Wie Twitter Donald Trump 14 Millionen Follower schenkte.

Wie über 14 Millionen weitere Twitter-Nutzer folgte ich bis zum Abschied Barack Obamas als US-Präsident auch dem offiziellen Twitter-Account @POTUS („President of the United States“). Die US-Behörden hatten sich zum Präsidentenwechsel dabei eine nette Geschichte ausgedacht. Anstatt einfach den Account weiter an den nächsten US-Präsidenten zu geben, wurde kurzerhand der bisherige @POTUS-Account zu @POTUS44 umbenannt und somit archiviert. Nach den üblichen Twitter-Regeln behält ein Twitter-Account alle seine Follower, auch wenn der Nickname des Accounts wechselt.

Dass @POTUS44 der frühere @POTUS-Account war, lässt sich z.B. über die Website mytwitterbirthday.com recherchieren, die für den Account das „Geburtsdatum“ des 21. Juni 2013 ausgibt:

Wie gesagt, über 14 Millionen Follower.

Für den neuen US-Präsidenten wurde eigens ein neuer dienstlicher Account eingerichtet, der dann den bisherigen Nickname „POTUS“ übernommen hat. Auch ersichtlich hier: Der „Geburtstag“ dieses Twitter-Accounts, der 19. Januar 2017.

Also alles gut. Wobei … nicht so ganz. Den offenkundig zum Wohle des neuen US-Präsidenten dehnt Twitter wieder einmal die Regeln. Denn der bisherige Follower von @POTUS und nun Neu-Follower von @POTUS44 darf nun staunend zur Kenntnis nehmen, dass er nun automatisch beiden Accounts folgt, nämlich @POTUS44 und dem neuen @POTUS-Account. Also sozusagen ein Zwangs-Following des neuen US-Präsidenten, obwohl man das gar nicht selbst initiiert hat. Schon ganz nett, wenn man als neuer US-Präsident mit einem neuen Twitter-Account gleich mal mit 14 Millionen von Twitter auf dem Silbertablett überreichten Follower anfangen kann und ihnen von Tag 1 an präsidentialen Müll unterjubeln kann, den sie gar nicht bestellt haben.

Eine Ferkelei von Twitter, die man in so Ländern wie China oder Russland nicht hätte besser machen können, zumal Twitter bisher auf Wünsche von Account-Duplikaten nicht eingegangen ist.

Einzig ironischer Nebeneffekt: Der neue @POTUS-Account verliert derzeit stetig Follower und hat aktuell fast 300.000 Follower weniger, als @POTUS44. Ich bin mal gespannt, wie lange sich dies das Trump-Team anschaut und irgendwann die „Bitte“ an Twitter herangetragen wird, für den @POTUS44-Account keine neuen Follower zuzulassen. Auch das wäre dann ein neues Level an politischem Opportunismus von Twitter, aber das ist vermutlich einfach nur eine Frage der Zeit. Die YESSIR-Mentalität von Twitter gegenüber totalitären Regimen in aller Welt ist inzwischen schon fast legendär.

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