEL-Gruppe soll diese Ausgabe des SPIEGEL auch in der Türkei beworben werden, was ebenfalls eine Neuerung ist. Zwar gibt es den SPIEGEL schon seit Jahrzehnten auch in gedruckter Fassung in der Türkei zu kaufen, beworben werden internationale Zeitungen jedoch im Ausland kaum. Das hat sicherlich nichts damit zu tun, dass der SPIEGEL auch in der Türkei in intellektuellen Kreisen Gewicht hat, sondern damit, dass ein deutschsprachiges Magazin in der Türkei eben eine Randerscheinung in der Medienwelt ist.

Gerade das ist in der Türkei in den vergangenen Jahren zu einem Problem gewachsen, denn türkische Medien sind schlicht nicht mehr in der Lage, über Proteste gegen Erdogans Gurkentruppe frei zu berichten. In den vergangenen Jahren wurden kritische Journalisten perfide und sehr effektiv an den Rand gedrängt, aus Redaktionen herausgeworfen, mit Berufsverboten bedacht oder gleich um die Ecke gebracht. Die einst gar nicht so schlechte Nachrichtenlandschaft der Türkei ist heute nur noch ein Schatten ihrer.

Ich bin gespannt, wie der nun kommende SPIEGEL in der Türkei einschlägt. Berufsverbote gegen SPIEGEL-Journalisten werden kaum dem Regime nützen und selbst eine Zensur der in die Türkei importierten Hefte (hat auch eine „gute“ Tradition) wird im Zeitalter des Internets kaum helfen. Auch wenn ich die Titelgeschichte noch gar nicht gelesen habe: Danke, SPIEGEL. Eine echte und wichtige Geste. Und ich würde als jahrelanger Abonnent für diese Ausgabe sehr gern das Doppelte bezahlen.

Finale Warnung.

Die Mediatheken von ARD und ZDF gehören zu meinen Lieblings-Downloadstationen. Alles schön legal (weil tatsächlich von mir sogar bezahlt) und mit dem Programm MediathekView ist das Herunterladen auch superbequem, auch wenn MediathekView leider in Java programmiert und der einzige Grund ist, dass Java noch auf meinem Rechner installiert ist.

Beim Herunterladen heute wurde ich allerdings in einer Art und Weise um Bestätigung gefragt, die mir dann doch kurz Sorgen bereitete:

Warnmeldung im Programm "MediathekView" - "Warnung: Das ZDF kann tödlich sein"

Die Lösung war dann relativ einfach: Die Sendung, die ich herunterlud, hieß „Warnung: Das ZDF kann tödlich sein“. Darauf muss man erst einmal kommen, so oder so. 😉