Wie Fleurop gute Werbung macht*

Du warst im Urlaub. Allein. Irgendwie ging vorher deine feste Beziehung mit deiner Freundin in die Brüche. Ihr wart ein Paar! Eigentlich hättet ihr, so die Meinung vieler, heiraten müssen. Aber es hat nicht sollen sein. Es ging kaputt. Du warst sehr enttäuscht. Deinen Urlaub in einem abgelegenen Hotel mit kristallklarem Meer und Sandstrand vor der Türe wolltest du eigentlich absagen, hast dich dann aber durchgerungen, das Doppelzimmer zum Einzelzimmer umzubuchen und bist dann doch geflogen. 12 Stunden Flug und plötzlich waren die Winterschuhe nicht mehr gefragt, sondern Flipflops.

Der Urlaub tat dir gut. Die ersten Tage waren für die einsamen Strände, dann aber hast du dich mit Hotelbewohnern anfreunden können. Der Mensch ist halt doch ein Herdentier. Du hast da eine Frau kennengelernt, abends beim Buffet. Sie machte Urlaub mit ihren Freundinnen, ziemlich laut. Sie aber war nicht so. Eigentlich wolltest du ja nicht, aber es hat dann doch gefunkt. Sie sonderte sich für den Rest ihres Urlaubs von ihren Freundinnen ab und ihr entdecktet das Land. Und euch.

Doch irgendwann endet der schönste Urlaub. Der strahlend blaue Himmel wechselt wieder zur grauen, kalten, nassen Welt und du findest dich wieder an deinem Schreibtisch in einem Großraumbüro und in einem Büroturm einer Bank. Der Alltag hat dich und irgendwie beleben dich die Gedanken an deinen Urlaub nicht so, wie sie sollen. Denn deine Bekanntschaft, die du in kürzester Zeit leben und lieben gelernt hast, wohnt nicht in der deutschen Stadt, in der du wohnst, sondern in London. 700 Kilometer weit weg.

Wie diese Fernbeziehung auf Dauer funktionieren soll, wisst ihr nicht. Aber die Emotionen aus dem Urlaub sind noch da. Ihr mögt euch so sehr und wenn ihr miteinander telefoniert, müsst ihr grinsen und giggeln wie zwei Teenager. Ich verabredet euch auf gleichzeitige Zigarettenpausen. Fünf Minuten Telefonieren oder Messenger, alles ganz, ganz albern, aber so aufregend! Deine Kollegen halten dich schon für bescheuert und ziehen dich ein kleinwenig auf, aber sie akzeptieren dich. Immerhin organisierst du das Tippspiel für die Bundesliga.

Eigentlich hattet ihr euch jeden Tag auf zehn Uhr auf die erste gemeinsame Zigarettenpause verständigt, aber gestern Abend hattest du ihr geschrieben, dass du um zehn Uhr ein Meeting haben würdest und dich erst danach melden wolltest. Kurz vor dem Meeting sortierst du noch deine Papiere, wirfst nochmal einen Blick auf dein Smartphone. Du holst nochmal kurz das Foto von euch auf den Bildschirm, als ich euch noch vor zehn Tagen in irgendeinem Dorf vor dem seltsamen Restaurant geknipst habt. Du musst lächeln, als plötzlich neben dir ein junger Mann steht. Ist es nicht gerade auffallend ruhiger im Büro geworden? Du schaust kurz zu deinem Kollegen dir gegenüber, der mit staunendem Gesicht dich und den Mann neben dir anschaut.

„Sind Sie Herr ABC?“, fragt der Mann in Jacke und Straßenschuhen freundlich.

„Ja, der bin ich“, antwortest du, ebenfalls perplex wie deine Kollegen rund um dich herum.

„Dann habe ich hier eine kleine Aufmerksamkeit für Sie“, sagt er und stellt einen eingewickelten Blumenstrauß nebst Vase auf deinen Schreibtisch und geht. Den Duft von Schnittblumen, den du als Kind so mochtest, liegt in der Luft.

Du wickelst den prächtigen, betörend bunten Blumenstrauß aus, öffnest den beiliegenden, kleinen Briefumschlag: „Bis später!“ Mit Herzchen. Dein Lächeln ist der Anlass für deine Kollegen, leise zu klatschen, mit ihren Fingerknöcheln auf den Tisch zu trommeln.

* Ein emotionaler Werbespot, wie man sich Fleurop am schönsten vorstellt. Aber das ist keine Beschreibung des aktuellen Fleurop-Werbespots, denn der sieht so aus:

Schade, Fleurop.

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