Ungerecht.

Ich habe es nicht so mit Reichtum. Reichtum ist abstrakt und bringt viele Leute nur auf viele Dummheiten. Wenn Reichtum ungerecht verteilt ist – und ungezügelter Kapitalismus verteilt Reichtum grundsätzlich ungerecht – schafft das Unfrieden und irgendwann Hass und Krieg. Nicht immer unbedingt angezettelt von den wirklich Reichen, sondern eher von den Leuten, die mit dem Ungleichgewicht ordentlich Stimmung machen. Ist nicht so? Dann empfehle ich die Lektüre von Dokumentationen praktisch aller Kriege der letzten 300 Jahre.

Ich bin auch nicht reich, sondern hatte in den vergangenen Jahren vielleicht Glück, oft auch schlicht durch reinen Zufall. Das hat in Sachen Finanzen zum Phänomen geführt, dass ich dieses Jahr fast 40 % meines Einkommens durch mein Wertpapierdepot erzielt habe. Und ich bin in Sachen Wertpapiere keiner, der auf Derivate, Hebel oder Optionspapiere setzt und auch nicht gegen Staaten und Währungen wettet. Ich habe zwei Drittel meines Wertpapierdepots in Aktienfonds, bei denen ich schon sehr genau schaue, wo die investieren und ein Drittel in reinen Aktien. Mitunter spekulativ, aber Glück und Pech gehen da immerhin rein auf meine Kosten, das ist das Betriebsrisiko.

So, und nun wird es ungerecht: Ich bin ledig und werde für mein reguläres Einkommen aus meiner selbstständigen Tätigkeit voraussichtlich um die 30 % Einkommensteuer abführen. Auf der anderen Seite arbeitet auch das Vermögen und wirft Zinsen, Dividenden und realisierten Gewinne durch Wertpapierverkäufe ab und die – obwohl sie nichts andere wie Einkünfte sind – werden pauschal nur mit 25 % durch die Abgeltungssteuer besteuert.

Ist das gerecht? Nein, ist es nicht. Es ist eine hässliche Sache, die mir nicht gefällt, auch wenn ich aus dem Bauch heraus natürlich auch kein Freund des Steuerzahlens bin. Ich habe zwar mein Spendenaufkommen dieses Jahr ebenfalls erhöht, aber das ist nicht die Lösung, denn wenn ich für Rettungshubschrauber, Notärzte, Umweltorganisationen, kommunale Kinos und karitative Organisationen spende, wird dadurch die kaputte Straße auch nicht schneller ausgebessert. Charity und – sehr böse gesagt – Almosen ersetzen keine Staatsaufgaben. Dürfen es niemals. Almosen retten mitunter Menschen, zerstören aber Menschenwürde.

Nun bin ich ein kleines Licht und man muss auch berücksichtigen, dass ich mit meinem bescheidenen Vermögen nebenher eine Altersvorsorge aufbauen muss. Andere, richtig reiche Menschen, arbeiten oft auch noch und das vielleicht auch recht viel. Sie verdienen dann auch mehr und zahlen den Höchstsatz von 42 % Einkommensteuer auf ihr Einkommen. Auf das, was ihr Vermögen erwirtschaftet: Ebenfalls nur 25 %. Wenn sie so reich sind, dass sie nicht mehr arbeiten müssen und rein von ihrem Vermögen leben, dann zahlen sie auf die realisierten Gewinne – also das, was sie tatsächlich dann aus ihrem Vermögen entnehmen – ebenfalls nur 25 %.

Ist das gerecht? Nein, das ist himmelschreiend ungerecht. Wer viel, viel mehr Geld hat, nicht mehr arbeiten muss (was keine Schande ist) und nur noch vom Ersparten lebt, kommt ganz billig weg und zahlt einen Steuersatz wie jemand, der ein sehr niedriges Einkommen bezieht. Er zahlt natürlich mehr Steuern, als ein Niedrigverdiener, aber eben nur einen Bruchteil von dem, was er eigentlich leisten sollte und könnte, wenn seine Vermögenseinnahmen ebenfalls als normales Einkommen zu versteuern wären.

Wenn wir uns wirklich eine Sache in Deutschland nicht erlauben dürfen, sind es solche obszönen Steuer-Ungerechtigkeiten, wie sie die Abgeltungssteuer darstellt.

Offener Brief an die Schufa.

Zur Schufa, der „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, die heute kein eingetragener Verein mehr ist, sondern eine Aktiengesellschaft, muss ich nicht sehr viel sagen. Warum es sie gibt, schreibt die Wikipedia und jeder von uns ist nicht unbedingt direkter Kunde der Schufa, aber zumindest dort ein mehr oder weniger umfangreiches Aktenzeichen wert.

Ich habe Diskussionsbedarf mit der Schufa und schreibe das mal in einem Offenen Brief, der zeitgleich mit der Veröffentlichung auch per E-Mail an die Schufa geht. Ich habe in meiner Anfrage darum gebeten, eine eventuelle Antwort ebenfalls veröffentlichen zu dürfen, was ich entsprechend dann auch tun werde.

Wer von meinen Blog-Lesern jetzt gern maulen möchte, ich möge doch einfach genauer die Verträge durchlesen, die ich abschließe: Ich lese Verträge für gewöhnlich genau und lese mitunter mehr AGB als so manch andere Mensch Bücher generell. Vertragswerke kann man jedoch, gerade wenn es überaus stark um eine vertrauensvolle Dienstleistung geht, auch kundenfreundlich gestalten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Verwunderung habe ich heute beim Blick auf meinem Girokonto eine Abbuchung über 10 Euro und dem Text „Aboverlängerung“ gefunden. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, mit Ihnen ein Abo abgeschlossen zu haben.

Eine nähere Recherche dazu brachte erstaunlicherweise auch nach 20 Minuten kein Ergebnis. Ich habe

  • den Zweck der Abbuchung ausgewertet, aber außer dem Text „Aboverlängerung“ und einer für mich nicht nachvollziehbaren Referenznummer keinen Hinweis gefunden,
  • den Schriftverkehr angeschaut, der mich 2011 im Rahmen der Registrierung für die Online-Auskunft „MeineSchufa.de“ erreicht hat, da ist nichts von einem Abo zu finden,
  • unter „MeineSchufa.de“ in meinen persönlichen Mitteilungen nachgeschaut und ebenfalls keinen Hinweis darauf gefunden, was da von meinem Konto abgebucht wurde. Die letzte Nachricht hier stammt aus dem Jahre 2011.

Zu meinem Erstaunen habe ich in älteren Kontoauszügen eine gleichlautende Lastschrift aus dem Jahre 2012 gefunden, über den gleichen Betrag und mit dem gleichen, nicht sinnvoll recherchierbaren Verwendungszweck.

Ich habe daraufhin heute umgehend die Abbuchung bei meiner Hausbank stornieren lassen, wie ich es grundsätzlich mit Abbuchungen tue, für die ich auch nach einer größeren Suche in meinen Unterlagen keine Rechnungs- und Vertragsgrundlage finden kann.

Nach einer weitergehenden Suche habe ich dann durch fremde Quellen (Web-Foren) den Grund recherchieren können, aus dem Sie heraus ableiten, dass ich mit Ihnen ein Abo abgeschlossen haben könnte.

Tatsächlich habe ich mich 2011 für die Online-Auskunft online auf Ihrer Website angemeldet und damals die dazu notwendigen und einmaligen 18,50 Euro für die Zugangsdaten und die notwendige „Schufa-XSCard“ bezahlt. Diese Unterlagen habe ich erhalten und den Zugang auch seitdem regelmäßig zu Eigenauskünften im Einsatz.

Damit verbunden war, so mein Rechercheergebnis, Ihr „Sonderangebot des zusätzlichen 100 Tage Update-Abo“, der sich – natürlich kleingedruckt geschrieben – automatisch nach dieser Zeit um ein Jahr verlängert und der dann eben 10 Euro kostet. Wohl- und angemerkt: Dieses zusätzliche Update-Abo, mit dem etwaige Änderungen in meinen bei der Schufa gespeicherten Bonitätsdaten per E-Mail oder SMS angekündigt werden, ist weder notwendig, noch meiner Meinung nach preislich mit dem Betrag von 10 Euro gerechtfertigt, da die Daten selbst ja kostenlos recherchierbar sind und das Update-Abo lediglich E-Mail- bzw. SMS-Nachrichten erzeugt, wenn sich Bonitätswerte ändern.

Und wie es sich für so ein grundsätzlich sicherlich legales Lockvogelangebot gehört … man redet nur beim Verkauf drüber und dann möglichst nie wieder. Nicht beim Zusenden der Zugangsdaten, später auch nicht in meinen Registrierungdaten unter „MeineSchufa.de“ und die Abbuchung wird auch schön kryptisch versteckt. Ein Betrag von runden 10 Euro dürfte bei vielen Kunden zudem schlicht nicht auffallen.

So eine Art der Vorgehensweise bin ich, ich bin da jetzt sehr ehrlich und direkt, aus Erzählungen von Drückerkolonnen und Wegelagerern gewohnt. Nicht von Unternehmen, die schon in der ersten Zeile ihrer Website davon erzählen, dass sie Vertrauen schaffen würden.

Damit schaffen Sie in einem sowieso von Vorurteilen belasteten Umfeld kein Vertrauen und keine Sicherheit, sondern damit wird Kunden, die nicht peinlich genug darauf aufpassen, Kündigungsfristen bei Lockvogelangeboten ständig im Kopf zu behalten, dreist ein an sich einfacher Geldbetrag aus der Tasche gezogen und subtil damit kokettiert, dass sich der Kunde schon nicht mit der Schufa streiten möchte.

Pardon, so geht es nicht.

Ich habe eine einwandfreie Bonität mit einem sehr hohen und „gepflegten“ Scoring-Wert, zahle meine Rechnungen für gewöhnlich immer pünktlich und bin kreditschuldenfrei. Notwendige Schufa-Auskünfte von Banken und anderen Unternehmen gebe ich nicht nur deshalb statt, weil es schlicht und einfach ohne Auskunft nicht geht, sondern auch mit der Überzeugung, dass ich meinen Vertragspartnern in Sachen Bonität nichts zu verheimlichen habe.

Das geht aber nur, wenn die Gegenleistung für meine Vertrauenswürdigkeit mindestens ein ebenso skaliertes Maß davon ist. Mit Unternehmen, die Details zu einem wie auch immer abgeschlossenen Vertrag nicht kommunizieren, keine Rechnungen schicken, ihre Zahlungen möglichst kryptisch verstecken und auch sonst nicht sonderlich gut zu kontaktieren sind, wenn es um Unternehmens- bzw. Geschäftsbelange geht, mache ich für gewöhnlich keine mehr als notwendigen Geschäfte und sage das auch so. Und selbst wenn der Vertragspartner die so mächtige Schufa ist.

Deshalb: Faktisch gesehen ist der Betrag von 10 Euro über die Aboverlängerungen von Ihrer Seite her berechtigt gewesen, da eine automatische Vertragsverlängerung erfolgte, meiner Schätzung nach bis irgendwann in den Zeitraum vom 20. März bis 2. April 2014. (Aus den nicht vorhandenen Unterlagen ist das leider nicht ermittelbar, sondern nur geschätzt.) Da ich die einmonatige Kündigungsfrist zum Laufzeitende aus obigen Gründen verpasst habe, bin ich in der dementsprechenden vertraglichen Verpflichtung auf Begleichung der 10 Euro.

Die von mir vorgenommene Lastschriftrückgabe ist damit, rein aus Vertragssicht, unberechtigt gewesen. Da ich Verträge für gewöhnlich erfülle, möchte ich mich für diese Unannehmlichkeit der geplatzten Lastschrift entschuldigen.

Gegen den an sich in so einer Situation gebotenen Vorschlag meinerseits, die entstehenden Kosten für meinen Fehler mir in Rechnung zu stellen, möchte ich jedoch mit allem gebotenen Respekt protestieren. Auch hier möchte ich in einer ehrlichen Sprache zu Ihnen sprechen:

Nein, ich möchte weder die 10 Euro für die Aboverlängerung, noch die nun entstehenden Kosten für die Lastschriftrückgabe bezahlen. Die Art und Weise, wie dieser Vertrag zu diesem Abonnement entstanden ist, halte ich für frech und nicht würdig im Komplex einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Individuen und Unternehmen, die über die finanzielle Existenz ihrer (Zwangs)Kunden entscheiden.

Ich bitte daher um Prüfung, inwiefern es möglich ist, den zwischen uns bestehenden Vertrag über dieses Update-Abonnement mit sofortiger Wirkung aufzuheben und die 10 Euro Abo-Gebühr nicht weiter in Rechnung zu stellen. Im Gegenzug wäre ich bereit, die entstehenden Kosten für die von mir fälschlicherweise initiierte Lastschriftrückgabe zu übernehmen. Eine dahingehende Rechnung, die Sie mir dann bitte an meine bekannte Anschrift oder per E-Mail meine E-Mail-Adresse „besim@karadeniz.de“ zuschicken, werde ich entsprechend begleichen.

Abschließend: Ich erspare mir und Ihnen an dieser Stelle den üblicherweise zu erwartenden Sermon in Form von „Dank im voraus“ oder Bekundungen für ein besonders zu steigendes Vertrauensvermögen Ihnen gegenüber, wenn aus Kulanzgründen meiner Bitte stattgegeben werden sollte. Solche Schlager interessiert Sie als Unternehmen nicht und von mir als Bittsteller wäre es auch nicht sonderlich ehrlich.

Unsere geschäftliche Beziehung ist sehr einseitig geprägt und ich bin bei Ihnen auch nur deshalb Kunde in Ihrem Online-Auskunftsdienst, weil ich darauf aufpassen will und muss, was bei Ihnen an vielleicht unbegründeter Information von meinen Vertragspartnern aus der Banken-, Konsum- oder Telekommunikationswelt landet und im Ernstfall meine zukünftigen geschäftlichen Beziehungen mit anderen Unternehmen negativ beeinflussen könnte. Ich bin kein „Spaßkunde“ und auch kein „Ernstkunde“, sondern ein „Mussleider-Kunde“ ohne jegliche emotionale Bindung zu Ihrem Hause, wenngleich ich aber ausdrücklich die Notwendigkeit von bonitätsprüfenden Institutionen anerkenne.

Aber: Gerade von solchen Unternehmen erwarte ich tatsächlich eine gesteigerte Sensibilität gegenüber der Notwendigkeit von gültigen, moralisch einwandfreien und vor allem ohne Zweifel nachvollziehbaren und offenen Verträgen. Das insbesondere dann, wenn es hier nicht nur um Bonitätsbewertungen von geschäftlichen Objekten geht, sondern um Menschen wie du oder ich, die sich maßlos darüber ärgern und für die Bonität nicht einfach nur eine Geschichte bis zur nächsten Unternehmensgründung ist.

Fassen Sie meine Worte und Darstellungen bitte, unabhängig von meinem eigentlichen Anliegen, als konstruktiv gemeinte Kritik auf.

Zu Rückfragen stehe ich selbstverständlich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen aus Pforzheim,
Besim Karadeniz

Das gefährliche Outsourcen der Steuerhoheit.

In der inzwischen unsäglichen E10-Thematik, bei der niemand mehr so richtig durchblickt, wer was wem aufgrund welcher Verfehlungen zu zahlen hat, ärgert mich ein Umstand, der sehr gefährlich für unsere Gesellschaft ist. Das leichtfertige Weggeben der Steuerhoheit an Unternehmen.

Da nun offenbar genügend Autofahrer in Deutschland tatsächlich so doof sind, nicht den günstigeren und weitgehend gleichwertigen E10-Kraftstoff in ihr Auto zu tanken, verkaufen die Mineralölkonzerne nachvollziehbar weniger E10-Kraftstoff und müssen sich auf „Strafzahlungen“ einstellen, die der Gesetzgeber festgelegt hat, wenn ein bestimmter Prozentsatz der Gesamtmenge an verkauftem Kraftstoff nicht mit E10 gedeckt wird. Die Debatte, dass Mineralölkonzerne diese Strafgelder bei ihren Kunden einholen müssen, ist dabei selbstverständlich eine reine Scheindebatte, denn woher sollen diese Strafgelder denn auch sonst kommen?

Dass die Käufer von E10-Kraftstoff nun über die Hintertüre die Dummheit der Nicht-E10-Käufer bezahlen, ist dabei nur ein Nebenaspekt, der den eigentlichen Skandal geschickt übertönt: Diese Strafzahlungen, die ja direkt an den Staat gehen, sind nämlich nichts anderes wie verdeckte Steuern. Und diese Steuereinnahmen haben den überaus netten Charme, dass der Staat diese Steuern sehr bequem direkt von den Mineralölkonzernen erhält.

Und es geht weiter: Tatsächlich ist nämlich in diesem Fall nicht nur das Kassieren von Steuern sehr hübsch outgesourced, sondern auch gleich die Steuerhoheit.

  • Bewerben die Mineralölkonzerne den E10-Kraftstoff gut, haben sie logischerweise höhere Marketingausgaben, die sie mit einem Kraftstoff gegenfinanzieren müssen, der ihnen weniger Geld einbringt.
  • Bewerben die Mineralölkonzerne den E10-Kraftstoff nicht gut (und das tun sie aktuell offenkundig nicht), verkaufen sie weiterhin den teuren „normalen“ Kraftstoff, holen sich so einfach mehr Geld vom Kunden und kaufen sich damit frei. Und der Staat verdient auch gleich noch doppelt, nämlich mit den Strafzahlungen und den höheren Steuereinnahmen für den teureren „normalen“ verkauften Kraftstoff.

Der autofahrende Bürger ist – und das muss man sehr deutlich so sagen – in bester, neoliberaler Denke an die Mineralölkonzerne verkauft worden und die machen jetzt einfach das, was am billigsten für sie ist.

Steuern versus Almosen.

Dass sich auch in Deutschland früher oder später eine Gruppe von Superreichen über die funktionslose Steuerpolitik für ihre Kaste beschwert und den Staat sogar darum bittet, sie endlich vernünftig und höher zu besteuern, war absehbar. Der Hintergedanke ist mehrschichtig, aber sicherlich weiß auch jeder Superreiche, dass sich Straßen und Schulen nicht von allein bauen und dass eine immer stärker hervortretende Steuerungerechtigkeit in einer offenen Gesellschaft vor allem die Superreichen bedroht.

Dass sich die FDP, die inzwischen weitgehend belanglose Partei der ahnungslosen, uncharismatischen Jungpolitiker und der Wirtschaftsanbiederer, hier auf die Position stellt, dass die Steuergesetzgebung für Superreiche in Ordnung sei und die ja, wenn sie Bedarf nach stärkerer gesellschaftlicher Mitfinanzierung hätten, einfach  Geld an die Staatskasse überweisen können, war durchschaubar und ist vor allem eines: Erschreckend, entlarvend, undemokratisch, menschenverachtend und abscheulich.

Nee, FDP, Almosen sind und dürfen in einem demokratischen Staat kein Ersatz für Steuern sein, niemals. Nur mit Steuern kann sichergestellt werden, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten das zur Staatsfinanzierung beiträgt, was von der Gesellschaft festgelegt wird. Nur mit Steuern ist sichergestellt, dass sich jeder weitgehend darauf verlassen kann, dass auch der Herr Nachbar genauso behandelt wird. Und nur mit Steuern ist sichergestellt, dass Bedürftige, die Hilfsgelder vom Staat erhalten, dies auch auf eine würdige und vor allem weitgehend neutrale und transparente Weise erhalten und nicht von Almosen und deren Gebern abhängig sind.

Wenn man sich anschauen möchte, wie Almosen eben nicht zur Verbesserung von Lebensumständen dienen, muss man in die klassische Hungerhilfe schauen, die vor allem dadurch geprägt ist, in Nothilfemaßnahmen Nahrungsmittel von einem Punkt der Erde in einen anderen zu schaffen. Davon werden Mägen satt, aber keine Existenzen gegründet. Und vor allem auch niemand vor Ort davon bestärkt, sich mit einer vernünftigen Entwicklungshilfe selbst auf die Beine zu helfen. Wer Entwicklungshilfe kürzt, Almosen stärkt und sich im Selbstverständnis immer noch solidarisch und barmherzig sieht, missbraucht die Begrifflichkeiten Solidarität und Barmherzigkeit gewaltig. Das ist aber tatsächlich der Neoliberalismus in seiner reinsten Form.

Ein anderes Beispiel ist da noch viel anschaulicher: Die Weltreligionen, und zwar allesamt. Almosen dienen dort nur auf den ersten Blick als Hilfen für Bedürftige, denn auf dem zweiten Blick sind sie nichts anderes wie Instrumente zur Sühne, gesteuert von Religionsführern. Und denen geht es selten darum, dass die Gesellschaft in Erfüllung lebt, sondern dass vor allem der Religionsapparat am Laufen bleibt.

Deshalb: Ein gerechter Staat kann nur mit einem Steuersystem funktionieren, das grundsätzlich jeder beschickt, der Geld verdient und ausgibt. Almosen sind Luxus und dürfen auch nur Luxus sein.

Alternative Währungen am Beispiel von Panini-Stickern.

Das Thema Bitcoin hat als alternative Währung ja vor einigen Tagen ziemliche Wellen geschlagen. Während nur einige wenige Medien sich die Mühen gemacht habe, einmal die Idee des Bitcoins näher zu beleuchten, hat sich der Mainstream der Massenmedien sich darauf beschränkt, einschlägige Pressemitteilungen von Verbänden abzudrucken, die vor dem Bitcoin warnen und so ziemlich alles Böse dieser Erde sicherheitshalber damit in Verbindung bringen, um die Bevölkerung davon abzuschrecken – als ob der Euro eine bombensichere Währung wäre und der US-Dollar nur zu redlichen Tauschgeschäften genutzt würde. Dabei zieht genau das Hauptargument, dass es nun einmal nur eine allgemein akzeptierte Währung geben kann, völliger Nonsens. Wir sind umgeben von zig alternativen Währungen. Manpower, Eier, die sich die Nachbarin zum Kuchenbacken ausleihen möchte, der Autoschlüssel. Und so weiter.

Ein sehr anschauliches Beispiel für alternative Währungen mit all ihren Vor- und Nachteilen ist ausgerechnet eine, mit der praktisch alle Kinder in Kontakt kommen und sehr schnell die Thematik von Geld lernen, ohne wirklich zu verstehen: Die Panini-Sticker, bevorzugt vor Fußballweltmeisterschaften. Und bevor man jetzt darüber lächelt, lohnt sich eine nähere Betrachtung, denn es ist faszinierend.

Nehmen wir als Beispiel das aktuelle Panini-Sammelalbum zur diesjährigen Fußballweltmeisterschaft der Frauen: Das (leere) Sammelalbum kostet günstige (und vermutlich hochsubventionierte) 2 Euro, üblicherweise gibt es das leere Sammelalbum aber bei vielen Verkaufsstellen kostenlos. Platz gibt es darin für 336 Sticker, davon 24 „Glanz-Sticker“, die immer den Ruf hatten, besonders selten zu sein, was sie aber nicht waren. Sie sahen nur besonders aus und erweckten den Eindruck des Seltenen.

Die eigentliche Währung sind also die Sticker. Der Hauptweg dieser Währung ist der Tausch von echtem Geld gegen Stickertütchen. Die kosten einzeln 60 Cent und beinhalten 5 Sticker. Rein theoretisch würde also das vollgeklebte Album also kosten:

  1. Ein Album zu 2 Euro.
  2. 60 Cent geteilt durch fünf mal 336, also 40,32 Euro.

Knapp 43 Euro und das Album ist bezahlt, wenn man das unwahrscheinliche Glück hätte, beim Kauf von 68 Tütchen nur vier Dubletten zu haben. Hat niemand. Also gibt es hier nun mehrere Wege, aus diesem Dilemma zu kommen:

  • So lange Stickertütchen kaufen, bis das Album voll ist.
  • Vorhandene Dubletten an Stickern mit anderen Nutzern gegen noch fehlende Sticker tauschen.

Hier kommt nun Statistik ins Spiel, die man leider nicht sonderlich gut berechnen kann. Das liegt vor allem daran, dass Panini zwar behauptet, dass keine der 336 Sticker weniger oder mehr gedruckt wird, aber der Kollege Zufall bringt hier schon genügend Chaos (im besten Sinne) in den Markt.

Und plötzlich sind die Sticker nicht einfach mehr nur einseitig mit Klebstoff versehenes Papier, sondern eine echte Alternativwährung, die alle wichtigen Eigenschaften einer Währung mitbringen:

  • Sie hat eine feste Koppelung an echtes Geld, nämlich der Preis für ein Tütchen Sticker.
  • Sie ist eine multinationale Währung, denn die Panini-Sammelalben gibt es in vielen Ländern gleichzeitig.
  • Sie ist fälschungssicher und Fälschungen sind sehr einfach erkennbar und würden zudem auch nicht akzeptiert.
  • Sie entwertet sich gleichmäßig, in dem Sticker in Sammelalben geklebt werden.
  • Sie hat ein fest definiertes Ende, nämlich das Ende der Veranstaltung, also z.B. der Fußballweltmeisterschaft. Danach gibt es keine neuen Sticker mehr und der Tauschmarkt bricht mangels Interesse schlagartig zusammen.

Und dann geht es los.

Der klassische Sammler

Der klassische Sammler ist der echte Endkunde, der ein Sammelalbum hat und mit möglichst wenig Geldeinsatz das Album vollbekommen möchte. Mit dem theoretischen Minimaleinsatz von 42,32 Euro wird vor dem Ende der Sticker-Saison wohl keiner auskommen, zu erwarten ist bei halbwegs geschicktem Tauschen mindestens der doppelte bis dreifache Einsatz – mit 80 bis 120 Euro wird man wohl rechnen müssen.

Die charakteristische Eigenschaft des klassischen Sammlers ist aber, dass er mehr oder weniger nur sein Sammelalbum vollbekommen möchte, koste es weitgehend, was es wolle.

Der Banker

Der Banker in der Sammelstickermarktwirtschaft gehört zu den ganz gewitzten Zeitgenossen. Die Banker gliedern sich in zwei Gruppen auf: Die eine Gruppe sind ehemalige Sammler, die ihr Album voll haben, nun noch auf einem Berg Sticker sitzen und die irgendwie noch losbekommen wollen. Die andere Gruppe der Banker sind die ganz Harten, die sich darauf spezialisiert haben, mit Stickern zu handeln und gar kein eigenes Sammelalbum bestücken wollen. Die Banker kennzeichnet, dass sie keine Konsumenten sind, sondern Händler.

Und da wird die Sticker-Welt plötzlich zu einer richtig harten Währung und lässt sogar richtige Schlitzohren an Händler entstehen, die sehr genau den Bedarf ihrer Kunden detektieren und daraus maximalen Profit herausschlagen können. Im redlichsten Fall sind das dann Kunden, die für einen gesuchten Aufkleber gleich eine ganze Reihe von anderen Stickern eintauschen sollen oder es wird gleich Geld bzw. eine andere Ware fällig. Zu meiner Schulzeit war es beispielsweise gern gesehen, für eine Reihe von Stickern ein Brötchen beim Schulbäcker springen zu lassen. Zehn Sticker für ein Brötchen (40 Pfennige) waren eigentlich ein echtes Schnäppchen. Moralisch sicherlich sehr fragwürdig, aber hier haben eben Sticker den Rang einer alternativen Währung und keiner der damals Beteiligten hätte daran irgendetwas unredliches gefunden.

Mäzenatentum als Ersatz für den Staat?

Ich sehe jetzt mal als klassisches Sommerlochthema an, dass sich ausgerechnet Politiker der Grünen und der SPD auf das Eis begeben und „deutsche Reiche“ dazu auffordern wollen, ein Teil ihres Vermögens ebenfalls so zu spenden, wie die US-Amerikaner Warren Buffett (der das immerhin erst einmal ankündigte) und Bill Gates (der schon eifrig stiftet, was das Zeug hält). Ich hätte tatsächlich so eine Aufforderung am ehesten von der FDP erwartet, die mit so einer Äußerung wieder einmal ein Zeichen für hervorragende Klientelpolitik setzen könnte. Haben sie aber nicht. Während die FDP offensichtlich gut beraten ist, die Klappe zu halten, bei den Grünen mir jegliches Verständnis für deren moderne Politik im Dunklen bleibt, frage ich mich aber doch, was der SPD respektive den Genossen Joachim Poß, immerhin stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, und Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, da wohl eingefallen ist. Reine Sozialdemokratie kann es ja wohl kaum sein.

Ich halte gar nichts davon. Ich unterstelle hier reichen Menschen, die einen Teil und meinetwegen auch einen Großteil ihres Vermögens spenden wollen, keineswegs eine nur gespielte Barmherzigkeit oder ähnliches. Tatsächlich ist der Mensch lernfähig und es wird sicherlich viele reiche Menschen geben, die irgendwann in ihrem Leben das Gefühl entdecken, dass Geld nicht alles ist. Vielmehr: Dass Geld eigentlich nichts ist, wenn man es elementar betrachtet. Der Herzinfarkt kommt zu Reich und Arm gleichermaßen und dank eines noch funktionierenden Gesundheitssystems sind die Überlebenschancen für Reich und Arm weitgehend gleich, weil im Ernstfall in Deutschland an der Notaufnahme keiner nach der Kreditkarte fragt.

Dass das aber so bleibt, das ist die große Kunst. Und genau deshalb müssen wir aufpassen, wie Vermögensströme laufen. Ich sage auch hier nicht, dass Reichtum böse ist und abgeschafft gehört (was mich jetzt vermutlich viel Sympathie bei Linken kostet), aber ich sage, dass Reichtum verpflichtet und zwar von Anfang an. Und zwar nicht in Form von Barmherzigkeit – das macht jeder mit sich selbst aus – sondern in Form von etwas ganz einfachem: Dem Steuerzahlen und der Beteiligung an den sozialen Sicherungssystemen. Jeder hat etwas von seinem Verdienst abzugeben. Wer wenig verdient, eben weniger und wer viel verdient, eben mehr. Genau dieses von allen entrichtete Geld aber ist das, was frei von Barmherzigkeit und Gutmenschentum ist, auch jeden von entsprechendem Verdacht freispricht und vor allem aber nicht zweckgebunden ist.

Wir als Gemeinschaft, die diesen Staat bilden, müssen es selbst schaffen, die Probleme dieses Landes und des Planeten in die Hand zu nehmen. Hier im Zweifelsfall einfach die Reichen anzubetteln, das ist unwürdig. Den Reichen gegenüber, den Empfängern und auch den Bettlern. Gute und notwendige Taten dürfen nicht zu Hobbyprojekten von Milliardären werden, die sich mal eben einen Sportverein kaufen. „Tue gutes und rede darüber“, das ist schon richtig. Aber ich hätte gern, dass wir globale Probleme gemeinsam lösen und nicht Dinge offensichtlich so überteuert kaufen müssen, dass einige wenige Menschen einen beträchtlichen Teil des Kapitals an sich binden und dann denen geben, von denen sie glauben, dass denen möglicherweise die Nase besser im Gesicht hängt, als anderen. Geld wird nicht dadurch besser, dass es durch möglicherweise gute Hände gegangen ist. Geld wird dadurch gut, in dem es den Menschen in den Taschen gelassen wird, sie dazu die korrespondierenden Steuern und Abgaben zahlen und sie dann frei darüber verfügen können. Stecken sie es dann verstärkt in den Konsum, haben wir alle etwas davon.

Shareholder-Value: Ja, gern. Es darf aber nicht sein, dass Shareholder-Value über alles geht und der Rest danach kommt. Auch nicht dann, wenn das angehäufte Kapital irgendwann für „gute Zwecke“ eingesetzt werden soll. Bis dahin zahlt die Gesellschaft drauf.

Wie man sich Kunden madig macht.

Meine Eltern sind so lange ich denken kann Kunden bei der Baden-Württembergischen Bank. Für meinen Vater war es, als er in den sechziger Jahren nach Pforzheim kam, die erste Bank vor Ort, damals noch namentlich die Badische Bank, die dann irgendwann mit den Kollegen auf der anderen Seite fusionierte und zur Baden-Württembergischen Bank verschmolz.

Über 40 Jahre. Die Damen und Herren, die mit meinen Eltern in der Anfangszeit zu tun hatten, sind längst schon in Rente oder auf dem Friedhof. Auch die nächste und übernächste Generation an Mitarbeitern konnten sich eigentlich über meine Eltern, die alle fiskalen Tugenden eines Baden-Württembergers verinnerlicht haben, nicht beschweren. Immer brav das Geld in die Bank getragen, immer nur ein Konto gehabt, lange Zeit Geld auf dem Sparbuch geparkt und schon viele Jahre ein Schließfach im bankeigenen Tresor gemietet, in dem der bescheidene Familienschmuck und einige andere Habseligkeiten vor sich hinschlummern.

Nun zieht die Baden-Württembergische Bank in Pforzheim vorläufig um. Weg von der Poststraße, wo die Landesbank Baden-Württemberg, die Mutter der Baden-Württembergischen Bank, ein neues Bankhaus springen lässt und hin zum Gebäude des ehemaligen Bankhauses Steinhart, in dessen Räumen in der Goethestraße die Baden-Württembergische Bank eine Behelfsfiliale gebaut hat. Inklusive einem Tresor. Und in den müssen nun die Inhalte aller Schließfächer transportiert werden.

Dazu hat die Baden-Württembergische Bank allen Schließfachkunden einen Brief geschrieben und auch eine vorbereitete Rückantwort, in der der gewünschte Termin, an dem man das Schließfach räumen und die Inhalte zum neuen Tresor transportieren möchte, angegeben werden konnte. Das wurde dann auch bestätigt. Dieser Termin war heute.

Meine Mutter, die nun ebenfalls seit über 40 Jahren diesem Bankhaus bekannt sein dürfte und ungefähr jeden Mitarbeiter, der jemals in diesen 40 Jahren in der Filiale gearbeitet hat, kennt und im übrigen mit meinem Vater gemeinsam die Bankbeziehung pflegt, durfte das heute nicht. Denn sie sei für eine “Schließfachkündigung” (Kündigung?) nicht berechtigt. Sie durfte das Schließfach nicht räumen, obwohl meine Mutter diejenige ist, die in den vergangenen Jahrzehnten quasi allein dieses Schließfach bediente und dort namentlich ein- und ausging. Leeren und kündigen darf nur mein Vater, so die Mitarbeiterin vor Ort.

Meine Mutter, 60 Jahre alt, nicht mehr ganz so gut zu Fuß, Bullenhitze draußen, 40 Jahre Bankbeziehung mit meinem Vater zusammen, ständig die einzige Person, die auf das Schließfach zugegriffen hat, vor drei Wochen per Fax und per Telefon den Schließfachumzug geplant und geklärt und heute ist sie dann nicht dazu berechtigt.

Meine Mutter, bescheiden wie nun mal Gastarbeiter der ersten Generation sind, hat sich darüber nur geärgert. Ich wäre jedoch in den Geschäftsräumen der Baden-Württembergischen Bank Pforzheim, bei der ich auch einmal ein Girokonto hatte, sehr anschaulich geplatzt und das wäre ein nicht sehr schönes Erlebnis für die dortigen Mitarbeiter geworden.

Nun wird also mein Vater am Montag mit zur Baden-Württembergischen Bank Pforzheim gehen und dort nochmal erklären, dass die Frau, die da am Donnerstag das Schließfach leeren wollte, tatsächlich immer noch seine Frau ist. Und meine Mutter, denn ich werde mitgehen, diese Geschichte mal dort aufarbeiten und mich auch nicht sonderlich darum bemühen, die Contenance zu bewahren, wenn mir da einer mit seinem Betriebshandbuch oder sonstirgendetwas formalem daherkommt.

Es wird Zeit, die Bank zu wechseln. Wenn die Bank ihren Kunden auf den Zeiger geht und sie schikaniert, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es da einigen Leuten viel zu gut geht.

Warum muss es Skimming eigentlich noch geben?

Sehr praktisch bei einer Direktbank ist es, dass man auf sie wegen unsicheren Geldautomaten nicht schimpfen kann, weil sie in der Regel selbst keine betreibt. Das ist an sich dann auch das einzig gute an der Thematik des Skimmings, also dem Abgreifen von Karteninformationen von EC-/Maestro-Karten durch Gauner und das ausgerechnet dort, wo es eigentlich sicher zugehen sollte, nämlich an bzw. im Umfeld von Geldautomaten.

Ich bin da inzwischen bei einer recht deutlichen Haltung und sage, dass es Banken und Sparkassen den Gaunern immer noch so einfach machen, dass es eigentlich schon grob fahrlässig ist. Dass das Banken und Sparkassen ziemlich genau wissen, erklärt sich meiner Meinung nach unter anderem durch den Umstand, dass finanzielle Schäden durch Skimming weitgehend in der Stille reguliert werden.

Wenn ich mir aber Geldautomatenstandorte so anschaue, packt mich das kalte Grausen und gelegentlich auch die Wut. In der einen Bank steht der Geldautomat in der hintersten, dunkelsten Ecke des Vorraumes und hier soll der geneigte Geldabheber dann überprüfen, ob der Geldautomat manipuliert ist? In einer anderen Bank steht der Geldautomat direkt am Schaufenster zum zentralen Platz in Pforzheim. Will man das Geldabheben zu einem sinnlichen Erlebnis – nicht nur für sich selbst – machen?

Und dann schauen wir uns mal die Geldautomaten selbst an: Bei quasi keinem der üblichen Geldautomaten kann selbst ich, der von EDV und Technik nun doch etwas versteht, wirklich beurteilen, ob das Ding nun manipuliert ist oder nicht. Tastaturen und Kartenschlitze sind modular in ein Gehäuse eingebaut, aber derart ungeschickt und undurchdacht, dass ich nicht feststellen kann, ob das nun zum Gerät gehört oder nicht.

Dabei könnte man gerade hier sehr viel tun, in dem man beispielsweise alle Bedienelemente hinter einer Metallblende verbaut: Eine glatte Fläche, in der die Tasten versenkt sind und eine Kartenzuführung, die nur aus einem feinen Kartenschlitz besteht. Im Display könnte man so sehr deutlich den Benutzer darüber informieren, wie der Geldautomat im Normalzustand auszuschauen hat und man gefälligst die Finger davon lassen soll, wenn über dem Kartenschlitz oder der Tastatur irgendetwas übersteht.

Dutzende Ideen fielen mir ein, aber es interessiert leider niemanden. Die meisten Banken sind überraschenderweise höchst beratungsresistent, wenn der Informationsfluss von der Kundschaft zur Bank erfolgen soll und nicht umgekehrt. Gerade beim wichtigen Punkt des Geldabhebens, mit dem ich ja nicht Geld von der Bank hole, sondern mein Geld, halte ich das für eine zentrale Frage, warum ich einer Bank trauen sollte, die so schäbig mein Geld verwaltet. Ich glaube, dass man diese Diskussion inzwischen auf dieser Ebene führen muss, um überhaupt mal jemanden dazu zu bringen, sich diesem haarsträubend vernachlässigten Thema anzunehmen.

Es ist geschafft.

Der morgentliche Blick in mein Wertpapierdepot bei der Comdirect Bank war nichts für schwache Nerven. Rein gar nichts. Die Begrifflichkeit „Über Nacht reich geworden“ trifft es nicht ganz:

Intrigantische Summen bei der Comdirekt Bank

92 Billiarden Euro. Damit kann man vermutlich den ganzen Planeten kaufen. Wer fährt mit, das Geld zu holen, wir müssten nach Quickborn. 🙂

Tipps fürs schöne Steuernzahlen.

Ich bin ja nun durchaus keiner, der nicht ungern Steuern zu bezahlen hat. Die von mir zu bezahlenden Steuern sorgen dafür, dass die Straße vorm Haus repariert wird, Ulla Schmidt einen Dienstwagen hat, Ursula von der Leyen immer genügend Papier im Drucker und so weiter. Warum aber, zum Teufel, macht es der Staat auch noch zu einem einzigen Leiden, seine zu zahlenden Steuern zu deklarieren?

Deshalb ein paar niedergeschriebene Punkte, die ein Unbedarfter als Hoffnung sehen würde. Der Realist weiß jedoch, dass man hier vermutlich gegen den Wind singt:

  1. Macht das Schreiben einer Steuererklärung endlich zu einem Erlebnis!
    Ja, das ist tatsächlich ernst gemeint – unangenehme Dinge werden nämlich selten angenehmer, wenn ihre Verrichtung noch viel unangenehmer ist. Mir ist es immer ein unbegreifliches Phänomen geblieben, warum der Staat es seinen Finanzbehörden verboten hat, auch eine gewisse beratende Funktion für die Steuerzahler zu übernehmen. Warum mag das Finanzamt beispielsweise Werbungskosten in ElsterFormular nicht in Form eines Assistenten praxisnah abfragen? Bezahlt hat es der Steuerzahler doch sowieso schon, zumindest mit der Mehrwertsteuer. Macht eure Köpfe endlich mal frei und macht Dienstleistung – nicht einfach nur Zuschauen, wie die Menschen von der Klippe springen!
  2. Schreibt Deutsch!
    Mal ehrlich: Versteht eigentlich jemand auszufüllende Formulare zur Steuererklärung? Warum kann man nicht vernünftige deutsche Sprache anwenden, die nicht nur grammatikalisch richtig ist, sondern auch lesbar? Warum muss hinter jeder Zeile auch gleich der korrespondierende Paragraph des jeweils korrespondierenden Gesetzes stehen und das Elend noch realitätsferner gestalten? Und warum bringt beispielsweise ElsterFormular eine Hilfe mit, die ein paar Dinge erklärt und immer mit der Drohung endet, dass man an dieser Stelle keine Auskünfte geben mag?
  3. Freundlichkeit ist das Geheimnis jeden Friedens!
    Wenn ich mir ein Schriftstück des Finanzamtes anschaue, dann sticht daraus Unsympathie und Erniedrigung heraus. Man tut offenbar alles, damit die meisten Briefe und Bescheide auch so aussehen, als ob man nur dem Kollegen Computer zugestehen konnte, mit dem Bürger zu kommunizieren. Das fängt schon mal mit dem schrecklichen Ökopapier an, das man heutzutage auch schon in Weiß in gleicher Ökobilanz bekommen könnte und endet mit der Computertypografie und einem Ton, der eher an Musterungsbescheide erinnert, als an die eigentliche Intention, mit dem Bürger um die Anlage seines Geldes zu diskutieren.
  4. Software für alle!
    Wir leben in einer modernen Computerwelt, in der es nicht nur ein plattformübergreifendes Framework gibt, sondern eine ganze Reihe. Warum gibt es ElsterFormular immer noch nur für Windows, obwohl beispielsweise das Absenden einer Umsatzsteuervoranmeldung zwingend nur über das Internet funktioniert?
  5. Warum jedes Jahr das Spiel von neuem?
    Warum gibt es ElsterFormular jedes Jahr in einer komplett neuen Installation, die im übrigen dann vieles kann, aber nicht mehr die Steuererklärungen der vergangenen Jahre öffnen? Warum kann man nicht einen modularen Formular-Browser entwickeln, den für verschiedene Betriebssysteme anpassen und der dann sehr sinnvoll einfach die jeweils gültigen Formularsätze eines Jahres anbieten kann, die man ausfüllt?
  6. Verkettet eure Formulare!
    So bald man nicht nur einfach Geld bei einem Arbeitgeber verdient, sondern bei mehreren, oder nebenbei noch weitere Geldquellen hat, Kinder großzieht, Häuser besitzt, Firmen verkauft, beginnt das Drama mit den Anlagen in der Steuererklärung. Keine Frage – jede Gesellschaft verdient das Einkommensteuersystem, das es fordert und je mehr Ausnahmen wir haben wollen, desto komplexer wird es. Aber warum können Werte, die in einzelnen Anlagen gemacht werden, nicht einfach in andere Anlagen übernommen werden? Warum haben noch nicht mal die Beschreibungen für die Felder einheitliche Bezeichnungen?
  7. Warum kann ich den laufenden Status nicht einsehen?
    Steuererklärung eingereicht – wie lange dauert es? Hat überhaupt jemand damit angefangen? Warum kann ich online nicht mal schauen, ob meine Kontodaten für den Bankeinzug korrekt sind? Warum kann ich nicht nachschauen, ob eine bestimmte Korrespondenz oder ein bestimmter Antrag eingegangen ist? Ich muss für all diese Dinge tatsächlich den Telefonhörer in die Hand nehmen und mit dem Sachbearbeiter telefonieren.
  8. Kommuniziert auch endlich mal online!
    Wir schreiben das Jahr 2009 und kommunizieren mit dem Finanzamt weitgehend one-way. Ich schicke meine Steuererklärung elektronisch qualifiziert signiert und damit rechtverbindlich ohne Unterschriftsblatt – und wenn ich dem Finanzamt was zusätzlich als Erläuterung senden möchte, muss ich mir erst einmal einen Drucker suchen, um ein Papier zu bedrucken, das in einen Briefumschlag zu stecken und in deren Briefkasten einzuwerfen. Warum kann man gerade die ansonsten unsäglich feature-arme Anwendung ElsterFormular nicht mit einem “Kommunikator” ausstatten, um damit dem Finanzamt ebenso rechtsverbindlich zu schreiben, wie man – wenn man elektronisch signiert – schon die Steuererklärung auf das Türbrett legt? Und jetzt sage mir bitte niemand, dass würde mit dem zukünftigen elektronischen Personalausweis besser werden…
  9. Schafft euch endlich mal vernünftige Rahmenbedingungen!
    Ich würde mir wünschen, dass das Finanzamt ein offener Laden wird, deren Homepages endlich einmal informativ und auch durchaus offen ist, die Menschen, die dort arbeiten, zu ihrem Job stehen. Ich gehe in das Finanzamt, werde durch milchglasgetrübte Fenster begrüßt. Ich ziehe eine Nummer, werde aufgerufen, sitze gegenüber einer sehr jungen Dame, die sich mir nicht vorstellt, die auf die Bitte nach eine Formular sich gelangweilt nach hinten dreht, ein Formular zieht, mir herüberreicht und deutlich hörbar seufzt, als ich um ein weiteres Formular bitte. Würde ich mir sowas in einem Restaurant gefallen lassen wollen? Wo bitteschön bleibt in unserer ach so deutlich beschworenen Dienstleistungsgesellschaft der Staat?