LEGO-CAD.

Das Spielen mit Lego ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Ich hatte zwar nie richtig viel Lego, aber für eine mittelgroße Kiste reichte es allemal. Da kannte man dann jeden Stein irgendwann persönlich und es reichte für das Erwerben der grundlegenden Lego-Baukenntnisse. Zudem gab es in dem Haus, in dem ich meine Kindheit verbrachte, in der Nachbarschaft noch weitere 4 Jungs, die ebenfalls umfassende Lego-Kenntnisse mitbrachten. Und schließlich weiß der Kenner: Nicht die Menge an Lego macht den Unterschied, sondern der kreative und professionelle Einsatz. Dennoch träumten wir natürlich alle von der unerschöpflichen Lego-Steinquelle, denn die natürliche Hürde eines jeden Lego-Baumeisters war die Endlichkeit des Steinvorrates.

Eher durch Zufall bin ich vor einigen Wochen auf den LEGO Digital Designer gestolpert, einer kostenlosen CAD-Software von Lego für den Lego-Baumeister 2.0. Darüber kann man im ersten Moment lächeln, aber der LDD ist ein richtig gutes und professionelles Stück Software zum Aufbau von Lego-Modellen am Computer. Zwar gibt es mit LDraw bereits seit vielen Jahren eine Open-Source-CAD-Lösung, die auch ich einmal probiert habe, aber LDraw war immer etwas umständlich zu nutzen.

Aber zurück zum LDD, der eigentlich Kernstück eines Lego-Projektes war: Man baut mit der Software das Modell seiner Träume und bestellt am Ende die notwendigen Steine direkt bei Lego. Werden diese dann geliefert, lässt sich im LDD die komplette Bauanleitung exportieren, so dass das Modell dann auch tatsächlich gebaut werden kann. Den Service zur Teilebestellung gibt es nicht mehr, aber dafür exportiert LDD per Knopfdruck eine komplette Liste an verbauten Teilen als Excel-Tabelle, inklusive aller offiziellen Teilenummern. Damit lässt sich bei vielen Steineherstellern (und davon gibt es wirklich sehr, sehr viele) alles für das Wunschmodell bestellen.

Ist Lego am Computer eigentlich noch echt Lego-Spielen?

Witzigerweise ist das echt so eine Frage, die man sich als ehemaliger Lego-Fan so stellt: Ist man immer noch fähig für Lego nach über 20, 30 Jahren? Ich wollte mal den Test machen. Und das geht am besten mit dem Bau eines virtuellen Modells. Dazu musste das Gebäude der Schwarzwaldklinik herhalten. Dieses Gebäude hat den Vorteil, dass es dazu eine ganze Menge an guten Fan-Fotos im Internet gibt, die man dazu als Basis braucht.

Und dann geht es eigentlich auch schon los. Man baut die erste Etage, setzt die Fenster und Türen und kopiert dann die Etagen. Die kopierten Etagen werden dann auf die tatsächlichen Begebenheiten angepasst. Unten gibt es dann noch einen Erker und Eingangsbereich. Das Dach war dann schon etwas schwerer, denn es gibt, schwarzwaldtypisch, einen Halbwalm zu beachten und unterschiedliche Dachschrägen. Hier ist dann schon echtes Lego-Fachwissen gefragt.

Es dauerte ca. eine halbe Stunde, bis ich wieder in der Materie war. Das Lego-Fachwissen fängt schon an beim Bauen von Steinreihen. Man setzt nicht einfach Steine aufeinander, sondern baut ordentlich versetzte Reihen, um maximale Stabilität zu haben. Das weiß man als Kind aufgrund der Erfahrungen, aber erkläre das mal als Erwachsener! Ebenso muss man bei Dächern höllisch aufpassen, Dachgauben auf beiden Seiten exakt gleich aufzubauen, damit man das alles bündig zur Seitenwand hinbekommt. Wer nicht aufpasst, baut und baut und darf dann beim Entdecken des Fehlers wieder einiges abreißen.

Und genau hier wird es beim CAD-Legospielen dann interessant, denn einreißen ist hier natürlich viel einfacher. Klickklickklick und weg ist die falsch gebaute Komponente. Und hat man sich bei der Position der Gaube verschätzt, markiert man die betroffenen Steine und lagert diese eben vorübergehend aus.

Wo es aber dann richtig locker wird, ist beim nachträglichen Umbau an der Peripherie. Jeder, der jemals ein großes Lego-Modell gebaut hat und am Ende am Fuß des Modells etwas ändern wollte, weiß, was für ein Krampf es ist, mitten in einem Modell Teile herausnehmen zu müssen, ohne dass das Werk größere Schäden erleidet. Das geht am Computer so unverschämt einfach, dass es schon fast ein Schmerz ist, wenn man daran denkt, was man in der Kindheit bei solchen Problemen gelitten hat.

Die Unendlichkeit der Steine.

Der Zugriff auf den kompletten Lego-Steinbestand in allen lieferbaren Farben ist natürlich der wahre Luxus, den man als CAD-Lego-Designer genießt. Zwar ist die Steinsuche im LDD nicht ganz so intuitiv, aber man kennt sich halt aus. Und mal eben die Steinfarben per Knopfdruck auch am fertigen Modell zu ändern, entschuldigt alles.

Die Unendlichkeit der Steine ist übrigens auch einem Phänomen sehr zuträglich, dem nachträglichen Tunen des Modells. Denn fertig ist ein Lego-Modell niemals; immer findet man etwas, was man besser machen kann und da ist dann natürlich bei der echten Lego-Kiste immer die Frage, ob dafür auch das Guthaben an Steinen ausreicht. Viele Väter können da ein Lied davon singen, wenn Junior Nachschub an Steinen braucht und das natürlich dann Samstagnachmittag.

Die nicht ganz ungefährliche Strategie hinter dem CAD-Lego.

Ungefährlich ist das CAD-Legospielen natürlich für den Konsumenten. Unendlich viele Steine, eine diskrete Software (man muss also nicht mehr seine Lego-Kiste mit ins Büro nehmen, um da seinen Chef zu schocken) und schon ist das Hobby fertig für Modelle in Größen, die die Welt noch nicht gesehen hat.

Für LEGO ist das natürlich erst einmal nicht so gut, denn wer braucht da noch echtes Lego? Das muss man aufräumen, man muss beim Bauen aus einem unsortierten Lego-Haufen einen Großteil in die Teilesuche stecken und am Ende fehlt doch irgendetwas, was man genau zu diesem Zeitpunkt braucht. Eine echte Disruption entwickelt sich hier für LEGO, bei der sie möglichst zügig selbst als Player mitspielen muss, um nicht Märkte zu verlieren. Wer ein Modell am Computer baut und dann tatsächlich mit echten Steinen nachbauen möchte, will die Teile sofort haben. Entweder direkt von LEGO oder von Steinehändlern, von denen die meisten mit recycelten Steinesammlungen arbeiten. Bei letzterem verdient LEGO nichts.

Und nun, die Schwarzwaldklinik?

Die ist nun fertig und sieht so aus. Also fast, denn natürlich gibt es noch einiges in Sachen Tuning zu tun:

Für den jetzigen Stand sind aber etwas über 1.700 Steine verbaut und gedauert hat das Ganze unterm Strich 12 Stunden am Wochenende. Das ist ein ganz guter Schnitt, mit dem ich mich auch als Kind gut hätte blicken lassen können (mit der üblichen Steinsuche hätte ich als Kind natürlich gut das Doppelte veranschlagen müssen).

Next step: Das Ding tatsächlich bauen. Und das wird aus mehreren Gründen spannend, denn es wird dann 60 Zentimeter lang und 80 Zentimeter hoch. 😉

2 Gedanken zu „LEGO-CAD.

    1. Wenn ich die durchschnittliche Raucherpausenzahl eines Mitarbeiters pro Monat addiere, komme ich auf ähnliches Zeitverplempern. Und immerhin versaue ich mir mit dem Geschäft hier nicht die Lunge. 🙂

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