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Onliner.

8. Februar 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in Netzleben

Es ist schon erstaunlich, wie tief das Internet in den Köpfen der jungen Generation – und da meine ich die Generation unter einem Alter von 20 – inzwischen zum festen Alltag gehört. Meine beiden Großcousins mütterlicherseits, die beide in Frankfurt/Main leben, haben uns heute quasi überfallen: Der elfjährige Cousin brauchte dringend nach dem ersten Hallo sofort meine WLAN-Zugangsdaten für seinen iPod Touch und meine Cousine warf sich ans Notebook, um Mails und die MSN-Kontakte abzuchecken. Erst nach dem akuten Stillen des ersten akuten Durstes stellte sich heraus, dass sie seit rund einer Woche kein Internet zu Hause mehr haben, weil gerade ein Anbieterwechsel stattfindet und der Techniker erst morgen zum Installieren kommt. Tja, das Leben ist hart. Auch online.

Aber weit mehr IM-Kontakte zu haben, als ich und eine Nachrichtenübersicht in StudiVZ, die quasi meinem Jahresdurchsatz an ausgehenden E-Mails entspricht – das ist schon bemerkenswert. Die machen online zusammen Hausaufgaben. Ich habe dazu immer telefonieren müssen und da pendelte dann irgendwann der Zeigefinger meiner Mutter über der Hörergabel.

Eine Selbstverständlichkeit, online miteinander immer und überall zu kommunizieren, da bin ich wirklich platt. Vor zehn Jahren habe ich mich noch via Modem eingewählt.

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Rechnen für die Völkerverständigung.

24. Januar 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Puh, wo fängt man am besten bei diesem Thema an? Am besten von vorn: Also, es gibt im Internet so genannte Distributed-Computing-Projekte. Das sind meist nichtkommerzielle Forschungsprojekte von Universitäten und Forschungsinstituten, die zur Untermauerung einer These oder zur Suche nach bestimmten Lösungen Rechenzeit benötigen. Sehr viel Rechenzeit. Einer der ältesten Distributed-Computing-Projekte ist das SETI@home-Projekt, das radioteleskopisch aufgenommene Bilder des Weltalles durch Computer nach nicht-natürlichen Radiosignalen auswerten lässt. Die klassische Suche nach der Nadel im Heuhaufen, die man nur detailiert machen kann, wenn auch genügend Rechenzeit zur Verfügung steht.

Weil die Anschaffung und der Betrieb eines Großrechners eine grundsätzlich nicht billige Angelegenheit ist und es das Internet gibt, hat man sich überlegt, dass man solche Aufgabenberge in kleine Datenhäppchen aufteilen und die dann von Freiwilligen im Internet mit speziellen Clients ausgewertet werden könnten. Diese schicken dann die Ergebnisse wieder an das Projekt zurück und hat so einen virtuellen Großrechner, der den echten Kaventsmännern in nur wenig Dingen nachsteht. Schon längst ist BOINC und damit die “Rechenkraft des Internets” in der wissenschaftlichen Fachliteratur verewigt worden, weil es selten so gut gelungen ist, Ressourcen in der Öffentlichkeit, die einfach nur brachliegen (und ungenutzte Rechenzeit von Milliarden von Computern weltweit ist genau das), intensiv für wissenschaftliche Forschung einzuspannen und das für verhältnismäßig wenig Geld.

Das Thema richtig “social-networked” angegangen ist das SETI@home-Team, das die Kraft des Netzwerkes selbst erfahren hat und daraus mit dem BOINC-Projekt ein Framework schuf, mit dem auch andere rechenintensive Projekte verhältnismäßig einfach als Distributed-Computing-Projekte aufgezogen werden können. Mit diesem Framework gibt es inzwischen schon eine Vielzahl solcher Projekte weltweit, was den großen Vorteil hat, dass interessierte Benutzer, die die Rechenzeit ihres Computers für solche Projekte zur Verfügung stellen wollen, schlicht nur den für ihr Betriebssystem passenden BOINC-Client installieren müssen und sich dann einfach an einem Projekt anmelden können.

Ein solches Projekt POEM@home am Forschungszentrum Karlsruhe, das sich, wie einige andere Projekte auch, mit dem Thema Proteinfaltung beschäftigt. Proteine – im Volksmund nennt man sie auch Eiweiße – haben eine elementare Funktion in Mensch und Tier und wenn man viel über Proteine herausfindet, erhofft man sich daraus unter anderem Heilungsansätze für viele Krankheiten. (Wäre das nicht mal etwas, über das Herr Doktor mal etwas weiterführendes schreiben könnte, auch wenn er Physiker ist?)

Damit es den Benutzern, die sich den BOINC-Client installiert haben und einem (oder mehreren) Projekt(en) beiwohnen, nicht langweilig wird, gibt es Statistiken, mit denen man sich messen kann. Ist mein Computer bzw. sind meine Computer die flottesten? Welche Nationalitäten sind die rechenintensivsten? Welches Betriebssystem ist am stärksten vertreten? Und so weiter. Und damit das dann auch im größeren Rahmen Spass macht, gibt es Teams, in denen sich Benutzer organisieren können.

Ein solches Team ist das Team SETI.Germany, das schon seit Jahren existiert und seine Wurzeln (wie es der Name schon herausklingen lässt) im SETI@home-Projekt hat, denn dort wurde die erste, gleichnamige Gruppe gebildet, vornehmlich von deutschen Nutzern. SETI.Germany spielt bei allen BOINC-Projekten vorne mit und pflegt durch Spenden seiner Teilnehmer ein eigenes Forum, in dem die Teilnahme an BOINC-Gruppen koordiniert wird und man sich auch “einfach mal so” gut unterhalten kann.

Eine ziemlich coole Aktion hat sich nun die Truppe von SETI.Germany zusammen mit einer französischen BOINC-Gruppe namens L’Alliance Francophone ausgedacht. Warum nicht mal etwas gemeinsam in einem Forum schnacken und nebenbei einem kleineren BOINC-Projekt helfen? Aus der Idee ist dann ein konkretes Projekt geworden, das ein eigenes Forum hat und nun vom 24. Januar bis 8. Februar zusammen in einer eigenen Gruppe namens Charity Team exklusiv für POEM@home rechnet und schon jetzt das drittgrößte Team bei POEM@home ist.

Das, Herrschaften, ist angewandte Gemeinnützigkeit und modernste Völkerverständigung im Lichte des Internets.

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Freunde, Freunde, Freunde.

19. Januar 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in Netzleben

Als Networker der frühen Stunde galt von Anfang an das ungeschriebene Gesetz, Bekannte zu Freunden zu machen, egal ob nun in Xing, Facebook, Twitter oder sonst anderen Diensten. Genau genommen kommt diese Haltung aus meinen frühesten Internet-Erfahrungen aus dem Jahre 1996, als ich langsam das Internet enterte. Usenet war faszinierend, das IRC ebenfalls. Dort lernte man dann auch – wenn sehr holprig via Modem – Leute kennen, die man auch heute noch kennt. Der Begriff “eingeschworene Bruderschaft” kommt dem sehr nahe, man war eben durchaus froh, unter den paar Leuten, die die jeweiligen Dienste nutzten, wenigstens ein paar Haltepunkte zu haben. Es gab mal Zeiten, da waren auf einem IRC-Server tatsächlich nur eine Handvoll Leute und keine Bots, wenngleich ich da schon zur eher zweiten Generation gehörte.

Wie auch immer – das ungeschriebene Gesetz gilt heute immer noch und verlagert sich immer weiter nach unten, wenn man das mal so sagen darf. Es gibt Leute, die mich siezen und es gibt auch schon die ersten Menschen, die, als ich online ging, noch tatsächlich in ihre Windeln machten. (Das ist übrigens ein sehr merkwürdiges Problem, das kann ich euch mal so am Rande sagen.)

Das mit der Bruderschaft nimmt aber inzwischen langsam bedenkliche Züge an. Denn auch in anderen Szenen, die so langsam aber sicher das Internet und die sozialen Netzwerke entern, gilt offenbar das ungeschriebene Gesetz, sich zu Freundschaften zu bekennen, obwohl ich sie im Leisesten nicht kenne. Das ist so ein Stückweit das Thomas-Gottschalk-Syndrom, also der Theorie, dass ungeheuer viele Leute den Thomas Gottschalk kennen und zu ihm ein relativ unkompliziertes Verhältnis haben, wenn sie ihn mal leibhaftig treffen. Und natürlich auch der Umstand, dass der Name unverwechselbar ist. Es kennen also mehr Leute einen Besim Karadeniz, während ich mich kaum an die Leute erinnern kann, die immer mehr per Facebook meine Freunde werden wollen.

In Xing habe ich das mit Tagging recht gut im Griff und kann auch unbekannte Menschen relativ einfach gruppieren und sortieren, in Facebook ist das jedoch ein richtiggehendes Problem. Und dummerweise haben da viele neue Freunde genausowenig ein Bild im Profil, wie ich.

Wird ein Problem auf Dauer. Ich will das aber weiterhin nur ungern durch einfaches Ignorieren lösen. Ideen?

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Die Geister, die ich rief.

15. Januar 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Ich denke, ich muss niemandem sagen und erklären, dass ich zu einem nicht geringen Teil gewissermaßen online “lebe”. Da gibt es sicherlich Leute, die das noch exzessiver handhaben, meine Quote ist allerdings nicht unbedingt schlecht – ich kann zumindest mitreden. Und das, was mir an den wirklich geek-verdächtigen fünf bis zehn Jahren vor meinem Internet-”Launch” Anno 1997 fehlt, habe ich durch meine missionarische Arbeit an netplanet wieder wettgemacht.

Die nackte und brutale Ehrfurcht packt mich dann umso mehr, wenn ich mein digitales Etwas im Internet außerhalb des Internet sehe. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine Referenz im “realen” Leben auf eine Online-Begebenheit eine unglaublich schwierige Sache ist, die heute noch verhältnismäßig einfach zu bewerkstelligen ist. Robert Basic verkauft sein Blog und mich würde es wirklich nicht mehr wundern, wenn er nächste Woche bei Kerner auf dem Sofa sitzt. Aus der Online-Welt in der echten Welt anzukommen, ist nichts besonderes mehr, es wird immer üblicher.

Es erstaunt aber auch mich immer wieder.

Aktuelles Beispiel ist die Homepage des OB-Kandidaten Gert Hager, dessen Website ich innerhalb von fünf Tagen aus dem Boden gestampft habe, da er kurzfristig seine Kandidatur zum 2. Januar 2009 bekanntgeben und einen Überraschungscoup landen wollte. Beides ist gelungen und es ist an sich für mich eine Website, eine WordPress-Installation von vielen. Da steckt nicht übermäßig viel Emotionen dahinter, da hat man letztendlich auf Verstand, Bauch und auf die Uhr zu hören und dann startet das. Wir haben hier zwar noch eine Menge Arbeit und noch ein paar interessante Features in der Pipeline, aber Emotionen kommen da bei mir eingefleischtem Onliner nicht auf.

Das sieht dann offensichtlich schon ganz anders aus, wenn man sieht, was das Medium bei anderen bewirkt. Bei der heutigen Kreisvorstandssitzung hatte ein Genosse einen Ausdruck der Website dabei, las es sich interessiert in einem ruhigen Moment durch und das sind dann so Momente, in denen ich ins Grübeln komme. Ein normaler Prospekt hätte es nach so einer kurzen Zeit noch gar nicht gegeben, erst Online macht den Wahlkampf zu einem Wahlkampf, wie ihn sich die Erdenker der politischen Lehre sicherlich in ihren kühnsten Träumen nicht erdacht haben könnten. Und Online kann mehr denn je bewegen: Soll der Staat seinen Bundestrojaner fertigprogrammieren – er macht damit niemandem wirkliche Angst, da das Netz schon längst in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Dass es unter diesen Köpfen auch kranke gibt, ist hinzunehmen. So wie wir es hinnehmen, dass solche kranken Menschen auch neben uns im Bus sitzen könnten.

Wir sind schon viel zu sehr online, um uns vorschreiben lassen zu können, was wir sehen sollen und was nicht. Wir beziehen unsere Nachrichten zum großen (wenn nicht schon zum größten) Teil aus dem Netz. Mein Lexikon sind die vielen Wikipedias überall, die mir Wissen immer dann zur Verfügung stellen, wenn ich es genau jetzt und hier brauche; nicht erst dann, wenn ich wieder in der Bücherei bin. Die Unterhaltung läuft nicht mehr im Fernsehen, die Unterhaltung läuft immer dann, wenn ich es will. Wir sind überall und immer auf verschiedenen Wegen und Kanälen erreichbar.

Zwar kann man sich das alles vor Augen halten, wenn man mag oder gerade auf die nicht funktionierende Technik schimpft. Aber der Gipfel allen Ruhmes ist immer noch dann, wenn Online die Realität trifft. Wilfremde Leute mich in der Realität auf meine Online-Aktivitäten ansprechen. Oder der OB-Kandidat überwältigend viel Feedback per Kontaktformular bekommt und mir ehemalige Schulkameraden schreiben, weil sie meinen Namen im dortigen Impressum gefunden haben, und mir gratulieren, obwohl ich ja nur der Websiten-Hiwi bin.

That’s it. Pennt nicht – tut es! Online ist schon lange nicht mehr “nur online”. Online ist schon lange angekommen. Und den letzten beißen schon heute die Hunde.

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Hach ja, eBay.

8. Dezember 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Früher war alles besser. Wenn ich früher einmal was bei eBay ge- oder verkauft habe, dann war das nicht unbedingt Freundschaft mit dem Gegenüber, aber es war in den meisten Fällen kollegial. Man zahlte schnell, man versendete schnell und man konnte über alle Problemchen schreiben. Das kam mir alles als alter Usenetler sehr entgegen, partnerschaftliches Miteinander führt halt am Ende doch einfach am weitesten.

Heute ist der eBay-Handel, gelinde gesagt, ein Krampf geworden. Der Ton ist inzwischen mehr als rau – wenn denn überhaupt ein Ton kommt. Ich habe es nun zum dritten Mal in Folge, dass ein Käufer erst nach 10 Tagen überhaupt die Mail auslöst, dass er nun die Zahlung einleiten will. Überhaupt ist dieses eBaysche Mailsystem ebenfalls so eine Sache: Da will man dem Käufer die Zahlungsinformationen zukommen lassen und muss sie als Text in eine weitgehend schon vorgeschriebene E-Mail hinzufügen, in der auch ein Button “Jetzt bezahlen” steht.

Der allerdings führt wiederum auf ein Webformular, in dem der der Käufer dann selbst eine E-Mail generieren kann, die mir dann schreibt, dass ich dem Käufer doch bitte die Kontodaten schicken soll. Einfach nur beknackt und lieblos. Ja, “lieblos”. Ich kann man an sehr ferne Zeiten erinnern, da hat eBay mal richtig Spaß gemacht.

Früher war alles besser.™

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Die Schlafmützentruppe namens CCC.

5. Oktober 2008 | 5 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Ja, der CCC, der Chaos Computer Club, das war mal etwas, das klang wie Musik in den Ohren des Subversiven. Leute, die zigarettenschmauchend die Strom- und Telefonrechnung zu Hause in schwindelnde Höhen brachten, Treffs in muffigen Kellern mit leise sprechenden Leuten und vielen Computern, Legenden über die Superhacker aus den eigenen Reihen, deren Geschichten ehrfürchtig weitergereicht wurden und hier und da mal kleine, mal große Scharmützel mit der weitgehend unwissenden Staatsmacht. Oft auf kleinerem Niveau, gern aber auch ganz groß mit Entblößungen über haarsträubende Sicherheitsprobleme bei Kommerz und Regierung.

Heute backt man kleine Brötchen. Neben den zugegebenermaßen nicht ganz unwichtigen Aufrufen zu Demonstrationen gegen den immer weiter ausufernden Überwachungswahn beteiligt man sich bei Flugroboterwettbewerben, verweist hier und da auf Aktionen anderer Vereine hin, beweist hin und wieder doch mal Kreativität bei so Sachen wie dem Fingerabdruck von Wolfgang Schäuble für jedermann, vergisst dann aber wieder bei den wirklich wichtigen Dingen im Leben, dem nerdigen Spielzeug, die grundlegende Familienehre:

Das Projekt Blinkenlights von Tim Pritlove, CCC-Mitglied und langjähriger Organisator des Chaos Communication Congress und des Chaos Communication Camps (bis 2005), ist wieder da, diesmal in Toronto am Gebäude des dortigen Rathauses. Da will man beim CCC einfach mal mitwerben und schreibt stolz auf die Homepage:

“Nach langer Pause erwachte das Projekt Blinkenlights wieder zu neuem Leben: Das Rathaus der größten kanadischen Stadt Toronto ist der neue Bildschirm mit 960 Fenstern (also 960 Pixeln mit 16 Helligkeitsstufen) auf 2 Gebäuden. Es handelt sich also um zwei Bildschirme, die noch dazu nach innen gekrümmt sind. Die zwei Bildschirme gaben dem Projekt den Namen Blinkenlights Stereoscope. Es wird vom 4. bis 12. Oktober die Stadtverwaltung erhellen und lädt wieder zu Interaktionen mit den Bildschirmen ein. Außerdem können eigene Animationen eingespielt werden. Diesmal gibt es eine spezielle Anwendung für das iPhone.”

Das muss man sich wie warme Butter auf einem der kleinen CCC-Brötchen zergehen lassen: Der Chaos Computer Club bewirbt eine praktisch eigene iPhone-Applikation. Wie armselig der Club doch geworden ist. Letztendlich am Ende auch nur alles verblendete Konsumenten, die freiwillig mehrere hundert Euro für die Insignien der iSekte ausgeben: Ein geschlossenes System mit Software-Gestapo und einem teuren 2-Jahres-Vertrag, ausgerechnet auch noch beim Klassenfeind, dem ehemaligen Staatskonzern.

In aufgeklärten Welten werden eben keine Kühe mehr zum Schlachthof gefahren, sie gehen selbst dort hin, in dem sie den Wegweisern zu den sexy Bullen folgen. In diesem Sinne: Willkommen in der Realität, lieber CCC. Schade, dass ihr hier angekommen seit.

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Krankheitsbekenntnisse im Web.

19. September 2008 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in Netzleben

Sergey Brin, einer der Gründer von Google, macht mit seinem privaten Blog ein auf den ersten Blick bemerkenswertes Bekenntnis: Er habe nach Untersuchung seiner Gene ermittelt bekommen, dass er ein erhöhtes Risiko hat, an Parkinson zu erkranken, wie es bereits seine Mutter ist.

Okay, es ist jedem sein gutes Recht, aus seinen Genen Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten herausdeuten zu lassen und möglicherweise ist das auch segensreich, um sich beispielsweise in seinem frühen Leben auf die möglicherweise kommende Herausforderung vorzubereiten.

Andererseits ist es bedenklich, genau solche Dinge im Web herauszuplaudern, wenn man nicht gerade schwerreich ist und sich keine Gedanken über zukünftig abzuschließende Versicherungen oder Kreditverträge zu machen braucht. Denn jeder Versicherungsmakler, der jetzt “sergey brin parkinson” in jede x-beliebige Suchmaschine eingibt, bekommt genau das, was er braucht, um beispielsweise den Abschluß einer Krankenversichung mit Herrn Brin rigoros abzulehnen.

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rottenneighbor.com: Die Adelung.

3. September 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Die Jungs bei rottenneighbor.com können sich eigentlich nicht beklagen, denn inzwischen hat so ziemlich jedes Lokalblatt über die Website geschrieben, jedes Boulevardmagazin einen Beitrag produziert und nun kam gerade die Adelung mit einem 90-Sekunden-Beitrag im Heute Journal. Inhaltlich nichts neues, außer einem nachträglichen Kommentar von Moderator Claus Kleber, der das wohl auch nicht so ganz bedauert, dass in Deutschland offenbar diverse Zugriffsprobleme zum Webserver existieren.

Und wo wir gerade bei der überaus scharfen Internetkompetenz des ZDF und des Heute Journals sind: Google Chrome hat es sogar bis in die Börsennachrichten geschafft. Wow. Fast könnte man sich wieder zurückwähnen in den besten Zeiten des Dotcom-Booms. Am meisten Spaß macht es immer dann, wenn Idioten über das Internet orakeln und das schreiben und senden, was ihnen Pressesprecher von Internet-Unternehmen in die Blöcke und Kameras diktieren.

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Leise der Nebel um rottenneighbor.com sich lichtet.

3. September 2008 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Laut FOCUS und Golem.de kristallisiert sich in Sachen Verschwörungstheorien rund um rottenneighbor.com inzwischen heraus, dass der Betreiber selbst wohl bestimmte IP-Adressnetzwerke blockiert und Abrufe daraus versickern. Das will man zumindest heraushören, nachdem bekannt wurde, dass Norbert Schneider, Direktor der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien, Google einen Brief schrieb und sich über rottenneighbor.com beschwerte. Einfacher Weg, denn rottenneighbor.com zu erreichen, ist offensichtlich und aus nahe liegenden Gründen nicht einfach und immerhin nutzen die Jungs Google Maps für ihre Kartenbasis.

Das Blockieren ist allerdings nach wie vor stümperhaft und nicht nachvollziehbar. Ich greife von Zuhause ebenfalls durch einen Dialin-IP-Adressblock zu und der Zugriff funktioniert, wenngleich er seit einigen Tagen auf www.de.rottenneighbor.com umgeleitet wird, der dann jedoch augenscheinlich diesselben Inhalte führt. Dabei wäre es technisch überhaupt kein Problem, beispielsweise mit der GeoIP-Datenbank, Zugriffe aus Deutschland weitgehend abzublocken. Was freilich natürlich nur Schutz vor Dummen ist, denn wer einen ausländischen Proxy oder einen Anonymizer-Dienst nutzt, kann auch dann noch zugreifen.

Zensur hin oder her, that’s life. Wenn jemand seinen Dienst auf bestimmte Personengruppen beschränkt, darf er das. Wenn Google allerdings bei rottenneighbor.com nur im Bezug auf die Scharmützel in Deutschland den Zugriff auf Deutschland beschränkt sehen will, wäre das wiederum ein Zeichen, wie Google hierzulande kuscht.

Nun denn, abwarten und Tee trinken. Irgendein prominenter Rechts- oder Staatsanwalt wird sich in den USA schon irgendwann auf den Schlips getreten fühlen und rottenneighbor.com auf seine Weise melken.

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Wie kennt man sich nicht mehr?

25. August 2008 | 6 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Folgender Ausgangspunkt (der mir selbst noch nicht passiert ist): Man kennt jemand auf einer virtuellen Plattform öffentlich, hat also beispielsweise in einem Xing-Profil einen bestätigten Kontakt zu einer anderen Person. Diese Person kündigt nun seine Bekanntschaft, wovon man bei Xing nicht sonderlich viel merkt, außer dass der Zähler für bestätigte Kontakte nun einen bestätigten Kontakt weniger zeigt und der betreffende Kontakt fortan in der Rubrik “unbestätigte Kontakte” weilt, also der Kontakt nur noch einseitig besteht.

Bevor der geneigte Leser jetzt ob dieser vermeintlichen Belanglosigkeit einfach zum nächsten Feed springt, kann etwas Nachdenken jedoch nicht schaden. Denn kann man sinnvoll tatsächlich zwischen virtuellen und “realen” Bekanntschaften unterscheiden? Sollte man das überhaupt? Schwere Frage, zumal die gute, alte Netiquette hier gar nicht so recht helfen kann. Letztendlich aus zweierlei Gründen: Zum einen gab es in der Frühzeit der elektronischen Unterhaltung selten so Beziehungskisten wie Social Networks und zum anderen mag die Netiquette nicht die grundlegenden zwischenmenschlichen Beziehungen erläutern, die man im Kindergarten lernt.

Die Frage ist also eher, wie man miteinander in der Online-Welt umgehen mag. Und wenn man da die Analogie in die “reale” Welt mitspinnen mag (was man auch sollte), ist das einfache Beenden von Online-Bekanntschaften unschicklich.

Gut, könnte man kontern, wenn mich mal jemand anruft und mit mir ein Gespräch führt, wird der ja auch nicht automatisch mein Freund. Korrekt, wenn man nicht gerade ultrabarmherzig ist, allerdings macht hier der Ton die Musik. Beziehungen entstehen selten aus gleichgewichtigen Gründen auf beiden Seiten, sondern meist hat die eine Seite der Beziehung eine höhere Intention, als die andere. Das muss man als “Minor-Partner” vielleicht nicht berücksichtigen, kann es aber. Und genau da sind wir dann mittendrin. In meinen Augen hochproblematisch, einfach mal aufzuräumen und das grundlos zu machen. Da tritt man unter Umständen Leuten mehr auf den Schlips, als man mit der Aufräumaktion gewonnen hat, denn was tun, wenn man sich plötzlich in der “Realität” wieder einmal trifft?

Andererseits – und ich habe dazu mal einen kleinen Diskurs mit Kollege und Vaihingens Oberbloggermeister Oliver Gassner gehabt: Wen stört es, wenn in meinen Xing-Kontakten ein Viertel der Kontakte reine Online-Bekanntschaften sind, mit denen ich in meinem Leben vielleicht gerade einmal ein halbes Dutzend E-Mails gewechselt habe? Mit jeder besseren Adressorganisation ist das spielend zu bewältigen und wenn es Tagging noch nicht gäbe, müsste man es genau für diesen Zweck erfinden.

Demzufolge mein Resümee: Wer seine Kontakte auf die Weise aufräumt, als dass er grundlos Kontakte “entsorgt”, macht das taktlos und stellt, vermutlich unbewusst, die delikate Gegenfrage in den Raum, auf welche Weisen er eigentlich “Bekanntschaft” definiert.