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Von Domainzahlen und Perversitäten.

29. April 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Robert fürchtet in einem überraschend wenig differenzierten Artikel, dass immer mehr registrierte Domainnamen eine Verknappung des Gutes auslösen würden und damit sich die Preise verteuern, wie es bei bereits registrierten Domainnamen ja schon der Fall wäre. Im Jahre 2003 waren rund 171 Millionen Domains (in allen Top-Level-Domains) weltweit registriert, jetzt immer hin schon 541 Millionen. “Perverse Entwicklung”?

Nein, nicht wirklich. Zum einen sind rund 600 Millionen registrierte Domainnamen in einem Namensraum, der aus hunderten von Top-Level-Domains mit jeweils 63 Zeichen großen Domainnamen, die die Buchstaben A bis Z, die Zahlen von 0 bis 9, das Minuszeichen und dann auch noch einen IDN-Namensraum beinhalten, gewaltig groß. So rein ökonomisch gesehen. Von einem knapper werdenden Gut werden wir also im DNS vermutlich auch in einigen tausend Jahren wohl kaum sprechen können. Technisch gesehen.

Praktisch gesehen ist es natürlich so, dass generische Begriffe kaum noch zu haben sind, das war aber schon vor fünf Jahren nicht sonderlich besser. Für zusammengesetzte Kunstnamen ist der Raum allerdings noch sehr ergiebig, ich habe in einem Test nach wie vor überhaupt keine Probleme, gar nicht so sonderlich abstrus klingende Namen in allen gängigen Top-Level-Domains registrieren zu können. Man muss natürlich suchen und experimentieren, wenn man einen neuen Firmennamen entwickeln will, aber das musste man auch schon vor dem Internet-Zeitalter.

Bei Domainnamen, die für horrende Geldsummen die Besitzer wechseln, ist es so, dass es einige wenige, generische Begriffe sind, die wirklich horrende Preise erzielen. Der Groß aller Domainnamen wechselt nie den Besitzer, schon gar nicht für mehr als vierstellige Beträge. Selbst dann nicht, wenn hinter dem Domainnamen ein mitzuverkaufendes Projekt steckt, das liegt in der Regel wie Sauerbier herum.

Sorry Robert, ich kann deine Panik nicht teilen. :-)

ICANN und die SU-Domain.

16. April 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Eigentlich gehört die Top-Level-Domain “.su” zu den Relikten aus ganz dunkler Zeit, sie ist nämlich die ehemalige Top-Level-Domain der Sowjetunion und auch heute noch in Betrieb, weil die russische Registrierungsstelle vorgibt, unter dieser Domain immer noch Domainregistrierungen zu haben. Während ICANN schwer daran interessiert ist, dass dieses Relikt aus Gründen der Nichtexistenz des dazugehörigen Staates so schnell wie möglich aus dem Internet haben möchte und “.su” seit Jahren als “being phased out” behandelt, denken die Russen offensichtlich gar nicht daran.

Im September letzten Jahres riss ICANN der Geduldsfaden und die Betreiber der “.su”-Top-Level-Domain wurden aufgefordert, dafür zu sorgen, dass keine Neuregistrierungen mehr angenommen werden sollten. Die Antwort der “.su”-Registry war eindeutig, wenn auch anders, als von ICANN erwartet, denn die Preise der bis dato sehr teuren “.su”-Domain wurden stark herabgesetzt und nahe an die Preise der russischen “.ru”-Top-Level-Domain angenähert. Mit dem Ergebnis, dass die Domainzahlen von damals rund 10.000 Stück auf heute 45.000 anstiegen. Dazu kamen Gerüchte in letzter Zeit, dass die “.su”-Registry plant, für die “.su”-Zone IDN-Domains einzuführen, also Domainnamen mit Sonderzeichen. Das macht man alles für gewöhnlich sicherlich nicht mit einer Top-Level-Domain, bei der man gedenkt, sie demnächst zurückgeben zu wollen.

Ganz im Gegenteil, denn Andrei Vorobyov, der Pressesprecher des “Regional Network Information Center”, das die “.su”-Domain verwaltet, sagte, dass man für die Zukunft Pläne habe, die Sprachen, die innerhalb der “.su”-Top-Level-Domain für IDN-Namen verwendet werden können, zu erweitern, inklusive aller Sprachdialekte, die in Russland gesprochen würden.

Dürfte sehr spannend werden, wie das nun weiterläuft. Rein technisch gesehen könnte ICANN problemlos die Top-Level-Domain “.su” aus der Root-Zone und damit aus den Root-Servern und damit faktisch aus dem DNS werfen. Politisch gesehen wäre das jedoch neuer und noch nie erprobter Sprengstoff, bei dem dann abzuwarten wäre, wie der “russische Bär” auf so eine Provokation des Imperialismus reagiert. ;-)

China kommt.

24. März 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Zumindest friedlich im DNS, denn die chinesische Registrierungsstelle für “.cn”-Domains, CNNIC, hat verkündet, dass die zehnmillionste Domain im Januar 2008 registriert wurde. Allein direkt unter “.cn” (es gibt unterhalb von “.cn” noch Subdomains wie zum Beispiel “.com.cn”) sind nun über sechs Millionen Domains registriert.

Damit ist die chinesische Top-Level-Domain auf dem besten Wege, die deutsche langsam aber sicher zu überholen, die derzeit noch die größte, nationale Top-Level-Domain im Internet darstellt. Eine recht aktuelle Statistik pflegt das DENIC. Wobei diese Statistik – im Bezug auf die “.de”-Zone – nicht tagesaktuell ist, tagesaktuelle Werte gibt es hier. Zumindest ist die 12-Millionen-Hürde in greifbarer Nähe.

"GAMESCom" und seine Domain-Namen.

26. Februar 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Okay, also “GAMESCom” soll das Baby heißen, der Nachfolger bzw. die Kölner Ausgabe der altehrwürdigen Games Convention. Sehr originell Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. und die Koelnmesse haben dabei den Kardinalfehler gemacht, den man mit einer Marke machen kann: Sie haben zu früh gequatscht und zu spät gedacht.

Immerhin hat man mal für den Begriff “GAMESCom” einen Markenschutz und den immerhin schon seit Mai 2004. Besitzer der Marke ist die Koelnmesse, das ist also schon mal gut geplant gewesen. Allerdings hätte man da ruhig auch einmal weiterdenken und passende Domainnamen reservieren können.

So ist “gamescom.com” schon seit 2000 im Besitz einer koreanischen Firma, “gamescom.info” seit 2007 im Besitz einer britischen, “gamescom.biz” seit Mai 2007 für einen rumänischen Menschen registriert, “gamescom.net” gehört einem Unternehmen in Nassau. Die deutsche und europäische Variante des Namens sind zwar auch belegt, die könnte man in Zweifelsfall einklagen, wenn einem gar nichts anderes mehr einfällt.

Grundsätzlich aber macht es Sinn, eine Markenanmeldung nicht als Bank zu verstehen, sondern als Ansporn, damit möglichst frühzeitig zu arbeiten.

".travel" zu verkaufen.

26. Februar 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Dass die so genannten “sponsored Top-Level-Domains” – also Top-Level-Domains, in denen nur bestimmte Personengruppen, Unternehmen oder Institutionen Domains registrieren dürfen – alles andere als sprudelnde Geldquellen sind, ist nichts weltbewegend neues in der Domain-Szene. So Top-Level-Domains wie “.coop”, “.aero” oder “.museum” kennen, obgleich sie eigentlich von der Idee her nicht schlecht sind, nur die wenigstens Internet-Nutzer.

Nun steht Tralliance, die Registrierungsstelle für Domains unter “.travel” zum Verkauf, wenngleich der alte und neue Besitzer sich nicht ganz unfremd sein dürften: Das Unternehmen The Globe will seine Anteile an ein Unternehmen namens The Registry Management Company LLC verkaufen. Besitzer von letzterem: Michael S. Egan, der CEO von The Globe. Allerdings ist der neue Laden aus seinem Privatvergnügen bezahlt.

Schwedische Frauenquote.

25. Februar 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Okay, ich habe den Nachweis, dass die schwedische Registrierungsstelle für Domains mit der Endung “.se” statistisch unterfordert ist. Tatsächlich habe man nun herausgefunden, dass schwedische Frauen dreimal mehr Domainnamen für Blogs registrieren, als schwedische Männer.

Die Begründung ist mir leider trotz viel Phantasie und eine gewisse Zuneigung zu schwedischen… äh… Produkten nicht ergründlich, da die Pressemeldung derzeit nur auf schwedisch erhältlich ist. Wer dem Schwedischen mächtig ist, darf sich ja mal daran üben und hier eine Zusammenfassung hineinkommentieren.

[via DomainNews.com]

“.eu ist eine Katastrophenzone.”

8. Februar 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

John McCormac, Autor des WhoisIreland Review Blog (WhoisIreland ist eine Art Webverzeichnis für Irland), hat ein niederschlagendes Ergebnis einer Prüfung der “.eu”-Top-Level-Domain zusammengetragen.

“The latest WhoisIreland.com .eu web survey shows that the .eu ccTLD is in serious trouble. Out of 1723638 websites checked, only 13.37% of sites were active/unique. As a ccTLD for Europe, it is a disaster zone. Brand registrations accounted for 7.78% of registrations. The percentage of duplicate content sites was 6.02%. The percentage of websites that redirected elsewhere was 16.68%. The percentage of PPC/warehoused websites was 14.22%. The percentage of holding page sites was 16.79%.”

Das hört sich in der Tat nicht wirklich erfolgsträchtig an: Nur 13,37 % aktive bzw. eindeutige Websites für die “.eu”-Domain und überhaupt sehr ungepflegte Weiterleitungen und Anbindungen. Allerdings muss man das auch alles etwas relativieren.

  • Die Identifizierung mit “.eu” ist ähnlich wie mit Europa selbst. Wir leben zwar darin, müssen auch genügend EU-Richtlinien ertragen und haben eine Währung, die so heißt, aber so richtig greifbar ist Europa als Staat nach wie vor nicht für uns. Noch viel schlimmer ist, dass Europa oft genug im Negativen verwendet wird, als Bürokratiemaschine oder einfach als dankbarer Sündenbock.
  • “.eu” hat als neu eingeführte Top-Level-Domain das genau gleiche Problem wie jede andere, neu eingeführte Top-Level-Domain. Zuerst kommen diejenigen mit oft genug obskuren Namensrechten zum Zuge, dann die Domainsquatter und am Ende Unternehmen und Personen, die meist schon irgendeine andere Domain in einer anderen Top-Level-Domain besitzen. Es ging bei den Landrush- und Sunrise-Phasen zwar nicht ganz so in Wildwest-Manier zu, wie in so manch anderen Top-Level-Domains, Fakt ist jedoch, dass der kleine Mann und das kleine Unternehmen im Schwarzwald hier nur mit viel Glück oder einem eher peinlichen Namen zum Zuge kommt.
  • Die Abgrenzung ist kompliziert und aufwendig, denn letztendlich müsste eine neue Homepage erstellt werden, wenn man wirklich für die EU-Domain sinnvoll neuen Content aufbereiten wollte. “.eu” ist, wenn überhaupt, am ehesten interessant für “europäische” Unternehmen, die also in mehreren EU-Ländern aktiv sind.

Rat habe ich keinen, außer: Von neuen Top-Level-Domains haben in der Regel nur die Registrare und Domain-Glücksritter etwas, denn eine neue Top-Level-Domain macht noch lange keine Identifikation mit einer Thematik oder einer Nation aus und bringt auch nicht automatisch Kundschaft herbei. Ich bin deshalb nach wie vor extrem skeptisch über Bemühungen diverser Lobbyisten und Politiker, solche Schrapnellen wie “.berlin” oder “.bayern” einzuführen. Besitzer von Namensrechten werden schlicht und einfach ihre Namen auch dort registrieren müssen, vielleicht wird der Lokalpatriot auch noch damit glücklich gemacht werden können, aber dann?

ICANN-Vertrag zum DNS-Root-Server “F”.

5. Januar 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Der Laie kann eigentlich nur den Kopf schütteln, wenn er in einschlägigen Nachrichtentickern liest, dass die ICANN nun den ersten Vertrag mit einem Betreiber eines DNS-Root-Servers unterzeichnet hat. Immerhin sind die 13 DNS-Root-Server das Kernstück im Domain Name System. Läuft das alles etwa bis jetzt ohne wirklichen Vertrag, einfach so? Ja, das tut es.

Dazu muss man wissen, dass im Internet von Anfang an jede Bereitstellung eines netzwichtigen Dienstes nach der Devise lief: “Sorry, kann mal bitte jemand den Dienst X betreiben, das wäre wichtig für uns alle.” – Bedächtige Ruhe – “Keiner da? Es winkt Ruhm von der Netzcommunity.” *gähn* – “Na gut, rück rüber, wir machen das.” Die DNS-Root-Server sind das beste Beispiel dazu, was auch stark daran liegt, dass sie zwar gigantisch viel Datenverkehr erzeugen, aber keine direkte Finanzierung besitzen. Kein Endkunde bezahlt schließlich den Betreiber eines DNS-Root-Servers dafür, dass er DNS-Namen auflösen kann.

Den “F”-DNS-Root-Server betreibt von Anfang an das Internet Software Consortium unter Paul Vixie. Vixie gehört zum engeren Kreis der Internet-Veteranen und hat unter anderem die Nameserver-Software BIND forciert. Da lag es also nahe, dass das ISC 1994 eine Instanz der Root-Server-Kette übernahm.

Was in diesem Vertrag genau drin steht, ist übrigens gar nicht so publik. Die offizielle Verlautbarung ist, dass darin “Beschreibungen von Diensten und Erwartungen, Lösungen in Fällen von Streitigkeiten und Austausch von Informationen” notiert sind. Inoffiziell wird es vermutlich unter anderem auch um die Frage gehen, wer den Spaß von über 100.000 DNS-Anfragen pro Sekunde zukünftig bezahlt.

Abfragestatistik eines DNS-Root-Servers.

27. November 2007 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Eine recht hübsche Statistik hat John L. Crain im ICANN-Blog über den DNS-Root-Server namens “L” veröffentlicht. Diese Root-Server-Instanz wird von der ICANN selbst betrieben und ist in Miami stationiert. In seinem Artikel hat Crain einen vermutlich recht typischen Tag, nämlich den 26. November 2007, als Basis für allerlei interessante Abfragestatistiken genommen.

Wir holen uns nochmal unsere ersten/letzten DNS-Kenntnisse heraus und rufen uns im Hinterkopf auf, dass die DNS-Root-Server die oberste Instanz im DNS darstellen und überhaupt darüber Auskunft geben, welchen Nameserver im Internet man kontaktieren muss, um zu den einzelnen Top-Level-Domains zu kommen. Sprich: In den Zonendateien der Root-Server steht beispielsweise drin, welcher Nameserver für die Top-Level-Domain “.de” zuständig ist. Daraus ergibt sich fast schon automatisch, dass die DNS-Root-Server dementsprechend genügend Geschäft haben.

Die erste Grafik ist eigentlich schon die interessanteste, denn sie enthält die Abfragen aufgeschlüsselt nach Top-Level-Domains. Die Farbunterteilungen stellen die unterschiedlichen Abfragetypen dar. Rot sind beispielsweise normale A-Records, also beispielsweise die Auskunft, welche IP-Adresse sich hinter www.netplanet.org verbirgt. Es ist also nicht sonderlich verwunderlich, dass die Abfrage von A-Records alle anderen überragt (mit Ausnahme von .arpa, naturgemäss sind aber in dieser Top-Level-Domain die PTR-Records wichtig).

Dass zu allererst die großen und vor allem alten Zonen “.com”, “.net”, “.arpa” und “.org” vorkommen, ist einleuchtend. Bei den Länder-TLD wird es dann aber schon interessanter, denn vor “.de”, die mit Abstand die grösste Länder-TLD weltweit ist, erscheint “.br” für Brasilien. Auf den ersten Blick verwunderlich, auf den zweiten Blick jedoch durch den Standort des Root-Servers erklärbar, da dieser – netzwerktechnisch gesehen – in unmittelbarer Nähe zu großen Datenaustauschpunkten zu südamerikanischen Netzen steht, bekommt dieser natürlich auch dementsprechend viel Abfragen aus der Region ab. Witzig sind hier auch so Top-Level-Domain-Abfragen wie “.belkin”, “.local” oder “.localdomain”, alles Abfragen aus eher angemurksten DNS-Implementierungen.

Die zweite Grafik enthält eine Aufteilung über die Antwortkategorien des Root-Servers. Grün, und damit rund 70 % aller Antworten, steht für “NOERROR” und gibt an, dass eine Abfrage korrekt beantwortet wurde. Rot wiederum steht für “NXDOMAIN” und ist die Antwort dafür, wenn eine Anfrage für eine Domain-Information eintrifft, für die der Root-Server jedoch nicht zuständig ist (nicht zu verwechseln mit falschen Anfragen). Der Rest an Antworten ist offensichtlich vernachlässigbar, da sie nicht in der Grafik auftauchen.

Die dritte Grafik gibt an, in welchem IP-Protokoll die empfangenen Anfragen daherkamen. Es überrascht den Insider weitgehend nicht, dass über 90 % aller Anfragen per UDP daherkommen, da UDP das Standardprotokoll ist, in dem DNS-Kommunikation abgewickelt wird. Nichtsdestotrotz funktioniert aber, wie man sieht, auch TCP dafür, was durchaus genügend Systemadministratoren nicht wissen. Das kleine Stückchen Rot steht übrigens für ICMP und vermutlich sind das schlicht und einfach solche Dinge wie Pings und Traceroutes, die offensichtlich von genügend Leuten an DNS-Root-Server gesendet werden.

IDN-Test in der DNS Root-Zone.

21. November 2007 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in DNS

Nun kann das DNS ja nur vereinfachtes ASCII, d.h. es gibt gar keinen Raum dafür, direkt Sonderzeichen in das DNS zu bauen. Solche Dinge wie Unicode gab es bei der Entwicklung von DNS nicht und nachträglich lässt sich das ohne eine wirklich ganz große Umstellung im Internet nicht.

Also bedient man sich einem Verfahren namens IDN. IDN ist eine einheitliche Möglichkeit, eine Domain mit Sonderzeichen in eine normale Domain mit dem vereinfachten ASCII-Zeichensatz zu übersetzen. Aus einer Domain namens grünkohländerungsvöllerei.de würde hinter den Kulissen xn--grnkohlnderungsvllerei-64b55boe.de übersetzt werden. Die Kennung “xn--” gibt dabei an, dass es sich bei diesem Domainnamen um einen in IDN übersetzten Namen handelt. Das IDN-Verfahren funktioniert soweit recht passabel und bildet Sonderzeichen und Schriftzeichen vieler Sprachen problemlos im DNS ab. Und das eben so, dass jeder DNS-Server damit auch klar kommt.

An was man sich bisher nicht herangetraut hat, ist das IDN auch für Top-Level-Domains einzusetzen. Top-Level-Domains kennen wir nur in Klartext, aber man denkt bei der ICANN – natürlich absolut ohne monetäre Hintergedanken – daran, weitere Namensräume zu erschließen und dazu könnten eben auch Top-Level-Domains mit Sonderzeichen gehören. Beispielsweise schleppen ja schon unsere österreichischen Freunde ein Sonderzeichen in ihrem Landesnamen mit, da könnte man in einem zukünftigen Adressplan durchaus auch auf die Idee kommen, eine Top-Level-Domain namens “.österreich” einzuführen. (Disclaimer: Ich will das persönlich NICHT und zwar NICHT deshalb, weil ich Österreicher nicht als Menschen respektiere, sondern weil ich solche DNS-Spielereien für sinnlos halte.)

Probieren geht, gerade im Internet, gern über studieren und deshalb hat sich die ICANN dazu entschieden, eine Reihe von Top-Level-Domains ab Mitte Oktober vorübergehend in die Root-Zone zu nehmen, die den Begriff “test” in verschiedenen Sprache und Zeichensätzen enthalten. Jede dieser testweisen Top-Level-Domains enthält eine Second-Level-Domain namens “example”, mit der entsprechend getestet werden kann.

Da jetzt vermutlich die meisten das Problem haben werden, mit ihren Betriebssystemen überhaupt eines dieser Sonderzeichen zu erzeugen und einen Übersetzer dafür haben, der das übersetzt, kann jeder natürlich eben auch mit dem IDN-Code und mit dem DNS-Werkzeug nslookup entsprechende Abfragen machen. Und wenn man http://xn--e1afmkfd.xn--80akhbyknj4f/ in den Browser eingibt (oder der Einfachheit halber auf den Link klickt), funktioniert das sogar.