Home > Home > HistoryWelt

| Abonnieren via RSS

Der 11. September 2001.

9. September 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in HistoryWelt

Der 11. September 2001 ist so ein Tag, der sich, um mal eine häufig verwendete Formulierung zu verwenden, “tief in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat”. Also, sprechen wir darüber und rekapitulieren den Tag, so belanglos er für viele Menschen auch war. Ein bis dato völlig normaler Dienstag, 11. September 2001. Schreibt darüber, ihr habt noch zwei Tage Zeit.

Der 11. September 2001 war im Büro ein relativ ereignisloser Tag. Am Wochenende zuvor fand in Pforzheim eine Schmuckmesse statt und am Vormittag kümmerte ich mich darum, die dort eingesetzt und am Vortag abgebaute Hardware wieder “plattzumachen” und in unser Lager zurückzuräumen. Der Nachmittag kündigte sich als ein zunächst langweiliger Dienstagnachmittag an.

Das erste, was mich gegen 15 Uhr wunderte, war, dass der obligatorische Blick auf die Website von SPIEGEL Online plötzlich nicht mehr so wollte, wie gewünscht. Der erste Aufruf funktionierte gar nicht mehr, danach kamen bruchstückenhaft mal die Titelzeile, mal einzelne Bilder. Die nächste Nachrichten-Website funktionierte ebenfalls nicht und als Systemadministrator macht man dann eben eine Konsole auf und schaut sich mal mit ping, traceroute und ein Blick auf die Routingtabelle die Online-Welt mal von der untersten Ebene an, ob nicht irgendetwas im Netzwerk im Argen liegt. Lag es nicht, zumindest nicht bei uns.

Der wahre Grund wurde klar, als dann SPIEGEL Online eine halbwegs vollständige Seite übermittelte. Das erste Bild vom World Trade Center mit dem rauchenden Nordturm ist wohl einer der Web-Bilder, die sich in vielen Köpfen zu diesem Zeitpunkt fest eingebrannt haben. Und tatsächlich dachte man zunächst an einen fatalen Unfall, was schon schlimm genug war – aus der damaligen Gedankenperspektive. Nebenbei telefonierte ich mit einer Dame einer Beratungsfirma, die für eine Vortragsserie Fachleute zu irgendeinem Thema suchte und aus unerfindlichen Gründen auf mich gekommen war. Man unterhielt sich angeregt, im Hintergrund eben die ersten gegenseitigen Fragen: “Haben Sie schon gehört?” – “Was da wohl passiert sein könnte?”

Man darf nicht vergessen: Wikipedia – gab es nicht. Google News – gab es nicht. Facebook, Twitter und Co. – Zukunftsmusik. Wir hatten weitgehend nur unsere Nachrichten-Websites. Sehr schnell zeigte sich, dass wir in unserem hochvernetzten Büro so ziemlich alleine standen. Kein Radio, kein Fernsehen und alle Nachrichten-Websites standen komplett unter Last und waren nicht erreichbar. Schöne neue Welt. Ich warf dann meinen IRC-Client an und walkte etwas im IRCNet herum. In meinem “Stamm-Kanal” namens “#stuttgart” gab es dann Hinweise auf diverse IRC-Channels, in denen von Freiwilligen eine Berichterstattung geliefert wurde. Und diese Kanäle waren damals in riesigen Dimensionen gefüllt, mehrere tausend rein lesende IRC-Nutzer, einige wenige “Ops”, die schrieben.

Ich mag heute nicht mehr bewerten, was an Information über diese Kanäle im Kopf landete oder nicht, dazu ist die Zeit viel zu weit weg und die immer schlimmer werdenden Eindrücke waren zu stark, um es noch auf die tatsächliche Informationsquelle zurückzuführen. Der Nachmittag hatte aber jedes Potential, um so richtig mies zu werden. Mein Chef lag mit einer Erkältung zu Hause flach und irgendwann gegen 16 Uhr rief er im Büro an. Er hatte einen Fernseher zu Hause und berichtete in wenigen Worten die Situation. Beide Türme eingestürzt, das Pentagon brennt, viertes Flugzeug offenbar abgestürzt, deprimierende Bilder, überschlagende Nachrichtenlage, ganz schlimm. Seine deprimierte Stimmlage bei diesem Telefongespräch ist auch so ein Splitter, der diesen Tag im Nachhinein charakterisierte.

Was gespenstisch war an diesem Tag: Nach 15 Uhr passierte nichts mehr. Niemand rief mehr an, es kamen keine Mails mehr (was nicht an der Technik lag), im Büro sprach keiner mehr, draußen ebbte auf der ansonsten starkbefahrenen Kreuzung der Verkehr ab und der Parkplatz vor dem Supermarkt war ab 16 Uhr leer. Dass sich Menschen bei Großkatastrophen kollektiv zurückziehen und instinktiv nach Hause zu gehen scheinen, das habe ich an diesem Tag eindrucksvoll erlebt. Um 17 Uhr zogen wir dann, ebenfalls eine Geschichte, die danach nie wieder vorkam, den Stecker und machten kollektiv das Büro zu. Ein Anruf bei meinem Chef, dass wir jetzt einfach nur noch gehen wollen und er nicht einen Augenblick zögerte. Ja, geht nach Hause.

Tags: , ,

Der Uhrenbeweger.

16. April 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in HistoryWelt

Wer sich für einen guten Uhrmacher hält, so wie es mein Vater tut, der hat allerlei Technik im Hause stehen. Was für andere eine Surroundanlage ist, ist für meinen Vater ein Uhrenbeweger. Und so sieht ein Profimodell in Aktion aus:

Wenn es einen technischen Bereich gibt, in dem sich in den letzten Jahrzehnten am meisten getan hat, dann ist es zweifellos die Uhrenindustrie. Und da rede ich gar nicht mal von Digitaluhren, sondern eben von Automatikuhren. Uhren, die keine Batterie brauchen. Uhren, die kinetisch geladen werden, nämlich durch den Träger, der beispielsweise beim Laufen ständig mit dem Armen herumschlenkert und dabei in seiner Uhr ein Gewicht bewegt, das wiederum eine Feder aufzieht. Nicht-digitale Hightech, die durchaus begeistern kann, weil sie einfach läuft und läuft und eine bemerkenswert gute Energiebilanz hat.

Diese technischen Entwicklungen führen übrigens dazu, dass Uhrmacher überproportional häufig glauben, sie könnten prinzipiell alles reparieren.. Kirchturmuhren, Autos, Computer, Blinddärme. Man muss sie dann gelegentlich einbremsen, bevor sie richtig etwas kaputtmachen. Das zumindest haben sie mit EDV-Leuten gemein. ;-)

Tags: , ,

Vor 30 Jahren: Der “Marathon of Hope” von Terry Fox.

12. April 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in HistoryWelt

Terry Fox beim "Marathon of Hope" (aus en.wikipedia.org)

Genau heute vor 30 Jahren begann der Kanadier Terry Fox seinen “Marathon of Hope”, bei dem er quer durch Kanada von Osten nach Westen laufen wollte. Am 12. April startete er in St. John’s in Neufundland und hat sich vorgenommen, jeden Tag 42 Kilometer zu laufen, also genau die Strecke eines Marathons.

Das Bild rechts zeigt schon auf den ersten Blick, was die Besonderheit dieses Terry Fox war. Aber nur auf den ersten Blick, denn sein rechtes Bein verlor er im Jahr 1977, als bei ihm im rechten Knie Knochenkrebs diagnostiziert wurde und ihm das Bein 15 Zentimeter über dem betroffenen Knie amputiert werden musste. In dieser Zeit entschied er im Krankenhaus für sich, dass er ein Zeichen setzen muss und Gelder für die Krebsforschung sammeln möchte – eben durch einen Marathonlauf durch Kanada.

Terry Fox trainierte 18 Monate lang und lief in dieser Zeit über 5.000 Kilometer, bevor er dann am 12. April 1980 startete. Begleitet wurde er von seinem Bruder und einem guten Freund, die mit einem Begleitfahrzeug hinter ihm her fuhren, während Fox vornehmlich auf den Seitenstreifen von Highways lief. Und lief.

Während anfänglich die mediale Berichterstattung eher mager war, änderte sich das im Laufe seines Laufes komplett. In allen Orten, die Terry Fox durchlief, erwarteten ihn Menschenmassen und feuerten ihn frenetisch an. Während dem Sommer 1980 lief sich Terry Fox in die Herzen der Kanadier und wurde zu einem “Compagnion” der Gesellschaft, ein wahrer Held der Gesellschaft.

Sein Marathonziel schaffte Terry Fox nicht mehr, er musste am 1. September 1980 nach rund 5.300 Kilometern kurz vor dem Ort Thunder Bay aufgeben. Eine Untersuchung ergab, dass der Krebs wieder zurückgekehrt war und unheilbar seine Lungen angegriffen hat. Am 28. Juni 1981 starb er mit nur 22 Jahren. Dass sein Engagement und sein Schicksal eine ganze Nation erschüttert und berührt hat, zeigen zwei sehr emotionale Filme:

Die Bedeutung von Terry Fox in der kanadischen Gesellschaft kann man noch an einem anderen Umstand messen: Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Vancouver bildete sich in Facebook eine Gruppe, die das Organisationskomitee bat, dass Betty Fox, die Mutter von Terry Fox, eine der Personen sein solle, die in der Eröffnungsfeier die olympische Flagge in das Stadion tragen. Über 100.000 Teilnehmer überzeugten das Komitee offensichtlich so eindrücklich, so dass Betty Fox diese Ehre auch zuteil kam.

Tags: , , , , ,

Tschö, AOL!

11. Januar 2010 | 8 Kommentare | Veröffentlicht in HistoryWelt

AOL verabschiedet sich aus Deutschland und schließt seine Dependancen. Beziehungsweise AOL flieht aus Deutschland, um wenigstens seine Kernmärkte noch irgendwie zu retten. Und es wird dennoch spannend bei der Frage, ob das je gelingen wird.

Tja, AOL, du Glitzerwelt des Cyberspace! Kaum jemand, der vor der Jahrtausendwende nicht die obligatorischen zehn Freistunden ausprobiert hat – natürlich immer zuzüglich den damals noch eifrig nach Takt abgerechneten Telefongebühren. Und was gab es zu sehen, wenn man in AOL die passenden Begriffe eingab? Schaufenster. Manche zappelten sogar, die meisten waren jedoch nur einigermaßen schön, höchst selten informativ und meist unbrauchbar. Die Philosophie des Mitmachens war noch nicht geboren. Sondern eher die Philosophie des Miteinander-Machens, vornehmlich im AOL-Chat.

Die Chat-Welten waren in etwa das, was heute noch spelunkenartige Dorfdiskotheken darstellen: Ungefähr 20 Grad zu stark geheizt, keine Lüftung, alle Fenster vernagelt, völlig verraucht und die Getränkepreise in astronomischen Höhen. Und dann walkten die Hormone von einem Organ zum nächsten. Ob harmloser Flirt, Dating zum schnellen Autobahnparkplatz-Quickie (sortiert nach Autobahnnummern und einer der wenigen Online-Aktivitäten, die es gleich mehrfach in Pseudo-Reportagesendungen geschafft hatten), die erste Liebe für die Pickeligen oder einfach nur Tech-Gesülze – alle waren dabei.

Was eher Pfui-Pfui war und daher auch dezent im Hintergrund positioniert wurde, war das Fenster zum bösen Internet. Dazu gab es sogar eingebaut den Internet Explorer und das zu Zeiten, als der Internet Explorer noch Geld kostete. Das Internet freilich, das war knackelangsam, weil das Internet-Gateway von AOL in den USA war. Aber wer wollte schon in das unbunte Internet, wenn man “drin” war?

So sahen die besten Zeiten von AOL aus und weit über 30 Millionen AOL-Nutzer konnten nicht täuschen. Wobei… sie konnten. Schon immer war es eine AOL-Strategie, vor allem zu wachsen, koste es, was es wolle. Es gab Zeiten, in denen die sprichwörtliche AOL-CD in jeder Zeitschrift steckte. Es gab sie beim Media-Markt, am Kiosk mit einem AOL-Spezialheft, im Versandhauskatalog und die ganz armen Schweine, die tatsächlich einmal die Freistunden ausprobiert hatten, bekamen die Scheiben sogar in schöner Regelmäßigkeit nach Hause geschickt. Immerhin aber meist in wirklich guten DVD-Hüllen.

An AOL hat sich irgendwie seitdem auch nicht mehr viel geändert. Gut, freilich, es sind nach dem Platzen des Dot-Com-Booms dann nie wieder mehr, sondern immer weniger Mitglieder geworden. Und zwar ziemlich schnell immer weniger Mitglieder, denn irgendwann kam auch der letzte Analyst auf den Trichter, dass die AOL-Kundenkartei voll mit Karteileichen war – Leuten, die es inzwischen begriffen hatten, dass Internet auch ganz gut ohne AOL geht.

Die Abwärtsspirale drehte sich plötzlich schneller und schneller. Aus dem Megakonzern “AOL Time Warner” wurde dann wieder nur noch “Time Warner” und der Begriff “AOL” wurde auch Dank der immer stärkeren Positionierung auf eher trashige Werbemärkte ein Inbegriff der Online-Frühzeit. Nicht ganz so bieder wie T-Online, allerdings gleich ein paar Dutzend Kannen zu schrill für jeden Ü30. Und selbst die allerletzten Content-Lieferanten, die AOL bis dato exklusiv belieferten, darunter der FC Bayern München, erkannten irgendwann mal, dass die Geschichte mit diesem Internet ja vielleicht besser läuft.

Die Gegenwehr von AOL gegen die Emanzipationsbewegungen der bisherigen Mitgliedschaft war altbacken. Gleicher Inhalt, irgendwann dann geöffnete Türen auch für Nicht-Einwähler und halbherzige Versuche, AOL mit DSL-Anschlüssen zu verkaufen. Spätestens hier fuhr dann der Zug für AOL ab, denn wer wollte eine schnelle Anbindung für die immer komischer wirkenden Schaufenster der schönen, alten AOL-Welt? Irgendwann waren es dann auch nicht mehr 10 Freistunden, sondern 100 oder auch 500. Es rankten auch Gerüchte um 5.000 Freistunden, doch mal im Ernst: Wer wollte das noch freiwillig?

AOL ist vorbei, AOL ist Geschichte. Zwar gibt es das Label noch und tatsächlich gibt es sogar noch Online-Dienste und gar noch den AOL Instant Messenger (AIM), doch wenn ich das AOL-Logo sehe, dann sehe ich vor allem: Gestern. Quäkendes Modem. Sorgenvolle Blicke auf die Stoppuhr. Und ich weiß dann, dass es genug ist.

Tags: ,

Alle Jahre wieder.

29. Oktober 2009 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in HistoryWelt

Völlig überraschenderweise hat auch dieses Jahr das Internet wieder Geburtstag. Beziehungsweise ist heute ein Tag, der auf Basis des Monats und des Tages eine Art Jubiläum darstellt. Ein Jubiläum von vielen und irgendwo muss man eben mal einen Tag als Geburtstag des Internets festlegen, sonst kann man ja nicht jedes Jahr darüber schreiben.

Jahrelang erfahrene Leser des Heise Newstickers kennen das und wundern sich schon lange nicht mehr darüber, dass es zu diesem heutigen Geburtstag immer die gleiche Geschichte gibt, zu der aber nun auch gar nichts mehr neues hinzukommt. Was vermutlich auch daran liegt, dass Wissenschaftler und Ingenieure nur selten im Alter sich zu guten Historikern wandeln. Sollte bei der Gelegenheit auch mal jemand dem Professor Zorn sagen, der mit der Geschichte, dass er derjenige ist, der in Deutschland die erste E-Mail empfangen hat, sich inzwischen für allerhand skurrile Aktionen begeistern lassen kann, deren historischer Wert zumindest zweifelhaft ist.

Ja, auch nach meiner Auffassung hat das Internet heute zugegeben einen wichtigen Geburtstag von vielen anderen, weil vor 40 Jahren eine Handvoll ebenfalls skurriler Wissenschaftler und Ingenieure zwei seltsame Kisten an teure Großrechner von Universitäten angeschlossen hatten und am 29. Oktober 1969 so etwas wie eine Datenübertragung probierten und das nach mehreren Stunden offenbar dann auch funktionierte. Ein Netz war es noch nicht – es gab ja nur zwei Endpunkte – und eine Standleitung war es auch noch nicht, weil man nach den Versuchen wieder die guten, alten Telefonhörer auf die Gabeln gelegt hatte, aber immerhin war das Ungreifbare geboren, was aus heutiger Sicht so etwas wie den ersten Vorläufer des Internet darstellt: Das ARPANet.

Ob nun der Tag wichtiger war, an dem die erste Kiste am ersten Standort aufgebaut wurde, die zweite Kiste am zweiten Standort oder der Testlauf der beiden Kisten beim Hersteller oder doch der Tag, an dem beide Kisten an beiden Standorten nicht nur im Testbetrieb liefen, sondern produktiv: Niemand weiß es. Aber wir werden es dennoch früher oder später in den nächsten Jahren und Geburtstagen erfahren.

Tags: , , ,