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Mäzenatentum als Ersatz für den Staat?

6. August 2010 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Ich sehe jetzt mal als klassisches Sommerlochthema an, dass sich ausgerechnet Politiker der Grünen und der SPD auf das Eis begeben und “deutsche Reiche” dazu auffordern wollen, ein Teil ihres Vermögens ebenfalls so zu spenden, wie die US-Amerikaner Warren Buffett (der das immerhin erst einmal ankündigte) und Bill Gates (der schon eifrig stiftet, was das Zeug hält). Ich hätte tatsächlich so eine Aufforderung am ehesten von der FDP erwartet, die mit so einer Äußerung wieder einmal ein Zeichen für hervorragende Klientelpolitik setzen könnte. Haben sie aber nicht. Während die FDP offensichtlich gut beraten ist, die Klappe zu halten, bei den Grünen mir jegliches Verständnis für deren moderne Politik im Dunklen bleibt, frage ich mich aber doch, was der SPD respektive den Genossen Joachim Poß, immerhin stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, und Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, da wohl eingefallen ist. Reine Sozialdemokratie kann es ja wohl kaum sein.

Ich halte gar nichts davon. Ich unterstelle hier reichen Menschen, die einen Teil und meinetwegen auch einen Großteil ihres Vermögens spenden wollen, keineswegs eine nur gespielte Barmherzigkeit oder ähnliches. Tatsächlich ist der Mensch lernfähig und es wird sicherlich viele reiche Menschen geben, die irgendwann in ihrem Leben das Gefühl entdecken, dass Geld nicht alles ist. Vielmehr: Dass Geld eigentlich nichts ist, wenn man es elementar betrachtet. Der Herzinfarkt kommt zu Reich und Arm gleichermaßen und dank eines noch funktionierenden Gesundheitssystems sind die Überlebenschancen für Reich und Arm weitgehend gleich, weil im Ernstfall in Deutschland an der Notaufnahme keiner nach der Kreditkarte fragt.

Dass das aber so bleibt, das ist die große Kunst. Und genau deshalb müssen wir aufpassen, wie Vermögensströme laufen. Ich sage auch hier nicht, dass Reichtum böse ist und abgeschafft gehört (was mich jetzt vermutlich viel Sympathie bei Linken kostet), aber ich sage, dass Reichtum verpflichtet und zwar von Anfang an. Und zwar nicht in Form von Barmherzigkeit – das macht jeder mit sich selbst aus – sondern in Form von etwas ganz einfachem: Dem Steuerzahlen und der Beteiligung an den sozialen Sicherungssystemen. Jeder hat etwas von seinem Verdienst abzugeben. Wer wenig verdient, eben weniger und wer viel verdient, eben mehr. Genau dieses von allen entrichtete Geld aber ist das, was frei von Barmherzigkeit und Gutmenschentum ist, auch jeden von entsprechendem Verdacht freispricht und vor allem aber nicht zweckgebunden ist.

Wir als Gemeinschaft, die diesen Staat bilden, müssen es selbst schaffen, die Probleme dieses Landes und des Planeten in die Hand zu nehmen. Hier im Zweifelsfall einfach die Reichen anzubetteln, das ist unwürdig. Den Reichen gegenüber, den Empfängern und auch den Bettlern. Gute und notwendige Taten dürfen nicht zu Hobbyprojekten von Milliardären werden, die sich mal eben einen Sportverein kaufen. “Tue gutes und rede darüber”, das ist schon richtig. Aber ich hätte gern, dass wir globale Probleme gemeinsam lösen und nicht Dinge offensichtlich so überteuert kaufen müssen, dass einige wenige Menschen einen beträchtlichen Teil des Kapitals an sich binden und dann denen geben, von denen sie glauben, dass denen möglicherweise die Nase besser im Gesicht hängt, als anderen. Geld wird nicht dadurch besser, dass es durch möglicherweise gute Hände gegangen ist. Geld wird dadurch gut, in dem es den Menschen in den Taschen gelassen wird, sie dazu die korrespondierenden Steuern und Abgaben zahlen und sie dann frei darüber verfügen können. Stecken sie es dann verstärkt in den Konsum, haben wir alle etwas davon.

Shareholder-Value: Ja, gern. Es darf aber nicht sein, dass Shareholder-Value über alles geht und der Rest danach kommt. Auch nicht dann, wenn das angehäufte Kapital irgendwann für “gute Zwecke” eingesetzt werden soll. Bis dahin zahlt die Gesellschaft drauf.

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Wie man sich Kunden madig macht.

10. Juni 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Meine Eltern sind so lange ich denken kann Kunden bei der Baden-Württembergischen Bank. Für meinen Vater war es, als er in den sechziger Jahren nach Pforzheim kam, die erste Bank vor Ort, damals noch namentlich die Badische Bank, die dann irgendwann mit den Kollegen auf der anderen Seite fusionierte und zur Baden-Württembergischen Bank verschmolz.

Über 40 Jahre. Die Damen und Herren, die mit meinen Eltern in der Anfangszeit zu tun hatten, sind längst schon in Rente oder auf dem Friedhof. Auch die nächste und übernächste Generation an Mitarbeitern konnten sich eigentlich über meine Eltern, die alle fiskalen Tugenden eines Baden-Württembergers verinnerlicht haben, nicht beschweren. Immer brav das Geld in die Bank getragen, immer nur ein Konto gehabt, lange Zeit Geld auf dem Sparbuch geparkt und schon viele Jahre ein Schließfach im bankeigenen Tresor gemietet, in dem der bescheidene Familienschmuck und einige andere Habseligkeiten vor sich hinschlummern.

Nun zieht die Baden-Württembergische Bank in Pforzheim vorläufig um. Weg von der Poststraße, wo die Landesbank Baden-Württemberg, die Mutter der Baden-Württembergischen Bank, ein neues Bankhaus springen lässt und hin zum Gebäude des ehemaligen Bankhauses Steinhart, in dessen Räumen in der Goethestraße die Baden-Württembergische Bank eine Behelfsfiliale gebaut hat. Inklusive einem Tresor. Und in den müssen nun die Inhalte aller Schließfächer transportiert werden.

Dazu hat die Baden-Württembergische Bank allen Schließfachkunden einen Brief geschrieben und auch eine vorbereitete Rückantwort, in der der gewünschte Termin, an dem man das Schließfach räumen und die Inhalte zum neuen Tresor transportieren möchte, angegeben werden konnte. Das wurde dann auch bestätigt. Dieser Termin war heute.

Meine Mutter, die nun ebenfalls seit über 40 Jahren diesem Bankhaus bekannt sein dürfte und ungefähr jeden Mitarbeiter, der jemals in diesen 40 Jahren in der Filiale gearbeitet hat, kennt und im übrigen mit meinem Vater gemeinsam die Bankbeziehung pflegt, durfte das heute nicht. Denn sie sei für eine “Schließfachkündigung” (Kündigung?) nicht berechtigt. Sie durfte das Schließfach nicht räumen, obwohl meine Mutter diejenige ist, die in den vergangenen Jahrzehnten quasi allein dieses Schließfach bediente und dort namentlich ein- und ausging. Leeren und kündigen darf nur mein Vater, so die Mitarbeiterin vor Ort.

Meine Mutter, 60 Jahre alt, nicht mehr ganz so gut zu Fuß, Bullenhitze draußen, 40 Jahre Bankbeziehung mit meinem Vater zusammen, ständig die einzige Person, die auf das Schließfach zugegriffen hat, vor drei Wochen per Fax und per Telefon den Schließfachumzug geplant und geklärt und heute ist sie dann nicht dazu berechtigt.

Meine Mutter, bescheiden wie nun mal Gastarbeiter der ersten Generation sind, hat sich darüber nur geärgert. Ich wäre jedoch in den Geschäftsräumen der Baden-Württembergischen Bank Pforzheim, bei der ich auch einmal ein Girokonto hatte, sehr anschaulich geplatzt und das wäre ein nicht sehr schönes Erlebnis für die dortigen Mitarbeiter geworden.

Nun wird also mein Vater am Montag mit zur Baden-Württembergischen Bank Pforzheim gehen und dort nochmal erklären, dass die Frau, die da am Donnerstag das Schließfach leeren wollte, tatsächlich immer noch seine Frau ist. Und meine Mutter, denn ich werde mitgehen, diese Geschichte mal dort aufarbeiten und mich auch nicht sonderlich darum bemühen, die Contenance zu bewahren, wenn mir da einer mit seinem Betriebshandbuch oder sonstirgendetwas formalem daherkommt.

Es wird Zeit, die Bank zu wechseln. Wenn die Bank ihren Kunden auf den Zeiger geht und sie schikaniert, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es da einigen Leuten viel zu gut geht.

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Warum muss es Skimming eigentlich noch geben?

26. Mai 2010 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Sehr praktisch bei einer Direktbank ist es, dass man auf sie wegen unsicheren Geldautomaten nicht schimpfen kann, weil sie in der Regel selbst keine betreibt. Das ist an sich dann auch das einzig gute an der Thematik des Skimmings, also dem Abgreifen von Karteninformationen von EC-/Maestro-Karten durch Gauner und das ausgerechnet dort, wo es eigentlich sicher zugehen sollte, nämlich an bzw. im Umfeld von Geldautomaten.

Ich bin da inzwischen bei einer recht deutlichen Haltung und sage, dass es Banken und Sparkassen den Gaunern immer noch so einfach machen, dass es eigentlich schon grob fahrlässig ist. Dass das Banken und Sparkassen ziemlich genau wissen, erklärt sich meiner Meinung nach unter anderem durch den Umstand, dass finanzielle Schäden durch Skimming weitgehend in der Stille reguliert werden.

Wenn ich mir aber Geldautomatenstandorte so anschaue, packt mich das kalte Grausen und gelegentlich auch die Wut. In der einen Bank steht der Geldautomat in der hintersten, dunkelsten Ecke des Vorraumes und hier soll der geneigte Geldabheber dann überprüfen, ob der Geldautomat manipuliert ist? In einer anderen Bank steht der Geldautomat direkt am Schaufenster zum zentralen Platz in Pforzheim. Will man das Geldabheben zu einem sinnlichen Erlebnis – nicht nur für sich selbst – machen?

Und dann schauen wir uns mal die Geldautomaten selbst an: Bei quasi keinem der üblichen Geldautomaten kann selbst ich, der von EDV und Technik nun doch etwas versteht, wirklich beurteilen, ob das Ding nun manipuliert ist oder nicht. Tastaturen und Kartenschlitze sind modular in ein Gehäuse eingebaut, aber derart ungeschickt und undurchdacht, dass ich nicht feststellen kann, ob das nun zum Gerät gehört oder nicht.

Dabei könnte man gerade hier sehr viel tun, in dem man beispielsweise alle Bedienelemente hinter einer Metallblende verbaut: Eine glatte Fläche, in der die Tasten versenkt sind und eine Kartenzuführung, die nur aus einem feinen Kartenschlitz besteht. Im Display könnte man so sehr deutlich den Benutzer darüber informieren, wie der Geldautomat im Normalzustand auszuschauen hat und man gefälligst die Finger davon lassen soll, wenn über dem Kartenschlitz oder der Tastatur irgendetwas übersteht.

Dutzende Ideen fielen mir ein, aber es interessiert leider niemanden. Die meisten Banken sind überraschenderweise höchst beratungsresistent, wenn der Informationsfluss von der Kundschaft zur Bank erfolgen soll und nicht umgekehrt. Gerade beim wichtigen Punkt des Geldabhebens, mit dem ich ja nicht Geld von der Bank hole, sondern mein Geld, halte ich das für eine zentrale Frage, warum ich einer Bank trauen sollte, die so schäbig mein Geld verwaltet. Ich glaube, dass man diese Diskussion inzwischen auf dieser Ebene führen muss, um überhaupt mal jemanden dazu zu bringen, sich diesem haarsträubend vernachlässigten Thema anzunehmen.

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Es ist geschafft.

3. November 2009 | 10 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Der morgentliche Blick in mein Wertpapierdepot bei der Comdirect Bank war nichts für schwache Nerven. Rein gar nichts. Die Begrifflichkeit “Über Nacht reich geworden” trifft es nicht ganz:

Intrigantische Summen bei der Comdirekt Bank

92 Billiarden Euro. Damit kann man vermutlich den ganzen Planeten kaufen. Wer fährt mit, das Geld zu holen, wir müssten nach Quickborn. :-)

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Tipps fürs schöne Steuernzahlen.

2. August 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Ich bin ja nun durchaus keiner, der nicht ungern Steuern zu bezahlen hat. Die von mir zu bezahlenden Steuern sorgen dafür, dass die Straße vorm Haus repariert wird, Ulla Schmidt einen Dienstwagen hat, Ursula von der Leyen immer genügend Papier im Drucker und so weiter. Warum aber, zum Teufel, macht es der Staat auch noch zu einem einzigen Leiden, seine zu zahlenden Steuern zu deklarieren?

Deshalb ein paar niedergeschriebene Punkte, die ein Unbedarfter als Hoffnung sehen würde. Der Realist weiß jedoch, dass man hier vermutlich gegen den Wind singt:

  1. Macht das Schreiben einer Steuererklärung endlich zu einem Erlebnis!
    Ja, das ist tatsächlich ernst gemeint – unangenehme Dinge werden nämlich selten angenehmer, wenn ihre Verrichtung noch viel unangenehmer ist. Mir ist es immer ein unbegreifliches Phänomen geblieben, warum der Staat es seinen Finanzbehörden verboten hat, auch eine gewisse beratende Funktion für die Steuerzahler zu übernehmen. Warum mag das Finanzamt beispielsweise Werbungskosten in ElsterFormular nicht in Form eines Assistenten praxisnah abfragen? Bezahlt hat es der Steuerzahler doch sowieso schon, zumindest mit der Mehrwertsteuer. Macht eure Köpfe endlich mal frei und macht Dienstleistung – nicht einfach nur Zuschauen, wie die Menschen von der Klippe springen!
  2. Schreibt Deutsch!
    Mal ehrlich: Versteht eigentlich jemand auszufüllende Formulare zur Steuererklärung? Warum kann man nicht vernünftige deutsche Sprache anwenden, die nicht nur grammatikalisch richtig ist, sondern auch lesbar? Warum muss hinter jeder Zeile auch gleich der korrespondierende Paragraph des jeweils korrespondierenden Gesetzes stehen und das Elend noch realitätsferner gestalten? Und warum bringt beispielsweise ElsterFormular eine Hilfe mit, die ein paar Dinge erklärt und immer mit der Drohung endet, dass man an dieser Stelle keine Auskünfte geben mag?
  3. Freundlichkeit ist das Geheimnis jeden Friedens!
    Wenn ich mir ein Schriftstück des Finanzamtes anschaue, dann sticht daraus Unsympathie und Erniedrigung heraus. Man tut offenbar alles, damit die meisten Briefe und Bescheide auch so aussehen, als ob man nur dem Kollegen Computer zugestehen konnte, mit dem Bürger zu kommunizieren. Das fängt schon mal mit dem schrecklichen Ökopapier an, das man heutzutage auch schon in Weiß in gleicher Ökobilanz bekommen könnte und endet mit der Computertypografie und einem Ton, der eher an Musterungsbescheide erinnert, als an die eigentliche Intention, mit dem Bürger um die Anlage seines Geldes zu diskutieren.
  4. Software für alle!
    Wir leben in einer modernen Computerwelt, in der es nicht nur ein plattformübergreifendes Framework gibt, sondern eine ganze Reihe. Warum gibt es ElsterFormular immer noch nur für Windows, obwohl beispielsweise das Absenden einer Umsatzsteuervoranmeldung zwingend nur über das Internet funktioniert?
  5. Warum jedes Jahr das Spiel von neuem?
    Warum gibt es ElsterFormular jedes Jahr in einer komplett neuen Installation, die im übrigen dann vieles kann, aber nicht mehr die Steuererklärungen der vergangenen Jahre öffnen? Warum kann man nicht einen modularen Formular-Browser entwickeln, den für verschiedene Betriebssysteme anpassen und der dann sehr sinnvoll einfach die jeweils gültigen Formularsätze eines Jahres anbieten kann, die man ausfüllt?
  6. Verkettet eure Formulare!
    So bald man nicht nur einfach Geld bei einem Arbeitgeber verdient, sondern bei mehreren, oder nebenbei noch weitere Geldquellen hat, Kinder großzieht, Häuser besitzt, Firmen verkauft, beginnt das Drama mit den Anlagen in der Steuererklärung. Keine Frage – jede Gesellschaft verdient das Einkommensteuersystem, das es fordert und je mehr Ausnahmen wir haben wollen, desto komplexer wird es. Aber warum können Werte, die in einzelnen Anlagen gemacht werden, nicht einfach in andere Anlagen übernommen werden? Warum haben noch nicht mal die Beschreibungen für die Felder einheitliche Bezeichnungen?
  7. Warum kann ich den laufenden Status nicht einsehen?
    Steuererklärung eingereicht – wie lange dauert es? Hat überhaupt jemand damit angefangen? Warum kann ich online nicht mal schauen, ob meine Kontodaten für den Bankeinzug korrekt sind? Warum kann ich nicht nachschauen, ob eine bestimmte Korrespondenz oder ein bestimmter Antrag eingegangen ist? Ich muss für all diese Dinge tatsächlich den Telefonhörer in die Hand nehmen und mit dem Sachbearbeiter telefonieren.
  8. Kommuniziert auch endlich mal online!
    Wir schreiben das Jahr 2009 und kommunizieren mit dem Finanzamt weitgehend one-way. Ich schicke meine Steuererklärung elektronisch qualifiziert signiert und damit rechtverbindlich ohne Unterschriftsblatt – und wenn ich dem Finanzamt was zusätzlich als Erläuterung senden möchte, muss ich mir erst einmal einen Drucker suchen, um ein Papier zu bedrucken, das in einen Briefumschlag zu stecken und in deren Briefkasten einzuwerfen. Warum kann man gerade die ansonsten unsäglich feature-arme Anwendung ElsterFormular nicht mit einem “Kommunikator” ausstatten, um damit dem Finanzamt ebenso rechtsverbindlich zu schreiben, wie man – wenn man elektronisch signiert – schon die Steuererklärung auf das Türbrett legt? Und jetzt sage mir bitte niemand, dass würde mit dem zukünftigen elektronischen Personalausweis besser werden…
  9. Schafft euch endlich mal vernünftige Rahmenbedingungen!
    Ich würde mir wünschen, dass das Finanzamt ein offener Laden wird, deren Homepages endlich einmal informativ und auch durchaus offen ist, die Menschen, die dort arbeiten, zu ihrem Job stehen. Ich gehe in das Finanzamt, werde durch milchglasgetrübte Fenster begrüßt. Ich ziehe eine Nummer, werde aufgerufen, sitze gegenüber einer sehr jungen Dame, die sich mir nicht vorstellt, die auf die Bitte nach eine Formular sich gelangweilt nach hinten dreht, ein Formular zieht, mir herüberreicht und deutlich hörbar seufzt, als ich um ein weiteres Formular bitte. Würde ich mir sowas in einem Restaurant gefallen lassen wollen? Wo bitteschön bleibt in unserer ach so deutlich beschworenen Dienstleistungsgesellschaft der Staat?
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Die Santander Bank will kein Geld.

17. Juni 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Bin ich froh, dass ich schon vor eineinhalb Jahren die Waffen gestreckt und die GE Money Bank verlassen habe. Denn diese (also die GE Money Bank Deutschland) wurde von der Santander Bank aufgekauft und die haben ganz abenteuerliche Schilder an der Türe, mit denen eigentlich nicht anderes getan werden soll, als Gewinner – also Leute, die noch Geld besitzen – abzuwehren:

"Wichtige Informationen" der Santander Bank

Was macht eine Bank, die kein Geld nimmt oder gibt, eigentlich sonst so? Fußmassage? Professionelle Zahnreinigung? Oder einfach einen Mister Minit?

(Disclaimer: Ich bin großer Fan von Mister-Minit-Shops. Es gibt wenig Dinge, die man dort nicht repariert bekommt.)

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Tagesgeldkonto versus Verrechnungskonto.

4. Juni 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Kunden der Comdirect Bank haben seit heute ein neues Konto namens "Verrechnungskonto". Das ist eigentlich nicht neu, sondern der neue Name des bisherigen Tagesgeldkontos, das, so die Comdirect Bank, zur besseren Unterscheidung zum "echten" Tagesgeldkonto (das "Tagesgeldkonto PLUS" heißt) umbenannt wurde.

Möglicherweise heißt es aber nun auch nur noch deshalb Verrechnungskonto, weil der Zinssatz, der vor einigen Wochen immerhin noch gewaltige 0,1 % p.a. betrug, inzwischen bei genau 0,0 % p.a. gelandet ist. Da von Tagesgeldkonto zu sprechen, ist in der Tat eher infam.

Das "echte" Tagesgeldkonto wird mit derzeit 2,0 % p.a. noch einigermaßen vernünftig verzinst, allerdings inzwischen auch gestaffelt, so dass es für größere Geldsummen keine sinnvolle Parkmöglichkeit mehr ist. Das ist aber auch nicht Sinn eines Tagesgeldkontos.

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Überraschung vom Telekom-Aktionärsservice.

3. April 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

Dass mich die Telekom umfassend überrascht und verblüfft, kommt inzwischen eher selten vor. Das liegt ausdrücklich nicht daran, dass ich nicht zufrieden wäre mit den Dienstleistungen, die ich von der Deutschen Telekom in Anspruch nehme, sondern ausnahmsweise mal mit dem Aktionärsservice der Deutschen Telekom.

Der Aktionärsservice bietet schon seit einigen Jahren die Möglichkeit, sich Einladungen zur Hauptversammlung nicht mehr per Briefpost, sondern per E-Mail zukommen zu lassen. Das kommt mir durchaus so entgegen, dass ich mir eigentlich Hinweise darauf, auf der Website des Aktionärsservice vorbeizuschauen, weil dort nun eine Einladung zur Hauptversammlung vorliegt, selbst dann zuschicken lassen würde, wenn diese nicht verschlüsselt in der Mailbox landen würden.

Man kann aber optional eine E-Mail-Verschlüsselung anfordern. Und das wirklich überraschende: PGP-verschlüsselt, wenn man seinen Public-Key in sein Aktionärsprofil aufnimmt. Das habe ich in spontaner Ergriffenheit und der traurigen Gewissheit, einer von den ungefähr 17 Menschen in Deutschland zu sein, die regelmäßig PGP/GnuPG einsetzen, sofort getan und tatsächlich: Die Bestätigungsmail darauf kam PGP-verschlüsselt. Es geschehen Zeichen und Wunder. Und das auch bei der Lufthansa, denn dort funktioniert es ganz genauso.

Zufall ist das übrigens keiner, denn beide Aktiengesellschaften nehmen, wie einige andere Aktiengesellschaften auch, für die Aktionärsregisterverwaltung die Dienstleistungen eines Unternehmens namens Adeus – ein Tochterunternehmen der Allianz AG – in Anspruch, das genau diese Dinge im Auftrag übernimmt.

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Ein Steuergeschenk.

4. Februar 2009 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

An mich adressierte Post vom Finanzamt begegne ich immer mit etwas Respekt. Ich habe mir zwar nach wie vor nichts vorzuwerfen, habe an sich auch nur gute Erfahrungen mit “meinem” Finanzamt gemacht, allerdings ist das eben das Finanzamt und die Behörde, mit der ich am meisten zu tun habe.

So wie viele andere auch, kam heute unaufgefordert ein korrigierter Bescheid für das Steuerjahr 2007 nach Hause, bei dem die Pendlerpauschale entsprechend angepasst wurde, nachdem das Bundesfinanzministerium für seine wackelige Gesetzgebung, erst ab 20 Kilometer Anfahrt zum Büro die Pauschale zu genehmigen, abgestraft wurde. Eingebracht hat mir dieses einkassierte Gesetz, so wie bei vielen anderen auch, genau: Nullkommanull Euro.

Grund: Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Erst wer diesen komplett übersteigt, darf sich über eine Rückzahlung des eh schon mikrigen Betrages freuen. Der Rest darf sich dann gern darüber ärgern, dass der Spass jetzt wieder Geld gekostet hat, den der Steuerzahler letztendlich wieder blechen muss. Schön, wenn sich Steuermacher so dezent in der Gesetzgebung verrechnen, das dann eine gewaltige Maschinerie beim Rückbau erzeugt und am Ende nichts mehr übrigbleibt.

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Wenn der Staat Software schreibt.

15. Januar 2009 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in FinanzWelt

So wichtig ElsterFormular für Gewerbetreibende ist, so blöd ist es leider auch. Was mich seit Anfang an stört und vermutlich historisch bedingt immer das Problem bleiben wird, ist der Umstand, dass ElsterFormular nicht abwärtskompatibel ist. Mit jeder neuen Version gibt es eine neue Dateiendung und wer abgespeicherte Elster-Dateien auch zukünftig nochmal prüfen möchte, muss entweder die alten Setup-Dateien abspeichern oder in weiser Voraussicht alles, was ans Finanzamt abgesendet wird, nochmal separat als PDF abspeichern. Was würden wohl all die Büroarbeiter weltweit sagen, wenn eine neue Word-Version plötzlich Dateien der Vorgängerversion nicht mehr öffnen könnte?

Leider sind die ElsterFormular-Entwickler aber noch an anderen Stellen sehr fundamentalistisch. Beispiel: Umsatzsteuervoranmeldung Dezember 2008 bzw. 4. Quartal 2008, die ja bis zum 10. Januar 2009 eingereicht werden muss (außer, man hat eine Fristverlängerung). Eigentlich, so denkt der erfahrene, edv-kundige Mensch, könnte man doch diese auch mit der aktuell im Januar erschienenen ElsterFormular-Version 2008/2009 absenden.

Aber nein, das geht nicht, denn diese Version kann nur Umsatzsteuervoranmeldungen für das Jahr 2009 senden. Will man (bzw. muss man) die obige Umsatzsteuervoranmeldung senden, muss man zwingend ElsterFormular 2007/2008 installieren. Und so richtig bescheuert ist das dann, da man ja auch durchaus mal eine Berichtigung loslassen müsste, denn auch das geht nur mit der jeweils für das Jahr veröffentlichten ElsterFormular-Version. Also musste ich mir doch tatsächlich nochmal ElsterFormular 2007/2008 herunterladen und installieren und dann die Voranmeldung auch noch ohne elektronische Signatur übers Netz jubeln, weil diese ElsterFormular-Version partout nicht dazu überredet werden konnte, mit meiner Signaturanwendung zu kommunizieren, während die neue ElsterFormular-Version das kann.

Warum kann man denn nicht ElsterFormular als eine Art Browser entwickeln und sich die entsprechenden Formularsätze der jeweiligen Jahre inklusive einer Art Interpretermodul separat und nach Wunsch herunterladen? Oder wieso kann man nicht wenigstens einen Web Service anbieten, der ältere ElsterFormular-Dateien öffnen und interpretieren kann? Warum kann man als Finanzbehörde sich nicht einfach einmal anstrengen und bei einem so wichtigen Thema, das man eh nur über das Internet abwickeln kann, nützliche Software schreiben, anstatt nur Software, die gerade eben mal so funktioniert und doch jedes Jahr als Installationsdatei immer größer wird? Das Steuerrecht soll vereinfacht werden? Ich kann darüber nicht wirklich mehr lachen.

In so Momenten kann ich übrigens sehr ungehalten werden. Der Staat will einen Bundestrojaner entwickelt haben und zuverlässig den Bundesbürger vor so genannten “schädlichen” Inhalten aus dem Internet schützen? Ich glaube, der Staat hat noch gar nicht so recht begriffen, wie es eigentlich um ihn geschieht.

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