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Umfragen manipulieren für Anfänger.

31. Januar 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in World Wide Web

Über das Umfragensystem der Pforzheimer Zeitung habe ich mich ja schon vor einigen Tagen köstlich amüsiert. Höchste Eisenbahn also, das Ding mal etwas näher anzuschauen, wie denn so die Abwehr von Missbrauchversuchen aussieht.

Denn auch wenn ein Voting-System an sich relativ einfach ist – man muss halt ein Script haben, dass verschiedene Zähler auf Benutzerinteraktion korrekt um eine Stelle nach oben verschiebt und das Ergebnis auf Knopfdruck anzeigen – muss es vor allem eine Sache können: Wiederholte Stimmenabgaben erkennen und verhindern. Online-Umfragen sind schon per default weit von jeglicher Repräsentation entfernt, da will man sich nicht gleich von jedem Deppen, der die Zurück-Funktion im Browser entdeckt hat, die Umfrage gleich von Anfang an ruinieren lassen.

Es gibt da zwei logische Ansätze: Client-seitige und server-seitige Prüfung. Erstere ist einfach, weil man den Benutzer gleich bei der Interaktion erwischen kann, beispielsweise per JavaScript, Cookies und AJAX-Abfragen, letzteres ist jedoch erheblich fundierter, weil man auf dem Server beispielsweise IP-Adressen, Browserkennungen, eindeutige Session-ID etc. mitloggen und diese nach Stimmabgaben sperren kann. Idealerweise baut man sich aus beiden Ansätzen ein System zusammen. Empfehlungen, Anleitungen und Beispiel-Scripte gibt es wohl in jedem Handbuch für Webdeveloper. Das System, das die Pforzheimer Zeitung einsetzt ist, mit Verlaub, dumm wie ein Päckchen ATA, denn es setzt nur auf einen Cookie-Check.

Ist in einer Seite das Umfragemodul eingebunden, prüft ein erstes Script zunächst einmal, ob das Speichern von Cookies im besuchenden Webbrowser möglich ist. Das macht es durch das Setzen eines Cookies namens “PZ_Allow_Survey_XXX” (“XXX” steht hierbei für eine Zahl, die die Umfrage kennzeichnet). Dieser Cookie verschwindet nach Schließen des Webbrowsers übrigens auch wieder sang- und klanglos, weil seine Gültigkeit in die Vergangenheit datiert ist und Cookies in so einem Fall nach Sitzungsende des Webbrowsers gelöscht werden müssen.

Der Besucher kann nun an der Umfrage teilnehmen, also den passenden Radiobutton auswählen und auf “Absenden” drücken. Die Übertragung erfolgt hierbei per AJAX im Hintergrund, so dass die Seite komfortablerweise nicht neu geladen werden muss. Hat er nun seine Stimme abgegeben, setzt das Votingscript einen weiteren Cookie namens “PZ_Survey_XXX” mit einer Gültigkeit von etwa fünf Monaten in die Zukunft. Das ist dann der Cookie, den das Script zum Abstimmen sucht; findet er dieses Cookie, lässt es die Stimmabgabe nicht zu. So lange, bis eben das letztere Cookie schlicht gelöscht wird. Und das geht zum Beispiel beim Firefox kinderleicht, in dem man bei der Cookie-Suche lediglich “pz-news” eingibt und auf den Löschbutton klickt. Fertig. Und weil man im Firefox eleganterweise das Fenster zum Verwalten von Cookies schön neben das Browser-Fenster drapieren kann, muss man auch gar nicht so viel herumklicken.

Die wirklichen Noobs würden sich natürlich ein hübsches Batchscript schreiben und den Cookie-Besitz schlicht über die die HTTP-Anfrage faken. Solche pupsigen Sachen sind dann aber nichts mehr für Nerds, das ist schlicht unter unserer Würde. :-)

Warnung: Reißt euch zusammen und haltet eure Griffel weg.

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Warum die Welt Google Chrome nicht braucht.

3. September 2008 | 8 Kommentare | Veröffentlicht in World Wide Web

Eigentlich kann man die Frage, warum die Welt Google Chrome nicht braucht, sehr einfach beantworten: Warum nutzen wir Firefox? Genau, weil der Internet Explorer von Microsoft ist und Microsoft den Internet Explorer schamlos als Marketingplattform für seine eigenen Dienste nutzt. Abgesehen davon, dass der Internet Explorer einfach nur dämlich ist, schon immer dämlich war und auch immer dämlich bleiben wird.

Der ganze Marketing-Firlefanz, dass Google Chrome deshalb geschrieben hat, um dem User endlich einen stabilen Browser hinzustellen… sorry, Crap. Es geht darum, mit Google Chrome noch deutlicher, noch universeller und noch ungestörter möglichst nur die Google-Dienste schmackhaft zu machen und sonst nichts. So lustig bunt und sauber Google auch daherkommen mag – der Kampf auf dem Desktop (beileibe nicht nur unter Windows) ist beinhart und da ist Präsenz gefragt. Google-Präsenz ist in Firefox und dem Internet Explorer austauschbar, also bleibt die einzige Alternative, selbst einen Browser zusammenzubasteln, der natürlich immer besser als die Konkurrenz ist. Wenn es nicht ganz so penetrant und bodenlos wie mit der Religionsmethode von Steve Jobs läuft, kann man es zumindest tolerieren.

In diesem Sinne weiß ich partout nicht wirklich auch nur ein einziges Argument, weshalb ich Firefox aufgeben sollte und weshalb dieser Planet Google Chrome braucht.

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Alexa.com – Do not feed the competitor.

13. August 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in World Wide Web

Der Alexa-Rank lebt, im Gegensatz zum Google-Pagerank, unmittelbar von den Interaktionen der Benutzer, die Alexa.com aktiv nutzen. Das tun sie über Alexa.com-Werkzeuge, hauptsächlich der Alexa.com-Toolbar oder dem Firefox-Add-on namens “Sparky”. Diese Werkzeuge rufen den jeweiligen Alexa.com-Rank der aufgerufenen Domain ab und übermitteln gleichzeitig im Hintergrund die Domains der im Browser aufgerufenen Domains an Alexa.com.

An sich ein grundsätzlich vernünftig, allerdings mit einem Haken versehen. Wer sich besonders für eine bestimmte Website interessiert und diese regelmäßig aufruft, beispielsweise eben die Website eines Wettbewerbers, unterstützt auf diese Weise – wenn er ein Alexa.com-Werkzeug installiert hat – natürlich den Wettbewerber. Und dummerweise haben die die offiziellen Alexa.com-Werkzeuge keine Möglichkeiten intus, eine frei einstellbare Liste von Websites aus dem Abfrage-/Meldemechanismus herauszunehmen.

Für Firefox empfiehlt sich das Add-on SearchStatus, das genau dies kann: In den Optionen lässt sich eine frei definierbare Liste von Domains eintragen, die fortan nicht an Alexa.com übermittelt werden. Das verzerrt genau genommen zwar die Rank-Ermittlung, aber es ist ja nicht unbedingt verboten, etwas nicht zu melden. Und den Konkurrenten muss man ja nicht unbedingt kostenlos beflügeln. ;-)

Das Web ist in der Zukunft angelangt!

12. August 2008 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in World Wide Web

Es ist soweit, die Zukunft des Webs ist heute, am 12. August 2008, angebrochen. Es wird nichts mehr so sein, wie bisher, alles wird nun gut und nur noch besser: Der Heise-Newsticker hat sein neues Aussehen heute vorgestellt und auch gleich umsetzt. Und die Weltrevolution: Man hat die Schriftart Times New Roman offenbar eingestampft!

Vorbei die Zeiten, in denen der handgeschmiedete Content eingebettet war zwischen einer Navigation links und den Artikeln rechts, die wiederum eingezwängt in eher konservativ wirkender Werbung. Nun ist der Content knallhart links, die Navigation mit den Meldungen eng zusammengerutscht in der Mitte, danach der Heise-Guide und ganz rechts, etwas vereinsamt und vergessen, der Google-AdSense-Banner. Sieht alles etwas aus wie die Homepage eines Großklinikums, aber hey: Weltrevolution, bitteschön!

Liebe Folks von Heise: Herzlichen Glückwunsch! War allerdings auch dringend notwendig. ;-)

Ein Blick auf die "größte" Suchmaschine Cuil.

28. Juli 2008 | 5 Kommentare | Veröffentlicht in World Wide Web

Also ich weiß nicht so recht, was das Unternehmen Cuil Incorporated, gegründet von ehemaligen IBM- und Google-Mitarbeitern, damit meint, mit der neuen Suchmaschine Cuil die größte ihrer Art auf der Welt zu präsentieren. Dass sie “121 Millionen Webseiten” viele Webseiten kennt, sei dahingestellt, nachzählen kann es ein Nicht-Cuil-Mitarbeiter nicht. Dass Cuil eine hübsche Oberfläche hat, sei ebenfalls dahingestellt, das ist Geschmackssache. Ob die magazinartige Anzeige der Suchergebnisse mit mehreren Spalten auch im Praxisalltag nützlich ist, sei ebenfalls dahingestellt.#

Dass Cuil versucht, aus Webseiten Beziehungen herauszuleiten, sieht zumindest auf den ersten Blick hübsch aus, ist aber in dem löchrigen Zustand, wie sich das beispielsweise mit dem Suchbegriff “Pforzheim” darstellt, einfach nur schlecht. Welchen Zusammenhang hat Pforzheim mit den “Regiments Of The Royal Corps Of Signals” (was ist das überhaut?). Was für einen Sinn hat es, wenn die Querverbindung “Regierungsbezirke” nur drei von vier baden-württembergischen Bezirken kennt, dafür aber “Dresden”?

Das ist sicherlich alles nett gemeint, in der Praxis jedoch weitgehend untauglich, vor allem, wenn man das alles schon  mit einem Blick in die Wikipedia weitgehend vollständig haben kann.

Zweifellos: Konkurrenz belebt das Geschäft. Bei dem jetzigen Zustand von Cuil gehören da aber noch einige Dutzend Eselsohren rangemacht. Und warum man eigentlich bei der Kategorisierung nicht die Wikipedia mit ins Boot nimmt, in der ja schon seit einigen Jahren gerade bei systematischen Begriffen recht erfolgreich versucht wird, eine maschinenlesbare Semantik einzubinden, ist mir ein Rätsel. Wieso nicht Nägel mit Köpfen machen, anstatt jedes Mal etwas halbherziges neu erfinden?