Lesen E-Book-Leser weniger? Ein eigener Erfahrungsbericht.

Seit letzten Donnerstag bin ich stolzer Besitzer eines Amazon Kindle Paperwhite. Mein erster Kindle. Dafür, dass ich seit 2005 immer ein Smartphone besaß und seit 2010 immer ein Tablet, ist das schon erstaunlich spät, zumal ich mich für das Lesen von elektronischen Büchern am Mini-Bildschirm schon in meiner Palm-Zeit begeistern konnte.

Auf dem Kindle gibt es nun, im Gegensatz zu den Kindle-Apps für Smartphones/Tablets, eine Anzeigemöglichkeit für Bücher. Exakt 99 Bücher finden sich in meinem Account. Da ich alle gelesenen Bücher in eine eigene Leseliste packe, kann ich auch da mit Erstaunen feststelle, dass ich von den 99 Büchern 88 Stück gelesen habe, mutmaßlich in den vergangenen sechs Jahren. Das sind im Durchschnitt 14,6 E-Books im Jahr. Aus Papier gefertigte Bücher habe ich dieses Jahr übrigens auch gelesen – genau eines.

Nun will ich wirklich keine Diskussion darüber vom Zaune brechen, ob das Lesen von E-Books krank ist und nur Papier das einzig wahre Medium darstellt, sondern stelle schlicht und einfach fest: Ich lese viel, viel mehr, seit dem ich E-Books lese. Mit dem nun erworbenen Kindle für schlappe 119 Euro ist es seit Donnerstag eher noch mehr geworden.

Ein paar Erfahrungen und Thesen von mir:

  • E-Books sind superpraktisch
    Kurz vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten lesen, ist keine Killerapplikation des E-Books, zumindest nicht, wenn man nicht am Bett alle noch zu lesenden Bücher gestapelt hat. Ansonsten ist via Kindle-App das nächste E-Book immer nur einen Griff weit entfernt. Zehn Minuten Wartezeit beim Arzt ist super, hier nochmal fünf Minuten dort, zwanzig Minuten in der Mittagspause. Perfekt. Ehemals tote Zeiträume sind nun immer gefüllt.
  • Die echten Kindles und auch die Konkurrenz-E-Reader sind charming
    Während der erste Kindle noch so ziemlich das hässlichste Gerät seiner Klasse war, erstaunt mich der Kindle Paperwhite, aber auch so Geräte wie der Tolino. Die liegen erstklassig in der Hand, weit besser als die allermeisten Tablets, was sicherlich auch daran liegt, dass die E-Reader deutlich leichter sind. Der monochrome E-Reader-Bildschirm ist erstklassig und kontrastreich und irgendwie sieht das Ding nach einem PADD aus und man kann es auch exakt so halten und bedienen, wie Jean-Luc Picard es mit den in der Serie völlig funktionslosen Brettchen imitierte.
  • Bücher kaufen zu jeder Zeit
    Bücher auf bisherige Weise in Papierform zu kaufen, leidet unter einem ähnlichen Problem wie das Kaufen von Musik im echten Laden oder die Suche nach einem Restaurant, wenn man wirklich Hunger hat und wenig Zeit: Es fällt einem nicht mehr ein, was man eigentlich mal lesen, hören oder essen wollte. Ich kenne nur wenige Menschen, die Einkaufslisten für solche Fälle führen, ich habe so etwas nie gehabt, obwohl ich beträchtlich viel dokumentiere und auf dem Smartphone festhalte. Aber z.B. im aktuellen „Spiegel“ eine Buchvorstellung zu lesen und dann mit Knopfdruck das Buch einfach kaufen zu können. Der Preis ist mir in diesem Kontext übrigens schnurz. Jedenfalls mehr schnurz als bei neuen Papierbücher, bei denen man immer im Hinterkopf den Denksplitter hat, dass man doch eigentlich auch warten kann, bis es als Taschenbuch herauskommt.
  • Es eröffnen sich mit E-Books gewaltige Indie-Galaxien
    Indie-Autoren und -Bücher, also Werke, die abseits von großen Verlagen erscheinen, ist nicht jedermanns Geschmackssache und sicher auch nicht in jedem Genre ohne größere Schmerzen zu ertragen. Da ich Science-Fiction mag und Amazon eine recht liberale Haltung zum Verlegen von Indie-Werken hat, ist der Kindle-Shop quasi ein Himmelreich.
  • Eine Leseliste sorgt für mehr Lesen
    Daran habe ich jetzt auch lange nicht geglaubt, aber bei mir funktioniert es: Eine Leseliste mit der „Pipeline“ aller zu lesenden Bücher sorgt auch dafür, dass man wirklich zum Lesen kommt. Die meisten Papierbücher nehmen immer den Weg des guten Vorsatzes, dann landen sie auf dem Tischchen mit den zu lesenden Büchern und irgendwann spazieren sie ungelesen ins Bücherregal. Da machen sie in der Masse sicher Eindruck für Besucher, aber ansonsten tun sie nichts.
  • Der Querverweis zu Wörterbüchern und Wikipedia sorgt für Wissensaufnahme
    So ein Wörterbuch darf man schon in den Kindle-Apps schätzen lernen, auf dem Kindle gibt es aber noch die Verweismöglichkeit zur Wikipedia. Keine Ahnung, wie ich je vorher darauf verzichten konnte. Pro Buch bin ich mindestens fünf Mal dabei, einem Wort in der Wikipedia nachzugehen.

Was übrigens weiterhin selbst für mich nicht geht, sind bestimmte Buchformate als E-Book, beispielsweise Atlanten (gut, wer im Zeitalter von Google Maps noch einen braucht), Bildbände oder Ratgeberbücher, die z.B. viel auf Skizzen und Vorlagen setzen und schon allein aufgrund fehlenden Farben auf den monochromen Kindles nicht gut aussehen können.

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