Zeitbombe Delicious.

Den Linksammeldienst Delicious hatte ich fast zehn Jahre im Einsatz, bevor ich heute meinen Account dort endgültig in die Wüste geschickt habe. Mehr oder weniger engagiert habe ich da Links gesammelt, an die ich mich für gewöhnlich von allein nicht mehr erinnere, aber dennoch immer wieder staune, wenn ich mir die Links anschaue. Geht vermutlich vielen Delicious-Nutzern so.

Was mich an Delicious stört, ist die fast schon zelebrierte Hoffnungslosigkeit über die Zukunft des Dienstes. Seit dem Delicious aus Yahoo herausgekauft wurde (und zwar von den Erfindern von YouTube), bewegte sich bei Delicious quasi gar nichts mehr. Schon recht bald wurde Werbung eingeblendet, inzwischen aus mehr als vier AdSense-Werbeflächen. Delicious verkam zu einer reinen Klickhölle, die vornehmlich von Nerds noch verwendet wird, die selten einmal auf die Website von Delicious schauen.

Dass es allerdings irgendwann brenzlig wurde, merkte man daran, dass Delicious plötzlich einen „Shop“ hat. Mit Links hat der Shop herzlich wenig zu tun und erinnert am ehesten dem bösen Ende des Linksammel-Konkurrenten Mr. Wong, der plötzlich ebenfalls ein Shop wurde. So gibt es bei Delicious nun also Tech-Gadgets und vor allem viel Plastikmüll.

Was am Linksammeldienst allerdings nun richtig zeitbombig wird, ist die für notleidende Social-Media-Dienste übliche Abkanzelung. Die Export-Funktion für Links funktioniert seit einer Weile nicht mehr. Die Programmier-API wurde um wichtige Funktionen (eben zum Beispiel der Möglichkeit zum Export von Links) gekürzt. Der RSS-Feed zeigt nur noch die letzten 100 Links eines Benutzers an. Und wer sich zum Exportieren seiner mühsam aufgebauten Links ein Screenscraper-Script bastelt, bekommt es kurz darauf mit dem Webserver von Delicious zu tun, der „übermäßige“ Seitenzugriffe abblockt.

Hier bereitet sich ein Dienst auf seinen Exit vor. Deshalb meine Empfehlung: Finger weg von Delicious und retten, was zu retten ist.

Mit Chrome und Firefox bieten zwei große Webbrowser das Synchronisieren von Bookmarks über mehrere Browser. Zwar fehlt hier die „Socializing-Komponente“, aber mein Empfinden trügt nicht: Mit Linksammeln ist kein Geld zu verdienen und die Gefahr, dass irgendwann einmal so ein Dienst die Stromversorgung kappt, ist hoch. Bei jahrelang gesammelten Links, die mitunter zu echtem Wissen gehören, ist das mehr als ärgerlich, wenn man die verliert, nur weil da jemand keine Lust mehr hat.

3 Gedanken zu „Zeitbombe Delicious.

  1. Mein Delicious-Account – in dem ich, wenn ich mich recht entsinne, einige mir damals wichtige Links gesammelt hatte – ist ohnehin offenbar bereits verlorengegangen; ein Login ist jedenfalls nicht mehr möglich, und der Support konnte auch nicht recht weiterhelfen.

    Eine brauchbare Alternative scheint mir Pinboard (http://pinboard.in/) zu sein. Der Dienst ist kostenpflichtig (11 $ pro Jahr, was mir ein vernünftiges Angebot zu sein scheint), was dafür spricht, dass er unabhängig von Werbung und Datenhandel ist, und der Betreiber ist nach allem, was ich sehe, ein so schräger Geek, dass es mir unwahrscheinlich erscheint, dass er den Dienst nach 7 Jahren einfach einstellt.

    1. Bei mir sind es bis dato nur noch rund 200 Links gewesen, weil das mein zweiter Delicious-Account ist, den ich irgendwann mal 2009 eingerichtet hatte. Die sind soweit noch alle dagewesen und so war auch der Export via Screenscraper-Script nicht ganz so schlimm (wenn auch schon blöd genug). Ich habe die Links jetzt alle in Firefox, da ich die Lesezeichen schon vorher auf Laptop, Tablet und Smartphone synchronisiert habe. Da sind jetzt schlicht noch ein paar Links dazugekommen. Die Socializing-Komponente fehlt halt jetzt, aber die hat bei den meisten Links sowieso nicht mehr funktioniert, da ich sichtbar nur der einzige war, der den Link gespeichert hatte. 🙂

  2. Als zum ersten Mal Gerüchte aufkamen, daß Delicious dicht gemacht wird, also vor Jahren, hab ich alle Links exportiert und betreibe jetzt seit längerem Shaarli auf meinem eigenen Server. Da passiert nichts mehr, was ich nicht will 🙂

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