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Das Musikprekariat.

13. Februar 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in E-Business

Musik online zu kaufen, ist herrlich einfach. Klickste hier, klickste da, schon bist du (deutlich weniger Geld als beim Kauf einer CD) los und kannst die Musik auch gleich herunterladen und anhören. Das Geschäftsmodell vom Online-Musikkauf ist so überzeugend genial einfach, dass es erstaunlich ist, wie durchweg schlecht man es machen kann, wie die großen Musikkaufhäuser, die sich als Marktführer sehen.

Beispiel: Der Kauf eines Albums bei Apples iTunes. Ein älteres Album, das es so als CD höchstens noch auf dem Gebrauchtmarkt gibt und bei iTunes für 9,99 Euro daherkommt, billiger als das günstigste Gebrauchtangebot bei Amazon.de. Ein Schnäppchen, könnte man sagen. Das Schnäppchen ist jedoch leider defekt, nämlich bei Track 10, das nur 1:38 min lang ist und mitten in der Musik abbricht.

Was würde man nun bei einer defekten CD tun? Umtauschen oder zurückgeben. Und niemand würde das in Frage stellen wollen, denn was bringt mir ein Album, das ich ja in seiner Gesamtheit gekauft habe, wenn ein Track darin defekt ist?

Diese Frage beantwortet der iTunes-Support jedoch durchaus anders. Denn meldet man ein defektes Musikstück, bekommt man eine vorgefertige Antwort zurück und unbürokratisch einen Gutschein – für ein Lied. Mit dem Hinweis, dass man doch bitteschön in ein paar Wochen den Download nochmal machen solle, weil man vielleicht dis dahin das defekte Musikstück ausgetauscht bekommt. Oder auch nicht. Eher nicht.

Hier nur auf Apple einzuschlagen, wäre ein Fehler, denn: Das betreffende, defekte Musikstück ist bei Amazon.de genauso kurz und damit offenkundig genauso unvollständig. Sprich: Das Album kommt bei beiden Händlern vom gleichen Inhaltslieferanten, der seinen Mist, den er da zum Verkauf stellt, vor dem Anbieten noch nicht mal dahingehend überprüft, ob die Längen der Tracks mit dem Original übereinstimmen. Vom einmal Probehören, wie es in der klassischen Tonträgerproduktion bei der Herstellung von Mastern unumgänglich ist, rede ich schon gar nicht.

Das wirklich Ärgerliche ist, dass die Distributionskette genauso lang ist, wie beim klassischen Tonträgerverkauf ist, die zu kaufende Musik einen nicht sehr geringen Wert darstellt, der Support jedoch quasi nicht vorhanden ist. Es dauerte geschlagene drei Tage und vier Interventionen, bis ich einer iTunes-Support-Drohne erklärt bekommen habe, dass ich ein Album nicht deshalb kaufe, um zur Not auf ein paar Tracks verzichten zu können, sondern die Gesamtheit eines Albums als zentralen Kaufanreiz sehe. Mag ja sein, dass der Zeitgeist das inzwischen anders definiert, aber ein unvollständiges Album ist nun mal ein unvollständiges Album. Und entweder repariert man es oder man ersetzt die entstandenen Kosten dafür.

Gelegentlich fällt es schwer, daran zu glauben, dass man der Musikindustrie als Konsument weiterhin mit Goodwill entgegenkommen muss, um den Haufen von Ewiggestrigen davon zu überzeugen, dass Online für sie beileibe kein Problem darstellt, sondern eine der größten Chancen, die sie je hatten.

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Das Ende des Amazon Marketplace für Hobbyverkäufer.

12. September 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in E-Business

Ältere Musikalben kaufe ich schon seit Jahren über den Amazon Marketplace, also auf dem Gebrauchtwarenmarkt. Das ist in der Regel gewaltig günstiger und gottlob legal, auch wenn der Musikindustrie durch Gebrauchtverkäufe durchaus ein Batzen Geld flöten geht. Der Amazon Marketplace ist auch wieder meine Verkaufsplattform für Musik und PlayStation-Spiele. Das ist insofern praktisch, dass das Spielen von Konsolenspielen so nur ein Teil dessen kostet, was das Spiel im Laden kostet. Spiel kommt günstiger daher und wird nach dem Spielen auch wieder für ein paar Euro verscherbelt.

Zumindest beim Thema Musik hat sich der Marketplace aber unangenehmerweise offensichtlich weitgehend erledigt und dafür ist wohl Kollege Computer verantwortlich. Gegen den darf man nämlich im Preiskampf fechten und das geht für den Menschen immer nachteilig aus.

Die Physiognomie des Amazon Marketplace

Die Funktionsweise des Marketplace ist relativ einfach: Man suche in Amazon das Produkt und lasse sich “alle Angebote” anzeigen. Dort sind dann neben den offiziellen Amazon-Angeboten auch Verkaufsangebote von anderen Anbietern an, die wiederum ihr Produkt klassifizieren in Neu- oder Gebrauchtware. Jeweils das günstigste Angebot steht oben. Zu diesem Verkaufspreis kommen dann pauschal 3 Euro hinzu, die die eigentliche Marge für Amazon darstellen.

Ziel für einen Verkäufer ist, mit dem Verkaufspreis möglichst weit nach oben zu kommen, also ein für den Käufer günstiges Angebot zu machen. Das muss bei häufig bestellten Waren (sieht man im Verkaufsrang) nicht unbedingt das allergünstigste sein, allerdings gehören Musik-CD tatsächlich immer häufiger zu Waren, bei denen das Verhältnis zu Angebot und Nachfrage nicht mehr stimmt – zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage. Die Folge ist, dass die Preise sinken. Jeder, der seine gebrauchte CD irgendwie loswerden möchte, versucht, den günstigsten Preis anzubieten, um überhaupt seine CD irgendwann einmal loszuwerden.

Das funktionierte soweit zumindest lange Zeit in der Form, dass es durchaus möglich war, ein solches günstigstes Angebot auch eine Weile als wirklich günstigstes Angebot zu halten. So lange nur Menschen im Marketplace unterwegs waren.

Großhändler im Amazon Marketplace

In der Zwischenzeit ist der Amazon Marketplace für Musik CD weitgehend kaputt. Das liegt in erster Linie an einigen Großhändlern, die sich darauf spezialisiert haben, Musik CD für irrwitzig niedrige Preise zu versenden. Wenn beispielsweise so manch Angebot für 1 Euro auf den Weg geht, dazu dann 3 Euro Verkaufsgebühr kommen, erhält der Verkäufer kaum mehr als 4 Euro Vergütung von Amazon, aus denen dann auch noch Versandmaterial, Porto und das verpackende Personal zu bezahlen sind.

Das hört sich wenig an, ist aber verhältnismäßig brauchbares Geld. Der Anbieter bezahlt nämlich als Premiumanbieter nur einen monatlichen Fixbetrag an Amazon und finanziert keinen weiteren Online-Shop. Die Verkaufsware kauft der Anbieter in der Regel in größeren Loten auf, muss sie lediglich einmal eingangskontrollieren und braucht dann nur noch ein großes Lager. Aus diesem Lager heraus wird dann der Amazon Marketplace beschickt.

Zur goldenen Regel, dass der wahre Gewinn eines Kaufmannes im Einkauf liegt, kommt noch eine Besonderheit hinzu: Wundert sich niemand so recht, warum im Amazon Marketplace viele Großhändler in den USA beheimatet sind, die auch aus den USA liefern, die Ware aber tatsächlich dann gebrauchte, deutsche Ware ist? Mir fehlt zwar der konkrete Beweis und meine Anfragen hierzu an einige Großhändler wurden erwartungsgemäß auch nicht beantwortet, aber ich fresse einen Besen, wenn der Wareneinkauf in diesem Geschäftsmodell nicht durch den klassischen Einkaufsturbo beschleunigt wird, nämlich dem guten, alten Umsatzsteuerbetrug, in dem für den Verkauf der Gebrauchtware ins EU-Ausland die Umsatzsteuer nicht anfällt.

Der Mensch und der Roboter

Für den Gelegenheitsverkäufer ergibt sich aber noch ein Problem: Er kämpft bei der Preisgestaltung seiner eigenen Angebote offensichtlich mit Robotern, die regelmäßig automatisiert die Preise so anpassen, dass deren Angebote stets die günstigsten bleiben. Das habe ich mit einigen eigenen Angeboten einmal ausprobiert, in dem ich meine Angebote zu den günstigsten machte und die Angebote der Großhändler sich etwa alle ein, zwei Stunden dementsprechend anpassten und genau 1 Cent billiger wurden, als meines. Machte ich dann mein Angebot um zwei Cent billiger, um wieder das günstigste Angebot anzupreisen, war dies wieder nur für eine Dauer von ein paar Stunden so, bis der Großhändler wieder um 1 Cent günstiger war.

Die Gegenprobe war ebenfalls erfolgreich: Machte ich mein Angebot dann einfach um 10 Cent teurer, passten einige Großhändler ihr Angebot auch dementsprechend an, dass sie zwar immer noch das günstigste Angebot hatten, aber die Marge dann wieder auf 1 Cent verkürzten. Es existiert also tatsächlich eine Logik in Form eines Roboters, der ständig die Konkurrenzangebote für eingestellte Waren beobachtet und die Preise anpasst.

Mit so einer computergesteuerten Konkurrenz ist der menschliche Verkäufer, der lediglich ein paar CD zum Verkauf anbietet, natürlich im Nachteil. Angebot zu groß, Nachfrage zu klein und dann auch noch ein Preisroboter am Start. Schade.

Alte Musik CD loswerden?

Tatsächlich ist es so, dass ein Berg von Musik CD so unverkäuflich sind, wie ein Haufen schlechtsortierter Ziegelsteine. Der Markt ist völlig übersättigt, die Nachfrage auch nach älterer Musik verschiebt sich immer mehr in den Handel mit herunterladbaren Musikdateien und gerade ehemals populäre Alben sind im Gebrauchtmarkt selten noch den Materialpreis der CD, Hülle und des Booklets mehr wert.

Die einzige Alternative ist tatsächlich daher nur noch der Flohmarkt (bei dem man auch noch darauf aufpassen muss, wie viele professionelle Händler dort eigene Stände haben) oder der Verkauf von vollständigen Sammlungen für Schweinepreise an professionelle Aufkäufer. Damit befeuert man zwar den Markt der Großhändler nochmal gewaltig, aber anders wird man das Zeug nicht mehr los, außer auf dem Recyclinghof.

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Google fotografiert Pforzheim.

26. September 2008 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in E-Business

Gerade mal so eben noch fotografisch erwischt, deshalb leider auch nicht wirklich hochauflösend:

Das Auto links ist einer der Opel Astras mit dem markanten Oberbau, fotografiert an der Kreuzung Christophalle/Hohenzollernstraße/Brettener Straße.

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Abgesang auf die (alte) Musikindustrie.

4. August 2008 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in E-Business

Sehr interessant zu lesen ist der Artikel der taz auf eine Studie der britischen Musikverwertungsgesellschaft MCPS-PRS, in der die unglaublich überraschende Feststellung getroffen wurde, dass Konsumenten lieber Musik klauen, anstatt legal herunterzuladen. Als allmächtiges Beispiel dient dieser Studie das inzwischen berühmt gewordene Download-Experiment des Radioheads-Albums “In Rainbows”, das es auf der Homepage der Radioheads kostenlos zum Herunterladen gab, aber dennoch signifikant oft über Tauschbörsen “geklaut” wurde.

Äh, wen juckt das bitteschön, muss man erst mal direkt zu diesem Punkt einwerfen, wirklich, wenn eine Band ihr Album kostenlos auf ihrer Homepage vertickert und es dennoch über Tauschbörsen gezogen wird? Natürlich führen beide Wege zum gleichen Ergebnis, aber letztendlich ist ein Torrent mit einem gewöhnlichen Torrent-Client einfacher geladen, als auf die Homepage der Band zu wackeln und sich die Objekte “legal” zu ziehen.

Um zum dahinterliegenden Thema zu kommen: Ja, wir haben sie umgebracht, die altehrwürdigen Plattenimperien. Zumindest indirekt, denn Musik geklaut wurde schon immer. Früher war es die gute, alte Compact Cassette und der Radiomitschnitt, der oft später zum Albumkauf führte, heute ist es die getauschte MP3-Datei, die oft genug nicht mehr zum Albumkauf führt. Ob das daran liegt, dass die MP3 nicht verrauscht ist, mag bezweifelt werden. Ich glaube nach wie vor, dass es der in Samples gepresster Scheißdreck von Bands ist, die keiner kennt, die oft genug nicht selbst komponieren, schreiben, spielen oder gar singen und der zwischen der Klingeltonwerbung in MTV und MTV-Bierzelt “Viva” gar nicht mehr auffällt.

Die Musikindustrie hat ihre Kundschaft nicht dadurch verkorkst, dass sie ihr Hürden zwischen die Tauschbeine geworfen hat, sondern durch jahrzehntelange Kultivierung von auditivem Gefurze von Retortenbands, gepusht mit millionenschweren Werbeetats. Negative Publicity mit dem “Feind” wird heutzutage gekauft und die Idioten in ihren Glaspalästen glauben tatsächlich noch, dass sie die Geister, die sie riefen, dadurch loswerden, in dem sie ihnen das Fliegen staatlich verbieten lassen wollen.

eBay dreht Schrauben im Bewertungssystem.

24. Mai 2008 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in E-Business

eBay hat vorgestern umfassend an seinem Bewertungssystem gedreht und vermutlich werden die meisten eBay-Kunden mal wieder nichts davon mitbekommen haben, weil die Änderungen an bestehenden Profilen erst einmal nur positive Änderungen auslösen, die Nachteile jedoch erst nach und nach sichtbar werden dürften – und die haben es durchaus in sich:

  • Mehrfache Bewertungen werden, wenn sie mindestens eine Kalenderwoche auseinander liegen, nun auch rückwirkend seit der Anmeldung gezählt, was bei den meisten Benutzern erst einmal die Bewertungssumme erhöht.
  • Verkäufer können den Käuferkreis näher einschränken, zum einen durch eine stark erweiterte Listungsmöglichkeit für zu sperrende Mitglieder (bisher konnte man nur 1.000 Käufer in seine eigene Liste aufnehmen, nun 5.000) und zum anderen durch ein Merkmal, dass bereits bei eBay aufgefallene Käufer automatisch nicht mehr mitbieten dürfen.
  • Zahlt ein Käufer nicht, bewertet jedoch neutral oder negativ, so können diese Bewertungen nun von eBay gelöscht werden, wenn der Verkäufer die Nichtzahlung meldet.

So weit, so gut. Doch dann geht es durchaus problematisch weiter:

  • Einvernehmliche Rücknahmen von Bewertungen zwischen Käufern und Verkäufern sind abgeschafft, man soll nun “nicht mehr nach hinten, sondern nach vorn schauen”.
  • Die Frist für Bewertungen wurde von 90 auf 60 Tage verkürzt, “moderne Zahlungsverfahren” wie PayPal hätten die Abwicklungszeiten erheblich verkürzt. (Der Faktor ist wohl eher in Ländern interessant, in denen andere Zahlungssysteme vergleichsweise langsam sind.)
  • Verkäufer dürfen zukünftig nicht mehr negativ oder neutral bewerten, sondern nur noch positiv oder lassen es bleiben. Damit will man Rachebewertungen von Käufern verhindern.
  • PowerSeller dürfen erst nach 7 Tagen nach Verkauf neutral oder negativ bewertet werden.
  • Der Prozentsatz der positiven Bewertungen wird nun aus den Bewertungen der letzten 12 Monate berechnet, wobei hier eventuelle Mehrfachbewertungen wiederum nicht berücksichtigt werden.
  • Wird ein Mitglied gesperrt, werden dessen abgegebenen, negativen oder neutralen Bewertungen dauerhaft gelöscht.

Darüber hinaus versucht sich eBay nun auch mit schärferer Eskalationsdialektik:

  • Erpressungsversuche von Käufern in Sachen neutrale oder negative Bewertungen sollen stärker geahndet werden.
  • Käufer, die neutral oder negativ bewerten wollen, müssen bestätigen, dass sie lange genug auf die Lieferung gewartet haben und sich beim Verkäufer nach dem Status der Lieferung erkundigt haben.
  • Verkäufer können Probleme nun “schneller und einfacher” melden.

Alle Änderungen direkt bei eBay zum Nachlesen: Wichtige Änderungen im Bewertungssystem im Mai 2008